Impactsuspect
Sep
11
2009
0

Psychologie der Wahlplakate 09 – PHC? Ist das giftig?

So, nun sind sie endlich alle draußen: Die Wahlplakate.
CDU und SSW waren die ersten die Wahlplakate bei uns in der Gegend aufgehangen haben, wobei pro SSW-Plakat gefühlte 20.000 CDU-Plakate kamen. Zuerst fing es mit den „Wir lehnen ein CO2-Endlager ab!“ Plakaten an. Auf eines der CDU-Gegen-Endlager-Bitte-RWE-seid-doch-so-lieb-und-zieht-den-Antrag-zurück-Plakat hat sich dann der Unmut eines namenlosen Nordfriesen entladen, der mit Edding den Spruch „Und stirbt mir noch die letzte Kuh, ich wähle weiter CDU“ auf ein Plakat hinzufügte.
Ich bin aber zuversichtlich, dass die Polizei diesen Terroristen erwischt, denn es geschah im Videoüberwachten Bereich von Leck. Und genau dazu haben die ja die Kameras aufgehangen, damit die Wahlplakate der CDU nicht beschädigt werden, oder?
Na ja, das nächste was in Leck folgte waren die Plakate mit dem Bundestagsabgeordneten „Ingbert Liebing“. Geschätzte 50 Gesichter desselben zieren nun alleine die Lecker Hauptstraße. Teilweise hängt Herr Liebing 3 mal übereinander, ich fragte mich da schon, ob das nicht ein wenig übertrieben ist.
Ich meine sicher, an seiner Stelle würd‘ ich auch wollen, dass mein Name richtig geschrieben wird, aber gleich so viele Plakate? Ob das was nützt?
Na ja, dann folgten einige weitere CDU Plakate aus der „Wir haben die Kraft“-Serie. Unter anderem eine 4 Meter hohe Zensursula an der Aubrücke. Diese wurde jedoch recht schnell, ebenso wie ein anderes großformatiges Plakat der SPD, Opfer eines Graffitti-Anschlags. Zensursula hat man dann mit der Merkel übertapeziert, und statt dem SPD-Plakat der Marke „Generationen haben sich lieb“ prangt jetzt ein Steinmeier auf der Plakatwand.
Recht früh begann ich mich zwei Dinge zu fragen:
1. Wo sind die anderen Parteien?
2. Was ist denn jetzt eigentlich mit der Landtagswahl, die bei uns ja nun doch auf den gleichen Tag fällt, wie die Bundestagswahl? Warum kein Peter Harry?

Nun, warum kein Peter Harry ist klar: Der hat sich ja nun irgendwie ziemlich blamiert.
Als Stichworte sind da nur mal die HSH-Nordbank zu nennen, wo der Peter Harry Carstensen nach Gutsherrenart ordentlich was Geld reingetan hat, was aber leider alles versickert ist.
Oder Krümmel: Zwei Jahre lang wegen Reperaturen nicht am Netz, dann ist alles wieder heile, und geht nach zwei Wochen dann wieder endgültig kaputt.
Oder die Sache mit dem CO2-Endlager. Erst ist er dafür, dann spricht er sich von der Bürgerinitiative kalt erwischt dagegen aus, nur dass sein Staatssekretär danach noch ganz anders geredet hat.
Oder zu guter letzt die vorgezogene Neuwahl. Es kommt nicht nur mir so vor, als wolle der Peter Harry nach der Bundestagswahl gleich für das CO2-Endlager sein, und nicht erst wenn im Mai 2010 regulär die Landtagswahl gewesen ist.

Alles gute Gründe für Peter Harry sich nicht auf ein Plakat zu trauen, denn all das verbindet man in Schleswig-Holstein untrennbar mit ihm. Dann besser alleine mit den Abgeordneten in spe auf Bundesebene Werbung machen, oder?

Pustekuchen!

Erst tauchten die ersten Peter-Harry-Plakate klammheimlich zwischen den Ingbert Liebings auf Sylt auf, nun haben wir auch zumindest eines in Leck.

Das tollste hab ich aber in Bredstedt um den Kreisverkehr gesehen:

Um den Kreisverkehr herum stehen nämlich strategisch verteilt 3 von den Riesenplakatwänden. Auf einem ist Zensursula mit „Starke Familien“, auf einem zweiten Karl-Theodor mit „Wirtschaft mit Vernunft“ und auf dem dritten, wo bisher ein paar Wochen Herr Schäuble mit „Sicherheit und Freiheit“ hing, prangt nun in Überlebensgröße dass nette Gesicht von Herrn Carstensen. Fröhlich grinst er einen an, so wie man ihn kennt. Mit Leuten kann er ja gut. Gerade mit denen auf dem Land. Immerhin kann er platt.

Und was für einen Spruch hat der Peter Harry auf seinem Monsterplakat stehen? „Keine andere Wahl als Neuwahl“, oder etwas in der Art.  Genau bekomm ich’s nicht mehr zusammen, aber wenn ich das nächste Mal dran vorbeifahre, schau ich’s mir nochmal genau an.

„Keine andere Wahl“… klingt das nur in meinen Ohren wie der schwache Versuch sich zu entschuldigen? Warum lässt er nicht gleich „Herrje, ich Dummerchen… aber ihr kennt mich ja! Neuwahl!“ auf die Plakate drucken.

Mannomann… Ich hoffe sowas wird am Wahlabend nicht auch noch belohnt.

Sep
09
2009
0
Sep
08
2009
0

Different Times, same Bullshit…

Ich hab heute mal die Zugfahrt kreativ genutzt. Nun merke ich, dass das Compicpress-Plugin, welches ich noch nie ausprobiert habe, nicht funktioniert. Mist.
Na ja, ich binde die Cartoons hier einfach mal ein, vielleicht erkennt ihr ja doch was…

Hm. Bisschen klein geworden, ich hoffe man kann trotzdem noch was lesen…
Ansonsten einfach als Zipfile runterladen und bei Bedarf im Bildbetrachter vergrößern. Die Zeichnungen in dem Zipfile stehen unter dieser CC-Lizenz: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
Viel Spass!

Sep
08
2009
1

Im Netz muss einer bezahlen!

Immer wenn man gerade denkt, dass es unmöglich noch dreister, seltsamer und hanebüchener werden kann, wird man mit der neuen Mutter allen Unsinns konfrontiert.

Berichtet doch Heise über eine Art Krisensitzung der Medien die, das 20. Jahrhundert beherrscht haben.

Im Umfeld der IFA hat am Montag ein Kongress im Rahmen der Medienwoche Berlin-Brandenburg angefangen, wo sich die Eisheiligen der Holz- und Rundfunkmedien – oder jene, die sich dafür halten – darüber den Kopf zerbrechen, wie man aus dem Netz noch einen Gewinn schlagen kann.

Nun ist das ja schön und gut, und ich gönne es ja Medienproduzenten, dass sie mit ihrem Job Geld verdienen, aber wenn ausgerechnet ein Axel-Springer Manager ein Bezahlmodell dafür vorstellt, dass man die Bild auf’s I-Phone geladen bekommt, und dann im selben Atemzug darüber redet, dass es darum ginge, dass die Menschen bereit gemacht werden sollen „für das gesammelte Wissen im Internet Geld zu bezahlen“, dann frag ich mich, ob das ein dummer Witz ist.

Was hat denn bitteschön die BILD mit Wissen zu tun? Und was hat sie erst mit dem „gesammelten Wissen im Internet“ zu schaffen? Die BILD produziert kein Wissen, sondern höchstens Meinung. Da werben die ja sogar mit. Ich würde sogar soweit gehen, dass die allenfalls Unterhaltung produzieren, was meiner Meinung nach für die gesamte Axel-Springer-Gruppe gilt.
„Das gesammelte Wissen im Internet“ ist Wikipedia. Und die ist umsonst. Und die bleibt auch umsonst. An Wikipedia verdienen die Springerblätter nur, wenn sie da abschreiben.

Fernsehzuschauer beim Konsum von Qualitätsjournalismus

Obwohl es eigentlich nicht mehr viel absonderlicher werden kann, besteht dann die Intendantin Dagmar Reim vom RBB – einem öffentlich rechtlichen Sender – darauf, dass „einer im Internet bezahlen“ müsse.
Erstmal: Bezahlt der Gebührenzahler nicht schon die Onlineinhalte des RBB mit seinen Gebührengeldern? Was will die noch? Soll man doppelt bezahlen? Dann auch bald beim Fernsehen? Gebührenfinanziert und Pay-TV in einem? Ganz dolle Idee. Warum überweisen nicht alle ihr gesamtes Nettoeinkommen an die GEZ? Wäre das genehm? Oder doch besser das Bruttoeinkommen? Immerhin ist der öffentlich rechtliche Rundfunk ja ach so unabhängig von wirtschaftlichen Intressen. Von politischen Interessen ja nicht mehr, den Passus hat man ja mittlerweile gestrichen.
Mann, ist mir schlecht.

Dann noch die Formulierung: „Im Internet muss einer bezahlen.“
Einer? Einer alleine? Und wer sucht den aus? Bekommt irgendwann Bauer Schlozig aus Buxtehude einen Brief vom RBB, in dem steht er habe noch für „die Inhalte“ im Netz zu bezahlen? Und wer teilt dann das Geld von Bauer Schlozig auf unter den Contentanbietern?
Himmel, ist das alles strunzendämlich!

Dann wird noch wieder allseits das 3-Strikes Modell gelobt, und für interessant erachtet. Ja, klar, is ja sooo interessant, wenn mal eben so die Gewaltenteilung aufgehoben wird, und Polizisten einem ohne richterlichen Beschluß oder – Gott bewahre! – einem ordentlichen Prozess das Grundrecht auf Informationsfreiheit einschränken können.

Himmel, das ist ja, als ob die Fahrradindustrie eine Kampagne zur Abschaffung des Kraftwagens anstrengen würde.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Sep
07
2009
0

Der XI. Rechtsfreie Raum der Woche

Hurra! Der Sieger der dieswöchigen Verleihung des Rechtsfreien Raumes der Woche steht fest! Und er konnte seine Favoritenstellung bestätigen! Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Wolfgang „GG-kann-man-ändern“ Schäuble, unserem Innenminister!

Vorratsdatenspeicherung, Netzzensur, Schüsse auf Verdächtige, Internierungslager für Gefährder und nicht zuletzt der Running-Gag von den Bundeswehreinsätzen im Inneren, sind ein paar der realsatirischen Vorschläge, die der ehemalige „Bundesminister für besondere Aufgaben“ mit schwäbischer Akribie ersonnen hat.
Dummerweise sind einige seiner wohl satirisch gemeinten Vorschläge tatsächlich zu Gesetzen geworden. Tja, sowas passiert eben, wenn man im Kabinett rumblödelt. Aber na ja, das Bundesverfassungsgericht wird’s richten.
Diese Woche hat es sich bestätigt, dass auch er diese Phrase aufgreifen und verwenden kann, ebenso souverän wie die Marathon-RRW-Preisträgerin Ursula von der Leyen.

selbst das Maskottchen dieses Blogs, der suspecte Imp, gratuliert von Herzen!

In Insiderkreisen ist sogar schon die Rede davon, dass Dr. Schäuble die besten Chancen hat, den 20. RRW, den sogenannten ULTRA-Rechtsfreien Raum der Woche“ zu gewinnen. Und das obwohl seine 8 Konkurrenten noch überhaupt nicht feststehen.
Wer weiß, was in den kommenden 2 Monaten noch passiert, aber eines steht jetzt schon fest: Es wird hart werden gegen den Mann aus dem Ländle zu gewinnen!

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
07
2009
4

CDU: Ausländerfeindlichkeit oder „bloss“ Ignoranz?

Mehr dazu hier.

Mal ohne Kommentar. Außer vielleicht, dass natürlich alles total mißverstanden wurde. Ja, ja.
Wer doch einen ausführlicheren Kommentar haben will lese hier bei SPON zum Fall Rüttgers, oder hier bei hr online zum Fall Wagner.

Desweiteren berichten sicher genug Blogs über die beiden „Verbalausrutscher“.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
07
2009
0

Britische Forscher warnen: Deutlich weniger Parallelwelten als angenommen

Ich mach das jetzt einfach mal so wie die Holzmedien, und streue hier mal einen schlecht bis gar nicht recherchierten pseudowissenschaftlichen Artikel ein. Dieser spezielle ist nicht nur gar nicht recherchiert, ich habe ihn mir komplett ausgedacht.
Aber wenigstens bin ich so nett, und schreibe es dazu.

Hambridge: Quanten-Forscher der Englischen Universität Hambridge haben durch Tests am neuen Teichenbeschleuniger „MISSY“ herausgefunden, dass es deutlich weniger Parallelwelten geben muss, als bisher angenommen.
„Wenn wir vorher von etwa 60 Millionen parallelen Universen sprachen, ist unsere aktuelle Schätzung auf nur noch 7 zusammengeschrumpft. Das hängt mit den mysteriösen Mok-Mok-Teilchen zusammen, die die Quorks zu Elementarteilchen binden.“, sagte uns Professor Queensryche Jordansfeet letzten Montag.
Habe man früher angenommen, dass jede vorstellbare Parallelwelt existieren müsse, sei es mittlerweile nur noch jede mögliche. Sieben bleiben übrig.
Auf die Frage, wie diese Welten aussähen, sagte uns Jordansfeet, dass man das unmöglich sagen könne, aber dass in einer dieser Welten sicher Michael Jackson noch lebe.
Mehr Details erhofft man sich durch weitere Forschungen, die am nächsten Montag von der Britischen Regierung abgesegnet werden sollen.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Sep
06
2009
0

Mal so, Mal so Akt XIII: Schäuble, die CDU und Stasi-Vergleiche

Unser freundlicher Innenminister von der CDU-Partei hat sich ja schon mehrfach öffentlich zum allseits bekannten Internetmem „Stasi 2.0“ geäußert, wie zum Beispiel auch schon in der Sendung Bauerfeind:

Etwa ab Minute 4:
Bauerfeind: Wenn man jetzt sagt „Stasi 2.0“ wäre, was man in letzter Zeit als Ihr Image bezeichnen könnte, in wie fern entspricht das dem, was Sie eigentlich sein möchten?

Schäuble: Na, wissen Sie, „Stasi 2.0“ kann ich nur deswegen mit Schmunzeln ertragen, weil ich denjenigen die es sagen, unterstelle, zu ihren Gunsten, dass sie nicht wissen, was Stasi ist. Das ist nämlich das genaue Gegenteil. Unser freiheitlicher Rechtsstaat sorgt ja dafür, dass die Menschen ihre Freiheit leben können. Deswegen steht ja im Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten, und zu schützen-“

Bauerfeind: Ja, aber es geht ja mehr um ihr Image, ob Sie das stört. […]

Aha. Wer Schäuble und die CDU als „Stasi 2.0“ bezeichnet, der hat also einfach bloss keine Ahnung, was Stasi war, und dass die CDU-geführte Bundesregierung genau das Gegenteil macht, nämlich „dafür sorgen, dass die Menschen ihre Freiheit leben können“.

Aber wie soll man denn dann verstehen, dass CDU-Mitglieder ihre CDU-Vorsitzenden schon selbst mit der Stasi vergleichen? Bei RP-Online findet sich zum Beispiel ein Artikel in dem davon berichtet wird, wie die lokale Verbandsspitze der dortigen CDU die Mails an die CDU Fraktionsmitglieder umgeleitet und mitgelesen hat.
Unter anderem ist dort von den Reaktionen der bespitzelten CDU-Mitglieder zu lesen:

Auch andere CDU-Ratsmitglieder haben von der Zwangsumleitung ihrer Mails offenbar nichts gewusst, von „Stasi-Methoden“ ist intern die Rede.

Heißt das jetzt – frei nach Schäuble – dass die CDU-Ratsmitglieder die Stasi nur nicht begriffen haben? Und dass sie einfach nicht begreifen, dass das Lesen ihrer Mails nur der Erhaltung der Freiheit in Deutschland dient?

Die Reaktion der heimlichen Mitleser in der CDU ist auch seltsam:

Der Stadtverbandsvorstand habe sich „rechtlich schlau gemacht und glaubt nicht, dass es da Probleme gibt“, so Ingenstau. „Demnach ist eine Mail wie eine Postkarte zu bewerten“, sagt sie. Als Verletzung des Briefgeheimnisses im Sinne des Strafgesetzbuches gilt die unbefugte Öffnung eines verschlossenen Briefes.

Wenn es erlaubt wäre, Mails einfach ungefragt umzuleiten und zu lesen, hieße das denn nicht auch, – wenn der Vergleich korrektwäre – dass es erlaubt ist, Postkarten aus fremden Briefkästen zu holen, diese erst mit nach Hause zu nehmen und zu lesen, und dann vielleicht am Folgetag wieder einzuwerfen?
Ist es etwa erlaubt, dass mein Arbeitgeber erst einmal alle Postkarten, die an mich gesendet wurden, erhält, liest und diese mir danach dann erst zustellt? Ohne, dass ich davon weiß?

Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben.

Written by Heiko C. in: Mal so Mal so,Politisches | Schlagwörter: , ,
Sep
05
2009
0

Wahl zum 11. Rechtsfreien Raum der Woche

Da letzte Woche ja der SUPER-Rechtsfreie Raum vergeben wurde, kamen die Fundstücke letzter Woche leider nicht zu einer Nominierung. Dies soll diese Woche ausgeglichen werden, indem ich sie zusammen mit den – auch eher spärlichen – Fundstücken dieser Woche präsentiere und zur Abstimmung stelle.

Da hätten wir:
Den Deutschlandfunk, der sich oder den Leser auf seiner Internetseite fragt: „Das Internet – ein rechtsfreier Raum?“
Gleich zu beginn des Artikels werden wir mit Zitaten konfrontiert, die diese Phrase enthalten:

Krogmann: „Und deshalb geht es in dieser kontroversen Debatte nicht nur um die Bekämpfung der Kinderpornografie, sondern es geht auch um eine grundsätzliche Frage. Es geht um die Debatte über die notwendigen Grenzen der Freiheit im Internet.“

Doermann: „Das stellt uns vor die ganz grundsätzliche Frage: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum?“

Vetter: „Der Satz, das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, unterstellt eigentlich etwas falsches, nämlich, dass das Internet derzeit ein rechtsfreier Raum ist.“

Hoeren: „Das Internet von seiner Wurzel her ist ein rechtsfreier Raum.“

Wieland: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das Internet ist aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.“

Alleine die geballte Präsenz von verschiedensten Vertretern dieser Phrase auf so engem Raum treibt mir persönlich die Tränen in die Augen.
Ansonsten versucht der Artikel sich differenziert mit dem Thema zu beschäftigen, bekommt dabei aber dies und das ein wenig durcheinander. Unter anderem ist von dem Internet als Kopiermaschine die Rede. Was gemeint ist, ist gar nicht so falsch, allerdings würde ich eher die Computer für Kopiermaschinen halten, und das Internet – wenn überhaupt – für die Ablage, in der die Kopien landen. Aber na ja, das sind Kleinigkeiten.
Für die nicht satirisch motivierte Verwendung dieser Phrase allerdings – und dann noch in der Überschrift – gibt’s auf jeden Fall eine Nominierung. Für die rechtsfreie Zitatensammlung müsste sogar noch eine zweite folgen, aber eine pro Woche reicht ja glücklicherweise.

Dann haben wir noch unseren lieben guten alten Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäble, über den ich ja auch schon öfter mal was geschrieben habe. Der hat, wie der Südkurier berichtet, vor 300 Leuten in Waldshut geredet, und dabei davor gewart, dass das Internet nicht zum rechtsfreien Raum werden dürfe.
Seltsam, man kommt ja irgendwie nicht umhin zu bemerken, dass man bei der Union nicht wirklich einer Meinung ist. Sind nicht reihenweise Parteigenossen Schäubles der Meinung, dass das Internet bereits ein rechtsfreier Raum sei?
Na ja, dafür jedenfalls eine Nominierung. Wird auch Zeit, dass Schäuble in den illustren Reigen der nominierten Phrasenmissbraucher aufgenommen wird.

Ebenso hat sich die Neue Osnabrücker Zeitung der unter Holzmedienleuten allgemein vorherrschenden Googleparanoia angschlossen, und schreibt einen „Kommentar zu Literatur Internet Urheberrecht“.
Alleine die Überschrift kommt mir schon seltsam vor, und das hauptsächlich wegen des Mangels an Satzzeichen. Was ist jetzt gemeint? „Ein Kommentar zur Literatiur. Abgelegt in Internet-Urheberrecht“ oder eher „Ein Kommentar zum Literatur-Internet- Urheberrecht“ oder etwa „Ein Kommentar. Tangiert die Themen: Literatur, Internet, Urhgeberrecht“.
Ich weiß es nicht, ich tippe aber auf letzteres.
Na ja, jedenfalls spricht der Artikel davon dass auch im Bezug des „Googlebuchklaus“ das Internet ein rechtsfreier Raum sei:

Mit dem Scannen der Bücher läuft eine gigantische Enteignung geistigen Eigentums. Das Internet scheint auch in dieser Hinsicht ein rechtsfreier Raum zu sein.

Also nicht nur beim eigenen Thema kramt die NOZ diese Phrase herausgeholt, nein zwischen den Zeilen wird noch impliziert, dass das Internet ja sowieso schon weitgehend rechtsfrei sei.

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16 Uhr 00. Entweder hier als Kommentar oder im Petitionsforum.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
05
2009
1

Mistundverflucht!

Vor ein paar Tagen saß ich morgens im Zug von Niebüll nach Westerland, und mit mir im Zug war ein Ruhestörer.
Da ich sonst gerne noch eine dreiviertel Stunde im Zug penne, ist mir das besonders aufgefallen. Auch wenn ich sonst ebenfalls gerne mal Probleme mit dem Schlafen habe, weil ich etwa hinter irgendwelchen Frauen sitze, die schon so früh am Morgen eine laut lachende Kaffeegesellschaft feiern, war es diesmal doch um ein Stück bemerkenswerter.

mistund

Es handelte sich um einen Mann etwa Mitte dreißig. Er trug eine Schirmmütze und schob ein Fahrrad. Zuerst wollte er mit seinem Drahtesel in ein normales Abteil, hatte dann jedoch ein Einsehen, und blieb statt dessen zwischen den Abteilen bei der Türe stehen.
Etwa 5 Minuten verhielt er sich ruhig, dann fing er an herumzubrüllen.

„Achtung! Achtung! Alle müssen das Schiff verlassen! -Ach das ist ja gar kein Schiff, ich bin ja nur dämlich. Bin ich dämlich, oder herrlich?“

Alles vorgetragen im Tonfall eines Ausbilders in einem Bootcamp der US-Marines.
Natürlich antwortete keiner, alleine schon wegen der sprichwörtlichen Zurückhaltung der Nordfriesen, und nicht zuletzt, weil sich keiner angesprochen fühlte.
Der Ruhestörer schien sich ähnliche Gedanken zu machen, und brüllte:

„Ja, jetzt reden sie platt, die Fischköppe! Aber ich kann auch bairisch! …Grüß Gott! öhm… Servus!“

Noch immer keine Erwiderung, warum auch? Wer sich von solch ungezielten verbalen Splittergranaten beleidigen lässt, der hat wohl seinen Morgenkaffee nicht vertragen.
Ich dachte mir derweil, dass der Mann bestimmt an dem Tourette-Syndrom leide, und sein Tick ihn dazu zwinge zusammenhangloses Zeug zu brüllen.
Na ja, etwas später ging es dann weiter im Programm:

„Ihr könnt ja noch nichtmal putzen. AAber Geldverdienen wollt ihr!“

Aha. Jetzt wurde mir auch klar, an welche Zielgruppe das Gebrabbel ging. Weiter hinten im Abteil saß nämlich eine Putzkolonne, die sich nett mit einigen Handwerkern unterhielt. Eine ähnliche Kaffeegesellschaft, wie ich sie oben erwähnt habe. Diese ließ sich jedoch auch nicht wirklich stören, sondern redete munter, wenn auch etwas leiser, weiter.

„Den Neandertaler hat’s nie gegeben, aber ihr wohnt ja auch in einer Höhle!“

Da wurde es dann offenbar einem der Handwerker zu dumm. Mit einem leisen „So jetzt reicht’s aber!“ stand er auf.
„Mach keinen Scheiß!“, sagte eine der Putzfrauen. „Nachher ist der krank!“
„Ist mir schnuppe, ob der krank ist!“, erwiderte der Handwerker und schritt aus dem Abteil auf den Radfahrer zu.
„Du hältst jetzt sofort die Klappe, sonst gibt’s was auf’s Maul!“, forderte er den Ruhestörer auf.
Der antwortete ein wenig kleinlaut: „Scheiße, scheiße, Schnauze!“
„Ja, genau! Klappe, sonst Beule!“, bestätigte der Handwerker wieder, und ging wieder an seinen Platz, auf den er sich wütend murmelnd setzte.
Ab dann war Ruhe. Also doch kein Tourettesyndrom. Meines Wissens lässt das den Tick nicht bei Gewaltandrohung verstummen.
Stellt sich die Frage, warum dieser Mann den Drang verspürte früh morgens den Zug zusammenzubrüllen und sinnlos und unzusammenhängend Leute zu beleidigen.
Ging es ihm einfach nur um die Aufmerksamkeit? Hat seine Freundin oder sein Freund ihn verlassen? Ist er am Ende gar von einer Sylter Reinigungskraft verlassen worden? Oder was?
Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Ich hätte den Ruhestörer ja fragen können, aber als ich auf dem Bahnsteig an ihm vorbeikam, unterhielt sich schon ein Polizist mit ihm.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter:

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Sep
11
2009
0

Psychologie der Wahlplakate 09 – PHC? Ist das giftig?

So, nun sind sie endlich alle draußen: Die Wahlplakate.
CDU und SSW waren die ersten die Wahlplakate bei uns in der Gegend aufgehangen haben, wobei pro SSW-Plakat gefühlte 20.000 CDU-Plakate kamen. Zuerst fing es mit den „Wir lehnen ein CO2-Endlager ab!“ Plakaten an. Auf eines der CDU-Gegen-Endlager-Bitte-RWE-seid-doch-so-lieb-und-zieht-den-Antrag-zurück-Plakat hat sich dann der Unmut eines namenlosen Nordfriesen entladen, der mit Edding den Spruch „Und stirbt mir noch die letzte Kuh, ich wähle weiter CDU“ auf ein Plakat hinzufügte.
Ich bin aber zuversichtlich, dass die Polizei diesen Terroristen erwischt, denn es geschah im Videoüberwachten Bereich von Leck. Und genau dazu haben die ja die Kameras aufgehangen, damit die Wahlplakate der CDU nicht beschädigt werden, oder?
Na ja, das nächste was in Leck folgte waren die Plakate mit dem Bundestagsabgeordneten „Ingbert Liebing“. Geschätzte 50 Gesichter desselben zieren nun alleine die Lecker Hauptstraße. Teilweise hängt Herr Liebing 3 mal übereinander, ich fragte mich da schon, ob das nicht ein wenig übertrieben ist.
Ich meine sicher, an seiner Stelle würd‘ ich auch wollen, dass mein Name richtig geschrieben wird, aber gleich so viele Plakate? Ob das was nützt?
Na ja, dann folgten einige weitere CDU Plakate aus der „Wir haben die Kraft“-Serie. Unter anderem eine 4 Meter hohe Zensursula an der Aubrücke. Diese wurde jedoch recht schnell, ebenso wie ein anderes großformatiges Plakat der SPD, Opfer eines Graffitti-Anschlags. Zensursula hat man dann mit der Merkel übertapeziert, und statt dem SPD-Plakat der Marke „Generationen haben sich lieb“ prangt jetzt ein Steinmeier auf der Plakatwand.
Recht früh begann ich mich zwei Dinge zu fragen:
1. Wo sind die anderen Parteien?
2. Was ist denn jetzt eigentlich mit der Landtagswahl, die bei uns ja nun doch auf den gleichen Tag fällt, wie die Bundestagswahl? Warum kein Peter Harry?

Nun, warum kein Peter Harry ist klar: Der hat sich ja nun irgendwie ziemlich blamiert.
Als Stichworte sind da nur mal die HSH-Nordbank zu nennen, wo der Peter Harry Carstensen nach Gutsherrenart ordentlich was Geld reingetan hat, was aber leider alles versickert ist.
Oder Krümmel: Zwei Jahre lang wegen Reperaturen nicht am Netz, dann ist alles wieder heile, und geht nach zwei Wochen dann wieder endgültig kaputt.
Oder die Sache mit dem CO2-Endlager. Erst ist er dafür, dann spricht er sich von der Bürgerinitiative kalt erwischt dagegen aus, nur dass sein Staatssekretär danach noch ganz anders geredet hat.
Oder zu guter letzt die vorgezogene Neuwahl. Es kommt nicht nur mir so vor, als wolle der Peter Harry nach der Bundestagswahl gleich für das CO2-Endlager sein, und nicht erst wenn im Mai 2010 regulär die Landtagswahl gewesen ist.

Alles gute Gründe für Peter Harry sich nicht auf ein Plakat zu trauen, denn all das verbindet man in Schleswig-Holstein untrennbar mit ihm. Dann besser alleine mit den Abgeordneten in spe auf Bundesebene Werbung machen, oder?

Pustekuchen!

Erst tauchten die ersten Peter-Harry-Plakate klammheimlich zwischen den Ingbert Liebings auf Sylt auf, nun haben wir auch zumindest eines in Leck.

Das tollste hab ich aber in Bredstedt um den Kreisverkehr gesehen:

Um den Kreisverkehr herum stehen nämlich strategisch verteilt 3 von den Riesenplakatwänden. Auf einem ist Zensursula mit „Starke Familien“, auf einem zweiten Karl-Theodor mit „Wirtschaft mit Vernunft“ und auf dem dritten, wo bisher ein paar Wochen Herr Schäuble mit „Sicherheit und Freiheit“ hing, prangt nun in Überlebensgröße dass nette Gesicht von Herrn Carstensen. Fröhlich grinst er einen an, so wie man ihn kennt. Mit Leuten kann er ja gut. Gerade mit denen auf dem Land. Immerhin kann er platt.

Und was für einen Spruch hat der Peter Harry auf seinem Monsterplakat stehen? „Keine andere Wahl als Neuwahl“, oder etwas in der Art.  Genau bekomm ich’s nicht mehr zusammen, aber wenn ich das nächste Mal dran vorbeifahre, schau ich’s mir nochmal genau an.

„Keine andere Wahl“… klingt das nur in meinen Ohren wie der schwache Versuch sich zu entschuldigen? Warum lässt er nicht gleich „Herrje, ich Dummerchen… aber ihr kennt mich ja! Neuwahl!“ auf die Plakate drucken.

Mannomann… Ich hoffe sowas wird am Wahlabend nicht auch noch belohnt.

Sep
09
2009
0

Rüttgers im Wahlkampf – Eine Zusammenfassung

Mehr dazu hier bei mir oder da bei Nerdcore.

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Sep
08
2009
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Different Times, same Bullshit…

Ich hab heute mal die Zugfahrt kreativ genutzt. Nun merke ich, dass das Compicpress-Plugin, welches ich noch nie ausprobiert habe, nicht funktioniert. Mist.
Na ja, ich binde die Cartoons hier einfach mal ein, vielleicht erkennt ihr ja doch was…

Hm. Bisschen klein geworden, ich hoffe man kann trotzdem noch was lesen…
Ansonsten einfach als Zipfile runterladen und bei Bedarf im Bildbetrachter vergrößern. Die Zeichnungen in dem Zipfile stehen unter dieser CC-Lizenz: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
Viel Spass!

Sep
08
2009
1

Im Netz muss einer bezahlen!

Immer wenn man gerade denkt, dass es unmöglich noch dreister, seltsamer und hanebüchener werden kann, wird man mit der neuen Mutter allen Unsinns konfrontiert.

Berichtet doch Heise über eine Art Krisensitzung der Medien die, das 20. Jahrhundert beherrscht haben.

Im Umfeld der IFA hat am Montag ein Kongress im Rahmen der Medienwoche Berlin-Brandenburg angefangen, wo sich die Eisheiligen der Holz- und Rundfunkmedien – oder jene, die sich dafür halten – darüber den Kopf zerbrechen, wie man aus dem Netz noch einen Gewinn schlagen kann.

Nun ist das ja schön und gut, und ich gönne es ja Medienproduzenten, dass sie mit ihrem Job Geld verdienen, aber wenn ausgerechnet ein Axel-Springer Manager ein Bezahlmodell dafür vorstellt, dass man die Bild auf’s I-Phone geladen bekommt, und dann im selben Atemzug darüber redet, dass es darum ginge, dass die Menschen bereit gemacht werden sollen „für das gesammelte Wissen im Internet Geld zu bezahlen“, dann frag ich mich, ob das ein dummer Witz ist.

Was hat denn bitteschön die BILD mit Wissen zu tun? Und was hat sie erst mit dem „gesammelten Wissen im Internet“ zu schaffen? Die BILD produziert kein Wissen, sondern höchstens Meinung. Da werben die ja sogar mit. Ich würde sogar soweit gehen, dass die allenfalls Unterhaltung produzieren, was meiner Meinung nach für die gesamte Axel-Springer-Gruppe gilt.
„Das gesammelte Wissen im Internet“ ist Wikipedia. Und die ist umsonst. Und die bleibt auch umsonst. An Wikipedia verdienen die Springerblätter nur, wenn sie da abschreiben.

Fernsehzuschauer beim Konsum von Qualitätsjournalismus

Obwohl es eigentlich nicht mehr viel absonderlicher werden kann, besteht dann die Intendantin Dagmar Reim vom RBB – einem öffentlich rechtlichen Sender – darauf, dass „einer im Internet bezahlen“ müsse.
Erstmal: Bezahlt der Gebührenzahler nicht schon die Onlineinhalte des RBB mit seinen Gebührengeldern? Was will die noch? Soll man doppelt bezahlen? Dann auch bald beim Fernsehen? Gebührenfinanziert und Pay-TV in einem? Ganz dolle Idee. Warum überweisen nicht alle ihr gesamtes Nettoeinkommen an die GEZ? Wäre das genehm? Oder doch besser das Bruttoeinkommen? Immerhin ist der öffentlich rechtliche Rundfunk ja ach so unabhängig von wirtschaftlichen Intressen. Von politischen Interessen ja nicht mehr, den Passus hat man ja mittlerweile gestrichen.
Mann, ist mir schlecht.

Dann noch die Formulierung: „Im Internet muss einer bezahlen.“
Einer? Einer alleine? Und wer sucht den aus? Bekommt irgendwann Bauer Schlozig aus Buxtehude einen Brief vom RBB, in dem steht er habe noch für „die Inhalte“ im Netz zu bezahlen? Und wer teilt dann das Geld von Bauer Schlozig auf unter den Contentanbietern?
Himmel, ist das alles strunzendämlich!

Dann wird noch wieder allseits das 3-Strikes Modell gelobt, und für interessant erachtet. Ja, klar, is ja sooo interessant, wenn mal eben so die Gewaltenteilung aufgehoben wird, und Polizisten einem ohne richterlichen Beschluß oder – Gott bewahre! – einem ordentlichen Prozess das Grundrecht auf Informationsfreiheit einschränken können.

Himmel, das ist ja, als ob die Fahrradindustrie eine Kampagne zur Abschaffung des Kraftwagens anstrengen würde.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Sep
07
2009
0

Der XI. Rechtsfreie Raum der Woche

Hurra! Der Sieger der dieswöchigen Verleihung des Rechtsfreien Raumes der Woche steht fest! Und er konnte seine Favoritenstellung bestätigen! Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Wolfgang „GG-kann-man-ändern“ Schäuble, unserem Innenminister!

Vorratsdatenspeicherung, Netzzensur, Schüsse auf Verdächtige, Internierungslager für Gefährder und nicht zuletzt der Running-Gag von den Bundeswehreinsätzen im Inneren, sind ein paar der realsatirischen Vorschläge, die der ehemalige „Bundesminister für besondere Aufgaben“ mit schwäbischer Akribie ersonnen hat.
Dummerweise sind einige seiner wohl satirisch gemeinten Vorschläge tatsächlich zu Gesetzen geworden. Tja, sowas passiert eben, wenn man im Kabinett rumblödelt. Aber na ja, das Bundesverfassungsgericht wird’s richten.
Diese Woche hat es sich bestätigt, dass auch er diese Phrase aufgreifen und verwenden kann, ebenso souverän wie die Marathon-RRW-Preisträgerin Ursula von der Leyen.

selbst das Maskottchen dieses Blogs, der suspecte Imp, gratuliert von Herzen!

In Insiderkreisen ist sogar schon die Rede davon, dass Dr. Schäuble die besten Chancen hat, den 20. RRW, den sogenannten ULTRA-Rechtsfreien Raum der Woche“ zu gewinnen. Und das obwohl seine 8 Konkurrenten noch überhaupt nicht feststehen.
Wer weiß, was in den kommenden 2 Monaten noch passiert, aber eines steht jetzt schon fest: Es wird hart werden gegen den Mann aus dem Ländle zu gewinnen!

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
07
2009
4

CDU: Ausländerfeindlichkeit oder „bloss“ Ignoranz?

Mehr dazu hier.

Mal ohne Kommentar. Außer vielleicht, dass natürlich alles total mißverstanden wurde. Ja, ja.
Wer doch einen ausführlicheren Kommentar haben will lese hier bei SPON zum Fall Rüttgers, oder hier bei hr online zum Fall Wagner.

Desweiteren berichten sicher genug Blogs über die beiden „Verbalausrutscher“.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
07
2009
0

Britische Forscher warnen: Deutlich weniger Parallelwelten als angenommen

Ich mach das jetzt einfach mal so wie die Holzmedien, und streue hier mal einen schlecht bis gar nicht recherchierten pseudowissenschaftlichen Artikel ein. Dieser spezielle ist nicht nur gar nicht recherchiert, ich habe ihn mir komplett ausgedacht.
Aber wenigstens bin ich so nett, und schreibe es dazu.

Hambridge: Quanten-Forscher der Englischen Universität Hambridge haben durch Tests am neuen Teichenbeschleuniger „MISSY“ herausgefunden, dass es deutlich weniger Parallelwelten geben muss, als bisher angenommen.
„Wenn wir vorher von etwa 60 Millionen parallelen Universen sprachen, ist unsere aktuelle Schätzung auf nur noch 7 zusammengeschrumpft. Das hängt mit den mysteriösen Mok-Mok-Teilchen zusammen, die die Quorks zu Elementarteilchen binden.“, sagte uns Professor Queensryche Jordansfeet letzten Montag.
Habe man früher angenommen, dass jede vorstellbare Parallelwelt existieren müsse, sei es mittlerweile nur noch jede mögliche. Sieben bleiben übrig.
Auf die Frage, wie diese Welten aussähen, sagte uns Jordansfeet, dass man das unmöglich sagen könne, aber dass in einer dieser Welten sicher Michael Jackson noch lebe.
Mehr Details erhofft man sich durch weitere Forschungen, die am nächsten Montag von der Britischen Regierung abgesegnet werden sollen.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,
Sep
06
2009
0

Mal so, Mal so Akt XIII: Schäuble, die CDU und Stasi-Vergleiche

Unser freundlicher Innenminister von der CDU-Partei hat sich ja schon mehrfach öffentlich zum allseits bekannten Internetmem „Stasi 2.0“ geäußert, wie zum Beispiel auch schon in der Sendung Bauerfeind:

Etwa ab Minute 4:
Bauerfeind: Wenn man jetzt sagt „Stasi 2.0“ wäre, was man in letzter Zeit als Ihr Image bezeichnen könnte, in wie fern entspricht das dem, was Sie eigentlich sein möchten?

Schäuble: Na, wissen Sie, „Stasi 2.0“ kann ich nur deswegen mit Schmunzeln ertragen, weil ich denjenigen die es sagen, unterstelle, zu ihren Gunsten, dass sie nicht wissen, was Stasi ist. Das ist nämlich das genaue Gegenteil. Unser freiheitlicher Rechtsstaat sorgt ja dafür, dass die Menschen ihre Freiheit leben können. Deswegen steht ja im Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten, und zu schützen-“

Bauerfeind: Ja, aber es geht ja mehr um ihr Image, ob Sie das stört. […]

Aha. Wer Schäuble und die CDU als „Stasi 2.0“ bezeichnet, der hat also einfach bloss keine Ahnung, was Stasi war, und dass die CDU-geführte Bundesregierung genau das Gegenteil macht, nämlich „dafür sorgen, dass die Menschen ihre Freiheit leben können“.

Aber wie soll man denn dann verstehen, dass CDU-Mitglieder ihre CDU-Vorsitzenden schon selbst mit der Stasi vergleichen? Bei RP-Online findet sich zum Beispiel ein Artikel in dem davon berichtet wird, wie die lokale Verbandsspitze der dortigen CDU die Mails an die CDU Fraktionsmitglieder umgeleitet und mitgelesen hat.
Unter anderem ist dort von den Reaktionen der bespitzelten CDU-Mitglieder zu lesen:

Auch andere CDU-Ratsmitglieder haben von der Zwangsumleitung ihrer Mails offenbar nichts gewusst, von „Stasi-Methoden“ ist intern die Rede.

Heißt das jetzt – frei nach Schäuble – dass die CDU-Ratsmitglieder die Stasi nur nicht begriffen haben? Und dass sie einfach nicht begreifen, dass das Lesen ihrer Mails nur der Erhaltung der Freiheit in Deutschland dient?

Die Reaktion der heimlichen Mitleser in der CDU ist auch seltsam:

Der Stadtverbandsvorstand habe sich „rechtlich schlau gemacht und glaubt nicht, dass es da Probleme gibt“, so Ingenstau. „Demnach ist eine Mail wie eine Postkarte zu bewerten“, sagt sie. Als Verletzung des Briefgeheimnisses im Sinne des Strafgesetzbuches gilt die unbefugte Öffnung eines verschlossenen Briefes.

Wenn es erlaubt wäre, Mails einfach ungefragt umzuleiten und zu lesen, hieße das denn nicht auch, – wenn der Vergleich korrektwäre – dass es erlaubt ist, Postkarten aus fremden Briefkästen zu holen, diese erst mit nach Hause zu nehmen und zu lesen, und dann vielleicht am Folgetag wieder einzuwerfen?
Ist es etwa erlaubt, dass mein Arbeitgeber erst einmal alle Postkarten, die an mich gesendet wurden, erhält, liest und diese mir danach dann erst zustellt? Ohne, dass ich davon weiß?

Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben.

Written by Heiko C. in: Mal so Mal so,Politisches | Schlagwörter: , ,
Sep
05
2009
0

Wahl zum 11. Rechtsfreien Raum der Woche

Da letzte Woche ja der SUPER-Rechtsfreie Raum vergeben wurde, kamen die Fundstücke letzter Woche leider nicht zu einer Nominierung. Dies soll diese Woche ausgeglichen werden, indem ich sie zusammen mit den – auch eher spärlichen – Fundstücken dieser Woche präsentiere und zur Abstimmung stelle.

Da hätten wir:
Den Deutschlandfunk, der sich oder den Leser auf seiner Internetseite fragt: „Das Internet – ein rechtsfreier Raum?“
Gleich zu beginn des Artikels werden wir mit Zitaten konfrontiert, die diese Phrase enthalten:

Krogmann: „Und deshalb geht es in dieser kontroversen Debatte nicht nur um die Bekämpfung der Kinderpornografie, sondern es geht auch um eine grundsätzliche Frage. Es geht um die Debatte über die notwendigen Grenzen der Freiheit im Internet.“

Doermann: „Das stellt uns vor die ganz grundsätzliche Frage: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum?“

Vetter: „Der Satz, das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, unterstellt eigentlich etwas falsches, nämlich, dass das Internet derzeit ein rechtsfreier Raum ist.“

Hoeren: „Das Internet von seiner Wurzel her ist ein rechtsfreier Raum.“

Wieland: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das Internet ist aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.“

Alleine die geballte Präsenz von verschiedensten Vertretern dieser Phrase auf so engem Raum treibt mir persönlich die Tränen in die Augen.
Ansonsten versucht der Artikel sich differenziert mit dem Thema zu beschäftigen, bekommt dabei aber dies und das ein wenig durcheinander. Unter anderem ist von dem Internet als Kopiermaschine die Rede. Was gemeint ist, ist gar nicht so falsch, allerdings würde ich eher die Computer für Kopiermaschinen halten, und das Internet – wenn überhaupt – für die Ablage, in der die Kopien landen. Aber na ja, das sind Kleinigkeiten.
Für die nicht satirisch motivierte Verwendung dieser Phrase allerdings – und dann noch in der Überschrift – gibt’s auf jeden Fall eine Nominierung. Für die rechtsfreie Zitatensammlung müsste sogar noch eine zweite folgen, aber eine pro Woche reicht ja glücklicherweise.

Dann haben wir noch unseren lieben guten alten Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäble, über den ich ja auch schon öfter mal was geschrieben habe. Der hat, wie der Südkurier berichtet, vor 300 Leuten in Waldshut geredet, und dabei davor gewart, dass das Internet nicht zum rechtsfreien Raum werden dürfe.
Seltsam, man kommt ja irgendwie nicht umhin zu bemerken, dass man bei der Union nicht wirklich einer Meinung ist. Sind nicht reihenweise Parteigenossen Schäubles der Meinung, dass das Internet bereits ein rechtsfreier Raum sei?
Na ja, dafür jedenfalls eine Nominierung. Wird auch Zeit, dass Schäuble in den illustren Reigen der nominierten Phrasenmissbraucher aufgenommen wird.

Ebenso hat sich die Neue Osnabrücker Zeitung der unter Holzmedienleuten allgemein vorherrschenden Googleparanoia angschlossen, und schreibt einen „Kommentar zu Literatur Internet Urheberrecht“.
Alleine die Überschrift kommt mir schon seltsam vor, und das hauptsächlich wegen des Mangels an Satzzeichen. Was ist jetzt gemeint? „Ein Kommentar zur Literatiur. Abgelegt in Internet-Urheberrecht“ oder eher „Ein Kommentar zum Literatur-Internet- Urheberrecht“ oder etwa „Ein Kommentar. Tangiert die Themen: Literatur, Internet, Urhgeberrecht“.
Ich weiß es nicht, ich tippe aber auf letzteres.
Na ja, jedenfalls spricht der Artikel davon dass auch im Bezug des „Googlebuchklaus“ das Internet ein rechtsfreier Raum sei:

Mit dem Scannen der Bücher läuft eine gigantische Enteignung geistigen Eigentums. Das Internet scheint auch in dieser Hinsicht ein rechtsfreier Raum zu sein.

Also nicht nur beim eigenen Thema kramt die NOZ diese Phrase herausgeholt, nein zwischen den Zeilen wird noch impliziert, dass das Internet ja sowieso schon weitgehend rechtsfrei sei.

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16 Uhr 00. Entweder hier als Kommentar oder im Petitionsforum.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
05
2009
1

Mistundverflucht!

Vor ein paar Tagen saß ich morgens im Zug von Niebüll nach Westerland, und mit mir im Zug war ein Ruhestörer.
Da ich sonst gerne noch eine dreiviertel Stunde im Zug penne, ist mir das besonders aufgefallen. Auch wenn ich sonst ebenfalls gerne mal Probleme mit dem Schlafen habe, weil ich etwa hinter irgendwelchen Frauen sitze, die schon so früh am Morgen eine laut lachende Kaffeegesellschaft feiern, war es diesmal doch um ein Stück bemerkenswerter.

mistund

Es handelte sich um einen Mann etwa Mitte dreißig. Er trug eine Schirmmütze und schob ein Fahrrad. Zuerst wollte er mit seinem Drahtesel in ein normales Abteil, hatte dann jedoch ein Einsehen, und blieb statt dessen zwischen den Abteilen bei der Türe stehen.
Etwa 5 Minuten verhielt er sich ruhig, dann fing er an herumzubrüllen.

„Achtung! Achtung! Alle müssen das Schiff verlassen! -Ach das ist ja gar kein Schiff, ich bin ja nur dämlich. Bin ich dämlich, oder herrlich?“

Alles vorgetragen im Tonfall eines Ausbilders in einem Bootcamp der US-Marines.
Natürlich antwortete keiner, alleine schon wegen der sprichwörtlichen Zurückhaltung der Nordfriesen, und nicht zuletzt, weil sich keiner angesprochen fühlte.
Der Ruhestörer schien sich ähnliche Gedanken zu machen, und brüllte:

„Ja, jetzt reden sie platt, die Fischköppe! Aber ich kann auch bairisch! …Grüß Gott! öhm… Servus!“

Noch immer keine Erwiderung, warum auch? Wer sich von solch ungezielten verbalen Splittergranaten beleidigen lässt, der hat wohl seinen Morgenkaffee nicht vertragen.
Ich dachte mir derweil, dass der Mann bestimmt an dem Tourette-Syndrom leide, und sein Tick ihn dazu zwinge zusammenhangloses Zeug zu brüllen.
Na ja, etwas später ging es dann weiter im Programm:

„Ihr könnt ja noch nichtmal putzen. AAber Geldverdienen wollt ihr!“

Aha. Jetzt wurde mir auch klar, an welche Zielgruppe das Gebrabbel ging. Weiter hinten im Abteil saß nämlich eine Putzkolonne, die sich nett mit einigen Handwerkern unterhielt. Eine ähnliche Kaffeegesellschaft, wie ich sie oben erwähnt habe. Diese ließ sich jedoch auch nicht wirklich stören, sondern redete munter, wenn auch etwas leiser, weiter.

„Den Neandertaler hat’s nie gegeben, aber ihr wohnt ja auch in einer Höhle!“

Da wurde es dann offenbar einem der Handwerker zu dumm. Mit einem leisen „So jetzt reicht’s aber!“ stand er auf.
„Mach keinen Scheiß!“, sagte eine der Putzfrauen. „Nachher ist der krank!“
„Ist mir schnuppe, ob der krank ist!“, erwiderte der Handwerker und schritt aus dem Abteil auf den Radfahrer zu.
„Du hältst jetzt sofort die Klappe, sonst gibt’s was auf’s Maul!“, forderte er den Ruhestörer auf.
Der antwortete ein wenig kleinlaut: „Scheiße, scheiße, Schnauze!“
„Ja, genau! Klappe, sonst Beule!“, bestätigte der Handwerker wieder, und ging wieder an seinen Platz, auf den er sich wütend murmelnd setzte.
Ab dann war Ruhe. Also doch kein Tourettesyndrom. Meines Wissens lässt das den Tick nicht bei Gewaltandrohung verstummen.
Stellt sich die Frage, warum dieser Mann den Drang verspürte früh morgens den Zug zusammenzubrüllen und sinnlos und unzusammenhängend Leute zu beleidigen.
Ging es ihm einfach nur um die Aufmerksamkeit? Hat seine Freundin oder sein Freund ihn verlassen? Ist er am Ende gar von einer Sylter Reinigungskraft verlassen worden? Oder was?
Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Ich hätte den Ruhestörer ja fragen können, aber als ich auf dem Bahnsteig an ihm vorbeikam, unterhielt sich schon ein Polizist mit ihm.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: