Impactsuspect » Psychologisches
Nov
20
2010
9

Linksammlung des Terrors (nur von gestern(!))³

Kaum warnt da jemand schwammig vor irgendwelchem Terror und bittet alle darum doch die Ruhe zu bewahren, schon greift die umgekehrte Psychologie und alle brechen in Panik aus.

Wer dachte die 15 Minuten der Berühmtheit eines schon wieder vergessenen SPD-Politikers, in denen selbiger darum bat, alle verdächtigen oder ausländischen Menschen bitte sofort der Polizei (bzw. „den Behörden“) zu melden, sei schon der Höhepunkt der Narretei gewesen, musste gestern bitterlich enttäuscht werden.

Im folgenden eine kleine Chronik in Links (vermutlich nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, was es eigentlich eher zu einer Asynchronik macht), die zeigt, dass es unvorantwortlich ist, wenn man sich als Innenminister vollkommen sinnlos hinstellt und Leute wirr macht.

Mittags ist in Duisburg ein herrenloser Koffer gesichtet worden, der als solcher natürlich verdächtig ist. (LINK)
Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass – so unwahrscheinlich es auch scheint – jemand den Koffer nur vergessen hatte. Der Westen berichtete. (LINK)
Wegen des Koffers gab es scheinbar nun einen mittelgroßen Polizeieinsatz und Teile des Einkaufszentrums wurden abgeriegelt.
Nun prüft man, ob der vergessliche Mann das alles bezahlen muss. Zu allem Überfluss an Verdachtsmomenten  ist er auch noch Türke und dabei gesehen worden, wie er Fotos von der Ware im Einkaufszentrum gemacht hat, bevor er seinen Koffer vergaß.
Die Polizei ist aber offenbar der Meinung, dass die Wachsamkeit der Menschen „positiv“ zu sehen sei, auch wenn der Koffer harmlos war.

Was dem Duisburg sein Koffer ist, ist in Köthen (wo auch immer das nun wieder ist) ein Karton.
Verschnürt und zugeklebt lag eben dieser Karton im Gebüsch irgendwo. Natürlich sehr verdächtig.
Später hat das Bombenräumkommando den Karton dann gesprengt, dabei hat sich dann herausgestellt, dass nur ein paar alte Zeitungen und sonstiger Müll drin waren. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet: (LINK)
Auch hier begrüßt die Polizei es, dass man sie gleich gerufen hat.

Bei dem Koffer ohne Bombe, der in Namibia nicht nach München adressiert war, gibt es auch Neuigkeiten: Der Innenminister schließt es nicht mehr aus, dass der Koffer eventuell von deutschen Sicherheitsleuten selbst präpariert wurde. (Link Rheinzeitung) (Link SpOn)
Warum unsere Sicherheitsbehörden Kofferbombenattrappen in Namibia verteilen, ist mir zwar ein wenig schleierhaft, aber irgendwie sind ja alle durch den Wind momentan.

Auch in Köln taucht ein gefährlicher Koffer auf. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Deutschland auf breiter Front von harmlosen Koffern und anderen Behältern angegriffen wird.
Da Köln keine so große und bedeutende Stadt wie z.B. Köthen ist, musste dieser Koffer nicht gesprengt werden. Eine einfache weiträumige Absperrung und Durchleuchtung hat gereicht, um festzustellen, dass der Koffer leer ist.
Das kann man im Express nachlesen. (LINK)

In Düsseldorf hat man dann einen ICE kurzzeitig evakuiert, weil da was rumlag, was man nicht identifizieren konnte. Was das jetzt war, steht da nicht, war aber wohl harmlos und den Rest der Geschichte kann man im Westen nachlesen. (LINK)

Nur in Thüringen scheint die Welt noch in Ordung, da werden nur Schokoladenweihnachtsmänner geraubt. (LINK)

Doch leider ist die Paranoia gegen Koffer nicht das einzige Resultat der Terrorwarnung von Vorgestern.
In Berlin nimmt man sich die Warnung vor „ausländisch sprechenden“ Menschen zu Herzen und zündet kurzerhand eine Moschee an.
Aber sowas passiert wohl, wenn man gezielt vor bestimmten Ethnien oder Religionen warnt. Sowas ist nie eine schöne Sache, jetzt im November, wo sich die Progromnacht gerade wieder gejährt hat, hat das natürlich einen besonders üblen Nachgeschmack. (LINK SpOn)

Es gibt aber auch Menschen, denen eher die Reaktion auf die Terrorwarnung Angst macht, als die Möglichkeit des Terrors selbst.

Bei Nachrichtenspiegel-online.de kommentiert Megahoshi den ganzen Terrorterror. Sein Fazit ist, dass man sich nicht wirr machen und vor allem nicht von der Tagespolitik ablenken lassen sollte. (LINK)

Bei Amypink.com kommt Ines zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen, wobei sie mehr vor Grundrechtseinschränkungen als vor Terror Angst hat. (LINK)

Zu guter letzt macht Heribert Prantl deutlich, dass Sicherheitsbehörden nun auch nicht alles dürfen in einem Rechtsstaat – auch nicht wenn draußen grad mal Terror ist. (LINK)

Mein Fazit:
Wenn man denn jetzt glaubt, dass wir wirklich gefährdeter als sonst sind – und ich bin mir da wirklich nicht sicher – dann kann man in Ballungszentren ja mal aufpassen. Meinetwegen räumt den ICE, oder sperrt das Einkaufzentrum ab. Manchmal hat man ja so ein dummes Gefühl, und auf das sollte man hören. Leider hat DeMaizières Terrorwarnung dazu geführt, dass ALLE STÄNDIG dieses ungute Gefühl haben. Das ist nicht nur deswegen nervig, weil die ganze Aufregung – gestern zumindest – völlig umsonst war, nein, wenn dann wirklich mal einer ein genuines mulmiges Gefühl hat, gaubt ihm dann keiner mehr, bei der Fülle von mulmigen Gefühlen, mit denen wir es jetzt sicher noch eine ganze Weile zu tun haben.

Danke, Herr Innenminister. Wie war das noch? „Kein Grund zur Hysterie“? Es gibt nie einen Grund zur Hysterie. Hysterie passiert einfach, und ist in ihrer Wortbedeutung immer grundlos, weil sie immer eine krasse Überreaktion darstellt. Es besteht also NIE ein Grund zur Hysterie. Zur Panik vielleicht. Aber nicht zur Hysterie. Und selbst Panik ist nicht besonders zielführend, wenn viele Leute auf dem Haufen sind, geschweige denn Hysterie.

Nochwas: Wenn in einem Gebüsch in Köthen ein Paket auftaucht, ist es ein klein wenig unverhältnismäßig, das gleich zu sprengen. Ein Gebüsch in Köthen ist immerhin nicht die Amerikanische Botschaft in Paris, sondern eben nur ein Gebüsch. In Köthen.
Welcher Terrorist will ein Gebüsch sprengen?

Ich finde so langsam sollten sich alle wieder einkriegen.

Okt
24
2010
12

Stöckchen-Blog-Dingsda

Hier ein paar Fragen, die mich vor einiger Zeit aus Pfefferonis Blog erreicht haben. Es sind 8 Fragen, und ich glaube das ganze ist irgendeine Art von Blogparade. Ich gehe einfach mal davon aus, dass ich die neuen 8 Fragen beantworten muss, und 8 weitere stellen muss.
Vielleicht ist so eine Blogparade ja auch viel lustiger, wenn die Regeln sich jedesmal ein wenig stillpostalisch verändern, und keiner weiß, was er jetzt eigentlich machen soll. Das gäbe dem ganzen Konzept sozusagen evolutionäres Potential, und das ganze kann sich viel unvorhergesehener verselbständigen.
Aber nun zu den Fragen, die einer beantwortung harren:

1. Wenn deine Wohnung abbrennen würde und du könntest drei Sachen retten. Was wäre das?

Pff. Immer diese schwierigen Fragen. Ich denke mal das erste wäre die portable Festplatte mit all meinen Romananfängen und sonstigen schriftstellerischen Versuchen drauf. Das zweite wäre die Kamera, um das Feuer von außen zu fotografieren. (Sieht bestimmt heiß aus) Und das dritte wäre wohl meine Gitarre, denke ich mal.

2. Hast du es schon mal bereut, ein Buch gelesen zu haben?

Nein. Ich habe es schon bereut Bücher gekauft zu haben, wenn sie schlecht sind. Wenn sie allzu schlecht sind, lese ich sie aber auch meist nicht zuende, in so fern gibt es da nicht viel zu bereuen. Manche Bücher lese ich ja gerade auch weil sie schlecht sind. Twilight zum Beispiel. Das tut zwar im Kopf weh, während man sie liest, aber man ist dann später dafür um so stolzer, dass man sie erfolgreich durch hat, und sich nun endlos drüber aufregen kann.

3. Wenn es wirklich Vampire gebe: Wie stellst du sie dir vor? Underworld, Twilight, Dracula …?

Ich würde sie mir wie langsam körperlich zerfallende Blut-Junkies vorstellen, die alles tun würden, für ihren nächsten Stich. aber kaum die Geduld hätten darüber hinaus mit Menschen zu interagieren.

4. In welcher Zeit würdest du gerne leben?

Irgendwo in einer Zukunft, in der der Kampf ums wirtschaftliche Überleben durch technische Mittel zum Ende gekommen ist, und die Menschheit im Weltraum herumfliegt.

5. Welches Haustier wärst du gern?

Ich wäre gern gar niemandes Haustier. Haustier sein ist doof.

6. Würdest du manchmal gern in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen?

Für ne Woche, oder so, würde ich mir das mal ganz witzig vorstellen. Aber eigentlich nur just for fun, ich würde mir da keine grundlegenden Antworten auf tiefgreifende Geschlechterfragen erhoffen. Vielleicht hätte ich dann weniger Probleme in meinen Geschichten Frauen zu schreiben, aber das wäre wohl auch der einzige erleuchtende Effekt, den ich mir da vorstellen könnte, obwohl da eine Woche sicher nicht reichen würde.

7. Rot- oder Weißwein?

Also, wenn schon Wein, dann rot.

8. Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten, aber noch nie hat sie dir jemand gestellt?

Das wäre dann wohl „Nehmen Sie die Wahl an?“ Je nach Amt würde ich entweder annehmen, oder den Fragesteller auslachen, und mit dem Finger auf ihn zeigen.

So, dann muss ich mir wohl 8 Fragen ausdenken, wenn ich das jetzt richtig begriffen habe:

1. Welcher Film ist von deinen Lieblingsfilmen der älteste, und warum?
2. Wenn dir Zeitreisen möglich wären, in welcher Zeit würdest du dich gerne mal umsehen?
3. Was würdest du in eine Zeitkapsel legen, wenn das Ende der Zivilisation bevorstünde?
4. Nehmen wir mal an, du bist Gott, und du musst mal dringend für 5 Minuten auf Toilette. Wem würdest du in der Zwischenzeit die Erde anvertrauen?
5. Wann haben wir endlich humanoide Roboter und Jetpacks?

Pfff… Drei Fragen noch, und mir fällt nichts ein…

6. Benutzt du diese Untersetzer für Gläser?
7. Welches Buch hat dich am meisten in deiner persönlichen Entwicklung beeinflusst? (Ja, ich weiß, Standardfrage)
8. Wo warst du, als „Dark Angel“ abgesetzt wurde?

So, jetzt die Blogs, von denen ich gerne Antworten hätte. Bitte fühlt euch nicht belästigt, die Teilnahme ist freiwillig trotz des Kettenbriefcharakters dieser Aktion:
Notproviant
Ti_Leo meint
Twidgeridoo
astrodicitum-simplex

Pfff… Mir fallen jetzt echt keine anderen vier Blogs ein. Und meine ganzen Bookmarks sind futsch, seit ich Windows neu installieren musste. Vier Blogs können sich also gerne noch in den Kommentaren melden, dann dürfen sie auch mitmachen. 😀

Hier der erste Nachzügler:
Linkshirnextremismus

Boah, vernetzen kann anstrengend sein…

Nachtrag Heute:
Was genau es nun mit diesem Blog-Stock-Dingsie auf sich hat, kann man hier nachlesen bei Stefan.Waidele.info: LINK! Einen Wikipediaartikel gibt es leider nicht mehr, der war wohl nicht relevant genug. Schade, der hätte mir weitergeholfen.
Tjaja…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Psychologisches |
Aug
10
2010
8

Oh, wie schön ist Internet…

In ARD und ZDF wird das Internet behandelt, als sei es Ausland. Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen über das Internet – oder Sachen im Internet – berichtet, so mutet dies immer so an, als handele es sich um einen Reisebericht von der Japanreise.
Die Internetseiten werden vor dem Bericht kopiert und gegebenenfalls bearbeitet, genauso wie man seine Urlaubsdias von der Japanreise auch genau auswählen würde.

Links bekommt man auch nicht. Es reicht ja immerhin, wenn die öffentlich-rechtlichen Journalisten im Internet gewesen sind, es hat ja keinen Sinn, den Zuschauer auch noch in Gefahr zu bringen. Außerdem würde man seinem Bekanntenkreis nach einer Japanreise auch nicht die Adresse des schnuckeligen Restaurants in Tokio mitteilen: Die könnten ja gar nichts damit anfangen.

Wichtig ist auch, dass der Bericht über das ferne Land „Internet“ ausgewogen ist, denn zu viele nützliche Informationen verkraftet kein Zuschauer. Darum beginnt man meist mit irgendwelchen „ernsten“ Nachrichten, und arbeitet sich langsam zum erbaulichen Youtubevideo am Ende des Berichtes vor.

Dort haben wir dann eine Spraydosenanimation, einen niesenden Panda, oder irgendetwas anderes, was den Zuseher nach der Schilderung der Gefahren wieder auflockern soll. Auch hier bekommen wir keinen Link, denn immerhin ist das Video ja schon im Fernsehen, das bekanntlich viel mehr Leute erreicht, als das Internet.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Jul
09
2010
2

Abschließende Bemerkungen zur WM

Da haben uns Mathematiker, Physiker, Analysten (Also Börsenspekulanten) und weißnichtwer vorgerechnet, dass Deutschland die diesjährige WM gewinnen muss, doch nach dem Spiel gegen Spanien hat es sich in Deutschland erst einmal ausgetrötet.

Gott sei Dank. Erfrischend, nach einem Deutschlandspiel mal keine halbe Stunde Autokorso hören zu müssen, und auch die ganzen Deutschlandfahnen an den Autos haben mich langsam genervt. Von den rumtrötenden Kindern mal ganz abgesehen. Kaum machte man in den letzten Wochen das Fenster auf, hatte man einen guten Eindruck davon, wie sich wohl Benjamin Blümchens Familientreffen anhören würde.
Irgendjemand muss übrigens mal all die Fähnchen aus den Straßengräben sammeln, die sich durch den Fahrtwind von Autos gelöst haben. Die Fahrer der betreffenden Fahrzeuge tun es jedenfalls nicht.

Na ja. Also kein „Finaale, Oho! FinAAALÖ, OHOHOHO!!!“ diesmal. Soll mir recht sein. Und kein Fachmann konnte es vorhersehen. Kein menschlicher Fachmann, denn um den Spielausgang zu prophezeien brauchte es einen Kraken.
Der fröhliche, parapsychologisch begabte Kopffüßler hat – ehrlich wie er nun einmal ist – die Nationalität seines Brötchengebers ignoriert, und einfach mal gegen Deutschland, und für Spanien gestimmt.
Und wie wohl auch alle seine bisherigen Tipps zu Spielausgängen der WM 2010 war auch dieser richtig.

Was sagt uns das? Das sagt uns, dass ein Krake ohne Fußballvorwissen auch nicht schlechter die Zukunft vorhersagen kann, als ein Analyst, ein Physiker oder ein Statistiker. Wohlmöglich sogar besser, aber für Langzeitstudien wird der arme Paul leider nicht alt genug.
Wir sollten die Kraken die Banken leiten lassen, vielleicht geht es dann schnell raus aus der Krise!

Symbolbild: schon wimmelt es im Internet von Anti-Kraken-Propaganda. Der Krake soll hierbei einen Kraken darstellen.

Auch aus anderer Hinsicht ist das vorzeitige Ende der WM für Deutschland erfreulich:
Seit jeher ist es Tradition in der deutschen Politik eine Fußball-WM dazu zu benutzen, für den Bürger unvorteilhafte Gesetze schnell mal durchzuwinken, ohne dass die Medien allzu groß darüber berichten. So wurde in den letzten Wochen beschlossen die Krankenkassenbeiträge zu erhöhen. Allerdings nur auf Arbeitnehmerseite. Nicht nur das: In Zukunft dürfen die Krankenkassen über die Höhe von Zusatzgebühren auch noch völlig frei selbst bestimmen. Und Gesundheitsminister Rösler verkündet das auch noch stolz wie klein Fritzchen sein erstes Mal auf der großen Erwachsenentoilette.

Mehr Netto vom Brutto. Mehr Netto für die Krankenkassen von unserem Brutto, oder was?

Na ja, aber immerhin gibt es kein FinAAALÖÖÖH, und somit verschont man uns wohl vorerst mit den ganz dicken Kloppern.

Mögliche Geheimpläne der Regierung liegen wohl erst einmal auf Halde

Nur um eines ist es Schade: Man konnte an den Tagen der Deutschlandspiele immer herrlich gut essen gehen oder an den Strand. Sowohl Restaurants als auch der Strand waren dann immer schön leer.
Das werde ich schon ein wenig vermissen.

Jun
29
2010
6

Moralische-Zeigefinger-Schilder!

Es ist ja an sich schön, wenn Schilder einen direkt ansprechen, anstatt in gesichtslosen und unpersönlichen Nominalphrasen einfach irgendwelche Verbote zu konstatieren. Nicht ohne Grund habe ich ja schon die Höflichkeitsschilder besonders behandelt.
Ähnlich wie in Romanen, Songtexten und Folgen von Fernsehserien, wirkt aber auch bei Schildern ein übermäßig moralisch erhobener Zeigefinger eher nervig.

Erst einmal spricht uns dieses Schild in unserer Funktion als Bürger an. Bürger von was? Bürger von Leck? Bürger Deutschlands? Bürger der Welt? Das verrät uns das Schild nicht.
Sind nur die Einwohner Lecks an die Weisung des Lecker Bürgermeisters gebunden, oder sollen alle Bürger weltweit den folgenden Anweisungen folgen? Und warum das Ausrufezeichen, welches das komplette Schild wie eine Verballhornung einer Rede Julius Caesars wirken lässt?
Da könnte man ja gleich „Freunde! Lecker! Mitbürger!“ schreiben.
Dann die Information, dass hier Kinder spielen, die zwar als Begründung für die Gebote des Schildes durchaus positiv zu sehen ist, jedoch bei aller Liebe kein Ausrufezeichen benötigt.

Weiter geht es mit dem ersten Gebot, den Platz sauber zu halten. Hier kann man mit dem Ausrufezeichen arbeiten, obwohl es das Gebot wie einen Befehl klingen lässt. Und was genau heißt „Haltet den Platz sauber“ eigentlich? Handelt es sich nur um ein als Gebot getarntes Verbot der Abfallentsorgung, oder sind hier tatsächlich alle Bürger angehalten, stets auf Unrat zu achten, und ihn selbsttätig zu entsorgen?

Zum Schluss dann noch der ebenfalls mit Ausrufezeichen ausgestattete Befehl, jegliche Zuwiderhandler zu dennunzieren. Spätestens diese Aufforderung hinterlässt einen faden Beigeschmack, und beschwört eine finstere deutsche Vergangenheit herauf.

Das ein oder andere „Bitte“ hätte hier Wunder gewirkt, ebenso wie ein „Danke“ am Ende und allgemein ein sparsamerer Umgang mit dem Ausrufezeichen.

Das es den letzteren Punkt betreffend, noch schlimmer geht, sieht man jedoch zum Beispiel an folgendem Schild:

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Psychologisches | Schlagwörter:
Mai
30
2010
3

Tipps für Zeitreisende (in Star Trek)

1.) Fragen Sie die Einheimischen NIEMALS nach dem aktuellen Jahr. Das kann nur strunzendämlich wirken.

2.) Wollen Sie das Jahr herausfinden, sehen Sie in einer Zeitung nach. Finden Sie keine, sind Sie in der Zukunft.

3.) Kleiden Sie sich in Sternenflottenuniformen. Man wird diese für Pyjamas halten, aber Sie keinesfalls für einen Trekkie.

4.) Keine Panik, wenn sie in den 60ern landen. Die Leute da sind so zugedröhnt, dass noch nicht einmal Aliens sie großartig alarmieren. (gilt auch für Stargate)

4.) Vorsicht vor unbeabsichtigten Zeitreisen! Diese führen zu 90% zu gefährlichen Wendepunkten in der Geschichte.

5.) Halten Sie sich aus den Geschehnissen heraus. Sie würden nur alles durcheinanderbringen.

6.) Wenn Sie die Dinge hingegen schon durcheinander gebracht haben, können Sie ebensogut auch ordentlich auf die Kacke hauen.

7.) Ändern Sie etwas in der Vergangenheit, können ihre Freunde in der Zukunft die Auswirkungen beobachten.

8.) Stirbt eine historische Größe, nehmen Sie umgehend ihren Platz ein, um die Zeitlinie zu retten.

9.) Die historische Persönlichkeit wird Ihnen durch eine Besonderheit des Raumzeitkontinuums ähnlich sehen.

10.) Die veränderte Zeitlinie lässt sich oft mit nur wenigen gezielten Handgriffen 100%ig wieder herstellen lassen.

(wird vielleicht noch ausgebaut)

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: ,
Mai
03
2010
3

Schlaumeier-Schilder

Wir haben also nun bereits seltsam formulierte Verbotsschilder, Doppelbindungsschilder, Schilder mit verschiedenen Graden von Exklusivität und sehr höfliche Schilder kennengelernt.
Neulich ist mir aber eine weitere Sorte Schild aufgefallen: Die Schlaumeierschilder, die in Fachkreisen auch Paradoxienauslöser oder Roboterkiller genannt werden.

Während es sich bei Doppelbindungsschildern um zwei verschiedene Schilder handelt, die einander entgegengesetzte Weisungen enthalten, widerspricht sich ein echter Roboterkiller selbst, oder zumindest in Kombination mit einer allgemeinen Weisung außerhalb des Schildes.

Folgendes Schild markiert z. B. den Eingang zur Westerländer Fußgängerzone:

Dieses Schild enthält folgende Aussagen:

– Vernünftige fahren in diesem Bereich nicht Rad
– Wer hier Radfahren will, oder wer anstalten dazu macht, dem ist es verboten.

Außerdem impliziert das Schild auch noch folgende, weitere Aussagen:

– Wer in diesem Bereich Rad fahren will, oder dazu Anstalten macht ist unvernünftig
– Vernünftigen ist es nicht verboten hier Rad zu fahren. (Es ist ja nur allen anderen verboten)

Steht man nioht unter dem Zwang Rad fahren zu wollen, ist dieses Schild eher harmlos, wenn auch seltsam formuliert.
Dann gilt:

Ich will hier nicht Rad fahren, also bin ich vernünftig. Somit ist es mir zwar nicht verboten Rad zu fahren, aber ich würde es trotzdem nie tun.

Problematisch wird es, wenn man an sich gerne Radfahren möchte, es aber nicht tut, weil man vernünftig ist.
Dann würde gelten:

Ich will hier zwar Rad fahren, mache es aber nicht, weil ich vernünftig bin. Immerhin ist dies eine Fußgängerzone.
Da ich das – vernüftiger Weise – erkannt habe, verliert das Verbot nicht Rad zu fahren für mich an Gültigkeit, weil das Verbot ja nicht für Vernünftige gilt.
Ich will also losradeln, als ich merke, dass allein die Ausführung einer Radfahrhandlung dafür sorgen würde, dass ich in die Gruppe der „Unvernünftigen“ umgestuft werde, womit mir das radfahren wieder verboten ist.

Als Mensch hat man nun drei Optionen:

1.) Ich setze mich über das Verbot hinweg, und stecke weg, dass das Schild mich schon vorauseilend als „unvernünftig“ beschimpft hat, und nun auch noch im Recht ist.

2.) Ich halte mich an das Verbot, weil ich nicht will, dass das schnippische Schild mich für unvernünftig hält.

Oder 3.) Ich setze mich über das Verbot des Schildes alleine schon deswegen hinweg, weil es alle Betrachter quasi als „potentielle Unvernünftige“ bezeichnet, und ich mir als chronischer Querulant von Schildern keine Beleidigungen an den Kopf werfen lasse, und seien sie noch so potentiell!
Das Fahren meines Zweirades nutze ich somit als Weg, dem blasierten Schild zu zeigen, wo der Hammer hängt!! Das hat es nun davon, das blöde Schild!!! Ist in der Schule bestimmt immer verprügelt worden!!!! Viva la Revolucion!!!!!!

Ich weiß ja nicht, wie es dem geneigten Leser geht, aber bei „Fahrad fahren verboten!“ oder „Bitte absteigen!“ hätte ich mir diese Gedanken nicht gemacht.
Dieses Schild kommt aber wie ein Schlaumeier daher, und kategoriesiert seine Betrachter schon im Vorraus. Das macht das Schild höchst unsympathisch, wie ich finde.

Warum aber nennt man diese Schilder auch Roboterkiller?
Ganz einfach: Auch wenn man nicht glaubt, dass es einmal positronische Roboter geben wird, die nach Asimovs drei Gesetzen funktionieren, ist eines klar:
Das zweite Asimovsche Robotergesetz wird auch in der wirklichen Welt für humanoide Roboter gelten. Grob zusammengefasst lautet es:

Ein Roboter soll den Befehlen von Menschen gehorchen.

Ist ja klar, dass das gilt. Auf seine Weise gehorcht schließlich auch ein Toaster oder ein Videorecorder den Befehlen von Menschen, soweit er dazu fähig ist.
Technologie soll ja machen was man ihr sagt. Ansonsten hätte schon längst jemand einen Videorecorder erfunden, der statt der programmierten Sendungen zufällige andere aufnimmt.
Obwohl dies in Einzelfällen vorgekommen sein mag, war dies doch in keinem Fall die Intention der Entwickler des Gerätes.
Macht ein humanoider Roboter also nicht, was man sagt – wozu bräuchte man ihn dann? Eben.

Sie geben ihrer VCP3409-Einheit also folgenden Befehl:

„Bring dieses Päckchen bitte zu der und der Adresse. Fahr mit dem Rad, und bitte auf dem schnellsten Weg, es ist dringend.“

Der Android fährt mit seinem titanverstärkten Drahtesel also los, freudig zu dienen, bis er an obiges Schild kommt.
Das Schild enthält ein Verbot. Ein Verbot ist im Grunde genommen ein negativer Befehl, den der Roboter befolgen muss, weil das Schild von Menschen aufgestellt wurde.
Selbst wenn der Roboter zu dem Schluß käme, dass dieses Verbot nicht von „seinem Menschen“ (sprich Besitzer) ausgesprochen wurde, so ist ihm doch klar, dass es ein offizielles Schild ist, welches auch Menschen beachten müssen. Somit muss er es erst recht beachten.
VCP3409 steigt also ab, und will das Rad schieben. In dem Moment bemerkt er, dass er zu der Gruppe der Vernünftigen gehört, für die das Verbot nicht gilt. Also steigt er wieder auf, fährt einen Zentimeter, bis er merkt, dass er wieder zu den Unvernünftigen gehört, für die das Verbot gilt. Also steigt er wieder ab, merkt, dass er vernünftig ist, und steigt wieder auf, und so weiter…

Da es in dem dringlich vorgebrachten Befehl seines Besitzers keine Einschränkung für Fußgängerzonen gibt, gilt noch immer die Weisung mit dem Rad zum Ort der Ablieferung des Päckchens zu fahren.
Diese Weisung wird immer nur dann ausser Kraft gesetzt, wenn der Roboter tatsächlich Anstalten macht zu radeln. Ist er im Begriff nicht zu radeln, erscheint es ihm aber ohne weiteres möglich zu radeln.

Das Resultat:
Der arme VCP3409, der nur seinem Besitzer dienen wollte, ist in einer unauflöslichen Logikschleife gefangen.
Schon etwa 3 Sekunden, nachdem er den Text des Schildes gelesen hat, wird er aufhören sich für Menschen sichtbar zu bewegen, und nach gut einer dreiviertel Stunde ist sein Positronengehirn hoffnungslos überhitzt. Es kann nicht wieder hergestellt werden.
Je nachdem, um welchen Typ Gehirn es sich handelt, beginnt selbiges nach etwa einer Stunde deutlich sichbar zu schmoren, und wenn sich nach 16 Stunden noch immer niemand um den armen Roboter gekümmert hat, ist es sogar möglich, dass er explodiert. (Wenn seine Fusionsleiter schlecht gearbeitet sind)

Um sich dieses Phänomen zunutze zu machen, haben antipositronische Terrorgruppen solche Schilder schon gezielt eingesetzt, um Anschläge auf Roboter zu verüben.
Dabei wurden gezielt „Roboterkiller“ so formuliert, dass sie noch nichteinmal der vorherigen Aufforderung Rad zu fahren bedürfen:

Apr
21
2010
2

Rätselgrafitto

Ich fahre mehrmals die Woche an einem Sicherungskasten an der Strasse in Wenningstedt vorbei, und jedesmal frage ich mich, was das darauf abgebildete Grafitto zu bedeuten hat:

Was ist das? Ein Männlein in Daunenjacke mit sehr dickem linken Arm?
Ein mutierter Schmetterling? Oder doch ein abstraktes Portrait Werner Wernersens aus der kubistischen Phase von Rötger Feldmann?
Kann da jemand weiterhelfen?

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Apr
13
2010
6

Kleine Linksammlung: Was die Kirche zu den Mißbrauchsvorwürfen zu sagen hat

Ich habe bisher nicht über das Thema gebloggt, weil ich es über die Maßen ekelerregend und bestürzend finde.
Nicht nur die Mißbrauchsfälle selbst sind so grausig; noch grausiger finde ich, wie die Kirche mit den Vorwürfen umgeht.
Wie hilflos sich Vertreter der katholischen Kirche zu verteidigen suchen, und wie wahllos sie dabei um sich schlagen, will ich mit folgender kleiner Linksammlung einmal komprimiert darstellen.

Obwohl ich mich nicht über jeweiligen Tagesnachrichten hinaus mit dem Thema beschäftigt habe, finde ich, dass allein die Schlagzeilen schon für sich sprechen.
Ich empfehle trotzdem jedem sich weitergehend zu informieren, bevor er sich eine Meinung bildet.

21.03.2010 „Kampagne gegen die Kirche“
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller vergleicht die laufende Berichterstattung über die katholische Kirche mit der kirchenfeindlichen Haltung des NS-Regimes (Telepolis)

31.03.2010
Katholische Kirche
Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer ist völlig überlastet (SpOn)

12.04.2010
Connecticut bishops fight sex abuse bill
Die Bischöfe im US-Bundesstaat Connecticut versuchen eine Aufhebung der Verjährungsfrist für Missbrauchsverbrechen zu verhindern. (cnn.com)

12.04.2010
Report: Church abuse claims are ‚Zionist attack‘, bishop says
Ein pensionierter italienischer Bischof vermutet eine Verschwörung von Zionisten gegen die katholische Kirche, die für die momentane Kritik an den Missbrauchsfällen verantwortlich sei. (Haaretz.com)

Hier weiß ich nicht, wie glaubwürdig die Quelle ist, ich kenn die Seite nicht.

13.04.2010
Nr. zwei im Vatikan verbindet Pädophilie mit Homosexualität
Kardinal sucht Erklärungen für Missbrauchskandal – Lehmann verteidigt Papst (heute.de)

In Großbrittanien plant Atheismusikone Richard Dawkins derweil die Verhaftung des Papstes wegen der Verdunkelung von Mißbrauchsfällen:

11.04.2010
Richard Dawkins calls for arrest of Pope Benedict XVI
Richard Dawkins fordert Verhaftung von Papst Benedict XVI (richarddawkins.net)

Und dass der Vatikan jüngst den Beatles vergeben hat, scheint in dem Kontext eher eine Art Übersprungshandlung zu sein:

13.04.2010
Vergebung
Kaum ist es 40 Jahre her, dass sich die Beatles getrennt haben, schon hat der Vatikan den Pilzköpfen ihr lasterhaftes Leben verziehen. Doch zumindest Ringo Starr scheint das ziemlich egal zu sein. (süddeutsche)

Aber solch abstruse Wortmeldung gibt es ja nun nicht erst in letzter Zeit von Kirchenvertretern. In dieser etwas älteren Nachricht sucht auch wieder ein Kirchenmann die Schuld an den Mißbrauchsfällen an ungewohnter Stelle:

27.12.2010
Bishop of Tenerife blames child abuse on the children
Bernando Álvarez sagte es gäbe 13 jährige, die mißbraucht werden wollten, und ‚einen provozieren, wenn man unvorsichtig ist‘
(typicallyspanish.com)

Auch hier kenne ich die Quelle nicht näher.

Bei all diesem Quatsch könnte es sich bei folgendem tatsächlich um eine richtige Nachricht handeln, dabei handelt es sich nur um Satire. Erstaunlich, wie realistisch sie momentan schon klingt:

22.05.2002
Pope forgives molested children
Der Papst vergibt mißbrauchten Kindern (theonion.com)

Nachtrag
Einen hatte ich doch ganz vergessen:

16.02.2010
Katholische Kirche
Bischof Mixa gibt sexueller Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen

Apr
12
2010
1

Populismus Reloaded

Ich hab‘ ja neulich schon drüber geschrieben, wie die FDP in Form von Guido Westerwelle forderte, HartzIV-Empfänger mögen doch Schneeschippen, wie dann die SPD in Gestalt von Hannelore Kraft forderte, HartzIV-Empfänger sollten doch „freiwillig“ die Straßen fegen, weil man ihnen sonst das Geld kürzt und wie dann dieser ganz tolle Professor forderte HartzIV auf 5 Jahre zu begrenzen, um einen erhöhten Anreiz zur Jobsuche zu geben. Ho, ho.

Ausgerechnet von den Grünen, von denen man ja lange Zeit dachte, sie gehörten zu den Guten, kommt jetzt auch so ein doller Vorschlag: Hundehaufen zu Jobs
Grüne empfiehlt Hartz-Empfängern Beschäftigung (Neues Deutschland)

Der Vorschlag, der hier von Frau Hammerling von den Grünen kommt, ist zwar um einiges besser als die vorherigen menschenverachtenden Vorschläge von FDP, SPD und Professor X oben, weil die Grünenpolitikerin dort fordert, dass die HartzIVempfänger zum Hundescheißekontrollieren von der Stadt angestellt werden.
Somit wären es dann keine HartzIV-Empfänger mehr, die aus Angst vor ominösen „Sanktionen“ den Schnee schippen oder Westerwelle die Schuhe putzen müssen, nein, es wären Angestellte der Stadt, die richtig Geld bekommen für Arbeit.

Klingt dies alles auch so nett und blumig – jedenfalls im Vergleich zu den Forderungen anderer Parteien – stellt sich mir doch unweigerlich die Frage, warum Frau Hammerling bei all den mannigfaltigen Aufgaben, die auf Berlins Straßen nur so darauf warten, dass man staatliche Jobs aus ihnen macht, ausgerechnet die Hundekacke als Beispiel verwendet?
Hätte man nicht Falschparker oder Leute die illegal Müll abladen als Beispiel nehmen können? Frau Hammerling erwähnt viele öffentliche Aufgaben, die für mögliche neue Stadtangestellte quasi schon bereitliegen würden. Warum kommt sie ausgerechnet mit der ekligsten Aufgabe, und will sie HartzIV-Empfängern auf’s Auge drücken?

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Politisches,Psychologisches | Schlagwörter: ,

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Nov
20
2010
9

Linksammlung des Terrors (nur von gestern(!))³

Kaum warnt da jemand schwammig vor irgendwelchem Terror und bittet alle darum doch die Ruhe zu bewahren, schon greift die umgekehrte Psychologie und alle brechen in Panik aus.

Wer dachte die 15 Minuten der Berühmtheit eines schon wieder vergessenen SPD-Politikers, in denen selbiger darum bat, alle verdächtigen oder ausländischen Menschen bitte sofort der Polizei (bzw. „den Behörden“) zu melden, sei schon der Höhepunkt der Narretei gewesen, musste gestern bitterlich enttäuscht werden.

Im folgenden eine kleine Chronik in Links (vermutlich nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, was es eigentlich eher zu einer Asynchronik macht), die zeigt, dass es unvorantwortlich ist, wenn man sich als Innenminister vollkommen sinnlos hinstellt und Leute wirr macht.

Mittags ist in Duisburg ein herrenloser Koffer gesichtet worden, der als solcher natürlich verdächtig ist. (LINK)
Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass – so unwahrscheinlich es auch scheint – jemand den Koffer nur vergessen hatte. Der Westen berichtete. (LINK)
Wegen des Koffers gab es scheinbar nun einen mittelgroßen Polizeieinsatz und Teile des Einkaufszentrums wurden abgeriegelt.
Nun prüft man, ob der vergessliche Mann das alles bezahlen muss. Zu allem Überfluss an Verdachtsmomenten  ist er auch noch Türke und dabei gesehen worden, wie er Fotos von der Ware im Einkaufszentrum gemacht hat, bevor er seinen Koffer vergaß.
Die Polizei ist aber offenbar der Meinung, dass die Wachsamkeit der Menschen „positiv“ zu sehen sei, auch wenn der Koffer harmlos war.

Was dem Duisburg sein Koffer ist, ist in Köthen (wo auch immer das nun wieder ist) ein Karton.
Verschnürt und zugeklebt lag eben dieser Karton im Gebüsch irgendwo. Natürlich sehr verdächtig.
Später hat das Bombenräumkommando den Karton dann gesprengt, dabei hat sich dann herausgestellt, dass nur ein paar alte Zeitungen und sonstiger Müll drin waren. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet: (LINK)
Auch hier begrüßt die Polizei es, dass man sie gleich gerufen hat.

Bei dem Koffer ohne Bombe, der in Namibia nicht nach München adressiert war, gibt es auch Neuigkeiten: Der Innenminister schließt es nicht mehr aus, dass der Koffer eventuell von deutschen Sicherheitsleuten selbst präpariert wurde. (Link Rheinzeitung) (Link SpOn)
Warum unsere Sicherheitsbehörden Kofferbombenattrappen in Namibia verteilen, ist mir zwar ein wenig schleierhaft, aber irgendwie sind ja alle durch den Wind momentan.

Auch in Köln taucht ein gefährlicher Koffer auf. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Deutschland auf breiter Front von harmlosen Koffern und anderen Behältern angegriffen wird.
Da Köln keine so große und bedeutende Stadt wie z.B. Köthen ist, musste dieser Koffer nicht gesprengt werden. Eine einfache weiträumige Absperrung und Durchleuchtung hat gereicht, um festzustellen, dass der Koffer leer ist.
Das kann man im Express nachlesen. (LINK)

In Düsseldorf hat man dann einen ICE kurzzeitig evakuiert, weil da was rumlag, was man nicht identifizieren konnte. Was das jetzt war, steht da nicht, war aber wohl harmlos und den Rest der Geschichte kann man im Westen nachlesen. (LINK)

Nur in Thüringen scheint die Welt noch in Ordung, da werden nur Schokoladenweihnachtsmänner geraubt. (LINK)

Doch leider ist die Paranoia gegen Koffer nicht das einzige Resultat der Terrorwarnung von Vorgestern.
In Berlin nimmt man sich die Warnung vor „ausländisch sprechenden“ Menschen zu Herzen und zündet kurzerhand eine Moschee an.
Aber sowas passiert wohl, wenn man gezielt vor bestimmten Ethnien oder Religionen warnt. Sowas ist nie eine schöne Sache, jetzt im November, wo sich die Progromnacht gerade wieder gejährt hat, hat das natürlich einen besonders üblen Nachgeschmack. (LINK SpOn)

Es gibt aber auch Menschen, denen eher die Reaktion auf die Terrorwarnung Angst macht, als die Möglichkeit des Terrors selbst.

Bei Nachrichtenspiegel-online.de kommentiert Megahoshi den ganzen Terrorterror. Sein Fazit ist, dass man sich nicht wirr machen und vor allem nicht von der Tagespolitik ablenken lassen sollte. (LINK)

Bei Amypink.com kommt Ines zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen, wobei sie mehr vor Grundrechtseinschränkungen als vor Terror Angst hat. (LINK)

Zu guter letzt macht Heribert Prantl deutlich, dass Sicherheitsbehörden nun auch nicht alles dürfen in einem Rechtsstaat – auch nicht wenn draußen grad mal Terror ist. (LINK)

Mein Fazit:
Wenn man denn jetzt glaubt, dass wir wirklich gefährdeter als sonst sind – und ich bin mir da wirklich nicht sicher – dann kann man in Ballungszentren ja mal aufpassen. Meinetwegen räumt den ICE, oder sperrt das Einkaufzentrum ab. Manchmal hat man ja so ein dummes Gefühl, und auf das sollte man hören. Leider hat DeMaizières Terrorwarnung dazu geführt, dass ALLE STÄNDIG dieses ungute Gefühl haben. Das ist nicht nur deswegen nervig, weil die ganze Aufregung – gestern zumindest – völlig umsonst war, nein, wenn dann wirklich mal einer ein genuines mulmiges Gefühl hat, gaubt ihm dann keiner mehr, bei der Fülle von mulmigen Gefühlen, mit denen wir es jetzt sicher noch eine ganze Weile zu tun haben.

Danke, Herr Innenminister. Wie war das noch? „Kein Grund zur Hysterie“? Es gibt nie einen Grund zur Hysterie. Hysterie passiert einfach, und ist in ihrer Wortbedeutung immer grundlos, weil sie immer eine krasse Überreaktion darstellt. Es besteht also NIE ein Grund zur Hysterie. Zur Panik vielleicht. Aber nicht zur Hysterie. Und selbst Panik ist nicht besonders zielführend, wenn viele Leute auf dem Haufen sind, geschweige denn Hysterie.

Nochwas: Wenn in einem Gebüsch in Köthen ein Paket auftaucht, ist es ein klein wenig unverhältnismäßig, das gleich zu sprengen. Ein Gebüsch in Köthen ist immerhin nicht die Amerikanische Botschaft in Paris, sondern eben nur ein Gebüsch. In Köthen.
Welcher Terrorist will ein Gebüsch sprengen?

Ich finde so langsam sollten sich alle wieder einkriegen.

Okt
24
2010
12

Stöckchen-Blog-Dingsda

Hier ein paar Fragen, die mich vor einiger Zeit aus Pfefferonis Blog erreicht haben. Es sind 8 Fragen, und ich glaube das ganze ist irgendeine Art von Blogparade. Ich gehe einfach mal davon aus, dass ich die neuen 8 Fragen beantworten muss, und 8 weitere stellen muss.
Vielleicht ist so eine Blogparade ja auch viel lustiger, wenn die Regeln sich jedesmal ein wenig stillpostalisch verändern, und keiner weiß, was er jetzt eigentlich machen soll. Das gäbe dem ganzen Konzept sozusagen evolutionäres Potential, und das ganze kann sich viel unvorhergesehener verselbständigen.
Aber nun zu den Fragen, die einer beantwortung harren:

1. Wenn deine Wohnung abbrennen würde und du könntest drei Sachen retten. Was wäre das?

Pff. Immer diese schwierigen Fragen. Ich denke mal das erste wäre die portable Festplatte mit all meinen Romananfängen und sonstigen schriftstellerischen Versuchen drauf. Das zweite wäre die Kamera, um das Feuer von außen zu fotografieren. (Sieht bestimmt heiß aus) Und das dritte wäre wohl meine Gitarre, denke ich mal.

2. Hast du es schon mal bereut, ein Buch gelesen zu haben?

Nein. Ich habe es schon bereut Bücher gekauft zu haben, wenn sie schlecht sind. Wenn sie allzu schlecht sind, lese ich sie aber auch meist nicht zuende, in so fern gibt es da nicht viel zu bereuen. Manche Bücher lese ich ja gerade auch weil sie schlecht sind. Twilight zum Beispiel. Das tut zwar im Kopf weh, während man sie liest, aber man ist dann später dafür um so stolzer, dass man sie erfolgreich durch hat, und sich nun endlos drüber aufregen kann.

3. Wenn es wirklich Vampire gebe: Wie stellst du sie dir vor? Underworld, Twilight, Dracula …?

Ich würde sie mir wie langsam körperlich zerfallende Blut-Junkies vorstellen, die alles tun würden, für ihren nächsten Stich. aber kaum die Geduld hätten darüber hinaus mit Menschen zu interagieren.

4. In welcher Zeit würdest du gerne leben?

Irgendwo in einer Zukunft, in der der Kampf ums wirtschaftliche Überleben durch technische Mittel zum Ende gekommen ist, und die Menschheit im Weltraum herumfliegt.

5. Welches Haustier wärst du gern?

Ich wäre gern gar niemandes Haustier. Haustier sein ist doof.

6. Würdest du manchmal gern in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen?

Für ne Woche, oder so, würde ich mir das mal ganz witzig vorstellen. Aber eigentlich nur just for fun, ich würde mir da keine grundlegenden Antworten auf tiefgreifende Geschlechterfragen erhoffen. Vielleicht hätte ich dann weniger Probleme in meinen Geschichten Frauen zu schreiben, aber das wäre wohl auch der einzige erleuchtende Effekt, den ich mir da vorstellen könnte, obwohl da eine Woche sicher nicht reichen würde.

7. Rot- oder Weißwein?

Also, wenn schon Wein, dann rot.

8. Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten, aber noch nie hat sie dir jemand gestellt?

Das wäre dann wohl „Nehmen Sie die Wahl an?“ Je nach Amt würde ich entweder annehmen, oder den Fragesteller auslachen, und mit dem Finger auf ihn zeigen.

So, dann muss ich mir wohl 8 Fragen ausdenken, wenn ich das jetzt richtig begriffen habe:

1. Welcher Film ist von deinen Lieblingsfilmen der älteste, und warum?
2. Wenn dir Zeitreisen möglich wären, in welcher Zeit würdest du dich gerne mal umsehen?
3. Was würdest du in eine Zeitkapsel legen, wenn das Ende der Zivilisation bevorstünde?
4. Nehmen wir mal an, du bist Gott, und du musst mal dringend für 5 Minuten auf Toilette. Wem würdest du in der Zwischenzeit die Erde anvertrauen?
5. Wann haben wir endlich humanoide Roboter und Jetpacks?

Pfff… Drei Fragen noch, und mir fällt nichts ein…

6. Benutzt du diese Untersetzer für Gläser?
7. Welches Buch hat dich am meisten in deiner persönlichen Entwicklung beeinflusst? (Ja, ich weiß, Standardfrage)
8. Wo warst du, als „Dark Angel“ abgesetzt wurde?

So, jetzt die Blogs, von denen ich gerne Antworten hätte. Bitte fühlt euch nicht belästigt, die Teilnahme ist freiwillig trotz des Kettenbriefcharakters dieser Aktion:
Notproviant
Ti_Leo meint
Twidgeridoo
astrodicitum-simplex

Pfff… Mir fallen jetzt echt keine anderen vier Blogs ein. Und meine ganzen Bookmarks sind futsch, seit ich Windows neu installieren musste. Vier Blogs können sich also gerne noch in den Kommentaren melden, dann dürfen sie auch mitmachen. 😀

Hier der erste Nachzügler:
Linkshirnextremismus

Boah, vernetzen kann anstrengend sein…

Nachtrag Heute:
Was genau es nun mit diesem Blog-Stock-Dingsie auf sich hat, kann man hier nachlesen bei Stefan.Waidele.info: LINK! Einen Wikipediaartikel gibt es leider nicht mehr, der war wohl nicht relevant genug. Schade, der hätte mir weitergeholfen.
Tjaja…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Psychologisches |
Aug
10
2010
8

Oh, wie schön ist Internet…

In ARD und ZDF wird das Internet behandelt, als sei es Ausland. Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen über das Internet – oder Sachen im Internet – berichtet, so mutet dies immer so an, als handele es sich um einen Reisebericht von der Japanreise.
Die Internetseiten werden vor dem Bericht kopiert und gegebenenfalls bearbeitet, genauso wie man seine Urlaubsdias von der Japanreise auch genau auswählen würde.

Links bekommt man auch nicht. Es reicht ja immerhin, wenn die öffentlich-rechtlichen Journalisten im Internet gewesen sind, es hat ja keinen Sinn, den Zuschauer auch noch in Gefahr zu bringen. Außerdem würde man seinem Bekanntenkreis nach einer Japanreise auch nicht die Adresse des schnuckeligen Restaurants in Tokio mitteilen: Die könnten ja gar nichts damit anfangen.

Wichtig ist auch, dass der Bericht über das ferne Land „Internet“ ausgewogen ist, denn zu viele nützliche Informationen verkraftet kein Zuschauer. Darum beginnt man meist mit irgendwelchen „ernsten“ Nachrichten, und arbeitet sich langsam zum erbaulichen Youtubevideo am Ende des Berichtes vor.

Dort haben wir dann eine Spraydosenanimation, einen niesenden Panda, oder irgendetwas anderes, was den Zuseher nach der Schilderung der Gefahren wieder auflockern soll. Auch hier bekommen wir keinen Link, denn immerhin ist das Video ja schon im Fernsehen, das bekanntlich viel mehr Leute erreicht, als das Internet.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Jul
09
2010
2

Abschließende Bemerkungen zur WM

Da haben uns Mathematiker, Physiker, Analysten (Also Börsenspekulanten) und weißnichtwer vorgerechnet, dass Deutschland die diesjährige WM gewinnen muss, doch nach dem Spiel gegen Spanien hat es sich in Deutschland erst einmal ausgetrötet.

Gott sei Dank. Erfrischend, nach einem Deutschlandspiel mal keine halbe Stunde Autokorso hören zu müssen, und auch die ganzen Deutschlandfahnen an den Autos haben mich langsam genervt. Von den rumtrötenden Kindern mal ganz abgesehen. Kaum machte man in den letzten Wochen das Fenster auf, hatte man einen guten Eindruck davon, wie sich wohl Benjamin Blümchens Familientreffen anhören würde.
Irgendjemand muss übrigens mal all die Fähnchen aus den Straßengräben sammeln, die sich durch den Fahrtwind von Autos gelöst haben. Die Fahrer der betreffenden Fahrzeuge tun es jedenfalls nicht.

Na ja. Also kein „Finaale, Oho! FinAAALÖ, OHOHOHO!!!“ diesmal. Soll mir recht sein. Und kein Fachmann konnte es vorhersehen. Kein menschlicher Fachmann, denn um den Spielausgang zu prophezeien brauchte es einen Kraken.
Der fröhliche, parapsychologisch begabte Kopffüßler hat – ehrlich wie er nun einmal ist – die Nationalität seines Brötchengebers ignoriert, und einfach mal gegen Deutschland, und für Spanien gestimmt.
Und wie wohl auch alle seine bisherigen Tipps zu Spielausgängen der WM 2010 war auch dieser richtig.

Was sagt uns das? Das sagt uns, dass ein Krake ohne Fußballvorwissen auch nicht schlechter die Zukunft vorhersagen kann, als ein Analyst, ein Physiker oder ein Statistiker. Wohlmöglich sogar besser, aber für Langzeitstudien wird der arme Paul leider nicht alt genug.
Wir sollten die Kraken die Banken leiten lassen, vielleicht geht es dann schnell raus aus der Krise!

Symbolbild: schon wimmelt es im Internet von Anti-Kraken-Propaganda. Der Krake soll hierbei einen Kraken darstellen.

Auch aus anderer Hinsicht ist das vorzeitige Ende der WM für Deutschland erfreulich:
Seit jeher ist es Tradition in der deutschen Politik eine Fußball-WM dazu zu benutzen, für den Bürger unvorteilhafte Gesetze schnell mal durchzuwinken, ohne dass die Medien allzu groß darüber berichten. So wurde in den letzten Wochen beschlossen die Krankenkassenbeiträge zu erhöhen. Allerdings nur auf Arbeitnehmerseite. Nicht nur das: In Zukunft dürfen die Krankenkassen über die Höhe von Zusatzgebühren auch noch völlig frei selbst bestimmen. Und Gesundheitsminister Rösler verkündet das auch noch stolz wie klein Fritzchen sein erstes Mal auf der großen Erwachsenentoilette.

Mehr Netto vom Brutto. Mehr Netto für die Krankenkassen von unserem Brutto, oder was?

Na ja, aber immerhin gibt es kein FinAAALÖÖÖH, und somit verschont man uns wohl vorerst mit den ganz dicken Kloppern.

Mögliche Geheimpläne der Regierung liegen wohl erst einmal auf Halde

Nur um eines ist es Schade: Man konnte an den Tagen der Deutschlandspiele immer herrlich gut essen gehen oder an den Strand. Sowohl Restaurants als auch der Strand waren dann immer schön leer.
Das werde ich schon ein wenig vermissen.

Jun
29
2010
6

Moralische-Zeigefinger-Schilder!

Es ist ja an sich schön, wenn Schilder einen direkt ansprechen, anstatt in gesichtslosen und unpersönlichen Nominalphrasen einfach irgendwelche Verbote zu konstatieren. Nicht ohne Grund habe ich ja schon die Höflichkeitsschilder besonders behandelt.
Ähnlich wie in Romanen, Songtexten und Folgen von Fernsehserien, wirkt aber auch bei Schildern ein übermäßig moralisch erhobener Zeigefinger eher nervig.

Erst einmal spricht uns dieses Schild in unserer Funktion als Bürger an. Bürger von was? Bürger von Leck? Bürger Deutschlands? Bürger der Welt? Das verrät uns das Schild nicht.
Sind nur die Einwohner Lecks an die Weisung des Lecker Bürgermeisters gebunden, oder sollen alle Bürger weltweit den folgenden Anweisungen folgen? Und warum das Ausrufezeichen, welches das komplette Schild wie eine Verballhornung einer Rede Julius Caesars wirken lässt?
Da könnte man ja gleich „Freunde! Lecker! Mitbürger!“ schreiben.
Dann die Information, dass hier Kinder spielen, die zwar als Begründung für die Gebote des Schildes durchaus positiv zu sehen ist, jedoch bei aller Liebe kein Ausrufezeichen benötigt.

Weiter geht es mit dem ersten Gebot, den Platz sauber zu halten. Hier kann man mit dem Ausrufezeichen arbeiten, obwohl es das Gebot wie einen Befehl klingen lässt. Und was genau heißt „Haltet den Platz sauber“ eigentlich? Handelt es sich nur um ein als Gebot getarntes Verbot der Abfallentsorgung, oder sind hier tatsächlich alle Bürger angehalten, stets auf Unrat zu achten, und ihn selbsttätig zu entsorgen?

Zum Schluss dann noch der ebenfalls mit Ausrufezeichen ausgestattete Befehl, jegliche Zuwiderhandler zu dennunzieren. Spätestens diese Aufforderung hinterlässt einen faden Beigeschmack, und beschwört eine finstere deutsche Vergangenheit herauf.

Das ein oder andere „Bitte“ hätte hier Wunder gewirkt, ebenso wie ein „Danke“ am Ende und allgemein ein sparsamerer Umgang mit dem Ausrufezeichen.

Das es den letzteren Punkt betreffend, noch schlimmer geht, sieht man jedoch zum Beispiel an folgendem Schild:

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Psychologisches | Schlagwörter:
Mai
30
2010
3

Tipps für Zeitreisende (in Star Trek)

1.) Fragen Sie die Einheimischen NIEMALS nach dem aktuellen Jahr. Das kann nur strunzendämlich wirken.

2.) Wollen Sie das Jahr herausfinden, sehen Sie in einer Zeitung nach. Finden Sie keine, sind Sie in der Zukunft.

3.) Kleiden Sie sich in Sternenflottenuniformen. Man wird diese für Pyjamas halten, aber Sie keinesfalls für einen Trekkie.

4.) Keine Panik, wenn sie in den 60ern landen. Die Leute da sind so zugedröhnt, dass noch nicht einmal Aliens sie großartig alarmieren. (gilt auch für Stargate)

4.) Vorsicht vor unbeabsichtigten Zeitreisen! Diese führen zu 90% zu gefährlichen Wendepunkten in der Geschichte.

5.) Halten Sie sich aus den Geschehnissen heraus. Sie würden nur alles durcheinanderbringen.

6.) Wenn Sie die Dinge hingegen schon durcheinander gebracht haben, können Sie ebensogut auch ordentlich auf die Kacke hauen.

7.) Ändern Sie etwas in der Vergangenheit, können ihre Freunde in der Zukunft die Auswirkungen beobachten.

8.) Stirbt eine historische Größe, nehmen Sie umgehend ihren Platz ein, um die Zeitlinie zu retten.

9.) Die historische Persönlichkeit wird Ihnen durch eine Besonderheit des Raumzeitkontinuums ähnlich sehen.

10.) Die veränderte Zeitlinie lässt sich oft mit nur wenigen gezielten Handgriffen 100%ig wieder herstellen lassen.

(wird vielleicht noch ausgebaut)

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: ,
Mai
03
2010
3

Schlaumeier-Schilder

Wir haben also nun bereits seltsam formulierte Verbotsschilder, Doppelbindungsschilder, Schilder mit verschiedenen Graden von Exklusivität und sehr höfliche Schilder kennengelernt.
Neulich ist mir aber eine weitere Sorte Schild aufgefallen: Die Schlaumeierschilder, die in Fachkreisen auch Paradoxienauslöser oder Roboterkiller genannt werden.

Während es sich bei Doppelbindungsschildern um zwei verschiedene Schilder handelt, die einander entgegengesetzte Weisungen enthalten, widerspricht sich ein echter Roboterkiller selbst, oder zumindest in Kombination mit einer allgemeinen Weisung außerhalb des Schildes.

Folgendes Schild markiert z. B. den Eingang zur Westerländer Fußgängerzone:

Dieses Schild enthält folgende Aussagen:

– Vernünftige fahren in diesem Bereich nicht Rad
– Wer hier Radfahren will, oder wer anstalten dazu macht, dem ist es verboten.

Außerdem impliziert das Schild auch noch folgende, weitere Aussagen:

– Wer in diesem Bereich Rad fahren will, oder dazu Anstalten macht ist unvernünftig
– Vernünftigen ist es nicht verboten hier Rad zu fahren. (Es ist ja nur allen anderen verboten)

Steht man nioht unter dem Zwang Rad fahren zu wollen, ist dieses Schild eher harmlos, wenn auch seltsam formuliert.
Dann gilt:

Ich will hier nicht Rad fahren, also bin ich vernünftig. Somit ist es mir zwar nicht verboten Rad zu fahren, aber ich würde es trotzdem nie tun.

Problematisch wird es, wenn man an sich gerne Radfahren möchte, es aber nicht tut, weil man vernünftig ist.
Dann würde gelten:

Ich will hier zwar Rad fahren, mache es aber nicht, weil ich vernünftig bin. Immerhin ist dies eine Fußgängerzone.
Da ich das – vernüftiger Weise – erkannt habe, verliert das Verbot nicht Rad zu fahren für mich an Gültigkeit, weil das Verbot ja nicht für Vernünftige gilt.
Ich will also losradeln, als ich merke, dass allein die Ausführung einer Radfahrhandlung dafür sorgen würde, dass ich in die Gruppe der „Unvernünftigen“ umgestuft werde, womit mir das radfahren wieder verboten ist.

Als Mensch hat man nun drei Optionen:

1.) Ich setze mich über das Verbot hinweg, und stecke weg, dass das Schild mich schon vorauseilend als „unvernünftig“ beschimpft hat, und nun auch noch im Recht ist.

2.) Ich halte mich an das Verbot, weil ich nicht will, dass das schnippische Schild mich für unvernünftig hält.

Oder 3.) Ich setze mich über das Verbot des Schildes alleine schon deswegen hinweg, weil es alle Betrachter quasi als „potentielle Unvernünftige“ bezeichnet, und ich mir als chronischer Querulant von Schildern keine Beleidigungen an den Kopf werfen lasse, und seien sie noch so potentiell!
Das Fahren meines Zweirades nutze ich somit als Weg, dem blasierten Schild zu zeigen, wo der Hammer hängt!! Das hat es nun davon, das blöde Schild!!! Ist in der Schule bestimmt immer verprügelt worden!!!! Viva la Revolucion!!!!!!

Ich weiß ja nicht, wie es dem geneigten Leser geht, aber bei „Fahrad fahren verboten!“ oder „Bitte absteigen!“ hätte ich mir diese Gedanken nicht gemacht.
Dieses Schild kommt aber wie ein Schlaumeier daher, und kategoriesiert seine Betrachter schon im Vorraus. Das macht das Schild höchst unsympathisch, wie ich finde.

Warum aber nennt man diese Schilder auch Roboterkiller?
Ganz einfach: Auch wenn man nicht glaubt, dass es einmal positronische Roboter geben wird, die nach Asimovs drei Gesetzen funktionieren, ist eines klar:
Das zweite Asimovsche Robotergesetz wird auch in der wirklichen Welt für humanoide Roboter gelten. Grob zusammengefasst lautet es:

Ein Roboter soll den Befehlen von Menschen gehorchen.

Ist ja klar, dass das gilt. Auf seine Weise gehorcht schließlich auch ein Toaster oder ein Videorecorder den Befehlen von Menschen, soweit er dazu fähig ist.
Technologie soll ja machen was man ihr sagt. Ansonsten hätte schon längst jemand einen Videorecorder erfunden, der statt der programmierten Sendungen zufällige andere aufnimmt.
Obwohl dies in Einzelfällen vorgekommen sein mag, war dies doch in keinem Fall die Intention der Entwickler des Gerätes.
Macht ein humanoider Roboter also nicht, was man sagt – wozu bräuchte man ihn dann? Eben.

Sie geben ihrer VCP3409-Einheit also folgenden Befehl:

„Bring dieses Päckchen bitte zu der und der Adresse. Fahr mit dem Rad, und bitte auf dem schnellsten Weg, es ist dringend.“

Der Android fährt mit seinem titanverstärkten Drahtesel also los, freudig zu dienen, bis er an obiges Schild kommt.
Das Schild enthält ein Verbot. Ein Verbot ist im Grunde genommen ein negativer Befehl, den der Roboter befolgen muss, weil das Schild von Menschen aufgestellt wurde.
Selbst wenn der Roboter zu dem Schluß käme, dass dieses Verbot nicht von „seinem Menschen“ (sprich Besitzer) ausgesprochen wurde, so ist ihm doch klar, dass es ein offizielles Schild ist, welches auch Menschen beachten müssen. Somit muss er es erst recht beachten.
VCP3409 steigt also ab, und will das Rad schieben. In dem Moment bemerkt er, dass er zu der Gruppe der Vernünftigen gehört, für die das Verbot nicht gilt. Also steigt er wieder auf, fährt einen Zentimeter, bis er merkt, dass er wieder zu den Unvernünftigen gehört, für die das Verbot gilt. Also steigt er wieder ab, merkt, dass er vernünftig ist, und steigt wieder auf, und so weiter…

Da es in dem dringlich vorgebrachten Befehl seines Besitzers keine Einschränkung für Fußgängerzonen gibt, gilt noch immer die Weisung mit dem Rad zum Ort der Ablieferung des Päckchens zu fahren.
Diese Weisung wird immer nur dann ausser Kraft gesetzt, wenn der Roboter tatsächlich Anstalten macht zu radeln. Ist er im Begriff nicht zu radeln, erscheint es ihm aber ohne weiteres möglich zu radeln.

Das Resultat:
Der arme VCP3409, der nur seinem Besitzer dienen wollte, ist in einer unauflöslichen Logikschleife gefangen.
Schon etwa 3 Sekunden, nachdem er den Text des Schildes gelesen hat, wird er aufhören sich für Menschen sichtbar zu bewegen, und nach gut einer dreiviertel Stunde ist sein Positronengehirn hoffnungslos überhitzt. Es kann nicht wieder hergestellt werden.
Je nachdem, um welchen Typ Gehirn es sich handelt, beginnt selbiges nach etwa einer Stunde deutlich sichbar zu schmoren, und wenn sich nach 16 Stunden noch immer niemand um den armen Roboter gekümmert hat, ist es sogar möglich, dass er explodiert. (Wenn seine Fusionsleiter schlecht gearbeitet sind)

Um sich dieses Phänomen zunutze zu machen, haben antipositronische Terrorgruppen solche Schilder schon gezielt eingesetzt, um Anschläge auf Roboter zu verüben.
Dabei wurden gezielt „Roboterkiller“ so formuliert, dass sie noch nichteinmal der vorherigen Aufforderung Rad zu fahren bedürfen:

Apr
21
2010
2

Rätselgrafitto

Ich fahre mehrmals die Woche an einem Sicherungskasten an der Strasse in Wenningstedt vorbei, und jedesmal frage ich mich, was das darauf abgebildete Grafitto zu bedeuten hat:

Was ist das? Ein Männlein in Daunenjacke mit sehr dickem linken Arm?
Ein mutierter Schmetterling? Oder doch ein abstraktes Portrait Werner Wernersens aus der kubistischen Phase von Rötger Feldmann?
Kann da jemand weiterhelfen?

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches | Schlagwörter: , ,
Apr
13
2010
6

Kleine Linksammlung: Was die Kirche zu den Mißbrauchsvorwürfen zu sagen hat

Ich habe bisher nicht über das Thema gebloggt, weil ich es über die Maßen ekelerregend und bestürzend finde.
Nicht nur die Mißbrauchsfälle selbst sind so grausig; noch grausiger finde ich, wie die Kirche mit den Vorwürfen umgeht.
Wie hilflos sich Vertreter der katholischen Kirche zu verteidigen suchen, und wie wahllos sie dabei um sich schlagen, will ich mit folgender kleiner Linksammlung einmal komprimiert darstellen.

Obwohl ich mich nicht über jeweiligen Tagesnachrichten hinaus mit dem Thema beschäftigt habe, finde ich, dass allein die Schlagzeilen schon für sich sprechen.
Ich empfehle trotzdem jedem sich weitergehend zu informieren, bevor er sich eine Meinung bildet.

21.03.2010 „Kampagne gegen die Kirche“
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller vergleicht die laufende Berichterstattung über die katholische Kirche mit der kirchenfeindlichen Haltung des NS-Regimes (Telepolis)

31.03.2010
Katholische Kirche
Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer ist völlig überlastet (SpOn)

12.04.2010
Connecticut bishops fight sex abuse bill
Die Bischöfe im US-Bundesstaat Connecticut versuchen eine Aufhebung der Verjährungsfrist für Missbrauchsverbrechen zu verhindern. (cnn.com)

12.04.2010
Report: Church abuse claims are ‚Zionist attack‘, bishop says
Ein pensionierter italienischer Bischof vermutet eine Verschwörung von Zionisten gegen die katholische Kirche, die für die momentane Kritik an den Missbrauchsfällen verantwortlich sei. (Haaretz.com)

Hier weiß ich nicht, wie glaubwürdig die Quelle ist, ich kenn die Seite nicht.

13.04.2010
Nr. zwei im Vatikan verbindet Pädophilie mit Homosexualität
Kardinal sucht Erklärungen für Missbrauchskandal – Lehmann verteidigt Papst (heute.de)

In Großbrittanien plant Atheismusikone Richard Dawkins derweil die Verhaftung des Papstes wegen der Verdunkelung von Mißbrauchsfällen:

11.04.2010
Richard Dawkins calls for arrest of Pope Benedict XVI
Richard Dawkins fordert Verhaftung von Papst Benedict XVI (richarddawkins.net)

Und dass der Vatikan jüngst den Beatles vergeben hat, scheint in dem Kontext eher eine Art Übersprungshandlung zu sein:

13.04.2010
Vergebung
Kaum ist es 40 Jahre her, dass sich die Beatles getrennt haben, schon hat der Vatikan den Pilzköpfen ihr lasterhaftes Leben verziehen. Doch zumindest Ringo Starr scheint das ziemlich egal zu sein. (süddeutsche)

Aber solch abstruse Wortmeldung gibt es ja nun nicht erst in letzter Zeit von Kirchenvertretern. In dieser etwas älteren Nachricht sucht auch wieder ein Kirchenmann die Schuld an den Mißbrauchsfällen an ungewohnter Stelle:

27.12.2010
Bishop of Tenerife blames child abuse on the children
Bernando Álvarez sagte es gäbe 13 jährige, die mißbraucht werden wollten, und ‚einen provozieren, wenn man unvorsichtig ist‘
(typicallyspanish.com)

Auch hier kenne ich die Quelle nicht näher.

Bei all diesem Quatsch könnte es sich bei folgendem tatsächlich um eine richtige Nachricht handeln, dabei handelt es sich nur um Satire. Erstaunlich, wie realistisch sie momentan schon klingt:

22.05.2002
Pope forgives molested children
Der Papst vergibt mißbrauchten Kindern (theonion.com)

Nachtrag
Einen hatte ich doch ganz vergessen:

16.02.2010
Katholische Kirche
Bischof Mixa gibt sexueller Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen

Apr
12
2010
1

Populismus Reloaded

Ich hab‘ ja neulich schon drüber geschrieben, wie die FDP in Form von Guido Westerwelle forderte, HartzIV-Empfänger mögen doch Schneeschippen, wie dann die SPD in Gestalt von Hannelore Kraft forderte, HartzIV-Empfänger sollten doch „freiwillig“ die Straßen fegen, weil man ihnen sonst das Geld kürzt und wie dann dieser ganz tolle Professor forderte HartzIV auf 5 Jahre zu begrenzen, um einen erhöhten Anreiz zur Jobsuche zu geben. Ho, ho.

Ausgerechnet von den Grünen, von denen man ja lange Zeit dachte, sie gehörten zu den Guten, kommt jetzt auch so ein doller Vorschlag: Hundehaufen zu Jobs
Grüne empfiehlt Hartz-Empfängern Beschäftigung (Neues Deutschland)

Der Vorschlag, der hier von Frau Hammerling von den Grünen kommt, ist zwar um einiges besser als die vorherigen menschenverachtenden Vorschläge von FDP, SPD und Professor X oben, weil die Grünenpolitikerin dort fordert, dass die HartzIVempfänger zum Hundescheißekontrollieren von der Stadt angestellt werden.
Somit wären es dann keine HartzIV-Empfänger mehr, die aus Angst vor ominösen „Sanktionen“ den Schnee schippen oder Westerwelle die Schuhe putzen müssen, nein, es wären Angestellte der Stadt, die richtig Geld bekommen für Arbeit.

Klingt dies alles auch so nett und blumig – jedenfalls im Vergleich zu den Forderungen anderer Parteien – stellt sich mir doch unweigerlich die Frage, warum Frau Hammerling bei all den mannigfaltigen Aufgaben, die auf Berlins Straßen nur so darauf warten, dass man staatliche Jobs aus ihnen macht, ausgerechnet die Hundekacke als Beispiel verwendet?
Hätte man nicht Falschparker oder Leute die illegal Müll abladen als Beispiel nehmen können? Frau Hammerling erwähnt viele öffentliche Aufgaben, die für mögliche neue Stadtangestellte quasi schon bereitliegen würden. Warum kommt sie ausgerechnet mit der ekligsten Aufgabe, und will sie HartzIV-Empfängern auf’s Auge drücken?

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Politisches,Psychologisches | Schlagwörter: ,