Impactsuspect » Linguistisches
Feb
22
2012
1

Wiedermal das Ende der Anonymität im Netz…

Auf 33 Bits of Data findet sich ein neuer Zwischenstand in der Forschung um Entanonymisierung von Texten.

Es geht, kurz gesagt, um die Frage ob der Schreibtil ausreicht, um einen anonym verfassten Text mit anderen, nicht anonymen abzugleichen, und somit den Urheber festzustellen.
Die Antowort ist: Jein.
Es klappt in vielen Fällen – im moment trainiert man an Beiträgen aus den selben Blogs, die für die Versuchsanordung anonymiesiert wurden.
Hier gelang die korrekte Zuordnung des korrekten Autors in 20% der Fälle, in 35% der Fälle handelte es sich um einen der 20 als wahrscheinlichsten ausgegebenen Urheber.
Der Autor von 33 Bits weist darauf hin, dass bei echten Ermittlungen nach dem Urheber noch andere Informationsquellen bei der Identifizierung des Autors helfem, wie zum Beispiel ein eventuell lokales Thema des anonymen Textes, oder abgefragte Login-Daten.
Vermutlich werden bei echten Ermittlungen die Erfolgsraten viel höher sein.

Die Methode zur Stilidentifizierung funktioniert wohl auch über verschiedene Kontexte hinweg, wenn man also unter seinem Namen nur über südschlesische, antike Gartenlauben bloggt, können irgendwelche revolutionären Schriften einem trotzdem noch zu 12% zugeordnet werden, wenn der Stil sich nicht ändert.

Das sind alles eher unschöne Nachrichten für Autoren die aus irgendwelchen Gründen anonym bleiben müssen, und da gibt es ja bekanntlich auch in einer freien demokratischen Gesellschaft genug.

Allerdings gibt es Möglichkeiten sich besser zu schützen, wie 33 Bits auch ausführt:

The good news for authors who would like to protect themselves against deanonymization, it appears that manually changing one’s style is enough to throw off these attacks. Developing fully automated methods to hide traces of one’s writing style remains a challenge. For now, few people are aware of the existence of these attacks and defenses; all the sensitive text that has already been anonymously written is also at risk of deanonymization.

Manuell seinen Schreibstil zu ändern ist also eine Möglichkeit, die sicherlich einfacher klingt, als sie ist.
Man könnte also in seinen kritischen Schriften gegen ein unterdrückerisches Regime bewusst nur in Hauptsätzen schreiben, während man in seinem Gartenblog, dass nicht anonym veröffentlich wurde und mit dem man vielleicht sogar eine überregionale Berühmtheit erlangt hat, zu einem Schreibstil neigt, der eher in unerträgliche Bandwurmsätze – wie eben diesen hier – ausartet.
Oder man macht es anders herum.

Eine weitere Möglichkeit, die ich mir so überlegt habe, wäre seinen eigenen Text in eine der kostenlosen Übersetzungsanwendungen wie babelfish zu geben, und ihr durch verschiedene Sprachen zu prügeln, bevor man ihn wieder in seine Wunschsprache übersetzt.
Aus einem Absatz über die Artikel des Grundgesetzes würde aus:

Entscheidende Frage dabei ist, wieweit die staatliche Schutzpflicht aus dem objektiven Gehalt der Grundrechte den Staat dazu ermächtigt, in Grundrechte Beteiligter einzugreifen. Diese „Schutz-durch-Eingriff“-Problematik wird am Beispiel des Urteils zum Schwangerschaftsabbruch deutlich. In der vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenen Verpflichtung des Staates zugunsten des ungeborenen Lebens liegt zugleich ein Eingriff in die Rechte der Schwangeren, der einer Rechtfertigung bedarf. Ob hierfür die objektive Seite der Grundrechte herangezogen werden kann, ist in hohem Maße umstritten und ungeklärt.

durch den Umweg über Englisch, Französisch, Englisch:

Die entscheidende Frage ist daher, inwieweit l‘ nationale Verpflichtung des Schutzes des objektiven Inhalts der Grundrechte erlaubt l‘ Stand, um in den Grundrechten der Teilnehmer zu intervenieren. Dieser Schutz „ durch das d’“; Interferenz – das Problem wird deutlich durch l‘ Beispiel des l’urteils; Abtreibung. In l‘ Verpflichtung des l‘ Stand zugunsten des kommenden Lebens, ausgedrückt durch den föderalen Verfassungsgerichtshof, gleichzeitig befindet sich eine Interferenz in den Rechten schwangere Frauen, die eine Rechtfertigung erfordert. Wenn für dies die objektive Seite der Grundrechte befragt werden kann, in einem umstrittenen und erschütterten beträchtlichen Grad ist.

Naja, da müsste man sicher noch einmal mit der Hand bei, um das Ergebnis wieder lesbar zu machen, aber schon am ersten Halbsatz sieht man, wie eine maschinelle „Verstilung“ aussehen könnte.

Ein weiterer Weg, der mir spontan einfiel, wäre auch die Gewohnheit auf gewissen Imageboards, in einer Art künstlich vereinfachter Subsprache zu kommunizieren, in der jeder die gleichen festgelegten Phrasen benutzt. Allerdings sind hier die Textschnipsel vermutlich so klein, dass bisher sowieso noch keine Zuordnung möglich ist.

Leuten, die auch mal längere Texte schreiben, und dies auch anonym tun wollen, bliebe nur auf eine funktionierende Entstilungssoftware zu warten, die sicher irgendwo irgendjemand entwickelt.
Wenn das nicht der Fall ist: hint, hint!

Mrz
18
2011
--

Die Ursprache

In den Anfängen der Geschichte der Sprachwissenschaft haben die meisten Sprachwissenschaftler die Theorie einer einzelnen Ursprache akzeptiert. Viele von ihnen haben sogar ihre Zeit damit zugebracht, aktiv nach dieser Ursprache zu suchen.
Aus der Ursprache sollen sich alle anderen Sprachen dann mit der Zeit entwickelt haben – in einem quasi evolutionären Prozess.
Einen evolutionären Entwickungsprozess auf das Konzept der Ursprache zu Gründen ist schon irgendwie ironisch, denn die Idee einer Ursprache stammt aus der Bibel.

Bei der Ursprache soll es sich dort nämlich um die Sprache gehandelt haben, die alle Menschen gesprochen haben, bevor Gott für die sogenannte „babylonische Sprachverwirrung“ gesorgt hat.


Tower of Babel by ~AndreasZielenkiewicz on deviantART

Der Sage nach haben die Babylonier einen Turm gebaut, der bis in den Himmel ragt. Dieser wurde so hoch, dass Gott nervös wurde und ein Eindringen der Menschheit in seinen Herrschaftsbereich befürchten musste. Aus Gottes Sicht muss der Bau des Turms eine Art Dammbruch gewesen sein: wenn die Menschen schon einen richtig richtig hohen Turm bauen konnten, was kam dann als nächstes? Atomrkraft? Gentechnik? Das konnte Gott nicht zulassen, da die Schmach des frisch gepflückten Apfels des Baumes der Erkenntnis noch zu schwer auf ihm lastete.
Also sorgte er dafür, dass die einst einigen Menschen sich plötzlich in verschiedenen Sprachen mitteilen, wodurch Unverständnis, Zwietracht und Intoleranz gesäht wurde.
So die Sage.

Diese Geschichte mag ein schönes Gleichnis für die Hybris des Menschen sein, taugt aber nicht viel wenn man sie mit logischen Maßstäben misst.

Da viele Menschen – lange auch Wissenschaftler – im westlichen Kulturkreis die Geschichten in der Bibel als gegeben und wahr ansahen, schien es logisch, nach einer Ursprache zu suchen. Dies tat man, indem man einerseits Gemeinsamkeiten verschiedener Sprachen untersuchte und auf der anderen Seite Veränderungen, die eine Sprache im Laufe der Zeit mitgemacht hatte, feststellte.
Es gab einige Indizien für eine Ursprache, so ist das Wort für „Sack“ in vielen Sprachen verschiedenster Kulturkreise ähnlich, ebenso das Wort „Mama“, dass als eines der ersten Worte gelten muss, die Menschen lernen zu sprechen.

Betrachtet man sich die Geschichte der babylonischen Sprachverwirrung und die Vorgehensweise der Ursprachenforscher genauer, sieht man, dass diese kaum zusammenpassen.
Hat Gott die Urspache nämlich tatsächlich auf Schlag in viele verschiedene aufgeteilt, dann fand zwischen der Ursprache vor der Verwirrung und den verschiedenen Sprachen direkt danach keine Entwicklung statt, sondern ein Sprung. Bzw. mehrere Sprünge.
Am Anfang war Babylonisch. Die Babylonier bauten einen Turm, und plötzlich gab es z.B. Dänisch, Japanisch, Kurdisch und Innuktitut. Von den letzteren vier auf die Ursprache zu schließen ist unmöglich, da Gott sich ja die Mühe gegeben haben wird, eben dies auch zu verhindern. Da er die armen Babylonier verwirren wollte, wird er sicher – clever, wie er nunmal ist – die vier neuen Sprachen so verschieden wie nur möglich gemacht haben.

Untersucht man also, wie die Sprachen sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, kommt man allerhöchstens zu Ur-Dänisch, Ur-Japanisch, Ur-Kurdisch und Ur-Innuktitut, aber nicht zur eigentlichen Ursprache selbst.

Versuch der Extrapolation eines Urwortes anhand des Deutschen und Lateinischen:

Deutsch:                            Fenster
Latein:                                Fenestra
Protolatein:                     Fenestara
Neu-Ursprache:             Fenestatara
Ursprache:                       Fenenestatatara-Täteräh

Was bleibt anderes übrig? Gar nichts. Nun, ein wenig was. Man kann alte Ruinen ausgraben, die mutmaßlich aus der Zeit vor der Sprachverwirrung stammen, und dort nach Schriften suchen.
Da wir heute noch nicht einmal wissen, wie sich Latein gesprochen angehört haben mag; und das, obwohl wir über Tonnen um Tonnen lateinischer Texte verfügen und sogar noch die selben Schriftzeichen benutzen, zeigt wie aussichtslos es ist, die Aussprache des altbabylonischen anhand von irgendwelchen Keilschriften extrapolieren zu wollen.

Also keine Urspache. Die Suche nach selber wurde von der enstzunehmenden Wissenschaft auch eingestellt.

Das Konzept ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen: Es steht heute fest, dass sich Sprachen entwickeln. Geht man ebenso von einer relativ kleinen Gruppe von Menschen aus, die den Afrikanischen Kontinent dereinst verlassen hat, oder von einer auch recht übersichtlichen Gruppe, welche die Eiszeit überlebt hat, ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass diese Gruppen jeweils eine einzige Sprache sprachen. Um das zu verifizieren und um näheres über eine real existierende Ursprache herauszufinden, müsste man aber schon eine Zeitmaschine haben: die Aufzeichnungen der Menschen von vor der Eiszeit sind eher lückenhaft.

Spricht man in der Sprachwissenschaft heute von „Ursprache“ ist meistens nur eine Sprache gemeint, aus der sich alle Sprachen einer bestimmten Sprachfamilie entwickelt haben. Latein zum Beispiel gilt als Pater Familias der romanischen Sprachfamilie.

Menschen, die Religion für etwas der Wissenschaft übergeordnetes halten, können sich jedoch freuen: Es ist in der Gedankenwelt der Religion nicht  vollkommen unmöglich, dass Gott einem neuen Propheten die Ursprache direkt diktiert, und dieser Prophet diese dann auf Tonband spricht, oder niederschreibt.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Linguistisches | Schlagwörter:
Feb
24
2011
3

Youtube Fundstück 2

Man lernt ja immer neue Sachen. Aber bei Sachen aus dem Internet kann man sich ja nie sicher sein.
Ist im folgenden wirklich eine speziell irische Art dargestellt, Ja/Nein-Fragen zu beantworten? Kann das jemand bestätigen?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Youtube Fundstück | Schlagwörter:
Dez
03
2010
--

Komm mit, ins Chancenwunderland…

Ach was sind sie nicht herrlich, unsere Regierungsparteien. Immer wenn man denkt, nun sei endgültig der Meeresboden des Niveaus erreicht und die könnten gar keinen größeren Unsinn mehr reden, packt irgendjemand in der CDU oder FDP einen neuartigen Tiefseebohrturm des Unsinns aus. (Die CSU läuft da meines Erachtens schon seit Strauß außer Konkurrenz.)

Man kann froh sein, dass verbaler Dünnpfiff nicht – wie etwa Erdöl – unkontrolliert in die Umwelt schwallern kann, obwohl ein Guido Westerwelle oder eine Frau von der Leyen schon ziemlich nahe an solch ein Szenario herankommen.

Erinnert ihr euch noch an den „Rechtsfreien Raum“? Diese allwettertaugliche Floskel in Sachen Netzpolitik, mit der schon seit den 90ern alle möglichen Politiker versuchen uns IT-Kompetenz vorzugaukeln?

Im letzten Jahr ist der politischen Kaste wohl dann auch aufgefallen, dass diese Floskel eventuell ein klein wenig zu oft Verwendung fand.

Ein Begriff wie „Terror“ gewinnt ja an Bedeutung, je öfter man ihn benutzt, aber „Rechtsfreier Raum“ ist leider emotional wenig beladen und klingt daher immer hohl.

Jeder zweite Politiker oder Netzkritiker erfand im Laufe des letzten Jahres also seine eigene Abwandlung dieser Phrase. Damit ihr inflationärer Gebrauch nicht so auffiel. Da wurde auch aus „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ schon mal die Mär vom Internet als „rechtsfreiem Chaosraum“ oder das Internet wurde gar als „See der Gesetzlosen“ tituliert.

Dann wurde es irgendwann recht still um diese vermaledeite Phrase, weil die Bundestagswahl vorbei war, und die neue Regierung keinen Bock mehr auf Netzpolitik hatte.

Nun gibt Christian Lindner von der FDP etwas über das Internet zum Besten, und wenn man sich folgenden Satz auf den Augen zergehen lässt, ahnt man wie schwer es Herrn Lindner gefallen sein muss, den Satz mit diesem Raum, der rechtsfrei ist, auszusparen.

Unter anderem (LINK) sagt er folgendes:

Der Generalsekretär bekräftigte: „Das Internet darf kein Feld sein, wo es anarchische Strukturen gibt.“ Notwendig seien „klare Regeln“, wo es „sehr dominante, monopolartig auftretende kommerzielle Anbieter“ gebe.

Aus dem Raum, dem Meer, dem Netz namens Inter wird nun plötzlich ein Feld. Man könnte annehmen, dass Herr Lindner zu viel Farmville gespielt hat, und das Netz daher für ein „Feld“ hält.
Meiner Meinung nach ist „Feld“ ein noch dümmerer Ausdruck als „Raum“ und wo „See der Gesetzlosen“ ja noch irgendwie eine poetische Qualität hatte, klingt „Feld mit anarchischen Strukturen“ nur so als hätte da jemand einen Thesaurus zum Frühstück gehabt.
Im letzten Jahr hätte ich ihm noch den Rechtsfreien Raum der Woche für so eine Sprachvergewaltigung verliehen, aber das ist mir einfach zu viel Arbeit geworden.
Auch interessant, dass sich ausgerechnet jemand von der Unternehmer- und „Bürgerrechts-“ Partei FDP für weniger Freiheit und eine reguliertere Wirtschaft im Internet ausspricht, aber dass bei Parteien drin ist was drauf steht, gibt es ja sowieso seit Jahrzehnten schon nicht mehr.

Na ja, soviel zu dieser Phrase.
Derweil macht auch unser geliebter Sonnenschein von Bundeskanzlerin von sich reden.
Wie man hier (LINK) lesen kann, „attackiert“ Frau Merkel die Grünen und wirft ihnen vor, eine „Dagegen-Partei“ zu sein.
Erst einmal habe ich Schwierigkeiten mir Frau Merkel dabei vorzustellen wie sie jemanden attackiert. Ich muss da spontan an alte Klamauk-Klamotten mit Didi Hallervorden denken, in denen es immer zu herrlich verrückten Handgemengen kam, wenn ich „Merkel“ und „Attacke“ in einem Satz lese.
Aber diese Formulierung ist ja nicht Frau Merkels Schuld, sondern die desjenigen, der sich die Überschrift der Meldung ausgedacht hat.
Frau Merkel hingegen hat gemerkt, dass die Grünen häufig mal gegen etwas sind, dass die CDU oder auch die FDP fordert.
So sind die Grünen – zumindest prinzipiell – gegen Atomstrom, Castortransporte, CCS, Kohlekraftwerke und so einiges mehr.
Aber es ist ja immer auch eine Sache der Perspektive. Man könnte es auch so ausdrücken, dass die Grünen für Umweltschutz sind, für erneuerbare Energien und für den Atomausstieg.
Und wie beknackt ist es eigentlich einer Oppositionspartei vorzuwerfen, sie sei gegen etwas, was die Regierungspartei beschließt? Muss die Opposition nicht eine andere Meinung vertreten als die Regierung, damit man noch von Demokratie sprechen kann?

Und jetzt schlägt auch noch die wahlkampfwettererprobte Frau Ursula „Zensursula“ von der Leyen, die ja mittlerweile Arbeitsministerin ist, in die gleiche Kerbe.
Wie die Welt (LINK) berichtet, warb sie im Bundestag für die Unterstützung der Opposition bei der neuen Hartz-Reform.

„Ich lade Sie ein, den Weg der Chancen mitzugehen und nicht auf dem Holzweg der Ablehnung zu bleiben“

Mir fehlen die Worte. Ein Zustand, den ich mir auch an allen hier genannten Politikern wünsche.

Warum macht die CDU nicht gleich ein Gesetz, indem die Opposition dazu verpflichtet wird, Gesetzesvorhaben der Regierung zuzustimmen?
Zuzutrauen wäre es denen. Ebenso, dass sie dann wegen eben dieses Gesetzes vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, sobald sie selbst mal wieder in der Opposition sind.

Nov
23
2010
2

Ich wünsch‘ ’nen schön‘ Tag mit Apostroph

Das tolle am Internet ist ja, dass fast jeder vorstellbare Blogeintrag schon geschrieben ist, und man sich selbst daher folgerichtig kaum die Mühe machen muss, selbst einen zu schreiben.
Manchmal hat man zu bestehenden Blogartikeln jedoch was hinzuzufügen.

Was mich sprachlich im Internet sehr nervt sind die falsch benutzten Kurzformen für unbestimmte Artikel.
Wie Andis Blog schon vor zwei Jahren feststellte – (LINK) – werden „ein, eine und einen“ im Internet gerne mit „n, ne und nen“ abgekürzt.

Wenn man diese Abkürzungen jeweils falsch benutzt verwendet sieht, kommt es gerne mal zu linguistisch-allergischen Reaktionen.

Schreibt da zum Beispiel jemand „nen Problem“, dann ist die Langform dafür „einen Problem“, was nur in bestimmten regional verbreiteten Mundarten richtig ist. Wenn überhaupt.

Jedoch ist auch „n Problem“ falsch, da das Apostroph fehlt. Wo immer man im Deutschen Buchstaben weglässt, um eine bestimmte Aussprache zu signalisieren, benutzt man den Apostroph als Platzhalter.
In diesem Fall handelt es sich dann noch nicht einmal um einen Deppenapostroph, sondern um einen Schlaue-Leute-Apostroph. [Anm. des Autors: Um wen handelt es sich? Um EINEN Apostroph. Grummel!]
Es muss also “ ’n Problem“, “ ’ne Finanzkrise“ und “ ’nen Präsidenten“ heißen.
Nur dann ist es wirklich wirklich richtig, auch wenn ich die richtige Verwendung der Geni schon klasse fände. Hierbei gilt:

’n als Kurzform für „ein“ bei sächlichen Worten „das Arschgesicht/ ’n Arschgesicht“

’ne als Kurzform für „eine“ bei femininen Worten „die blöde Gans/ ’ne blöde Gans“

und

’nen als Kurzform für „einen“ bei maskulinen Worten „der Armleuchter/ ’nen Armleuchter“

Man beachte, dass „einen“ und ’nen auch nur dann richtig ist, wenn das maskuline Wort im Akkusativ steht.
„Ich kaufe mir ’nen Berg“ ist also richtig “ ’nen Maler hilft mir bei den Wänden“ ist falsch.
Steht das maskuline Wort im Nominativ, wird’s ganz normal mit “ ’n“ abgekürzt.

Am konkreten Beispiel:
„Auf die Reise nach Taka-Tuka begleiteten mich ’ne blöde Gans und ’n Arschgesicht. Außerdem haben wir ’nen weiteren Armleuchter“ mitgenommen.

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter:
Aug
27
2010
4

Westerwelle in Gefahr!

Erinnert ihr euch noch, dass Guido Westerwelle ein Komplott der Medien vermutet hat, als kaum ein Medium seine Kritik an HartzIV-Empfängern gut finden wollte, und er außerdem wegen vergnüglicher Auslandsreisen mit Freunden aus der Wirtschaft selbst in der Kritik stand?
Irgendwie hat er da wohl nicht eingesehen, dass tatsächlich nicht alle sein Verhalten okay finden, im Gegenteil.

Warum er teilweise so empfindlich reagiert könnte aber teilweise tatsächlich an den Medien liegen.
So gab es Anfang August in der BZ diese Schlagzeile:

„Afghanistan Einsatz: Westerwelle: Gezielte Tötung rechtens“ (LINK)

Wenn man nur die Schlagzeile liest, und keine Ahnung hat, worum es geht, mag hier der Eindruck entstehen, als sei Westerwelle selbst quasi zum Abschuß freigegeben. Dem ist natürlich nicht so.
Offenbar ist der BZ diese Ambiguität wohl inzwischen bewusst geworden, denn mittlerweile hat man die Schlagzeile folgendermaßen geändert:

„Westerwelle: Taliban-Bekämpfung rechtens“ (LINK)

Nun ist diese Schlagzeile sicher eindeutig im Bezug auf eine vermutete Vogelfreiheit unseres Vizekanzlers, allerdings ist sie in Bezug auf die Sache leider ein wenig unpräziser.
Was genau ist „Taliban-Bekämpfung“? Dass es sich hier um die gezielte Tötung einzelner Talibanfüher handelt, geht aus dieser Überschrift nun nicht mehr hervor. Aber man kann eben nicht alles haben.

Daß Zufälle, wie diese unglückliche Schlagzeile kein Einzelfall sind, beweist auch dieser Screenshot von Google-News:

…aber da ist wohl keiner schuld, sondern sicher wirklich nur etwas verrutscht.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Politisches | Schlagwörter: , ,
Aug
03
2010
--

Redundante Redundanzschilder sind redundant

Ja, ich weiß, schon wieder ein Schild, ich würde ja auch viel lieber mal etwas anderes bloggen, so zur Abwechslung, aber ich blogge die Schilder, wie sie mir vor die Linse kommen.

Ein besonders schönes Beispiel kreativer Beschilderung (und Orthographie) findet sich bei uns im Ort an einem Altkleidercontainer auf dem Parkplatz eines Supermarktes.

Dem Kenner fällt an diesem improvisierten Schild sofort das Fehlen jeglicher Ausrufezeichen auf. Es stellt sich die Frage, ob dieses eine absichtliche Entscheidung des Schildschöpfers war, oder selbiger nur nicht darüber informiert war, dass es in der Welt der Schilder Ausrufezeichen gratis dazu gibt!!!
Aber das soll uns nicht weiter kümmern. Freuen wir uns einfach einmal, dass wir weder durch eine besonders auffällige Schriftart, noch durch eine Schwemme von Ausrufezeichen optisch angeschrien werden.

Zuerst weist uns das Schild in leicht kreativer Rechtschreibung darauf hin, dass „Unerlaubte Müllentsorgung“ zu „Unterlassen“ ist.
Hier handelt es sich um ein klassisches Verbot, das in Gebotsform gefasst ist. Statt die Entsorgung von Müll zu verbieten, wird einem hier befohlen es zu unterlassen dies zu tun.
Das Eigenschaftswort „Unerlaubt“ wirkt hier leicht überflüssig, denn es ist schwer vorstellbar, dass es in bestimmten Fällen eine Erlaubnis dafür gibt, Müll in einem Altkleidercontainer zu entsorgen.
Oder ist mit dem implizierten „erlaubten Müll“ etwa alte Kleidung gemeint?
Auch das scheint unwahrscheinlich, weisen solche Container doch generell (auf anderen Schildern) darauf hin, dass die eingeworfene Kleiderspende sauber und prinzipiell noch tragbar sein muss. Kleidung die als „Müll“ bezeichnet werden kann, ist dies in der Regel nicht, es sei denn, es handelt sich um die abgelegten Bühnenoutfits von MC Hammer.

Weiter weist uns das Schild darauf hin, dass „bei Missachtung“ des obigen Gebots der Unterlassung der unerlaubten Müllentsorgung, „dies strafrechtlich geahndet“ wird. Lassen wir uns einmal den angedrohten Sachverhalt auf der Zunge zergehen: Für das Unterlassen des Unterlassens der unerlaubten Entsorgung von Müll gibt es eine Ahndung. Und zwar strafrechtlich.
Eine „Ahndung“ ist eine Bestrafung. Ein nicht befolgen des Negativgebots führt also eine strafrechtliche Bestrafung nach sich.

Der Hinweis, dass die angedrohte „Ahndung“ strafrechtlich erfolgt, ist in so fern vielleicht noch sinnvoll, als dass auch nicht vom Strafrecht gedeckte öffentliche Auspeitschungen durch DRK-Mitglieder eine Ahndung darstellen würden.
Ist es jedoch notwendig, das Wort „strafrechtlich“ auch noch zu unterstreichen? Weißt der Unterstrich auf eine besondere Betonung hin, oder soll nur noch einmal hervorgehoben werden, dass eine strafrechtliche Ahndung im Falle einer Unterlassungsunterlassung möglich wäre?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches | Schlagwörter:
Jul
23
2010
3

Schilder an merkwürdigen Orten

Wir gehen durch den Wald. Mitten im tiefsten Dickicht fällt uns ein Schild auf:

Als an Schildern generell interessierte Menschen gehen wir näher ran, bis wir mitten zwischen den Bäumen, abseits jedes Waldwegs stehen. Und wir sehen folgendes:

Weit und breit ist weder ein Zaun, noch sonst eine Abgrenzung zu sehen. Nur eben dieses Schild, an einem Baum inmitten von hunderten anderer Bäume. Die Schrauben (!!!) mit denen das Schild am Baum befestigt wurde sind schon sehr verrostet, Schilder wie dieses werden schon seit Jahrzehnten verkauft, und da das Schild aus durch die Witterung unkaputtbarem Plastik ist, lässt sich schwer sagen, wie lange es schon da hängt.
Hat irgendein Scherzbold mit einem seltsamen Sinn für Humor dieses Schild hier aufgehängt? War hier mal ein Grundstück, das Mutter Natur mit überirdischem Baumwachstum im Laufe der Jahrzehnte, die das Schild schon hängen mag, zurückerobert hat?
Wohnen hier Waldelfen? Oder wird dieser spezielle Baum etwa gar vom magischen Wurzelgnom Görgelbrecht bewohnt? Gilt nicht eigentlich das Waldrecht, wenn kein Zaun da ist, auch wenn irgendeiner hier ein Schild aufgehängt hat? Wer schraubt Schilder in Bäume?
Fragen über Fragen, und keine Antwort in Sicht.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Linguistisches | Schlagwörter:
Jul
21
2010
4

Breitseitenschilder

Es gibt Schilder, die einem wortgenau verbieten Donnerstags zu parken, oder die am Wochenende zwischen 7 und 19 Uhr die Geschwindigkeit begrenzen. So hoch spezialisiert kann die Botschaft eines Schildes sein.

Hier sieht es jedoch anders aus:

Etwas ist verboten. Und etwas ist gefährlich. Was? Das Schild bleibt uns die Antwort schuldig.
Ein Mann und ein Kind sind auf dem Schild dargestellt, die Ball spielen. Ein kleiner Terrier sieht von etwas weiter weg zu.
Ist also das Ballspielen verboten? Weil Gefahr durch Terrier droht? Oder ist Hunden der Zutritt verboten, weil das Herumkicken eines Balles zu Verletzungen führen kann?
Am besten, man lässt gleich alles sein, wenn man dieses Schild sieht. Nur, um auf Nummer sicher zu gehen. Immerhin ist da etwas gefährlich.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Gesellschaftliches,Linguistisches | Schlagwörter: ,
Jul
12
2010
--

Immer die Fahrradfahrer…

In Bezug auf die Fahrradfahrer habe ich bereits schon die „Roboterkiller“ vorgestellt, die konstatieren, dass Vernünftige nicht Fahrrad fahren, und es allen anderen verbieten. Im Schilderwald sind diese exotischen Vertreter allerdings nur die Spitze des Eisbergs, gerade wenn es um Schilder mit Ver- und Geboten rund um den geliebten Drahtesel geht.

Als erstes ein gutes Beispiel. Ein Schild, dass alles richtig macht. Es bleibt höflich – wenn auch nicht gerade poetisch, wie die Höflichkeitsschilder – und appeliert an unseren Anstand, ohne zu schlaumeiern, wie etwa die Roboterkiller es tun.

Wir werden nicht nur höflich gebeten, keine Fahrräder abzustellen, wir erfahren auch, wer uns bittet. „Die Verwaltung“ in diesem Fall. Gut, das ist jetzt nicht sehr spezifisch, aber es ist anzunehmen, dass „die Verwaltung“ eben auch die Wände verwaltet, an denen keine Fahrräder abgestellt werden sollen. Durch solch ein Schild fühlt man sich weder bevormundet noch gegängelt, und schon gar nicht verarscht.

Dem nächsten Schild sieht man das hohe Alter schon an. So hat man es also früher gemacht:

Dieses Schild befiehlt uns – mehr oder weniger zackig – vom Fahrrad abzusteigen. Es sagt uns nicht warum und wozu, und das Ausrufezeichen fehlt. Erstaunlich, denn Schildermacher gehen mit diesem ja sonst nicht gerade sparsam um. Hier hätte es einmal gepasst, obwohl es das Schild natürlich auch nicht höflicher, noch die Botschaft nachvollziehbarer,  gemacht hätte.
Immerhin erfahren wir, wer uns befiehlt: Der Bürgermeister. Wenigstens weiß man nun, wo man sich über den rüden Ton beschweren kann.

Die Regel sind leider immer noch die nominalphrasierten Schilder. Sie sind unpersönlich und versuchen trotzdem Autorität zu vermitteln. Wie das geschieht, kann man an folgendem Schild sehen:

Dieses Schild teilt keine Befehle aus, und es bittet auch nicht. Es präsentiert einen Satz mit dem Verb „ist“ wie ein Faktum. „Das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt“ stellt es uns als Wahrheit hin. Rosen sind rot, Veilchen sind blau und das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt.
In zweifacher Hinsicht schummelt das Schild:

1.) Das Schild scheint uns nichts vorzuschreiben, noch enthält es eine Botschaft von jemandem. Es scheint einfach nur eine Wahrheit des Universums preiszugeben. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Schild hat ja immerhin jemand aufgehängt. Wer das ist, erfahren wir nicht. Der Verfasser bleibt anonym.

2.) Statt ein Verbot zu enthalten, beschreibt uns das Schild den Zustand des „Nicht-erlaubt-seins“. Man kann also nicht fragen, wer das Verbot ausspricht, weil es ja gar keines gibt. Es gibt nur eben keine Erlaubnis. Hier arbeitet das Schild mit ähnlichen Tricks wie auch viele Politiker.

Jetzt noch ein sehr merkwürdiges Beispiel:

Das Schild beginnt vielversprechend: Es spricht einen persönlich, vertraulich an und es sagt uns, wo wir unsere Fahrräder abstellen können. Ein Verbot spricht es nicht aus, auch kein negatives Gebot. Statt dessen droht es allen, die ihre Fahrräder hier abstellen ohne Umschweife.
Durch den rüden Ton im letzten Satz und die Hervorhebung durch Unterstreichung bekommt die freundlich vertrauliche Begrüßung des Schildes einen ganz üblen Beigeschmack.
Auch die Wortwahl ist interessant: „Beseitigt“ werden die Fahrräder. Was soll das heißen? Wenn in Krimis jemand von „Beseitigen“ spricht, so ist dies meist ein Euphemismus für die sprichwörtlichen „Betonschuhe“ mit anschließendem „Bad“ im Fluß. Und dann auch noch kostenpflichtig, man soll den Beton also auch noch selbst bezahlen?!
Wenn man ein wenig über das Schild grübelt, fallen einem alternative, ähnlich absurde, letzte Sätze ein:

  • „Es wäre doch schade, wenn Ihr Fahrrad einen bedauerlichen Unfall erleidet.“
  • „Wenn Sie Ihr Fahrrad hier abstellen, werden wir uns um Ihr Fahrrad kümmern.
  • „Hier abgestellte Fahrräder betreten eine Welt des Schmerzes.“

Die Stellplätze auf dem Bahnhofsvorplatz sind vermutlich also als „ein Angebot“ gemeint, „dass man als Fahrradfahrer nicht ablehnen kann“.

Wer denkt sich sowas aus?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: ,

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Feb
22
2012
1

Wiedermal das Ende der Anonymität im Netz…

Auf 33 Bits of Data findet sich ein neuer Zwischenstand in der Forschung um Entanonymisierung von Texten.

Es geht, kurz gesagt, um die Frage ob der Schreibtil ausreicht, um einen anonym verfassten Text mit anderen, nicht anonymen abzugleichen, und somit den Urheber festzustellen.
Die Antowort ist: Jein.
Es klappt in vielen Fällen – im moment trainiert man an Beiträgen aus den selben Blogs, die für die Versuchsanordung anonymiesiert wurden.
Hier gelang die korrekte Zuordnung des korrekten Autors in 20% der Fälle, in 35% der Fälle handelte es sich um einen der 20 als wahrscheinlichsten ausgegebenen Urheber.
Der Autor von 33 Bits weist darauf hin, dass bei echten Ermittlungen nach dem Urheber noch andere Informationsquellen bei der Identifizierung des Autors helfem, wie zum Beispiel ein eventuell lokales Thema des anonymen Textes, oder abgefragte Login-Daten.
Vermutlich werden bei echten Ermittlungen die Erfolgsraten viel höher sein.

Die Methode zur Stilidentifizierung funktioniert wohl auch über verschiedene Kontexte hinweg, wenn man also unter seinem Namen nur über südschlesische, antike Gartenlauben bloggt, können irgendwelche revolutionären Schriften einem trotzdem noch zu 12% zugeordnet werden, wenn der Stil sich nicht ändert.

Das sind alles eher unschöne Nachrichten für Autoren die aus irgendwelchen Gründen anonym bleiben müssen, und da gibt es ja bekanntlich auch in einer freien demokratischen Gesellschaft genug.

Allerdings gibt es Möglichkeiten sich besser zu schützen, wie 33 Bits auch ausführt:

The good news for authors who would like to protect themselves against deanonymization, it appears that manually changing one’s style is enough to throw off these attacks. Developing fully automated methods to hide traces of one’s writing style remains a challenge. For now, few people are aware of the existence of these attacks and defenses; all the sensitive text that has already been anonymously written is also at risk of deanonymization.

Manuell seinen Schreibstil zu ändern ist also eine Möglichkeit, die sicherlich einfacher klingt, als sie ist.
Man könnte also in seinen kritischen Schriften gegen ein unterdrückerisches Regime bewusst nur in Hauptsätzen schreiben, während man in seinem Gartenblog, dass nicht anonym veröffentlich wurde und mit dem man vielleicht sogar eine überregionale Berühmtheit erlangt hat, zu einem Schreibstil neigt, der eher in unerträgliche Bandwurmsätze – wie eben diesen hier – ausartet.
Oder man macht es anders herum.

Eine weitere Möglichkeit, die ich mir so überlegt habe, wäre seinen eigenen Text in eine der kostenlosen Übersetzungsanwendungen wie babelfish zu geben, und ihr durch verschiedene Sprachen zu prügeln, bevor man ihn wieder in seine Wunschsprache übersetzt.
Aus einem Absatz über die Artikel des Grundgesetzes würde aus:

Entscheidende Frage dabei ist, wieweit die staatliche Schutzpflicht aus dem objektiven Gehalt der Grundrechte den Staat dazu ermächtigt, in Grundrechte Beteiligter einzugreifen. Diese „Schutz-durch-Eingriff“-Problematik wird am Beispiel des Urteils zum Schwangerschaftsabbruch deutlich. In der vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenen Verpflichtung des Staates zugunsten des ungeborenen Lebens liegt zugleich ein Eingriff in die Rechte der Schwangeren, der einer Rechtfertigung bedarf. Ob hierfür die objektive Seite der Grundrechte herangezogen werden kann, ist in hohem Maße umstritten und ungeklärt.

durch den Umweg über Englisch, Französisch, Englisch:

Die entscheidende Frage ist daher, inwieweit l‘ nationale Verpflichtung des Schutzes des objektiven Inhalts der Grundrechte erlaubt l‘ Stand, um in den Grundrechten der Teilnehmer zu intervenieren. Dieser Schutz „ durch das d’“; Interferenz – das Problem wird deutlich durch l‘ Beispiel des l’urteils; Abtreibung. In l‘ Verpflichtung des l‘ Stand zugunsten des kommenden Lebens, ausgedrückt durch den föderalen Verfassungsgerichtshof, gleichzeitig befindet sich eine Interferenz in den Rechten schwangere Frauen, die eine Rechtfertigung erfordert. Wenn für dies die objektive Seite der Grundrechte befragt werden kann, in einem umstrittenen und erschütterten beträchtlichen Grad ist.

Naja, da müsste man sicher noch einmal mit der Hand bei, um das Ergebnis wieder lesbar zu machen, aber schon am ersten Halbsatz sieht man, wie eine maschinelle „Verstilung“ aussehen könnte.

Ein weiterer Weg, der mir spontan einfiel, wäre auch die Gewohnheit auf gewissen Imageboards, in einer Art künstlich vereinfachter Subsprache zu kommunizieren, in der jeder die gleichen festgelegten Phrasen benutzt. Allerdings sind hier die Textschnipsel vermutlich so klein, dass bisher sowieso noch keine Zuordnung möglich ist.

Leuten, die auch mal längere Texte schreiben, und dies auch anonym tun wollen, bliebe nur auf eine funktionierende Entstilungssoftware zu warten, die sicher irgendwo irgendjemand entwickelt.
Wenn das nicht der Fall ist: hint, hint!

Mrz
18
2011
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Die Ursprache

In den Anfängen der Geschichte der Sprachwissenschaft haben die meisten Sprachwissenschaftler die Theorie einer einzelnen Ursprache akzeptiert. Viele von ihnen haben sogar ihre Zeit damit zugebracht, aktiv nach dieser Ursprache zu suchen.
Aus der Ursprache sollen sich alle anderen Sprachen dann mit der Zeit entwickelt haben – in einem quasi evolutionären Prozess.
Einen evolutionären Entwickungsprozess auf das Konzept der Ursprache zu Gründen ist schon irgendwie ironisch, denn die Idee einer Ursprache stammt aus der Bibel.

Bei der Ursprache soll es sich dort nämlich um die Sprache gehandelt haben, die alle Menschen gesprochen haben, bevor Gott für die sogenannte „babylonische Sprachverwirrung“ gesorgt hat.


Tower of Babel by ~AndreasZielenkiewicz on deviantART

Der Sage nach haben die Babylonier einen Turm gebaut, der bis in den Himmel ragt. Dieser wurde so hoch, dass Gott nervös wurde und ein Eindringen der Menschheit in seinen Herrschaftsbereich befürchten musste. Aus Gottes Sicht muss der Bau des Turms eine Art Dammbruch gewesen sein: wenn die Menschen schon einen richtig richtig hohen Turm bauen konnten, was kam dann als nächstes? Atomrkraft? Gentechnik? Das konnte Gott nicht zulassen, da die Schmach des frisch gepflückten Apfels des Baumes der Erkenntnis noch zu schwer auf ihm lastete.
Also sorgte er dafür, dass die einst einigen Menschen sich plötzlich in verschiedenen Sprachen mitteilen, wodurch Unverständnis, Zwietracht und Intoleranz gesäht wurde.
So die Sage.

Diese Geschichte mag ein schönes Gleichnis für die Hybris des Menschen sein, taugt aber nicht viel wenn man sie mit logischen Maßstäben misst.

Da viele Menschen – lange auch Wissenschaftler – im westlichen Kulturkreis die Geschichten in der Bibel als gegeben und wahr ansahen, schien es logisch, nach einer Ursprache zu suchen. Dies tat man, indem man einerseits Gemeinsamkeiten verschiedener Sprachen untersuchte und auf der anderen Seite Veränderungen, die eine Sprache im Laufe der Zeit mitgemacht hatte, feststellte.
Es gab einige Indizien für eine Ursprache, so ist das Wort für „Sack“ in vielen Sprachen verschiedenster Kulturkreise ähnlich, ebenso das Wort „Mama“, dass als eines der ersten Worte gelten muss, die Menschen lernen zu sprechen.

Betrachtet man sich die Geschichte der babylonischen Sprachverwirrung und die Vorgehensweise der Ursprachenforscher genauer, sieht man, dass diese kaum zusammenpassen.
Hat Gott die Urspache nämlich tatsächlich auf Schlag in viele verschiedene aufgeteilt, dann fand zwischen der Ursprache vor der Verwirrung und den verschiedenen Sprachen direkt danach keine Entwicklung statt, sondern ein Sprung. Bzw. mehrere Sprünge.
Am Anfang war Babylonisch. Die Babylonier bauten einen Turm, und plötzlich gab es z.B. Dänisch, Japanisch, Kurdisch und Innuktitut. Von den letzteren vier auf die Ursprache zu schließen ist unmöglich, da Gott sich ja die Mühe gegeben haben wird, eben dies auch zu verhindern. Da er die armen Babylonier verwirren wollte, wird er sicher – clever, wie er nunmal ist – die vier neuen Sprachen so verschieden wie nur möglich gemacht haben.

Untersucht man also, wie die Sprachen sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, kommt man allerhöchstens zu Ur-Dänisch, Ur-Japanisch, Ur-Kurdisch und Ur-Innuktitut, aber nicht zur eigentlichen Ursprache selbst.

Versuch der Extrapolation eines Urwortes anhand des Deutschen und Lateinischen:

Deutsch:                            Fenster
Latein:                                Fenestra
Protolatein:                     Fenestara
Neu-Ursprache:             Fenestatara
Ursprache:                       Fenenestatatara-Täteräh

Was bleibt anderes übrig? Gar nichts. Nun, ein wenig was. Man kann alte Ruinen ausgraben, die mutmaßlich aus der Zeit vor der Sprachverwirrung stammen, und dort nach Schriften suchen.
Da wir heute noch nicht einmal wissen, wie sich Latein gesprochen angehört haben mag; und das, obwohl wir über Tonnen um Tonnen lateinischer Texte verfügen und sogar noch die selben Schriftzeichen benutzen, zeigt wie aussichtslos es ist, die Aussprache des altbabylonischen anhand von irgendwelchen Keilschriften extrapolieren zu wollen.

Also keine Urspache. Die Suche nach selber wurde von der enstzunehmenden Wissenschaft auch eingestellt.

Das Konzept ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen: Es steht heute fest, dass sich Sprachen entwickeln. Geht man ebenso von einer relativ kleinen Gruppe von Menschen aus, die den Afrikanischen Kontinent dereinst verlassen hat, oder von einer auch recht übersichtlichen Gruppe, welche die Eiszeit überlebt hat, ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass diese Gruppen jeweils eine einzige Sprache sprachen. Um das zu verifizieren und um näheres über eine real existierende Ursprache herauszufinden, müsste man aber schon eine Zeitmaschine haben: die Aufzeichnungen der Menschen von vor der Eiszeit sind eher lückenhaft.

Spricht man in der Sprachwissenschaft heute von „Ursprache“ ist meistens nur eine Sprache gemeint, aus der sich alle Sprachen einer bestimmten Sprachfamilie entwickelt haben. Latein zum Beispiel gilt als Pater Familias der romanischen Sprachfamilie.

Menschen, die Religion für etwas der Wissenschaft übergeordnetes halten, können sich jedoch freuen: Es ist in der Gedankenwelt der Religion nicht  vollkommen unmöglich, dass Gott einem neuen Propheten die Ursprache direkt diktiert, und dieser Prophet diese dann auf Tonband spricht, oder niederschreibt.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Linguistisches | Schlagwörter:
Feb
24
2011
3

Youtube Fundstück 2

Man lernt ja immer neue Sachen. Aber bei Sachen aus dem Internet kann man sich ja nie sicher sein.
Ist im folgenden wirklich eine speziell irische Art dargestellt, Ja/Nein-Fragen zu beantworten? Kann das jemand bestätigen?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Youtube Fundstück | Schlagwörter:
Dez
03
2010
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Komm mit, ins Chancenwunderland…

Ach was sind sie nicht herrlich, unsere Regierungsparteien. Immer wenn man denkt, nun sei endgültig der Meeresboden des Niveaus erreicht und die könnten gar keinen größeren Unsinn mehr reden, packt irgendjemand in der CDU oder FDP einen neuartigen Tiefseebohrturm des Unsinns aus. (Die CSU läuft da meines Erachtens schon seit Strauß außer Konkurrenz.)

Man kann froh sein, dass verbaler Dünnpfiff nicht – wie etwa Erdöl – unkontrolliert in die Umwelt schwallern kann, obwohl ein Guido Westerwelle oder eine Frau von der Leyen schon ziemlich nahe an solch ein Szenario herankommen.

Erinnert ihr euch noch an den „Rechtsfreien Raum“? Diese allwettertaugliche Floskel in Sachen Netzpolitik, mit der schon seit den 90ern alle möglichen Politiker versuchen uns IT-Kompetenz vorzugaukeln?

Im letzten Jahr ist der politischen Kaste wohl dann auch aufgefallen, dass diese Floskel eventuell ein klein wenig zu oft Verwendung fand.

Ein Begriff wie „Terror“ gewinnt ja an Bedeutung, je öfter man ihn benutzt, aber „Rechtsfreier Raum“ ist leider emotional wenig beladen und klingt daher immer hohl.

Jeder zweite Politiker oder Netzkritiker erfand im Laufe des letzten Jahres also seine eigene Abwandlung dieser Phrase. Damit ihr inflationärer Gebrauch nicht so auffiel. Da wurde auch aus „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“ schon mal die Mär vom Internet als „rechtsfreiem Chaosraum“ oder das Internet wurde gar als „See der Gesetzlosen“ tituliert.

Dann wurde es irgendwann recht still um diese vermaledeite Phrase, weil die Bundestagswahl vorbei war, und die neue Regierung keinen Bock mehr auf Netzpolitik hatte.

Nun gibt Christian Lindner von der FDP etwas über das Internet zum Besten, und wenn man sich folgenden Satz auf den Augen zergehen lässt, ahnt man wie schwer es Herrn Lindner gefallen sein muss, den Satz mit diesem Raum, der rechtsfrei ist, auszusparen.

Unter anderem (LINK) sagt er folgendes:

Der Generalsekretär bekräftigte: „Das Internet darf kein Feld sein, wo es anarchische Strukturen gibt.“ Notwendig seien „klare Regeln“, wo es „sehr dominante, monopolartig auftretende kommerzielle Anbieter“ gebe.

Aus dem Raum, dem Meer, dem Netz namens Inter wird nun plötzlich ein Feld. Man könnte annehmen, dass Herr Lindner zu viel Farmville gespielt hat, und das Netz daher für ein „Feld“ hält.
Meiner Meinung nach ist „Feld“ ein noch dümmerer Ausdruck als „Raum“ und wo „See der Gesetzlosen“ ja noch irgendwie eine poetische Qualität hatte, klingt „Feld mit anarchischen Strukturen“ nur so als hätte da jemand einen Thesaurus zum Frühstück gehabt.
Im letzten Jahr hätte ich ihm noch den Rechtsfreien Raum der Woche für so eine Sprachvergewaltigung verliehen, aber das ist mir einfach zu viel Arbeit geworden.
Auch interessant, dass sich ausgerechnet jemand von der Unternehmer- und „Bürgerrechts-“ Partei FDP für weniger Freiheit und eine reguliertere Wirtschaft im Internet ausspricht, aber dass bei Parteien drin ist was drauf steht, gibt es ja sowieso seit Jahrzehnten schon nicht mehr.

Na ja, soviel zu dieser Phrase.
Derweil macht auch unser geliebter Sonnenschein von Bundeskanzlerin von sich reden.
Wie man hier (LINK) lesen kann, „attackiert“ Frau Merkel die Grünen und wirft ihnen vor, eine „Dagegen-Partei“ zu sein.
Erst einmal habe ich Schwierigkeiten mir Frau Merkel dabei vorzustellen wie sie jemanden attackiert. Ich muss da spontan an alte Klamauk-Klamotten mit Didi Hallervorden denken, in denen es immer zu herrlich verrückten Handgemengen kam, wenn ich „Merkel“ und „Attacke“ in einem Satz lese.
Aber diese Formulierung ist ja nicht Frau Merkels Schuld, sondern die desjenigen, der sich die Überschrift der Meldung ausgedacht hat.
Frau Merkel hingegen hat gemerkt, dass die Grünen häufig mal gegen etwas sind, dass die CDU oder auch die FDP fordert.
So sind die Grünen – zumindest prinzipiell – gegen Atomstrom, Castortransporte, CCS, Kohlekraftwerke und so einiges mehr.
Aber es ist ja immer auch eine Sache der Perspektive. Man könnte es auch so ausdrücken, dass die Grünen für Umweltschutz sind, für erneuerbare Energien und für den Atomausstieg.
Und wie beknackt ist es eigentlich einer Oppositionspartei vorzuwerfen, sie sei gegen etwas, was die Regierungspartei beschließt? Muss die Opposition nicht eine andere Meinung vertreten als die Regierung, damit man noch von Demokratie sprechen kann?

Und jetzt schlägt auch noch die wahlkampfwettererprobte Frau Ursula „Zensursula“ von der Leyen, die ja mittlerweile Arbeitsministerin ist, in die gleiche Kerbe.
Wie die Welt (LINK) berichtet, warb sie im Bundestag für die Unterstützung der Opposition bei der neuen Hartz-Reform.

„Ich lade Sie ein, den Weg der Chancen mitzugehen und nicht auf dem Holzweg der Ablehnung zu bleiben“

Mir fehlen die Worte. Ein Zustand, den ich mir auch an allen hier genannten Politikern wünsche.

Warum macht die CDU nicht gleich ein Gesetz, indem die Opposition dazu verpflichtet wird, Gesetzesvorhaben der Regierung zuzustimmen?
Zuzutrauen wäre es denen. Ebenso, dass sie dann wegen eben dieses Gesetzes vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, sobald sie selbst mal wieder in der Opposition sind.

Nov
23
2010
2

Ich wünsch‘ ’nen schön‘ Tag mit Apostroph

Das tolle am Internet ist ja, dass fast jeder vorstellbare Blogeintrag schon geschrieben ist, und man sich selbst daher folgerichtig kaum die Mühe machen muss, selbst einen zu schreiben.
Manchmal hat man zu bestehenden Blogartikeln jedoch was hinzuzufügen.

Was mich sprachlich im Internet sehr nervt sind die falsch benutzten Kurzformen für unbestimmte Artikel.
Wie Andis Blog schon vor zwei Jahren feststellte – (LINK) – werden „ein, eine und einen“ im Internet gerne mit „n, ne und nen“ abgekürzt.

Wenn man diese Abkürzungen jeweils falsch benutzt verwendet sieht, kommt es gerne mal zu linguistisch-allergischen Reaktionen.

Schreibt da zum Beispiel jemand „nen Problem“, dann ist die Langform dafür „einen Problem“, was nur in bestimmten regional verbreiteten Mundarten richtig ist. Wenn überhaupt.

Jedoch ist auch „n Problem“ falsch, da das Apostroph fehlt. Wo immer man im Deutschen Buchstaben weglässt, um eine bestimmte Aussprache zu signalisieren, benutzt man den Apostroph als Platzhalter.
In diesem Fall handelt es sich dann noch nicht einmal um einen Deppenapostroph, sondern um einen Schlaue-Leute-Apostroph. [Anm. des Autors: Um wen handelt es sich? Um EINEN Apostroph. Grummel!]
Es muss also “ ’n Problem“, “ ’ne Finanzkrise“ und “ ’nen Präsidenten“ heißen.
Nur dann ist es wirklich wirklich richtig, auch wenn ich die richtige Verwendung der Geni schon klasse fände. Hierbei gilt:

’n als Kurzform für „ein“ bei sächlichen Worten „das Arschgesicht/ ’n Arschgesicht“

’ne als Kurzform für „eine“ bei femininen Worten „die blöde Gans/ ’ne blöde Gans“

und

’nen als Kurzform für „einen“ bei maskulinen Worten „der Armleuchter/ ’nen Armleuchter“

Man beachte, dass „einen“ und ’nen auch nur dann richtig ist, wenn das maskuline Wort im Akkusativ steht.
„Ich kaufe mir ’nen Berg“ ist also richtig “ ’nen Maler hilft mir bei den Wänden“ ist falsch.
Steht das maskuline Wort im Nominativ, wird’s ganz normal mit “ ’n“ abgekürzt.

Am konkreten Beispiel:
„Auf die Reise nach Taka-Tuka begleiteten mich ’ne blöde Gans und ’n Arschgesicht. Außerdem haben wir ’nen weiteren Armleuchter“ mitgenommen.

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter:
Aug
27
2010
4

Westerwelle in Gefahr!

Erinnert ihr euch noch, dass Guido Westerwelle ein Komplott der Medien vermutet hat, als kaum ein Medium seine Kritik an HartzIV-Empfängern gut finden wollte, und er außerdem wegen vergnüglicher Auslandsreisen mit Freunden aus der Wirtschaft selbst in der Kritik stand?
Irgendwie hat er da wohl nicht eingesehen, dass tatsächlich nicht alle sein Verhalten okay finden, im Gegenteil.

Warum er teilweise so empfindlich reagiert könnte aber teilweise tatsächlich an den Medien liegen.
So gab es Anfang August in der BZ diese Schlagzeile:

„Afghanistan Einsatz: Westerwelle: Gezielte Tötung rechtens“ (LINK)

Wenn man nur die Schlagzeile liest, und keine Ahnung hat, worum es geht, mag hier der Eindruck entstehen, als sei Westerwelle selbst quasi zum Abschuß freigegeben. Dem ist natürlich nicht so.
Offenbar ist der BZ diese Ambiguität wohl inzwischen bewusst geworden, denn mittlerweile hat man die Schlagzeile folgendermaßen geändert:

„Westerwelle: Taliban-Bekämpfung rechtens“ (LINK)

Nun ist diese Schlagzeile sicher eindeutig im Bezug auf eine vermutete Vogelfreiheit unseres Vizekanzlers, allerdings ist sie in Bezug auf die Sache leider ein wenig unpräziser.
Was genau ist „Taliban-Bekämpfung“? Dass es sich hier um die gezielte Tötung einzelner Talibanfüher handelt, geht aus dieser Überschrift nun nicht mehr hervor. Aber man kann eben nicht alles haben.

Daß Zufälle, wie diese unglückliche Schlagzeile kein Einzelfall sind, beweist auch dieser Screenshot von Google-News:

…aber da ist wohl keiner schuld, sondern sicher wirklich nur etwas verrutscht.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges,Politisches | Schlagwörter: , ,
Aug
03
2010
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Redundante Redundanzschilder sind redundant

Ja, ich weiß, schon wieder ein Schild, ich würde ja auch viel lieber mal etwas anderes bloggen, so zur Abwechslung, aber ich blogge die Schilder, wie sie mir vor die Linse kommen.

Ein besonders schönes Beispiel kreativer Beschilderung (und Orthographie) findet sich bei uns im Ort an einem Altkleidercontainer auf dem Parkplatz eines Supermarktes.

Dem Kenner fällt an diesem improvisierten Schild sofort das Fehlen jeglicher Ausrufezeichen auf. Es stellt sich die Frage, ob dieses eine absichtliche Entscheidung des Schildschöpfers war, oder selbiger nur nicht darüber informiert war, dass es in der Welt der Schilder Ausrufezeichen gratis dazu gibt!!!
Aber das soll uns nicht weiter kümmern. Freuen wir uns einfach einmal, dass wir weder durch eine besonders auffällige Schriftart, noch durch eine Schwemme von Ausrufezeichen optisch angeschrien werden.

Zuerst weist uns das Schild in leicht kreativer Rechtschreibung darauf hin, dass „Unerlaubte Müllentsorgung“ zu „Unterlassen“ ist.
Hier handelt es sich um ein klassisches Verbot, das in Gebotsform gefasst ist. Statt die Entsorgung von Müll zu verbieten, wird einem hier befohlen es zu unterlassen dies zu tun.
Das Eigenschaftswort „Unerlaubt“ wirkt hier leicht überflüssig, denn es ist schwer vorstellbar, dass es in bestimmten Fällen eine Erlaubnis dafür gibt, Müll in einem Altkleidercontainer zu entsorgen.
Oder ist mit dem implizierten „erlaubten Müll“ etwa alte Kleidung gemeint?
Auch das scheint unwahrscheinlich, weisen solche Container doch generell (auf anderen Schildern) darauf hin, dass die eingeworfene Kleiderspende sauber und prinzipiell noch tragbar sein muss. Kleidung die als „Müll“ bezeichnet werden kann, ist dies in der Regel nicht, es sei denn, es handelt sich um die abgelegten Bühnenoutfits von MC Hammer.

Weiter weist uns das Schild darauf hin, dass „bei Missachtung“ des obigen Gebots der Unterlassung der unerlaubten Müllentsorgung, „dies strafrechtlich geahndet“ wird. Lassen wir uns einmal den angedrohten Sachverhalt auf der Zunge zergehen: Für das Unterlassen des Unterlassens der unerlaubten Entsorgung von Müll gibt es eine Ahndung. Und zwar strafrechtlich.
Eine „Ahndung“ ist eine Bestrafung. Ein nicht befolgen des Negativgebots führt also eine strafrechtliche Bestrafung nach sich.

Der Hinweis, dass die angedrohte „Ahndung“ strafrechtlich erfolgt, ist in so fern vielleicht noch sinnvoll, als dass auch nicht vom Strafrecht gedeckte öffentliche Auspeitschungen durch DRK-Mitglieder eine Ahndung darstellen würden.
Ist es jedoch notwendig, das Wort „strafrechtlich“ auch noch zu unterstreichen? Weißt der Unterstrich auf eine besondere Betonung hin, oder soll nur noch einmal hervorgehoben werden, dass eine strafrechtliche Ahndung im Falle einer Unterlassungsunterlassung möglich wäre?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches | Schlagwörter:
Jul
23
2010
3

Schilder an merkwürdigen Orten

Wir gehen durch den Wald. Mitten im tiefsten Dickicht fällt uns ein Schild auf:

Als an Schildern generell interessierte Menschen gehen wir näher ran, bis wir mitten zwischen den Bäumen, abseits jedes Waldwegs stehen. Und wir sehen folgendes:

Weit und breit ist weder ein Zaun, noch sonst eine Abgrenzung zu sehen. Nur eben dieses Schild, an einem Baum inmitten von hunderten anderer Bäume. Die Schrauben (!!!) mit denen das Schild am Baum befestigt wurde sind schon sehr verrostet, Schilder wie dieses werden schon seit Jahrzehnten verkauft, und da das Schild aus durch die Witterung unkaputtbarem Plastik ist, lässt sich schwer sagen, wie lange es schon da hängt.
Hat irgendein Scherzbold mit einem seltsamen Sinn für Humor dieses Schild hier aufgehängt? War hier mal ein Grundstück, das Mutter Natur mit überirdischem Baumwachstum im Laufe der Jahrzehnte, die das Schild schon hängen mag, zurückerobert hat?
Wohnen hier Waldelfen? Oder wird dieser spezielle Baum etwa gar vom magischen Wurzelgnom Görgelbrecht bewohnt? Gilt nicht eigentlich das Waldrecht, wenn kein Zaun da ist, auch wenn irgendeiner hier ein Schild aufgehängt hat? Wer schraubt Schilder in Bäume?
Fragen über Fragen, und keine Antwort in Sicht.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Linguistisches | Schlagwörter:
Jul
21
2010
4

Breitseitenschilder

Es gibt Schilder, die einem wortgenau verbieten Donnerstags zu parken, oder die am Wochenende zwischen 7 und 19 Uhr die Geschwindigkeit begrenzen. So hoch spezialisiert kann die Botschaft eines Schildes sein.

Hier sieht es jedoch anders aus:

Etwas ist verboten. Und etwas ist gefährlich. Was? Das Schild bleibt uns die Antwort schuldig.
Ein Mann und ein Kind sind auf dem Schild dargestellt, die Ball spielen. Ein kleiner Terrier sieht von etwas weiter weg zu.
Ist also das Ballspielen verboten? Weil Gefahr durch Terrier droht? Oder ist Hunden der Zutritt verboten, weil das Herumkicken eines Balles zu Verletzungen führen kann?
Am besten, man lässt gleich alles sein, wenn man dieses Schild sieht. Nur, um auf Nummer sicher zu gehen. Immerhin ist da etwas gefährlich.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Gesellschaftliches,Linguistisches | Schlagwörter: ,
Jul
12
2010
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Immer die Fahrradfahrer…

In Bezug auf die Fahrradfahrer habe ich bereits schon die „Roboterkiller“ vorgestellt, die konstatieren, dass Vernünftige nicht Fahrrad fahren, und es allen anderen verbieten. Im Schilderwald sind diese exotischen Vertreter allerdings nur die Spitze des Eisbergs, gerade wenn es um Schilder mit Ver- und Geboten rund um den geliebten Drahtesel geht.

Als erstes ein gutes Beispiel. Ein Schild, dass alles richtig macht. Es bleibt höflich – wenn auch nicht gerade poetisch, wie die Höflichkeitsschilder – und appeliert an unseren Anstand, ohne zu schlaumeiern, wie etwa die Roboterkiller es tun.

Wir werden nicht nur höflich gebeten, keine Fahrräder abzustellen, wir erfahren auch, wer uns bittet. „Die Verwaltung“ in diesem Fall. Gut, das ist jetzt nicht sehr spezifisch, aber es ist anzunehmen, dass „die Verwaltung“ eben auch die Wände verwaltet, an denen keine Fahrräder abgestellt werden sollen. Durch solch ein Schild fühlt man sich weder bevormundet noch gegängelt, und schon gar nicht verarscht.

Dem nächsten Schild sieht man das hohe Alter schon an. So hat man es also früher gemacht:

Dieses Schild befiehlt uns – mehr oder weniger zackig – vom Fahrrad abzusteigen. Es sagt uns nicht warum und wozu, und das Ausrufezeichen fehlt. Erstaunlich, denn Schildermacher gehen mit diesem ja sonst nicht gerade sparsam um. Hier hätte es einmal gepasst, obwohl es das Schild natürlich auch nicht höflicher, noch die Botschaft nachvollziehbarer,  gemacht hätte.
Immerhin erfahren wir, wer uns befiehlt: Der Bürgermeister. Wenigstens weiß man nun, wo man sich über den rüden Ton beschweren kann.

Die Regel sind leider immer noch die nominalphrasierten Schilder. Sie sind unpersönlich und versuchen trotzdem Autorität zu vermitteln. Wie das geschieht, kann man an folgendem Schild sehen:

Dieses Schild teilt keine Befehle aus, und es bittet auch nicht. Es präsentiert einen Satz mit dem Verb „ist“ wie ein Faktum. „Das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt“ stellt es uns als Wahrheit hin. Rosen sind rot, Veilchen sind blau und das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt.
In zweifacher Hinsicht schummelt das Schild:

1.) Das Schild scheint uns nichts vorzuschreiben, noch enthält es eine Botschaft von jemandem. Es scheint einfach nur eine Wahrheit des Universums preiszugeben. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Schild hat ja immerhin jemand aufgehängt. Wer das ist, erfahren wir nicht. Der Verfasser bleibt anonym.

2.) Statt ein Verbot zu enthalten, beschreibt uns das Schild den Zustand des „Nicht-erlaubt-seins“. Man kann also nicht fragen, wer das Verbot ausspricht, weil es ja gar keines gibt. Es gibt nur eben keine Erlaubnis. Hier arbeitet das Schild mit ähnlichen Tricks wie auch viele Politiker.

Jetzt noch ein sehr merkwürdiges Beispiel:

Das Schild beginnt vielversprechend: Es spricht einen persönlich, vertraulich an und es sagt uns, wo wir unsere Fahrräder abstellen können. Ein Verbot spricht es nicht aus, auch kein negatives Gebot. Statt dessen droht es allen, die ihre Fahrräder hier abstellen ohne Umschweife.
Durch den rüden Ton im letzten Satz und die Hervorhebung durch Unterstreichung bekommt die freundlich vertrauliche Begrüßung des Schildes einen ganz üblen Beigeschmack.
Auch die Wortwahl ist interessant: „Beseitigt“ werden die Fahrräder. Was soll das heißen? Wenn in Krimis jemand von „Beseitigen“ spricht, so ist dies meist ein Euphemismus für die sprichwörtlichen „Betonschuhe“ mit anschließendem „Bad“ im Fluß. Und dann auch noch kostenpflichtig, man soll den Beton also auch noch selbst bezahlen?!
Wenn man ein wenig über das Schild grübelt, fallen einem alternative, ähnlich absurde, letzte Sätze ein:

  • „Es wäre doch schade, wenn Ihr Fahrrad einen bedauerlichen Unfall erleidet.“
  • „Wenn Sie Ihr Fahrrad hier abstellen, werden wir uns um Ihr Fahrrad kümmern.
  • „Hier abgestellte Fahrräder betreten eine Welt des Schmerzes.“

Die Stellplätze auf dem Bahnhofsvorplatz sind vermutlich also als „ein Angebot“ gemeint, „dass man als Fahrradfahrer nicht ablehnen kann“.

Wer denkt sich sowas aus?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: ,