Impactsuspect » Sinn
Jul
24
2009
4

Semantik für Fortgeschrittene: Warum „Space“ und „Raum“ nicht identisch sind.

Es ist ja immer so eine Sache, wenn man übersetzt. Da gibt es allerlei Tücken. Die wenigsten Worte haben nur eine Bedeutung, und so gut wie nie ist das Bedeutungspektrum eines Wortes gleich dem des entsprechenden Wortes in einer anderen Sprache. Bevor wir zu „Space“ kommen, nehmen wir ein deutlicheres Wort als Beispiel: „Holz“.

„Holz“ heißt im Deutschen jenes Material was aus Bäumen gewonnen, und zur Herstellung allerlei Zeugs verwendet wird. Das am ehesten dem deutschen „Holz“ entsprechende Wort im Englischen ist „Wood“. „Wood“ hat aber ein breiteres Bedeutungsspektrum als „Holz“. „Wood“ kann auch ebensogut mit „Wald“ übersetzt werden. Das ganze ist, wie sehr viel in der Semantik, kontextabhängig. Im Dänischen übersetzt man „Holz“ am besten mit „træ“, was allerdings auch gleichzeitig „Baum“ bedeuten kann.


Secret Wood by ~autumn-ethereal on deviantART

Wenn wir „Raum“ ins Englische übersetzen wollen, dann haben wir mehrere Möglichkeiten: „Room“, wenn mit „Raum“ ein Zimmer oder ein Saal gemeint ist, „Space“ oder „Range“, wenn es sich um eine räumliche Ausdehnung ganz allgemein handelt oder auch „Gullet“ wenn der Raum zwischen den Sägezähnen einer Säge gemeint ist. Wenn ein Engländer oder Amerikaner also einfach „Raum“ mit „Room“ übersetzt, ohne den Kontext der Benutzung zu beachten, dann bekommt er unter Umständen dasselbe Problem, wenn wir „Deep in the Woods“ mit „Tief in den Hölzern“ übersetzen.
Aus „Es stehen Vorwürfe im Raum“ würde dann „There are standing accusations in the room.“ was nicht viel Sinn ergibt.
Ähnlich ist es auch, wenn man Englische Worte ins Deutsche übersetzen will. Da kann halt so viel schiefgehen, weil eben kaum irgendwelche Worte in verschiedenen Sprachen semantisch deckungsgleich sind.

Kommen wir also endlich zu „Space“. Kann man sicherlich mit „Raum“ übersetzen. Bloss eben nicht immer.

Der bekannte Anfang jeder Star Trek Folge zum Beispiel lautet auf Englisch „Space, the final frontier…“ Wenn ich da einfach „Raum“ einsetze, erhalte ich „Raum, die letzte Grenze…“ Kann man eventuell noch halbwegs herleiten, was gemeint ist, richtiger wäre hier aber „Space“ mit „Weltraum“, „All“ oder „Kosmos“ zu übersetzen.
„Aha!“, wird der kundige Leser jetzt ausrufen, „Aber es heißt doch Raumschiff!“


SpaceShip by ~zsolti65 on deviantART

Stimmt. Es heißt Raumschiff. Aber das ist vermutlich schon eine fehlerhafte Übersetzung die sich irgendwann beim Übertragen von Englischsprachigen Science-Fiction-Romanen eingeschlichen hat, und nun zum Usus geworden ist. Früher hieß es in Deutschland noch „Weltraumschiff“.
„I’m flying into space!“, ist im Englischen eindeutig. Hier ist der Flug ins All gemeint. Sagt man aber im Deutschen „Ich fliege in den Raum!“, dann ist die erste Assoziation dazu ein Mensch, der unsanft von irgendwelchen Rüpeln durch eine Tür geworfen wird. Den englischen Satz würde man vermutlich eher mit „Ich fliege ins All“ oder „Ich fliege in den Weltraum“ übersetzen.

Noch ein Beispiel: Zwischen den beiden Alt-Tasten meiner Tastatur sitzt auf englisch „the space bar“. Weder würde ich diese Taste auf Deutsch „Raumtaste“ nennen, noch „Weltraumtaste“, sondern eben „Leertaste“. „Space“ kann also auch sowas bedeuten wie „Zwischenraum“ oder „Abstand“.
Wenn man auf Englisch gesagt bekommt „I need space.“, dann heißt es ja auch nicht „Ich brauche RAUM!“ sondern „Ich brauche Abstand!“. Kann sein, dass einige Leute tatsächlich heutzutage „Ich brauche Raum!“ sagen, wenn sie sich von ihrem Partner zwischenzeitlich trennen wollen, aber das ist dann ein unschöner Übersetzungsanglizismus, der leicht faschistoid wirkt, wie ich finde.

So, jetzt hab ich euch genug gelangweilt, ich gehe jetzt in die „Space Bar“ was trinken. Prost!


Space Bar by ~AlexWild on deviantART

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter: ,
Sep
04
2008
0

Freitag Frei

Morgen hab ich frei. Freitags habe ich oft frei, eigentlich meistens. Das hat auch einen Grund. Nein, nicht die Geschichte von Paul Maar mit dem Sams. Der Grund ist folgender: Als es das Domino noch gab (näheres hier) brauchte ich meinen freien Freitag, um endlich mal auszuschlafen, und das Pfeifen auf den Ohren loszuwerden.
Mittlerweile – aus Gründen die zu dämlich und kompliziert sind um sie hier zu nennen – gibt es den Donnerstag im Domino nicht mehr.
Ich kann mich noch an früher erinnern. (Ist ja auch erst etwas über 10 Jahre her) Ich dachte, das Domno würd’s immer geben, alleine weil man sonst nirgendwo hingehen kann hier oben. Es ist lange her, dass man noch in den Dornbusch gehen konnte, und noch länger ist es her, dass der Trichter angenehm war. Dort wo die beiden standen befinden sich jetzt Altenheime, glaub ich.
Warum konnte man das Domino also nicht erhalten? Manche mögen sagen, das wäre der Lauf der Dinge. Dinge müssen sich ändern, denn Stagnation ist der Tod. Stimmt zwar irgendwie, aber der Mensch bewahrt doch Dinge, die er gut findet. Oder zumindest versucht er das. Pandabären zum Beispiel. Oder Schnabeltiere.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Tiere auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen, die es auch alleine fertiggebracht hätten auszusterben. Alte Bauwerke werden auch bewahrt, und nicht nur Schlösser und Kirchen. Nein, es gibt sogar Industriedenkmäler! Warum also nicht das gemütliche alte Ex-Autohaus bewahren, in dem ich Donnerstags immer getanzt habe?

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: , , , ,
Jun
01
2008
0

Der Sinn des Lebens

Ui, tiefschürfend. Und ein Thema über das kaum jemand schreibt… *räusper*
Nagut, da bin ich heute also in Flensburg unterwegs, und schaue mich hier und da um, und da kommt mir plötzlich die Erkenntnis:
Ich habe meinen Sinn des Lebens gefunden. Denke ich zumindest. Zumindest für jetzt.
Früher dachte ich immer, der Sinn des Lebens sei es, möglichst viel Wissen anzuhäufen, was sich, wie ich irgendwann irgendwo mal las, erstaunlicherweise mit der Ansicht der alten Ägypter zu decken scheint.
Irgendwann hat man dann aber keinen Bock mehr darauf, schlaue Bücher zu lesen. Irgendwann reichts einem, denn je mehr man versucht sich eine umfassende Allgemeinbildung aufzubauen, desto mehr uninteressanter Krempel ist dabei, und desto mehr interessante „Fakten“ widersprechen sich.
Was also dann? Lachen, Trinken, Fröhlichsein?
Vielleicht wenn man Rheinländer wäre, was ich nicht bin.
Mein Momentaner Sinn des Lebens, wie ich beim Promenieren durch die aufgerissene Flensburger Fußgängerzone feststellte, ist mich von Pointe zu Pointe zu hangeln.
Das heißt jetzt nicht, dass ich ständig dumme Witze erzählen muss. Naja, das tu ich ehrlich gesagt trotzdem. Mein Sinn des Lebens ist den Humor in Alltagssituationen zu erkennen, und mich innerlich schlapp zu lachen. Dabei können dies sowohl Situationen sein, die mich betreffen, als auch welche, denen ich nur als Aussenstehender beiwohne. Dieser Sinn ergibt einen Sinn für mich.

Mal was anderes: Hat jemand von euch schon mal mit der Kamera geredet? Ich hab das schon gemacht. Also mir vorgestellt ich sei im Fernsehen, und den Ort angesprochen, an dem die Kamera hätte stehen müssen. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, ist schon lange her, aber es war etwas wie „Das ist mal wieder typisch für mich!“
Keine Angst, wenn ich irgendwann einmal mein Leben durch Konservenlachen untermalt höre, gehe ich spätestens zu einem Psychlogen.

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Jul
24
2009
4

Semantik für Fortgeschrittene: Warum „Space“ und „Raum“ nicht identisch sind.

Es ist ja immer so eine Sache, wenn man übersetzt. Da gibt es allerlei Tücken. Die wenigsten Worte haben nur eine Bedeutung, und so gut wie nie ist das Bedeutungspektrum eines Wortes gleich dem des entsprechenden Wortes in einer anderen Sprache. Bevor wir zu „Space“ kommen, nehmen wir ein deutlicheres Wort als Beispiel: „Holz“.

„Holz“ heißt im Deutschen jenes Material was aus Bäumen gewonnen, und zur Herstellung allerlei Zeugs verwendet wird. Das am ehesten dem deutschen „Holz“ entsprechende Wort im Englischen ist „Wood“. „Wood“ hat aber ein breiteres Bedeutungsspektrum als „Holz“. „Wood“ kann auch ebensogut mit „Wald“ übersetzt werden. Das ganze ist, wie sehr viel in der Semantik, kontextabhängig. Im Dänischen übersetzt man „Holz“ am besten mit „træ“, was allerdings auch gleichzeitig „Baum“ bedeuten kann.


Secret Wood by ~autumn-ethereal on deviantART

Wenn wir „Raum“ ins Englische übersetzen wollen, dann haben wir mehrere Möglichkeiten: „Room“, wenn mit „Raum“ ein Zimmer oder ein Saal gemeint ist, „Space“ oder „Range“, wenn es sich um eine räumliche Ausdehnung ganz allgemein handelt oder auch „Gullet“ wenn der Raum zwischen den Sägezähnen einer Säge gemeint ist. Wenn ein Engländer oder Amerikaner also einfach „Raum“ mit „Room“ übersetzt, ohne den Kontext der Benutzung zu beachten, dann bekommt er unter Umständen dasselbe Problem, wenn wir „Deep in the Woods“ mit „Tief in den Hölzern“ übersetzen.
Aus „Es stehen Vorwürfe im Raum“ würde dann „There are standing accusations in the room.“ was nicht viel Sinn ergibt.
Ähnlich ist es auch, wenn man Englische Worte ins Deutsche übersetzen will. Da kann halt so viel schiefgehen, weil eben kaum irgendwelche Worte in verschiedenen Sprachen semantisch deckungsgleich sind.

Kommen wir also endlich zu „Space“. Kann man sicherlich mit „Raum“ übersetzen. Bloss eben nicht immer.

Der bekannte Anfang jeder Star Trek Folge zum Beispiel lautet auf Englisch „Space, the final frontier…“ Wenn ich da einfach „Raum“ einsetze, erhalte ich „Raum, die letzte Grenze…“ Kann man eventuell noch halbwegs herleiten, was gemeint ist, richtiger wäre hier aber „Space“ mit „Weltraum“, „All“ oder „Kosmos“ zu übersetzen.
„Aha!“, wird der kundige Leser jetzt ausrufen, „Aber es heißt doch Raumschiff!“


SpaceShip by ~zsolti65 on deviantART

Stimmt. Es heißt Raumschiff. Aber das ist vermutlich schon eine fehlerhafte Übersetzung die sich irgendwann beim Übertragen von Englischsprachigen Science-Fiction-Romanen eingeschlichen hat, und nun zum Usus geworden ist. Früher hieß es in Deutschland noch „Weltraumschiff“.
„I’m flying into space!“, ist im Englischen eindeutig. Hier ist der Flug ins All gemeint. Sagt man aber im Deutschen „Ich fliege in den Raum!“, dann ist die erste Assoziation dazu ein Mensch, der unsanft von irgendwelchen Rüpeln durch eine Tür geworfen wird. Den englischen Satz würde man vermutlich eher mit „Ich fliege ins All“ oder „Ich fliege in den Weltraum“ übersetzen.

Noch ein Beispiel: Zwischen den beiden Alt-Tasten meiner Tastatur sitzt auf englisch „the space bar“. Weder würde ich diese Taste auf Deutsch „Raumtaste“ nennen, noch „Weltraumtaste“, sondern eben „Leertaste“. „Space“ kann also auch sowas bedeuten wie „Zwischenraum“ oder „Abstand“.
Wenn man auf Englisch gesagt bekommt „I need space.“, dann heißt es ja auch nicht „Ich brauche RAUM!“ sondern „Ich brauche Abstand!“. Kann sein, dass einige Leute tatsächlich heutzutage „Ich brauche Raum!“ sagen, wenn sie sich von ihrem Partner zwischenzeitlich trennen wollen, aber das ist dann ein unschöner Übersetzungsanglizismus, der leicht faschistoid wirkt, wie ich finde.

So, jetzt hab ich euch genug gelangweilt, ich gehe jetzt in die „Space Bar“ was trinken. Prost!


Space Bar by ~AlexWild on deviantART

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter: ,
Sep
04
2008
0

Freitag Frei

Morgen hab ich frei. Freitags habe ich oft frei, eigentlich meistens. Das hat auch einen Grund. Nein, nicht die Geschichte von Paul Maar mit dem Sams. Der Grund ist folgender: Als es das Domino noch gab (näheres hier) brauchte ich meinen freien Freitag, um endlich mal auszuschlafen, und das Pfeifen auf den Ohren loszuwerden.
Mittlerweile – aus Gründen die zu dämlich und kompliziert sind um sie hier zu nennen – gibt es den Donnerstag im Domino nicht mehr.
Ich kann mich noch an früher erinnern. (Ist ja auch erst etwas über 10 Jahre her) Ich dachte, das Domno würd’s immer geben, alleine weil man sonst nirgendwo hingehen kann hier oben. Es ist lange her, dass man noch in den Dornbusch gehen konnte, und noch länger ist es her, dass der Trichter angenehm war. Dort wo die beiden standen befinden sich jetzt Altenheime, glaub ich.
Warum konnte man das Domino also nicht erhalten? Manche mögen sagen, das wäre der Lauf der Dinge. Dinge müssen sich ändern, denn Stagnation ist der Tod. Stimmt zwar irgendwie, aber der Mensch bewahrt doch Dinge, die er gut findet. Oder zumindest versucht er das. Pandabären zum Beispiel. Oder Schnabeltiere.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Tiere auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen, die es auch alleine fertiggebracht hätten auszusterben. Alte Bauwerke werden auch bewahrt, und nicht nur Schlösser und Kirchen. Nein, es gibt sogar Industriedenkmäler! Warum also nicht das gemütliche alte Ex-Autohaus bewahren, in dem ich Donnerstags immer getanzt habe?

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: , , , ,
Jun
01
2008
0

Der Sinn des Lebens

Ui, tiefschürfend. Und ein Thema über das kaum jemand schreibt… *räusper*
Nagut, da bin ich heute also in Flensburg unterwegs, und schaue mich hier und da um, und da kommt mir plötzlich die Erkenntnis:
Ich habe meinen Sinn des Lebens gefunden. Denke ich zumindest. Zumindest für jetzt.
Früher dachte ich immer, der Sinn des Lebens sei es, möglichst viel Wissen anzuhäufen, was sich, wie ich irgendwann irgendwo mal las, erstaunlicherweise mit der Ansicht der alten Ägypter zu decken scheint.
Irgendwann hat man dann aber keinen Bock mehr darauf, schlaue Bücher zu lesen. Irgendwann reichts einem, denn je mehr man versucht sich eine umfassende Allgemeinbildung aufzubauen, desto mehr uninteressanter Krempel ist dabei, und desto mehr interessante „Fakten“ widersprechen sich.
Was also dann? Lachen, Trinken, Fröhlichsein?
Vielleicht wenn man Rheinländer wäre, was ich nicht bin.
Mein Momentaner Sinn des Lebens, wie ich beim Promenieren durch die aufgerissene Flensburger Fußgängerzone feststellte, ist mich von Pointe zu Pointe zu hangeln.
Das heißt jetzt nicht, dass ich ständig dumme Witze erzählen muss. Naja, das tu ich ehrlich gesagt trotzdem. Mein Sinn des Lebens ist den Humor in Alltagssituationen zu erkennen, und mich innerlich schlapp zu lachen. Dabei können dies sowohl Situationen sein, die mich betreffen, als auch welche, denen ich nur als Aussenstehender beiwohne. Dieser Sinn ergibt einen Sinn für mich.

Mal was anderes: Hat jemand von euch schon mal mit der Kamera geredet? Ich hab das schon gemacht. Also mir vorgestellt ich sei im Fernsehen, und den Ort angesprochen, an dem die Kamera hätte stehen müssen. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, ist schon lange her, aber es war etwas wie „Das ist mal wieder typisch für mich!“
Keine Angst, wenn ich irgendwann einmal mein Leben durch Konservenlachen untermalt höre, gehe ich spätestens zu einem Psychlogen.