Impactsuspect » Satire
Apr
30
2011
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Immer dieser Acab…

Acab, der ja bekanntlich ein weltweit tätiger türkischstämmiger Sprayer ist, wurde ja eine gewisse Kreativlosigkeit bei seinen Grafittos nachgesagt.
Immer würde er nur seinen eigenen Vornamen lieblos dahinsprühen.

Acab hat sich offensichtlich die Kritik zu Herzen genommen und in Flensburg ein wenig mit seinem Markennamenszug herumexperimentiert, wie man im folgenden sieht:

Na ja.

Derweil fahndet Interpol schon mit Hochdruck. Da Acab sich in aller Welt herumtreibt, geht man mittlerweile davon aus, dass er Steward einer der großen Fluglinien ist. Da er sich auch auf dem Land herumtreibt, ist es möglich, dass er gleich eine Reihe von Nebenjobs hat.

Interpol hat in der Zwischenzeit auch eine Sonderkommission aus bekannten Lehrerinnen gebildet, da diese als Universalexpertinnen in aller Welt geschätzt werden und sich generell mit Acabs auskennen.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Lustiges | Schlagwörter: ,
Mrz
29
2011
4

Ist denn Telefon überhaupt sicher?

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, muss ich mir in Zukunft einen Telefonanschluss zulegen, um über relevante Termine seiner kaiserlichen Hoheit informiert zu werden? Ich beziehe mich konkret auf die Ankündigung des Regierungssprechers, dass seine kaiserliche Hoheit nach Norderney reist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Im Zeitungsgeschäft wissen Sie: Viel hilft viel.

Ich glaube nicht, dass wir bislang Ihnen gegenüber mit Informationen geizig gewesen sind und dass jemand, der von Ihnen an eine Information herankommen wollte, am Ende überrascht wurde, dass wir irgendwelche anderen Kanäle bevorzugt bedient hätten. Wir gehen davon aus, dass sie als professionelle Schreiberlinge am Puls der Zeit natürlich alle ein Telefongerät zuhause installiert haben.

ZUSATZFRAGE: Die mittels Fernsprecher weitergegebenen Mitteilungen haben einen Nachrichtenwert. Sie sind auch durchaus schon in Zeitungsartikeln verwendet worden. Das Telefon an sich ist jedoch nicht sicher. Man kann einfach seine Stimme verstellen. Ich denke da insbesondere an Fälschungen von Schauspielern, so zum Beispiel Sarah Bernhardt bis hin zum russischen Zaren. Kann ich davon ausgehen, dass der, der mich anzurufen scheint, auch wirklich der ist, der er ist? Das kann ja durchaus Folgen haben.

Wenn es mir gestattet ist, darf ich einen Satz des ehemaligen Reichsinnenministers zitieren, der in einem Interview sagte: „Wer sich ein Fernsprechgerät in sein Haus installieren lässt, muss damit rechnen, dass jeder ihn anrufen kann.“ Es ist also auch eine Frage der Sicherheit. Ist die Sicherheit in diesem Fall gewährleistet?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Das, was technisch möglich ist, haben wir gewährleistet. Wir wissen um die Risiken des Telefons. Sollte irgendjemand Zweifel haben, ob eine Fernsprechgerät-Nachricht des Regierungssprechers echt ist, empfehle ich kurz die paar Schritte zum Reichstag zu gehen und nachzufragen. Grundsätzlich ist unsere Erfahrung, dass dieser Fernsprechgerät-Dienst sehr gerne angenommen sind. Da wir nicht nur ein Presseamt, sondern auch ein Informationsamt der Regierung für alle Menschen im Reich sind, hielten wir es für richtig, diesen Weg zu wählen.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, ich wüsste gerne, wann die Mitteilung über den Besuch seiner kaiserlichen Hoheit offiziell vom Bundespressamt mitgeteilt worden ist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Ich müsste das nachschauen. Da einer der Chefs vom Dienst jetzt in Hörweite ist, bitte ich herzlich um einen beherzten Zwischenruf. Ich bin auch nicht sicher, ob dieser Weg hundertprozentig sicher ist. Aber ich habe Vertrauen darin, dass ich schnellstmöglich Datum und Uhrzeit per Gebrüll geliefert bekomme.

ZUSATZFRAGE: Die Frage ist: Kann es sein, dass außer über Fernsprechgerät über diese Norderney-Reise nirgendwo berichtet wurde? Das ist ja eine andere Qualität. Wenn Herr von Klöten telefonieren will, weil er Zeit hat, ist das alles gut und schön. Aber das geht ja bis hin zu der Frage, wozu man dann noch Chefs vom Dienst braucht, wenn Herr von Klöten die Termine telefonisch durchgibt.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Sie wollen doch in Wahrheit wissen, ob es eine Benachteiligung ist, dass eine Information möglichweise statt über unsere Pinnwand über Fernsprechgerät herausgegangen ist. Nein, diese Auffassung teilen wir nicht.

ZURUF: Ich will wissen, ob es Termine nur über Fernsprechgerät bei Ihnen gibt oder ob das ein ergänzendes Angebot ist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Das ist ein ergänzendes Angebot, auf der Pinnwand war der Reisetermin nur Minuten später.
Ich habe eben schon einmal gesagt, was den Informationsgehalt der Fernsprechgerät-Nachrichten angeht: Wer immer Zweifel hat, dass irgendetwas nicht stimmt, kann sich innerhalb weniger Stunden rückversichern. Sie wohnen und arbeiten alle doch nur Strassen weiter! Dementsprechend sehe ich das Problem nicht!

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, als älterer Mensch, der mit diesen neumodischen Kommunikationsformen nicht so vertraut ist, eine grundsätzliche Frage: Hat es irgendwann einmal vonseiten des Bundespressamtes einen Hinweis darauf gegeben, dass nun auch über Fernsprechgerät wichtige Informationen verbreitet werden und man sich möglicherweise als Kunde oder Telefonist ‑ ich weiß nicht, wie das dort heißt ‑ anmelden müsste?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Meinem Kenntnisstand nach ja. Ich reiche aber gerne nach, ob das auch auf der Pinnwand war. Ich bin mir sehr sicher, dass wir es schon allein aus Eigeninteresse gemacht haben.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, in dieser Woche hat sich Herr von Klöten per Telefon ‑ ich nenne es einmal so ‑ einen kleinen Schlagabtausch mit dem notorischen Anarchisten Pjotr Alexejewitsch Kropotkin geliefert. Ist geplant, dass der Regierungssprecher künftig immer einmal wieder ans Telefon gehen wird? Es kann ja jeder anrufen. Ich habe Sie so verstanden, dass Sie über Fernsprechgerät auch Bürger und nicht nur uns Journalisten erreichen wollen. Wird das wirklich ein richtiges Kommunikationsmittel des Regierungssprechers werden, um die Regierungspolitik in die Bevölkerung zu kommunizieren?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Nach diesen Gelegenheiten suchen wir nicht ausdrücklich. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, dass über einen solchen schnellen Informationsaustausch interessante Diskussionen entstehen, werden wir das weiter tun. Herr von Klöten ist generell dazu angehalten, das Telefon abzunehmen, sollte es klingeln.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, wird es eine neue Gepflogenheit, dass man Reisepläne Land für Land telefonisch im Pressamt abfragt? Wie kommt man zu der Möglichkeit, zu erfahren, wann seine kaiserliche Hoheit beabsichtigt, wohin zu reisen?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Wir werden auch weiterhin vorrangig die Pinnwand für so etwas benutzen. Es steht ihnen aber frei den Regierungssprecher Herrn von Klöten anzurufen und selbst nachzufragen.

ZUSATZ: Wieder etwas gelernt. ‑ Danke!

FRAGE: Abweichend von der normalen Praxis, kann ich Sie einfach darum bitten, in Ihrem Amt vielleicht noch einmal die verschiedenen Aspekte prüfen zu lassen, die damit einhergehen? Denn wenn man diese Kommunikationswege geht ‑ da schließe ich mich sicherlich den anderen Agenturkollegen an ‑, dann greift das tief in unsere Arbeitsabläufe ein. Wenn es da ein Sicherheitsproblem gibt, dann hilft der Hinweis „wenn Sie Zweifel haben, können Sie ja zu einem Kaffee vorbeikommen“ uns als Agenturen nicht weiter. Denn wenn das eine autorisierte Verbreitungsquelle des Presseamtes ist, dann werden wir „zuschlagen“, und dann werden wir im Zweifelsfall auch mit einer falschen Meldung „zuschlagen“. Das kann nicht im Interesse Ihres Ministeriums sein. Da berufe ich mich ausdrücklich auch auf das, was der Kollege zur Sicherheitsfrage gesagt hat. Ich denke, man sollte dazu sicherlich die verschiedenen Aspekte nachuntersuchen.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Sie wissen aber auch, dass nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass Pazifisten oder Anarchisten dieses Gebäude besetzen uns alle gefangennehmen uns sich als öhm… wir verkleiden? Jeder Kommunikationsweg hat seine Gefahren.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, ich habe die Ankündigung, dass Herr von Klöten begonnen hat zu telefonieren, verpasst. Könnten Sie mir sagen, seit wann er das macht? Macht nur er das, oder telefonieren Sie auch?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Es war heute das erste mal, Sie haben ohne Telefon also noch nicht viel verpasst.
Ich mache das nicht. Wir sind an dieser Stelle der Linie erlegen, dass es vernünftig ist, dass es ein authentischer Absender ist. Dann finde ich es auch konsequent, dass das der Regierungssprecher macht und nicht der Stellvertreter.

Frei nach der Aufregung der Hauptstadtpresse um den twitternden Regierungssprecher via Netzpolitik und Wiegold.

Und wer nicht nochmal so viel lesen will – was ich verstehen könnte – die Twitteraufregungspressestunde gibt es u. a. beim Kraftfuttermischwerk auch als Video.

Mrz
09
2011
4

Der Fall des Barons – eine Chronik

Baronie Frankenstein. Eine grünliche Kreatur mit Nackenbolzen wird gesichtet, wie sie des Nachts durch die Strassen wandert und unartikuliert stöhnt.
Da bekannt ist, dass der Baron Dr. Viktor von Frankenstein ein Wissenschaftler ist, wird er von Inspector Kemp gefragt, ob er etwas mit der Sache zu tun hat.

Der Baron: „Diese Vorwürfe kann ich nur als abstrus bezeichnen.“

Abgesehen von den gelegentlichen Besuchen der Kreatur im Dorf, vermeldet auch der Totengräber, dass sich jemand in den vergangenen Monaten immer wieder an den Gräbern zu schaffen machte. Der bucklige Diener des Barons wurde nachts verdächtig häufig in der Nähe des Friedhofs angetroffen, wie sich der Nachtwächter erinnert.
Dies und die Tatsache, dass Frau Gemeinhuber in Ohnmacht fällt, weil die Kreatur angeblich das Gesicht ihres toten Mannes trägt, sorgt dafür, dass sich der Verdacht verdichtet, der Baron habe eventuell Leichenteile vom Friedhof gestohlen und zu einem grotesken Monster zusammengenäht.

Angesprochen auf die Vorwürfe antwortet der Baron: „Meine von mir geschaffene Kreatur besteht nicht aus gestohlenen Leichenteilen, und den Vorwurf weise ich in aller Form von mir. Die Menschen in dieser Baronie erwarten, dass ich mich um die fordernde Aufgabe des progressiven Wissenschaftlers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch.“

Die Kreatur tötet im Affekt den Nachtwächter und die kleine Annie Grubenmichel, als diese am Brunnen spielt. Dorfbewohner reichen eine Petition ein, die sich gegen weitere Experimente in der Baronie richtet und eine verdachtsunabhängige Vollzeitvideoüberwachung des örtlichen Friedhofs fordert.
Die Stimmen werden lauter, dass eigentlich doch der Baron an allem Schuld sei und gefälligst zu verschwinden habe.

Im Internet nimmt die Seite „Frankenstein-Leichenraub.wiki“ anhand von Fotos und freiwilligen genetischen Proben der Dorfbewohner eine Analyse vor. Hierbei stellt sich heraus, dass die Kreatur sich zu mindestens 84,9% klar erkennbar aus Körperteilen verstorbener Dorfbewohner zusammensetzt.

Auf einer Versammlung progressiver Wissenschaftler äußert sich Dr. Frankenstein wie folgt: „Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form Leichenteile vom Friedhof entwendet, und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren, wie konnte das geschehen? Wie konnte das passieren?
So ist es, dass man einen Blick dann zurückwirft. Man hat sechs, sieben Monate an so einer Kreatur gebastelt. Man hat in diesen 6 oder 7 Monaten teilweise auch zuviel… teilweise auch den Überblick über die Quellen verloren.“

Die Kreatur wird eingefangen, befreit sich aber wieder, nachdem der Gefängniswärter sie mit einem Sturmfeuerzeug geärgert hat. Der Gefängniswärter wird dabei getötet, und das Gefängnis brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die Kreatur erwürgt auf der Flucht eine Molkereifachfrau.
Der Baron von Frankenstein wird schließlich vor den Stadtrat geholt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Er sagt: „Mir geht es darum in eine Debatte, die so aufgeheizt ist, und in die man auch so viel Stimmung bringen kann, dann auch wieder Ruhe reinzubringen, dass man auch vergleichsweise ruhig wieder seiner Tätigkeit als Wissenschaftler nachgehen kann. Und das werde ich auch.
Ich habe mir meine Kreatur übers Wochenende noch einmal angesehen, und muss zugeben, dass ich bei der Besorgung der Rohmaterialien schon ziemlichen Blödsinn gemacht habe.“

Die Lage eskaliert. Die wütende Dorfbevölkerung marschiert mit Fackeln und Mistgabeln erst der Kreatur hinterher, dann zur Burg Frankenstein. Am nachfolgenden Tag äußert sich der Baron zu den Vorgängen wie folgt:

„Ich habe in einem sehr freundlichen Gespräch den Herrn Bürgermeister informiert, dass ich mich von weiteren Experimenten mit totem Gewebe in dieser Baronie zurückziehen werde, und meine Burg – bzw. meine abgebrannte Burgruine – zum Verkauf gemeldet. Dies war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber ich kann es nicht zulassen, dass ein Mob wütender Dorfbewohner den Streit um meine Person auf dem Rücken der Wissenschaft austrägt.“

Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Wir wollen Dr. Baron Viktor von Frankenstein zurück“ wird gegründet.

Mrz
08
2011
--

Sich gegen die Zensur zur Wehr setzen

Nicht nur verschiedene Regierungen und Verwaltungen wollen einen Hebel kreiren, mit dem sie Seiten aus dem Internet ausblenden können. Auch die großen Plattenlabels machen uns seit einiger Zeit das Leben schwer, indem Sie Videos auf Youtube geoblocken lassen, nur weil diese teilweise 150 Jahre alte Musikstücke enthalten, denen man im Radio nicht entkommen kann, die Online aber nur gegen Vergütung verbreitet werden düfen.

Wer sich an diese Aktion erinnert, und sie gut fand, wird sich freuen, dass man nun auch die großen Plattenlabel automatisiert von seiner Webseite halten kann.
Die neue Aktion nennt sich „Bust all major Labels“ und kommt komplett mit einer satirischen Version dieses unsäglichen Bildes daher, mit dem Youtbe einem bedauernd mitteilt, dass es heute kein Video für uns gibt.

Update: Hm. Funktioniert so anscheinend gar nicht, weil Crawler Javascript ignorieren, und Menschen es abschalten, wie man mir zutrug. 🙁

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Feb
25
2011
--
Feb
23
2011
15

Gegen die Vorververurteiligung von Herrn Professor Doktor Doktor Karl Theodor Gotthold Ephraim Schokominza zu Guttenberg

Lasst doch ma alle den Gutti in Ruhe! Der ist doch ein Lieber! Der hat schon so viel in die Politik getan! Die ganze letzte Jahre schon! Und schick frisiert ist er auch immer! Und seine Stefanie ist ’ne heiße Schnecke! Das alles beweist doch, das das alles nur eine Kampagne des politischen Gegners ist! Diese Linkspartei und wie die alle heißen! Der muss den armen armen Guttenberg nämlich damals dazu gezwungen haben, die Doktorarbeit abzuschreiben, anders kann ich mir das auch nicht erklären!
Und überhaupt! Da hat er halt ein wenig abgeschrieben! Wer hat das nicht? Wer kann ehrlich sagen, er hätte noch nie einen kleineren aber schlaueren Mitschüler verprügelt, damit dieser einem die Hausaufgaben macht? Wer? Der werfe den ersten Stein! Jawohl!

Und überhaupt: Doktor. Was ist das schon? Das ist doch auch nur ein Name! Mir ist sowieso total egal, wer Doktor ist, oder wer nicht! Ich lass mich im Krankenhaus auch gerne mal vom Hausmeister behandeln! Als ich mal mit Lungenentzündung da war, hat der nette Herr Hausmeister einen weißen Kittel angezogen, und mir einen Eukalyptuslutschbongbong gegeben. Da wurde alles sofort besser, und ich habe ihm nur 100 Euro bezahlen müssen! Wenn das ein Verbrechen sein soll, wo ist denn dann das Opfer? Eben! So, und nun will ich nichts despektierliches zum Thema Guttenberg mehr hören! Das ist ein Lieber!

Dez
03
2010
--

Komm mit, ins Chancenwunderland…

Ach was sind sie nicht herrlich, unsere Regierungsparteien. Immer wenn man denkt, nun sei endgültig der Meeresboden des Niveaus erreicht und die könnten gar keinen größeren Unsinn mehr reden, packt irgendjemand in der CDU oder FDP einen neuartigen Tiefseebohrturm des Unsinns aus. (Die CSU läuft da meines Erachtens schon seit Strauß außer Konkurrenz.)

Man kann froh sein, dass verbaler Dünnpfiff nicht – wie etwa Erdöl – unkontrolliert in die Umwelt schwallern kann, obwohl ein Guido Westerwelle oder eine Frau von der Leyen schon ziemlich nahe an solch ein Szenario herankommen.

Erinnert ihr euch noch an den „Rechtsfreien Raum“? Diese allwettertaugliche Floskel in Sachen Netzpolitik, mit der schon seit den 90ern alle möglichen Politiker versuchen uns IT-Kompetenz vorzugaukeln?

Im letzten Jahr ist der politischen Kaste wohl dann auch aufgefallen, dass diese Floskel eventuell ein klein wenig zu oft Verwendung fand.

Ein Begriff wie „Terror“ gewinnt ja an Bedeutung, je öfter man ihn benutzt, aber „Rechtsfreier Raum“ ist leider emotional wenig beladen und klingt daher immer hohl.

Jeder zweite Politiker oder Netzkritiker erfand im Laufe des letzten Jahres also seine eigene Abwandlung dieser Phrase. Damit ihr inflationärer Gebrauch nicht so auffiel. Da wurde auch aus „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ schon mal die Mär vom Internet als „rechtsfreiem Chaosraum“ oder das Internet wurde gar als „See der Gesetzlosen“ tituliert.

Dann wurde es irgendwann recht still um diese vermaledeite Phrase, weil die Bundestagswahl vorbei war, und die neue Regierung keinen Bock mehr auf Netzpolitik hatte.

Nun gibt Christian Lindner von der FDP etwas über das Internet zum Besten, und wenn man sich folgenden Satz auf den Augen zergehen lässt, ahnt man wie schwer es Herrn Lindner gefallen sein muss, den Satz mit diesem Raum, der rechtsfrei ist, auszusparen.

Unter anderem (LINK) sagt er folgendes:

Der Generalsekretär bekräftigte: „Das Internet darf kein Feld sein, wo es anarchische Strukturen gibt.“ Notwendig seien „klare Regeln“, wo es „sehr dominante, monopolartig auftretende kommerzielle Anbieter“ gebe.

Aus dem Raum, dem Meer, dem Netz namens Inter wird nun plötzlich ein Feld. Man könnte annehmen, dass Herr Lindner zu viel Farmville gespielt hat, und das Netz daher für ein „Feld“ hält.
Meiner Meinung nach ist „Feld“ ein noch dümmerer Ausdruck als „Raum“ und wo „See der Gesetzlosen“ ja noch irgendwie eine poetische Qualität hatte, klingt „Feld mit anarchischen Strukturen“ nur so als hätte da jemand einen Thesaurus zum Frühstück gehabt.
Im letzten Jahr hätte ich ihm noch den Rechtsfreien Raum der Woche für so eine Sprachvergewaltigung verliehen, aber das ist mir einfach zu viel Arbeit geworden.
Auch interessant, dass sich ausgerechnet jemand von der Unternehmer- und „Bürgerrechts-“ Partei FDP für weniger Freiheit und eine reguliertere Wirtschaft im Internet ausspricht, aber dass bei Parteien drin ist was drauf steht, gibt es ja sowieso seit Jahrzehnten schon nicht mehr.

Na ja, soviel zu dieser Phrase.
Derweil macht auch unser geliebter Sonnenschein von Bundeskanzlerin von sich reden.
Wie man hier (LINK) lesen kann, „attackiert“ Frau Merkel die Grünen und wirft ihnen vor, eine „Dagegen-Partei“ zu sein.
Erst einmal habe ich Schwierigkeiten mir Frau Merkel dabei vorzustellen wie sie jemanden attackiert. Ich muss da spontan an alte Klamauk-Klamotten mit Didi Hallervorden denken, in denen es immer zu herrlich verrückten Handgemengen kam, wenn ich „Merkel“ und „Attacke“ in einem Satz lese.
Aber diese Formulierung ist ja nicht Frau Merkels Schuld, sondern die desjenigen, der sich die Überschrift der Meldung ausgedacht hat.
Frau Merkel hingegen hat gemerkt, dass die Grünen häufig mal gegen etwas sind, dass die CDU oder auch die FDP fordert.
So sind die Grünen – zumindest prinzipiell – gegen Atomstrom, Castortransporte, CCS, Kohlekraftwerke und so einiges mehr.
Aber es ist ja immer auch eine Sache der Perspektive. Man könnte es auch so ausdrücken, dass die Grünen für Umweltschutz sind, für erneuerbare Energien und für den Atomausstieg.
Und wie beknackt ist es eigentlich einer Oppositionspartei vorzuwerfen, sie sei gegen etwas, was die Regierungspartei beschließt? Muss die Opposition nicht eine andere Meinung vertreten als die Regierung, damit man noch von Demokratie sprechen kann?

Und jetzt schlägt auch noch die wahlkampfwettererprobte Frau Ursula „Zensursula“ von der Leyen, die ja mittlerweile Arbeitsministerin ist, in die gleiche Kerbe.
Wie die Welt (LINK) berichtet, warb sie im Bundestag für die Unterstützung der Opposition bei der neuen Hartz-Reform.

„Ich lade Sie ein, den Weg der Chancen mitzugehen und nicht auf dem Holzweg der Ablehnung zu bleiben“

Mir fehlen die Worte. Ein Zustand, den ich mir auch an allen hier genannten Politikern wünsche.

Warum macht die CDU nicht gleich ein Gesetz, indem die Opposition dazu verpflichtet wird, Gesetzesvorhaben der Regierung zuzustimmen?
Zuzutrauen wäre es denen. Ebenso, dass sie dann wegen eben dieses Gesetzes vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, sobald sie selbst mal wieder in der Opposition sind.

Nov
17
2010
2

Terror!

Wie die Welt berichtet, und man tatsächlich sogar auch auf den Seiten des Bundesinnenministeriums nachlesen kann, warnt der Innenminister vor Terror in Deutschland. Und zwar Ende November.
Wer beide Links nicht drücken mag, hier ist nochmal die gleiche Geschichte auf den Seiten der Tagesschau.

Es verstärke sich international die Bedrohungslage, man habe schon 2009 Hinweise gehabt, diese verstärken sich momentan gerade.

Hinweise worauf? Hinweise darauf, dass Al Qaida Terroranschläge in Europa und auch in Deutschland plane.

In Zusammenarbeit mit allen möglichen Sicherheitsbehörden ist man sich wohl auch einig, dass man es mit einer neuen Situation zu tun hat.

Was soll jetzt das schon wieder bedeuten? Die neue Situation, von der wir nichts genaues berichtren können, weil’s geheim ist, ist anders als die alte Situation, von der wir auch nichts berichten können, weil’s geheim ist, oder was?

Anscheinend gibt es auch konkrete Ermittlungsansätze für was auch immer.
Was wo in die Luft gesprengt oder terrorisiert werden soll erfahren wir nicht, aber immerhin wann: Ende November nämlich.

Selbst wenn man all den schwurbeligen Fast-Informationen glauben schenken darf, die der Innenminister uns da auftischt, frage ich mich, was diese diffuse und wenig spezifizierte Warnung für einen Sinn hat.
Wüsste das Innenministerium, dass Anschläge in einem bestimmten Gebäude einer bestimmten Stadt geplant sind, müsste man dann nicht die Bürger warnen? Und hätte das dann überhaupt Sinn, oder würden die Terroristen nicht das Ziel wechseln, sobald sie aus der Tageszeitung erfahren haben, dass DeMezière ihnen auf der Spur ist?
Wäre es da nicht besser gewesen gar niemanden zu warnen, anstatt irgendwelche vagen Unheilsbotschaften zu verkünden?
Denkt DeMezière, dass die Bundesbürger sich besser fühlen, wenn man ihnen sagt, dass es Anlass gäbe zu glauben, dass irgendwann irgendwas in die Luft fliegt?

Oder soll das alles nur von der Rente mit 67 oder ähnlichem Nonsens ablenken?

Weitere Gedanken zu dem Thema beim Pantoffelpunk und bei Kaffebeimir. Bei Twitter hat es „Terrorwarnung“ sogar in die Trending Topics geschafft.

Update: Die Gewerkschaft der Polizei spricht von den nicht näher spezifizierten Terrorakten, zu denen ermittelt wird, weil es Grund zu der Annahme gibt, dass da wer was plant als „drohende Gefahr“. Näher geht man nicht darauf ein, worum es sich bei der Gefahr eigentlich handelt, findet es aber gut, dass der Innenminister endlich in der Öffentlichkeit auf sie hinweist.
Warum ist das gut? Wenn es eine Gefahr gibt, erzählt man uns ja auch hier wieder nicht, wie wir uns vor ihr schützen können. Vollkommen sinnlos bis kontraproduktiv also die „Offenheit“ des Innenministers.

Aug
27
2010
4

Westerwelle in Gefahr!

Erinnert ihr euch noch, dass Guido Westerwelle ein Komplott der Medien vermutet hat, als kaum ein Medium seine Kritik an HartzIV-Empfängern gut finden wollte, und er außerdem wegen vergnüglicher Auslandsreisen mit Freunden aus der Wirtschaft selbst in der Kritik stand?
Irgendwie hat er da wohl nicht eingesehen, dass tatsächlich nicht alle sein Verhalten okay finden, im Gegenteil.

Warum er teilweise so empfindlich reagiert könnte aber teilweise tatsächlich an den Medien liegen.
So gab es Anfang August in der BZ diese Schlagzeile:

„Afghanistan Einsatz: Westerwelle: Gezielte Tötung rechtens“ (LINK)

Wenn man nur die Schlagzeile liest, und keine Ahnung hat, worum es geht, mag hier der Eindruck entstehen, als sei Westerwelle selbst quasi zum Abschuß freigegeben. Dem ist natürlich nicht so.
Offenbar ist der BZ diese Ambiguität wohl inzwischen bewusst geworden, denn mittlerweile hat man die Schlagzeile folgendermaßen geändert:

„Westerwelle: Taliban-Bekämpfung rechtens“ (LINK)

Nun ist diese Schlagzeile sicher eindeutig im Bezug auf eine vermutete Vogelfreiheit unseres Vizekanzlers, allerdings ist sie in Bezug auf die Sache leider ein wenig unpräziser.
Was genau ist „Taliban-Bekämpfung“? Dass es sich hier um die gezielte Tötung einzelner Talibanfüher handelt, geht aus dieser Überschrift nun nicht mehr hervor. Aber man kann eben nicht alles haben.

Daß Zufälle, wie diese unglückliche Schlagzeile kein Einzelfall sind, beweist auch dieser Screenshot von Google-News:

…aber da ist wohl keiner schuld, sondern sicher wirklich nur etwas verrutscht.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Politisches | Schlagwörter: , ,
Aug
23
2010
3

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Einen der albernsten der leider sehr langlebigen Modetrends finde ich die sogenannten 3/4-Hosen.
Hierbei handelt es sich um Hosen, bei denen das untere Viertel der Beinröhren fehlt. Als ich solch eine Hose vor einigen Jahren das erste Mal sah, war mein erster Gedanke, dass die Trägerin sich nicht selbst anziehen kann, weil sie sonst bemerkt hätte, dass sie Hochwasser trage.
Leider sind heute – wie erwähnt Jahre später – solche Hosen immer noch sehr beliebt, besonders – aber nicht nur, wie es scheint – bei wohlhabenderen Damen der feinen Gesellschaft. Gerne wohl auch, wenn sie auf Sylt Urlaub machen. Da sieht man solche Hosen echt oft.

Gerade heute hat sich die Trägerin solch einer Hose an einer Supermarktkasse an mir vorbeigedrängelt. Die Nase in den Wolken, legte Sie ihre Artikel auf das Förderband an der Kasse, wobei sie den Blick der Kassiererin durch schräges an die Decke starren mied, und selbige nach dem Einkauf anblaffte, dass sie keinen Kassenbon benötige.
Die Frau hatte etwas sehr verbissenes.
Sie war ganz in weiß gekleidet, verfügte über eine von Spezialisten sorgfältig in Stase versetzte Frisur, dicke goldene Ringe an mehreren Fingern, und – eben – diese absonderlichen Hochwasserhosen.
Eine Bekannte, die auch solche Hosen zu tragen pflegte, erwiderte auf meine Kritik einmal: „Das soll so, du Dummerchen!“
Das soll so? Was soll das? Beknackt aussehen? Mission erfolgreich. Was kommt als nächstes? Meterlange Clownsschuhe? Sombreros mit Antennen?

Mal als Beispiel: Seit den 80ern gibt es ja diesen Trend zu aufgeschlissenen Jeanshosen. Gerne mit zerfetztem Loch über den Knien. Das ist eine Sache, zu der man stehen kann, wie man will.
Die Knie schleißen bei einer Jeans gerne mal auf, und im Prinzip ist es ja positiv, wenn man sie dann weitertragen kann, obwohl entstandene Löcher ja nun keine wirklich praktische oder komfortable Funktion haben.
Spätestens dann jedoch, wenn man die Jeans mit fein säuberlich abgenähten Knielöchern herstellt, wird es albern. Das würde nämlich signalisieren, dass die Knie bei der Hose extra ausgespart wurden, um die Kniegelenke des Trägers bzw. der Trägerin der Zugluft auszusetzen. Und genau so etwas sind diese Hochwasserhosen.

Nein, moment, die Hochwasserhosen sind schlimmer: Die sähen nämlich selbst dann albern aus, wenn sie nicht fein säuberlich abgenäht wären, sondern zerfetzt abgerissen. Selbst bei einer Jeans, wäre das dämlich. Da würde man dann ja aussehen wie ein Schiffbrüchiger.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges | Schlagwörter: , ,

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Apr
30
2011
--

Immer dieser Acab…

Acab, der ja bekanntlich ein weltweit tätiger türkischstämmiger Sprayer ist, wurde ja eine gewisse Kreativlosigkeit bei seinen Grafittos nachgesagt.
Immer würde er nur seinen eigenen Vornamen lieblos dahinsprühen.

Acab hat sich offensichtlich die Kritik zu Herzen genommen und in Flensburg ein wenig mit seinem Markennamenszug herumexperimentiert, wie man im folgenden sieht:

Na ja.

Derweil fahndet Interpol schon mit Hochdruck. Da Acab sich in aller Welt herumtreibt, geht man mittlerweile davon aus, dass er Steward einer der großen Fluglinien ist. Da er sich auch auf dem Land herumtreibt, ist es möglich, dass er gleich eine Reihe von Nebenjobs hat.

Interpol hat in der Zwischenzeit auch eine Sonderkommission aus bekannten Lehrerinnen gebildet, da diese als Universalexpertinnen in aller Welt geschätzt werden und sich generell mit Acabs auskennen.

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Mrz
29
2011
4

Ist denn Telefon überhaupt sicher?

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, muss ich mir in Zukunft einen Telefonanschluss zulegen, um über relevante Termine seiner kaiserlichen Hoheit informiert zu werden? Ich beziehe mich konkret auf die Ankündigung des Regierungssprechers, dass seine kaiserliche Hoheit nach Norderney reist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Im Zeitungsgeschäft wissen Sie: Viel hilft viel.

Ich glaube nicht, dass wir bislang Ihnen gegenüber mit Informationen geizig gewesen sind und dass jemand, der von Ihnen an eine Information herankommen wollte, am Ende überrascht wurde, dass wir irgendwelche anderen Kanäle bevorzugt bedient hätten. Wir gehen davon aus, dass sie als professionelle Schreiberlinge am Puls der Zeit natürlich alle ein Telefongerät zuhause installiert haben.

ZUSATZFRAGE: Die mittels Fernsprecher weitergegebenen Mitteilungen haben einen Nachrichtenwert. Sie sind auch durchaus schon in Zeitungsartikeln verwendet worden. Das Telefon an sich ist jedoch nicht sicher. Man kann einfach seine Stimme verstellen. Ich denke da insbesondere an Fälschungen von Schauspielern, so zum Beispiel Sarah Bernhardt bis hin zum russischen Zaren. Kann ich davon ausgehen, dass der, der mich anzurufen scheint, auch wirklich der ist, der er ist? Das kann ja durchaus Folgen haben.

Wenn es mir gestattet ist, darf ich einen Satz des ehemaligen Reichsinnenministers zitieren, der in einem Interview sagte: „Wer sich ein Fernsprechgerät in sein Haus installieren lässt, muss damit rechnen, dass jeder ihn anrufen kann.“ Es ist also auch eine Frage der Sicherheit. Ist die Sicherheit in diesem Fall gewährleistet?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Das, was technisch möglich ist, haben wir gewährleistet. Wir wissen um die Risiken des Telefons. Sollte irgendjemand Zweifel haben, ob eine Fernsprechgerät-Nachricht des Regierungssprechers echt ist, empfehle ich kurz die paar Schritte zum Reichstag zu gehen und nachzufragen. Grundsätzlich ist unsere Erfahrung, dass dieser Fernsprechgerät-Dienst sehr gerne angenommen sind. Da wir nicht nur ein Presseamt, sondern auch ein Informationsamt der Regierung für alle Menschen im Reich sind, hielten wir es für richtig, diesen Weg zu wählen.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, ich wüsste gerne, wann die Mitteilung über den Besuch seiner kaiserlichen Hoheit offiziell vom Bundespressamt mitgeteilt worden ist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Ich müsste das nachschauen. Da einer der Chefs vom Dienst jetzt in Hörweite ist, bitte ich herzlich um einen beherzten Zwischenruf. Ich bin auch nicht sicher, ob dieser Weg hundertprozentig sicher ist. Aber ich habe Vertrauen darin, dass ich schnellstmöglich Datum und Uhrzeit per Gebrüll geliefert bekomme.

ZUSATZFRAGE: Die Frage ist: Kann es sein, dass außer über Fernsprechgerät über diese Norderney-Reise nirgendwo berichtet wurde? Das ist ja eine andere Qualität. Wenn Herr von Klöten telefonieren will, weil er Zeit hat, ist das alles gut und schön. Aber das geht ja bis hin zu der Frage, wozu man dann noch Chefs vom Dienst braucht, wenn Herr von Klöten die Termine telefonisch durchgibt.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Sie wollen doch in Wahrheit wissen, ob es eine Benachteiligung ist, dass eine Information möglichweise statt über unsere Pinnwand über Fernsprechgerät herausgegangen ist. Nein, diese Auffassung teilen wir nicht.

ZURUF: Ich will wissen, ob es Termine nur über Fernsprechgerät bei Ihnen gibt oder ob das ein ergänzendes Angebot ist.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Das ist ein ergänzendes Angebot, auf der Pinnwand war der Reisetermin nur Minuten später.
Ich habe eben schon einmal gesagt, was den Informationsgehalt der Fernsprechgerät-Nachrichten angeht: Wer immer Zweifel hat, dass irgendetwas nicht stimmt, kann sich innerhalb weniger Stunden rückversichern. Sie wohnen und arbeiten alle doch nur Strassen weiter! Dementsprechend sehe ich das Problem nicht!

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, als älterer Mensch, der mit diesen neumodischen Kommunikationsformen nicht so vertraut ist, eine grundsätzliche Frage: Hat es irgendwann einmal vonseiten des Bundespressamtes einen Hinweis darauf gegeben, dass nun auch über Fernsprechgerät wichtige Informationen verbreitet werden und man sich möglicherweise als Kunde oder Telefonist ‑ ich weiß nicht, wie das dort heißt ‑ anmelden müsste?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Meinem Kenntnisstand nach ja. Ich reiche aber gerne nach, ob das auch auf der Pinnwand war. Ich bin mir sehr sicher, dass wir es schon allein aus Eigeninteresse gemacht haben.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, in dieser Woche hat sich Herr von Klöten per Telefon ‑ ich nenne es einmal so ‑ einen kleinen Schlagabtausch mit dem notorischen Anarchisten Pjotr Alexejewitsch Kropotkin geliefert. Ist geplant, dass der Regierungssprecher künftig immer einmal wieder ans Telefon gehen wird? Es kann ja jeder anrufen. Ich habe Sie so verstanden, dass Sie über Fernsprechgerät auch Bürger und nicht nur uns Journalisten erreichen wollen. Wird das wirklich ein richtiges Kommunikationsmittel des Regierungssprechers werden, um die Regierungspolitik in die Bevölkerung zu kommunizieren?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Nach diesen Gelegenheiten suchen wir nicht ausdrücklich. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, dass über einen solchen schnellen Informationsaustausch interessante Diskussionen entstehen, werden wir das weiter tun. Herr von Klöten ist generell dazu angehalten, das Telefon abzunehmen, sollte es klingeln.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, wird es eine neue Gepflogenheit, dass man Reisepläne Land für Land telefonisch im Pressamt abfragt? Wie kommt man zu der Möglichkeit, zu erfahren, wann seine kaiserliche Hoheit beabsichtigt, wohin zu reisen?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Wir werden auch weiterhin vorrangig die Pinnwand für so etwas benutzen. Es steht ihnen aber frei den Regierungssprecher Herrn von Klöten anzurufen und selbst nachzufragen.

ZUSATZ: Wieder etwas gelernt. ‑ Danke!

FRAGE: Abweichend von der normalen Praxis, kann ich Sie einfach darum bitten, in Ihrem Amt vielleicht noch einmal die verschiedenen Aspekte prüfen zu lassen, die damit einhergehen? Denn wenn man diese Kommunikationswege geht ‑ da schließe ich mich sicherlich den anderen Agenturkollegen an ‑, dann greift das tief in unsere Arbeitsabläufe ein. Wenn es da ein Sicherheitsproblem gibt, dann hilft der Hinweis „wenn Sie Zweifel haben, können Sie ja zu einem Kaffee vorbeikommen“ uns als Agenturen nicht weiter. Denn wenn das eine autorisierte Verbreitungsquelle des Presseamtes ist, dann werden wir „zuschlagen“, und dann werden wir im Zweifelsfall auch mit einer falschen Meldung „zuschlagen“. Das kann nicht im Interesse Ihres Ministeriums sein. Da berufe ich mich ausdrücklich auch auf das, was der Kollege zur Sicherheitsfrage gesagt hat. Ich denke, man sollte dazu sicherlich die verschiedenen Aspekte nachuntersuchen.

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Sie wissen aber auch, dass nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass Pazifisten oder Anarchisten dieses Gebäude besetzen uns alle gefangennehmen uns sich als öhm… wir verkleiden? Jeder Kommunikationsweg hat seine Gefahren.

FRAGE: Herr Baron zu Walkhorst-Butterbirn, ich habe die Ankündigung, dass Herr von Klöten begonnen hat zu telefonieren, verpasst. Könnten Sie mir sagen, seit wann er das macht? Macht nur er das, oder telefonieren Sie auch?

Antwort von Baron zu Walkhorst-Butterbirn: Es war heute das erste mal, Sie haben ohne Telefon also noch nicht viel verpasst.
Ich mache das nicht. Wir sind an dieser Stelle der Linie erlegen, dass es vernünftig ist, dass es ein authentischer Absender ist. Dann finde ich es auch konsequent, dass das der Regierungssprecher macht und nicht der Stellvertreter.

Frei nach der Aufregung der Hauptstadtpresse um den twitternden Regierungssprecher via Netzpolitik und Wiegold.

Und wer nicht nochmal so viel lesen will – was ich verstehen könnte – die Twitteraufregungspressestunde gibt es u. a. beim Kraftfuttermischwerk auch als Video.

Mrz
09
2011
4

Der Fall des Barons – eine Chronik

Baronie Frankenstein. Eine grünliche Kreatur mit Nackenbolzen wird gesichtet, wie sie des Nachts durch die Strassen wandert und unartikuliert stöhnt.
Da bekannt ist, dass der Baron Dr. Viktor von Frankenstein ein Wissenschaftler ist, wird er von Inspector Kemp gefragt, ob er etwas mit der Sache zu tun hat.

Der Baron: „Diese Vorwürfe kann ich nur als abstrus bezeichnen.“

Abgesehen von den gelegentlichen Besuchen der Kreatur im Dorf, vermeldet auch der Totengräber, dass sich jemand in den vergangenen Monaten immer wieder an den Gräbern zu schaffen machte. Der bucklige Diener des Barons wurde nachts verdächtig häufig in der Nähe des Friedhofs angetroffen, wie sich der Nachtwächter erinnert.
Dies und die Tatsache, dass Frau Gemeinhuber in Ohnmacht fällt, weil die Kreatur angeblich das Gesicht ihres toten Mannes trägt, sorgt dafür, dass sich der Verdacht verdichtet, der Baron habe eventuell Leichenteile vom Friedhof gestohlen und zu einem grotesken Monster zusammengenäht.

Angesprochen auf die Vorwürfe antwortet der Baron: „Meine von mir geschaffene Kreatur besteht nicht aus gestohlenen Leichenteilen, und den Vorwurf weise ich in aller Form von mir. Die Menschen in dieser Baronie erwarten, dass ich mich um die fordernde Aufgabe des progressiven Wissenschaftlers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch.“

Die Kreatur tötet im Affekt den Nachtwächter und die kleine Annie Grubenmichel, als diese am Brunnen spielt. Dorfbewohner reichen eine Petition ein, die sich gegen weitere Experimente in der Baronie richtet und eine verdachtsunabhängige Vollzeitvideoüberwachung des örtlichen Friedhofs fordert.
Die Stimmen werden lauter, dass eigentlich doch der Baron an allem Schuld sei und gefälligst zu verschwinden habe.

Im Internet nimmt die Seite „Frankenstein-Leichenraub.wiki“ anhand von Fotos und freiwilligen genetischen Proben der Dorfbewohner eine Analyse vor. Hierbei stellt sich heraus, dass die Kreatur sich zu mindestens 84,9% klar erkennbar aus Körperteilen verstorbener Dorfbewohner zusammensetzt.

Auf einer Versammlung progressiver Wissenschaftler äußert sich Dr. Frankenstein wie folgt: „Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form Leichenteile vom Friedhof entwendet, und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren, wie konnte das geschehen? Wie konnte das passieren?
So ist es, dass man einen Blick dann zurückwirft. Man hat sechs, sieben Monate an so einer Kreatur gebastelt. Man hat in diesen 6 oder 7 Monaten teilweise auch zuviel… teilweise auch den Überblick über die Quellen verloren.“

Die Kreatur wird eingefangen, befreit sich aber wieder, nachdem der Gefängniswärter sie mit einem Sturmfeuerzeug geärgert hat. Der Gefängniswärter wird dabei getötet, und das Gefängnis brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die Kreatur erwürgt auf der Flucht eine Molkereifachfrau.
Der Baron von Frankenstein wird schließlich vor den Stadtrat geholt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Er sagt: „Mir geht es darum in eine Debatte, die so aufgeheizt ist, und in die man auch so viel Stimmung bringen kann, dann auch wieder Ruhe reinzubringen, dass man auch vergleichsweise ruhig wieder seiner Tätigkeit als Wissenschaftler nachgehen kann. Und das werde ich auch.
Ich habe mir meine Kreatur übers Wochenende noch einmal angesehen, und muss zugeben, dass ich bei der Besorgung der Rohmaterialien schon ziemlichen Blödsinn gemacht habe.“

Die Lage eskaliert. Die wütende Dorfbevölkerung marschiert mit Fackeln und Mistgabeln erst der Kreatur hinterher, dann zur Burg Frankenstein. Am nachfolgenden Tag äußert sich der Baron zu den Vorgängen wie folgt:

„Ich habe in einem sehr freundlichen Gespräch den Herrn Bürgermeister informiert, dass ich mich von weiteren Experimenten mit totem Gewebe in dieser Baronie zurückziehen werde, und meine Burg – bzw. meine abgebrannte Burgruine – zum Verkauf gemeldet. Dies war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber ich kann es nicht zulassen, dass ein Mob wütender Dorfbewohner den Streit um meine Person auf dem Rücken der Wissenschaft austrägt.“

Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Wir wollen Dr. Baron Viktor von Frankenstein zurück“ wird gegründet.

Mrz
08
2011
--

Sich gegen die Zensur zur Wehr setzen

Nicht nur verschiedene Regierungen und Verwaltungen wollen einen Hebel kreiren, mit dem sie Seiten aus dem Internet ausblenden können. Auch die großen Plattenlabels machen uns seit einiger Zeit das Leben schwer, indem Sie Videos auf Youtube geoblocken lassen, nur weil diese teilweise 150 Jahre alte Musikstücke enthalten, denen man im Radio nicht entkommen kann, die Online aber nur gegen Vergütung verbreitet werden düfen.

Wer sich an diese Aktion erinnert, und sie gut fand, wird sich freuen, dass man nun auch die großen Plattenlabel automatisiert von seiner Webseite halten kann.
Die neue Aktion nennt sich „Bust all major Labels“ und kommt komplett mit einer satirischen Version dieses unsäglichen Bildes daher, mit dem Youtbe einem bedauernd mitteilt, dass es heute kein Video für uns gibt.

Update: Hm. Funktioniert so anscheinend gar nicht, weil Crawler Javascript ignorieren, und Menschen es abschalten, wie man mir zutrug. 🙁

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Feb
25
2011
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Wichtige Nachricht des Verteidigungsministers…

Written by Heiko C. in: Lustiges,Politisches | Schlagwörter: ,
Feb
23
2011
15

Gegen die Vorververurteiligung von Herrn Professor Doktor Doktor Karl Theodor Gotthold Ephraim Schokominza zu Guttenberg

Lasst doch ma alle den Gutti in Ruhe! Der ist doch ein Lieber! Der hat schon so viel in die Politik getan! Die ganze letzte Jahre schon! Und schick frisiert ist er auch immer! Und seine Stefanie ist ’ne heiße Schnecke! Das alles beweist doch, das das alles nur eine Kampagne des politischen Gegners ist! Diese Linkspartei und wie die alle heißen! Der muss den armen armen Guttenberg nämlich damals dazu gezwungen haben, die Doktorarbeit abzuschreiben, anders kann ich mir das auch nicht erklären!
Und überhaupt! Da hat er halt ein wenig abgeschrieben! Wer hat das nicht? Wer kann ehrlich sagen, er hätte noch nie einen kleineren aber schlaueren Mitschüler verprügelt, damit dieser einem die Hausaufgaben macht? Wer? Der werfe den ersten Stein! Jawohl!

Und überhaupt: Doktor. Was ist das schon? Das ist doch auch nur ein Name! Mir ist sowieso total egal, wer Doktor ist, oder wer nicht! Ich lass mich im Krankenhaus auch gerne mal vom Hausmeister behandeln! Als ich mal mit Lungenentzündung da war, hat der nette Herr Hausmeister einen weißen Kittel angezogen, und mir einen Eukalyptuslutschbongbong gegeben. Da wurde alles sofort besser, und ich habe ihm nur 100 Euro bezahlen müssen! Wenn das ein Verbrechen sein soll, wo ist denn dann das Opfer? Eben! So, und nun will ich nichts despektierliches zum Thema Guttenberg mehr hören! Das ist ein Lieber!

Dez
03
2010
--

Komm mit, ins Chancenwunderland…

Ach was sind sie nicht herrlich, unsere Regierungsparteien. Immer wenn man denkt, nun sei endgültig der Meeresboden des Niveaus erreicht und die könnten gar keinen größeren Unsinn mehr reden, packt irgendjemand in der CDU oder FDP einen neuartigen Tiefseebohrturm des Unsinns aus. (Die CSU läuft da meines Erachtens schon seit Strauß außer Konkurrenz.)

Man kann froh sein, dass verbaler Dünnpfiff nicht – wie etwa Erdöl – unkontrolliert in die Umwelt schwallern kann, obwohl ein Guido Westerwelle oder eine Frau von der Leyen schon ziemlich nahe an solch ein Szenario herankommen.

Erinnert ihr euch noch an den „Rechtsfreien Raum“? Diese allwettertaugliche Floskel in Sachen Netzpolitik, mit der schon seit den 90ern alle möglichen Politiker versuchen uns IT-Kompetenz vorzugaukeln?

Im letzten Jahr ist der politischen Kaste wohl dann auch aufgefallen, dass diese Floskel eventuell ein klein wenig zu oft Verwendung fand.

Ein Begriff wie „Terror“ gewinnt ja an Bedeutung, je öfter man ihn benutzt, aber „Rechtsfreier Raum“ ist leider emotional wenig beladen und klingt daher immer hohl.

Jeder zweite Politiker oder Netzkritiker erfand im Laufe des letzten Jahres also seine eigene Abwandlung dieser Phrase. Damit ihr inflationärer Gebrauch nicht so auffiel. Da wurde auch aus „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ schon mal die Mär vom Internet als „rechtsfreiem Chaosraum“ oder das Internet wurde gar als „See der Gesetzlosen“ tituliert.

Dann wurde es irgendwann recht still um diese vermaledeite Phrase, weil die Bundestagswahl vorbei war, und die neue Regierung keinen Bock mehr auf Netzpolitik hatte.

Nun gibt Christian Lindner von der FDP etwas über das Internet zum Besten, und wenn man sich folgenden Satz auf den Augen zergehen lässt, ahnt man wie schwer es Herrn Lindner gefallen sein muss, den Satz mit diesem Raum, der rechtsfrei ist, auszusparen.

Unter anderem (LINK) sagt er folgendes:

Der Generalsekretär bekräftigte: „Das Internet darf kein Feld sein, wo es anarchische Strukturen gibt.“ Notwendig seien „klare Regeln“, wo es „sehr dominante, monopolartig auftretende kommerzielle Anbieter“ gebe.

Aus dem Raum, dem Meer, dem Netz namens Inter wird nun plötzlich ein Feld. Man könnte annehmen, dass Herr Lindner zu viel Farmville gespielt hat, und das Netz daher für ein „Feld“ hält.
Meiner Meinung nach ist „Feld“ ein noch dümmerer Ausdruck als „Raum“ und wo „See der Gesetzlosen“ ja noch irgendwie eine poetische Qualität hatte, klingt „Feld mit anarchischen Strukturen“ nur so als hätte da jemand einen Thesaurus zum Frühstück gehabt.
Im letzten Jahr hätte ich ihm noch den Rechtsfreien Raum der Woche für so eine Sprachvergewaltigung verliehen, aber das ist mir einfach zu viel Arbeit geworden.
Auch interessant, dass sich ausgerechnet jemand von der Unternehmer- und „Bürgerrechts-“ Partei FDP für weniger Freiheit und eine reguliertere Wirtschaft im Internet ausspricht, aber dass bei Parteien drin ist was drauf steht, gibt es ja sowieso seit Jahrzehnten schon nicht mehr.

Na ja, soviel zu dieser Phrase.
Derweil macht auch unser geliebter Sonnenschein von Bundeskanzlerin von sich reden.
Wie man hier (LINK) lesen kann, „attackiert“ Frau Merkel die Grünen und wirft ihnen vor, eine „Dagegen-Partei“ zu sein.
Erst einmal habe ich Schwierigkeiten mir Frau Merkel dabei vorzustellen wie sie jemanden attackiert. Ich muss da spontan an alte Klamauk-Klamotten mit Didi Hallervorden denken, in denen es immer zu herrlich verrückten Handgemengen kam, wenn ich „Merkel“ und „Attacke“ in einem Satz lese.
Aber diese Formulierung ist ja nicht Frau Merkels Schuld, sondern die desjenigen, der sich die Überschrift der Meldung ausgedacht hat.
Frau Merkel hingegen hat gemerkt, dass die Grünen häufig mal gegen etwas sind, dass die CDU oder auch die FDP fordert.
So sind die Grünen – zumindest prinzipiell – gegen Atomstrom, Castortransporte, CCS, Kohlekraftwerke und so einiges mehr.
Aber es ist ja immer auch eine Sache der Perspektive. Man könnte es auch so ausdrücken, dass die Grünen für Umweltschutz sind, für erneuerbare Energien und für den Atomausstieg.
Und wie beknackt ist es eigentlich einer Oppositionspartei vorzuwerfen, sie sei gegen etwas, was die Regierungspartei beschließt? Muss die Opposition nicht eine andere Meinung vertreten als die Regierung, damit man noch von Demokratie sprechen kann?

Und jetzt schlägt auch noch die wahlkampfwettererprobte Frau Ursula „Zensursula“ von der Leyen, die ja mittlerweile Arbeitsministerin ist, in die gleiche Kerbe.
Wie die Welt (LINK) berichtet, warb sie im Bundestag für die Unterstützung der Opposition bei der neuen Hartz-Reform.

„Ich lade Sie ein, den Weg der Chancen mitzugehen und nicht auf dem Holzweg der Ablehnung zu bleiben“

Mir fehlen die Worte. Ein Zustand, den ich mir auch an allen hier genannten Politikern wünsche.

Warum macht die CDU nicht gleich ein Gesetz, indem die Opposition dazu verpflichtet wird, Gesetzesvorhaben der Regierung zuzustimmen?
Zuzutrauen wäre es denen. Ebenso, dass sie dann wegen eben dieses Gesetzes vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, sobald sie selbst mal wieder in der Opposition sind.

Nov
17
2010
2

Terror!

Wie die Welt berichtet, und man tatsächlich sogar auch auf den Seiten des Bundesinnenministeriums nachlesen kann, warnt der Innenminister vor Terror in Deutschland. Und zwar Ende November.
Wer beide Links nicht drücken mag, hier ist nochmal die gleiche Geschichte auf den Seiten der Tagesschau.

Es verstärke sich international die Bedrohungslage, man habe schon 2009 Hinweise gehabt, diese verstärken sich momentan gerade.

Hinweise worauf? Hinweise darauf, dass Al Qaida Terroranschläge in Europa und auch in Deutschland plane.

In Zusammenarbeit mit allen möglichen Sicherheitsbehörden ist man sich wohl auch einig, dass man es mit einer neuen Situation zu tun hat.

Was soll jetzt das schon wieder bedeuten? Die neue Situation, von der wir nichts genaues berichtren können, weil’s geheim ist, ist anders als die alte Situation, von der wir auch nichts berichten können, weil’s geheim ist, oder was?

Anscheinend gibt es auch konkrete Ermittlungsansätze für was auch immer.
Was wo in die Luft gesprengt oder terrorisiert werden soll erfahren wir nicht, aber immerhin wann: Ende November nämlich.

Selbst wenn man all den schwurbeligen Fast-Informationen glauben schenken darf, die der Innenminister uns da auftischt, frage ich mich, was diese diffuse und wenig spezifizierte Warnung für einen Sinn hat.
Wüsste das Innenministerium, dass Anschläge in einem bestimmten Gebäude einer bestimmten Stadt geplant sind, müsste man dann nicht die Bürger warnen? Und hätte das dann überhaupt Sinn, oder würden die Terroristen nicht das Ziel wechseln, sobald sie aus der Tageszeitung erfahren haben, dass DeMezière ihnen auf der Spur ist?
Wäre es da nicht besser gewesen gar niemanden zu warnen, anstatt irgendwelche vagen Unheilsbotschaften zu verkünden?
Denkt DeMezière, dass die Bundesbürger sich besser fühlen, wenn man ihnen sagt, dass es Anlass gäbe zu glauben, dass irgendwann irgendwas in die Luft fliegt?

Oder soll das alles nur von der Rente mit 67 oder ähnlichem Nonsens ablenken?

Weitere Gedanken zu dem Thema beim Pantoffelpunk und bei Kaffebeimir. Bei Twitter hat es „Terrorwarnung“ sogar in die Trending Topics geschafft.

Update: Die Gewerkschaft der Polizei spricht von den nicht näher spezifizierten Terrorakten, zu denen ermittelt wird, weil es Grund zu der Annahme gibt, dass da wer was plant als „drohende Gefahr“. Näher geht man nicht darauf ein, worum es sich bei der Gefahr eigentlich handelt, findet es aber gut, dass der Innenminister endlich in der Öffentlichkeit auf sie hinweist.
Warum ist das gut? Wenn es eine Gefahr gibt, erzählt man uns ja auch hier wieder nicht, wie wir uns vor ihr schützen können. Vollkommen sinnlos bis kontraproduktiv also die „Offenheit“ des Innenministers.

Aug
27
2010
4

Westerwelle in Gefahr!

Erinnert ihr euch noch, dass Guido Westerwelle ein Komplott der Medien vermutet hat, als kaum ein Medium seine Kritik an HartzIV-Empfängern gut finden wollte, und er außerdem wegen vergnüglicher Auslandsreisen mit Freunden aus der Wirtschaft selbst in der Kritik stand?
Irgendwie hat er da wohl nicht eingesehen, dass tatsächlich nicht alle sein Verhalten okay finden, im Gegenteil.

Warum er teilweise so empfindlich reagiert könnte aber teilweise tatsächlich an den Medien liegen.
So gab es Anfang August in der BZ diese Schlagzeile:

„Afghanistan Einsatz: Westerwelle: Gezielte Tötung rechtens“ (LINK)

Wenn man nur die Schlagzeile liest, und keine Ahnung hat, worum es geht, mag hier der Eindruck entstehen, als sei Westerwelle selbst quasi zum Abschuß freigegeben. Dem ist natürlich nicht so.
Offenbar ist der BZ diese Ambiguität wohl inzwischen bewusst geworden, denn mittlerweile hat man die Schlagzeile folgendermaßen geändert:

„Westerwelle: Taliban-Bekämpfung rechtens“ (LINK)

Nun ist diese Schlagzeile sicher eindeutig im Bezug auf eine vermutete Vogelfreiheit unseres Vizekanzlers, allerdings ist sie in Bezug auf die Sache leider ein wenig unpräziser.
Was genau ist „Taliban-Bekämpfung“? Dass es sich hier um die gezielte Tötung einzelner Talibanfüher handelt, geht aus dieser Überschrift nun nicht mehr hervor. Aber man kann eben nicht alles haben.

Daß Zufälle, wie diese unglückliche Schlagzeile kein Einzelfall sind, beweist auch dieser Screenshot von Google-News:

…aber da ist wohl keiner schuld, sondern sicher wirklich nur etwas verrutscht.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Politisches | Schlagwörter: , ,
Aug
23
2010
3

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Einen der albernsten der leider sehr langlebigen Modetrends finde ich die sogenannten 3/4-Hosen.
Hierbei handelt es sich um Hosen, bei denen das untere Viertel der Beinröhren fehlt. Als ich solch eine Hose vor einigen Jahren das erste Mal sah, war mein erster Gedanke, dass die Trägerin sich nicht selbst anziehen kann, weil sie sonst bemerkt hätte, dass sie Hochwasser trage.
Leider sind heute – wie erwähnt Jahre später – solche Hosen immer noch sehr beliebt, besonders – aber nicht nur, wie es scheint – bei wohlhabenderen Damen der feinen Gesellschaft. Gerne wohl auch, wenn sie auf Sylt Urlaub machen. Da sieht man solche Hosen echt oft.

Gerade heute hat sich die Trägerin solch einer Hose an einer Supermarktkasse an mir vorbeigedrängelt. Die Nase in den Wolken, legte Sie ihre Artikel auf das Förderband an der Kasse, wobei sie den Blick der Kassiererin durch schräges an die Decke starren mied, und selbige nach dem Einkauf anblaffte, dass sie keinen Kassenbon benötige.
Die Frau hatte etwas sehr verbissenes.
Sie war ganz in weiß gekleidet, verfügte über eine von Spezialisten sorgfältig in Stase versetzte Frisur, dicke goldene Ringe an mehreren Fingern, und – eben – diese absonderlichen Hochwasserhosen.
Eine Bekannte, die auch solche Hosen zu tragen pflegte, erwiderte auf meine Kritik einmal: „Das soll so, du Dummerchen!“
Das soll so? Was soll das? Beknackt aussehen? Mission erfolgreich. Was kommt als nächstes? Meterlange Clownsschuhe? Sombreros mit Antennen?

Mal als Beispiel: Seit den 80ern gibt es ja diesen Trend zu aufgeschlissenen Jeanshosen. Gerne mit zerfetztem Loch über den Knien. Das ist eine Sache, zu der man stehen kann, wie man will.
Die Knie schleißen bei einer Jeans gerne mal auf, und im Prinzip ist es ja positiv, wenn man sie dann weitertragen kann, obwohl entstandene Löcher ja nun keine wirklich praktische oder komfortable Funktion haben.
Spätestens dann jedoch, wenn man die Jeans mit fein säuberlich abgenähten Knielöchern herstellt, wird es albern. Das würde nämlich signalisieren, dass die Knie bei der Hose extra ausgespart wurden, um die Kniegelenke des Trägers bzw. der Trägerin der Zugluft auszusetzen. Und genau so etwas sind diese Hochwasserhosen.

Nein, moment, die Hochwasserhosen sind schlimmer: Die sähen nämlich selbst dann albern aus, wenn sie nicht fein säuberlich abgenäht wären, sondern zerfetzt abgerissen. Selbst bei einer Jeans, wäre das dämlich. Da würde man dann ja aussehen wie ein Schiffbrüchiger.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges | Schlagwörter: , ,