Impactsuspect » Kurzrezensionen
Mrz
03
2010
4

Aus, der Traum…

Ich bin heute über einen schönen Fall von zufällig entstandener Kunst gestoßen. In Niebüll an den Bahnschranken steht eine Plakatwand, auf der vor einigen Monaten wohl noch ein Wahlplakat der SPD mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten hing. Mittlerweile ist der ja Oppisitionsführer, nachdem die SPD bei den Bundestagswahlen ja eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Partei eingefahren hat.

Nun, das Plakat ist wohl mehrmals überklebt und wieder freigerissen worden, und sieht momentan so aus:

Schauen wir uns das Werk des Künstlers Zufall doch mal im Detail an:

Der Blick wird des Betrachters wird sofort von dem Fragment des Portraits des damals noch amtierenden Aussenministers eingefangen.  Seine Augen lächeln, und auch das sichtbare Grübchen auf seiner rechten Wange legt den Schluß nahe, dass Frank Walter Steinmeier ein fröhliches Gesicht hinter den Überklebungen zur Schau stellt. Das Lächeln sieht ehrlich und optimistisch aus.

Die ganze rechte Hälfte der Plakatwand zieren die Überreste einer Werbekampagne der Sparkasse, deren Rot dem der SPD zumindest sehr ähnlich sieht.  Was auch immer im Zentrum der Sparkassenwerbung zu sehen war, wir sehen nur einen Oberarm im Anzug, dahinter einen grauen Hintergrund mit einem ebenso grauen Ölgemälde. Wohl ein Portrait, das allerdings durch ein herunterlappendes Plakatstück verdeckt ist. Von dem nicht mehr lesbaren Werbeslogan ist nur noch ein eben so lesbares „kasse.“ in weiß auf rotem Grund übrig.

Auf der linken Hälfte sitzt Steinmeier ein großer grüner Flatsch auf dem Kopf, der stirnwärts auf den Kopf Steinmeiers eindringt. Steinmeiers Mund ist mit einem undefinierbaren blauen Klecks verklebt.

Nehmen wir einmal an, dies sei eine postmoderne Collage, die irgendein Küstler – Nennen wir ihn einmal Meister Zufall – geschaffen hätte. Was wollte uns der Künstler wohl damit sagen?

Ich will mich mal an einer Interpretation versuchen:

Steinmeier ist fröhlich optimistisch wie eh und je. Er steht noch immer da, wo er vor der Wahl stand, obwohl von allen Seiten Fremdkörper auf ihn eindringen. Die Grünen sitzen ihm in den Haaren. Vielleicht eine Mahnung an das rot-grüne Versprechen, das noch aus Regierungszeiten Schröders stammt?

Sieht der Klecks nicht aus, als wolle er Steinmeiers Kopf umfassen, ja fast greifen, um das einst gegebene Versprechen einer gemeinsamen Regierungsbildung einzufordern? Doch Steinmeiers linkes Ohr ist abgeschnitten. Dies könnte die Weigerung der SPD bedeuten, mit der Linkspartei auf Bundesebene auch nur eine Regierungsbildung zu erwägen.  Dort wo sein linkes Ohr sein sollte, sieht man nur ein graues Büro. Ein graues Büro, mit dem ominös wirkenden Wort „kasse.“ auf SPD-farbenem Grund.  Symbolisiert die rechte Hälfte des Plakats die Sozialreformen aus schröderscher Zeit? Arbeitet die Person, deren linken Oberarm wir sehen etwa an der Agenda 2010?

Es heißt ja „kasse.“, nicht „Kasse“ oder „kasse“. Die Kleinschreibung deutet klar auf eine gewisse Beiläufigkeit oder Routine hin, und der Punkt scheint dafür zu stehen, dass nach der „kasse“ eben Schluss ist.  „Agenda 2010 und Schluß!“ ruft uns dieser kleine weiße Punkt zu. Unauffällig aber endgültig.

Der blaue Klecks versperrt Steinmeiers Mund. Und hört man nicht auch mittlerweile ziemlich wenig von ihm? Wenn man die Nachrichten anschaltet, dann geht es meist nur um die Regierung. Entweder Merkel meldet sich zu irgendeinem Thema zu Wort, oder Steinmeiers Amtsnachfolger macht von sich reden. Der ist überhaupt aus den Nachrichten kaum mehr wegzubekommen.

Ist das vielleicht der Grund für Steinmeiers verhülltes Lächeln? Lacht er uns aus? Will er uns sagen „Seht ihr? Ich war doch besser als der, oder? Da seht ihr, was ihr davon habt!“

Wenn ich so drüber nachdenke, hat meine alte Englischlehererin aus Realschulzeiten auch immer ähnlich geschaut, wenn die Klasse außer Rand und Band war, und sie nur schmunzelnd sagte: „Tut euch keinen Zwang an! Ich kann auch später anfangen, mein Geld bekomme ich ja sowieso!“

In seiner Gesamtheit stimmt das Werk aber dann doch eher traurig.  Ich kann nicht genau sagen warum.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter: , ,
Mrz
02
2010
7

Zwielichtige Vampire III

In diesem Artikel möchte ich den dritten Band der Twilight-Reihe auseinandernehmen, wie ich auch schon Band eins und zwei kritisiert habe. Die Rezensionen zu den Büchern findet ihr hier: Link und hier: Link.

Auch im wirklichen Leben Erzrivalen? Wölfe und Fledermäuse.

Nun aber Band 3, der da heißt „Biss zum Abendrot“.

*

Ich muss gestehen, dass ich einige Hoffnung hatte,  die Reihe würde nun immer besser werden. Immerhin war das erste Buch der Erstling von Stephene Meyer, da kann man noch einiges durchgehen lassen, und das zweite Buch empfand ich als um einiges besser als das erste. „Wird schon!“, dachte ich mir, vielleicht ist das dritte ja – analog zur Harry Potter Reihe – das beste?

Aber nein.  Der dritte Band der Twilight-Reihe war – für mich persönlich – die bisher schmerzhafteste Vampirerfahrung:

Die Charaktere empfand ich weiterhin als eindimensional, die Handlung, Spannung und der Plot lassen lange auf sich warten, und sowas wie einen Spannungshöhepunkt sucht man vergebens.

Bella hat immer noch den Hausarrest, den sie nach den Ereignissen im zweiten Band aufgebrummt bekommen hatte. Sie liest um sich die Zeit zu vertreiben in Emily Brontës „Sturmhöhe“. Schön, wenn einen schlechte Bücher an gute Bücher erinnern, die man statt dessen lesen könnte. Aber na ja.

Um den Plot des Buches nicht noch weiter zu behindern, als es die Autorin ohnehin schon tut, erlässt Bellas Vater dieser zu Beginn des Buches dann aber den restlichen  Hausarrest.

Bella leidet aber trotzdem weiter, weil sie Jacob nicht besuchen darf. Das hat ihr nicht etwa ihr Vater verboten, nein im Gegenteil, der würde sich freuen. Das Verbot wurde ihr von Milchschnitte auferlegt, weil Werwölfe eben nun einmal gefährlich sind …sagt der Vampir. Anrufen kann Bella Jacob auch nicht, weil der dann sowieso nicht abnimmt.

Der ganze erste Teil des Buches besteht dann auch aus Bella, die ihren Vampirfreunden ausbüxt um sich mit Jacob zu treffen, der sie dafür anmault, dass sie sich mit Vampiren rumtreibt, nur damit sie sich dann später mit Milchschnitte darüber streiten kann, dass sie sich mit Werwölfen rumtreibt.

Bella beim ruhigen, analytischen Nachdenken

Ausserdem streitet sie sich mit Milchschnitte auch noch darum, dass sie aber nicht heiraten will, wie er es ihr zur Bedingung gemacht hat, wenn sie je gebissen werden will, darüber dass Bella gerne mit Milchschnitte ins Bett will, der das aber für zu gefährlich hält, und das Bella möglichst gestern zum Vampir gemacht werden möchte.

Dieser Themenkomplex füllt mindestens das halbe Buch, und den fand ich unglaublich langweilig, und Bella wird dadurch, dass sie aber ALLES will und zwar SOFORT, auch nicht wirklich sympathischer.

Über Milchschnitte erfährt man derweil herzlich wenig, dabei gäbe es da so viel interessantes, was man hätte erzählen können, immerhin ist Milchschnitte über 90 Jahre alt. Einige Fragen, die ich mir unwillkürlich bei der Lektüre des Buches stellte, waren zum Beispiel:

– Was hat er all die Jahre getrieben? Er kann ja schließlich nicht immer nur zuhause gehockt haben in all den Jahren?

– War Milchschnitte vielleicht schon mal verheiratet? Wen ja mit wem, wenn nein warum nicht?

– Wie genau ging es Milchschnitte damit, als er zum Vampir gemacht wurde? War seine Eingewöhnungszeit schlimm? Das wird zwar hin und wieder mal ominös angerissen, Einzelheiten erfahren wir aber nicht.

– Hat Milchschnitte eigentlich noch andere Hobbies außer „Claire de Lune“ spielen? Fotografiert er? Spielt er Shuffleboard in der Olympiamannschaft? Irgendwas?

Man erfährt so ziemlich genau NICHTS. Das ganze Buch, vom Pro- und Epilog einmal abgesehen, ist eine einzige Abschrift von Bellas Gedanken, und selbst sie stellt diese Fragen nicht. Auch Milchschnitte stellt keine Fragen, obwohl Bella die einzige Person ist, deren Gedanken er nicht lesen kann.

Statt dessen vergeudet man seine Zeit mit Eifersüchteleien und Beziehungsstress.

Na ja, irgendwann klopft dann die Handlung leise an. Die Vampirfreunde finden heraus, dass irgendein unbekannter Vampireinbrecher in Bellas Zimmer war, und – salopp ausgedrückt – ihre Unterwäsche geklaut hat. Könnte dies mit Victoria zu tun haben? Der Vampirin, die Bella umbringen will, weil sie diese für den Tod ihres Freundes verantwortlich macht, der Bella umbringen wollte? Wer weiß, wer weiß?

Noch sowas: Warum wollen alle Vampire immer Bella umbringen? Schwitzt sie Blut, oder was? O_o

Außerdem kommt es in Seattle zu einer Reihe von Gewaltverbrechen, die Milchschnitte fachkundig für von stümperhaften Vampiren verübt hält.

Das hab ich jetzt aber schon sehr komprimiert, dazwischen müsst ihr euch noch jede Menge Gejammer von Bella vorstellen. Bella ist entweder traurig, weil sie aber mit Jacob zusammen sein will, weil sie aber nicht heiraten will, weil sie aber poppen will, weil sie aber keine Geburtstagsfeier will oder weil sie will, dass Vampire und Werwölfe sich vertragen.

Weiter künstlich aufgebläht hat Stephenie Meyer ihr Buch mit den schon aus Band eins und zwei bekannten Beschreibungen des „überirdischen“ Aussehens von Milchschnitte. Diese Beschreibungen hat sie aber dann doch ein wenig verändert. Mir ist diesmal nicht einmal aufgefallen, dass sie darüber schreibt, wie „schön aber gefährlich“ oder „gefährlich aber auch schön“ Milchschnitte ist, statt dessen wird er mit Michelangelos David verglichen, der nach neuesten Untersuchungen ja schwere Haltungsschäden hat, aber das war sicher nicht gemeint.

Bis dann endlich mal was annäherd spannendes passiert, sollen dann insgesamt auch 3/4 des Buches, gefüllt mit solchem Geschwafel, vergehen.

Okay, Handlung:

Irgendwann im hinteren Teil des Buches feiern die Cullens, die nette vegetarische Vampirfamilie von nebenan, für Bella eine Geburtstagsparty. Bella möchte zwar nur ungern im Mittelpunkt stehen, doch die Vampirwahrsagerin, die scheinbar von den Sitten und Gebräuchen von Normalsterblichen besessen ist, möchte unbedingt eine Geburtstagsparty ausrichten. Viele von Bellas menschlichen Freunden, die außer im ersten Teil der Saga jedoch kaum eine Rolle mehr spielen kommen auch.
Dummerweise hat Bella quasi aus Versehen auch Jacob eingeladen, der sich das nicht zweimal sagen lässt, und prompt mit ein paar anderen Werwölfen im Schlepptau vorbeikommt.
„Super!“, denkt sich der Leser – bzw. ich zumindest – „Endlich passiert mal was! Gleich gibt’s Fratzengeballer!“
Aber nein.
Die Vampire verlassen sicherheitshalber die Party, vielleicht aus Angst, Höflichkeit oder weil die Werwölfe so grässlich riechen. Vielleicht auch aus einer Kombination von allen drei Dingen.
Bella unterhält sich ein wenig mit den Werwölfen, die ich nur mit dem Prädikat „halbstark“ versehen kann, bis sie dann von der Wahrsagevampiren zu erfahren bekommt, dass die bekloppten Vampire aus Seattle bald angreifen.

Fast augenblicklich vertragen sich die Werwölfe mit der Vampirfamilie um gegen die gemeinsame Bedrohung aus Seattle zu kämpfen. Herrje, die Vampire und die Werwölfe studieren sogar gemeinsam Kampftechniken ein, während eifrig beratschlagt wird, Was mit Bella geschehen soll.
Der Leser – also ich – denkt sich „Nagut, kein Vampir-vs.-Werwolf-Fratzengeballer, aber dafür immerhin ein episches Gemetzel zwischen Vampiren und Werwölfen auf der einen, und bekloppten Vampiren aus Seattle auf der anderen Seite.“ Immerhin, das würde zwar nicht für den emotionalen Gedankenmüll entschädigen, den ich bisher lesen musste, wäre aber mal ein Friedensangebot an den Leser – also an mich.
Und mal ehrlich: Da kann man doch was draus machen oder? „Vampire gegen Werwölfe“ ist ja schon ein wenig wie „Underworld“ aber „Vampire und Werwölfe gegen Vampire“ das ist ja mindestens… …wie 2x „Underworld“!

Die Werwolf-Vampir-Allianz

Aber nein.
Bella, der die Handlung des Buches ja folgt wie der treue Hund Toto aus dem „Zauberer von Oz“ wird von Jacob, Milchschnitte und einem anderen Werwolf, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, fortgebracht. Milchschnitte kommt übrigens nur mit, weil Balla NICHT OHNE IHN LEBEN KANN!!!!1elf  Zuerst war der Plan, dass er nicht mitkommt, aber da wurde Bella unglaublich traurig.
Nun kommt Milchschnitte mit, so dass Bella unglaublich traurig darüber sein kann, dass vielleicht Untote, die sie mag, sterben, weil Edward nicht am epischen Fratzengeballer teilnehmen kann.
Bella wird von den drei Gescheiten auf dem Weg nach Nirgendwo also in den Wald gebracht, wo sie fast erfriert. Aber immerhin erfriert sie ja in Sicherheit, ist ja auch schon mal was. „Aus medizinischen Gründen“ kuschelt sich Jacob in ihrem Schlafsack an sie, während Milchschnitte draußen steht, und und sich darüber ärgert, dass er sich nunmal so anfühlt, als würde er im Kühlregal aufbewahrt.
Anderswo tobt vielleicht schon ein episches Gemetzel von den Ausmaßen der Schlacht von Helms Klamm, aber davon bekommen wir ja nichts mit, weil wir als Leser quasi Bella beim Schlafen zuschauen.
Danke Stefenie!

Selbst Jacob wird das zu langweilig, woraufhin er ab zum Kampf geht. Sogar er bekommt mehr Action mit als der Leser dieses Buches.
Kaum denkt man sich das, passiert tatsächlich mal was:
Das Camp wird angegriffen, und zwar von *Überraschung!* Victoria. Wer hätte das nur ahnen können? Aber nun haben wir es immerhin schwarz auf weiß, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, dass die bekloppte Vampirarmee aus Seattle auf ihrem Mist gewachsen ist, auch wenn im Buch vorher schon ein paar mal erwähnt wird, dass sie wahrscheinlich dahinter steckt.
Victoria ist aber nicht alleine gekommen, nein so bekloppt wie ihre Vampirarmee ist die blutsaugende Meisterstrategin nicht, sie hat einen der bekloppten Vampire mitgenommen.
Auf der einen Seite also ein gedankenlesender Milchschnittevampir, ein im Kampf gegen Vampire geschulter Werwolf und …nun… Bella, und auf der anderen Seite ein Vampir, und ein bekloppter Vampir. Alleine wenn sich dich diese Aufstellung so anschaut, braucht man kein Kampfexperte zu sein, um einen klaren Favoriten zu sehen. Aber als Twilight-Leser sind wir uns ja sowieso schon ziemlich sicher, dass weder Bella noch Milchschnitte viel passiert, immerhin gibt es ja noch einen vierten Teil. Der namenlose Werwolf könnte rein theoretisch als Redshirt dran glauben, aber die Frage die ich mir zu diesem kleinen Scharmützel stelle ist eher folgende:
WARUM NIMMT VICTORIA NICHT GLEICH FÜNF VON IHREN VAMPIREN MIT, NUR UM AUF NUMMER SICHER ZU GEHEN?
Herrje, da ist ja jeder Bondbösewicht besser vorbereitet.
Na ja, erst versucht Milchschnitte das alte „Ich lese die Gedanken des Gefolgsmannes, und versuche ihn auf unsere Seite zu ziehen“, leider erfolglos, dann wird recht kurz gekämpft. Irgendwann wirft Bella auch einen Stein nach irgendwem, und kurz drauf sind die beiden Bösewichte tot.

Irgendwas scheint aber doch nicht ganz zu stimmen, denn Milchschnitte bekommt sowas wie einen telepathischen Anfall.
ENDLICH eilen die drei zum Hauptkampf, der dann auch schon vorbei ist, als man ankommt, und dem Leser – also mir – somit jede weitere Chance auf ein kleines bisschen Horrorshow nimmt.
Jacob ist verletzt. [Werwölfe Abgang Bühne links]

Dann scheint es für einen kurzen Moment aber erst richtig loszugehen: Die italienischen Obervampire aus Band zwei betreten die Szenerie. Ich – als Leser – denke mir: „Da hast du mich aber ganz schön an der Nase herumgeführt Stephenie! Ich hätte fast schon gedacht, dass es das jetzt wirklich gewesen war mit den epischen Kämpfen!“
Nun also, der unvermeidbare Konflikt mit den alten und mächtigen italienischen Glitzervampiren soll nun endlich ein für alle mal geklärt werden! Ein Kampf bis auf den Tod!?
Aber nein.
Statt dessen unterhält sich unsere Vampirfamile höflich mit den Italienern, welche ihrerseits freudig zur Kenntnis nehmen, dass das Problem mit den bekloppten Vampiren aus Seattle schon gelöst ist. Deswegen sind die nämlich den weiten Weg über den Atlantik gekommen. Die bekloppten Seattlevampire haben sich nicht an den Code gehalten. (Wahrscheinlich ist dieser Vampircode das, was man an einer Vampirakademie lernen kann)
Ach ja, die Italiener bringen noch den letzten von den bekloppten Seattlevampiren um, der sich ergeben hatte. Macht man wohl so bei denen. Die Italiener also so sinngemäß: „Huch! Das Problem hat sich ja schon erledigt! Da sieh‘ mal einer kuck! Könn‘ wir ja eigentlich auch wieder umkehren!“
Dann bedrohen sich die beiden Vampirgruppen noch ein wenig – gehört bei Vampiren wahrscheinlich zum guten Ton – und die Italiener ziehen wieder ab.

WHAT THE FUCKING FUCK?

Das war jetzt also schon die DRITTE Chance auf noch ein wenig Action, an der Stephenie Meyer aber gezielt vorbeischreibt. Was soll das? Ich sage mal voraus, dass der Kampf zwischen der Vampirarmee aus Seattle und der gemischen Vampir-Werwolfgruppe im Film sicher nicht ausgespart wird. Im Film zum Buch werden wir den Kampf sehen. Nur eben im Buch dürfen wir nicht drüber lesen. WARUM???

Wenig später besucht Bella dann irgendwann Jacob, dem es schon besser geht, am Krankenbett, und erklärt ihm sinngemäß: „Ich liepe tich Jacob, aba ohne ten Edwatt KANN ICH NICHT LEBÄN!!!1elf“, und dass es natürlich nicht das gute Aussehen Milchschnittes ist, an dem das liegt. Wird ja nur zufällig in jedem Zweiten Satz dieser Saga, die ja im Grunde nur Bellas Gedanken wiedergibt, erwähnt wie überirdisch supertoll Milchschnitte denn nun wirklich aussieht. Bei Licht betrachtet scheinen Milchschnitte sowieso kaum andere Attribute auszuzeichnen.
Aber wenn Edward so ein schielender Buckelfips mit Hinkefuss wäre, dann würde Bella ihn genauso lieben? Ich habe da so meine Zweifel. Das würde die Filme aber auf jeden Fall witziger machen, wenn Steve Buscemi oder so den Milchschnitte spielen würde.

Wäre Bella in ihn genauso verliebt?

Dann geht’s wieder bei den Cullens weiter, bei der freundlichen Vampirfamilie von Nebenan also. Und zwar – furchtbar spannend – mit Hochzeitsvorbereitungen. Dann will Michschnitte, der bisher ja immer auf der Hochzeit als Bedingung für den Nackenbiss bei Bella bestanden hat – plötzlich nicht mehr heiraten, sondern sie gleich beißen.
Dann ist sich Bella plötzlich nicht mehr sicher, ob sie überhaupt gebissen werden will, und will lieber heiraten.
Mädel entscheide dich!
Klar: Erst sich nicht entscheiden können, ob sie lieber den Werwolf oder den Vampir will, und dann ganz plötzlich heiraten wollen. Das wird bestimmt die super stabile Vampirehe.

Dann folgt noch ein kurzer Epilog, in dem Jacob ein wenig rumjammert, und dann ist das Buch vorbei.

Fazit:
Ich gebe ja zu, dass ich nicht zur Zielgruppe dieser Buchreihe zähle, aber trotzdem ist dieses Buch für mich bisher eindeutig das schlechteste in der Saga.
Wo die Action – und viel wichtiger: Die Spannung – in den ersten beiden Teilen erst recht spät kam, so hat der Plot doch irgendwie ausgereicht, um den Leser – ja sogar mich – ein Stück weit zu fesseln, und die ganze Sache mit den Obervampiren in Italien fand ich sogar ehrlich interessant.
Hier jedoch wird beim Leser gleich mehrmals der Eindruck erweckt, dass gleich irgendwas spannendes kommt, und dann kommt doch nix.
Ja, auch die anderen beiden Bücher hatten einen ziemlich lauen Spannungsbogen, aber die haben einem auch nicht mehr verspochen.

Mal sehen wie Teil 4 wird… Das dauert aber ne Weile, ich muss mich erst einmal erholen, und was richtiges Lesen. Zum Beispiel „Sturmhöhe“.

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gruseliges,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,
Feb
15
2010
8

Werwölfe!!!

Ich bin vorgestern zu „Wolfman“ im Kino gewesen. Eigentlich hatte ich mir ja wohlmöglich mal wieder einen guten Werwolffilm erhofft, der letzte – „American Werewolf“ – ist ja nun schon fast 30 Jahre her.

Aber nein, das wäre ja auch zu schön gewesen. Wolfman war – in einem Wort ausgedrückt – langweilig.

Der folgende Text enthält Spoiler – immer vorausgesetzt, dass ein so langweiliger Film überhaupt gespoilt werden kann.

*

Der Film spielt irgendwann im Jahre Viktorianisch-Schießmichtot, und ein Schauspieler reist zu dem Anwesen seiner Eltern, weil sein Bruder tot ist. Zuhause findet er dann seinen Vater und die Freundin seines verstorbenen Bruders, und verspricht herauszufinden, wer seinen Bruder umgebracht hat.
Bei den Ermittlungen wird er in einem Zigeunerlager von einem Werwolf angefallen, und fängt nun immer vollmonds an, sich auch in einen zu verwandeln, und Leute umzubringen.

Dann wird er verhaftet, in eine Irrenanstalt gesperrt, wo er erst gefoltert wird, und wo dann – am nächsten Vollmond – versucht wird vor versammelter Mannschaft seine „Werwolfpsychose“ zu zerstreuen.
Statt dessen verwandelt er sich aber – oh, Überraschung – wieder in einen Werwolf, und isst seinen Arzt.

Am Ende kommt dann noch ein epischer Werwolfkampf mit seinem Vater, der der ursprüngliche Werwolf ist, und sowohl den Bruder getötet als auch unseren Protagonisten angesteckt hatte.
Nachdem unser Schauspieler seinen Vater besiegt hat, wird er dann von der Freundin seines verstorbenen Bruders erschossen, die sich mittlerweile in ihn verliebt hat.

Ach ja, der verstorbene Vater hat wohl früher auch schon im Werwolfrausch seine Frau, die Mutter des Protagonisten, umgebracht.

Blah. Das wars, Film Ende!

*

Mal abgesehen davon, dass die ganzen Plotpunkte von oben von vornherein vorhersehbar sind, und in ihrer Präsentation im Film dazu geführt haben, dass ich eine Viertelstunde weggedöst bin – was mir im Kino noch nie passiert ist – ist der Film auch noch denkbar schlecht erzählt, und handwerklich billig umgesetzt.

Es fängt schon damit an, dass die Dorfbewohner sich nicht recht entscheiden können, ob sie an Werwölfe glauben oder nicht, oder ob sie überhaupt schonmal von Werwolflegenden gehört haben.
Einerseits wird im Wirtshaus vor Ort noch gerätselt, ob es ein Mensch oder ein Tier war, was den Bruder des protagonierenden Schauspielers umgebracht hat, andererseits werden schon fleißig Silberkugeln gegossen, ohne, dass je das Wort „Werwolf“ fällt.

Später das selbe Phänomen mit dem Protagonisten selbst: Er werwolft nachts rum, und wird dafür am Morgen danach festgenommen, nur um in ein Irrenhaus gebracht zu werden, wo man ihm erzählen will, dass es keine Werwölfe gibt, wo ihn dann sein Vater besucht, der ihm erzählt, wie er selbst zum Werwolf wurde.
Hö?
Genau.

Sogar der mittelprächtige Film „Wolf“ mit Jack Nicholson handhabt das alles besser und in sich konsistenter.

Okay, soviel zu der lustigen Logik des Films, nun zu der billigen Umsetzung:

Recht früh im Film spielt ein Tanzbär eine gewisse Rolle. Einige im Dorf verdächtigen den alten Tanzbären der im Wald wohnenden Zigeuner – die übrigens kaum eine Rolle im Film spielen – dass dieser für den Mord am Bruder verantwortlich ist.
Diesen lustigen Meister Petz, der in nur einer Szene zu sehen ist, hat man jedenfalls komplett computeranimiert, und zwar so schlecht, dass man es sieht.
Das ist für mich jedenfalls nur ein Anzeichen dafür, dass man sich keine rechte Mühe beim Film gegeben hat. Ist ein alter dressierter Bär samt Tiertrainer nicht drin gewesen im 85 Millionen Dollar Budget des Films? Muss man uns einen albernen Computerbär vorsetzen?
Ganz abgesehen davon wirkt der ganze Film wie ein Animationsfilm, in dem nur zufällig ein paar Schauspieler mitspielen. Diese Optik fand ich in „Sleepy Hollow“ noch tolerabel, in „Vidoq“ schon anstrengend, aber mittlerweile so nervig, dass sie mir den Film versaut – zumindest wenn es keinen Grund für diese Künstlichkeit gibt.
Mal ehrlich: Englisches Landgut, Tanzbär… Warum muss sowas im Computer erstellt werden? Auch die „Werwolfmasken“ für die Schauspieler, die dem Make-Up aus dem ursprünglichen Wolfman der 40er Jahre ähnlich sehen sollen, sind CGI-Effekte.
Was soll das?

Na ja, über sowas kann ich mich halt aufregen…

Wer noch eine andere Meinung hören will, der kann hier schauen: Link!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter:
Jan
20
2010
9

Schlumpfkatzhontas

Kaum ein Film hat die Öffentlichkeit schon im Vorfeld so polarisiert, wie James Camerons Science-Fiction-Öko-Drama „Avatar“. Und auch jetzt, nachdem ihn wohl schon jeder im Kino gesehen hat, der ihn im Kino sehen wollte,  gehen die Diskussionen noch weiter.  Die einen können sich noch nicht entscheiden, ob sie die tolle neue 3D-Technologie nun gut finden, und die anderen werfen dem Film – nicht ganz unbegründet – vor, dass es sich nur um einen Abklatsch von „Pocahontas“, „Ferngully“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ handelt.
Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter:
Jan
06
2010
5

Vampirbücher!!! AAAAHHHH!!!!

Mittlerweile gibt’s auch in den Bahnhofsbuchhandlungen von Niebüll und Westerland, die ich fast täglich frequentiere, fast ein ganzes Regal nur allein für verschiedene Vampirbücher. Sind Vampire in unseren Jahren das, was in den Achzigern die Dinosaurier waren?

Ich mein, es ist ja schön, wenn plötzlich alle jungen Leute lesen, aber es gibt doch auch noch andere Themen als Vampire, oder? Und sind nicht die meisten der erhältlichen Titel im Grunde sehr stark an Twilight angelehnt? Brauchen wir mehr wie Twilight?

Es gab vor einigen Jahren schonmal was ähnliches. Wegen Harry Potter. JK Rowling hat sich mit der Harry Potter Reihe ja von einer Sozialhilfeempfängerin zu einer der reichsten Frauen Englands geschrieben, und da wollten auch schon einige es ihr nachmachen, und haben mal bessere und mal schlechtere Harry-Potter Ripp-Offs geschrieben. Oder vielleicht wurden selbige auch nur lieber von den Verlegern aufgegriffen, um auf der Zauberschul-Welle zu reiten, solange sie anhält? Ich weiß es nicht.
Zwar hat Frau Rowling das Genre des „Zauberschulromans“ sicher nicht erfunden, sowas gibts schon sicher mindestens seit Achtzehnhunderttobak, aber Fakt ist, dass sie das Genre gewissermaßen modernisiert hat, und somit einen neuen Boom für diese Bücher – und Fantasy im Allgemeinen – auslöste.

Was hat das nun mit Vampiren zu tun?
Nun, obwohl Stephenie Meyer auch den „romantischen Vampirroman“ nicht erfunden hat, den gibt es schon seit Bram Stokers Dracula, hat sie ihn für eine gewisse Zielgruppe modern aufbereitet. Obwohl es bestimmt bessere Romane im Tennie-Romantik-Vampir-Genre geben muss (Bitte! Ich will einfach glauben, dass es so ist!), hat sie doch einen Nerv getroffen, und seitdem verkaufen sich ihre Bücher wie blöde.
Also kommen auch wieder irgendwelche Trittbrettfahrer, die mit ihren Romanen ebenfalls von dem Hype profitieren wollen.
Das klingt jetzt negativ, macht aber Kultur aus: Einer macht was, die Leute finden das toll, also macht ein anderer auch sowas, und versucht es besser zu machen.
Gäbe es diesen Mechanismus nicht, würden wir immer noch Mammute an Höhlenwände malen.

Im Regal mit Vampirbüchern fiel mir eines besonders ins Auge. Dieses hier:

Warum es mir ins Auge fiel? Nun, man sieht es auf dem Foto nicht wirklich, aber das Cover ist derart gestaltet, dass man meinen möchte, das Buch sei schon dutzendmal gelesen worden. Das Artwork des Covers sieht absichtlich so aus, als sei die Farbe an den Kanten abgerieben.
Clever, weil es einen zwingt, zweimal hinzusehen. Ich nahm das Buch also in die Hand und las mir den Klappentext durch. Heißt das bei einem Taschenbuch eigentlich Klappentext? Hat ja gar keine Klappen. Na die Zusammenfassung hinten auf dem Buchrücken meine ich. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
Allein der erste Satz ließ mich schon stutzen.

Rose Hathaway steht vor ihrem Abschluss an der Vampirakademie.

Vampirakademie? Ist Vampir mittlerweile ein Lehrberuf? Gibts da einen akademischen Grad, den man bekommt, wenn man fertig ist? „Dr. vamp dent“, oder so? Ich dachte immer man müsste gebissen werden, ich wusste nicht, dass es da eine Art Ausbildung zum Vampir gibt, die man machen kann. Erstaunlich.

Ich hab den Roman jetzt natürlich nicht gekauft oder gelesen – kann ja sein, dass er ganz gut ist – aber Vampirakademie? Ich kann mir nicht helfen, aber mir kommt das fast so vor, als habe sich die Autorin Richelle Mead sich da beiderseitig von Harry Potter UND Twilight… nun „inspirieren lassen“.
Wow. Ich bin sprachlos. Ich bin beihnahe neugierig, wie das Buch ist. Aber nur beinahe.

Au, ja, bevor ich’s vergesse: Wer das Buch kennt, mag mal bitte seinen Eindruck in die Kommentare schreiben.

Nachtrag: Ich bin übrigens nicht der erste, der über das Vampirbuchphänomen stolpert.

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Nov
23
2009
2

New Moon – „Biss zum Erbrechen“

So, der kommt ja nun in die Kinos. Ich werde ihn mir ganz sicher NICHT im Kino anschauen. Da ich jedoch den ersten Film „Twilight“ und die ersten beiden Bücher der Twilightsaga hier besprochen habe, möchte ich dem interessierten Kinogänger von Welt gerne ein paar Reviews in englischer Sprache ans Herz legen, welche vielleicht die Entscheidung zu erleichtern vermögen, ob man sich den Knelz im Kino anschauen soll, oder besser nicht.

Folgende Videoreviews sind mir bisher aufgefallen:

hier bei Bum Reviews,

bei The Spoony Experiment

oder bei The Cinema Snob

Wenn ich mehr finde, trage ich’s nach.

Ach ja: KALTE WESEN!!!

Written by Heiko C. in: Kurzrezensionen | Schlagwörter: ,
Nov
13
2009
12

Giraffen und Nashörner

Der schlimmste Roland Emmerich aller Zeiten ist immer der gerade neueste.

Mit der Erwartung, dass dies auch bei „2012“ zutrifft, dem neuesten Blockbuster aus der Filmeschmiede des schwäbischen Turnschuhträgers, bin ich dann gestern auch im Kino gewesen.

Möglicherweise das Sequel zu 2012: Planet der Giraffen

Sicher, bisweilen gab es Ausnahmen von der Regel: Zwar war „Godzilla“ schlimmer und blöder als „Independence Day“, dafür schien „The Day after Tomorrow“ aber wieder nicht ganz so schlimm zu sein, wie „Godzilla“. Und bis auf das schmalzige Ende war „Independence Day“ um einiges besser als der vorher erschienene Emmerichfilm „Stargate“.
Aber im Großen und Ganzen ist dennoch erkennbar, dass Emmerich bei seinen Filmen immer mehr Wert auf die Effekte zu legen scheint, und immer weniger Wert darauf, eine anständige Handlung, und glaubwürdige Protagonisten hinzubekommen.
Recht oft greift er auf eben die gleichen Archetypen bei seinen Handlungsträgern zurück. Im Mittelpunkt der Erzählung steht oft ein hellhäutiger Bücherwurm (gerne mit Brille), der Familienprobleme hat, und im Laufe der Handlung immer fast im Alleingang mal die Welt, mal seine Familie oder auch irgendwas anderes rettet.
Die Antagonisten sind meist irgendwelche pragmatischen Real-Politiker, die zynische und menschenverachtende Befehle geben, oder durch ihre Kriegslüsternheit die Kacke erst zum dampfen bringen.

Nun, aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um die anderen Emmerichs hier, sondern um sein neuestes Meisterwerk „2012“, nach dem man schielend aus dem Kino kommt, weil einen der Irrsinn beidseitig von vorn überholt.

SPOILER ALARM — WER DEN FILM NOCH SEHEN WILL, SOLLTE JETZT MAL WOANDERS HINLESEN!!!

Es geht los 2009 in Indien, wo ein Forscher der irgendwie für die US-Regierung arbeitet, einen indischen Kollegen und dessen Familie trifft. Warum ich die Familie erwähne? Eigentlich nur, weil die Frau des Inders klingt, als habe Gülcan sie synchronisiert. Aber die gute sagt Gott sei Dank nur einen Satz.
Na ja, die beiden Forscher gehen dann in ein Bergwerk, wo unten ein riesiger Topf mit Wasser kocht. Das alles habe mit der Sonne und Neutrinos zu tun, erfährt man als Zuseher. Die Neutrinos haben sich einfach ohne Vorwarnung in „neue Elementarteilchen“ verwandelt, die den Erdkern schmelzen. Sowas. Und ich dachte, der Erdkern wäre bereits flüssig. Na ja, bin eben kein Geologe.

Nächster Szene: 2 Wochen später (oder so) kommt der US-Forscher auf irgendeinem Botschaftsempfang (oder so), und erzählt seinem Vorgesetzten (Typ pragmatischer Realpolitiker), was da schlimmes los ist. Was genau, erfahren wir noch nicht, aber der Vorgesetzte setzt sozusagen seine politische Maschinerie in Gang.

Dann kommen etliche Endlose Schnitte durch die ganze Welt, wo zwischen 2009 und 2012 seltsame Sachen passieren. Unter anderem wird die aus dem Louvre heimlich entfernte Mona Lisa in Sicherheit gebracht und in China wird ein Damm gebaut.

An der Stelle begann ich mich schon zu fragen, ob der Film jetzt so bleibt, und die restlichen zweieinhalb Stunden mit ähnlichen Szenen bestückt sein werden, die alle etwa 30 Sekunden lang waren. Aber nein, irgendwann geht die Handlung dann los, wenn man es so nennen kann.

Wir lernen einen recht erfolglosen Schriftsteller kennen (So Typ Bücherwurm), der seine beiden Kinder von seiner Ex-Frau abholt, um mit ihnen im Yellowstone-Nationalpark zu campen. Weil sein eigener Wagen nicht anspringt, und er droht zu spät zu kommen, fährt er in einer Stretchlimosine vor. (einfach nicht drüber nachdenken)

Die drei (Tochter mag Vater, Sohn mag den Vater nicht) fahren also zum Yellowstone Park, wobei sie von hektisch herumfliegenden Militärhubschraubern überholt werden. Keiner denkt sich was dabei. Warum auch? Ebenso wird ignoriert, dass große Teile des Parks anscheinend abgesperrt sind, und statt einem vorher dagewesenen See nur noch eine dampfende Pfütze voller Tierkadaver anzutreffen ist.
Bevor unsere drei Leutchen aber zu sehr ihre Zeit mit Nachdenken oder gar Panik vergeuden, kommt die Armee, sammelt sie ein, und sagt ihnen, dass es nichts zu sehen gäbe, sie aber besser wieder nachhause gingen.
Danach campen die drei noch eine Weile im Park, und fahren dann auf Aufforderung der Mutter zurück nach LA, weil dort ein Erdbeben ist. Die Kinder sind wieder sicher bei der Mutter und ihrem neuen, als Los Angeles (wo die alle sind) ins Meer zu kippen beginnt. Der Limosinenschreiberling holt die ganze Bagage ab, und nach einer nur ABSURD zu nennenden Jagd durch die Stadt, in der die 5 erfolgreich versuchen mit einer Strechlimo Erdspalten davonzufahren, schnappen sie sich ein Flugzeug am Flughafen, und fliegen – fallenden Gebäudeteilen ausweichend – davon.

Man fliegt zurück zum Yellowstone Park, weil da ein Verrückter mit einer Karte lebt. Diese findet man gerade noch rechtzeitig bevor der ganze Nationalpark mit fauchenden Lavabrocken und Pilzwolken in die Luft fliegt. Samt Druckwelle, die der recht nahestehenden Patchworkfamilie nur ein wenig die Haare zerzaust. Was ist aus Duck and Cover geworden?

Nun, man hat die Pläne, und weiß, wo die „Raumschiffe“ gebaut werden, auf denen ausgewählte Exemplare der Menscheit die globale Neutrinokatastrophe überleben sollen. Und zwar: In China. Wenn nämlich einer schnell was großes bauen kann, dann die Chinesen. Siehe auch z.B. Große Mauer.
Man macht noch einen Zwischenstopp irgendwo, um das kleine Flugzeug gegen ein größeres zu tauschen, wobei man in die Gesellschaft eines dicken und skuppellosen reichen Russen, seiner zwei Kinder Lolec und Bolec, seiner Geliebten, deren Hund, und dessen aller Pilot gerät.
Beim Start verliert man das Fahrgestell.
Eigentlich will man in Hawaii einen Zwischenstopp machen (ohne Fahrgestell), aber Hawaii ist mitlerweile ein einzieger großer aktiver Vulkan. Pech.
Während viel zu früh der Sprit ausgeht um China zu erreichen, hat sich China in der Zwischenzeit glücklicherweise in Richtung Flugzeug bewegt, so dass man doch noch irgendwie landen kann, halbwegs sicher, nur der Pilot stirbt. [Nachtrag: Aufgrund einiger Nachfragen hier nochmal erklärt: China, DER KONTINENT (!) bewegt sich in Richtung Flugzeug, nicht irgendwelche chinesischen Rettungsteams.]

Ja… Dann geht’s erst so richtig los, obwohl hier etwa ein Brandloch im Film zu sehen ist, und ich mir schon erleichtert dachte: Zum Glück dauerts jetzt nicht mehr so lange. Ha! Pustekuchen!
Chinesische Grenzpatroullien oder so kommen an, lassen den dicken Russen und seine Blagen passieren, weil der ne Vipkarte für eins der Schiffe hat. Die anderen werden im Schnee stehengelassen, und ärgern sich.

Nun sehen wir zum ersten mal die Schiffe, und wie Michelangelos David, Nashörner und Giraffen in eines von ihnen geladen werden.
Klar, was braucht der postapokalyptische Mensch unbedingt? Giraffen und Nashörner, die Nutztiere der Zukunft – scheinbar. Aber nicht weiter drüber nachdenken. Ich hätte Kühe, Schafe und Schweine mitgenommen, aber das ist wohl nur der Nordfriese in mir. Wie schmecken Giraffen und Nashörner? Sollen die vielleicht gekreutzt werden miteinander?

Eierlegende Wollmilchsäue der Zukunft?

Die Patchworkfamilie samt Russengeliebter treffen eine chinesische oder tibetische Familie, und man beschließt gemeinsam auf eine der Archen zu schleichen. Weil der älteste Sohn da arbeitet, kann der die reinschmuggeln.

Arche drei ist kaputt. Das Schiff, wo der dicke Russe und seine Arschlochkinder ein Ticket für haben. Haha! Die Geliebte zeigt den dreien beim Reinschleichen ins Schiff den Stinkefinger.

Die Türen schließen sich, und das ist auch gut so, weil eine Monstertsunamiwelle in 10 Minuten den Himalaya überschwemmt, und da alle Türen zu sein sollen. Aber nein! Die Leute auf Gleis Drei können ja nicht in ihr Schiff, weil wegen kaputt!

Eine kleine Meuterei später werden die Türen also wieder geöffnet, damit auch der Rest reinkann. Heldenmutig stirbt der dicke Russe, als er seine Kinder nochmal eben in eins der Schiffe wirft.

Dann gibt es noch ein paar Verwicklungen, und dann kommt die Monsterwelle, und dann fahren alle in den Sonnenuntergang. Einen Monat später findet man Afrika, wo die Welle nicht hingekommen ist. Man hätte es sich also getrost sparen können, die blöden Nashörner und Giraffen mitzunehmen. Film Ende.

Soviel dazu.

Was für ein Bullshit. Und ich hab mir noch Mühe gegeben alles ein wenig zusammenzufassen und einfach nur zu schreiben, was da abging in dem Film. Es schaut sich allerdings genauso absurd an, wie sich meine kleine Zusammenfassung liest.
Ach ja, und erstaunlich auch, was mit den Lenkern der Welt passiert:
Recht früh im Film – zumindest kam es mir so vor – wird klargestellt, dass man die Regierungen mitnehmen muss, wenn die Apokalypse kommt. Sonst gäbe es ja Anarchie!! Und Apokalypse ist ja schon schlimm genug ohne Anarchie oder? Die Merkel kommt mit an Bord. Also zumindest die deutsche Kanzlerin. Für die Merkel sieht die zu nett aus, und hat zu lange Haare, aber wer weiß, vielleicht lässt sie sich die ja die nächsten drei Jahre wachsen.

Toll. Noch nicht einmal der Weltuntergang befreit uns von der CDU. Den Schäuble hab ich nicht entdecken können, aber wie ich den Laden kenne, lenkt der eins von den Schiffen.
Wie muss ich mir das im weiteren vorstellen? Bauen die Merkel samt Union im postapokalyptischen Afrika eine neue Zivilisation auf? Patroullieren die Grenzen von „Neudeutschland“ wachende Giraffenreiter der jungen Union? Gekleidet in Nashornleder? Und warum ist eigentlich die CDU noch nicht auf dem Mond?

Merkel im Zenit ihres Schaffens

Der von Danny Glover gespielte Obama kommt übrigens nicht mit. Der bleibt zuhause, genau wie der Papst und auch Berlusconi. Die wollen nah bei ihrem Volk bzw.Schäfchen bleiben. Aber die Queen von England, die rettet sich natürlich.
Was Putin und Chuck Norris derweil machen, erfahren wir nicht. Aber die beiden werden sicher dem Tsunami eigenhändig davonschwimmen, und die Überschwemmung später mit Strohhalmen austrinken.

Die Queen, die Merkel und die Regierungen der Erde (damit es keine Anarchie gibt) sowie haufenweise reiche Leute, die sich für eine Milliarde eine Fahrkarte kaufen konnten, werden also auf den Schiffen mitgenommen. Warum muss ich an die B-Arche von Golgafrincham denken, wo dann nachher Frisöre und Telefondesinfizierer versuchen auf der prähistorischen Erde eine Zivilisation aufzubauen? Mit uns Merkel muss ich da an ähnliche Szenarien denken.

Was gefehlt hat in dem Film:
– Cthulhu natürlich. Da ist mal Weltuntergang, und er wird nicht eingeladen. Menno! Den hätte man doch prima in irgendwelche obskuren Mayalegenden einbauen können. Ne gefiederte Schlange ist er ja nun nicht gerade, aber von den Maya ist so weing erhalten, denen kann man doch im Prinzip alles andichten.

Was ewig liegt, das bestraft das Leben

– Eine Pointe zu dem langen, anstrengend albernen Witz, den 2012 abgibt. Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt. DAS wäre witzig gewesen, und hätte den ganzen Film erträglich gemacht, wenn auch nur im Nachhinein.

Happy End

Würde ich den Film weiterempfehlen?
Ist zwar hübsch bunt und laut, aber empfehlen? Dann doch nicht. Ich hab zwar ein paar Mal gelacht, sogar laut, aber die Gagrate war deutlich zu niedrig für einen Film dieser Länge. Wer sich aber bei „Indiana Jones 4“ immer über den atombombensicheren Kühlschrank ärgert, dem kann ich „2012“ allerdings nur empfehlen. Wer den gesehen hat, hält besagte Kühlschrankaktion für vergleichsweise nicht mal so unrealistisch.

Zum Abschluss:
Dies war ein Rant. Es gibt auch durchaus geistig gesunde Leute, die den Film gut fanden. Wer nach dem Genuss dieses Artikels eine zweite Meinung einholen möchte, kann hier bei Scienceblogs schauen. Florian Freistetter schreibt dort, dass er den Film mag, und warum.
Ich kann nur annehmen, dass er den Film durch die „Hollywood: eh alles Blödsinn“-Brille des Naturwissenschaftlers wahrgenommen hat, und ich durch die „Story is King“-Brille des verkappten Geisteswissenschaftlers. Das erklärt dann auch die Meinungsverschiedenheit. Aber na ja, Geschmack halt.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,
Aug
08
2009
5

Zauberhafte Parallelgesellschaften I.

Okay, ich oute mich mal. Ich lese gerne Fantasy, auch wenn sie schelcht ist, so wie Twilight. Oder für Kinder, so wie Harry Potter. Oder vielleicht auch gerade weil.

Phantastische Literatur – also Fantasy und auch Science Fiction – für Kinder unterscheidet sich sehr oft sowieso nur durch ein Fehlen von – ich nenn’s mal – Liebesszenen von der für Erwachsene.
Gut, manchmal ist gerade Science Fiction für Erwachsene auch wissenschaftlicher und komplizierter, während die für Kinder und Jugendliche eher einfach gestrickte Space Operas sind.
Bei Fantasy verhält es sich ähnlich. Nimmt man aus Twilight zum Beispiel die Vampire raus, hat man ein ganz herkömmliches Mädchenbuch, dass nach dem Romeo und Julia-Prinzip gestrickt ist, wie es sie zu Hauf gibt.
Die lese ich im übrigen nicht. Vampire, Elfen oder Aliens müssen schon drin sein, damit ich mich dafür interessiere. Oder wenigstens Raumschiffe.
Harry Potter ist auch, wie ich früher schon erwähnte, weibliche Literatur, aber trotzdem für eine Jugendbuchreihe erstaunlich episch.
Die Welt, die Joanne K. Rowling entworfen hat, ist nicht wirklich was neues, Zauberlehrlings-Schulromane gab’s auch schon öfter. Allerdings ist sie schön detailliert, auch wenn sie an Stellen keinen rechten Sinn ergibt.

Nun hab ich neulich also wieder mal den ersten Band gelesen.
Gleich am Anfang fällt einem auf, dass die Lebenssituation von Harry Potter arg übertrieben ist. Er ist nicht nur Vollwaise, und muss bei Onkel und Tante wohnen, die ihn beide schon als Säugling verabscheuen, nein, diese bringen ihn auch noch in der Besenkammer unter, lassen ihn kaum was essen, und von ihrem Sohn Dudley (Name? Na ja, gibt ja auch Dudley Moore…) terrorisieren. Außerdem wird sein Geburtstag nicht gefeiert, er soll auf eine billigere Schule kommen als Dudley und bekommt gerne mal eine alberne Frisur geschnitten.
Noch ein bisschen mehr Elend? Nein? Reicht?
Ich bin der Meinung, dass es schon viel zu viel ist. Weniger ist manchmal mehr, und mit einer eher moderat elenden Lebenssituation, könnte sich der Leser auch mehr mit der Hauptfigur identifizieren.
Das macht man zwar so auch, aber eher, weil man sich für den ungerecht behandelten Underdog beim Lesen quasi einsetzen möchte.

Na ja, ich gehe mal davon aus, dass alle, die dieser Artikel interessiert das Buch schon kennen, darum springe ich jetzt mal ein wenig zu einigen Stellen, die ich nicht so schlüssig finde. Ich möchte an dieser Stelle davor warnen, dass ich die Harry Potter Reihe ein klein wenig auseinandernehmen werde:

Manchmal, so wird im Buch, haben Muggel, also magisch unbegabte Normalsterbliche, Kinder, die magisch begabt sind. Harrys Strebersidekick Hermine ist so ein Kind.
Manchmal haben magische Eltern auch ganz normale Kinder, welche nicht zaubern können, die nennen sich Squib. Diese Squib leben auch unter Muggeln, während die magischen Muggelkinder zum Zauberer ausgebildet werden.
Außerdem gibt es irgendein Gesetz zur „Geheimhaltung der Magie“, das besagt, dass Muggels nicht wissen dürfen, dass es da eine ganz andere fantastische Parallelwelt gibt mit Zauberei und so.
Warum, die das nicht wissen dürfen ist eine Sache: „Nachher wollen die, dass wir ihnen alles zurechtzaubern, und die ruhen sich aus!“ Aha. Zauberer sind also neoliberal. Schön. Was wäre aber so schlimm dran, wenn Zauberer und Nicht-Magier zusammen daran arbeiten die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Stört zum Beispiel Umweltverschmutzung die Zauberer nicht? Oder Reaktorsicherheit? Oder Kriege in der Welt? Irgendwie scheinen solch weltliche Themen die Zauberer tatsächlich nicht zu interessieren. Und die Wirtschaftskrise?
Auch die wird die Zaubererwelt nicht interessieren, denn die haben nicht nur ihr eigenes Währungssystem – das international zu sein scheint – sondern eine komplett autarke Wirtschaft, die kaum Überschneidungen mit der der Muggel zu haben scheint.
Statt also die magischen Ressourcen dafür aufzuwenden die Welt für alle besser zu machen, nutzt man Unmengen dafür, eine eigene – zum Teil noch nicht einmal magische – Wirtschaft zu betreiben, und die eigene Existenz mit allen Mitteln geheim zu halten.
Gehen nicht magische Gegenstände auch mal verloren? Erzählen nicht Muggeleltern oder Squib manchmal von ihren Zaubererfreunden? Fliegt ein Drache nicht auch mal über eine Großstadt, und richtet Verwüstungen an? Sowas bringen die Zauberer dann wieder in Ordung – oder tarnen es als Reaktorunfall – löschen Gedächtnisse und so weiter.
Und wie ist es wenn normale Menschen sich magische Krankheiten einfangen? Für Zauberer gibt es da eine komplett eigene Medizin. Irgendwie ist das alles ziemlich asozial.

Aber in der Zaubererwelt bekommt man von der Menschenwelt ja auch nicht viel mit. Und das obwohl die Menschenwelt so viel größer und überall um die Zaubererwelt herum ist. Wird also auch die Muggelwelt ein Stück weit vor den Magiern geheimgehalten? Auch das scheint so zu sein. Muggel sind die Mühe einfach nicht wert sich mit ihnen zu befassen, und über sie kursieren vielfach nur Vermutungen und Vorurteile beim Durchschittszauberer. Es gibt zwar einen Studiengang der „Muggelkunde“, aber solche die den belegen, gelten wohl eher als Exoten.

In der Romanwelt der Bartimäusreihe von Jonathan Stroud ist das ganze besser gelöst. Dort agieren die Magier ganz offen, obwohl die auch dort die Minderheit darstellen. Mehr noch: Die Magier beherrschen die nichtmagischen Menschen, und sehen sie als minderwertig an.
Das ist zwar auch nicht das, was ich ideal nennen würde, es ist aber zumindest ehrlich.
Ich denke, dass J.K.Rowling sich aus dramaturgischen Gründen dafür entschieden hat, die Welt so aufzubauen, wie sie es getan hat. Der Leser sollte seine eigene Welt als Ausgangsbasis haben, und dann langsam in die magische Welt eintreten können. Das ist ihr gelungen. Trotzdem wirken die Zauberer aufgrund ihres Gesellschaftssystems alle wie blasierte arrogante Arschlöcher.

Der nächste Punkt, und die große Schwachstelle der ganzen Serie, ist der Bösewicht: Lord Voldemort nennt er sich, und eigentlich heißt er Tom M. Riddle. Das M steht in der deutschen Version übrigens für Vorlust. Fragt nicht. Übersetzungsschlamperei.
Wer ist nun also dieser Bösewicht? Im ersten Buch erfahren wir in etwa folgendes:
Er ist böse. Er sollte eigentlich tot sein. Er hat die Zaubererwelt in zwei Fraktionen gespalten, von denen die eine böse war, und die andere gut.
Er hängt am Hinterkopf eines Lehrers, und scheint irgendwie körperlos zu sein.

Lord Voldemort kommt herüber wie eine Mischung aus Sauron, dem Imperator von Star Wars, Adolf Hitler und Sauron. Und Sauron.
Auch Sauron ist irgendwie körperlos, bekommt aber noch viel mit, und sieht alles, was er sehen muss, und ist mächtig und alle haben vor ihm Angst.
Auch Sauron taugt meiner Meinung nicht zum Bösewicht. Zu wenig Substanz vor der man Angst haben könnte. Bei Voidemort ist es so ähnlich. Man erfährt vorerst viel zu wenig über ihn.
Am Ende des ersten Bandes taucht Voldemort zwar auf, und stänkert ein wenig herum, jedoch nur als Gesicht, dass jemandem aus dem Hinterkopf wächst, und mühsam Anweisungen geben muss.
Das ist dumm.

Im großen und ganzen war der erste Band aber eine spannende Lektüre. Wohl auch weil Voldemort nicht sehr lang auftaucht, und die Einführung in die (unlogische) Welt recht gut gelungen ist.

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Apr
14
2009
3

Zwielichtige Vampire II

So, nachdem ich den zweiten Band der ultimativen Glitzervampirsaga auch durch habe, will ich nun versuchen, auch diesen zu rezensieren.

Erst mal: Das zweite Buch fand ich jetzt besser als das erste.

Zur Handlung:
Die Protagonistin (Bella) hat Geburtstag, und wird von einem der Vampire fast gebissen. Daraufhin verlassen die vegetarischen Vampire die Gegend. Bella ist tottraurig, und freundet sich deswegen mit einem Werwolf an.
Ein böser Vampir kommt, und will sie beißen. Die Werwölfe verhindern dies.
Dann kommt die eine von den Glitzervampiren zurück, weil die denkt, dass Bella tot ist. Durch eine fast ohnsorgtheatereske Verwechslung denkt Milchschnitte, dass Bella tot ist, und geht deswegen nach Italien, um sich umbringen zu lassen.
Bella reist hinterher, wird von Obervampiren gemustert, und alle dürfen wieder gehen. Dann streiten sich Milchschnitte und der Werwolf. Dann bekommt Bella Hausarrest, weil sie ein Motorrad hat.

Hm. Jetzt wo ich die Handlung zusammengefasst habe, klingt sie ein wenig wie Kraut und Rüben. Das Hörbuch zu hören war aber tatsächlich sehr viel spannender als beim ersten Teil. Vermutlich weil man bei Teil 2 ganz lange nicht sicher war, worauf es denn eigentlich hinauslaufen soll.
Wie schon im ersten Buch die interessanteste Enthüllung – Milchschnitte=Vampir – eigentlich keine war, weil das schon der Klappentext verraten hatte, ist in die spannenste Enthüllung des zweiten Buches ebenfalls ein Spoiler eingebaut: Wir wissen schon seit dem ersten Buch, dass die Reservats-Indianer potentielle Werwölfe sind, also ist dies kaum eine Überraschung.
Warum schreibt sich die Autorin all diese großartigen Enthüllungen kaputt? Das erste Buch wäre gar nicht mal so langweilig gewesen, hätte man nicht drei Mal enthüllt bekommen, dass Milchschnitte ein Vampir ist. Ebenso wäre das zweite Buch vielleicht richtig gut gewesen, wenn im ersten Buch nicht direkt von Werwölfen die Rede gewesen wäre, sondern davon dass „die Vampire unseren Stamm respektieren“ oder so. Wie kann man das vermasseln?

Nun, die Antwort ist eigentlich offensichtlich: Die Gute Susanne Meier hat das erste Buch geschrieben, und dabei nicht wirklich schon die Handlung des zweiten vor Augen gehabt.
Das zweite Buch muss komplett erst konzipiert worden sein, als das erste schon veröffentlicht war. Wenn etwas nämlich schon veröffentlicht ist, dann kann man nämlich nicht mehr dran rumdoktern. Gut, es sei denn, man heißt George Lucas.

Ich bin gespannt auf den dritten Teil. Auch wenn die Vampire glitzern.

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Apr
13
2009
13

Zwielichtige Vampire I

Gut, nachdem die Mine als Reaktion auf meine Twilight-Filmkritik schrieb: „Das Buch ist aber viel besser!“, oder so, dachte ich, dass es doch eine journalistische Notwendigkeit wäre, wenn ich diese Aussage mal überprüfe.

Also lud ich mir das über 6 CDs dauernde Hörbuch auf meinen MP3-Player, und hörte es in den vergangenen drei Tagen so nebenbei.

Ich komme zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der Film ist in vielerlei Hinsicht besser!
Zuerst einmal: Der Film ist wesentlich besser strukturiert, was den Handlungsaufbau angeht. Im Film erfährt die gute von einem Indianer, dass Milchschnittes Familie keine Menschen sind. Statt dessen seien sie „kalte Wesen„, die traditionell im Krieg mit den „wölfischen“ Indianern stehen.
Später dann zushause setzt sie sich an ihren Rechner, und googelt „kalte Wesen“ und „indianische Legenden“, und stößt darauf, dass „kalte Wesen“ scheinbar ein Synonym für „Vampire“ ist.
Sie findet hier also heraus, und das ganze wäre spannend gewesen, wenn man nicht von Anfang an gewusst hätte, dass es um Vampire geht.
Na ja, dann erst konfrontiert sie „Milchschnitte“ mit den Fakten, und er sagt: „Ja, stimmt schon.“ Auf die Frage, wie vielen Babys Milchschnitte schon den Kopf abgebissen hat, antwortet dieser: „Noin, wir sind doch vegetarische Vampire.“ Vegatarisch ist hier im Sinne von: „ernährt sich nur von Tierblut gemeint.“ Auch hier achte man auf den lehrbuchmäßigen Spannungsbogen.

Okay, wie ist es im Buch? Nun dort fragt sie den Indianer nach Milchschnittes Familie, und er sagt ihr sinngemäß: „Ach, das sind Vampire. Aber die trinken nur Tierblut, also keine Angst.“
Dann geht sie heim, und googelt, und liest was über Vampire, und sagt später lapidar zu Milchschnitte: „Ach was, ich hab keine Angst, ihr trinkt doch nur Tierblut, höhö.“
Wo ist da der Spannungsbogen? Vielleicht grad in Urlaub auf Mallorca, und lässt sich volllaufen.

Der Stil im Buch: Ständig finden sich Phrasen im Buch wie „Noch nie war Edward gefährlicher, …oder schöner.“ oder „Er war so unglaublich schön… und gefährlich!“ Man sollte meinen die Leserin hätte das nach den ersten 10 Gelegenheiten, zu denen solche Sätze zu lesen sind, begriffen, aber nein, sowas wird den ganzen Roman über wiederholt. Vielleicht fehlt mir aber tatsächlich das Östrogen, um sowas zu wertschätzen.
Im Film bleibt sowas jedoch ungesagt, was ich besser finde.

Dann die „böösen Vampire“, die nicht nur Tierblut trinken, wie waschechte Vegetarier, sondern auch, und hauptsächlich, Menschenblut.
Mal abgesehen davon, dass beiden männlichen dieser Vampire im Hörbuch schlimme ausländische Akzente verliehen wurden, tauchen diese erst gegen Schluss auf. Hallo Spannungsbogen, ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub. Bitte komm bald wieder, wir vermissen dich!
Im Film hingegen, sind diese schon im ersten Drittel präsent, wenn auch in Szenen, in denen keiner der Hauptcharaktere auftaucht. Und nicht nur das: Sie killen sogar einen guten Freund des Vaters der Protagonistin. Solche Mittel helfen die Spannung zu halten. Im Buch scheint dies völlig zu fehlen – es sei denn das Hörbuch ist gekürzt.

Nun, der Punkt der mich am meisten am Film störte, und der beim Buch angeblich „besser gelöst“ sei: das Glitzern.
Im Film nimmt „Milchschnitte“ der 107jährige, untote Teenie unsere Protagonistin kurzerhand huckepack, und trägt sie auf einem Berg in Windeseile über die Wolkendecke. Dort, im prallen Sonnenlicht glitzert er.
Im Buch heißt es fast wörtlich: „Im grellen Sonnenlicht begann er zu glitzern!“ Später ist dann noch von einem „Funkeln“ die Rede, oder davon, dass es ausshe wie „tausend Diamanten“.
Ist das irgendwie besser? Ist das weniger schwul? Ich sehe irgendwie keinen großen Unterschied.

Das einzige was im Buch besser ist als im Film sind die Schauspieler. Das aber auch nur, weil man seine Idealbesetzung im Kopf hat.

Okay, demnächst hör ich mir den zweiten Teil an. Warum? Man kann nur so und so oft im Jahr „Professor Van Dusen“ hören.

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Mrz
03
2010
4

Aus, der Traum…

Ich bin heute über einen schönen Fall von zufällig entstandener Kunst gestoßen. In Niebüll an den Bahnschranken steht eine Plakatwand, auf der vor einigen Monaten wohl noch ein Wahlplakat der SPD mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten hing. Mittlerweile ist der ja Oppisitionsführer, nachdem die SPD bei den Bundestagswahlen ja eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Partei eingefahren hat.

Nun, das Plakat ist wohl mehrmals überklebt und wieder freigerissen worden, und sieht momentan so aus:

Schauen wir uns das Werk des Künstlers Zufall doch mal im Detail an:

Der Blick wird des Betrachters wird sofort von dem Fragment des Portraits des damals noch amtierenden Aussenministers eingefangen.  Seine Augen lächeln, und auch das sichtbare Grübchen auf seiner rechten Wange legt den Schluß nahe, dass Frank Walter Steinmeier ein fröhliches Gesicht hinter den Überklebungen zur Schau stellt. Das Lächeln sieht ehrlich und optimistisch aus.

Die ganze rechte Hälfte der Plakatwand zieren die Überreste einer Werbekampagne der Sparkasse, deren Rot dem der SPD zumindest sehr ähnlich sieht.  Was auch immer im Zentrum der Sparkassenwerbung zu sehen war, wir sehen nur einen Oberarm im Anzug, dahinter einen grauen Hintergrund mit einem ebenso grauen Ölgemälde. Wohl ein Portrait, das allerdings durch ein herunterlappendes Plakatstück verdeckt ist. Von dem nicht mehr lesbaren Werbeslogan ist nur noch ein eben so lesbares „kasse.“ in weiß auf rotem Grund übrig.

Auf der linken Hälfte sitzt Steinmeier ein großer grüner Flatsch auf dem Kopf, der stirnwärts auf den Kopf Steinmeiers eindringt. Steinmeiers Mund ist mit einem undefinierbaren blauen Klecks verklebt.

Nehmen wir einmal an, dies sei eine postmoderne Collage, die irgendein Küstler – Nennen wir ihn einmal Meister Zufall – geschaffen hätte. Was wollte uns der Künstler wohl damit sagen?

Ich will mich mal an einer Interpretation versuchen:

Steinmeier ist fröhlich optimistisch wie eh und je. Er steht noch immer da, wo er vor der Wahl stand, obwohl von allen Seiten Fremdkörper auf ihn eindringen. Die Grünen sitzen ihm in den Haaren. Vielleicht eine Mahnung an das rot-grüne Versprechen, das noch aus Regierungszeiten Schröders stammt?

Sieht der Klecks nicht aus, als wolle er Steinmeiers Kopf umfassen, ja fast greifen, um das einst gegebene Versprechen einer gemeinsamen Regierungsbildung einzufordern? Doch Steinmeiers linkes Ohr ist abgeschnitten. Dies könnte die Weigerung der SPD bedeuten, mit der Linkspartei auf Bundesebene auch nur eine Regierungsbildung zu erwägen.  Dort wo sein linkes Ohr sein sollte, sieht man nur ein graues Büro. Ein graues Büro, mit dem ominös wirkenden Wort „kasse.“ auf SPD-farbenem Grund.  Symbolisiert die rechte Hälfte des Plakats die Sozialreformen aus schröderscher Zeit? Arbeitet die Person, deren linken Oberarm wir sehen etwa an der Agenda 2010?

Es heißt ja „kasse.“, nicht „Kasse“ oder „kasse“. Die Kleinschreibung deutet klar auf eine gewisse Beiläufigkeit oder Routine hin, und der Punkt scheint dafür zu stehen, dass nach der „kasse“ eben Schluss ist.  „Agenda 2010 und Schluß!“ ruft uns dieser kleine weiße Punkt zu. Unauffällig aber endgültig.

Der blaue Klecks versperrt Steinmeiers Mund. Und hört man nicht auch mittlerweile ziemlich wenig von ihm? Wenn man die Nachrichten anschaltet, dann geht es meist nur um die Regierung. Entweder Merkel meldet sich zu irgendeinem Thema zu Wort, oder Steinmeiers Amtsnachfolger macht von sich reden. Der ist überhaupt aus den Nachrichten kaum mehr wegzubekommen.

Ist das vielleicht der Grund für Steinmeiers verhülltes Lächeln? Lacht er uns aus? Will er uns sagen „Seht ihr? Ich war doch besser als der, oder? Da seht ihr, was ihr davon habt!“

Wenn ich so drüber nachdenke, hat meine alte Englischlehererin aus Realschulzeiten auch immer ähnlich geschaut, wenn die Klasse außer Rand und Band war, und sie nur schmunzelnd sagte: „Tut euch keinen Zwang an! Ich kann auch später anfangen, mein Geld bekomme ich ja sowieso!“

In seiner Gesamtheit stimmt das Werk aber dann doch eher traurig.  Ich kann nicht genau sagen warum.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter: , ,
Mrz
02
2010
7

Zwielichtige Vampire III

In diesem Artikel möchte ich den dritten Band der Twilight-Reihe auseinandernehmen, wie ich auch schon Band eins und zwei kritisiert habe. Die Rezensionen zu den Büchern findet ihr hier: Link und hier: Link.

Auch im wirklichen Leben Erzrivalen? Wölfe und Fledermäuse.

Nun aber Band 3, der da heißt „Biss zum Abendrot“.

*

Ich muss gestehen, dass ich einige Hoffnung hatte,  die Reihe würde nun immer besser werden. Immerhin war das erste Buch der Erstling von Stephene Meyer, da kann man noch einiges durchgehen lassen, und das zweite Buch empfand ich als um einiges besser als das erste. „Wird schon!“, dachte ich mir, vielleicht ist das dritte ja – analog zur Harry Potter Reihe – das beste?

Aber nein.  Der dritte Band der Twilight-Reihe war – für mich persönlich – die bisher schmerzhafteste Vampirerfahrung:

Die Charaktere empfand ich weiterhin als eindimensional, die Handlung, Spannung und der Plot lassen lange auf sich warten, und sowas wie einen Spannungshöhepunkt sucht man vergebens.

Bella hat immer noch den Hausarrest, den sie nach den Ereignissen im zweiten Band aufgebrummt bekommen hatte. Sie liest um sich die Zeit zu vertreiben in Emily Brontës „Sturmhöhe“. Schön, wenn einen schlechte Bücher an gute Bücher erinnern, die man statt dessen lesen könnte. Aber na ja.

Um den Plot des Buches nicht noch weiter zu behindern, als es die Autorin ohnehin schon tut, erlässt Bellas Vater dieser zu Beginn des Buches dann aber den restlichen  Hausarrest.

Bella leidet aber trotzdem weiter, weil sie Jacob nicht besuchen darf. Das hat ihr nicht etwa ihr Vater verboten, nein im Gegenteil, der würde sich freuen. Das Verbot wurde ihr von Milchschnitte auferlegt, weil Werwölfe eben nun einmal gefährlich sind …sagt der Vampir. Anrufen kann Bella Jacob auch nicht, weil der dann sowieso nicht abnimmt.

Der ganze erste Teil des Buches besteht dann auch aus Bella, die ihren Vampirfreunden ausbüxt um sich mit Jacob zu treffen, der sie dafür anmault, dass sie sich mit Vampiren rumtreibt, nur damit sie sich dann später mit Milchschnitte darüber streiten kann, dass sie sich mit Werwölfen rumtreibt.

Bella beim ruhigen, analytischen Nachdenken

Ausserdem streitet sie sich mit Milchschnitte auch noch darum, dass sie aber nicht heiraten will, wie er es ihr zur Bedingung gemacht hat, wenn sie je gebissen werden will, darüber dass Bella gerne mit Milchschnitte ins Bett will, der das aber für zu gefährlich hält, und das Bella möglichst gestern zum Vampir gemacht werden möchte.

Dieser Themenkomplex füllt mindestens das halbe Buch, und den fand ich unglaublich langweilig, und Bella wird dadurch, dass sie aber ALLES will und zwar SOFORT, auch nicht wirklich sympathischer.

Über Milchschnitte erfährt man derweil herzlich wenig, dabei gäbe es da so viel interessantes, was man hätte erzählen können, immerhin ist Milchschnitte über 90 Jahre alt. Einige Fragen, die ich mir unwillkürlich bei der Lektüre des Buches stellte, waren zum Beispiel:

– Was hat er all die Jahre getrieben? Er kann ja schließlich nicht immer nur zuhause gehockt haben in all den Jahren?

– War Milchschnitte vielleicht schon mal verheiratet? Wen ja mit wem, wenn nein warum nicht?

– Wie genau ging es Milchschnitte damit, als er zum Vampir gemacht wurde? War seine Eingewöhnungszeit schlimm? Das wird zwar hin und wieder mal ominös angerissen, Einzelheiten erfahren wir aber nicht.

– Hat Milchschnitte eigentlich noch andere Hobbies außer „Claire de Lune“ spielen? Fotografiert er? Spielt er Shuffleboard in der Olympiamannschaft? Irgendwas?

Man erfährt so ziemlich genau NICHTS. Das ganze Buch, vom Pro- und Epilog einmal abgesehen, ist eine einzige Abschrift von Bellas Gedanken, und selbst sie stellt diese Fragen nicht. Auch Milchschnitte stellt keine Fragen, obwohl Bella die einzige Person ist, deren Gedanken er nicht lesen kann.

Statt dessen vergeudet man seine Zeit mit Eifersüchteleien und Beziehungsstress.

Na ja, irgendwann klopft dann die Handlung leise an. Die Vampirfreunde finden heraus, dass irgendein unbekannter Vampireinbrecher in Bellas Zimmer war, und – salopp ausgedrückt – ihre Unterwäsche geklaut hat. Könnte dies mit Victoria zu tun haben? Der Vampirin, die Bella umbringen will, weil sie diese für den Tod ihres Freundes verantwortlich macht, der Bella umbringen wollte? Wer weiß, wer weiß?

Noch sowas: Warum wollen alle Vampire immer Bella umbringen? Schwitzt sie Blut, oder was? O_o

Außerdem kommt es in Seattle zu einer Reihe von Gewaltverbrechen, die Milchschnitte fachkundig für von stümperhaften Vampiren verübt hält.

Das hab ich jetzt aber schon sehr komprimiert, dazwischen müsst ihr euch noch jede Menge Gejammer von Bella vorstellen. Bella ist entweder traurig, weil sie aber mit Jacob zusammen sein will, weil sie aber nicht heiraten will, weil sie aber poppen will, weil sie aber keine Geburtstagsfeier will oder weil sie will, dass Vampire und Werwölfe sich vertragen.

Weiter künstlich aufgebläht hat Stephenie Meyer ihr Buch mit den schon aus Band eins und zwei bekannten Beschreibungen des „überirdischen“ Aussehens von Milchschnitte. Diese Beschreibungen hat sie aber dann doch ein wenig verändert. Mir ist diesmal nicht einmal aufgefallen, dass sie darüber schreibt, wie „schön aber gefährlich“ oder „gefährlich aber auch schön“ Milchschnitte ist, statt dessen wird er mit Michelangelos David verglichen, der nach neuesten Untersuchungen ja schwere Haltungsschäden hat, aber das war sicher nicht gemeint.

Bis dann endlich mal was annäherd spannendes passiert, sollen dann insgesamt auch 3/4 des Buches, gefüllt mit solchem Geschwafel, vergehen.

Okay, Handlung:

Irgendwann im hinteren Teil des Buches feiern die Cullens, die nette vegetarische Vampirfamilie von nebenan, für Bella eine Geburtstagsparty. Bella möchte zwar nur ungern im Mittelpunkt stehen, doch die Vampirwahrsagerin, die scheinbar von den Sitten und Gebräuchen von Normalsterblichen besessen ist, möchte unbedingt eine Geburtstagsparty ausrichten. Viele von Bellas menschlichen Freunden, die außer im ersten Teil der Saga jedoch kaum eine Rolle mehr spielen kommen auch.
Dummerweise hat Bella quasi aus Versehen auch Jacob eingeladen, der sich das nicht zweimal sagen lässt, und prompt mit ein paar anderen Werwölfen im Schlepptau vorbeikommt.
„Super!“, denkt sich der Leser – bzw. ich zumindest – „Endlich passiert mal was! Gleich gibt’s Fratzengeballer!“
Aber nein.
Die Vampire verlassen sicherheitshalber die Party, vielleicht aus Angst, Höflichkeit oder weil die Werwölfe so grässlich riechen. Vielleicht auch aus einer Kombination von allen drei Dingen.
Bella unterhält sich ein wenig mit den Werwölfen, die ich nur mit dem Prädikat „halbstark“ versehen kann, bis sie dann von der Wahrsagevampiren zu erfahren bekommt, dass die bekloppten Vampire aus Seattle bald angreifen.

Fast augenblicklich vertragen sich die Werwölfe mit der Vampirfamilie um gegen die gemeinsame Bedrohung aus Seattle zu kämpfen. Herrje, die Vampire und die Werwölfe studieren sogar gemeinsam Kampftechniken ein, während eifrig beratschlagt wird, Was mit Bella geschehen soll.
Der Leser – also ich – denkt sich „Nagut, kein Vampir-vs.-Werwolf-Fratzengeballer, aber dafür immerhin ein episches Gemetzel zwischen Vampiren und Werwölfen auf der einen, und bekloppten Vampiren aus Seattle auf der anderen Seite.“ Immerhin, das würde zwar nicht für den emotionalen Gedankenmüll entschädigen, den ich bisher lesen musste, wäre aber mal ein Friedensangebot an den Leser – also an mich.
Und mal ehrlich: Da kann man doch was draus machen oder? „Vampire gegen Werwölfe“ ist ja schon ein wenig wie „Underworld“ aber „Vampire und Werwölfe gegen Vampire“ das ist ja mindestens… …wie 2x „Underworld“!

Die Werwolf-Vampir-Allianz

Aber nein.
Bella, der die Handlung des Buches ja folgt wie der treue Hund Toto aus dem „Zauberer von Oz“ wird von Jacob, Milchschnitte und einem anderen Werwolf, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, fortgebracht. Milchschnitte kommt übrigens nur mit, weil Balla NICHT OHNE IHN LEBEN KANN!!!!1elf  Zuerst war der Plan, dass er nicht mitkommt, aber da wurde Bella unglaublich traurig.
Nun kommt Milchschnitte mit, so dass Bella unglaublich traurig darüber sein kann, dass vielleicht Untote, die sie mag, sterben, weil Edward nicht am epischen Fratzengeballer teilnehmen kann.
Bella wird von den drei Gescheiten auf dem Weg nach Nirgendwo also in den Wald gebracht, wo sie fast erfriert. Aber immerhin erfriert sie ja in Sicherheit, ist ja auch schon mal was. „Aus medizinischen Gründen“ kuschelt sich Jacob in ihrem Schlafsack an sie, während Milchschnitte draußen steht, und und sich darüber ärgert, dass er sich nunmal so anfühlt, als würde er im Kühlregal aufbewahrt.
Anderswo tobt vielleicht schon ein episches Gemetzel von den Ausmaßen der Schlacht von Helms Klamm, aber davon bekommen wir ja nichts mit, weil wir als Leser quasi Bella beim Schlafen zuschauen.
Danke Stefenie!

Selbst Jacob wird das zu langweilig, woraufhin er ab zum Kampf geht. Sogar er bekommt mehr Action mit als der Leser dieses Buches.
Kaum denkt man sich das, passiert tatsächlich mal was:
Das Camp wird angegriffen, und zwar von *Überraschung!* Victoria. Wer hätte das nur ahnen können? Aber nun haben wir es immerhin schwarz auf weiß, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, dass die bekloppte Vampirarmee aus Seattle auf ihrem Mist gewachsen ist, auch wenn im Buch vorher schon ein paar mal erwähnt wird, dass sie wahrscheinlich dahinter steckt.
Victoria ist aber nicht alleine gekommen, nein so bekloppt wie ihre Vampirarmee ist die blutsaugende Meisterstrategin nicht, sie hat einen der bekloppten Vampire mitgenommen.
Auf der einen Seite also ein gedankenlesender Milchschnittevampir, ein im Kampf gegen Vampire geschulter Werwolf und …nun… Bella, und auf der anderen Seite ein Vampir, und ein bekloppter Vampir. Alleine wenn sich dich diese Aufstellung so anschaut, braucht man kein Kampfexperte zu sein, um einen klaren Favoriten zu sehen. Aber als Twilight-Leser sind wir uns ja sowieso schon ziemlich sicher, dass weder Bella noch Milchschnitte viel passiert, immerhin gibt es ja noch einen vierten Teil. Der namenlose Werwolf könnte rein theoretisch als Redshirt dran glauben, aber die Frage die ich mir zu diesem kleinen Scharmützel stelle ist eher folgende:
WARUM NIMMT VICTORIA NICHT GLEICH FÜNF VON IHREN VAMPIREN MIT, NUR UM AUF NUMMER SICHER ZU GEHEN?
Herrje, da ist ja jeder Bondbösewicht besser vorbereitet.
Na ja, erst versucht Milchschnitte das alte „Ich lese die Gedanken des Gefolgsmannes, und versuche ihn auf unsere Seite zu ziehen“, leider erfolglos, dann wird recht kurz gekämpft. Irgendwann wirft Bella auch einen Stein nach irgendwem, und kurz drauf sind die beiden Bösewichte tot.

Irgendwas scheint aber doch nicht ganz zu stimmen, denn Milchschnitte bekommt sowas wie einen telepathischen Anfall.
ENDLICH eilen die drei zum Hauptkampf, der dann auch schon vorbei ist, als man ankommt, und dem Leser – also mir – somit jede weitere Chance auf ein kleines bisschen Horrorshow nimmt.
Jacob ist verletzt. [Werwölfe Abgang Bühne links]

Dann scheint es für einen kurzen Moment aber erst richtig loszugehen: Die italienischen Obervampire aus Band zwei betreten die Szenerie. Ich – als Leser – denke mir: „Da hast du mich aber ganz schön an der Nase herumgeführt Stephenie! Ich hätte fast schon gedacht, dass es das jetzt wirklich gewesen war mit den epischen Kämpfen!“
Nun also, der unvermeidbare Konflikt mit den alten und mächtigen italienischen Glitzervampiren soll nun endlich ein für alle mal geklärt werden! Ein Kampf bis auf den Tod!?
Aber nein.
Statt dessen unterhält sich unsere Vampirfamile höflich mit den Italienern, welche ihrerseits freudig zur Kenntnis nehmen, dass das Problem mit den bekloppten Vampiren aus Seattle schon gelöst ist. Deswegen sind die nämlich den weiten Weg über den Atlantik gekommen. Die bekloppten Seattlevampire haben sich nicht an den Code gehalten. (Wahrscheinlich ist dieser Vampircode das, was man an einer Vampirakademie lernen kann)
Ach ja, die Italiener bringen noch den letzten von den bekloppten Seattlevampiren um, der sich ergeben hatte. Macht man wohl so bei denen. Die Italiener also so sinngemäß: „Huch! Das Problem hat sich ja schon erledigt! Da sieh‘ mal einer kuck! Könn‘ wir ja eigentlich auch wieder umkehren!“
Dann bedrohen sich die beiden Vampirgruppen noch ein wenig – gehört bei Vampiren wahrscheinlich zum guten Ton – und die Italiener ziehen wieder ab.

WHAT THE FUCKING FUCK?

Das war jetzt also schon die DRITTE Chance auf noch ein wenig Action, an der Stephenie Meyer aber gezielt vorbeischreibt. Was soll das? Ich sage mal voraus, dass der Kampf zwischen der Vampirarmee aus Seattle und der gemischen Vampir-Werwolfgruppe im Film sicher nicht ausgespart wird. Im Film zum Buch werden wir den Kampf sehen. Nur eben im Buch dürfen wir nicht drüber lesen. WARUM???

Wenig später besucht Bella dann irgendwann Jacob, dem es schon besser geht, am Krankenbett, und erklärt ihm sinngemäß: „Ich liepe tich Jacob, aba ohne ten Edwatt KANN ICH NICHT LEBÄN!!!1elf“, und dass es natürlich nicht das gute Aussehen Milchschnittes ist, an dem das liegt. Wird ja nur zufällig in jedem Zweiten Satz dieser Saga, die ja im Grunde nur Bellas Gedanken wiedergibt, erwähnt wie überirdisch supertoll Milchschnitte denn nun wirklich aussieht. Bei Licht betrachtet scheinen Milchschnitte sowieso kaum andere Attribute auszuzeichnen.
Aber wenn Edward so ein schielender Buckelfips mit Hinkefuss wäre, dann würde Bella ihn genauso lieben? Ich habe da so meine Zweifel. Das würde die Filme aber auf jeden Fall witziger machen, wenn Steve Buscemi oder so den Milchschnitte spielen würde.

Wäre Bella in ihn genauso verliebt?

Dann geht’s wieder bei den Cullens weiter, bei der freundlichen Vampirfamilie von Nebenan also. Und zwar – furchtbar spannend – mit Hochzeitsvorbereitungen. Dann will Michschnitte, der bisher ja immer auf der Hochzeit als Bedingung für den Nackenbiss bei Bella bestanden hat – plötzlich nicht mehr heiraten, sondern sie gleich beißen.
Dann ist sich Bella plötzlich nicht mehr sicher, ob sie überhaupt gebissen werden will, und will lieber heiraten.
Mädel entscheide dich!
Klar: Erst sich nicht entscheiden können, ob sie lieber den Werwolf oder den Vampir will, und dann ganz plötzlich heiraten wollen. Das wird bestimmt die super stabile Vampirehe.

Dann folgt noch ein kurzer Epilog, in dem Jacob ein wenig rumjammert, und dann ist das Buch vorbei.

Fazit:
Ich gebe ja zu, dass ich nicht zur Zielgruppe dieser Buchreihe zähle, aber trotzdem ist dieses Buch für mich bisher eindeutig das schlechteste in der Saga.
Wo die Action – und viel wichtiger: Die Spannung – in den ersten beiden Teilen erst recht spät kam, so hat der Plot doch irgendwie ausgereicht, um den Leser – ja sogar mich – ein Stück weit zu fesseln, und die ganze Sache mit den Obervampiren in Italien fand ich sogar ehrlich interessant.
Hier jedoch wird beim Leser gleich mehrmals der Eindruck erweckt, dass gleich irgendwas spannendes kommt, und dann kommt doch nix.
Ja, auch die anderen beiden Bücher hatten einen ziemlich lauen Spannungsbogen, aber die haben einem auch nicht mehr verspochen.

Mal sehen wie Teil 4 wird… Das dauert aber ne Weile, ich muss mich erst einmal erholen, und was richtiges Lesen. Zum Beispiel „Sturmhöhe“.

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gruseliges,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,
Feb
15
2010
8

Werwölfe!!!

Ich bin vorgestern zu „Wolfman“ im Kino gewesen. Eigentlich hatte ich mir ja wohlmöglich mal wieder einen guten Werwolffilm erhofft, der letzte – „American Werewolf“ – ist ja nun schon fast 30 Jahre her.

Aber nein, das wäre ja auch zu schön gewesen. Wolfman war – in einem Wort ausgedrückt – langweilig.

Der folgende Text enthält Spoiler – immer vorausgesetzt, dass ein so langweiliger Film überhaupt gespoilt werden kann.

*

Der Film spielt irgendwann im Jahre Viktorianisch-Schießmichtot, und ein Schauspieler reist zu dem Anwesen seiner Eltern, weil sein Bruder tot ist. Zuhause findet er dann seinen Vater und die Freundin seines verstorbenen Bruders, und verspricht herauszufinden, wer seinen Bruder umgebracht hat.
Bei den Ermittlungen wird er in einem Zigeunerlager von einem Werwolf angefallen, und fängt nun immer vollmonds an, sich auch in einen zu verwandeln, und Leute umzubringen.

Dann wird er verhaftet, in eine Irrenanstalt gesperrt, wo er erst gefoltert wird, und wo dann – am nächsten Vollmond – versucht wird vor versammelter Mannschaft seine „Werwolfpsychose“ zu zerstreuen.
Statt dessen verwandelt er sich aber – oh, Überraschung – wieder in einen Werwolf, und isst seinen Arzt.

Am Ende kommt dann noch ein epischer Werwolfkampf mit seinem Vater, der der ursprüngliche Werwolf ist, und sowohl den Bruder getötet als auch unseren Protagonisten angesteckt hatte.
Nachdem unser Schauspieler seinen Vater besiegt hat, wird er dann von der Freundin seines verstorbenen Bruders erschossen, die sich mittlerweile in ihn verliebt hat.

Ach ja, der verstorbene Vater hat wohl früher auch schon im Werwolfrausch seine Frau, die Mutter des Protagonisten, umgebracht.

Blah. Das wars, Film Ende!

*

Mal abgesehen davon, dass die ganzen Plotpunkte von oben von vornherein vorhersehbar sind, und in ihrer Präsentation im Film dazu geführt haben, dass ich eine Viertelstunde weggedöst bin – was mir im Kino noch nie passiert ist – ist der Film auch noch denkbar schlecht erzählt, und handwerklich billig umgesetzt.

Es fängt schon damit an, dass die Dorfbewohner sich nicht recht entscheiden können, ob sie an Werwölfe glauben oder nicht, oder ob sie überhaupt schonmal von Werwolflegenden gehört haben.
Einerseits wird im Wirtshaus vor Ort noch gerätselt, ob es ein Mensch oder ein Tier war, was den Bruder des protagonierenden Schauspielers umgebracht hat, andererseits werden schon fleißig Silberkugeln gegossen, ohne, dass je das Wort „Werwolf“ fällt.

Später das selbe Phänomen mit dem Protagonisten selbst: Er werwolft nachts rum, und wird dafür am Morgen danach festgenommen, nur um in ein Irrenhaus gebracht zu werden, wo man ihm erzählen will, dass es keine Werwölfe gibt, wo ihn dann sein Vater besucht, der ihm erzählt, wie er selbst zum Werwolf wurde.
Hö?
Genau.

Sogar der mittelprächtige Film „Wolf“ mit Jack Nicholson handhabt das alles besser und in sich konsistenter.

Okay, soviel zu der lustigen Logik des Films, nun zu der billigen Umsetzung:

Recht früh im Film spielt ein Tanzbär eine gewisse Rolle. Einige im Dorf verdächtigen den alten Tanzbären der im Wald wohnenden Zigeuner – die übrigens kaum eine Rolle im Film spielen – dass dieser für den Mord am Bruder verantwortlich ist.
Diesen lustigen Meister Petz, der in nur einer Szene zu sehen ist, hat man jedenfalls komplett computeranimiert, und zwar so schlecht, dass man es sieht.
Das ist für mich jedenfalls nur ein Anzeichen dafür, dass man sich keine rechte Mühe beim Film gegeben hat. Ist ein alter dressierter Bär samt Tiertrainer nicht drin gewesen im 85 Millionen Dollar Budget des Films? Muss man uns einen albernen Computerbär vorsetzen?
Ganz abgesehen davon wirkt der ganze Film wie ein Animationsfilm, in dem nur zufällig ein paar Schauspieler mitspielen. Diese Optik fand ich in „Sleepy Hollow“ noch tolerabel, in „Vidoq“ schon anstrengend, aber mittlerweile so nervig, dass sie mir den Film versaut – zumindest wenn es keinen Grund für diese Künstlichkeit gibt.
Mal ehrlich: Englisches Landgut, Tanzbär… Warum muss sowas im Computer erstellt werden? Auch die „Werwolfmasken“ für die Schauspieler, die dem Make-Up aus dem ursprünglichen Wolfman der 40er Jahre ähnlich sehen sollen, sind CGI-Effekte.
Was soll das?

Na ja, über sowas kann ich mich halt aufregen…

Wer noch eine andere Meinung hören will, der kann hier schauen: Link!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter:
Jan
20
2010
9

Schlumpfkatzhontas

Kaum ein Film hat die Öffentlichkeit schon im Vorfeld so polarisiert, wie James Camerons Science-Fiction-Öko-Drama „Avatar“. Und auch jetzt, nachdem ihn wohl schon jeder im Kino gesehen hat, der ihn im Kino sehen wollte,  gehen die Diskussionen noch weiter.  Die einen können sich noch nicht entscheiden, ob sie die tolle neue 3D-Technologie nun gut finden, und die anderen werfen dem Film – nicht ganz unbegründet – vor, dass es sich nur um einen Abklatsch von „Pocahontas“, „Ferngully“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ handelt.
Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter:
Jan
06
2010
5

Vampirbücher!!! AAAAHHHH!!!!

Mittlerweile gibt’s auch in den Bahnhofsbuchhandlungen von Niebüll und Westerland, die ich fast täglich frequentiere, fast ein ganzes Regal nur allein für verschiedene Vampirbücher. Sind Vampire in unseren Jahren das, was in den Achzigern die Dinosaurier waren?

Ich mein, es ist ja schön, wenn plötzlich alle jungen Leute lesen, aber es gibt doch auch noch andere Themen als Vampire, oder? Und sind nicht die meisten der erhältlichen Titel im Grunde sehr stark an Twilight angelehnt? Brauchen wir mehr wie Twilight?

Es gab vor einigen Jahren schonmal was ähnliches. Wegen Harry Potter. JK Rowling hat sich mit der Harry Potter Reihe ja von einer Sozialhilfeempfängerin zu einer der reichsten Frauen Englands geschrieben, und da wollten auch schon einige es ihr nachmachen, und haben mal bessere und mal schlechtere Harry-Potter Ripp-Offs geschrieben. Oder vielleicht wurden selbige auch nur lieber von den Verlegern aufgegriffen, um auf der Zauberschul-Welle zu reiten, solange sie anhält? Ich weiß es nicht.
Zwar hat Frau Rowling das Genre des „Zauberschulromans“ sicher nicht erfunden, sowas gibts schon sicher mindestens seit Achtzehnhunderttobak, aber Fakt ist, dass sie das Genre gewissermaßen modernisiert hat, und somit einen neuen Boom für diese Bücher – und Fantasy im Allgemeinen – auslöste.

Was hat das nun mit Vampiren zu tun?
Nun, obwohl Stephenie Meyer auch den „romantischen Vampirroman“ nicht erfunden hat, den gibt es schon seit Bram Stokers Dracula, hat sie ihn für eine gewisse Zielgruppe modern aufbereitet. Obwohl es bestimmt bessere Romane im Tennie-Romantik-Vampir-Genre geben muss (Bitte! Ich will einfach glauben, dass es so ist!), hat sie doch einen Nerv getroffen, und seitdem verkaufen sich ihre Bücher wie blöde.
Also kommen auch wieder irgendwelche Trittbrettfahrer, die mit ihren Romanen ebenfalls von dem Hype profitieren wollen.
Das klingt jetzt negativ, macht aber Kultur aus: Einer macht was, die Leute finden das toll, also macht ein anderer auch sowas, und versucht es besser zu machen.
Gäbe es diesen Mechanismus nicht, würden wir immer noch Mammute an Höhlenwände malen.

Im Regal mit Vampirbüchern fiel mir eines besonders ins Auge. Dieses hier:

Warum es mir ins Auge fiel? Nun, man sieht es auf dem Foto nicht wirklich, aber das Cover ist derart gestaltet, dass man meinen möchte, das Buch sei schon dutzendmal gelesen worden. Das Artwork des Covers sieht absichtlich so aus, als sei die Farbe an den Kanten abgerieben.
Clever, weil es einen zwingt, zweimal hinzusehen. Ich nahm das Buch also in die Hand und las mir den Klappentext durch. Heißt das bei einem Taschenbuch eigentlich Klappentext? Hat ja gar keine Klappen. Na die Zusammenfassung hinten auf dem Buchrücken meine ich. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
Allein der erste Satz ließ mich schon stutzen.

Rose Hathaway steht vor ihrem Abschluss an der Vampirakademie.

Vampirakademie? Ist Vampir mittlerweile ein Lehrberuf? Gibts da einen akademischen Grad, den man bekommt, wenn man fertig ist? „Dr. vamp dent“, oder so? Ich dachte immer man müsste gebissen werden, ich wusste nicht, dass es da eine Art Ausbildung zum Vampir gibt, die man machen kann. Erstaunlich.

Ich hab den Roman jetzt natürlich nicht gekauft oder gelesen – kann ja sein, dass er ganz gut ist – aber Vampirakademie? Ich kann mir nicht helfen, aber mir kommt das fast so vor, als habe sich die Autorin Richelle Mead sich da beiderseitig von Harry Potter UND Twilight… nun „inspirieren lassen“.
Wow. Ich bin sprachlos. Ich bin beihnahe neugierig, wie das Buch ist. Aber nur beinahe.

Au, ja, bevor ich’s vergesse: Wer das Buch kennt, mag mal bitte seinen Eindruck in die Kommentare schreiben.

Nachtrag: Ich bin übrigens nicht der erste, der über das Vampirbuchphänomen stolpert.

Written by Heiko C. in: Bücher,Kurzrezensionen | Schlagwörter: ,
Nov
23
2009
2

New Moon – „Biss zum Erbrechen“

So, der kommt ja nun in die Kinos. Ich werde ihn mir ganz sicher NICHT im Kino anschauen. Da ich jedoch den ersten Film „Twilight“ und die ersten beiden Bücher der Twilightsaga hier besprochen habe, möchte ich dem interessierten Kinogänger von Welt gerne ein paar Reviews in englischer Sprache ans Herz legen, welche vielleicht die Entscheidung zu erleichtern vermögen, ob man sich den Knelz im Kino anschauen soll, oder besser nicht.

Folgende Videoreviews sind mir bisher aufgefallen:

hier bei Bum Reviews,

bei The Spoony Experiment

oder bei The Cinema Snob

Wenn ich mehr finde, trage ich’s nach.

Ach ja: KALTE WESEN!!!

Written by Heiko C. in: Kurzrezensionen | Schlagwörter: ,
Nov
13
2009
12

Giraffen und Nashörner

Der schlimmste Roland Emmerich aller Zeiten ist immer der gerade neueste.

Mit der Erwartung, dass dies auch bei „2012“ zutrifft, dem neuesten Blockbuster aus der Filmeschmiede des schwäbischen Turnschuhträgers, bin ich dann gestern auch im Kino gewesen.

Möglicherweise das Sequel zu 2012: Planet der Giraffen

Sicher, bisweilen gab es Ausnahmen von der Regel: Zwar war „Godzilla“ schlimmer und blöder als „Independence Day“, dafür schien „The Day after Tomorrow“ aber wieder nicht ganz so schlimm zu sein, wie „Godzilla“. Und bis auf das schmalzige Ende war „Independence Day“ um einiges besser als der vorher erschienene Emmerichfilm „Stargate“.
Aber im Großen und Ganzen ist dennoch erkennbar, dass Emmerich bei seinen Filmen immer mehr Wert auf die Effekte zu legen scheint, und immer weniger Wert darauf, eine anständige Handlung, und glaubwürdige Protagonisten hinzubekommen.
Recht oft greift er auf eben die gleichen Archetypen bei seinen Handlungsträgern zurück. Im Mittelpunkt der Erzählung steht oft ein hellhäutiger Bücherwurm (gerne mit Brille), der Familienprobleme hat, und im Laufe der Handlung immer fast im Alleingang mal die Welt, mal seine Familie oder auch irgendwas anderes rettet.
Die Antagonisten sind meist irgendwelche pragmatischen Real-Politiker, die zynische und menschenverachtende Befehle geben, oder durch ihre Kriegslüsternheit die Kacke erst zum dampfen bringen.

Nun, aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um die anderen Emmerichs hier, sondern um sein neuestes Meisterwerk „2012“, nach dem man schielend aus dem Kino kommt, weil einen der Irrsinn beidseitig von vorn überholt.

SPOILER ALARM — WER DEN FILM NOCH SEHEN WILL, SOLLTE JETZT MAL WOANDERS HINLESEN!!!

Es geht los 2009 in Indien, wo ein Forscher der irgendwie für die US-Regierung arbeitet, einen indischen Kollegen und dessen Familie trifft. Warum ich die Familie erwähne? Eigentlich nur, weil die Frau des Inders klingt, als habe Gülcan sie synchronisiert. Aber die gute sagt Gott sei Dank nur einen Satz.
Na ja, die beiden Forscher gehen dann in ein Bergwerk, wo unten ein riesiger Topf mit Wasser kocht. Das alles habe mit der Sonne und Neutrinos zu tun, erfährt man als Zuseher. Die Neutrinos haben sich einfach ohne Vorwarnung in „neue Elementarteilchen“ verwandelt, die den Erdkern schmelzen. Sowas. Und ich dachte, der Erdkern wäre bereits flüssig. Na ja, bin eben kein Geologe.

Nächster Szene: 2 Wochen später (oder so) kommt der US-Forscher auf irgendeinem Botschaftsempfang (oder so), und erzählt seinem Vorgesetzten (Typ pragmatischer Realpolitiker), was da schlimmes los ist. Was genau, erfahren wir noch nicht, aber der Vorgesetzte setzt sozusagen seine politische Maschinerie in Gang.

Dann kommen etliche Endlose Schnitte durch die ganze Welt, wo zwischen 2009 und 2012 seltsame Sachen passieren. Unter anderem wird die aus dem Louvre heimlich entfernte Mona Lisa in Sicherheit gebracht und in China wird ein Damm gebaut.

An der Stelle begann ich mich schon zu fragen, ob der Film jetzt so bleibt, und die restlichen zweieinhalb Stunden mit ähnlichen Szenen bestückt sein werden, die alle etwa 30 Sekunden lang waren. Aber nein, irgendwann geht die Handlung dann los, wenn man es so nennen kann.

Wir lernen einen recht erfolglosen Schriftsteller kennen (So Typ Bücherwurm), der seine beiden Kinder von seiner Ex-Frau abholt, um mit ihnen im Yellowstone-Nationalpark zu campen. Weil sein eigener Wagen nicht anspringt, und er droht zu spät zu kommen, fährt er in einer Stretchlimosine vor. (einfach nicht drüber nachdenken)

Die drei (Tochter mag Vater, Sohn mag den Vater nicht) fahren also zum Yellowstone Park, wobei sie von hektisch herumfliegenden Militärhubschraubern überholt werden. Keiner denkt sich was dabei. Warum auch? Ebenso wird ignoriert, dass große Teile des Parks anscheinend abgesperrt sind, und statt einem vorher dagewesenen See nur noch eine dampfende Pfütze voller Tierkadaver anzutreffen ist.
Bevor unsere drei Leutchen aber zu sehr ihre Zeit mit Nachdenken oder gar Panik vergeuden, kommt die Armee, sammelt sie ein, und sagt ihnen, dass es nichts zu sehen gäbe, sie aber besser wieder nachhause gingen.
Danach campen die drei noch eine Weile im Park, und fahren dann auf Aufforderung der Mutter zurück nach LA, weil dort ein Erdbeben ist. Die Kinder sind wieder sicher bei der Mutter und ihrem neuen, als Los Angeles (wo die alle sind) ins Meer zu kippen beginnt. Der Limosinenschreiberling holt die ganze Bagage ab, und nach einer nur ABSURD zu nennenden Jagd durch die Stadt, in der die 5 erfolgreich versuchen mit einer Strechlimo Erdspalten davonzufahren, schnappen sie sich ein Flugzeug am Flughafen, und fliegen – fallenden Gebäudeteilen ausweichend – davon.

Man fliegt zurück zum Yellowstone Park, weil da ein Verrückter mit einer Karte lebt. Diese findet man gerade noch rechtzeitig bevor der ganze Nationalpark mit fauchenden Lavabrocken und Pilzwolken in die Luft fliegt. Samt Druckwelle, die der recht nahestehenden Patchworkfamilie nur ein wenig die Haare zerzaust. Was ist aus Duck and Cover geworden?

Nun, man hat die Pläne, und weiß, wo die „Raumschiffe“ gebaut werden, auf denen ausgewählte Exemplare der Menscheit die globale Neutrinokatastrophe überleben sollen. Und zwar: In China. Wenn nämlich einer schnell was großes bauen kann, dann die Chinesen. Siehe auch z.B. Große Mauer.
Man macht noch einen Zwischenstopp irgendwo, um das kleine Flugzeug gegen ein größeres zu tauschen, wobei man in die Gesellschaft eines dicken und skuppellosen reichen Russen, seiner zwei Kinder Lolec und Bolec, seiner Geliebten, deren Hund, und dessen aller Pilot gerät.
Beim Start verliert man das Fahrgestell.
Eigentlich will man in Hawaii einen Zwischenstopp machen (ohne Fahrgestell), aber Hawaii ist mitlerweile ein einzieger großer aktiver Vulkan. Pech.
Während viel zu früh der Sprit ausgeht um China zu erreichen, hat sich China in der Zwischenzeit glücklicherweise in Richtung Flugzeug bewegt, so dass man doch noch irgendwie landen kann, halbwegs sicher, nur der Pilot stirbt. [Nachtrag: Aufgrund einiger Nachfragen hier nochmal erklärt: China, DER KONTINENT (!) bewegt sich in Richtung Flugzeug, nicht irgendwelche chinesischen Rettungsteams.]

Ja… Dann geht’s erst so richtig los, obwohl hier etwa ein Brandloch im Film zu sehen ist, und ich mir schon erleichtert dachte: Zum Glück dauerts jetzt nicht mehr so lange. Ha! Pustekuchen!
Chinesische Grenzpatroullien oder so kommen an, lassen den dicken Russen und seine Blagen passieren, weil der ne Vipkarte für eins der Schiffe hat. Die anderen werden im Schnee stehengelassen, und ärgern sich.

Nun sehen wir zum ersten mal die Schiffe, und wie Michelangelos David, Nashörner und Giraffen in eines von ihnen geladen werden.
Klar, was braucht der postapokalyptische Mensch unbedingt? Giraffen und Nashörner, die Nutztiere der Zukunft – scheinbar. Aber nicht weiter drüber nachdenken. Ich hätte Kühe, Schafe und Schweine mitgenommen, aber das ist wohl nur der Nordfriese in mir. Wie schmecken Giraffen und Nashörner? Sollen die vielleicht gekreutzt werden miteinander?

Eierlegende Wollmilchsäue der Zukunft?

Die Patchworkfamilie samt Russengeliebter treffen eine chinesische oder tibetische Familie, und man beschließt gemeinsam auf eine der Archen zu schleichen. Weil der älteste Sohn da arbeitet, kann der die reinschmuggeln.

Arche drei ist kaputt. Das Schiff, wo der dicke Russe und seine Arschlochkinder ein Ticket für haben. Haha! Die Geliebte zeigt den dreien beim Reinschleichen ins Schiff den Stinkefinger.

Die Türen schließen sich, und das ist auch gut so, weil eine Monstertsunamiwelle in 10 Minuten den Himalaya überschwemmt, und da alle Türen zu sein sollen. Aber nein! Die Leute auf Gleis Drei können ja nicht in ihr Schiff, weil wegen kaputt!

Eine kleine Meuterei später werden die Türen also wieder geöffnet, damit auch der Rest reinkann. Heldenmutig stirbt der dicke Russe, als er seine Kinder nochmal eben in eins der Schiffe wirft.

Dann gibt es noch ein paar Verwicklungen, und dann kommt die Monsterwelle, und dann fahren alle in den Sonnenuntergang. Einen Monat später findet man Afrika, wo die Welle nicht hingekommen ist. Man hätte es sich also getrost sparen können, die blöden Nashörner und Giraffen mitzunehmen. Film Ende.

Soviel dazu.

Was für ein Bullshit. Und ich hab mir noch Mühe gegeben alles ein wenig zusammenzufassen und einfach nur zu schreiben, was da abging in dem Film. Es schaut sich allerdings genauso absurd an, wie sich meine kleine Zusammenfassung liest.
Ach ja, und erstaunlich auch, was mit den Lenkern der Welt passiert:
Recht früh im Film – zumindest kam es mir so vor – wird klargestellt, dass man die Regierungen mitnehmen muss, wenn die Apokalypse kommt. Sonst gäbe es ja Anarchie!! Und Apokalypse ist ja schon schlimm genug ohne Anarchie oder? Die Merkel kommt mit an Bord. Also zumindest die deutsche Kanzlerin. Für die Merkel sieht die zu nett aus, und hat zu lange Haare, aber wer weiß, vielleicht lässt sie sich die ja die nächsten drei Jahre wachsen.

Toll. Noch nicht einmal der Weltuntergang befreit uns von der CDU. Den Schäuble hab ich nicht entdecken können, aber wie ich den Laden kenne, lenkt der eins von den Schiffen.
Wie muss ich mir das im weiteren vorstellen? Bauen die Merkel samt Union im postapokalyptischen Afrika eine neue Zivilisation auf? Patroullieren die Grenzen von „Neudeutschland“ wachende Giraffenreiter der jungen Union? Gekleidet in Nashornleder? Und warum ist eigentlich die CDU noch nicht auf dem Mond?

Merkel im Zenit ihres Schaffens

Der von Danny Glover gespielte Obama kommt übrigens nicht mit. Der bleibt zuhause, genau wie der Papst und auch Berlusconi. Die wollen nah bei ihrem Volk bzw.Schäfchen bleiben. Aber die Queen von England, die rettet sich natürlich.
Was Putin und Chuck Norris derweil machen, erfahren wir nicht. Aber die beiden werden sicher dem Tsunami eigenhändig davonschwimmen, und die Überschwemmung später mit Strohhalmen austrinken.

Die Queen, die Merkel und die Regierungen der Erde (damit es keine Anarchie gibt) sowie haufenweise reiche Leute, die sich für eine Milliarde eine Fahrkarte kaufen konnten, werden also auf den Schiffen mitgenommen. Warum muss ich an die B-Arche von Golgafrincham denken, wo dann nachher Frisöre und Telefondesinfizierer versuchen auf der prähistorischen Erde eine Zivilisation aufzubauen? Mit uns Merkel muss ich da an ähnliche Szenarien denken.

Was gefehlt hat in dem Film:
– Cthulhu natürlich. Da ist mal Weltuntergang, und er wird nicht eingeladen. Menno! Den hätte man doch prima in irgendwelche obskuren Mayalegenden einbauen können. Ne gefiederte Schlange ist er ja nun nicht gerade, aber von den Maya ist so weing erhalten, denen kann man doch im Prinzip alles andichten.

Was ewig liegt, das bestraft das Leben

– Eine Pointe zu dem langen, anstrengend albernen Witz, den 2012 abgibt. Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt. DAS wäre witzig gewesen, und hätte den ganzen Film erträglich gemacht, wenn auch nur im Nachhinein.

Happy End

Würde ich den Film weiterempfehlen?
Ist zwar hübsch bunt und laut, aber empfehlen? Dann doch nicht. Ich hab zwar ein paar Mal gelacht, sogar laut, aber die Gagrate war deutlich zu niedrig für einen Film dieser Länge. Wer sich aber bei „Indiana Jones 4“ immer über den atombombensicheren Kühlschrank ärgert, dem kann ich „2012“ allerdings nur empfehlen. Wer den gesehen hat, hält besagte Kühlschrankaktion für vergleichsweise nicht mal so unrealistisch.

Zum Abschluss:
Dies war ein Rant. Es gibt auch durchaus geistig gesunde Leute, die den Film gut fanden. Wer nach dem Genuss dieses Artikels eine zweite Meinung einholen möchte, kann hier bei Scienceblogs schauen. Florian Freistetter schreibt dort, dass er den Film mag, und warum.
Ich kann nur annehmen, dass er den Film durch die „Hollywood: eh alles Blödsinn“-Brille des Naturwissenschaftlers wahrgenommen hat, und ich durch die „Story is King“-Brille des verkappten Geisteswissenschaftlers. Das erklärt dann auch die Meinungsverschiedenheit. Aber na ja, Geschmack halt.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,
Aug
08
2009
5

Zauberhafte Parallelgesellschaften I.

Okay, ich oute mich mal. Ich lese gerne Fantasy, auch wenn sie schelcht ist, so wie Twilight. Oder für Kinder, so wie Harry Potter. Oder vielleicht auch gerade weil.

Phantastische Literatur – also Fantasy und auch Science Fiction – für Kinder unterscheidet sich sehr oft sowieso nur durch ein Fehlen von – ich nenn’s mal – Liebesszenen von der für Erwachsene.
Gut, manchmal ist gerade Science Fiction für Erwachsene auch wissenschaftlicher und komplizierter, während die für Kinder und Jugendliche eher einfach gestrickte Space Operas sind.
Bei Fantasy verhält es sich ähnlich. Nimmt man aus Twilight zum Beispiel die Vampire raus, hat man ein ganz herkömmliches Mädchenbuch, dass nach dem Romeo und Julia-Prinzip gestrickt ist, wie es sie zu Hauf gibt.
Die lese ich im übrigen nicht. Vampire, Elfen oder Aliens müssen schon drin sein, damit ich mich dafür interessiere. Oder wenigstens Raumschiffe.
Harry Potter ist auch, wie ich früher schon erwähnte, weibliche Literatur, aber trotzdem für eine Jugendbuchreihe erstaunlich episch.
Die Welt, die Joanne K. Rowling entworfen hat, ist nicht wirklich was neues, Zauberlehrlings-Schulromane gab’s auch schon öfter. Allerdings ist sie schön detailliert, auch wenn sie an Stellen keinen rechten Sinn ergibt.

Nun hab ich neulich also wieder mal den ersten Band gelesen.
Gleich am Anfang fällt einem auf, dass die Lebenssituation von Harry Potter arg übertrieben ist. Er ist nicht nur Vollwaise, und muss bei Onkel und Tante wohnen, die ihn beide schon als Säugling verabscheuen, nein, diese bringen ihn auch noch in der Besenkammer unter, lassen ihn kaum was essen, und von ihrem Sohn Dudley (Name? Na ja, gibt ja auch Dudley Moore…) terrorisieren. Außerdem wird sein Geburtstag nicht gefeiert, er soll auf eine billigere Schule kommen als Dudley und bekommt gerne mal eine alberne Frisur geschnitten.
Noch ein bisschen mehr Elend? Nein? Reicht?
Ich bin der Meinung, dass es schon viel zu viel ist. Weniger ist manchmal mehr, und mit einer eher moderat elenden Lebenssituation, könnte sich der Leser auch mehr mit der Hauptfigur identifizieren.
Das macht man zwar so auch, aber eher, weil man sich für den ungerecht behandelten Underdog beim Lesen quasi einsetzen möchte.

Na ja, ich gehe mal davon aus, dass alle, die dieser Artikel interessiert das Buch schon kennen, darum springe ich jetzt mal ein wenig zu einigen Stellen, die ich nicht so schlüssig finde. Ich möchte an dieser Stelle davor warnen, dass ich die Harry Potter Reihe ein klein wenig auseinandernehmen werde:

Manchmal, so wird im Buch, haben Muggel, also magisch unbegabte Normalsterbliche, Kinder, die magisch begabt sind. Harrys Strebersidekick Hermine ist so ein Kind.
Manchmal haben magische Eltern auch ganz normale Kinder, welche nicht zaubern können, die nennen sich Squib. Diese Squib leben auch unter Muggeln, während die magischen Muggelkinder zum Zauberer ausgebildet werden.
Außerdem gibt es irgendein Gesetz zur „Geheimhaltung der Magie“, das besagt, dass Muggels nicht wissen dürfen, dass es da eine ganz andere fantastische Parallelwelt gibt mit Zauberei und so.
Warum, die das nicht wissen dürfen ist eine Sache: „Nachher wollen die, dass wir ihnen alles zurechtzaubern, und die ruhen sich aus!“ Aha. Zauberer sind also neoliberal. Schön. Was wäre aber so schlimm dran, wenn Zauberer und Nicht-Magier zusammen daran arbeiten die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Stört zum Beispiel Umweltverschmutzung die Zauberer nicht? Oder Reaktorsicherheit? Oder Kriege in der Welt? Irgendwie scheinen solch weltliche Themen die Zauberer tatsächlich nicht zu interessieren. Und die Wirtschaftskrise?
Auch die wird die Zaubererwelt nicht interessieren, denn die haben nicht nur ihr eigenes Währungssystem – das international zu sein scheint – sondern eine komplett autarke Wirtschaft, die kaum Überschneidungen mit der der Muggel zu haben scheint.
Statt also die magischen Ressourcen dafür aufzuwenden die Welt für alle besser zu machen, nutzt man Unmengen dafür, eine eigene – zum Teil noch nicht einmal magische – Wirtschaft zu betreiben, und die eigene Existenz mit allen Mitteln geheim zu halten.
Gehen nicht magische Gegenstände auch mal verloren? Erzählen nicht Muggeleltern oder Squib manchmal von ihren Zaubererfreunden? Fliegt ein Drache nicht auch mal über eine Großstadt, und richtet Verwüstungen an? Sowas bringen die Zauberer dann wieder in Ordung – oder tarnen es als Reaktorunfall – löschen Gedächtnisse und so weiter.
Und wie ist es wenn normale Menschen sich magische Krankheiten einfangen? Für Zauberer gibt es da eine komplett eigene Medizin. Irgendwie ist das alles ziemlich asozial.

Aber in der Zaubererwelt bekommt man von der Menschenwelt ja auch nicht viel mit. Und das obwohl die Menschenwelt so viel größer und überall um die Zaubererwelt herum ist. Wird also auch die Muggelwelt ein Stück weit vor den Magiern geheimgehalten? Auch das scheint so zu sein. Muggel sind die Mühe einfach nicht wert sich mit ihnen zu befassen, und über sie kursieren vielfach nur Vermutungen und Vorurteile beim Durchschittszauberer. Es gibt zwar einen Studiengang der „Muggelkunde“, aber solche die den belegen, gelten wohl eher als Exoten.

In der Romanwelt der Bartimäusreihe von Jonathan Stroud ist das ganze besser gelöst. Dort agieren die Magier ganz offen, obwohl die auch dort die Minderheit darstellen. Mehr noch: Die Magier beherrschen die nichtmagischen Menschen, und sehen sie als minderwertig an.
Das ist zwar auch nicht das, was ich ideal nennen würde, es ist aber zumindest ehrlich.
Ich denke, dass J.K.Rowling sich aus dramaturgischen Gründen dafür entschieden hat, die Welt so aufzubauen, wie sie es getan hat. Der Leser sollte seine eigene Welt als Ausgangsbasis haben, und dann langsam in die magische Welt eintreten können. Das ist ihr gelungen. Trotzdem wirken die Zauberer aufgrund ihres Gesellschaftssystems alle wie blasierte arrogante Arschlöcher.

Der nächste Punkt, und die große Schwachstelle der ganzen Serie, ist der Bösewicht: Lord Voldemort nennt er sich, und eigentlich heißt er Tom M. Riddle. Das M steht in der deutschen Version übrigens für Vorlust. Fragt nicht. Übersetzungsschlamperei.
Wer ist nun also dieser Bösewicht? Im ersten Buch erfahren wir in etwa folgendes:
Er ist böse. Er sollte eigentlich tot sein. Er hat die Zaubererwelt in zwei Fraktionen gespalten, von denen die eine böse war, und die andere gut.
Er hängt am Hinterkopf eines Lehrers, und scheint irgendwie körperlos zu sein.

Lord Voldemort kommt herüber wie eine Mischung aus Sauron, dem Imperator von Star Wars, Adolf Hitler und Sauron. Und Sauron.
Auch Sauron ist irgendwie körperlos, bekommt aber noch viel mit, und sieht alles, was er sehen muss, und ist mächtig und alle haben vor ihm Angst.
Auch Sauron taugt meiner Meinung nicht zum Bösewicht. Zu wenig Substanz vor der man Angst haben könnte. Bei Voidemort ist es so ähnlich. Man erfährt vorerst viel zu wenig über ihn.
Am Ende des ersten Bandes taucht Voldemort zwar auf, und stänkert ein wenig herum, jedoch nur als Gesicht, dass jemandem aus dem Hinterkopf wächst, und mühsam Anweisungen geben muss.
Das ist dumm.

Im großen und ganzen war der erste Band aber eine spannende Lektüre. Wohl auch weil Voldemort nicht sehr lang auftaucht, und die Einführung in die (unlogische) Welt recht gut gelungen ist.

Written by Heiko C. in: Bücher,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,
Apr
14
2009
3

Zwielichtige Vampire II

So, nachdem ich den zweiten Band der ultimativen Glitzervampirsaga auch durch habe, will ich nun versuchen, auch diesen zu rezensieren.

Erst mal: Das zweite Buch fand ich jetzt besser als das erste.

Zur Handlung:
Die Protagonistin (Bella) hat Geburtstag, und wird von einem der Vampire fast gebissen. Daraufhin verlassen die vegetarischen Vampire die Gegend. Bella ist tottraurig, und freundet sich deswegen mit einem Werwolf an.
Ein böser Vampir kommt, und will sie beißen. Die Werwölfe verhindern dies.
Dann kommt die eine von den Glitzervampiren zurück, weil die denkt, dass Bella tot ist. Durch eine fast ohnsorgtheatereske Verwechslung denkt Milchschnitte, dass Bella tot ist, und geht deswegen nach Italien, um sich umbringen zu lassen.
Bella reist hinterher, wird von Obervampiren gemustert, und alle dürfen wieder gehen. Dann streiten sich Milchschnitte und der Werwolf. Dann bekommt Bella Hausarrest, weil sie ein Motorrad hat.

Hm. Jetzt wo ich die Handlung zusammengefasst habe, klingt sie ein wenig wie Kraut und Rüben. Das Hörbuch zu hören war aber tatsächlich sehr viel spannender als beim ersten Teil. Vermutlich weil man bei Teil 2 ganz lange nicht sicher war, worauf es denn eigentlich hinauslaufen soll.
Wie schon im ersten Buch die interessanteste Enthüllung – Milchschnitte=Vampir – eigentlich keine war, weil das schon der Klappentext verraten hatte, ist in die spannenste Enthüllung des zweiten Buches ebenfalls ein Spoiler eingebaut: Wir wissen schon seit dem ersten Buch, dass die Reservats-Indianer potentielle Werwölfe sind, also ist dies kaum eine Überraschung.
Warum schreibt sich die Autorin all diese großartigen Enthüllungen kaputt? Das erste Buch wäre gar nicht mal so langweilig gewesen, hätte man nicht drei Mal enthüllt bekommen, dass Milchschnitte ein Vampir ist. Ebenso wäre das zweite Buch vielleicht richtig gut gewesen, wenn im ersten Buch nicht direkt von Werwölfen die Rede gewesen wäre, sondern davon dass „die Vampire unseren Stamm respektieren“ oder so. Wie kann man das vermasseln?

Nun, die Antwort ist eigentlich offensichtlich: Die Gute Susanne Meier hat das erste Buch geschrieben, und dabei nicht wirklich schon die Handlung des zweiten vor Augen gehabt.
Das zweite Buch muss komplett erst konzipiert worden sein, als das erste schon veröffentlicht war. Wenn etwas nämlich schon veröffentlicht ist, dann kann man nämlich nicht mehr dran rumdoktern. Gut, es sei denn, man heißt George Lucas.

Ich bin gespannt auf den dritten Teil. Auch wenn die Vampire glitzern.

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,
Apr
13
2009
13

Zwielichtige Vampire I

Gut, nachdem die Mine als Reaktion auf meine Twilight-Filmkritik schrieb: „Das Buch ist aber viel besser!“, oder so, dachte ich, dass es doch eine journalistische Notwendigkeit wäre, wenn ich diese Aussage mal überprüfe.

Also lud ich mir das über 6 CDs dauernde Hörbuch auf meinen MP3-Player, und hörte es in den vergangenen drei Tagen so nebenbei.

Ich komme zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der Film ist in vielerlei Hinsicht besser!
Zuerst einmal: Der Film ist wesentlich besser strukturiert, was den Handlungsaufbau angeht. Im Film erfährt die gute von einem Indianer, dass Milchschnittes Familie keine Menschen sind. Statt dessen seien sie „kalte Wesen„, die traditionell im Krieg mit den „wölfischen“ Indianern stehen.
Später dann zushause setzt sie sich an ihren Rechner, und googelt „kalte Wesen“ und „indianische Legenden“, und stößt darauf, dass „kalte Wesen“ scheinbar ein Synonym für „Vampire“ ist.
Sie findet hier also heraus, und das ganze wäre spannend gewesen, wenn man nicht von Anfang an gewusst hätte, dass es um Vampire geht.
Na ja, dann erst konfrontiert sie „Milchschnitte“ mit den Fakten, und er sagt: „Ja, stimmt schon.“ Auf die Frage, wie vielen Babys Milchschnitte schon den Kopf abgebissen hat, antwortet dieser: „Noin, wir sind doch vegetarische Vampire.“ Vegatarisch ist hier im Sinne von: „ernährt sich nur von Tierblut gemeint.“ Auch hier achte man auf den lehrbuchmäßigen Spannungsbogen.

Okay, wie ist es im Buch? Nun dort fragt sie den Indianer nach Milchschnittes Familie, und er sagt ihr sinngemäß: „Ach, das sind Vampire. Aber die trinken nur Tierblut, also keine Angst.“
Dann geht sie heim, und googelt, und liest was über Vampire, und sagt später lapidar zu Milchschnitte: „Ach was, ich hab keine Angst, ihr trinkt doch nur Tierblut, höhö.“
Wo ist da der Spannungsbogen? Vielleicht grad in Urlaub auf Mallorca, und lässt sich volllaufen.

Der Stil im Buch: Ständig finden sich Phrasen im Buch wie „Noch nie war Edward gefährlicher, …oder schöner.“ oder „Er war so unglaublich schön… und gefährlich!“ Man sollte meinen die Leserin hätte das nach den ersten 10 Gelegenheiten, zu denen solche Sätze zu lesen sind, begriffen, aber nein, sowas wird den ganzen Roman über wiederholt. Vielleicht fehlt mir aber tatsächlich das Östrogen, um sowas zu wertschätzen.
Im Film bleibt sowas jedoch ungesagt, was ich besser finde.

Dann die „böösen Vampire“, die nicht nur Tierblut trinken, wie waschechte Vegetarier, sondern auch, und hauptsächlich, Menschenblut.
Mal abgesehen davon, dass beiden männlichen dieser Vampire im Hörbuch schlimme ausländische Akzente verliehen wurden, tauchen diese erst gegen Schluss auf. Hallo Spannungsbogen, ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub. Bitte komm bald wieder, wir vermissen dich!
Im Film hingegen, sind diese schon im ersten Drittel präsent, wenn auch in Szenen, in denen keiner der Hauptcharaktere auftaucht. Und nicht nur das: Sie killen sogar einen guten Freund des Vaters der Protagonistin. Solche Mittel helfen die Spannung zu halten. Im Buch scheint dies völlig zu fehlen – es sei denn das Hörbuch ist gekürzt.

Nun, der Punkt der mich am meisten am Film störte, und der beim Buch angeblich „besser gelöst“ sei: das Glitzern.
Im Film nimmt „Milchschnitte“ der 107jährige, untote Teenie unsere Protagonistin kurzerhand huckepack, und trägt sie auf einem Berg in Windeseile über die Wolkendecke. Dort, im prallen Sonnenlicht glitzert er.
Im Buch heißt es fast wörtlich: „Im grellen Sonnenlicht begann er zu glitzern!“ Später ist dann noch von einem „Funkeln“ die Rede, oder davon, dass es ausshe wie „tausend Diamanten“.
Ist das irgendwie besser? Ist das weniger schwul? Ich sehe irgendwie keinen großen Unterschied.

Das einzige was im Buch besser ist als im Film sind die Schauspieler. Das aber auch nur, weil man seine Idealbesetzung im Kopf hat.

Okay, demnächst hör ich mir den zweiten Teil an. Warum? Man kann nur so und so oft im Jahr „Professor Van Dusen“ hören.

Written by Heiko C. in: Bücher,Esoterisches,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,