Impactsuspect
Sep
11
2008
0

Invertebraten

Ich lese gerade wieder „Das galaktische Imperium“ von Isaac Asimov, und bin dabei auf Seite 207 über ein mir unbekanntes Wort gestolpert: Invertebraten.

Im Zusammenhang liest es sich so:
Einer der Protagonisten erzählt wie seine Welt terraformiert wurde, und warum es noch keine Wälder auf ihr gibt.

„Keine Urwälder. Wir sind immer noch eine im Wachstum begriffene Welt. Baleys Welt wird noch geformt. […] Dann haben wir im Meer Fische und Invertebraten aller Art ausgesetzt und uns dabei größte Mühe gegeben, ihnen eine Ökologie anzubieten, die sich selbst am Leben erhalten kann“

Ich hab meinen Vater gefragt, der wusste es nicht. „Nie gehört!“, meinte er. Auch meine Schwester, die immerhin ausgebildete Diplom-Ökotrophologin ist, war ratlos. „Vielleicht eine Art Braten in den Zuckersirup zugesetzt ist.“, mutmaßte sie.

„Was gibt es heute zum Essen?“
„Invertebraten!“

Klingt einigermaßen schlüssig, warum sollte man allerdings Braten mit Zuckersirup ins Meer werfen um eine Welt zu terraformieren? Vielleicht damit die Fische, die man gleichzeitig ausgesetzt hat – siehe oben – etwas zu essen haben?
Aber nein, dass würde ja der Maxime widersprechen eine Ökologie zu erschaffen, die sich – siehe ebenfalls oben – selbst am Leben erhalten kann. Vielleicht ein komplizierter Tipfehler, und es hätte eigentlich „Insektenarten“ heißen sollen?

Aber nein. Ein Durchlauf der allwissenden Internetsuchmaschine brachte mir schließlich Aufklärung. „Invertebraten“ ist offenbar ein wissenschaftlicher Terminus für wirbellose Tiere. Vermutlich besteht das Wort also auch nicht aus den Komposita Inverte- und -braten, sondern betont sich einfach auf der zweitletzten Silbe. „Invertebraten“ hieße es dann.

Irgendwie erinnert mich das an den Biologieunterricht, und den „Urin-sekt“, der in Wirklichkeit das „Ur-insekt“, oder an den Englischuntericht, wo das „Brather-ing“ in Wirklichkeit der „Brat-hering“ war.

Ich bestell mir trotzdem das nächste Mal, wenn ich essen gehe einen Invertebraten. Mal sehen, was der Kellner dann bringt…

Written by Heiko C. in: Bücher,Linguistisches | Schlagwörter: ,
Sep
04
2008
0

Freitag Frei

Morgen hab ich frei. Freitags habe ich oft frei, eigentlich meistens. Das hat auch einen Grund. Nein, nicht die Geschichte von Paul Maar mit dem Sams. Der Grund ist folgender: Als es das Domino noch gab (näheres hier) brauchte ich meinen freien Freitag, um endlich mal auszuschlafen, und das Pfeifen auf den Ohren loszuwerden.
Mittlerweile – aus Gründen die zu dämlich und kompliziert sind um sie hier zu nennen – gibt es den Donnerstag im Domino nicht mehr.
Ich kann mich noch an früher erinnern. (Ist ja auch erst etwas über 10 Jahre her) Ich dachte, das Domno würd’s immer geben, alleine weil man sonst nirgendwo hingehen kann hier oben. Es ist lange her, dass man noch in den Dornbusch gehen konnte, und noch länger ist es her, dass der Trichter angenehm war. Dort wo die beiden standen befinden sich jetzt Altenheime, glaub ich.
Warum konnte man das Domino also nicht erhalten? Manche mögen sagen, das wäre der Lauf der Dinge. Dinge müssen sich ändern, denn Stagnation ist der Tod. Stimmt zwar irgendwie, aber der Mensch bewahrt doch Dinge, die er gut findet. Oder zumindest versucht er das. Pandabären zum Beispiel. Oder Schnabeltiere.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Tiere auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen, die es auch alleine fertiggebracht hätten auszusterben. Alte Bauwerke werden auch bewahrt, und nicht nur Schlösser und Kirchen. Nein, es gibt sogar Industriedenkmäler! Warum also nicht das gemütliche alte Ex-Autohaus bewahren, in dem ich Donnerstags immer getanzt habe?

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: , , , ,
Sep
01
2008
0

Fernsehen, Kino oder was sonst?

„Nichts hält ewig.
Alles wiederholt sich.
Alles ist gleich.“

Sind diese Worte eher optimistisch oder pessimistisch. Bei einer vielleicht nicht ganz repräsentativen Befragung stimmten 100% der Befragten für pessimistisch, wobei der erste Satz noch als der optimistischste galt. Die beiden anderen Sätze zögen den ersten aber auch auf die pessimistische Seite, so hieß es weiter.

Aber ist das wirklich so? Ich sehe das anders. Einspruch, Euer Ehren!
Wenn alles nicht ewig währt, so ist das gut, denn die meisten Dinge, die einem im Laufe eines normalen Lebens so zustoßen sind eher negativ. Darum geht es ja immerhin beim Leben. Also auch das Schlimmste geht irgendwann und irgendwie vorbei.
Leider gilt das jedoch auch für die guten Sachen. Mehr noch: Wenn man die guten Sachen künstlich am Leben zu erhalten versucht, dann werden sie langsam aber sicher schlecht, wenn nicht gar ungenießbar. Wenn die Zeit einer guten Sache also vorbei ist, sollte man sie trotz Bedauern ziehen lassen.
Dieser eine Hinkefuß am ersten Satz hebelt der zweite jedoch aus. Wenn alles sich wiederholt, dann kommt das Gute auch wieder in der einen oder anderen Form. Besser noch: Man erkennt die Dinge die sich wiederholen als gut oder schlecht, wenn man sie schon mal erlebt hat, und das BEVOR man noch in sie involviert ist.
Durch die Wiederholungen hat man also die Chance, die Lehren, die man aus vergangenen Fehlern gemacht hat anzuwenden.

Im Grunde genommen ist der letzte Satz dann sogar überflüssig, wenn er einem nicht die warme Sicherheit der Vertrautheit deutlicher garantieren würde als der zweite es könnte.

Im Grunde genommen ist das Leben also wie Kino. Ich dachte zuerst es wäre wie Fernsehen, aber der Vergleich hinkt. Obwohl alles das gleiche ist, ist alles doch nie das selbe. Das Fernsehen bringt jedoch immer wieder die selben Sendungen, und wenn man statt dessen mal etwas im Fernsehen zu sehen bekommt, was nur „gleich“ ist, und eben nicht das selbe, dann wird immer ein ganz großer Zirkus drum gemacht. „Jetzt ganz neu! Deutschland-Welt-Universalpremiere im Free-TV!!“, heißt es dann. Stimmt doch gar nicht. Eine neue Verfilmung der Weihnachtsgeschichte von Dickens ist trotzdem nicht ganz neu. Kenn wir doch schon.
Trotzdem wird jedesmal ein großes Trara gemacht, wenn etwas neu verfilmt wird.

Im Kino ist das ganz normal. Filme wiederholen sich dort auch gern mal, jedoch eher selten wirklich die selben. Die gleichen laufen allerdings öfter. Als Neuverfilmungen.
Und so sind solche Wiederholungen wie im Leben: Mit neuer Besetzung, anderen Rollen, einem etwas anderen Plot und möglicherweise einem unvorhergesehenen Twist am Ende. Als Beispiel kommt mir da „Assault on precinct 13“ in den Sinn, oder „The Fly“.

Wo bleibt also noch Raum für Pessimismus? Nicht nur das Kino, sondern die ganze Welt is voll von dem Gleichen! Geht raus, und genießt es!

Aug
23
2008
0

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Keiner. Und wenn er kommt? Dann laufen wir.

Ist mir damals nie als ein rassistisches Spiel vorgekommen. Aus heutiger Sicht kann man es natürlich so auffassen. Für mich war der Schwarze Mann zu Grundschulzeiten immer ein weißer Mann in einem schwarzen Trenchcoat und einem ebensolchfarbigen Hut. Vermutlich war er Russe, dieser Schwarze Mann, keine Ahnung.

Was richtige „schwarze Männer“ also jetzt in Sachen Hautfarbe angeht, beschränken sich da meine Kindheitserinnerungen auf die Geschichte mit dem Tintenfass im Struwwelpeter und den Sarottimohr. Auch das Ernie aus der Sesamstrasse vielleicht Afroamerikaner ist, habe ich erst sehr viel später zu vermuten begonnen. Warum die Leute in der Bill Cosby Show alle so braungebrannt sind, darüber hab ich mir in dem Alter auch nicht den Kopf zerbrochen.

Warum der Negerkuss zum Schokokuß wurde, kann ich ja noch verstehen. Warum er dabei allerdings den Umweg über den Mohrenkopf machte, ist mir ein Rätsel. Seltsam wie sehr man über manche Begriffe gar nicht mehr nachdenkt, wenn man sie schon immer benutzt hat. Als ich das erste Mal davon erfuhr „Negerküsse“ seien rassistisch, habe ich zum Beispiel gar nicht recht verstanden warum. Erst nach einigem nachdenken, hab ich dann erst gemerkt, dass „Neger“ vielleicht kein so nettes Wort ist.

In der Grundschule gab es diesen ganzen Rattenschwanz an rassenpolitischer Verwicklungen und Implikationen noch nicht. Zumindest nicht für mich. Ich erinnere mich vage, dass ein Mitschüler immer Türkenwitze erzählt, und er dann als einziger über sie gelacht hat. Richtig weggeschmissen hat der sich über seine eigenen Witze.

Aber über Negerkuss habe ich trotzdem nie nachgedacht, und auch nicht über den Schwarzen Mann.

Seltsam. Dabei frage ich mich schon seit ich das Wort kenne, warum es „Armleuchter“ heißt. Ich meine leuchtet da jemand mit den Armen? Verrückt…

Aug
09
2008
0

Deine Zwiebeln im Schrank, die ich gestern noch fand…

…hat die Reinigungsfachkraft mitgenommen. Turaluralulei.

Wenn in einem Appartement, dass unsere Putzfrauen reinigen etwas liegen bleibt, so gebe ich es normalerweise beim Vermieter ab, damit er es nachschickt.
Das gilt jedoch nicht für leicht verderbliche Waren, die die Putzfrauen dann unter sich aufteilen können.
Was mir schon seit Jahren auffällt ist, daß in so gut wie jedem zweiten Appartement ein Netz Küchenzwiebeln liegen bleibt.

Üblicherweise noch nicht einmal angebrochen. Wie kommt es dazu?
Was treibt junge, wohlbetuchte Sylt-Urlauber (oder nicht mehr ganz so junge, je nachdem) dazu, als erstes ein Netz Küchenzwiebeln zu kaufen, wenn sie auf der Insel anreisen.
Endlich angekommen nach 18 Stunden Autofahrt, und etwa einer Stunde auf dem Autozug. Koffer ins Appartement, kurz verschnaufen… und dann? Zwiebeln kaufen. Warum?
Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ehemann: Endlich da. Mann, die fahren hier ja echt seltsam… Und die ganzen Baustellen hier… (Setzt sich hin, legt die Füße hoch) Puh!

Ehefrau: Schatzi?

Ehemann: Ja?

Ehefrau:
Gehst du noch schnell Zwiebeln kaufen?

Ehemann: Was??

Ehefrau: Küchenzwiebeln. Die brauch ich ganz dringend. Ein Netz sollte reichen.

Ehemann:
Muss das jetzt sein?

Ehefrau:
Ach bitte. Ich will mir eine Tütensuppe machen.

Ehemann:
Und da brauchst du Zwiebeln?

Ehefrau:
Ja.

Ehemann:
Warum?

Ehefrau:
Sie geben mir einfach ein sicheres Gefühl wenn ich koche.

Ehemann:
Hättest du die dann nicht mitnehmen können von zuhause?

Ehefrau: Zwiebeln den ganzen Weg über im Auto lassen? Spinnst du?

Ich stell mir das wenigstens so, oder so ähnlich, vor.
Manchmal hat man jedoch auch mehr Glück, und etwas nützlicheres bleibt liegen. Etwas zumindest, was nützlicher ist als all die Zwiebeln, für deren Lagerung so manche Reinigungsfrau schon einen Extra Raum zuhause hat.
Tütensuppen bleiben gerne liegen, auch Senf oder ähnliches. Gerne auch ein Johgurt, dieser jedoch meist schon abgelaufen, und manchmal sind sogar ein paar Eis am Stiel im Eisfach.
Neulich fand ich in einem Appartement, dass ich ausnahmsweise mal alleine machte, die Überreste eines mehrtägigen Saufgelages. Es fanden sich 10 leere Flaschen Gin, eine Kiste Tonicwater voll leerer Flaschen, und ein Kühlschrank voller voller Bierflaschen. Nach dem ersten Ärger, dass es hier doch mal wieder länger dauert, packte ich den Krempel ins Auto, und fing an die Küche aufzuräumen.
Auf dem Herd stand noch ein Topf mit Würstchen, im Kühlschrank fanden sich hinter dem Bier noch eine halb leere Packung Hot-Dog-Brötchen, Senf, Remouladensoße und Ketchup. Im Bad(!) standen zwei Packungen Röstzwiebeln. Eine davon noch originalverschweißt.
Nachdem ich die Würstchen entsorgt hatte, und mich noch darüber wunderte, dass kein leeres Glas Gewürzgurken zu finden war – die gehören nämlich zu einem Hotdog – begann ich mich nicht minder darüber zu wundern, wer wohl hier Urlaub gemacht hatte, und vor allem: wie.
Wie muß man sich den Dialog vorstellen, der zu diesem Schlachtfeld geführt hatte?

Freund1:
Hey, weißt, was mir mal wieder mach’n sollt’n?

Freund2:
Nö.

Freund1:
Nach Sylt fahren!

Freund2:
Und dann?

Freund1:
Mach’n wir uns ein paar schöne Tag‘ mit Hot Dogs und Gin Tonic!

Freund2:
Cool!

Vielleicht verpass ich da ja was, aber ich sehe nicht ein, warum man für eine Gin tonic Sauftour mit Hot Dogs sich unbedingt Sylt aussuchen sollte?!?! Ein neuer Trend?
Vielleicht. In einem vierteljahr gibt es wahrscheinlich einen Schlager über eben diesen:

Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
So frei hab ich mich nie wieder gefühlt.
Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
haben meinen Magen gefüllt.

Der Sylter Strand
ist wohlbekannt
doch nur die Weisen wissen
vom Sylter Land
und seinem Sand
werd nur Hot Dogs und Gin Tonic ich vermissen

Oder so ähnlich. Über andere Sylter Trends gibt es schon ähnlich kunstvolle Schlager.
Das Leben ist manchmal sehr rätselhaft.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches,Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,
Jul
17
2008
0

Das Leben ist eine Baustelle. Die Insel auch…

Gna, Sylt! Heimat der Sylter, die vermutlich schon in prähistorischen Zeiten dadurch reich wurden, ihre Zweit-Strohütten teuer an prominente Steinzeitler zu vermieten…
Auch im Strassenverkehr hat sich auf Sylt scheinbar kaum etwas verändert, seit die Frau des Neandertal-Stammesfürsten ihren Sommerurlaub auf Sylt verbracht hat. Noch immer gilt: „Sylter dürfen das!“ und „Wer bremst hat Angst!“. Nicht zu vergessen: „Tut mir leid, hab ich gar nicht gesehen!“
Ansonsten hat sich die Insel sehr verändert. Es gibt nun einen Damm, wo ein Zug drüber fährt, in den man seinen eigenen Wagen hineinfahren kann. Die Häuser sind jetzt aus Stein, und nicht mehr mit Stroh, sondern mit Reet bedeckt. Ein bedeutender Unterschied.

Und damit diese Veränderungen auch weiter stattfinden können, wird immer irgendwo gebaut. Immer. Immer irgendwo. IMMER wird IRGENDWO gebaut. Auf Sylt wird irgendwo immer gebaut. Ich meine, bei Berlin kann ich’s ja verstehen, dass immer irgendwo gebaut wird, aber bei Sylt? Ich meine, Berlin ist eine ziemlich große Stadt, in der ziemlich viele Menschen leben. Da geht sicher alle naslang was kaputt. Aber Sylt? Unsere beschaulich-hektische Ferieninsel vor der Haustür? Wie groß ist die durchschnittliche Bevölkerungsdichte auf Sylt? Kleiner als in Berlin? Sollte man annehmen. Viel kleiner? Auch das sollte richtig sein. Warum scheint dann nur die Baustellendichte genau so groß zu sein, wenn nicht gar größer?

Der geneigte Leser wird nun fragen, warum ich die vielen Baustellen, die es immer irgendwo auf Sylt gibt, verbal so hervorhebe. Zumindest wird es der geneigte Leser fragen, dem aufgefallen ist, dass ich die vielen Baustellen auf Sylt verbal hervorhebe. Ich meine auf Baustellen kann man sich doch einstellen, oder?

Sicher kann man das. Sogar auf Sylt, wo sich der Strassenverkehr scheinbar einer fundamental anderen StVO zu beugen scheint, als sie für den Rest Deutschlands gilt.
Aber wie kann man sich auf die Baustellen einstellen, wenn die jeden Tag woanders sind? Wenn man zum Beispiel, wie ich heute, erst merkt, dass die Baustelle über Nacht von vor-der-Kreuzung zu hinter-der-Kreuzung verlegt wurde. Und wenn man erst merkt, dass man nochmal um den ganzen verdammten Pudding bummeln darf, wenn man direkt vor der Absperrung steht?

Himmel, da mag ich ja lieber in Dänemark Auto fahren. Das ist aufgrund der Durchschnittsgeschwindigkeit des durchschnittlich motorisierten Durchschnittsdänen eher langweilig und man bekommt einen Drehwurm wegen der vielen Kreisverkehre, aber man kommt wenigstens meist von A nach B, ohne drei Viertel des zurückgelegten Weges nocheinmal zurückfahren zu müssen, um an einer anderen Kreuzung abzubiegen.
Ganz abgesehen davon, dass man einige Strassen auf Sylt halt nicht meiden kann, wenn man nicht gerade durch die Nordsee fahren will.

Ich finde das ärgerlich.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches | Schlagwörter:
Jun
16
2008
0

Die Zukunft der Informationsgesellschaft

Okay, ich geb’s zu, ich bin spät dran mit dem Thema, aber umso besser.
Viele werden mittlerweile Loituma kennen, und ihren Smashhit „Leva`s Polka“, wenn vielleicht auch nicht dem Namen nach.
Loituma ist ein finnisches Quartett, dass sinniger Weise hauptsächlich finnische Volksmusik macht.
Sie erlangten unlängst welt- oder besser: netzweite Berühmtheit mit einem eigentlich recht alten finnischen Stück namens „Leva`s Polka“. Es handelt sich hierbei um ein altes finnisches Lied von 1937, in dem es um ein Mädchen geht, das von zuhause abhaut, um mit einem Polkamusikanten zusammen zu sein.
Irgendwann jedenfalls legte Loituma dieses Lied – noch immer in finnischer Sprache – neu auf, in einer acapella gesungenen Version, die interessant aber geschmacklich grenzwertig ist.
Finnische Nur-Gesang-Musik, das bedeutet, dass nur gesungen wird, ein Nichtfinne aber nichts versteht. Die Loituma-Version glänzt außerdem noch über ein Intermezzo, dass hauptsächlich aus sinnlosen Lauten besteht.
Dieses Intermezzo fand irgendjemand im Netz so witzig, dass er aus selbigem eine Schleife machte, und sie in ein ebenfalls gelooptes Video kopierte, indem ein Anime-Mädchen zu singen scheint, und mit einer Stange Sellerie wedelt.

Soweit so gut. Ein weiteres „lustiges Video“ im Netz. Damit endete der Spass aber nicht. Immer neue Leute namen sich „Leva`s Polka“ oder besser gesagt nur dem Intermezzo daraus an, und produzierten immer neue Videos mit der gleichen Musik. Es gibt mittlerweile ein Technoremix, wo eine Kuh singt, eins mit zwei Muskelmännern in blauen T-Shirts die einen Club besuchen, und sogar eines in dem eine Stange Sellerie mit einem Mangamädchen wedelt.

Loituma schaffte es in Deutschland vermutlich aufgrund dieser Netzprominenz in die Top 50 der Albumcharts.
Ach ja, natürlich gibt es mittlerweile auch WOW-Videos mit „Leva`s Polka“ als Musikuntermalung. Gibt ja alles als WOW.
Gleiches ist mit vielerlei Musik zu beobachten. Man denke da nur an „The internet is for porn“ oder ganz früher diesen Sitztänzer mit seiner Playbackperformance zu „Numa Numa“.

Ist das vielleicht schon die Zukunft der Informationsgesellschaft, die da an die Tür klopft? Wie wird der Staat versuchen dieser groß angelegten Ausbeutung von geistigem Eigentum zu begegnen? Und tut das überhaupt not?

Ich mein, lustig ist es ja…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Technisches | Schlagwörter: ,
Jun
14
2008
0

Weltraummollusken erobern den Heiko C.

Einen Weltraummollusken auf dem Rücken zu haben, stelle ich mir so ähnlich vor wie eine Sucht. Nehmen wir die Tabaksucht zum Beispiel. Seit etwa einer Woche habe ich aufgrund einer Halsentzündung nicht mehr geraucht, und hatte die ersten vier Tage auch gar keine Lust darauf.
Eigentlich keine schlechte Sache, wenn man es sich eh abgewöhnen will. Ich weiß ja, dass die nächste Zigarette sowieso nicht schmeckt. All die anderen, die dieser nächsten Zigarette dann folgen würden, würden unausweichlich auch nur wieder dazu führen, dass ich mich kränker fühle, fahler aussehe, und nach Aschenbecher rieche.
Nun seit heute allerdings, ertappe ich mich trotz allem immer wieder dabei, wie ich eine Schachtel Fluppen kaufen will, und zwar am besten bei nächster Gelegenheit. Es ist fast so, als säße ein Weltraummollusk auf meinem Rücken, der jedem zehnten Gedanken ein „…und Zigaretten kaufen muß ich auch noch!“ hinzufügen würde. Oder vielleicht ist es eher wie im „Krieg der Gehirne“ von Jack Vance.
Zigaretten kaufen zu müssen ist kein bewusster Gedanke, und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass dieser Impuls nicht von mir ist, aber trotzdem ist er da. Seltsam. Ich hatte ja schon mal das Rauchen für ein paar Jahre aufgegeben, und erinnere mich im Angesicht meiner heutigen Situation mit Schrecken daran, dass ich noch Monate nachdem ich meine letzte Zigarette geraucht hatte, davon träumte zu rauchen. Nach einer solchen „Traumzigarette“ habe ich mich dann auch prompt immer schuldig gefühlt, weil ich selbst im Traum noch wusste, dass ich eigentlich nicht mehr rauchen wollte.
Also ist diese Stimme die immer „…und ne Packung Zigaretten!“ in meinem Kopf sagt auch nicht mein Unterbewusstsein, denn das sorgt ja schon im Traum dafür, dass ich mich schuldig fühle. Bleibt nur die Sucht. Der Wunsch eine zu rauchen ist also die Eingebung von etwas, dass nicht zu meiner Persönlichkeit gehört; fremdeingegeben also.
Wie die Befehle der Weltraummollusken…

Mal sehen ob mir diese Erkenntnis was nutzt. Ach ja, und ich muss noch Zigaretten kaufen gehen, fällt mir da grad ein…

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,
Jun
01
2008
0

Der Sinn des Lebens

Ui, tiefschürfend. Und ein Thema über das kaum jemand schreibt… *räusper*
Nagut, da bin ich heute also in Flensburg unterwegs, und schaue mich hier und da um, und da kommt mir plötzlich die Erkenntnis:
Ich habe meinen Sinn des Lebens gefunden. Denke ich zumindest. Zumindest für jetzt.
Früher dachte ich immer, der Sinn des Lebens sei es, möglichst viel Wissen anzuhäufen, was sich, wie ich irgendwann irgendwo mal las, erstaunlicherweise mit der Ansicht der alten Ägypter zu decken scheint.
Irgendwann hat man dann aber keinen Bock mehr darauf, schlaue Bücher zu lesen. Irgendwann reichts einem, denn je mehr man versucht sich eine umfassende Allgemeinbildung aufzubauen, desto mehr uninteressanter Krempel ist dabei, und desto mehr interessante „Fakten“ widersprechen sich.
Was also dann? Lachen, Trinken, Fröhlichsein?
Vielleicht wenn man Rheinländer wäre, was ich nicht bin.
Mein Momentaner Sinn des Lebens, wie ich beim Promenieren durch die aufgerissene Flensburger Fußgängerzone feststellte, ist mich von Pointe zu Pointe zu hangeln.
Das heißt jetzt nicht, dass ich ständig dumme Witze erzählen muss. Naja, das tu ich ehrlich gesagt trotzdem. Mein Sinn des Lebens ist den Humor in Alltagssituationen zu erkennen, und mich innerlich schlapp zu lachen. Dabei können dies sowohl Situationen sein, die mich betreffen, als auch welche, denen ich nur als Aussenstehender beiwohne. Dieser Sinn ergibt einen Sinn für mich.

Mal was anderes: Hat jemand von euch schon mal mit der Kamera geredet? Ich hab das schon gemacht. Also mir vorgestellt ich sei im Fernsehen, und den Ort angesprochen, an dem die Kamera hätte stehen müssen. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, ist schon lange her, aber es war etwas wie „Das ist mal wieder typisch für mich!“
Keine Angst, wenn ich irgendwann einmal mein Leben durch Konservenlachen untermalt höre, gehe ich spätestens zu einem Psychlogen.

Mai
25
2008
2

Zeitreisen bei Richter Alexander Hold

…oder schreibt sich der mit „T“ am Ende, na egal…
Auf jeden Fall habe ich jetzt diese Sendung durchschaut, nachdem ich Sie jahrelang unterschätzt habe.
Ich dachte früher immer diese Richtershows wären nur eine Art nachgemachtes „Königlich Bairisches Amtsgericht“, nur ohne Bairisch, König und echte Schauspieler.
Pustekuchen!
„Richter Alexander Hold“ zumindest, ist eine Zeitreisesendung, eine sehr subtile noch dazu. Nur ganz ausgefuchste Intellenzbestien kriegen das mit. Voll krass. Alda.

Neulich wurde da ein Fall behandelt indem irgendein junger Erwachsener, der von Beruf – glaube ich – Laiendarsteller war, verdächtigt wurde, junge Frauen mit einem Korkenzieher zerschnitzt zu haben.
Warum die Frauen nicht wussten, wer sie zerschnitzt hat? Keine Ahnung, so lange hab ich nicht zugesehen.
Na, jedenfalls war die Tatwaffe in einem Fall ein Korkenzieher von einem Getränkemarkt. Und wie es der Zufall so will, hatte der Freund des zweiten Beihnaheopfers auch einen.
Genau so einen, heißt das.

Und da wird die Verhandlung durch eine Werbepause unterbrochen, damit der Kirkidatze, oder wie die Staatsanwälte da immer heißen, den zweiten Korkenzieher zum Vergleich holen kann.

Gesagt getan. Richter Hold/t hält in jeder Hand ein Beweistütchen mit zwei täuschend ähnlichen Korkenziehern (Also einem pro Tütchen). Dann sagt er: „Wie Sie sehen können sind die beiden Korkenzieher identisch.“

Aha.
Sie sind nicht gleich, auch nicht die Selben. Nein, sie sind sogar identisch. Das heißt nach Konrad Ferdinand B. Duden: Es handelt sich bei beiden um ein und denselben Korkenzieher, also im Grunde nur um einen. Und nicht nur im Grunde, sondern auch sonst.
Was bleibt als Erklärung? Einer der beiden Korkenzieher muss die Version des anderen Korkenziehers aus einer anderen Zeit sein. Was für ein perfides Verbrechen: Die Mordwaffe mit einer Zeitmaschine in eine andere Zeit schicken. Zu dumm, dass das Ding dann doch rechtzeitig zur Verhandlung aufgetaucht ist. Und dann auch noch zweimal.
Man sollte sich halt eben immer die Bedienungsanleitung einer Zeitmaschine durchlesen, da man sonst am Ende noch mit sechzehn „identischen“ Schwiegermüttern im Wohnzimmer sitzt, obwohl man erst in drei Jahren seine zukünftige Frau kennenlernt.

Das ist im Grunde schon das Ende meiner Beweisführung.

Jetzt mal im Ernst:
Als obs nicht schon genug wäre, dass nach den neuesten paar Duden das gleiche und das selbe plötzlich das selbe sind: nämlich beide das gleiche, wird nun auch noch der Begriff identisch entwertet.
Sind Zwillinge dann auch identisch, wenn das für gleiche Korkenzieher gilt? Und was bedeutet dann noch das Wort „Identität“, wenn diese nicht mehr einem exklusiv gehört, sondern sie sich mehrere Teilen können?

UND DER MANN IST RICHTER, UND SOWEIT ICH GEHÖRT HABE LEUTNANT DER RESERVE. Da machen sich die Leute über die Jugend und Pisa Gedanken….

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Kurzrezensionen,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: , ,

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Sep
11
2008
0

Invertebraten

Ich lese gerade wieder „Das galaktische Imperium“ von Isaac Asimov, und bin dabei auf Seite 207 über ein mir unbekanntes Wort gestolpert: Invertebraten.

Im Zusammenhang liest es sich so:
Einer der Protagonisten erzählt wie seine Welt terraformiert wurde, und warum es noch keine Wälder auf ihr gibt.

„Keine Urwälder. Wir sind immer noch eine im Wachstum begriffene Welt. Baleys Welt wird noch geformt. […] Dann haben wir im Meer Fische und Invertebraten aller Art ausgesetzt und uns dabei größte Mühe gegeben, ihnen eine Ökologie anzubieten, die sich selbst am Leben erhalten kann“

Ich hab meinen Vater gefragt, der wusste es nicht. „Nie gehört!“, meinte er. Auch meine Schwester, die immerhin ausgebildete Diplom-Ökotrophologin ist, war ratlos. „Vielleicht eine Art Braten in den Zuckersirup zugesetzt ist.“, mutmaßte sie.

„Was gibt es heute zum Essen?“
„Invertebraten!“

Klingt einigermaßen schlüssig, warum sollte man allerdings Braten mit Zuckersirup ins Meer werfen um eine Welt zu terraformieren? Vielleicht damit die Fische, die man gleichzeitig ausgesetzt hat – siehe oben – etwas zu essen haben?
Aber nein, dass würde ja der Maxime widersprechen eine Ökologie zu erschaffen, die sich – siehe ebenfalls oben – selbst am Leben erhalten kann. Vielleicht ein komplizierter Tipfehler, und es hätte eigentlich „Insektenarten“ heißen sollen?

Aber nein. Ein Durchlauf der allwissenden Internetsuchmaschine brachte mir schließlich Aufklärung. „Invertebraten“ ist offenbar ein wissenschaftlicher Terminus für wirbellose Tiere. Vermutlich besteht das Wort also auch nicht aus den Komposita Inverte- und -braten, sondern betont sich einfach auf der zweitletzten Silbe. „Invertebraten“ hieße es dann.

Irgendwie erinnert mich das an den Biologieunterricht, und den „Urin-sekt“, der in Wirklichkeit das „Ur-insekt“, oder an den Englischuntericht, wo das „Brather-ing“ in Wirklichkeit der „Brat-hering“ war.

Ich bestell mir trotzdem das nächste Mal, wenn ich essen gehe einen Invertebraten. Mal sehen, was der Kellner dann bringt…

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Sep
04
2008
0

Freitag Frei

Morgen hab ich frei. Freitags habe ich oft frei, eigentlich meistens. Das hat auch einen Grund. Nein, nicht die Geschichte von Paul Maar mit dem Sams. Der Grund ist folgender: Als es das Domino noch gab (näheres hier) brauchte ich meinen freien Freitag, um endlich mal auszuschlafen, und das Pfeifen auf den Ohren loszuwerden.
Mittlerweile – aus Gründen die zu dämlich und kompliziert sind um sie hier zu nennen – gibt es den Donnerstag im Domino nicht mehr.
Ich kann mich noch an früher erinnern. (Ist ja auch erst etwas über 10 Jahre her) Ich dachte, das Domno würd’s immer geben, alleine weil man sonst nirgendwo hingehen kann hier oben. Es ist lange her, dass man noch in den Dornbusch gehen konnte, und noch länger ist es her, dass der Trichter angenehm war. Dort wo die beiden standen befinden sich jetzt Altenheime, glaub ich.
Warum konnte man das Domino also nicht erhalten? Manche mögen sagen, das wäre der Lauf der Dinge. Dinge müssen sich ändern, denn Stagnation ist der Tod. Stimmt zwar irgendwie, aber der Mensch bewahrt doch Dinge, die er gut findet. Oder zumindest versucht er das. Pandabären zum Beispiel. Oder Schnabeltiere.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Tiere auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen, die es auch alleine fertiggebracht hätten auszusterben. Alte Bauwerke werden auch bewahrt, und nicht nur Schlösser und Kirchen. Nein, es gibt sogar Industriedenkmäler! Warum also nicht das gemütliche alte Ex-Autohaus bewahren, in dem ich Donnerstags immer getanzt habe?

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: , , , ,
Sep
01
2008
0

Fernsehen, Kino oder was sonst?

„Nichts hält ewig.
Alles wiederholt sich.
Alles ist gleich.“

Sind diese Worte eher optimistisch oder pessimistisch. Bei einer vielleicht nicht ganz repräsentativen Befragung stimmten 100% der Befragten für pessimistisch, wobei der erste Satz noch als der optimistischste galt. Die beiden anderen Sätze zögen den ersten aber auch auf die pessimistische Seite, so hieß es weiter.

Aber ist das wirklich so? Ich sehe das anders. Einspruch, Euer Ehren!
Wenn alles nicht ewig währt, so ist das gut, denn die meisten Dinge, die einem im Laufe eines normalen Lebens so zustoßen sind eher negativ. Darum geht es ja immerhin beim Leben. Also auch das Schlimmste geht irgendwann und irgendwie vorbei.
Leider gilt das jedoch auch für die guten Sachen. Mehr noch: Wenn man die guten Sachen künstlich am Leben zu erhalten versucht, dann werden sie langsam aber sicher schlecht, wenn nicht gar ungenießbar. Wenn die Zeit einer guten Sache also vorbei ist, sollte man sie trotz Bedauern ziehen lassen.
Dieser eine Hinkefuß am ersten Satz hebelt der zweite jedoch aus. Wenn alles sich wiederholt, dann kommt das Gute auch wieder in der einen oder anderen Form. Besser noch: Man erkennt die Dinge die sich wiederholen als gut oder schlecht, wenn man sie schon mal erlebt hat, und das BEVOR man noch in sie involviert ist.
Durch die Wiederholungen hat man also die Chance, die Lehren, die man aus vergangenen Fehlern gemacht hat anzuwenden.

Im Grunde genommen ist der letzte Satz dann sogar überflüssig, wenn er einem nicht die warme Sicherheit der Vertrautheit deutlicher garantieren würde als der zweite es könnte.

Im Grunde genommen ist das Leben also wie Kino. Ich dachte zuerst es wäre wie Fernsehen, aber der Vergleich hinkt. Obwohl alles das gleiche ist, ist alles doch nie das selbe. Das Fernsehen bringt jedoch immer wieder die selben Sendungen, und wenn man statt dessen mal etwas im Fernsehen zu sehen bekommt, was nur „gleich“ ist, und eben nicht das selbe, dann wird immer ein ganz großer Zirkus drum gemacht. „Jetzt ganz neu! Deutschland-Welt-Universalpremiere im Free-TV!!“, heißt es dann. Stimmt doch gar nicht. Eine neue Verfilmung der Weihnachtsgeschichte von Dickens ist trotzdem nicht ganz neu. Kenn wir doch schon.
Trotzdem wird jedesmal ein großes Trara gemacht, wenn etwas neu verfilmt wird.

Im Kino ist das ganz normal. Filme wiederholen sich dort auch gern mal, jedoch eher selten wirklich die selben. Die gleichen laufen allerdings öfter. Als Neuverfilmungen.
Und so sind solche Wiederholungen wie im Leben: Mit neuer Besetzung, anderen Rollen, einem etwas anderen Plot und möglicherweise einem unvorhergesehenen Twist am Ende. Als Beispiel kommt mir da „Assault on precinct 13“ in den Sinn, oder „The Fly“.

Wo bleibt also noch Raum für Pessimismus? Nicht nur das Kino, sondern die ganze Welt is voll von dem Gleichen! Geht raus, und genießt es!

Aug
23
2008
0

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Keiner. Und wenn er kommt? Dann laufen wir.

Ist mir damals nie als ein rassistisches Spiel vorgekommen. Aus heutiger Sicht kann man es natürlich so auffassen. Für mich war der Schwarze Mann zu Grundschulzeiten immer ein weißer Mann in einem schwarzen Trenchcoat und einem ebensolchfarbigen Hut. Vermutlich war er Russe, dieser Schwarze Mann, keine Ahnung.

Was richtige „schwarze Männer“ also jetzt in Sachen Hautfarbe angeht, beschränken sich da meine Kindheitserinnerungen auf die Geschichte mit dem Tintenfass im Struwwelpeter und den Sarottimohr. Auch das Ernie aus der Sesamstrasse vielleicht Afroamerikaner ist, habe ich erst sehr viel später zu vermuten begonnen. Warum die Leute in der Bill Cosby Show alle so braungebrannt sind, darüber hab ich mir in dem Alter auch nicht den Kopf zerbrochen.

Warum der Negerkuss zum Schokokuß wurde, kann ich ja noch verstehen. Warum er dabei allerdings den Umweg über den Mohrenkopf machte, ist mir ein Rätsel. Seltsam wie sehr man über manche Begriffe gar nicht mehr nachdenkt, wenn man sie schon immer benutzt hat. Als ich das erste Mal davon erfuhr „Negerküsse“ seien rassistisch, habe ich zum Beispiel gar nicht recht verstanden warum. Erst nach einigem nachdenken, hab ich dann erst gemerkt, dass „Neger“ vielleicht kein so nettes Wort ist.

In der Grundschule gab es diesen ganzen Rattenschwanz an rassenpolitischer Verwicklungen und Implikationen noch nicht. Zumindest nicht für mich. Ich erinnere mich vage, dass ein Mitschüler immer Türkenwitze erzählt, und er dann als einziger über sie gelacht hat. Richtig weggeschmissen hat der sich über seine eigenen Witze.

Aber über Negerkuss habe ich trotzdem nie nachgedacht, und auch nicht über den Schwarzen Mann.

Seltsam. Dabei frage ich mich schon seit ich das Wort kenne, warum es „Armleuchter“ heißt. Ich meine leuchtet da jemand mit den Armen? Verrückt…

Aug
09
2008
0

Deine Zwiebeln im Schrank, die ich gestern noch fand…

…hat die Reinigungsfachkraft mitgenommen. Turaluralulei.

Wenn in einem Appartement, dass unsere Putzfrauen reinigen etwas liegen bleibt, so gebe ich es normalerweise beim Vermieter ab, damit er es nachschickt.
Das gilt jedoch nicht für leicht verderbliche Waren, die die Putzfrauen dann unter sich aufteilen können.
Was mir schon seit Jahren auffällt ist, daß in so gut wie jedem zweiten Appartement ein Netz Küchenzwiebeln liegen bleibt.

Üblicherweise noch nicht einmal angebrochen. Wie kommt es dazu?
Was treibt junge, wohlbetuchte Sylt-Urlauber (oder nicht mehr ganz so junge, je nachdem) dazu, als erstes ein Netz Küchenzwiebeln zu kaufen, wenn sie auf der Insel anreisen.
Endlich angekommen nach 18 Stunden Autofahrt, und etwa einer Stunde auf dem Autozug. Koffer ins Appartement, kurz verschnaufen… und dann? Zwiebeln kaufen. Warum?
Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ehemann: Endlich da. Mann, die fahren hier ja echt seltsam… Und die ganzen Baustellen hier… (Setzt sich hin, legt die Füße hoch) Puh!

Ehefrau: Schatzi?

Ehemann: Ja?

Ehefrau:
Gehst du noch schnell Zwiebeln kaufen?

Ehemann: Was??

Ehefrau: Küchenzwiebeln. Die brauch ich ganz dringend. Ein Netz sollte reichen.

Ehemann:
Muss das jetzt sein?

Ehefrau:
Ach bitte. Ich will mir eine Tütensuppe machen.

Ehemann:
Und da brauchst du Zwiebeln?

Ehefrau:
Ja.

Ehemann:
Warum?

Ehefrau:
Sie geben mir einfach ein sicheres Gefühl wenn ich koche.

Ehemann:
Hättest du die dann nicht mitnehmen können von zuhause?

Ehefrau: Zwiebeln den ganzen Weg über im Auto lassen? Spinnst du?

Ich stell mir das wenigstens so, oder so ähnlich, vor.
Manchmal hat man jedoch auch mehr Glück, und etwas nützlicheres bleibt liegen. Etwas zumindest, was nützlicher ist als all die Zwiebeln, für deren Lagerung so manche Reinigungsfrau schon einen Extra Raum zuhause hat.
Tütensuppen bleiben gerne liegen, auch Senf oder ähnliches. Gerne auch ein Johgurt, dieser jedoch meist schon abgelaufen, und manchmal sind sogar ein paar Eis am Stiel im Eisfach.
Neulich fand ich in einem Appartement, dass ich ausnahmsweise mal alleine machte, die Überreste eines mehrtägigen Saufgelages. Es fanden sich 10 leere Flaschen Gin, eine Kiste Tonicwater voll leerer Flaschen, und ein Kühlschrank voller voller Bierflaschen. Nach dem ersten Ärger, dass es hier doch mal wieder länger dauert, packte ich den Krempel ins Auto, und fing an die Küche aufzuräumen.
Auf dem Herd stand noch ein Topf mit Würstchen, im Kühlschrank fanden sich hinter dem Bier noch eine halb leere Packung Hot-Dog-Brötchen, Senf, Remouladensoße und Ketchup. Im Bad(!) standen zwei Packungen Röstzwiebeln. Eine davon noch originalverschweißt.
Nachdem ich die Würstchen entsorgt hatte, und mich noch darüber wunderte, dass kein leeres Glas Gewürzgurken zu finden war – die gehören nämlich zu einem Hotdog – begann ich mich nicht minder darüber zu wundern, wer wohl hier Urlaub gemacht hatte, und vor allem: wie.
Wie muß man sich den Dialog vorstellen, der zu diesem Schlachtfeld geführt hatte?

Freund1:
Hey, weißt, was mir mal wieder mach’n sollt’n?

Freund2:
Nö.

Freund1:
Nach Sylt fahren!

Freund2:
Und dann?

Freund1:
Mach’n wir uns ein paar schöne Tag‘ mit Hot Dogs und Gin Tonic!

Freund2:
Cool!

Vielleicht verpass ich da ja was, aber ich sehe nicht ein, warum man für eine Gin tonic Sauftour mit Hot Dogs sich unbedingt Sylt aussuchen sollte?!?! Ein neuer Trend?
Vielleicht. In einem vierteljahr gibt es wahrscheinlich einen Schlager über eben diesen:

Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
So frei hab ich mich nie wieder gefühlt.
Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
haben meinen Magen gefüllt.

Der Sylter Strand
ist wohlbekannt
doch nur die Weisen wissen
vom Sylter Land
und seinem Sand
werd nur Hot Dogs und Gin Tonic ich vermissen

Oder so ähnlich. Über andere Sylter Trends gibt es schon ähnlich kunstvolle Schlager.
Das Leben ist manchmal sehr rätselhaft.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches,Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,
Jul
17
2008
0

Das Leben ist eine Baustelle. Die Insel auch…

Gna, Sylt! Heimat der Sylter, die vermutlich schon in prähistorischen Zeiten dadurch reich wurden, ihre Zweit-Strohütten teuer an prominente Steinzeitler zu vermieten…
Auch im Strassenverkehr hat sich auf Sylt scheinbar kaum etwas verändert, seit die Frau des Neandertal-Stammesfürsten ihren Sommerurlaub auf Sylt verbracht hat. Noch immer gilt: „Sylter dürfen das!“ und „Wer bremst hat Angst!“. Nicht zu vergessen: „Tut mir leid, hab ich gar nicht gesehen!“
Ansonsten hat sich die Insel sehr verändert. Es gibt nun einen Damm, wo ein Zug drüber fährt, in den man seinen eigenen Wagen hineinfahren kann. Die Häuser sind jetzt aus Stein, und nicht mehr mit Stroh, sondern mit Reet bedeckt. Ein bedeutender Unterschied.

Und damit diese Veränderungen auch weiter stattfinden können, wird immer irgendwo gebaut. Immer. Immer irgendwo. IMMER wird IRGENDWO gebaut. Auf Sylt wird irgendwo immer gebaut. Ich meine, bei Berlin kann ich’s ja verstehen, dass immer irgendwo gebaut wird, aber bei Sylt? Ich meine, Berlin ist eine ziemlich große Stadt, in der ziemlich viele Menschen leben. Da geht sicher alle naslang was kaputt. Aber Sylt? Unsere beschaulich-hektische Ferieninsel vor der Haustür? Wie groß ist die durchschnittliche Bevölkerungsdichte auf Sylt? Kleiner als in Berlin? Sollte man annehmen. Viel kleiner? Auch das sollte richtig sein. Warum scheint dann nur die Baustellendichte genau so groß zu sein, wenn nicht gar größer?

Der geneigte Leser wird nun fragen, warum ich die vielen Baustellen, die es immer irgendwo auf Sylt gibt, verbal so hervorhebe. Zumindest wird es der geneigte Leser fragen, dem aufgefallen ist, dass ich die vielen Baustellen auf Sylt verbal hervorhebe. Ich meine auf Baustellen kann man sich doch einstellen, oder?

Sicher kann man das. Sogar auf Sylt, wo sich der Strassenverkehr scheinbar einer fundamental anderen StVO zu beugen scheint, als sie für den Rest Deutschlands gilt.
Aber wie kann man sich auf die Baustellen einstellen, wenn die jeden Tag woanders sind? Wenn man zum Beispiel, wie ich heute, erst merkt, dass die Baustelle über Nacht von vor-der-Kreuzung zu hinter-der-Kreuzung verlegt wurde. Und wenn man erst merkt, dass man nochmal um den ganzen verdammten Pudding bummeln darf, wenn man direkt vor der Absperrung steht?

Himmel, da mag ich ja lieber in Dänemark Auto fahren. Das ist aufgrund der Durchschnittsgeschwindigkeit des durchschnittlich motorisierten Durchschnittsdänen eher langweilig und man bekommt einen Drehwurm wegen der vielen Kreisverkehre, aber man kommt wenigstens meist von A nach B, ohne drei Viertel des zurückgelegten Weges nocheinmal zurückfahren zu müssen, um an einer anderen Kreuzung abzubiegen.
Ganz abgesehen davon, dass man einige Strassen auf Sylt halt nicht meiden kann, wenn man nicht gerade durch die Nordsee fahren will.

Ich finde das ärgerlich.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches | Schlagwörter:
Jun
16
2008
0

Die Zukunft der Informationsgesellschaft

Okay, ich geb’s zu, ich bin spät dran mit dem Thema, aber umso besser.
Viele werden mittlerweile Loituma kennen, und ihren Smashhit „Leva`s Polka“, wenn vielleicht auch nicht dem Namen nach.
Loituma ist ein finnisches Quartett, dass sinniger Weise hauptsächlich finnische Volksmusik macht.
Sie erlangten unlängst welt- oder besser: netzweite Berühmtheit mit einem eigentlich recht alten finnischen Stück namens „Leva`s Polka“. Es handelt sich hierbei um ein altes finnisches Lied von 1937, in dem es um ein Mädchen geht, das von zuhause abhaut, um mit einem Polkamusikanten zusammen zu sein.
Irgendwann jedenfalls legte Loituma dieses Lied – noch immer in finnischer Sprache – neu auf, in einer acapella gesungenen Version, die interessant aber geschmacklich grenzwertig ist.
Finnische Nur-Gesang-Musik, das bedeutet, dass nur gesungen wird, ein Nichtfinne aber nichts versteht. Die Loituma-Version glänzt außerdem noch über ein Intermezzo, dass hauptsächlich aus sinnlosen Lauten besteht.
Dieses Intermezzo fand irgendjemand im Netz so witzig, dass er aus selbigem eine Schleife machte, und sie in ein ebenfalls gelooptes Video kopierte, indem ein Anime-Mädchen zu singen scheint, und mit einer Stange Sellerie wedelt.

Soweit so gut. Ein weiteres „lustiges Video“ im Netz. Damit endete der Spass aber nicht. Immer neue Leute namen sich „Leva`s Polka“ oder besser gesagt nur dem Intermezzo daraus an, und produzierten immer neue Videos mit der gleichen Musik. Es gibt mittlerweile ein Technoremix, wo eine Kuh singt, eins mit zwei Muskelmännern in blauen T-Shirts die einen Club besuchen, und sogar eines in dem eine Stange Sellerie mit einem Mangamädchen wedelt.

Loituma schaffte es in Deutschland vermutlich aufgrund dieser Netzprominenz in die Top 50 der Albumcharts.
Ach ja, natürlich gibt es mittlerweile auch WOW-Videos mit „Leva`s Polka“ als Musikuntermalung. Gibt ja alles als WOW.
Gleiches ist mit vielerlei Musik zu beobachten. Man denke da nur an „The internet is for porn“ oder ganz früher diesen Sitztänzer mit seiner Playbackperformance zu „Numa Numa“.

Ist das vielleicht schon die Zukunft der Informationsgesellschaft, die da an die Tür klopft? Wie wird der Staat versuchen dieser groß angelegten Ausbeutung von geistigem Eigentum zu begegnen? Und tut das überhaupt not?

Ich mein, lustig ist es ja…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Technisches | Schlagwörter: ,
Jun
14
2008
0

Weltraummollusken erobern den Heiko C.

Einen Weltraummollusken auf dem Rücken zu haben, stelle ich mir so ähnlich vor wie eine Sucht. Nehmen wir die Tabaksucht zum Beispiel. Seit etwa einer Woche habe ich aufgrund einer Halsentzündung nicht mehr geraucht, und hatte die ersten vier Tage auch gar keine Lust darauf.
Eigentlich keine schlechte Sache, wenn man es sich eh abgewöhnen will. Ich weiß ja, dass die nächste Zigarette sowieso nicht schmeckt. All die anderen, die dieser nächsten Zigarette dann folgen würden, würden unausweichlich auch nur wieder dazu führen, dass ich mich kränker fühle, fahler aussehe, und nach Aschenbecher rieche.
Nun seit heute allerdings, ertappe ich mich trotz allem immer wieder dabei, wie ich eine Schachtel Fluppen kaufen will, und zwar am besten bei nächster Gelegenheit. Es ist fast so, als säße ein Weltraummollusk auf meinem Rücken, der jedem zehnten Gedanken ein „…und Zigaretten kaufen muß ich auch noch!“ hinzufügen würde. Oder vielleicht ist es eher wie im „Krieg der Gehirne“ von Jack Vance.
Zigaretten kaufen zu müssen ist kein bewusster Gedanke, und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass dieser Impuls nicht von mir ist, aber trotzdem ist er da. Seltsam. Ich hatte ja schon mal das Rauchen für ein paar Jahre aufgegeben, und erinnere mich im Angesicht meiner heutigen Situation mit Schrecken daran, dass ich noch Monate nachdem ich meine letzte Zigarette geraucht hatte, davon träumte zu rauchen. Nach einer solchen „Traumzigarette“ habe ich mich dann auch prompt immer schuldig gefühlt, weil ich selbst im Traum noch wusste, dass ich eigentlich nicht mehr rauchen wollte.
Also ist diese Stimme die immer „…und ne Packung Zigaretten!“ in meinem Kopf sagt auch nicht mein Unterbewusstsein, denn das sorgt ja schon im Traum dafür, dass ich mich schuldig fühle. Bleibt nur die Sucht. Der Wunsch eine zu rauchen ist also die Eingebung von etwas, dass nicht zu meiner Persönlichkeit gehört; fremdeingegeben also.
Wie die Befehle der Weltraummollusken…

Mal sehen ob mir diese Erkenntnis was nutzt. Ach ja, und ich muss noch Zigaretten kaufen gehen, fällt mir da grad ein…

Written by Heiko C. in: Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,
Jun
01
2008
0

Der Sinn des Lebens

Ui, tiefschürfend. Und ein Thema über das kaum jemand schreibt… *räusper*
Nagut, da bin ich heute also in Flensburg unterwegs, und schaue mich hier und da um, und da kommt mir plötzlich die Erkenntnis:
Ich habe meinen Sinn des Lebens gefunden. Denke ich zumindest. Zumindest für jetzt.
Früher dachte ich immer, der Sinn des Lebens sei es, möglichst viel Wissen anzuhäufen, was sich, wie ich irgendwann irgendwo mal las, erstaunlicherweise mit der Ansicht der alten Ägypter zu decken scheint.
Irgendwann hat man dann aber keinen Bock mehr darauf, schlaue Bücher zu lesen. Irgendwann reichts einem, denn je mehr man versucht sich eine umfassende Allgemeinbildung aufzubauen, desto mehr uninteressanter Krempel ist dabei, und desto mehr interessante „Fakten“ widersprechen sich.
Was also dann? Lachen, Trinken, Fröhlichsein?
Vielleicht wenn man Rheinländer wäre, was ich nicht bin.
Mein Momentaner Sinn des Lebens, wie ich beim Promenieren durch die aufgerissene Flensburger Fußgängerzone feststellte, ist mich von Pointe zu Pointe zu hangeln.
Das heißt jetzt nicht, dass ich ständig dumme Witze erzählen muss. Naja, das tu ich ehrlich gesagt trotzdem. Mein Sinn des Lebens ist den Humor in Alltagssituationen zu erkennen, und mich innerlich schlapp zu lachen. Dabei können dies sowohl Situationen sein, die mich betreffen, als auch welche, denen ich nur als Aussenstehender beiwohne. Dieser Sinn ergibt einen Sinn für mich.

Mal was anderes: Hat jemand von euch schon mal mit der Kamera geredet? Ich hab das schon gemacht. Also mir vorgestellt ich sei im Fernsehen, und den Ort angesprochen, an dem die Kamera hätte stehen müssen. Ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe, ist schon lange her, aber es war etwas wie „Das ist mal wieder typisch für mich!“
Keine Angst, wenn ich irgendwann einmal mein Leben durch Konservenlachen untermalt höre, gehe ich spätestens zu einem Psychlogen.

Mai
25
2008
2

Zeitreisen bei Richter Alexander Hold

…oder schreibt sich der mit „T“ am Ende, na egal…
Auf jeden Fall habe ich jetzt diese Sendung durchschaut, nachdem ich Sie jahrelang unterschätzt habe.
Ich dachte früher immer diese Richtershows wären nur eine Art nachgemachtes „Königlich Bairisches Amtsgericht“, nur ohne Bairisch, König und echte Schauspieler.
Pustekuchen!
„Richter Alexander Hold“ zumindest, ist eine Zeitreisesendung, eine sehr subtile noch dazu. Nur ganz ausgefuchste Intellenzbestien kriegen das mit. Voll krass. Alda.

Neulich wurde da ein Fall behandelt indem irgendein junger Erwachsener, der von Beruf – glaube ich – Laiendarsteller war, verdächtigt wurde, junge Frauen mit einem Korkenzieher zerschnitzt zu haben.
Warum die Frauen nicht wussten, wer sie zerschnitzt hat? Keine Ahnung, so lange hab ich nicht zugesehen.
Na, jedenfalls war die Tatwaffe in einem Fall ein Korkenzieher von einem Getränkemarkt. Und wie es der Zufall so will, hatte der Freund des zweiten Beihnaheopfers auch einen.
Genau so einen, heißt das.

Und da wird die Verhandlung durch eine Werbepause unterbrochen, damit der Kirkidatze, oder wie die Staatsanwälte da immer heißen, den zweiten Korkenzieher zum Vergleich holen kann.

Gesagt getan. Richter Hold/t hält in jeder Hand ein Beweistütchen mit zwei täuschend ähnlichen Korkenziehern (Also einem pro Tütchen). Dann sagt er: „Wie Sie sehen können sind die beiden Korkenzieher identisch.“

Aha.
Sie sind nicht gleich, auch nicht die Selben. Nein, sie sind sogar identisch. Das heißt nach Konrad Ferdinand B. Duden: Es handelt sich bei beiden um ein und denselben Korkenzieher, also im Grunde nur um einen. Und nicht nur im Grunde, sondern auch sonst.
Was bleibt als Erklärung? Einer der beiden Korkenzieher muss die Version des anderen Korkenziehers aus einer anderen Zeit sein. Was für ein perfides Verbrechen: Die Mordwaffe mit einer Zeitmaschine in eine andere Zeit schicken. Zu dumm, dass das Ding dann doch rechtzeitig zur Verhandlung aufgetaucht ist. Und dann auch noch zweimal.
Man sollte sich halt eben immer die Bedienungsanleitung einer Zeitmaschine durchlesen, da man sonst am Ende noch mit sechzehn „identischen“ Schwiegermüttern im Wohnzimmer sitzt, obwohl man erst in drei Jahren seine zukünftige Frau kennenlernt.

Das ist im Grunde schon das Ende meiner Beweisführung.

Jetzt mal im Ernst:
Als obs nicht schon genug wäre, dass nach den neuesten paar Duden das gleiche und das selbe plötzlich das selbe sind: nämlich beide das gleiche, wird nun auch noch der Begriff identisch entwertet.
Sind Zwillinge dann auch identisch, wenn das für gleiche Korkenzieher gilt? Und was bedeutet dann noch das Wort „Identität“, wenn diese nicht mehr einem exklusiv gehört, sondern sie sich mehrere Teilen können?

UND DER MANN IST RICHTER, UND SOWEIT ICH GEHÖRT HABE LEUTNANT DER RESERVE. Da machen sich die Leute über die Jugend und Pisa Gedanken….

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Kurzrezensionen,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: , ,