Impactsuspect » Politisches
Mrz
03
2010
4

Aus, der Traum…

Ich bin heute über einen schönen Fall von zufällig entstandener Kunst gestoßen. In Niebüll an den Bahnschranken steht eine Plakatwand, auf der vor einigen Monaten wohl noch ein Wahlplakat der SPD mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten hing. Mittlerweile ist der ja Oppisitionsführer, nachdem die SPD bei den Bundestagswahlen ja eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Partei eingefahren hat.

Nun, das Plakat ist wohl mehrmals überklebt und wieder freigerissen worden, und sieht momentan so aus:

Schauen wir uns das Werk des Künstlers Zufall doch mal im Detail an:

Der Blick wird des Betrachters wird sofort von dem Fragment des Portraits des damals noch amtierenden Aussenministers eingefangen.  Seine Augen lächeln, und auch das sichtbare Grübchen auf seiner rechten Wange legt den Schluß nahe, dass Frank Walter Steinmeier ein fröhliches Gesicht hinter den Überklebungen zur Schau stellt. Das Lächeln sieht ehrlich und optimistisch aus.

Die ganze rechte Hälfte der Plakatwand zieren die Überreste einer Werbekampagne der Sparkasse, deren Rot dem der SPD zumindest sehr ähnlich sieht.  Was auch immer im Zentrum der Sparkassenwerbung zu sehen war, wir sehen nur einen Oberarm im Anzug, dahinter einen grauen Hintergrund mit einem ebenso grauen Ölgemälde. Wohl ein Portrait, das allerdings durch ein herunterlappendes Plakatstück verdeckt ist. Von dem nicht mehr lesbaren Werbeslogan ist nur noch ein eben so lesbares „kasse.“ in weiß auf rotem Grund übrig.

Auf der linken Hälfte sitzt Steinmeier ein großer grüner Flatsch auf dem Kopf, der stirnwärts auf den Kopf Steinmeiers eindringt. Steinmeiers Mund ist mit einem undefinierbaren blauen Klecks verklebt.

Nehmen wir einmal an, dies sei eine postmoderne Collage, die irgendein Küstler – Nennen wir ihn einmal Meister Zufall – geschaffen hätte. Was wollte uns der Künstler wohl damit sagen?

Ich will mich mal an einer Interpretation versuchen:

Steinmeier ist fröhlich optimistisch wie eh und je. Er steht noch immer da, wo er vor der Wahl stand, obwohl von allen Seiten Fremdkörper auf ihn eindringen. Die Grünen sitzen ihm in den Haaren. Vielleicht eine Mahnung an das rot-grüne Versprechen, das noch aus Regierungszeiten Schröders stammt?

Sieht der Klecks nicht aus, als wolle er Steinmeiers Kopf umfassen, ja fast greifen, um das einst gegebene Versprechen einer gemeinsamen Regierungsbildung einzufordern? Doch Steinmeiers linkes Ohr ist abgeschnitten. Dies könnte die Weigerung der SPD bedeuten, mit der Linkspartei auf Bundesebene auch nur eine Regierungsbildung zu erwägen.  Dort wo sein linkes Ohr sein sollte, sieht man nur ein graues Büro. Ein graues Büro, mit dem ominös wirkenden Wort „kasse.“ auf SPD-farbenem Grund.  Symbolisiert die rechte Hälfte des Plakats die Sozialreformen aus schröderscher Zeit? Arbeitet die Person, deren linken Oberarm wir sehen etwa an der Agenda 2010?

Es heißt ja „kasse.“, nicht „Kasse“ oder „kasse“. Die Kleinschreibung deutet klar auf eine gewisse Beiläufigkeit oder Routine hin, und der Punkt scheint dafür zu stehen, dass nach der „kasse“ eben Schluss ist.  „Agenda 2010 und Schluß!“ ruft uns dieser kleine weiße Punkt zu. Unauffällig aber endgültig.

Der blaue Klecks versperrt Steinmeiers Mund. Und hört man nicht auch mittlerweile ziemlich wenig von ihm? Wenn man die Nachrichten anschaltet, dann geht es meist nur um die Regierung. Entweder Merkel meldet sich zu irgendeinem Thema zu Wort, oder Steinmeiers Amtsnachfolger macht von sich reden. Der ist überhaupt aus den Nachrichten kaum mehr wegzubekommen.

Ist das vielleicht der Grund für Steinmeiers verhülltes Lächeln? Lacht er uns aus? Will er uns sagen „Seht ihr? Ich war doch besser als der, oder? Da seht ihr, was ihr davon habt!“

Wenn ich so drüber nachdenke, hat meine alte Englischlehererin aus Realschulzeiten auch immer ähnlich geschaut, wenn die Klasse außer Rand und Band war, und sie nur schmunzelnd sagte: „Tut euch keinen Zwang an! Ich kann auch später anfangen, mein Geld bekomme ich ja sowieso!“

In seiner Gesamtheit stimmt das Werk aber dann doch eher traurig.  Ich kann nicht genau sagen warum.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter: , ,
Feb
27
2010
4

Ich war’s nicht! Der böse Mann mit der Narbe war’s!

Ich finde es erstaunlich, dass Westerwelles durchsichtige Kampange gegen HartzIV-Empfänger scheinbar tatsächlich für bessere Umfrage-Ergebnisse der FDP sorgt.
Ich meine, die wirtschaftsliberale Politik, die auch die FDP verfolgt, hat ja überhaupt erst für die momentane Finanzkrise, und die Massenarbeitslosigkeit gesorgt, und nun sollen die eindeutigen Verlierer dieser Krise auch noch selbst und alleinig dran schuld sein? Und das während man unter Börsenmaklern abends schon wieder Champagner trinkt?

All das erinnert mich an diese albernen Kriminalgeschichten, wo der eigentliche Hauptverdächtige sich herauszureden versucht, indem er einen unbekannten Einbrecher erfindet, meist rothaarig und mit einer Narbe quer übers Gesicht, der leider auf der Flucht ist…

Aber wen wundert sowas bei der FDP mal, ganz ehrlich?
Das Zugangserschwerungsgesetz, dass letzte Woche Mittwoch vom Bundeshorst unterschrieben wurde, ist ja nun Dienstag auch in Kraft getreten, obwohl die FDP es nach den Koalitionsverhandlungen mit der CDU schon als quasi „abgeschafft“ deklariert hat.
Nun haben wir den Salat! Toll gemacht, FDP! Super-Job macht ihr da!
Und neben Bürgerrechten und (haha!) Wirtschaftskompetenz, warum haben sonst noch Leute die FDP gewählt? Wegen des Datenschutzes?
Nun, das war wohl auch ein Schuß in den Ofen. Da macht die CDU jetzt schon mal einen erstaunlich gut klingenden Vorschlag zum Datenschutz, nämlich, dass eine Firma, die Daten über einen bunkert, einen zumindest einmal im Jahr anschreibt, damit man wenigstens weiß, was für Daten die über einen haben.
Was sagt die Datenschutzpartei FDP darüber? Findet sie doof. Das ist ja viel zu viel Arbeit und Bürokratie. Überhaupt dieser ganze Papierkrieg… gegen den ist die FDP ja auch.
Deregulierung ist also ein weiterer der Punkte, weswegen man die FDP vielleicht hätte zu wählen müssen glauben können. Abschaffung von Bürokratie… stromlinienförmige Verwaltung und so.
Was haben wir statt dessen? ELENA, das Dennunziationssammelprogramm für den Arbeitgeber. Hier werden zentral Daten über Arbeitnehmer gesammelt, und man hat als Arbeitgeber auch noch jeden Monat tolle elektronische Formulare zum Ausfüllen, die einem die sowieso spärliche Zeit wegfressen.

Kein Wunder, die FDP zeigt bei dieser Bilanz in ihren „Kernkompetenzen“ auf den rothaarigen Einbrecher mit der Narbe!

Und die Presse dankt Westerwelle dann auch noch, weil er mit seinen „offenen Worten“ eine „Diskussion angestoßen“ habe.
Herr, wirf‘ Hirn vom Himmel!

Feb
17
2010
5

Zensurselhorst

Oder wie es kam, dass Bundespräsident Köhler doch noch seinen Horst unter das Zugangserschwerungsgesetz setzte:

Wer’s immer noch nicht glauben will: Ja es ist wahr. Der hat den Schinken unterschrieben. Sogar heise berichtet schon drüber.

Written by Heiko C. in: Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Feb
13
2010
3

Aber Daten kann man doch gar nicht klauen!

Weil es nämlich keine Sachen sind, wie etwa ein Toaster oder eine Markenjacke. Daten sind ja eigentlich gar nicht da. Darum kann man sie auch nicht klauen.

Nein, dies ist kein Plädoyer für die Legalisierung von Raubkopien, sondern die Ansicht der bayrischen Justizministerin.

Wie heise berichtet, hat diese sich im Münchener Merkur zu den Vorwürfen und Vorbehalten geäußert, die viele Menschen zum umstrittenen Kauf der CD mit ausgespähten Schweizer Bankdaten vorgebracht haben. (Hab ich ja auch schon kurz was drüber geschrieben)

Frau Merk, die Justitzministerin von Bayern jedenfalls dazu:

„Da Daten anders als Autos oder Handys keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Und wo es keine gestohlene Ware gibt, da gibt es auch keine Hehlerei.“

Dann ist ja alles klar. Warum gibt es dann aber einen Hackerparagraphen, und warum gibt es überhaupt so etwas wie „Ausspähung von Daten“ und warum ist das dann verboten? Daten sind doch keine Handys?

Und wenn man Hacker – immer vorausgesetzt das Ausspähen von Daten ist wirklich verboten, ich bin mir da selbst nicht mehr so sicher – dafür bezahlt, dass sie einem illegal beschaffte Daten geben, schafft man so nicht einen Anreiz, dass andere es nachmachen, und ihrerseits Daten ausspähen, um diese der Bundesregierung oder sonstwem zu verkaufen?
Auch auf diese Frage hat Frau Merk eine Antwort:

„Die deutschen Steuerbehörden haben ja gerade keine Belohnung dafür versprochen, dass sich der Informant diese Bankdaten rechtswidrig beschafft; die hatte er ja schon, als er erstmals auf die Behörden zukam.“

Wenn Terroristen jemanden im Ausland entführen, und man denen Lösegeld bezahlt, war die bisherige Argumentation doch immer, dass wenn bekannt ist, dass man bereit ist Lösegeld zu zahlen, dass dies einen Anreiz für weitere Entführungen schafft.
Was ist anders in Beziehung auf diese Bankdaten-CD?

Aber mal abgesehen von dem allen, hat die Schweizer Regierung nun eine Art „Gegenschlag“ angedroht, wie bei fefe nachzulesen ist. Gefunden hat er das in der Süddeutschen Zeitung:

Im Streit über den Ankauf von Steuersünder-Daten kommt aus der Schweiz nun die Drohung, bislang geheime Konten von deutschen Politikern und Amtsträgern zu veröffentlichen. „Falls Deutschland gestohlene Bankdaten kauft, werden wir auf eine Gesetzesänderung hinarbeiten, dass sämtliche Schweizer Konten von deutschen Personen, die öffentliche Ämter bekleiden, offengelegt werden“, wird der schweizerische Nationalrat Alfred Heer von der Bild-Zeitung zitiert.

Mahahaha! Das ist ja mal drollig. Aber eigentlich folgerichtig: Wenn es kein Bankgeheimnis mehr geben soll, dann eben auch für gar keinen. Und unsere Politiker haben ja sicher nichts zu verbergen.
Sicher hilft die Offenlegung von all diesen Konten nur dabei, dass die „deutschen Personen in öffentlichen Ämtern“ mal wieder einen Überblick über ihre Finanzen bekommen.
Immerhin hat ja mal unser derzeitiger Finanzminister über einen signifikanten Zeitraum hinweg vergessen, dass er 100.000 Mark in einer Schublade hatte.

Vielleicht könnte man mit all dem „vergessenen“ Geld, welches auf diese Weise wieder in Erscheinung tritt, das Haushaltsloch stopfen. 😉

Da ich weder Steuerhinterzieher noch „deutsche Person in öffentlichem Amt“ bin, kann ich mich diesbezüglich bequem zurücklehnen, und die Show genießen.
Endlich mal gruselige Politik, die einen aufregt, aber immerhin kaum persönlich tangiert.

Jan
20
2010
9

Schlumpfkatzhontas

Kaum ein Film hat die Öffentlichkeit schon im Vorfeld so polarisiert, wie James Camerons Science-Fiction-Öko-Drama „Avatar“. Und auch jetzt, nachdem ihn wohl schon jeder im Kino gesehen hat, der ihn im Kino sehen wollte,  gehen die Diskussionen noch weiter.  Die einen können sich noch nicht entscheiden, ob sie die tolle neue 3D-Technologie nun gut finden, und die anderen werfen dem Film – nicht ganz unbegründet – vor, dass es sich nur um einen Abklatsch von „Pocahontas“, „Ferngully“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ handelt.
Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter:
Jan
19
2010
3

Neuigkeiten kurz verlinkt:

Mann wird verhaftet, weil er was auf Twitter gepostet hat:
LINK!

In Italien darf man ab demnächst keine Videos ins Netz stellen, ohne dass diese von den Behörden genehmigt wurden:
LINK! NOCH’N LINK!

Roland Koch will Zwangsarbeit für HartzIV-Empfänger:
LINK!
Kommentar dazu:
LINK!

Es gibt mittlerweile sogar schon Vampirorangen:
LINK!

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jan
16
2010
4

Nacktscannerdebatte nur Ablenkung – Natürlich geht’s noch immer um Internetzensur

Breaking News: Wieder einmal soll der Jugendschutz dafür herhalten, das Internet – ähnlich wie in China – zu einem streng kontrollierten staatlichen Propagandainstument zu machen. Die Debatte um die blödsinnigen Nacktscanner ist wohl nur eine der Politik willkommene Ablenkung, welche die Augen der Öffentlichkeit vor der klammheimlichen Installation umfassender Internetzensur zu verschießt.

Was für ein antidemokratischer Angriff auf die Meinungs und Informationsfreiheit der Entwurf des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages ist, darüber kann man sich bei Alvar Freude vom AKZensur und hier bei Common Nonsense ein Bild machen.

Wieder ist der gleiche alte Schrott von „Sendezeitbegrenzungen“ im Internet enthalten, ebenso wie die Kriminalisierung aller Provider, die sich an die Netzneutralität halten: In Zukunft sollen die Provider z.B. dafür verantwortlich gemacht werden, wenn irgendwo ein Teenager auf eine Pornoseite klickt.

Wisst ihr wer sowas meiner Meinung nach verhindern sollte? DIE ELTERN verdammt noch eins! Macht man den Provider dafür verantwortlich, dass ein Kind eine Pornoseite ansurft, dann sollte man konsequenterweise auch den Zeitschriftenhändler dafür verantwortlich machen, dass ein Kind einen Playboy aus dem Schuhkarton unter dem Bett seiner Eltern angelt.

Das ist doch hirnrissig, verdammte Axt! Und was bleibt vom Internet, wenn tatsächlich alle Inhalte, die irgendjemand irgendwo für „jugendgefährdend“ halten könnte, sicherheitshalber gleich gar nicht mehr von den Providern weitergeleitet werden? Es geht da ja nicht nur um Pornos, sondern auch um Filmtrailer, Fanfiction und auch um politische Inhalte. Da steht zwar was von „verfassungsfeindliche“, „zum Hass gegen nationale, rassische, religiöse Gruppen aufstachelnde“, „grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildernde“ , „den Krieg verherrlichende“ oder „gegen die Menschenwürde verstoßende“ Inhalte aber wie soll der Provider ad hoc entscheiden, was unter diese Kategorien fällt? Und wo fängt eigentlich Pornografie an? Bei Michelangelos David? Wie sieht wohl ein „Internet ab 6 Jahren“ aus?

Im Grunde genommen sprechen wir um Zensursula x 10.000.

Nachtrag: Sicher sind die Nacktscanner auch immernoch Scheiße, aber ich halte es für falsch, in Anbetracht von etwas, was der Abschaltung des freien Internets gleichkommen würde, die Nacktscanner als die momentan größte von der Politik geplante Schweinerei an den Pranger zu stellen, und darüber alle anderen – und meiner Meinung nach schlimmeren – Freiheitswegnahmen auszublenden.

Nachtrag2:

via Sempervideo

Noch ein Nachtrag: Das ganze nochmal durch die Brille anwaltlichen Know-Hows bei Internet-Law

Jan
14
2010
7

Kampf der Titanen: China gegen Google

Es ist ja mittlerweile durch die Rundfunk- und Holzmedien gegangen, und jeder zweite Blog schreibt sowieso drüber, aber ich muss das Thema trotzdem nochmal aufgreifen:

Google stellt bei seinem Chinadienst die politische Inhaltsfilterung aus.
Das hört sich ja erst einmal gut an, wenn man mal davon absieht, dass Google bei den Suchmaschinen in China eher die dritte Geige (oder den dritten Kontrabass, wenn man so will) spielt.
In den Holzmedien, wie hier bei SpOn ist von 30% Marktanteil zu lesen an guten Tagen liegt der aber wohl eher bei 20 – 24%. (Fragt mich nicht, wo ich das gelesen hab, weißnichtmehr) Trotzdem googelte bis vor kurzem immerhin noch etwa ein Fünftel aller Online-Chinesen.

Was ist nun passiert?
Nun, es kam wohl zu Hackingangriffen auf Google, für die Google scheinbar die chinesische Regierung – zumindest mittelbar – verantwortlich macht. Es soll nicht nur versucht worden sein die Gmailkonten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten zu hacken, nein, Gerüchte besagen, dass die Chinesen jetzt auch irgendwelche Protokolle haben, die Google eigentlich für die Antiterrorabteilung der US-Regierung führt. Sowas wie unsere Vorratsdatenspeicherung, glaube ich.

Google hat sich dann erst mal mit der US-Regierung abgesprochen, und dann China den Cyberkrieg erklärt, wenn man es so nennen will.
Wenn China trotz Googles Zugeständnissen an die Netzzensur im Reich der Mitte trotzdem noch versucht Google zu hacken, dann macht halt Google ab sofort keine Zugeständnisse mehr.
Das hieße wohl, dass Google in China zugemacht wird, aber Googles „humanitäres Programm“ ist in China ja sowieso nicht aufgegangen. Eigentlich war ja der Plan sich in China unentbehrlich zu machen – wie im Rest der Welt – um dann Menschenrechts- und Antizensurforderungen stellen zu können.
Da hat Google bei den Chinesen aber wohl auf einen besonders harten Granitkeks gebissen.

Pessimistische Unken mögen mosern: „Google und China! Das sind doch beides Datenkraken, wo ist denn da eigentlich der Unterschied? Mir doch egal, wenn die sich streiten!“

Trotz aller Skepsis, die ich der Datensammelwut Googles gegenüber für angebracht halte, sehe ich das jedoch ein wenig anders.
Allein die Ziele der beiden Giganten sind ganz andere: Während Google eine Firma ist, die im Grunde genommen nur ihr Produkt verkaufen will, ist China ein Staat, der gerne weiterhin die absolute Macht über seine Untertanen ausüben will.
Denken wir die Ideologien der beiden bis zum pessimistischten Ende durch, so geht China in Richtung Orwells „1984„, während sich Google eher in Richtung „Schöne neue Welt“ von Huxley bewegt.
Ich gebe zu, dass das nur eine Annäherung an die Wahrheit sein kann, denn Google will ja schließlich weder ein Kastensystem, noch dass Menschen in Massenklonung hergestellt werden, aber so in etwa, finde ich, haut es hin.

Im schlimmsten Fall will Google die Masse quasi „kontrollieren“ indem es ihr die richtige Information oder Werbung zur richtigen Zeit präsentiert. Google will die Menschen zufrieden machen.
Dass Google so viele Daten sammelt… – hey, das passiert doch nur, damit Google seine Kunden noch zufriedener machen kann!
Natürlich kann man diese Daten auch mißbrauchen, natürlich kann auch Google Zensur ausüben. Die machen das sogar schon. Auch in Deutschland werden Suchergebnisse ausgefiltert, die in Deutschland gegen Gesetze verstoßen.
Google weist aber darauf hin, dass es ausfiltert.
Dass mir Google Werbung schickt, die auf meinen Suchanfragen basiert, oder dem, was ich in meinen Emails schreibe? Sehr, sehr nervig, aber es gibt dann doch schlimmeres.

China hingegen: China will am liebsten die Geschichte täglich umschreiben, und solche Ereignisse wie das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens ganz aus der Vergangenheit streichen.
Ganz so wie potentiell gefährliche oder aufrüherrische Worte einen chinesischen Computer, der mit der Green-Damm-Software läuft, zum Absturz bringen.
Um ein Haar wäre diese Software ja Pflicht für alle chinesischen Computer geworden.
Sowas ist nichts anderes als Aussiebung von „Verbrechendenk“ durch eine elektronische „Gedankenpolizei“.

Da ziehe ich Huxleys Welt jeden Tag vor, wenn ich die Wahl zwischen dieser und der von Orwell habe.
Viele Chinesen sehen das scheinbar ähnlich, wie ein weiterer SpOn-Artikel schreibt.
Herrje, bei Huxleys „Schöne neue Welt“ sind sich ja noch nicht einmal die Literaturexperten einig, ob das wirklch eine Dysutopie sein soll.

Es gibt auch chronische Miesmacher, die sagen: „Alles nur ein gelungener PR-Gag von Google! Nur möglich, weil deren Geschäft in China sowieso nicht die Erwartungen erfüllt!“

Denen möchte ich einen Tweet vom elektrischen Reporter ans Herz legen:

Und wisst Ihr was? Mir ist lieber, Unternehmen tun aus PR-Gründen das Richtige, als dass sie es nicht tun. #googlecn

Seh‘ ich genauso!

Nachtrag: Eine Zusammenstellung von Beiträgen zu dem Thema findet sich noch bei Netzpolitik.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Jan
12
2010
--

Blick in die Zukunft der Rundfunkgebühr

Wer wissen will, was die Helden von der Westerwellepartei momentan grad in Hinblick auf die GEZ und so planen, der mag mal hier bei Ti_Leo oder beim Pinguinmädchen nachlesen.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jan
08
2010
--

Nackedeispannerstrahler III.: Full frontal nudity (in color)

„Vati, Vati, wo kommen all diese Verschwörungstheorien her?“
„Nun, Kind, einige haben ihren Ursprung bei der Bildzeitung!“

Wo fang‘ ich am besten an?

Nun die BILD hat ja scheinbar den Namen „Nacktscanner“ für die umstrittenen „Körperscanner“ geprägt, über die ich schon ein paar mal geschrieben habe, und die an Flughäfen eingesetzt werden sollen, um Fluggäste elektronisch von ihren Kleidern zu befreien.
Im Zuge dessen veröffentlichte die Bild auch einige – offenbar nicht als solche gekennzeichnete – Symbolfotos, die zeigen sollen, wie die Bilder von diesen Nacktscannern denn aussehen könnten.
Diese Bilder waren irgendwie merkwürdig, und verschiedene Leute haben verschiedene Schlüsse aus ihnen gezogen.

Bei Bildblog kam man zu dem Schluß, dass die Fotos im Grunde nur Negative von Bildern einer nackten Frau sind, die man bei einer Agentur für Symbolbilder zum Einbinden in seine mehr oder weniger journalistischen Artikel kaufen kann.

Bei Infowars.com kommt man hingegen zu der Konklusion, dass es sich tatsächlich um den Output dieser Nacktscanner handelt, und man diesen Output nur negativieren muss, um lebensechte Nacktbilder zu erhalten.

Wer da nun Recht hat, davon mag sich jeder selbst ein Bild machen, aber zum Vergleich hier nochmal das Video von einem tatsächlichen Nacktscanner bei der Arbeit.

Ich finde ja, das Konzept der Nacktscanner ist an sich schon gruselig genug. Da ist es mir als Fluggast auch egal, ob die Abbildung meines Körpers nun in Technicolor oder monochrom ist.
Recherchiert man seine Kritik an der Regierung, der Neuen Weltordnung oder was auch immer jedoch nicht gründlich genug, oder hübscht diese mit Halbwahrheiten auf, muss man sich nicht wundern, wenn einem Verschwörungstheoretisiererei vorgeworfen wird.

Im Kampf gegen einen globalen Überwachungsstaat oder ähnliches, ist sowas meines Erachtens nach kontraproduktiv.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,

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Mrz
03
2010
4

Aus, der Traum…

Ich bin heute über einen schönen Fall von zufällig entstandener Kunst gestoßen. In Niebüll an den Bahnschranken steht eine Plakatwand, auf der vor einigen Monaten wohl noch ein Wahlplakat der SPD mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten hing. Mittlerweile ist der ja Oppisitionsführer, nachdem die SPD bei den Bundestagswahlen ja eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Partei eingefahren hat.

Nun, das Plakat ist wohl mehrmals überklebt und wieder freigerissen worden, und sieht momentan so aus:

Schauen wir uns das Werk des Künstlers Zufall doch mal im Detail an:

Der Blick wird des Betrachters wird sofort von dem Fragment des Portraits des damals noch amtierenden Aussenministers eingefangen.  Seine Augen lächeln, und auch das sichtbare Grübchen auf seiner rechten Wange legt den Schluß nahe, dass Frank Walter Steinmeier ein fröhliches Gesicht hinter den Überklebungen zur Schau stellt. Das Lächeln sieht ehrlich und optimistisch aus.

Die ganze rechte Hälfte der Plakatwand zieren die Überreste einer Werbekampagne der Sparkasse, deren Rot dem der SPD zumindest sehr ähnlich sieht.  Was auch immer im Zentrum der Sparkassenwerbung zu sehen war, wir sehen nur einen Oberarm im Anzug, dahinter einen grauen Hintergrund mit einem ebenso grauen Ölgemälde. Wohl ein Portrait, das allerdings durch ein herunterlappendes Plakatstück verdeckt ist. Von dem nicht mehr lesbaren Werbeslogan ist nur noch ein eben so lesbares „kasse.“ in weiß auf rotem Grund übrig.

Auf der linken Hälfte sitzt Steinmeier ein großer grüner Flatsch auf dem Kopf, der stirnwärts auf den Kopf Steinmeiers eindringt. Steinmeiers Mund ist mit einem undefinierbaren blauen Klecks verklebt.

Nehmen wir einmal an, dies sei eine postmoderne Collage, die irgendein Küstler – Nennen wir ihn einmal Meister Zufall – geschaffen hätte. Was wollte uns der Künstler wohl damit sagen?

Ich will mich mal an einer Interpretation versuchen:

Steinmeier ist fröhlich optimistisch wie eh und je. Er steht noch immer da, wo er vor der Wahl stand, obwohl von allen Seiten Fremdkörper auf ihn eindringen. Die Grünen sitzen ihm in den Haaren. Vielleicht eine Mahnung an das rot-grüne Versprechen, das noch aus Regierungszeiten Schröders stammt?

Sieht der Klecks nicht aus, als wolle er Steinmeiers Kopf umfassen, ja fast greifen, um das einst gegebene Versprechen einer gemeinsamen Regierungsbildung einzufordern? Doch Steinmeiers linkes Ohr ist abgeschnitten. Dies könnte die Weigerung der SPD bedeuten, mit der Linkspartei auf Bundesebene auch nur eine Regierungsbildung zu erwägen.  Dort wo sein linkes Ohr sein sollte, sieht man nur ein graues Büro. Ein graues Büro, mit dem ominös wirkenden Wort „kasse.“ auf SPD-farbenem Grund.  Symbolisiert die rechte Hälfte des Plakats die Sozialreformen aus schröderscher Zeit? Arbeitet die Person, deren linken Oberarm wir sehen etwa an der Agenda 2010?

Es heißt ja „kasse.“, nicht „Kasse“ oder „kasse“. Die Kleinschreibung deutet klar auf eine gewisse Beiläufigkeit oder Routine hin, und der Punkt scheint dafür zu stehen, dass nach der „kasse“ eben Schluss ist.  „Agenda 2010 und Schluß!“ ruft uns dieser kleine weiße Punkt zu. Unauffällig aber endgültig.

Der blaue Klecks versperrt Steinmeiers Mund. Und hört man nicht auch mittlerweile ziemlich wenig von ihm? Wenn man die Nachrichten anschaltet, dann geht es meist nur um die Regierung. Entweder Merkel meldet sich zu irgendeinem Thema zu Wort, oder Steinmeiers Amtsnachfolger macht von sich reden. Der ist überhaupt aus den Nachrichten kaum mehr wegzubekommen.

Ist das vielleicht der Grund für Steinmeiers verhülltes Lächeln? Lacht er uns aus? Will er uns sagen „Seht ihr? Ich war doch besser als der, oder? Da seht ihr, was ihr davon habt!“

Wenn ich so drüber nachdenke, hat meine alte Englischlehererin aus Realschulzeiten auch immer ähnlich geschaut, wenn die Klasse außer Rand und Band war, und sie nur schmunzelnd sagte: „Tut euch keinen Zwang an! Ich kann auch später anfangen, mein Geld bekomme ich ja sowieso!“

In seiner Gesamtheit stimmt das Werk aber dann doch eher traurig.  Ich kann nicht genau sagen warum.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter: , ,
Feb
27
2010
4

Ich war’s nicht! Der böse Mann mit der Narbe war’s!

Ich finde es erstaunlich, dass Westerwelles durchsichtige Kampange gegen HartzIV-Empfänger scheinbar tatsächlich für bessere Umfrage-Ergebnisse der FDP sorgt.
Ich meine, die wirtschaftsliberale Politik, die auch die FDP verfolgt, hat ja überhaupt erst für die momentane Finanzkrise, und die Massenarbeitslosigkeit gesorgt, und nun sollen die eindeutigen Verlierer dieser Krise auch noch selbst und alleinig dran schuld sein? Und das während man unter Börsenmaklern abends schon wieder Champagner trinkt?

All das erinnert mich an diese albernen Kriminalgeschichten, wo der eigentliche Hauptverdächtige sich herauszureden versucht, indem er einen unbekannten Einbrecher erfindet, meist rothaarig und mit einer Narbe quer übers Gesicht, der leider auf der Flucht ist…

Aber wen wundert sowas bei der FDP mal, ganz ehrlich?
Das Zugangserschwerungsgesetz, dass letzte Woche Mittwoch vom Bundeshorst unterschrieben wurde, ist ja nun Dienstag auch in Kraft getreten, obwohl die FDP es nach den Koalitionsverhandlungen mit der CDU schon als quasi „abgeschafft“ deklariert hat.
Nun haben wir den Salat! Toll gemacht, FDP! Super-Job macht ihr da!
Und neben Bürgerrechten und (haha!) Wirtschaftskompetenz, warum haben sonst noch Leute die FDP gewählt? Wegen des Datenschutzes?
Nun, das war wohl auch ein Schuß in den Ofen. Da macht die CDU jetzt schon mal einen erstaunlich gut klingenden Vorschlag zum Datenschutz, nämlich, dass eine Firma, die Daten über einen bunkert, einen zumindest einmal im Jahr anschreibt, damit man wenigstens weiß, was für Daten die über einen haben.
Was sagt die Datenschutzpartei FDP darüber? Findet sie doof. Das ist ja viel zu viel Arbeit und Bürokratie. Überhaupt dieser ganze Papierkrieg… gegen den ist die FDP ja auch.
Deregulierung ist also ein weiterer der Punkte, weswegen man die FDP vielleicht hätte zu wählen müssen glauben können. Abschaffung von Bürokratie… stromlinienförmige Verwaltung und so.
Was haben wir statt dessen? ELENA, das Dennunziationssammelprogramm für den Arbeitgeber. Hier werden zentral Daten über Arbeitnehmer gesammelt, und man hat als Arbeitgeber auch noch jeden Monat tolle elektronische Formulare zum Ausfüllen, die einem die sowieso spärliche Zeit wegfressen.

Kein Wunder, die FDP zeigt bei dieser Bilanz in ihren „Kernkompetenzen“ auf den rothaarigen Einbrecher mit der Narbe!

Und die Presse dankt Westerwelle dann auch noch, weil er mit seinen „offenen Worten“ eine „Diskussion angestoßen“ habe.
Herr, wirf‘ Hirn vom Himmel!

Feb
17
2010
5

Zensurselhorst

Oder wie es kam, dass Bundespräsident Köhler doch noch seinen Horst unter das Zugangserschwerungsgesetz setzte:

Wer’s immer noch nicht glauben will: Ja es ist wahr. Der hat den Schinken unterschrieben. Sogar heise berichtet schon drüber.

Written by Heiko C. in: Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Feb
13
2010
3

Aber Daten kann man doch gar nicht klauen!

Weil es nämlich keine Sachen sind, wie etwa ein Toaster oder eine Markenjacke. Daten sind ja eigentlich gar nicht da. Darum kann man sie auch nicht klauen.

Nein, dies ist kein Plädoyer für die Legalisierung von Raubkopien, sondern die Ansicht der bayrischen Justizministerin.

Wie heise berichtet, hat diese sich im Münchener Merkur zu den Vorwürfen und Vorbehalten geäußert, die viele Menschen zum umstrittenen Kauf der CD mit ausgespähten Schweizer Bankdaten vorgebracht haben. (Hab ich ja auch schon kurz was drüber geschrieben)

Frau Merk, die Justitzministerin von Bayern jedenfalls dazu:

„Da Daten anders als Autos oder Handys keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Und wo es keine gestohlene Ware gibt, da gibt es auch keine Hehlerei.“

Dann ist ja alles klar. Warum gibt es dann aber einen Hackerparagraphen, und warum gibt es überhaupt so etwas wie „Ausspähung von Daten“ und warum ist das dann verboten? Daten sind doch keine Handys?

Und wenn man Hacker – immer vorausgesetzt das Ausspähen von Daten ist wirklich verboten, ich bin mir da selbst nicht mehr so sicher – dafür bezahlt, dass sie einem illegal beschaffte Daten geben, schafft man so nicht einen Anreiz, dass andere es nachmachen, und ihrerseits Daten ausspähen, um diese der Bundesregierung oder sonstwem zu verkaufen?
Auch auf diese Frage hat Frau Merk eine Antwort:

„Die deutschen Steuerbehörden haben ja gerade keine Belohnung dafür versprochen, dass sich der Informant diese Bankdaten rechtswidrig beschafft; die hatte er ja schon, als er erstmals auf die Behörden zukam.“

Wenn Terroristen jemanden im Ausland entführen, und man denen Lösegeld bezahlt, war die bisherige Argumentation doch immer, dass wenn bekannt ist, dass man bereit ist Lösegeld zu zahlen, dass dies einen Anreiz für weitere Entführungen schafft.
Was ist anders in Beziehung auf diese Bankdaten-CD?

Aber mal abgesehen von dem allen, hat die Schweizer Regierung nun eine Art „Gegenschlag“ angedroht, wie bei fefe nachzulesen ist. Gefunden hat er das in der Süddeutschen Zeitung:

Im Streit über den Ankauf von Steuersünder-Daten kommt aus der Schweiz nun die Drohung, bislang geheime Konten von deutschen Politikern und Amtsträgern zu veröffentlichen. „Falls Deutschland gestohlene Bankdaten kauft, werden wir auf eine Gesetzesänderung hinarbeiten, dass sämtliche Schweizer Konten von deutschen Personen, die öffentliche Ämter bekleiden, offengelegt werden“, wird der schweizerische Nationalrat Alfred Heer von der Bild-Zeitung zitiert.

Mahahaha! Das ist ja mal drollig. Aber eigentlich folgerichtig: Wenn es kein Bankgeheimnis mehr geben soll, dann eben auch für gar keinen. Und unsere Politiker haben ja sicher nichts zu verbergen.
Sicher hilft die Offenlegung von all diesen Konten nur dabei, dass die „deutschen Personen in öffentlichen Ämtern“ mal wieder einen Überblick über ihre Finanzen bekommen.
Immerhin hat ja mal unser derzeitiger Finanzminister über einen signifikanten Zeitraum hinweg vergessen, dass er 100.000 Mark in einer Schublade hatte.

Vielleicht könnte man mit all dem „vergessenen“ Geld, welches auf diese Weise wieder in Erscheinung tritt, das Haushaltsloch stopfen. 😉

Da ich weder Steuerhinterzieher noch „deutsche Person in öffentlichem Amt“ bin, kann ich mich diesbezüglich bequem zurücklehnen, und die Show genießen.
Endlich mal gruselige Politik, die einen aufregt, aber immerhin kaum persönlich tangiert.

Jan
20
2010
9

Schlumpfkatzhontas

Kaum ein Film hat die Öffentlichkeit schon im Vorfeld so polarisiert, wie James Camerons Science-Fiction-Öko-Drama „Avatar“. Und auch jetzt, nachdem ihn wohl schon jeder im Kino gesehen hat, der ihn im Kino sehen wollte,  gehen die Diskussionen noch weiter.  Die einen können sich noch nicht entscheiden, ob sie die tolle neue 3D-Technologie nun gut finden, und die anderen werfen dem Film – nicht ganz unbegründet – vor, dass es sich nur um einen Abklatsch von „Pocahontas“, „Ferngully“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ handelt.
Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter:
Jan
19
2010
3

Neuigkeiten kurz verlinkt:

Mann wird verhaftet, weil er was auf Twitter gepostet hat:
LINK!

In Italien darf man ab demnächst keine Videos ins Netz stellen, ohne dass diese von den Behörden genehmigt wurden:
LINK! NOCH’N LINK!

Roland Koch will Zwangsarbeit für HartzIV-Empfänger:
LINK!
Kommentar dazu:
LINK!

Es gibt mittlerweile sogar schon Vampirorangen:
LINK!

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jan
16
2010
4

Nacktscannerdebatte nur Ablenkung – Natürlich geht’s noch immer um Internetzensur

Breaking News: Wieder einmal soll der Jugendschutz dafür herhalten, das Internet – ähnlich wie in China – zu einem streng kontrollierten staatlichen Propagandainstument zu machen. Die Debatte um die blödsinnigen Nacktscanner ist wohl nur eine der Politik willkommene Ablenkung, welche die Augen der Öffentlichkeit vor der klammheimlichen Installation umfassender Internetzensur zu verschießt.

Was für ein antidemokratischer Angriff auf die Meinungs und Informationsfreiheit der Entwurf des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages ist, darüber kann man sich bei Alvar Freude vom AKZensur und hier bei Common Nonsense ein Bild machen.

Wieder ist der gleiche alte Schrott von „Sendezeitbegrenzungen“ im Internet enthalten, ebenso wie die Kriminalisierung aller Provider, die sich an die Netzneutralität halten: In Zukunft sollen die Provider z.B. dafür verantwortlich gemacht werden, wenn irgendwo ein Teenager auf eine Pornoseite klickt.

Wisst ihr wer sowas meiner Meinung nach verhindern sollte? DIE ELTERN verdammt noch eins! Macht man den Provider dafür verantwortlich, dass ein Kind eine Pornoseite ansurft, dann sollte man konsequenterweise auch den Zeitschriftenhändler dafür verantwortlich machen, dass ein Kind einen Playboy aus dem Schuhkarton unter dem Bett seiner Eltern angelt.

Das ist doch hirnrissig, verdammte Axt! Und was bleibt vom Internet, wenn tatsächlich alle Inhalte, die irgendjemand irgendwo für „jugendgefährdend“ halten könnte, sicherheitshalber gleich gar nicht mehr von den Providern weitergeleitet werden? Es geht da ja nicht nur um Pornos, sondern auch um Filmtrailer, Fanfiction und auch um politische Inhalte. Da steht zwar was von „verfassungsfeindliche“, „zum Hass gegen nationale, rassische, religiöse Gruppen aufstachelnde“, „grausame und sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildernde“ , „den Krieg verherrlichende“ oder „gegen die Menschenwürde verstoßende“ Inhalte aber wie soll der Provider ad hoc entscheiden, was unter diese Kategorien fällt? Und wo fängt eigentlich Pornografie an? Bei Michelangelos David? Wie sieht wohl ein „Internet ab 6 Jahren“ aus?

Im Grunde genommen sprechen wir um Zensursula x 10.000.

Nachtrag: Sicher sind die Nacktscanner auch immernoch Scheiße, aber ich halte es für falsch, in Anbetracht von etwas, was der Abschaltung des freien Internets gleichkommen würde, die Nacktscanner als die momentan größte von der Politik geplante Schweinerei an den Pranger zu stellen, und darüber alle anderen – und meiner Meinung nach schlimmeren – Freiheitswegnahmen auszublenden.

Nachtrag2:

via Sempervideo

Noch ein Nachtrag: Das ganze nochmal durch die Brille anwaltlichen Know-Hows bei Internet-Law

Jan
14
2010
7

Kampf der Titanen: China gegen Google

Es ist ja mittlerweile durch die Rundfunk- und Holzmedien gegangen, und jeder zweite Blog schreibt sowieso drüber, aber ich muss das Thema trotzdem nochmal aufgreifen:

Google stellt bei seinem Chinadienst die politische Inhaltsfilterung aus.
Das hört sich ja erst einmal gut an, wenn man mal davon absieht, dass Google bei den Suchmaschinen in China eher die dritte Geige (oder den dritten Kontrabass, wenn man so will) spielt.
In den Holzmedien, wie hier bei SpOn ist von 30% Marktanteil zu lesen an guten Tagen liegt der aber wohl eher bei 20 – 24%. (Fragt mich nicht, wo ich das gelesen hab, weißnichtmehr) Trotzdem googelte bis vor kurzem immerhin noch etwa ein Fünftel aller Online-Chinesen.

Was ist nun passiert?
Nun, es kam wohl zu Hackingangriffen auf Google, für die Google scheinbar die chinesische Regierung – zumindest mittelbar – verantwortlich macht. Es soll nicht nur versucht worden sein die Gmailkonten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten zu hacken, nein, Gerüchte besagen, dass die Chinesen jetzt auch irgendwelche Protokolle haben, die Google eigentlich für die Antiterrorabteilung der US-Regierung führt. Sowas wie unsere Vorratsdatenspeicherung, glaube ich.

Google hat sich dann erst mal mit der US-Regierung abgesprochen, und dann China den Cyberkrieg erklärt, wenn man es so nennen will.
Wenn China trotz Googles Zugeständnissen an die Netzzensur im Reich der Mitte trotzdem noch versucht Google zu hacken, dann macht halt Google ab sofort keine Zugeständnisse mehr.
Das hieße wohl, dass Google in China zugemacht wird, aber Googles „humanitäres Programm“ ist in China ja sowieso nicht aufgegangen. Eigentlich war ja der Plan sich in China unentbehrlich zu machen – wie im Rest der Welt – um dann Menschenrechts- und Antizensurforderungen stellen zu können.
Da hat Google bei den Chinesen aber wohl auf einen besonders harten Granitkeks gebissen.

Pessimistische Unken mögen mosern: „Google und China! Das sind doch beides Datenkraken, wo ist denn da eigentlich der Unterschied? Mir doch egal, wenn die sich streiten!“

Trotz aller Skepsis, die ich der Datensammelwut Googles gegenüber für angebracht halte, sehe ich das jedoch ein wenig anders.
Allein die Ziele der beiden Giganten sind ganz andere: Während Google eine Firma ist, die im Grunde genommen nur ihr Produkt verkaufen will, ist China ein Staat, der gerne weiterhin die absolute Macht über seine Untertanen ausüben will.
Denken wir die Ideologien der beiden bis zum pessimistischten Ende durch, so geht China in Richtung Orwells „1984„, während sich Google eher in Richtung „Schöne neue Welt“ von Huxley bewegt.
Ich gebe zu, dass das nur eine Annäherung an die Wahrheit sein kann, denn Google will ja schließlich weder ein Kastensystem, noch dass Menschen in Massenklonung hergestellt werden, aber so in etwa, finde ich, haut es hin.

Im schlimmsten Fall will Google die Masse quasi „kontrollieren“ indem es ihr die richtige Information oder Werbung zur richtigen Zeit präsentiert. Google will die Menschen zufrieden machen.
Dass Google so viele Daten sammelt… – hey, das passiert doch nur, damit Google seine Kunden noch zufriedener machen kann!
Natürlich kann man diese Daten auch mißbrauchen, natürlich kann auch Google Zensur ausüben. Die machen das sogar schon. Auch in Deutschland werden Suchergebnisse ausgefiltert, die in Deutschland gegen Gesetze verstoßen.
Google weist aber darauf hin, dass es ausfiltert.
Dass mir Google Werbung schickt, die auf meinen Suchanfragen basiert, oder dem, was ich in meinen Emails schreibe? Sehr, sehr nervig, aber es gibt dann doch schlimmeres.

China hingegen: China will am liebsten die Geschichte täglich umschreiben, und solche Ereignisse wie das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens ganz aus der Vergangenheit streichen.
Ganz so wie potentiell gefährliche oder aufrüherrische Worte einen chinesischen Computer, der mit der Green-Damm-Software läuft, zum Absturz bringen.
Um ein Haar wäre diese Software ja Pflicht für alle chinesischen Computer geworden.
Sowas ist nichts anderes als Aussiebung von „Verbrechendenk“ durch eine elektronische „Gedankenpolizei“.

Da ziehe ich Huxleys Welt jeden Tag vor, wenn ich die Wahl zwischen dieser und der von Orwell habe.
Viele Chinesen sehen das scheinbar ähnlich, wie ein weiterer SpOn-Artikel schreibt.
Herrje, bei Huxleys „Schöne neue Welt“ sind sich ja noch nicht einmal die Literaturexperten einig, ob das wirklch eine Dysutopie sein soll.

Es gibt auch chronische Miesmacher, die sagen: „Alles nur ein gelungener PR-Gag von Google! Nur möglich, weil deren Geschäft in China sowieso nicht die Erwartungen erfüllt!“

Denen möchte ich einen Tweet vom elektrischen Reporter ans Herz legen:

Und wisst Ihr was? Mir ist lieber, Unternehmen tun aus PR-Gründen das Richtige, als dass sie es nicht tun. #googlecn

Seh‘ ich genauso!

Nachtrag: Eine Zusammenstellung von Beiträgen zu dem Thema findet sich noch bei Netzpolitik.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Jan
12
2010
--

Blick in die Zukunft der Rundfunkgebühr

Wer wissen will, was die Helden von der Westerwellepartei momentan grad in Hinblick auf die GEZ und so planen, der mag mal hier bei Ti_Leo oder beim Pinguinmädchen nachlesen.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jan
08
2010
--

Nackedeispannerstrahler III.: Full frontal nudity (in color)

„Vati, Vati, wo kommen all diese Verschwörungstheorien her?“
„Nun, Kind, einige haben ihren Ursprung bei der Bildzeitung!“

Wo fang‘ ich am besten an?

Nun die BILD hat ja scheinbar den Namen „Nacktscanner“ für die umstrittenen „Körperscanner“ geprägt, über die ich schon ein paar mal geschrieben habe, und die an Flughäfen eingesetzt werden sollen, um Fluggäste elektronisch von ihren Kleidern zu befreien.
Im Zuge dessen veröffentlichte die Bild auch einige – offenbar nicht als solche gekennzeichnete – Symbolfotos, die zeigen sollen, wie die Bilder von diesen Nacktscannern denn aussehen könnten.
Diese Bilder waren irgendwie merkwürdig, und verschiedene Leute haben verschiedene Schlüsse aus ihnen gezogen.

Bei Bildblog kam man zu dem Schluß, dass die Fotos im Grunde nur Negative von Bildern einer nackten Frau sind, die man bei einer Agentur für Symbolbilder zum Einbinden in seine mehr oder weniger journalistischen Artikel kaufen kann.

Bei Infowars.com kommt man hingegen zu der Konklusion, dass es sich tatsächlich um den Output dieser Nacktscanner handelt, und man diesen Output nur negativieren muss, um lebensechte Nacktbilder zu erhalten.

Wer da nun Recht hat, davon mag sich jeder selbst ein Bild machen, aber zum Vergleich hier nochmal das Video von einem tatsächlichen Nacktscanner bei der Arbeit.

Ich finde ja, das Konzept der Nacktscanner ist an sich schon gruselig genug. Da ist es mir als Fluggast auch egal, ob die Abbildung meines Körpers nun in Technicolor oder monochrom ist.
Recherchiert man seine Kritik an der Regierung, der Neuen Weltordnung oder was auch immer jedoch nicht gründlich genug, oder hübscht diese mit Halbwahrheiten auf, muss man sich nicht wundern, wenn einem Verschwörungstheoretisiererei vorgeworfen wird.

Im Kampf gegen einen globalen Überwachungsstaat oder ähnliches, ist sowas meines Erachtens nach kontraproduktiv.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,