Impactsuspect » gender
Mai
15
2010
11

Maskulistische Science Fiction

Ich meine es gibt ja feministische Science Fiction. Pamela Sargents „Das Ufer der Frauen“ zum Beispiel. Ein wirklich schlimmes Buch, in dem die Frauen in hochtechnisierten Städten wohnen, und über die Fortpflanzung hinaus kaum Kontakt zu den Männern haben, die als Banden von Wilden die Wildnis durchstreifen müssen, weil sie ja nun wirklich an allem schuld sind: Krieg, Hunger, Tod, schlechtes Fernsehprogramm, usw…

In diesem Buch gibt es spezielle Tempel in der Wildnis, in denen den Männern unter Vorspiegelung illusorischer Geschlechtsakte der Samen entnommen wird, wenn ich mich recht erinnere. Ich fand das Buch enorm unplausibel und schmerzhaft zu lesen, hab es aber tatsächlich bis zum Ende geschafft.

Dann sei noch, als anderes Extrem, Ursula K. LeGuin zu nennen, die jede Menge klasse Science-Fictionromane geschrieben hat. Als Beispiel für feministische Science Fiction fällt da besonders „Winterplanet“ ins Auge. In diesem Buch reist ein menschlicher Raumfahrer auf einen kalten Planeten, auf dem die fast ebenso menschlichen Einwohner monatlich spontan doch ungesteuert das Geschlecht zu ändern in der Lage sind. Einer der Einheimischen verliebt sich in den irdischen Sternenfahrer, und wird im Laufe des Buches zur Frau. Das Buch kann ich weiterempfehlen, da es einige sehr interessante Fragen aufwirft, und zu beantworten versucht.

Zwischen diesen beiden Extremen finden sich viele andere Science-Fictionromane, die versuchen feministische Fragen zu Ende zu denken oder einfach nur ganz andere Familienmodelle zu präsentieren.
In Mary Gentles Roman „Goldenes Hexenvolk“ zum Beispiel, wird eine Alienrasse beschrieben, deren Kinder geschlechtslos sind, bis sie in die Pubertät eintreten. Auch hier wird man mit ganz anderen Familienmodellen konfrontiert. Dieses Buch – und dessen Fortsetzungen – sind zwar nicht ganz die Butter für die Augen, welche die Schreibe von Ursula K. LeGuin ist, aber trotzdem nett zu lesen. Auch hier also eine glatte Leseempfehlung.

Der urtypischte Vertreter der feministischen Science Fiction wird aber für mich immer eine Kurzgeschichte bleiben, die ich mal in irgendeinem Jubiläumsband von irgendwas gelesen habe. Diesen Band habe ich leider nie wiedergefunden, daher weiß ich nicht von wem die Geschichte ist, oder wie sie heißt, ich werde sie aber knapp zusammenfassen, soweit ich mich noch erinnere:

In einer menschlichen Kolonie auf einem Planeten sind alle Männer irgendwann einmal durch eine große Katastrophe gestorben. Seitdem pflanzen sich die Frauen im Labor fort, und die Kolonie ist rein weiblich. Seit Jahrhunderten hat man hier keinen Mann mehr gesehen, bis irgendwann ein Raumschiff von der Erde auftaucht, mit einem männlichen Raumfahrer. Dieser ist geschickt worden, um mal nach dem rechten zu sehen; ob es die Kolonie überhaupt noch gibt, und so.
Die einheimischen Frauen auf diesem Planeten finden ihn sehr befremdlich. Wie es weitergeht, weiß ich aber leider nicht mehr.
Diese Geschichte ist meine erste bewusste Begegnung mit feministischer SF, und ich finde die geschilderte rein weibliche Gesellschaft auch sehr prägnant, was den Feminismus angeht.
(Wer weiß, um welche Geschichte es sich handelt, und wo ich sie finden kann, mag dies gerne in die Kommentare schreiben.)

Was ist nun aber mit den Maskulisten? Sicher, es gibt Science Fiction, die in einem extremen Patriarchat spielt, oder auf Welten, die wahrgewordene Männerträume zu sein scheinen, aber eine rein männliche Gesellschaft, von einem männlichen Autor? Ein romangewordenes Wir-brauchen-keine-Frauen-nicht? Fehlanzeige!
Warum gibt es sowas nicht? Oder habe ich die entsprechenden literarischen Ergüsse nur bisher übersehen? Ich würd‘ sowas gerne mal lesen!

Man stelle sich die namenlose Kurzgeschichte mal andersherum vor:
Irgendeine Katastrophe tötet alle Frauen auf einem Kolonieplaneten, und die Männer pflanzen sich fortan nur noch im Labor fort. Die Gesellschaft wäre rein männlich. Wie würde das aussehen?
Da es sich um die Geschichte eines Maskulisten handeln würde, dürfte es hier auch keine Schwulen geben, weil Schwule schon zu „genderig“ wären. Was machen die Männer dann überhaupt? Wird der Sexualtrieb aberzogen, und man kümmert sich nur noch um Fußball? Werden findige Genetiker gar „Bierbäume“ züchten? Gibt es auf diesem Planeten nur Allrad-Sportwagen? Jetzt im Ernst mal: Ich hab mich durch „Das Ufer der Frauen“ gequält, also würde ich auch so eine abstruse Geschichte gerne lesen.

Und was würde passieren, wenn auf dieser durch und durch männlichen Welt plötzlich ein Raumschiff von der Erde landen würde und heraus käme: Eine Frau!!1elf
Was ist da los? Wird sie auf der Stelle aus altem Urinstinkt in die Küche geschickt? Schwingt sie sich zur bösen Matriarchin auf? Ich sehe da ungeahnte storytechnische Möglichkeiten!

Los, Maskulisten! Schreibt mir so ein Buch! Ich lese es dann auch! Ich lese ja schließlich jeden Schwachsinn, wenn Raumschiffe drin sind!
Oder sind Maskulisten etwa nicht so kreativ wie Feministinnen? Lachhaft!
Haltet euch ran, oder ich schreibe es selbst. „Fussbiertopia“ ist doch ein toller Titel, oder?

Written by Heiko C. in: Bücher,Gesellschaftliches,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,
Mrz
30
2010
9

Der Bechdel-Test, und warum einfach manchmal eben zu einfach ist.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schreibe. Und gerne auch viel. Zwar ist noch keiner meiner Texte über das Internet hinaus veröffentlicht worden – die Schülerzeitung damals mal außen vor gelassen – aber ich hab nicht nur die Festplatte voller moosbewachsener Romananfänge, ich hab auch schon zwei Romane und eine Kurzgeschichte zuende geschrieben.
Den besseren der beiden Romane sogar innerhalb eines Monats zum NaNoWriMo, was mich immer noch überrascht.
Ich bin auch immer offen für Tipps, Konzepte und Anregungen, um meine Geschichten besser oder interessanter zu machen. So fand ich diesen Leitfaden (squidoo.com) zur Verwendung von homosexuellen Charakteren in Geschichten echt nützlich, bin dankbar, dass ich die klischeehaften Stereotypen nun kenne, die es zu vermeiden gilt, und werde bei meinem nächsten größeren Projekt auch einige der Anregungen umsetzen.
Ich bin mir zwar nicht sicher, wie gut das gelingen wird, aber Versuch macht klug, wie man so sagt.

Nun hab ich gestern vom Bechdel-Test erfahren. (Sorry, aber es gibt keinen Eintrag in der Deutschen Wikipedia, aber ich hab’s auch auf diesem Blog hier gelesen: Drop the thought)

Der Test stammt aus einem Comic-Strip. Eine weibliche Person in diesem Comic stellt folgende Regeln auf, um zu testen, ob sie sich einen Film überhaupt erst anschaut:

1. Es kommen mindestens zwei Frauen in ihm vor

2. Die beiden reden miteinander…

3. …und zwar über etwas anderes als einen Mann.

Durchaus verständliche Sichtweise, denn ich schau mir ja auch nur Filme an, in denen nur Frauen tragende Rollen spielen, wenn ich dazu genötigt werde. Mit „Grüne Tomaten“ und den Ya-Ya-Schwestern kann man mich jagen. Allerdings stellen sich mir da ein paar spitzfindige Fragen:

– Was, wenn in dem Film die zwei einzigen Frauen Lesben sind, die sich genau 1 x unterhalten, und es in dem Gespräch um eine Frau geht, wie es bei heterosexuellen Frauen um einen Mann gehen würde?

– Was ist, wenn der einzige Akteur in dem Film eine Frau ist? (gegebenenfalls vielleicht umgeben von Robotern oder geschlechtslosen Ausserirdischen)

– Was ist mit Teenie-Filmen, in denen zwar genug junge Frauen mitspielen, sich auch unterhalten, auch nicht nur über Männer, aber sich konstant nur anzicken?

Irgendwie ist die Regel zu einfach gefasst. An beiden Enden hat man Graubereiche, positiv wie negativ.

Ich will den Rahmen mal von Filmen auf Filme und Serien erweitern, weil ich mich bei recht vielen Filmen ehrlich gesagt nicht erinnern kann, ob die Voraussetzungen für ein Bestehen des Bechdel-Tests gegeben sind.

Positivbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Bechdeltest bestehen, aber irgendwie trotzdem panne sind:

Positivbeispiel #1: Xena
In Xena gibt es nicht nur zwei Frauen, sondern die sind auch noch die Hauptfiguren. Und die unterhalten sich stets und ständig. Auch über andere Dinge als Männer. Ist die vornehmliche Zielgruppe für Xena weiblich? Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben, noch halte ich die Serie insgesamt für besonders feministisch. Eher im Gegenteil. Wer eine andere Meinung hat, ich lasse mich gern eines besseren belehren.


xena lol by ~rosemaryjayne on deviantART

Positivbeispiel #2: Cleopatra 2525
Es handelt sich hierbei um eine kurzlebige Serie von Sam Raimi, dem wir auch schon Xena zu verdanken haben. Sie ist meines Wissens nie im deutschen Fernsehen gelaufen, es gibt sie aber auf DVD zu kaufen, und zwar für echt günstig. Mit anderen Worten: die Serie wird nicht nur bei Amazon verramscht.
Die Serie ist echt trashig, und kaum auszuhalten, wenn sie nicht so absurd wäre. Ich selbst hab sie geschaut, nachdem mir die Weisheitszähne gezogen wurden, und ich mit Kieferschmerzen halb betäubt zuhause im Bett lag.
Worum es bei Cleopatra 2525 geht: Eine Stripperin aus dem LA der 90er Jahre will sich die Brüste vergrößern lassen, doch etwas geht schief, und sie wird cryogenisch eingefroren. Im Jahr 2525 entdecken sie zufällig zwei Widerstandskämpferrinnen, die auf der postapokalyptischen Erde gegen böse Maschinen kämpfen. Sie tauen die Stripperin (Cleopatra) auf, und nehmen sie in ihr Team auf. Dann erleben die drei fantastische Abenteuer, und kämpfen im Laufe von zwei Staffeln gegen die bösen Maschinen. Die drei Hauptfiguren laufen in der ganzen Serie in nichts anderem rum als einer Art futuristischem Bikini-Outfit, die Sprüche sind hart an der Schmerzgrenze – oder darüber hinaus, wie manche meinen würden, und Cleopatra lässt keine Gelegenheit aus, für die gute Sache auch ihre Strippertalente zu verwenden.
Hier gibt es jede Menge Frauen, die über alles MÖGLICHE reden, auch über Männer, aber eben nicht nur. Klarer Fall, dass Cleopatra 2525 den Bechdel-Test besteht.
Für Frauen? Echt? Ich als Mann fass‘ mir da ja schon vier Mal pro Sekunde beim Kucken an den Kopf und ich bin Kummer gewohnt, was bewegte Bilder – speziell Serien – angeht.


Cleopatra 2525 by *Slayer730 on deviantART

Positivbeispiel #3: Showgirls
Jede Menge Frauen drin, die sich nicht nur über Männer unterhalten, sondern auch über Brüste und wie man richtig strippt. Die haben allesamt noch weniger an, als der weibliche Cast von Xena oder Cleopatra 2525. Ich muss gestehen, dass ich diesen Film aufgrund seiner schon sprichwörtlichen Grottigkeit nie gesehen habe, aber der erste Teil einer grandiosen Videoreview findet sich bei ThatGuywiththeGlasses.com.

Negativbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Test nicht bestehen, aber irgendwie doch ziemlich gut sind.
Ursprünglich wollte ich hier auch „Star Wars“ und „Indiana Jones“ anbringen, aber wenn ich’s recht überlege, kann ich verstehen, dass Frauen sich für sowas nicht interessieren, auch wenn ich es schade finde. Ebenso fallen ja auch Meilensteine der Filmgeschichte wie „2001 – Odysee im Weltraum“ und „Zwei glorreiche Halunken“ ganz raus, weil man die Frauen in diesen Filmen nun wirklich mit der Lupe suchen muss.
Aber ein Beispiel hab ich doch, wo es schade ist, dass der Film gemieden wird, nur weil er den Bechdel-Test nicht besteht:

Negativbeispiel #1: Chasing Amy
Meiner Meinung nach immer noch der beste Kevin Smith Film. Obwohl Ben Afflec mitspielt. Ein Film über einen Mann, der sich in eine Lesbe verliebt, die sein bester Freund nicht ausstehen kann, und der dann mit ihrer Vergangenheit nicht klarkommt.
Ein unglaublich emotionaler, doch trotzdem lustiger Film, der an manchen Stellen auch schon mal auf die Tränendrüse drückt. Ein Film, den ich in meiner privaten Kategorisierung als „Frauenfilm“ bezeichnen würde, der „sich trotzdem anzusehen lohnt“. In diesem Film reden zwar Frauen miteinander, aber die Frauen, die man mit Namen kennt, reden ausschließlich über Männer, wenn ich mich recht erinnere. Fällt also klar aus dem Raster. Oder handelt es sich hier um ein „Beziehungsdrama für den modernen Mann“? ich bin verwirrt.

Wenn wir die zu testende Fiktion weiter spannen, und auch literarische Werke mit einbezieht, fällt noch mehr unter den Tisch: „Die Schatzinsel“ und „Moby Dick“ kann die bechdeltestende Frau von Welt schon mal ganz vergessen. Ebenso „Frankenstein“, wenn ich mich nicht irre, obwohl das sogar von ’ner Frau geschrieben wurde. Bram Stokers im Kontext seiner Zeit pornographischer Roman „Dracula“ besteht den Test jedoch. Was ist mit Jane Austen? Da sind zwar jede Menge Frauen drin – sogar bekleidet – aber reden die nicht ständig über irgendwelche Männer da?
Und je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger kann frau lesen. Im Niebelungenlied zicken sich – soweit ich mich nur erinnere – Brunhild und Krimhild nur ständig wegen Siegfried an, und im ältesten erhaltenen literarischen Werk der Menschheit, dem knapp 5000 Jahre alten Gilgamesh Epos, muss man auch wieder lange suchen, bis man vielleicht eine vereinzelte Frau findet.

Der Test selbst ist also in vielen Einzelfällen zu einfach gestrickt, auch wenn er gut dazu dienen mag, über den Daumen zu peilen, was für Frauen möglicherweise interessant ist. Die Abwesenheit von Frauen in Geschichten generell zieht sich jedoch tatsächlich als roter Faden durch die gesamte Literaturgeschichte. Oft gibt es unter den Hauptfiguren einer beliebigen Handlung nur eine Frau – quasi die Quotenfrau. Das wird ebenfalls von der bezaubernden Lindsay Ellis, die auch schon Showgirls auseinandergenommen hat, in einem Video namens „The Smufette Principle“ erklärt.

Warum ist das so? Ich hab keine Ahnung. Ich finde es erstaunlich, wie einem sowas als Mann gar nicht auffällt, bis man mit der Nase drauf gestoßen wird. Ich werde in meiner nächsten größeren Geschichte aber auf jeden Fall auch zwei Frauen einbauen, die sich über irgendwas anderes als einen Mann unterhalten.
…vielleicht über Fußball. Ich weiß noch nicht.

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Gesellschaftliches | Schlagwörter: ,
Mrz
13
2010
3

Hexen, Vampire undsozeug…

Hier bei Gwup findet man einen interessanten Artikel drüber, warum viele heranwachsende Mädchen das Konzept der „Hexe“ so faszinierend finden.
Das hat zwar nicht wirklich viel mit Vampiren zu tun, doch denke ich, dass einige der Erklärungsansätze auch auf die Twilight-Reihe anzuwenden sind.

Ein typisches Hexenhaus mit einer eher untypischen Hexe im Anorak im Vordergrund. Ja lästert nur, hab ich mit der Maus gezeichnet, dafür isses gut geworden.

Immerhin sind in Twilight alle Vampire mit irgendwelchen magieähnlichen Fähigkeiten ausgestattet. So kann die eine Vampirin in Twilight hellsehen, und die Heldin der Twilightreihe, Bella, hat eine Art antimagischen Schild, sogar schon bevor sie zum Vampir wird.

Na ja, zusammenfassend vermutet der oben verlinkte Artikel, dass heranwachsende junge Frauen von der Hexe als starker Frau fasziniert sind, die ihnen als Identifikationsfigur dient.

Ob dies auf Twilight anwendbar ist, halte ich zumindest für fraglich: Zwar verfügt die weibliche Hauptfigur von Anfang an über ein magisches Talent, doch ist dies nur passiv, und Bella regiert in Twilight auch nur passiv, oft sogar passiv aggressiv, indem sie durch Nichtstun aus den männlichen Akteuren, an denen sie interessiert ist, irgendwelche Reaktionen hervorzurufen sucht.

Als Identifikationsfigur eher ungeeignet, denke ich.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches | Schlagwörter: , , , ,
Dez
12
2009
--

Horrorfilme, Remakes und lesbische Lebensweise

Ich kam mit ein paar Freunden neulich wieder dazu einen Klassiker des Horrorfilm zu schauen. Es handelt sich um „The Haunting“, eine Adaption des Romans „The Haunting of Hill House“ in der Version von Ray Wise aus dem Jahre 1963. Auf Deutsch heißt der Film „Bis das Blut gefriert“.

Das wohl letzte Mal davor hatte ich den Film gesehen, als ich so 14 war, und damals fand ich ihn wirklich gruselig, trotz – oder gerade weil – er sehr sparsam mit visuellen Effekten umgeht. Ähnlich wie „Blairwitch Projekt“ – den man nun mögen kann, oder auch nicht – oder jüngst „Paranormal Activity“ legt auch „The Haunting“ ein größeres Gewicht auf die Glaubwürdigkeit der Charaktere, als auf möglichst grausame Darstellung von Monstren, Spuk oder Verstümmelung. Aus heutiger Sicht mag man den Film daher vielleicht als „zahmen Gruselfilm“ bezeichnen, lässt man sich jedoch auf die grimme Atmosphäre ein, hält er immer noch den einen oder anderen Schrecken für den Betrachter bereit.

Hier eine Kurzzusammenfassung des Plots, wer den Film lieber erst sehen will, der soll mal woanders hinlesen. SPOILERALARM!!!! …sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Irgendwo in Neuengland gibt es eine alte Villa namens „Hill House“. Im Laufe der Jahre sind dort zahlreiche Bewohner ums Leben gekommen, zuletzt die Tochter des Erbauers, die ihr ganzes Leben lang ihr Kinderzimmer nicht verlassen hat, und schließlich als greise Frau in ihrem Bett starb, weil ihre Zugehfrau sich statt aufzupassen auf dem Balkon lieber mit einem Mann vergnügt hat.
Die Zugehfrau erbt ungerechterweise den alten Kasten, und erhängt sich schließlich in der Bibliothek des Hauses. Seitdem heißt es, in dem Haus spuke es.
Ein Parapsychologe (Dr. Markway) will es dann irgendwann genau wissen, und mietet das Haus von der Besitzerin, um die Spukereignisse zu dokumentieren. Die Besitzerin warnt, dass das Haus nur Ärger mache, und schickt ihren dandyhaften Neffen Luke mit, um bei den Experimenten zu helfen.
Als Menschen, die schon mal übersinnliche Erfahrungen gemacht haben werden auch noch die telepathisch begabte Thea und die perspektivlose Eleanore eingeladen.
Alle werden sie von der Haushälterin begrüßt, die ein wenig an Frau Blücher aus Frankenstein Junior erinnert, und mehrmals darauf hinweist, dass sie nachts nicht im Haus ist, und keiner hört, wenn wer schreit. In der ersten Nacht hören Thea und Eleanor ein unheimliches gleichmäßiges Klopfen, dass durch das Haus zu wandern scheint. Zudem ist noch ein seltsames Schnüffeln zu hören.
Beide geraten in Panik, bis das Klopfen abrupt aufhört. Sie öffnen schließlich die Tür um nachzusehen, was los war, und treffen auf Luke und Dr. Markway, die sich im Garten herumgetrieben haben, um einen Hund zu suchen.
Immer mehr merkwürdige Ereignisse finden statt, so findet sich eine merkwürdige Schrift an der Wand, Eleanor hört es des Nachts wieder Klopfen und andere Geräusche, und verliert langsam den Verstand. Am Ende ist sie davon überzeugt, dass das Haus sie selbst will, und ist in geistig derart desolater Verfassung, dass sie das sogar gut findet.
Im ganzen Film finden sich nur wenige wirkliche Ereignisse, die sich nicht auf die Einbildung der schwachen Psyche von Eleanor zurückführen lassen. Einmal die Klopfgeräusche des nachts, die Thea immerhin das erste mal auch hört und später dann eine Tür, die sich nach innen biegt, als wäre sie aus Gummi, ein Ereignis, dass alle 4 sehen. Bis zu letzteren Ereignis könnte man auf die Idee kommen, in dem Haus spuke es garnicht. Auch der Bodycount ist hier für das Genre eher zurückhaltend: In der gesamten Haupthandlung stirbt nur ein Mensch.

1999 kam dann ein Remake, dass ebenfalls „The Haunting“ hieß, diesmal auf Deutsch „Das Geisterschloss“. Als erster Unterschied zum Original fällt auf, dass hier keineswegs mit Effekten und kreativen Todesfällen gespart wurde. Hier sieht man durchsichtige Geister alà Ghostbusters, dort wird Owen Wilson der Kopf abgesäbelt. Auch die Vorgeschichte des Hauses ist um ein gutes geschüttelt Maß spektakulärer als im Original. Wo 1963 der Erbauer des Hauses nur ein wenig exzentrisch war, hat er im Remake im überdimenionalen Kamin des Hauses Kinder verbrannt.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich vom Remake – gelinde gesagt – enttäuscht war, wenn auch nicht überrascht.
Noch etwas, dass mir aufgefallen ist, als ich den Film dann irgendwann auf Video gesehen habe: Die hier von Cathrine Zeta Jones gespielte Thea scheint im Remake lesbisch zu sein. Das spielt im Rest des Filmes kaum eine Rolle, und gerade deshalb hat mich das ein wenig überrascht, … bis ich dann mal wieder das Original sah.

Damals ist es mir nie aufgefallen, denn im Grunde ist es recht subtil gemacht, aber Thea ist auch schon im Original scheinbar lesbisch, und zudem in Eleanor zumindest verknallt. In der ersten Nacht nutzt sie den Moment der Erleichterung nachdem das Geklopfe aufgehört hat, um Eleanor mitzuteilen, dass sie sich „nach Wärme“ sehnt, wenn sie mit solchen Schreckmomenten konfrontiert ist – während die beiden noch Arm in Arm zusammen im Bett liegen. Später reagiert sich mit einem belustigten „Nein!“ auf die Frage, ob sie verheiratet sei, als sei dies die dämlichste Frage, die man ihr überhaupt je gestellt habe, und den ganzen Film über wird sie nicht müde zu betonen, dass Dr. Markway kein Interesse an Eleanor hat, die bis über beide Ohren in ihn verknallt ist.
Außerdem scheint Theas Körpersprache und Verhalten stets und ständig darauf hinzudeuten, dass sie Eleanor aus vollen Rohren anbaggert.
Eleanor merkt zuerst nicht, dass Thea ein romantisches Interesse an ihr hat, und als sie es dann merkt, reagiert sie offen feindselig. Das gipfelt dann schließlich darin, dass sie Thea wutschnaubend vor die Füße wirft, dass sie „widernatürlich“ sei, was Thea zusehends sehr verletzt.

Nun kann man dies alles auch anders deuten. Das „widernatürlich“ könnte ebensogut auf Theas telepathische Begabung zurückzuführen sein, welche allerdings keine allzu große Rolle im Rest des Filmes spielt. All die anderen Anzeichen kann man leicht übersehen, doch ist es in alten Filmen üblich gewesen, Homosexualität nur sehr subtil darzustellen, weil eine von der Kirche aufgezwungene Selbstzensur die Thematisierung selbiger in Hollywoodfilmen strikt verboten hat. Allein die Zweideutigkeit genannter Szenen würde ich also eindeutig nennen, gerade auch wenn man sich das Resümee von Regisseur Robert Wise ansieht. Seine Filme sind gerne mal unter der Oberfläche gesellschaftskritisch, auch wenn sie oberflächlich als Horror- oder Science-Fiction-Filme daherspazieren. Zu nennen sei da nur „Der Tag an dem die Erde stillstand“, ein SF-Film, der im Grunde eine bitterböse Gesellschaftskritik ist, oder „House on Telegraph Hill“, ein Psychothriller, der fast nebenbei das Grauen des Holocaust aufgreift.
Schade, dass im Remake von „The Haunting“ so wenig Gesellschaftskritik übriggeblieben ist. Wieder ein Remake, dass um die tiefere Bedeutung erleichtert wurde, wie so viele von Filmen aus der Zeit.

Written by Heiko C. in: Filme,Gesellschaftliches,Gruseliges,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Mrz
02
2008
3

Frauen, Männer und welche Geschichten sie mögen

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber es gibt unglaublich wenige Autorinnen, die ich gerne lese, wenn man ihre Zahl mit der männlicher Autoren vergleicht, deren Bücher ich täglich in mich reinstopfe.
Woran liegt das? Vielleicht leide ich ja an normalem gesunden Chauvinismus, aber das glaube ich weniger. Die Betonung in „weiblicher“ Kunst scheint einfach ganz woanders zu liegen, als in männlicher.
Um gleich mal die Ausnahmen zu nennen, Ursula K. LeGuin schreibt wie ich es lesen will, und auch die Harry Potter Reihe hat mich ein wenig unterhalten, wenn auch nur als Hörbuch. Harry Potter ist einfach ideale Kost, wenn man nebenbei was anderes macht.
Mit Rosamunde Pilcher oder Jane Austen kann man mich jagen, obwohl auch diese beiden Autorinnen Millionen Fans beiderlei Geschlechts haben.
Warum ist das also so?

Ich hab vor ein paar Wochen eine interessante Dokumentation über den englischen Comic an sich gesehen, und da stellte sich irgendwann die gleiche Problematik.
Nachdem sich irgendwann (weiß nicht mehr genau 50er? 60er) eine stabile Stammkundschaft für Comicmagazine unter den jungen männlichen Lesern herauskristallisiert hatte, wollten die Produzenten dieser Comichefte auch etwas für die Mädchen entwerfen, um noch mehr abzusetzen.
Man begann Comicreihen zu produzieren, die denen für die Jungens entsprachen, mit dem Unterschied, dass die Helden allesamt Frauen waren. Irgendein Comic mit einer Fliegerheldin, die in jeder Folge beweisen musste, dass sie den männlichen Piloten gleichwertig ist, schwirrt mir dabei im Kopf herum.
Nachdem diese und einige ähnliche Serien floppten, machte man erst einmal eine Leserinnenbefragung, bei der sich herausstellte, dass Mädchen einen Comic gut finden, wenn er sie zum Weinen bringt.
Von da ab litten die Protagonistinnen in Mädchencomics um die Wette. Ein Comic, den sie in der Doku als Beispiel angeführt haben ist mir im Gedächtnis geblieben. Es ging darum um eine Sklavenfarm mit Kriegswaisen.
Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern sei auch, dass Mädchen zufrieden sein, wenn die Protagonistin trotz aller Hindernisse Erfolg im Leben habe, während Jungens auch lesen wollen, wie der Bösewicht vom Protagonisten eins mit dem Baseballschläger über die Omme gezogen bekommt.

Wenn wir uns Harry Potter ansehen, scheint sich dieses Muster auch dort anzufinden.
Von einer Frau geschrieben, verliert unser sowieso schon vom Leben und seinen Verwandten gestrafter kleiner Mann fast alles, was er im Lauf der Zeit zu lieben gelernt hat: Allen voran seine Eltern, seinen Onkel, mehrmals Ron, seine Freundin, seinen guten Ruf usw.usf.
Trotzdem fällt am Ende der Saga seine „Rache“ eher mild aus. Er verfolgt nicht alle seine Peiniger mit einem Katana, und metzelt sie in epischen Duellen zu Geschnetzeltem.
Voldemort ist weg, und dann ist auch gut. Harry selbst heiratet und sitzt fortan fröhlich im Lehnstuhl.
Bei der Lektüre hab ich mir tatsächlich mehrmals gewünscht, dass die, die es verdient haben ordentlich einen auf den Detz bekommen, allen voran Draco Malfoy. Aber nein, der Satansbraten ist ja noch jung, und „es verwächst sich bestimmt noch“.

Kill Bill hingegen ist ein anderes Beispiel und zwar ein extremes. Da geht es dann nur um die Rache an den Peinigern, obwohl die gute … wie hieß sie noch … Die hatte irgendeinen blöden Namen… Na egal. Obwohl jedenfalls die gute Uma Thurman ja auch ein erfolgreiches Leben mit ihrem Kind hätte anfangen können.
Aber nein, statt dessen häckselt sie sich mit bis zum Schluss ungebrochener Zielstrebigkeit durch die B-Riege der amerikanischen Schauspielerinnen, um schließlich auch Kane aus Kung-Fu zu zeigen, dass man sich nicht mit einer schwertfuchtelnden Blondine anlegen sollte.
Ein Film für Männer? Auf jeden Fall.

Männer konsumieren offenbar also auch Fiktion, die von Frauen handelt die Männersachen machen, und Frauen umgekehrt genauso.

Die Bücher aus dem Hain-Zyklus von Ursula K. LeGuin bilden eine interessante Ausnahme. Dort ist der Gegner kein böser texanischer Karateka, und auch kein schattenhafter Magier, der aus 7 Teilen besteht, die man erst einmal zusammensetzen muss, bevor man gegen ihn kämpfen kann.
In ihren Romanen (zumindest in den SF-Romanen, die ich gelesen habe) sind der Feind die Umstände.
An Umständen kann man sich nicht rächen, darum erwartet der Leser auch schon gar nicht, dass so etwas kommen müsse. Trotzdem kann man sie besiegen. Vielleicht ist das der Königsweg der Unisexfiction…

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Zwischenmenschliches | Schlagwörter:

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Mai
15
2010
11

Maskulistische Science Fiction

Ich meine es gibt ja feministische Science Fiction. Pamela Sargents „Das Ufer der Frauen“ zum Beispiel. Ein wirklich schlimmes Buch, in dem die Frauen in hochtechnisierten Städten wohnen, und über die Fortpflanzung hinaus kaum Kontakt zu den Männern haben, die als Banden von Wilden die Wildnis durchstreifen müssen, weil sie ja nun wirklich an allem schuld sind: Krieg, Hunger, Tod, schlechtes Fernsehprogramm, usw…

In diesem Buch gibt es spezielle Tempel in der Wildnis, in denen den Männern unter Vorspiegelung illusorischer Geschlechtsakte der Samen entnommen wird, wenn ich mich recht erinnere. Ich fand das Buch enorm unplausibel und schmerzhaft zu lesen, hab es aber tatsächlich bis zum Ende geschafft.

Dann sei noch, als anderes Extrem, Ursula K. LeGuin zu nennen, die jede Menge klasse Science-Fictionromane geschrieben hat. Als Beispiel für feministische Science Fiction fällt da besonders „Winterplanet“ ins Auge. In diesem Buch reist ein menschlicher Raumfahrer auf einen kalten Planeten, auf dem die fast ebenso menschlichen Einwohner monatlich spontan doch ungesteuert das Geschlecht zu ändern in der Lage sind. Einer der Einheimischen verliebt sich in den irdischen Sternenfahrer, und wird im Laufe des Buches zur Frau. Das Buch kann ich weiterempfehlen, da es einige sehr interessante Fragen aufwirft, und zu beantworten versucht.

Zwischen diesen beiden Extremen finden sich viele andere Science-Fictionromane, die versuchen feministische Fragen zu Ende zu denken oder einfach nur ganz andere Familienmodelle zu präsentieren.
In Mary Gentles Roman „Goldenes Hexenvolk“ zum Beispiel, wird eine Alienrasse beschrieben, deren Kinder geschlechtslos sind, bis sie in die Pubertät eintreten. Auch hier wird man mit ganz anderen Familienmodellen konfrontiert. Dieses Buch – und dessen Fortsetzungen – sind zwar nicht ganz die Butter für die Augen, welche die Schreibe von Ursula K. LeGuin ist, aber trotzdem nett zu lesen. Auch hier also eine glatte Leseempfehlung.

Der urtypischte Vertreter der feministischen Science Fiction wird aber für mich immer eine Kurzgeschichte bleiben, die ich mal in irgendeinem Jubiläumsband von irgendwas gelesen habe. Diesen Band habe ich leider nie wiedergefunden, daher weiß ich nicht von wem die Geschichte ist, oder wie sie heißt, ich werde sie aber knapp zusammenfassen, soweit ich mich noch erinnere:

In einer menschlichen Kolonie auf einem Planeten sind alle Männer irgendwann einmal durch eine große Katastrophe gestorben. Seitdem pflanzen sich die Frauen im Labor fort, und die Kolonie ist rein weiblich. Seit Jahrhunderten hat man hier keinen Mann mehr gesehen, bis irgendwann ein Raumschiff von der Erde auftaucht, mit einem männlichen Raumfahrer. Dieser ist geschickt worden, um mal nach dem rechten zu sehen; ob es die Kolonie überhaupt noch gibt, und so.
Die einheimischen Frauen auf diesem Planeten finden ihn sehr befremdlich. Wie es weitergeht, weiß ich aber leider nicht mehr.
Diese Geschichte ist meine erste bewusste Begegnung mit feministischer SF, und ich finde die geschilderte rein weibliche Gesellschaft auch sehr prägnant, was den Feminismus angeht.
(Wer weiß, um welche Geschichte es sich handelt, und wo ich sie finden kann, mag dies gerne in die Kommentare schreiben.)

Was ist nun aber mit den Maskulisten? Sicher, es gibt Science Fiction, die in einem extremen Patriarchat spielt, oder auf Welten, die wahrgewordene Männerträume zu sein scheinen, aber eine rein männliche Gesellschaft, von einem männlichen Autor? Ein romangewordenes Wir-brauchen-keine-Frauen-nicht? Fehlanzeige!
Warum gibt es sowas nicht? Oder habe ich die entsprechenden literarischen Ergüsse nur bisher übersehen? Ich würd‘ sowas gerne mal lesen!

Man stelle sich die namenlose Kurzgeschichte mal andersherum vor:
Irgendeine Katastrophe tötet alle Frauen auf einem Kolonieplaneten, und die Männer pflanzen sich fortan nur noch im Labor fort. Die Gesellschaft wäre rein männlich. Wie würde das aussehen?
Da es sich um die Geschichte eines Maskulisten handeln würde, dürfte es hier auch keine Schwulen geben, weil Schwule schon zu „genderig“ wären. Was machen die Männer dann überhaupt? Wird der Sexualtrieb aberzogen, und man kümmert sich nur noch um Fußball? Werden findige Genetiker gar „Bierbäume“ züchten? Gibt es auf diesem Planeten nur Allrad-Sportwagen? Jetzt im Ernst mal: Ich hab mich durch „Das Ufer der Frauen“ gequält, also würde ich auch so eine abstruse Geschichte gerne lesen.

Und was würde passieren, wenn auf dieser durch und durch männlichen Welt plötzlich ein Raumschiff von der Erde landen würde und heraus käme: Eine Frau!!1elf
Was ist da los? Wird sie auf der Stelle aus altem Urinstinkt in die Küche geschickt? Schwingt sie sich zur bösen Matriarchin auf? Ich sehe da ungeahnte storytechnische Möglichkeiten!

Los, Maskulisten! Schreibt mir so ein Buch! Ich lese es dann auch! Ich lese ja schließlich jeden Schwachsinn, wenn Raumschiffe drin sind!
Oder sind Maskulisten etwa nicht so kreativ wie Feministinnen? Lachhaft!
Haltet euch ran, oder ich schreibe es selbst. „Fussbiertopia“ ist doch ein toller Titel, oder?

Written by Heiko C. in: Bücher,Gesellschaftliches,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,
Mrz
30
2010
9

Der Bechdel-Test, und warum einfach manchmal eben zu einfach ist.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schreibe. Und gerne auch viel. Zwar ist noch keiner meiner Texte über das Internet hinaus veröffentlicht worden – die Schülerzeitung damals mal außen vor gelassen – aber ich hab nicht nur die Festplatte voller moosbewachsener Romananfänge, ich hab auch schon zwei Romane und eine Kurzgeschichte zuende geschrieben.
Den besseren der beiden Romane sogar innerhalb eines Monats zum NaNoWriMo, was mich immer noch überrascht.
Ich bin auch immer offen für Tipps, Konzepte und Anregungen, um meine Geschichten besser oder interessanter zu machen. So fand ich diesen Leitfaden (squidoo.com) zur Verwendung von homosexuellen Charakteren in Geschichten echt nützlich, bin dankbar, dass ich die klischeehaften Stereotypen nun kenne, die es zu vermeiden gilt, und werde bei meinem nächsten größeren Projekt auch einige der Anregungen umsetzen.
Ich bin mir zwar nicht sicher, wie gut das gelingen wird, aber Versuch macht klug, wie man so sagt.

Nun hab ich gestern vom Bechdel-Test erfahren. (Sorry, aber es gibt keinen Eintrag in der Deutschen Wikipedia, aber ich hab’s auch auf diesem Blog hier gelesen: Drop the thought)

Der Test stammt aus einem Comic-Strip. Eine weibliche Person in diesem Comic stellt folgende Regeln auf, um zu testen, ob sie sich einen Film überhaupt erst anschaut:

1. Es kommen mindestens zwei Frauen in ihm vor

2. Die beiden reden miteinander…

3. …und zwar über etwas anderes als einen Mann.

Durchaus verständliche Sichtweise, denn ich schau mir ja auch nur Filme an, in denen nur Frauen tragende Rollen spielen, wenn ich dazu genötigt werde. Mit „Grüne Tomaten“ und den Ya-Ya-Schwestern kann man mich jagen. Allerdings stellen sich mir da ein paar spitzfindige Fragen:

– Was, wenn in dem Film die zwei einzigen Frauen Lesben sind, die sich genau 1 x unterhalten, und es in dem Gespräch um eine Frau geht, wie es bei heterosexuellen Frauen um einen Mann gehen würde?

– Was ist, wenn der einzige Akteur in dem Film eine Frau ist? (gegebenenfalls vielleicht umgeben von Robotern oder geschlechtslosen Ausserirdischen)

– Was ist mit Teenie-Filmen, in denen zwar genug junge Frauen mitspielen, sich auch unterhalten, auch nicht nur über Männer, aber sich konstant nur anzicken?

Irgendwie ist die Regel zu einfach gefasst. An beiden Enden hat man Graubereiche, positiv wie negativ.

Ich will den Rahmen mal von Filmen auf Filme und Serien erweitern, weil ich mich bei recht vielen Filmen ehrlich gesagt nicht erinnern kann, ob die Voraussetzungen für ein Bestehen des Bechdel-Tests gegeben sind.

Positivbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Bechdeltest bestehen, aber irgendwie trotzdem panne sind:

Positivbeispiel #1: Xena
In Xena gibt es nicht nur zwei Frauen, sondern die sind auch noch die Hauptfiguren. Und die unterhalten sich stets und ständig. Auch über andere Dinge als Männer. Ist die vornehmliche Zielgruppe für Xena weiblich? Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben, noch halte ich die Serie insgesamt für besonders feministisch. Eher im Gegenteil. Wer eine andere Meinung hat, ich lasse mich gern eines besseren belehren.


xena lol by ~rosemaryjayne on deviantART

Positivbeispiel #2: Cleopatra 2525
Es handelt sich hierbei um eine kurzlebige Serie von Sam Raimi, dem wir auch schon Xena zu verdanken haben. Sie ist meines Wissens nie im deutschen Fernsehen gelaufen, es gibt sie aber auf DVD zu kaufen, und zwar für echt günstig. Mit anderen Worten: die Serie wird nicht nur bei Amazon verramscht.
Die Serie ist echt trashig, und kaum auszuhalten, wenn sie nicht so absurd wäre. Ich selbst hab sie geschaut, nachdem mir die Weisheitszähne gezogen wurden, und ich mit Kieferschmerzen halb betäubt zuhause im Bett lag.
Worum es bei Cleopatra 2525 geht: Eine Stripperin aus dem LA der 90er Jahre will sich die Brüste vergrößern lassen, doch etwas geht schief, und sie wird cryogenisch eingefroren. Im Jahr 2525 entdecken sie zufällig zwei Widerstandskämpferrinnen, die auf der postapokalyptischen Erde gegen böse Maschinen kämpfen. Sie tauen die Stripperin (Cleopatra) auf, und nehmen sie in ihr Team auf. Dann erleben die drei fantastische Abenteuer, und kämpfen im Laufe von zwei Staffeln gegen die bösen Maschinen. Die drei Hauptfiguren laufen in der ganzen Serie in nichts anderem rum als einer Art futuristischem Bikini-Outfit, die Sprüche sind hart an der Schmerzgrenze – oder darüber hinaus, wie manche meinen würden, und Cleopatra lässt keine Gelegenheit aus, für die gute Sache auch ihre Strippertalente zu verwenden.
Hier gibt es jede Menge Frauen, die über alles MÖGLICHE reden, auch über Männer, aber eben nicht nur. Klarer Fall, dass Cleopatra 2525 den Bechdel-Test besteht.
Für Frauen? Echt? Ich als Mann fass‘ mir da ja schon vier Mal pro Sekunde beim Kucken an den Kopf und ich bin Kummer gewohnt, was bewegte Bilder – speziell Serien – angeht.


Cleopatra 2525 by *Slayer730 on deviantART

Positivbeispiel #3: Showgirls
Jede Menge Frauen drin, die sich nicht nur über Männer unterhalten, sondern auch über Brüste und wie man richtig strippt. Die haben allesamt noch weniger an, als der weibliche Cast von Xena oder Cleopatra 2525. Ich muss gestehen, dass ich diesen Film aufgrund seiner schon sprichwörtlichen Grottigkeit nie gesehen habe, aber der erste Teil einer grandiosen Videoreview findet sich bei ThatGuywiththeGlasses.com.

Negativbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Test nicht bestehen, aber irgendwie doch ziemlich gut sind.
Ursprünglich wollte ich hier auch „Star Wars“ und „Indiana Jones“ anbringen, aber wenn ich’s recht überlege, kann ich verstehen, dass Frauen sich für sowas nicht interessieren, auch wenn ich es schade finde. Ebenso fallen ja auch Meilensteine der Filmgeschichte wie „2001 – Odysee im Weltraum“ und „Zwei glorreiche Halunken“ ganz raus, weil man die Frauen in diesen Filmen nun wirklich mit der Lupe suchen muss.
Aber ein Beispiel hab ich doch, wo es schade ist, dass der Film gemieden wird, nur weil er den Bechdel-Test nicht besteht:

Negativbeispiel #1: Chasing Amy
Meiner Meinung nach immer noch der beste Kevin Smith Film. Obwohl Ben Afflec mitspielt. Ein Film über einen Mann, der sich in eine Lesbe verliebt, die sein bester Freund nicht ausstehen kann, und der dann mit ihrer Vergangenheit nicht klarkommt.
Ein unglaublich emotionaler, doch trotzdem lustiger Film, der an manchen Stellen auch schon mal auf die Tränendrüse drückt. Ein Film, den ich in meiner privaten Kategorisierung als „Frauenfilm“ bezeichnen würde, der „sich trotzdem anzusehen lohnt“. In diesem Film reden zwar Frauen miteinander, aber die Frauen, die man mit Namen kennt, reden ausschließlich über Männer, wenn ich mich recht erinnere. Fällt also klar aus dem Raster. Oder handelt es sich hier um ein „Beziehungsdrama für den modernen Mann“? ich bin verwirrt.

Wenn wir die zu testende Fiktion weiter spannen, und auch literarische Werke mit einbezieht, fällt noch mehr unter den Tisch: „Die Schatzinsel“ und „Moby Dick“ kann die bechdeltestende Frau von Welt schon mal ganz vergessen. Ebenso „Frankenstein“, wenn ich mich nicht irre, obwohl das sogar von ’ner Frau geschrieben wurde. Bram Stokers im Kontext seiner Zeit pornographischer Roman „Dracula“ besteht den Test jedoch. Was ist mit Jane Austen? Da sind zwar jede Menge Frauen drin – sogar bekleidet – aber reden die nicht ständig über irgendwelche Männer da?
Und je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger kann frau lesen. Im Niebelungenlied zicken sich – soweit ich mich nur erinnere – Brunhild und Krimhild nur ständig wegen Siegfried an, und im ältesten erhaltenen literarischen Werk der Menschheit, dem knapp 5000 Jahre alten Gilgamesh Epos, muss man auch wieder lange suchen, bis man vielleicht eine vereinzelte Frau findet.

Der Test selbst ist also in vielen Einzelfällen zu einfach gestrickt, auch wenn er gut dazu dienen mag, über den Daumen zu peilen, was für Frauen möglicherweise interessant ist. Die Abwesenheit von Frauen in Geschichten generell zieht sich jedoch tatsächlich als roter Faden durch die gesamte Literaturgeschichte. Oft gibt es unter den Hauptfiguren einer beliebigen Handlung nur eine Frau – quasi die Quotenfrau. Das wird ebenfalls von der bezaubernden Lindsay Ellis, die auch schon Showgirls auseinandergenommen hat, in einem Video namens „The Smufette Principle“ erklärt.

Warum ist das so? Ich hab keine Ahnung. Ich finde es erstaunlich, wie einem sowas als Mann gar nicht auffällt, bis man mit der Nase drauf gestoßen wird. Ich werde in meiner nächsten größeren Geschichte aber auf jeden Fall auch zwei Frauen einbauen, die sich über irgendwas anderes als einen Mann unterhalten.
…vielleicht über Fußball. Ich weiß noch nicht.

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Gesellschaftliches | Schlagwörter: ,
Mrz
13
2010
3

Hexen, Vampire undsozeug…

Hier bei Gwup findet man einen interessanten Artikel drüber, warum viele heranwachsende Mädchen das Konzept der „Hexe“ so faszinierend finden.
Das hat zwar nicht wirklich viel mit Vampiren zu tun, doch denke ich, dass einige der Erklärungsansätze auch auf die Twilight-Reihe anzuwenden sind.

Ein typisches Hexenhaus mit einer eher untypischen Hexe im Anorak im Vordergrund. Ja lästert nur, hab ich mit der Maus gezeichnet, dafür isses gut geworden.

Immerhin sind in Twilight alle Vampire mit irgendwelchen magieähnlichen Fähigkeiten ausgestattet. So kann die eine Vampirin in Twilight hellsehen, und die Heldin der Twilightreihe, Bella, hat eine Art antimagischen Schild, sogar schon bevor sie zum Vampir wird.

Na ja, zusammenfassend vermutet der oben verlinkte Artikel, dass heranwachsende junge Frauen von der Hexe als starker Frau fasziniert sind, die ihnen als Identifikationsfigur dient.

Ob dies auf Twilight anwendbar ist, halte ich zumindest für fraglich: Zwar verfügt die weibliche Hauptfigur von Anfang an über ein magisches Talent, doch ist dies nur passiv, und Bella regiert in Twilight auch nur passiv, oft sogar passiv aggressiv, indem sie durch Nichtstun aus den männlichen Akteuren, an denen sie interessiert ist, irgendwelche Reaktionen hervorzurufen sucht.

Als Identifikationsfigur eher ungeeignet, denke ich.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches | Schlagwörter: , , , ,
Dez
12
2009
--

Horrorfilme, Remakes und lesbische Lebensweise

Ich kam mit ein paar Freunden neulich wieder dazu einen Klassiker des Horrorfilm zu schauen. Es handelt sich um „The Haunting“, eine Adaption des Romans „The Haunting of Hill House“ in der Version von Ray Wise aus dem Jahre 1963. Auf Deutsch heißt der Film „Bis das Blut gefriert“.

Das wohl letzte Mal davor hatte ich den Film gesehen, als ich so 14 war, und damals fand ich ihn wirklich gruselig, trotz – oder gerade weil – er sehr sparsam mit visuellen Effekten umgeht. Ähnlich wie „Blairwitch Projekt“ – den man nun mögen kann, oder auch nicht – oder jüngst „Paranormal Activity“ legt auch „The Haunting“ ein größeres Gewicht auf die Glaubwürdigkeit der Charaktere, als auf möglichst grausame Darstellung von Monstren, Spuk oder Verstümmelung. Aus heutiger Sicht mag man den Film daher vielleicht als „zahmen Gruselfilm“ bezeichnen, lässt man sich jedoch auf die grimme Atmosphäre ein, hält er immer noch den einen oder anderen Schrecken für den Betrachter bereit.

Hier eine Kurzzusammenfassung des Plots, wer den Film lieber erst sehen will, der soll mal woanders hinlesen. SPOILERALARM!!!! …sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Irgendwo in Neuengland gibt es eine alte Villa namens „Hill House“. Im Laufe der Jahre sind dort zahlreiche Bewohner ums Leben gekommen, zuletzt die Tochter des Erbauers, die ihr ganzes Leben lang ihr Kinderzimmer nicht verlassen hat, und schließlich als greise Frau in ihrem Bett starb, weil ihre Zugehfrau sich statt aufzupassen auf dem Balkon lieber mit einem Mann vergnügt hat.
Die Zugehfrau erbt ungerechterweise den alten Kasten, und erhängt sich schließlich in der Bibliothek des Hauses. Seitdem heißt es, in dem Haus spuke es.
Ein Parapsychologe (Dr. Markway) will es dann irgendwann genau wissen, und mietet das Haus von der Besitzerin, um die Spukereignisse zu dokumentieren. Die Besitzerin warnt, dass das Haus nur Ärger mache, und schickt ihren dandyhaften Neffen Luke mit, um bei den Experimenten zu helfen.
Als Menschen, die schon mal übersinnliche Erfahrungen gemacht haben werden auch noch die telepathisch begabte Thea und die perspektivlose Eleanore eingeladen.
Alle werden sie von der Haushälterin begrüßt, die ein wenig an Frau Blücher aus Frankenstein Junior erinnert, und mehrmals darauf hinweist, dass sie nachts nicht im Haus ist, und keiner hört, wenn wer schreit. In der ersten Nacht hören Thea und Eleanor ein unheimliches gleichmäßiges Klopfen, dass durch das Haus zu wandern scheint. Zudem ist noch ein seltsames Schnüffeln zu hören.
Beide geraten in Panik, bis das Klopfen abrupt aufhört. Sie öffnen schließlich die Tür um nachzusehen, was los war, und treffen auf Luke und Dr. Markway, die sich im Garten herumgetrieben haben, um einen Hund zu suchen.
Immer mehr merkwürdige Ereignisse finden statt, so findet sich eine merkwürdige Schrift an der Wand, Eleanor hört es des Nachts wieder Klopfen und andere Geräusche, und verliert langsam den Verstand. Am Ende ist sie davon überzeugt, dass das Haus sie selbst will, und ist in geistig derart desolater Verfassung, dass sie das sogar gut findet.
Im ganzen Film finden sich nur wenige wirkliche Ereignisse, die sich nicht auf die Einbildung der schwachen Psyche von Eleanor zurückführen lassen. Einmal die Klopfgeräusche des nachts, die Thea immerhin das erste mal auch hört und später dann eine Tür, die sich nach innen biegt, als wäre sie aus Gummi, ein Ereignis, dass alle 4 sehen. Bis zu letzteren Ereignis könnte man auf die Idee kommen, in dem Haus spuke es garnicht. Auch der Bodycount ist hier für das Genre eher zurückhaltend: In der gesamten Haupthandlung stirbt nur ein Mensch.

1999 kam dann ein Remake, dass ebenfalls „The Haunting“ hieß, diesmal auf Deutsch „Das Geisterschloss“. Als erster Unterschied zum Original fällt auf, dass hier keineswegs mit Effekten und kreativen Todesfällen gespart wurde. Hier sieht man durchsichtige Geister alà Ghostbusters, dort wird Owen Wilson der Kopf abgesäbelt. Auch die Vorgeschichte des Hauses ist um ein gutes geschüttelt Maß spektakulärer als im Original. Wo 1963 der Erbauer des Hauses nur ein wenig exzentrisch war, hat er im Remake im überdimenionalen Kamin des Hauses Kinder verbrannt.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich vom Remake – gelinde gesagt – enttäuscht war, wenn auch nicht überrascht.
Noch etwas, dass mir aufgefallen ist, als ich den Film dann irgendwann auf Video gesehen habe: Die hier von Cathrine Zeta Jones gespielte Thea scheint im Remake lesbisch zu sein. Das spielt im Rest des Filmes kaum eine Rolle, und gerade deshalb hat mich das ein wenig überrascht, … bis ich dann mal wieder das Original sah.

Damals ist es mir nie aufgefallen, denn im Grunde ist es recht subtil gemacht, aber Thea ist auch schon im Original scheinbar lesbisch, und zudem in Eleanor zumindest verknallt. In der ersten Nacht nutzt sie den Moment der Erleichterung nachdem das Geklopfe aufgehört hat, um Eleanor mitzuteilen, dass sie sich „nach Wärme“ sehnt, wenn sie mit solchen Schreckmomenten konfrontiert ist – während die beiden noch Arm in Arm zusammen im Bett liegen. Später reagiert sich mit einem belustigten „Nein!“ auf die Frage, ob sie verheiratet sei, als sei dies die dämlichste Frage, die man ihr überhaupt je gestellt habe, und den ganzen Film über wird sie nicht müde zu betonen, dass Dr. Markway kein Interesse an Eleanor hat, die bis über beide Ohren in ihn verknallt ist.
Außerdem scheint Theas Körpersprache und Verhalten stets und ständig darauf hinzudeuten, dass sie Eleanor aus vollen Rohren anbaggert.
Eleanor merkt zuerst nicht, dass Thea ein romantisches Interesse an ihr hat, und als sie es dann merkt, reagiert sie offen feindselig. Das gipfelt dann schließlich darin, dass sie Thea wutschnaubend vor die Füße wirft, dass sie „widernatürlich“ sei, was Thea zusehends sehr verletzt.

Nun kann man dies alles auch anders deuten. Das „widernatürlich“ könnte ebensogut auf Theas telepathische Begabung zurückzuführen sein, welche allerdings keine allzu große Rolle im Rest des Filmes spielt. All die anderen Anzeichen kann man leicht übersehen, doch ist es in alten Filmen üblich gewesen, Homosexualität nur sehr subtil darzustellen, weil eine von der Kirche aufgezwungene Selbstzensur die Thematisierung selbiger in Hollywoodfilmen strikt verboten hat. Allein die Zweideutigkeit genannter Szenen würde ich also eindeutig nennen, gerade auch wenn man sich das Resümee von Regisseur Robert Wise ansieht. Seine Filme sind gerne mal unter der Oberfläche gesellschaftskritisch, auch wenn sie oberflächlich als Horror- oder Science-Fiction-Filme daherspazieren. Zu nennen sei da nur „Der Tag an dem die Erde stillstand“, ein SF-Film, der im Grunde eine bitterböse Gesellschaftskritik ist, oder „House on Telegraph Hill“, ein Psychothriller, der fast nebenbei das Grauen des Holocaust aufgreift.
Schade, dass im Remake von „The Haunting“ so wenig Gesellschaftskritik übriggeblieben ist. Wieder ein Remake, dass um die tiefere Bedeutung erleichtert wurde, wie so viele von Filmen aus der Zeit.

Written by Heiko C. in: Filme,Gesellschaftliches,Gruseliges,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Mrz
02
2008
3

Frauen, Männer und welche Geschichten sie mögen

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber es gibt unglaublich wenige Autorinnen, die ich gerne lese, wenn man ihre Zahl mit der männlicher Autoren vergleicht, deren Bücher ich täglich in mich reinstopfe.
Woran liegt das? Vielleicht leide ich ja an normalem gesunden Chauvinismus, aber das glaube ich weniger. Die Betonung in „weiblicher“ Kunst scheint einfach ganz woanders zu liegen, als in männlicher.
Um gleich mal die Ausnahmen zu nennen, Ursula K. LeGuin schreibt wie ich es lesen will, und auch die Harry Potter Reihe hat mich ein wenig unterhalten, wenn auch nur als Hörbuch. Harry Potter ist einfach ideale Kost, wenn man nebenbei was anderes macht.
Mit Rosamunde Pilcher oder Jane Austen kann man mich jagen, obwohl auch diese beiden Autorinnen Millionen Fans beiderlei Geschlechts haben.
Warum ist das also so?

Ich hab vor ein paar Wochen eine interessante Dokumentation über den englischen Comic an sich gesehen, und da stellte sich irgendwann die gleiche Problematik.
Nachdem sich irgendwann (weiß nicht mehr genau 50er? 60er) eine stabile Stammkundschaft für Comicmagazine unter den jungen männlichen Lesern herauskristallisiert hatte, wollten die Produzenten dieser Comichefte auch etwas für die Mädchen entwerfen, um noch mehr abzusetzen.
Man begann Comicreihen zu produzieren, die denen für die Jungens entsprachen, mit dem Unterschied, dass die Helden allesamt Frauen waren. Irgendein Comic mit einer Fliegerheldin, die in jeder Folge beweisen musste, dass sie den männlichen Piloten gleichwertig ist, schwirrt mir dabei im Kopf herum.
Nachdem diese und einige ähnliche Serien floppten, machte man erst einmal eine Leserinnenbefragung, bei der sich herausstellte, dass Mädchen einen Comic gut finden, wenn er sie zum Weinen bringt.
Von da ab litten die Protagonistinnen in Mädchencomics um die Wette. Ein Comic, den sie in der Doku als Beispiel angeführt haben ist mir im Gedächtnis geblieben. Es ging darum um eine Sklavenfarm mit Kriegswaisen.
Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern sei auch, dass Mädchen zufrieden sein, wenn die Protagonistin trotz aller Hindernisse Erfolg im Leben habe, während Jungens auch lesen wollen, wie der Bösewicht vom Protagonisten eins mit dem Baseballschläger über die Omme gezogen bekommt.

Wenn wir uns Harry Potter ansehen, scheint sich dieses Muster auch dort anzufinden.
Von einer Frau geschrieben, verliert unser sowieso schon vom Leben und seinen Verwandten gestrafter kleiner Mann fast alles, was er im Lauf der Zeit zu lieben gelernt hat: Allen voran seine Eltern, seinen Onkel, mehrmals Ron, seine Freundin, seinen guten Ruf usw.usf.
Trotzdem fällt am Ende der Saga seine „Rache“ eher mild aus. Er verfolgt nicht alle seine Peiniger mit einem Katana, und metzelt sie in epischen Duellen zu Geschnetzeltem.
Voldemort ist weg, und dann ist auch gut. Harry selbst heiratet und sitzt fortan fröhlich im Lehnstuhl.
Bei der Lektüre hab ich mir tatsächlich mehrmals gewünscht, dass die, die es verdient haben ordentlich einen auf den Detz bekommen, allen voran Draco Malfoy. Aber nein, der Satansbraten ist ja noch jung, und „es verwächst sich bestimmt noch“.

Kill Bill hingegen ist ein anderes Beispiel und zwar ein extremes. Da geht es dann nur um die Rache an den Peinigern, obwohl die gute … wie hieß sie noch … Die hatte irgendeinen blöden Namen… Na egal. Obwohl jedenfalls die gute Uma Thurman ja auch ein erfolgreiches Leben mit ihrem Kind hätte anfangen können.
Aber nein, statt dessen häckselt sie sich mit bis zum Schluss ungebrochener Zielstrebigkeit durch die B-Riege der amerikanischen Schauspielerinnen, um schließlich auch Kane aus Kung-Fu zu zeigen, dass man sich nicht mit einer schwertfuchtelnden Blondine anlegen sollte.
Ein Film für Männer? Auf jeden Fall.

Männer konsumieren offenbar also auch Fiktion, die von Frauen handelt die Männersachen machen, und Frauen umgekehrt genauso.

Die Bücher aus dem Hain-Zyklus von Ursula K. LeGuin bilden eine interessante Ausnahme. Dort ist der Gegner kein böser texanischer Karateka, und auch kein schattenhafter Magier, der aus 7 Teilen besteht, die man erst einmal zusammensetzen muss, bevor man gegen ihn kämpfen kann.
In ihren Romanen (zumindest in den SF-Romanen, die ich gelesen habe) sind der Feind die Umstände.
An Umständen kann man sich nicht rächen, darum erwartet der Leser auch schon gar nicht, dass so etwas kommen müsse. Trotzdem kann man sie besiegen. Vielleicht ist das der Königsweg der Unisexfiction…

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Zwischenmenschliches | Schlagwörter: