Impactsuspect » Beklopptes
Jul
29
2009
3

Neues von Ursula

Man bekommt langsam den Eindruck, dass Ursula von der Leyen glaube, mit dem Amt der Familienministerin könne sie machen was sie wolle, und die Menschen müssten es sowieso gut finden. Erst drückt sie das Zugangserschwerungsgesetz mit sehr zweifelhaften Statistiken gegen den massiven Widerstand aller Experten und des Volkes durch, dann beleidigt sie Indien, zwischendurch wird dann allen ernstes so getan, als wäre die Idee das Internet zu zensieren ursprünglich von der SPD gekommen und nun?

Ja, was nun? Nun möchte man das Fahrtenbuch ihres Dienstwagens kontrollieren, ob da auch alles seine Richtigkeit hat. Frau von der Leyen lehnt ab. Nö. Sie will nicht, dass jemand in ihr Fahrtenbuch schaut, weil wegen Datenschutz.
Wörtlich heißt es da:

Der „stern“ berichtete, Familienministerin von der Leyen verweigere mit rechtlich zweifelhaften Argumenten die Einsicht in die Fahrtenbücher ihrer Dienstwagen. Eine Einsicht sei unter anderem wegen der „Vielzahl von personenbezogenen Daten“ in diesen Fahrtenbüchern nicht möglich, hatte das Ministerium nach Angaben des Magazins argumentiert.

Wie bitte? Vielzahl personenbezogener Daten? Was hat sie gemacht? Ihre Dienstkarre als Taxi zweckentfremdet? Ihren Dienstwagen samt Fahrer an ein Reiseunternehmen verliehen, das damit Busreisen in die Toscana veranstaltet hat? Oder hat sie den Wagen einfach nur mal ihren Nachbarn geliehen, weil die immer so nett sind?

Was ist los mit unseren Politikern, und Frau von der Leyen ordne ich gnädigerweise mal ein in diese Kategorie, dass die denken, sie wären nicht an Recht und Gesetz gebunden, und könnten sich alles erlauben?

Warum tritt die Frau nicht endlich zurück? Merkt die garnicht wie peinlich die geworden ist?

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
26
2009
2

Warum der Rundumschlag der Verleger gegen Google irgendwie Quatsch ist

Die Verleger haben ja so einiges gegen Google.  All dies kann man einfach so zusammenfassen: Google würde mit deren Inhalten ja Geld verdienen und denen nichts von dem Geld abgeben. Worum geht es im einzelnen?

Zwei ganz verschiedene Vorwürfe, die aber immer gerne wieder in einen Topf geworfen werden. Man bekommt so leicht den Eindruck, dass die Verleger das Internet nicht verstehen. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie nicht zu neuen auf das Netz zugeschnittenen Finanzierungsmöglichkeiten finden. Also wollen sie jetzt Geld von Google.

Was ist eine Suchmaschine? Eine Suchmaschine ist eigentlich nichts anderes als ein Navigationssystem für’s Internet. Google vorzuwerfen mit bspw. Focus-Artikeln allein durch deren Verlinkung Geld zu machen ist hanebüchen.

Nach der Logik müssten die Hersteller von Navigationsgeräten ja auch den Betreibern von Sehenswürdigkeiten,  Restaurants oder anderem Geld dafür bezahlen, damit diese die Adressen derselben schon ins Navi einbauen dürfen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Unternehmer von Tankstellen, Supermärkten oder Restaurants bezahlen dafür, dass man sie leichter finden kann. Das umgekehrt zu wollen ist ungflaublich dämlich. Das führt dann im Zweifelsfall nur dazu, dass das eigene Restaurant dann eben nicht mehr im Navi ist und daher sehr viel weniger Gäste bekommt.

Google hätte also mehr recht von Burda, Springer und co. Geld für die Verlinkung zu verlangen als umgekehrt. Google hat aber anders reagiert. Die sagen ganz einfach, dass man ja nicht bei Góogle auftauchen muss, und erklären den Verlagen, wie man verhindert, dass Google einen zur Kenntnis nimmt.

Wie absurd der zweite Punkt ist, sieht man, wenn man sich mal klar macht, was das Internet eigentlich ist.

Einerseits ist das Internet ein weitreichendes Kommunikationsnetz, andererseits bildet es dadurch, dass kaum etwas endgültig löschbar ist das, was dem manifestierten Wissen der Menschheit am bisher nächsten kommt. Google Book Search gleicht in vielerlei Hinsicht der Bibliothek von Alexandria, bloss dass es besser ist.
In der Bibliothek von Alexandria konnte man sich die Schriftrollen nur vor Ort durchlesen, während man sie bei Google Books direkt auf den Tisch bekommt.
Was Verleger dagegen haben, dass gemeinfreie Bücher ins Netz gestellt werden ist nicht sehr rätselhaft: Sie verdienen ja nichts dran.
Was Autoren von vergriffenen Büchern, die nie wieder aufgelegt werden würden dagegen haben ist schon ein wenig rätselhaft.
Im Grunde genommen bedeutet „Ich will aber vielleicht gar nicht, dass mein Buch ins Internet kommt!“, dass man nicht will, dass das Buch endgültig ins Wissen der Menschheit aufgenommen wird. Wer fordert, dass ein Buch nie digitalisiert und für die Zukunft bewahrt wird, auch wenn es momentan keiner liest, der kann ebenso fordern, dass alle Exemplare dieses Buches verbrannt werden. Im Grunde genommen ist beides das gleiche, auch wenn letzteres schneller geht.

Man stelle sich vor die Autoren von Schriftrollen hätten sich damals bei den Betreibern der Bibliothek von Alexandria darüber beschwert, das ihnen das Original ihrer Schrift abgenommen, und durch eine Kopie ersetzt wird, damit das Original in der Bibliothek verfügbar sein kann. Vielleicht haben sich damals sogar Autoren darüber beschwert, aber wohl eher halbherzig und mit wenig elan, weil die Autoren von damals wussten, dass sie nicht ohne Google die Bibliothek von Alexandria auskommen können.

Warum macht eigentlich der Staat nicht schon längst das, was Google alles macht? Das würde doch echt in deren Aufgabenbereich fallen. Warum muss da erst ein Privatunternehmen kommen?

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gesellschaftliches | Schlagwörter:
Jul
25
2009
3

Flashmobs verbieten!

Mit m. E. absurder Begründung hat Braunschweig zukünftige Flash-Mobs verboten. Nachzulesen hier bei Nerdcore. Nach der Meinung der Verwaltung Braunschweigs ist das „Draußen“ wohl nur da, um sich möglichst schnell und reibungslos hindurch zu bewegen.

Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.

Vielleicht sollte Braunschweig demnächst mal diesen Spot schalten:

Dann lungern nicht immer diese sogenannten „Bürger“ auf den Strassen und in den Parks herum und machen alles kaputt.

Schon einige spontane Demonstrationen wurden ja mit unangemessen hohem Polizeieinsatz verhindert. Kommt jetzt bald das generelle Demonstrationsverbot in Deutschland? Ist Braunschweig nur der Anfang?
Langsam glaube ich zu ahnen was Angela Merkel 2005 mit dem Satz „denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft in alle Ewigkeit“ ausdrücken wollte.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches,Wahnhaftes | Schlagwörter:
Jul
24
2009
5

Bundesregierung wollte schon immer verbieten!

Der Verbotswahn der Bundesregierung ist keine neue Erscheinung:

Und warum wird das im Bundesarbeitsministerium erörtert? Das ist ja genauso abwegig, als wenn das Wirtschaftministerium plötzlich für die Bekämpfung von Kinderpornografie zuständig wäre…

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter:
Jul
23
2009
6

Dörflicher Überwachungswahn

Ich wohne in Leck. Das ist ein kleiner Ort in Nordfriesland, der sich gerne als Nordfrieslands „grünes Herz“ sieht. Das Hintergrundbild meines Blogs zeigt einen Blick von der Brücke über die Lecker Au. Leck hat etwas mehr als 7000 Einwohner, 2007 waren es jedenfalls noch etwa 7700. Und Leck wird videoüberwacht.

Wenn es nur um die Videoüberwachung vor einer Bank geht, wie etwa hier vor der VR-Bank, dann lasse ich mir das ja noch gefallen.
An der Laterne ist ein Schild

Diese unauffälligen Schilder habe ich allerdings an einigen verschiedenen Stellen in Leck entdeckt.

Der Platz vor der Bank ist von Kameras erfasst, der Platz an der Brücke über die Au, der mir mein Hintergrundbild bescherte auch, dann noch vor’m Dönermann und auf dem Platz vor dem Kino stehen auch gleich mehrere solcher Schilder.

Es scheint, dass pro 1000 Einwohner in Leck mindestens eine Kamera aufgestellt wurde. Auf dem Weg zur Arbeit werde ich von allen gefilmt. Was dann mit den Aufnahmen passiert, weiß ich nicht.

Ebenso rätselhaft erscheint es mir, warum dort überhaupt Kameras stehen. Es gab bisher weder einen spektakülären Banküberfall in Leck noch wurde der Dönermann meines Wissens überfallen. Auch ist mir kein großes Lecker-Au-Brücken-Kettensägen-Massaker bekannt.

Mein Vater meinte,  dass die Kameras aufgestellt wurden, damit die Ladenbesitzer wissen, wen sie verklagen müssen, wenn mal wieder jemand am Samstag aus der Disco kam, und vor eine Ladentüre gekotzt hat.

Aber ist Kotze wirklich wichtiger als die Informationelle Selbstbestimmung?

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gruseliges,Politisches,Wahnhaftes | Schlagwörter:
Jul
20
2009
1

Otto Pohl fühlt sich wohl mit Atomstrom…


AKW – Nuclear Power Plant by ~deepbluesheep on deviantART

Was es nicht alles gibt:

http://www.kernkraft-kids.de/

http://www.kernenergie-info.de/atomstrom/

http://www.atomindustrie.de/

http://www.kernenergie-online.de/

Alles nur Satire, wie hier nachzulesen ist, aber schwer zu erkennen, denke ich.

Das hier ist übrigens ein ernst gemeinter Spot der CO2-Endlager-Anwohner-sind-egal- und Biblis-is-schon-wieder-kaputt-Firma RWE:

Da fällt man doch vom Glauben ab. Bzw.: Was für ein Riesenbullshit!

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Psychologisches | Schlagwörter: , , ,
Jul
18
2009
--

Am Rande rechtsfrei II. – Sprache ist kein grammatikfreier Raum

Folgendes Fundstück bekommt keine Nominierung für den RRW, weil es sich um eine Pressemitteilung handelt, die schon etwas älter ist. Genau genommen handelt es sich um eine Mitteilung aus dem Februar 2007, womit ein aktueller Bezug nicht mehr wirklich gegeben ist, obwohl diese vermaledeite Phrase drin vorkommt, und zwar mehrmals.

Das ganze ist dann aber wirklich zu dämlich, um es nicht hier festzuhalten.

Die CDU profiliert sich ja nun schon seit einigen Jahren recht erfolgreich als Anti-Internetpartei, und die Spitze der SPD lässt sich ja auch lieber mit Reiseschreibmaschinen fotografieren anstatt mal was interessantes online zu schreiben. Dass aber offenbar die Grünen sich ganz offiziell als drittplatzierte Internetausdruckerpartei profiliert haben, und das schon 2007, finde ich enttäuschend, und kaum zu glauben.


Fantastic Typewriter by ~BlueBirdie on deviantART

Die Rede ist von besagter Pressemitteilung, die ich oben schon erwähnt habe. Sie stammt genau gesagt vom 05.02.2007, ist immer noch online, und inhaltlich eigentlich kaum zu beanstanden. Die Grünen erklären, dass sie die geheime Onlinedurchsuchung, den Bundestrojaner und den Eingriff in Private Daten für falsch und für einen Angriff auf die Grundrechte halten. Soweit stimme ich zu. Aber die Schreiberin des Artikels muss sich ja dem jahrelangen Trend anschließen und diese Phrase benutzen um das zu formulieren:

Mit seiner heute bekannt gegebenen Entscheidung unterstreicht der Bundesgerichtshof: Der private Computer und das Internet sind keine rechtsfreien Räume für die Ermittlungsbehörden.

Da schüttelts einen doch, oder? Auch wenn die Phrase hier mal ein wenig anders benutzt wird. Das ganze hätte man doch anders formulieren können, oder? Jetzt klingts schrecklich.
Das schlimmste aber ist die Überschrift:

Computer ist kein rechtsfreier Raum

Was ist denn das bitte für ein Deutsch? „Computer“ das ist keine Person und schon gar kein „Raum“, sondern ein Nomen. Ein Nomen in solch einem Satz braucht entweder einen Artikel oder ein Pronomen. Sonst klingt der Satz wie etwas, was vielleicht Stefan und Erkan sagen würden, nicht aber ein halbwegs ernstzunehmender Pressesprecher, bzw. eine halbwegs ernstzunehmende Pressesprecherin.

Folgendes wäre statt dieser unvollständigen Überschrift möglich:

  • Ein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der Computer ist kein rechtsfreier Raum

Ohne Artikel geht’s übrigens in der Mehrzahl. Dann muss es aber heißen:

  • Computer sind kein rechtsfreier Raum.

Ebenfalls ginge:

  • Mein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Dein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Sein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Ihr Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Unser Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Deren Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder etwas spezifischer:

  • Claudia Roths Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Cem Özdemirs Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Joschka Fischers Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder vielleicht eher im Sinne der Verfasserin:

  • Der deutsche Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der private Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Des Bürgers Computer ist kein rechtsfreier Raum

oder, oder, oder… So viele Möglichkeiten. Statt dessen aber heißt es dort: „Computer ist kein rechtsfreier Raum“
Vielleicht soll die Überschrift ja so schmissiger klingen, aber in Wirklichkeit klingt sie einfach nur dämlich.
Traurig.

P.S: Sicher habe ich selbst zahlreiche Komma-, Grammatik- und Rechtschreibfehler in diesen Text eingebaut. Ich habe allerdings eine Entschuldigung: Ich habe im Gegensatz zu den Grünen weder eine Sekretärin, eine Pressestelle noch habe ich einen Lektor.

Jul
17
2009
4

Zensurgegner schalten Werbung von Zensurbefürwortern

Dann sag ich halt auch mal was dazu.

Wie vielleicht schon allen bekannt ist, haben sich viele der Internetprovider bis zuletzt gegen die ehedem „freiwilligen“ Verträge zur Einführung von Sperrlisten für Internetseiten gewehrt. 1&1 zum Beispiel hatte schon angekündigt gegen diese Verträge zu klagen. Nun haben wir statt dessen ein Gesetz, und alle müssen erst mal mitmachen, es sei denn der Bundespräsident oder das Bundesverfassungsgericht haben ein Einsehen.

Was vielleicht auch bekannt ist, ist dass Vodafone die Idee Webseiten zu Sperren von Anfang an ganz toll fand, und als erster Provider auch freiwillig bei den Verträgen mitmachte, was wiederum Frau von der Leyen half die anderen Provider unter Druck zu setzen. Das berichtet – in etwa jedenfalls – Bundespirat Jörg Tauss.

Nun haben ja viele der besonders viel frequentierten Blogger von Anfang an gegen diese drohende Internetzensur gekämpft, gebloggt und gewettert. Scheinbar allen voran Sascha Lobo, der mit seinem roten Irokesenschnitt sowas wie eine Ikone im Netz ist. Immerhin ist er der einzige Blogger, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist, und daher offline wohl der bekannteste.

Dieser Sascha Lobo hat sogar – aus Protest über die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Zensursulagesetz – mit dem halben Onlinebeirat der SPD, in dem er Mitglied ist, seine Arbeit dort niedergelegt.
Stark oder? Na ja, wir werden sehen.

Wenig später macht dann nämlich genau dieser Sascha Lobo für Vodafone Werbung. Er spielt in einem Werbespot von denen mit, schaltet Werbung von denen auf seinem Blog und so fort.
Die Vodafonewerbung ist auch in anderen Blogs aufgetaucht.

Irgendwie seltsam, oder? Sascha Lobo erklärt das Ganze in einem Selbstinterview auf seiner Seite so:

Sascha Lobo:
Ein anderer Punkt der Kritik sind die Netzsperren und Vodafones Rolle dabei.

Sascha Lobo:
Ja. Ich glaube, ich selbst habe keine Gelegenheit ausgelassen, meine Position deutlich zu machen, ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung. Das grundsätzliche Thema ist allerdings ein politisches – das auch politisch angegangen werden muss. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass hier mit dem derzeitigen Gesetz auf einmal alles vorbei sei. Vielmehr ist Netzpolitik – Politik generell – ein ständiger, diskussionsintensiver Prozess. Ich werde mich weiter inhaltlich einbringen und freue mich deshalb, dass Vodafone mich nicht nur als Testimonial, sondern auch als strategischen Berater an Bord geholt hat. Abgesehen davon ist seit den ersten Schritten bezogen auf die Netzsperren eine ganze Menge passiert. Unter anderem ist vielen überhaupt erst klargeworden, wie wichtig der gesamten Netzgemeinschaft dieses Thema ist. Ich will mithelfen, dass in einem Dialog zwischen den Beteiligten dabei die richtigen Schlüsse gezogen werden. Verhärtete Fronten ganz ohne Gespräche verschlechtern mit Sicherheit alle Ergebnisse der Zukunft.

Einbringen will er sich also, diskutieren, Gespräche führen, damit alles besser wird. Ein hehres Ziel. Aber das Gesetz ist nun da, das Kind ist in den Brunnen gefallen, Vodafone kann nichts daran ändern, dass es Seiten sperren MUSS, und spielte trotz aller heutigen Weichspülerei eine nicht unerhebliche Rolle bei der Einführung der Zensurinfrastruktur im Deutschen Netz.
Was sollen Gespräche mit Vodafone jetzt noch bringen?

Und wie erfolgreich Lobos Versuch ist, die Fronten von einer Verhärtung abzuhalten, kann man auf dem Vodafoneblog nachlesen:

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Erledigt! Bumms, da war’s für Vodafone erledigt. Da ist die Diskussion ja gar nicht verhärtet. Nö. Die Sperren helfen nichts, sind leicht zu umgehen, warnen die Täter, sind verfassungsrechtlich höchst bedenklich, werden von allen IT-, Strafrechts- und Grundrechtsexperten einhellig als ganz dumme Idee abgelehnt, Vodafone war scheinbar von Anfang an dafür und will nun das Themengebiet „Kinderpornografie“ ausklammern, obwohl das doch der zentrale Punkt überhaupt ist, den sich unsere Familienministerin ausgesucht hat, um uns in Sachen Netzzensur noch vor der Bundestagswahl vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Dass alle anderen Lobbyisten schon in den Startlöchern stehen, um in Zukunft JEDEN SCHEISS sperren zu dürfen, mit einer Infrastruktur, der Vodafone half den Weg zu ebnen, wie soll das denn bitte mit denen ausgerechnet diskutiert werden? Wenn’s doch für die erledigt ist? Und warum? Ihren Anteil haben die Leute bei Vodafone, die die betreffenden Entscheidungen getroffen haben nun doch schon geleistet?! Zurücknehmen können sie den nicht. SHIT IS ALREADY VERY MUCH HAPPENED, YOU CAN’T PRESS IT BACK AGAIN!

Und alle Sperrbefürworter wollen immer die Diskussion „versachlichen“. Sagen sie zumindest. Was sie machen spricht eine andere Sprache: Sie werfen mit falschen Zahlen um sich, benutzen Totschlagargumente und spielen Rechtsfreier-Raum-Bullshit-Bingo. Nebenbei wird dann mal Indien oder Kasachstan beleidigt. Is ja weit weg. Kann ja keiner nachprüfen, wenn man sich da was ausdenkt. Pustekuchen!
Verhärtet sind die Fronten schon. An einer Versachlichung der Debatte ist denen nicht gelegen. Dass man im Vorfeld einer Bundestagswahl nicht ständig Zensur vorgeworfen bekommen will versteh ich ja, aber warum fangen die dann nicht mal an ihre Zahlen zu prüfen? Die Diskussion wäre viel einfacher, wenn sie sachlich wäre. Dann wäre nämlich offensichtlich, dass die Sperren-Gegner recht haben.

Und im Lichte dieses ganzen Mollochs an unerfreulichen Dingen (Kraftausdruck nachträglich ersetzt), soll man es okay finden, wenn einer der Zensurgegner für eine Sperrenbefürworterfirma wirbt? Sascha Lobo scheint sich ja tatsächlich über die Aufregung darüber zu wundern. Sicher, Schnaps ist Schnaps, und Bier ist Bier. Und jeder muss sein Geld verdienen, ich hab ja leicht reden, ich bin ja Freizeitblogger.
Mit der Bannerwerbung mag man auch vielleicht noch leben können, aber sein Gesicht auf deren Plakate drucken lassen? In deren Werbespots rumlaufen?
Alle Achtung: Ich könnte das nicht. Aber ich kann auch sowieso nicht in der Werbung arbeiten. Vielleicht ist ja das eine zu können, die Voraussetzung für das andere.

Es geht aber auch anders. Wenn ich mich recht erinnere hat Blur mal ein Angebot der Royal Air Force abgelehnt. Die wollten „Song 2“ bei einer Präsentation für ein neues Kampfflugzeug spielen, und Blur dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.
Sie haben abgelehnt.

So einfach kann es sein.

P.S.: Um es nochmal klar zu sagen: Ich wünsche Sascha Lobo alles Gute. Nachvollziehen kann ich seine Entscheidung, zu einem Gesicht der Vodafonekampagne zu werden, jedoch nicht. Selbst nachdem ich sein Selbstinterview gelesen habe. Aber vermutlich weil ich die Perspektive eines Menschen, der in der Werbung arbeitet, so gar nicht verstehe.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
15
2009
--

Die IDEE: Die Krümmelasse

Forscher forschen doch immer an allem, und Gentechniker setzten doch immer neue Tierarten und so zusammen. War nicht mal von Algen oder so die Rede, die Ölteppiche aus dem Meer fressen, oder von Milben, die sich von Kunststoff ernähren? In der heutigen Zeit, wo AKW Krümmel alle zwei Wochen für Zwei Jahre abgeschaltet werden muss, und wo radioaktive Lauge aus der Asse austritt, warum erfinden die da nicht mal einen Käfer, der sich von Radioaktivität ernährt, und – mal sagen … – Orangenlimonade ausscheidet? Das wär doch mal was. Man könnte als Rohmaterial vielleicht eine Kellerassel und eine Küchenschabe nehmen. Letztere sollen ja hohe Dosen von Radioaktivität aushalten können.
Dem ganzen manipuliert man dann so ein wenig am Erbgut herum, und fertig ist die Krümmelasse. Die Viecher setzt man dann einfach überall da frei, wo die Energiewirtschaft mal wieder Mist gebaut hat, und freut sich an den hellen Strömen gesundheitlich unbedenklicher Orangenlimo.


homesweethome by =moonspit on deviantART

Aber selbst wenn das nichts wird, könnte man die aus Asse ausgetretene radioaktive Lauge ja auch als neuen Zusatz in Waschmitteln benutzen. Der Slogan „Ihre Wäsche wird strahlen wie noch nie“ liegt ja nun auf der Hand. Ich fänd die Krümmelasse aber noch toller. Ich mag Orangenlimonade.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Technisches | Schlagwörter: ,
Jul
15
2009
4

Undiplomatische Verwicklungen

Es ist doch alles einfach nicht mehr zu fassen:

Wie bei Netzpolitik zu lesen ist, hat Ursula von der Leyen in einem Interview bei Radio Sputnik Indien als Beispiel für einen dieser Schurkenstaaten genannt, der Kinderpornografie nicht ächte. Das das nicht stimmt, kann man im selben Artikel nachlesen. Es müssen hunderte (über unser Familienministerium) erboste Bürger emails und Briefe an die Indische Botschaft geschrieben haben, unter anderem hat sich auch der Bundespirat Jörg Tauss in einer Pressemitteilung für unsere Ursula bei Indien entschuldigt.


Zensursula by ~netardet on deviantART

Mittlerweile hat auch die Indische Botschaft in betont deutlicher Sprache die Vorwürfe, dass die uralte Kulturnation Kinderpornografie nicht ächte, und dass man solche von Servern in Indien nicht löschen könnte, zurückgewiesen.

Unter anderem liest man im Text dort:

Das indische Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung von 1973 beinhalten mehrere Bestimmungen zur Bestrafung von Kindesmißbrauch, zum Beispiel den Abschnitt 354 über Verstösse gegen den Anstand gegenüber Frauen, Abschnitt 375 über die Straftat der Vergewaltigung (jeglicher Akt, geschehen in gegenseitigem Einvernehmen oder Anders, mit einer minderjährigen Person wird als Vergewaltigung betrachtet), Abschnitt 377 über unnatürliche Handlungen und Straftaten. Diese Abschnitte decken auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch ab. […] Das Informationstechnologiegesetz in geänderter Form von 2008 wurde am 05. Februar 2009 erlassen, um sich mit den Fällen der Kinderpornographie in elektronischer Form zu befassen. Nach Abschnitt 67 Unterabsätze B (a) und (b) dieses Gesetzes ist es in Indien ein krimineller Akt, Material, welches Kinder in öbszöner, unanständiger oder sexuell expliziter Weise darstellt, in jeglicher elektronischen Form zu veröffentlichen, zu übertragen, zu sammeln, zu erschaffen, zu suchen, zu fördern, zu bewerben, auszutauschen oder zu vertreiben. Die Begehung solcher Straftaten kann mit Haftstrafen in Höhe bis zu sieben Jahren und Geldstrafen bis zu einer Million Rupien (ungefähr 15000 Euro) bestraft werden. Es ist ebenfalls eine Straftat in Indien, solches Material I’m Internet zu betrachten oder herunterzuladen und der Strafrahmen dafür ist derselbe wie oben.

Mittlerweile hat sich unsere ach so kompetente Oberfamilienministerin entschuldigt, nun zumindest sowas wie. In ihrer Stellungnahme lässt sie unter anderem verlautbaren:

„Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist“, ließ die CDU-Politikerin durch einen Sprecher gegenüber heise online nun ausrichten. Die Aussagen zu Indien seien einer Übersicht des International Center for Missing and Exploited Children (ICMEC) von 2006 entnommen worden. Es sei „sehr bedauerlich“, dass die „jüngste Entwicklung in Indien“ in der Quelle noch nicht erfasst gewesen sei.

Sicher wird die Darstellung von Kindesmißbrauch in elektronischen Medien explizit erst seit 2008/2009 verboten, aber die Gesetze von 1973 kann man doch auch sowieso so auslegen, dass sowas verboten ist. Selbst wenn der eigentliche Mißbrauch eines Kindes schon länger her ist, mißbraucht man es doch in dem Moment erneut, wenn man Bilder von dem Mißbrauch irgendwo ins Internet stellt. Und da die oben genannten indischen Gesetze „auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch abdecken“, dann reicht das auch als rechtliche Handhabe gegen Kinderpornografie im Netz. Oder irre ich mich da?

Nachtrag: Scheinbar ist es noch eindeutiger: In Indien gelten schon seit 1973 alle sexuellen Handlungen an Menschen unter 18 als Vergewaltigung, und sind somit strafbar. Ebenso ist die Darstellung solcher Handlungen auch schon seit 1973 strafbar. Mittlerweile tut auch Spiegel online so, als wäre Kinderpornographie erst seit Januar in Indien strafbar. Kann man da wirklich noch von einer freien Presse reden? Und seit wann redet der Spiegel CDU-Politikerinnen nach dem Mund? Bei der Augsburger Allgemeinen bekommt man seine Fakten mittlerweile wenigstens online auch besser hin als beim Spiegel. Siehe hier.

Wie soll man denn dann die „Entschuldigung“ von Frau von der Leyen deuten? Ist alles, was seit 1973 passiert ist, für die CDU eine „jüngste Entwicklung“? Das erklärt zumindest deren Netz-, Umwelt- und Überwachungspolitik.
War nicht in Deutschland ’73 noch die RAF unterwegs? Wenn die CDU seit dem keine Tagesschau mehr schaut, dann ist es kein Wunder, dass Schäuble überall Kameras aufhängen lässt. Und 1973 waren Atomkraftwerke wie Krümmel wohl tatsächlich noch „die modernsten der Welt“.

Ab heute wundert mich offiziell gar nichts mehr. Wenn mich ab heute noch was wundert, dann nur noch privat.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , , ,

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Jul
29
2009
3

Neues von Ursula

Man bekommt langsam den Eindruck, dass Ursula von der Leyen glaube, mit dem Amt der Familienministerin könne sie machen was sie wolle, und die Menschen müssten es sowieso gut finden. Erst drückt sie das Zugangserschwerungsgesetz mit sehr zweifelhaften Statistiken gegen den massiven Widerstand aller Experten und des Volkes durch, dann beleidigt sie Indien, zwischendurch wird dann allen ernstes so getan, als wäre die Idee das Internet zu zensieren ursprünglich von der SPD gekommen und nun?

Ja, was nun? Nun möchte man das Fahrtenbuch ihres Dienstwagens kontrollieren, ob da auch alles seine Richtigkeit hat. Frau von der Leyen lehnt ab. Nö. Sie will nicht, dass jemand in ihr Fahrtenbuch schaut, weil wegen Datenschutz.
Wörtlich heißt es da:

Der „stern“ berichtete, Familienministerin von der Leyen verweigere mit rechtlich zweifelhaften Argumenten die Einsicht in die Fahrtenbücher ihrer Dienstwagen. Eine Einsicht sei unter anderem wegen der „Vielzahl von personenbezogenen Daten“ in diesen Fahrtenbüchern nicht möglich, hatte das Ministerium nach Angaben des Magazins argumentiert.

Wie bitte? Vielzahl personenbezogener Daten? Was hat sie gemacht? Ihre Dienstkarre als Taxi zweckentfremdet? Ihren Dienstwagen samt Fahrer an ein Reiseunternehmen verliehen, das damit Busreisen in die Toscana veranstaltet hat? Oder hat sie den Wagen einfach nur mal ihren Nachbarn geliehen, weil die immer so nett sind?

Was ist los mit unseren Politikern, und Frau von der Leyen ordne ich gnädigerweise mal ein in diese Kategorie, dass die denken, sie wären nicht an Recht und Gesetz gebunden, und könnten sich alles erlauben?

Warum tritt die Frau nicht endlich zurück? Merkt die garnicht wie peinlich die geworden ist?

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
26
2009
2

Warum der Rundumschlag der Verleger gegen Google irgendwie Quatsch ist

Die Verleger haben ja so einiges gegen Google.  All dies kann man einfach so zusammenfassen: Google würde mit deren Inhalten ja Geld verdienen und denen nichts von dem Geld abgeben. Worum geht es im einzelnen?

Zwei ganz verschiedene Vorwürfe, die aber immer gerne wieder in einen Topf geworfen werden. Man bekommt so leicht den Eindruck, dass die Verleger das Internet nicht verstehen. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie nicht zu neuen auf das Netz zugeschnittenen Finanzierungsmöglichkeiten finden. Also wollen sie jetzt Geld von Google.

Was ist eine Suchmaschine? Eine Suchmaschine ist eigentlich nichts anderes als ein Navigationssystem für’s Internet. Google vorzuwerfen mit bspw. Focus-Artikeln allein durch deren Verlinkung Geld zu machen ist hanebüchen.

Nach der Logik müssten die Hersteller von Navigationsgeräten ja auch den Betreibern von Sehenswürdigkeiten,  Restaurants oder anderem Geld dafür bezahlen, damit diese die Adressen derselben schon ins Navi einbauen dürfen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Unternehmer von Tankstellen, Supermärkten oder Restaurants bezahlen dafür, dass man sie leichter finden kann. Das umgekehrt zu wollen ist ungflaublich dämlich. Das führt dann im Zweifelsfall nur dazu, dass das eigene Restaurant dann eben nicht mehr im Navi ist und daher sehr viel weniger Gäste bekommt.

Google hätte also mehr recht von Burda, Springer und co. Geld für die Verlinkung zu verlangen als umgekehrt. Google hat aber anders reagiert. Die sagen ganz einfach, dass man ja nicht bei Góogle auftauchen muss, und erklären den Verlagen, wie man verhindert, dass Google einen zur Kenntnis nimmt.

Wie absurd der zweite Punkt ist, sieht man, wenn man sich mal klar macht, was das Internet eigentlich ist.

Einerseits ist das Internet ein weitreichendes Kommunikationsnetz, andererseits bildet es dadurch, dass kaum etwas endgültig löschbar ist das, was dem manifestierten Wissen der Menschheit am bisher nächsten kommt. Google Book Search gleicht in vielerlei Hinsicht der Bibliothek von Alexandria, bloss dass es besser ist.
In der Bibliothek von Alexandria konnte man sich die Schriftrollen nur vor Ort durchlesen, während man sie bei Google Books direkt auf den Tisch bekommt.
Was Verleger dagegen haben, dass gemeinfreie Bücher ins Netz gestellt werden ist nicht sehr rätselhaft: Sie verdienen ja nichts dran.
Was Autoren von vergriffenen Büchern, die nie wieder aufgelegt werden würden dagegen haben ist schon ein wenig rätselhaft.
Im Grunde genommen bedeutet „Ich will aber vielleicht gar nicht, dass mein Buch ins Internet kommt!“, dass man nicht will, dass das Buch endgültig ins Wissen der Menschheit aufgenommen wird. Wer fordert, dass ein Buch nie digitalisiert und für die Zukunft bewahrt wird, auch wenn es momentan keiner liest, der kann ebenso fordern, dass alle Exemplare dieses Buches verbrannt werden. Im Grunde genommen ist beides das gleiche, auch wenn letzteres schneller geht.

Man stelle sich vor die Autoren von Schriftrollen hätten sich damals bei den Betreibern der Bibliothek von Alexandria darüber beschwert, das ihnen das Original ihrer Schrift abgenommen, und durch eine Kopie ersetzt wird, damit das Original in der Bibliothek verfügbar sein kann. Vielleicht haben sich damals sogar Autoren darüber beschwert, aber wohl eher halbherzig und mit wenig elan, weil die Autoren von damals wussten, dass sie nicht ohne Google die Bibliothek von Alexandria auskommen können.

Warum macht eigentlich der Staat nicht schon längst das, was Google alles macht? Das würde doch echt in deren Aufgabenbereich fallen. Warum muss da erst ein Privatunternehmen kommen?

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gesellschaftliches | Schlagwörter:
Jul
25
2009
3

Flashmobs verbieten!

Mit m. E. absurder Begründung hat Braunschweig zukünftige Flash-Mobs verboten. Nachzulesen hier bei Nerdcore. Nach der Meinung der Verwaltung Braunschweigs ist das „Draußen“ wohl nur da, um sich möglichst schnell und reibungslos hindurch zu bewegen.

Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.

Vielleicht sollte Braunschweig demnächst mal diesen Spot schalten:

Dann lungern nicht immer diese sogenannten „Bürger“ auf den Strassen und in den Parks herum und machen alles kaputt.

Schon einige spontane Demonstrationen wurden ja mit unangemessen hohem Polizeieinsatz verhindert. Kommt jetzt bald das generelle Demonstrationsverbot in Deutschland? Ist Braunschweig nur der Anfang?
Langsam glaube ich zu ahnen was Angela Merkel 2005 mit dem Satz „denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft in alle Ewigkeit“ ausdrücken wollte.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches,Wahnhaftes | Schlagwörter:
Jul
24
2009
5

Bundesregierung wollte schon immer verbieten!

Der Verbotswahn der Bundesregierung ist keine neue Erscheinung:

Und warum wird das im Bundesarbeitsministerium erörtert? Das ist ja genauso abwegig, als wenn das Wirtschaftministerium plötzlich für die Bekämpfung von Kinderpornografie zuständig wäre…

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter:
Jul
23
2009
6

Dörflicher Überwachungswahn

Ich wohne in Leck. Das ist ein kleiner Ort in Nordfriesland, der sich gerne als Nordfrieslands „grünes Herz“ sieht. Das Hintergrundbild meines Blogs zeigt einen Blick von der Brücke über die Lecker Au. Leck hat etwas mehr als 7000 Einwohner, 2007 waren es jedenfalls noch etwa 7700. Und Leck wird videoüberwacht.

Wenn es nur um die Videoüberwachung vor einer Bank geht, wie etwa hier vor der VR-Bank, dann lasse ich mir das ja noch gefallen.
An der Laterne ist ein Schild

Diese unauffälligen Schilder habe ich allerdings an einigen verschiedenen Stellen in Leck entdeckt.

Der Platz vor der Bank ist von Kameras erfasst, der Platz an der Brücke über die Au, der mir mein Hintergrundbild bescherte auch, dann noch vor’m Dönermann und auf dem Platz vor dem Kino stehen auch gleich mehrere solcher Schilder.

Es scheint, dass pro 1000 Einwohner in Leck mindestens eine Kamera aufgestellt wurde. Auf dem Weg zur Arbeit werde ich von allen gefilmt. Was dann mit den Aufnahmen passiert, weiß ich nicht.

Ebenso rätselhaft erscheint es mir, warum dort überhaupt Kameras stehen. Es gab bisher weder einen spektakülären Banküberfall in Leck noch wurde der Dönermann meines Wissens überfallen. Auch ist mir kein großes Lecker-Au-Brücken-Kettensägen-Massaker bekannt.

Mein Vater meinte,  dass die Kameras aufgestellt wurden, damit die Ladenbesitzer wissen, wen sie verklagen müssen, wenn mal wieder jemand am Samstag aus der Disco kam, und vor eine Ladentüre gekotzt hat.

Aber ist Kotze wirklich wichtiger als die Informationelle Selbstbestimmung?

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gruseliges,Politisches,Wahnhaftes | Schlagwörter:
Jul
20
2009
1

Otto Pohl fühlt sich wohl mit Atomstrom…


AKW – Nuclear Power Plant by ~deepbluesheep on deviantART

Was es nicht alles gibt:

http://www.kernkraft-kids.de/

http://www.kernenergie-info.de/atomstrom/

http://www.atomindustrie.de/

http://www.kernenergie-online.de/

Alles nur Satire, wie hier nachzulesen ist, aber schwer zu erkennen, denke ich.

Das hier ist übrigens ein ernst gemeinter Spot der CO2-Endlager-Anwohner-sind-egal- und Biblis-is-schon-wieder-kaputt-Firma RWE:

Da fällt man doch vom Glauben ab. Bzw.: Was für ein Riesenbullshit!

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Psychologisches | Schlagwörter: , , ,
Jul
18
2009
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Am Rande rechtsfrei II. – Sprache ist kein grammatikfreier Raum

Folgendes Fundstück bekommt keine Nominierung für den RRW, weil es sich um eine Pressemitteilung handelt, die schon etwas älter ist. Genau genommen handelt es sich um eine Mitteilung aus dem Februar 2007, womit ein aktueller Bezug nicht mehr wirklich gegeben ist, obwohl diese vermaledeite Phrase drin vorkommt, und zwar mehrmals.

Das ganze ist dann aber wirklich zu dämlich, um es nicht hier festzuhalten.

Die CDU profiliert sich ja nun schon seit einigen Jahren recht erfolgreich als Anti-Internetpartei, und die Spitze der SPD lässt sich ja auch lieber mit Reiseschreibmaschinen fotografieren anstatt mal was interessantes online zu schreiben. Dass aber offenbar die Grünen sich ganz offiziell als drittplatzierte Internetausdruckerpartei profiliert haben, und das schon 2007, finde ich enttäuschend, und kaum zu glauben.


Fantastic Typewriter by ~BlueBirdie on deviantART

Die Rede ist von besagter Pressemitteilung, die ich oben schon erwähnt habe. Sie stammt genau gesagt vom 05.02.2007, ist immer noch online, und inhaltlich eigentlich kaum zu beanstanden. Die Grünen erklären, dass sie die geheime Onlinedurchsuchung, den Bundestrojaner und den Eingriff in Private Daten für falsch und für einen Angriff auf die Grundrechte halten. Soweit stimme ich zu. Aber die Schreiberin des Artikels muss sich ja dem jahrelangen Trend anschließen und diese Phrase benutzen um das zu formulieren:

Mit seiner heute bekannt gegebenen Entscheidung unterstreicht der Bundesgerichtshof: Der private Computer und das Internet sind keine rechtsfreien Räume für die Ermittlungsbehörden.

Da schüttelts einen doch, oder? Auch wenn die Phrase hier mal ein wenig anders benutzt wird. Das ganze hätte man doch anders formulieren können, oder? Jetzt klingts schrecklich.
Das schlimmste aber ist die Überschrift:

Computer ist kein rechtsfreier Raum

Was ist denn das bitte für ein Deutsch? „Computer“ das ist keine Person und schon gar kein „Raum“, sondern ein Nomen. Ein Nomen in solch einem Satz braucht entweder einen Artikel oder ein Pronomen. Sonst klingt der Satz wie etwas, was vielleicht Stefan und Erkan sagen würden, nicht aber ein halbwegs ernstzunehmender Pressesprecher, bzw. eine halbwegs ernstzunehmende Pressesprecherin.

Folgendes wäre statt dieser unvollständigen Überschrift möglich:

  • Ein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der Computer ist kein rechtsfreier Raum

Ohne Artikel geht’s übrigens in der Mehrzahl. Dann muss es aber heißen:

  • Computer sind kein rechtsfreier Raum.

Ebenfalls ginge:

  • Mein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Dein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Sein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Ihr Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Unser Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Deren Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder etwas spezifischer:

  • Claudia Roths Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Cem Özdemirs Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Joschka Fischers Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder vielleicht eher im Sinne der Verfasserin:

  • Der deutsche Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der private Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Des Bürgers Computer ist kein rechtsfreier Raum

oder, oder, oder… So viele Möglichkeiten. Statt dessen aber heißt es dort: „Computer ist kein rechtsfreier Raum“
Vielleicht soll die Überschrift ja so schmissiger klingen, aber in Wirklichkeit klingt sie einfach nur dämlich.
Traurig.

P.S: Sicher habe ich selbst zahlreiche Komma-, Grammatik- und Rechtschreibfehler in diesen Text eingebaut. Ich habe allerdings eine Entschuldigung: Ich habe im Gegensatz zu den Grünen weder eine Sekretärin, eine Pressestelle noch habe ich einen Lektor.

Jul
17
2009
4

Zensurgegner schalten Werbung von Zensurbefürwortern

Dann sag ich halt auch mal was dazu.

Wie vielleicht schon allen bekannt ist, haben sich viele der Internetprovider bis zuletzt gegen die ehedem „freiwilligen“ Verträge zur Einführung von Sperrlisten für Internetseiten gewehrt. 1&1 zum Beispiel hatte schon angekündigt gegen diese Verträge zu klagen. Nun haben wir statt dessen ein Gesetz, und alle müssen erst mal mitmachen, es sei denn der Bundespräsident oder das Bundesverfassungsgericht haben ein Einsehen.

Was vielleicht auch bekannt ist, ist dass Vodafone die Idee Webseiten zu Sperren von Anfang an ganz toll fand, und als erster Provider auch freiwillig bei den Verträgen mitmachte, was wiederum Frau von der Leyen half die anderen Provider unter Druck zu setzen. Das berichtet – in etwa jedenfalls – Bundespirat Jörg Tauss.

Nun haben ja viele der besonders viel frequentierten Blogger von Anfang an gegen diese drohende Internetzensur gekämpft, gebloggt und gewettert. Scheinbar allen voran Sascha Lobo, der mit seinem roten Irokesenschnitt sowas wie eine Ikone im Netz ist. Immerhin ist er der einzige Blogger, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist, und daher offline wohl der bekannteste.

Dieser Sascha Lobo hat sogar – aus Protest über die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Zensursulagesetz – mit dem halben Onlinebeirat der SPD, in dem er Mitglied ist, seine Arbeit dort niedergelegt.
Stark oder? Na ja, wir werden sehen.

Wenig später macht dann nämlich genau dieser Sascha Lobo für Vodafone Werbung. Er spielt in einem Werbespot von denen mit, schaltet Werbung von denen auf seinem Blog und so fort.
Die Vodafonewerbung ist auch in anderen Blogs aufgetaucht.

Irgendwie seltsam, oder? Sascha Lobo erklärt das Ganze in einem Selbstinterview auf seiner Seite so:

Sascha Lobo:
Ein anderer Punkt der Kritik sind die Netzsperren und Vodafones Rolle dabei.

Sascha Lobo:
Ja. Ich glaube, ich selbst habe keine Gelegenheit ausgelassen, meine Position deutlich zu machen, ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung. Das grundsätzliche Thema ist allerdings ein politisches – das auch politisch angegangen werden muss. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass hier mit dem derzeitigen Gesetz auf einmal alles vorbei sei. Vielmehr ist Netzpolitik – Politik generell – ein ständiger, diskussionsintensiver Prozess. Ich werde mich weiter inhaltlich einbringen und freue mich deshalb, dass Vodafone mich nicht nur als Testimonial, sondern auch als strategischen Berater an Bord geholt hat. Abgesehen davon ist seit den ersten Schritten bezogen auf die Netzsperren eine ganze Menge passiert. Unter anderem ist vielen überhaupt erst klargeworden, wie wichtig der gesamten Netzgemeinschaft dieses Thema ist. Ich will mithelfen, dass in einem Dialog zwischen den Beteiligten dabei die richtigen Schlüsse gezogen werden. Verhärtete Fronten ganz ohne Gespräche verschlechtern mit Sicherheit alle Ergebnisse der Zukunft.

Einbringen will er sich also, diskutieren, Gespräche führen, damit alles besser wird. Ein hehres Ziel. Aber das Gesetz ist nun da, das Kind ist in den Brunnen gefallen, Vodafone kann nichts daran ändern, dass es Seiten sperren MUSS, und spielte trotz aller heutigen Weichspülerei eine nicht unerhebliche Rolle bei der Einführung der Zensurinfrastruktur im Deutschen Netz.
Was sollen Gespräche mit Vodafone jetzt noch bringen?

Und wie erfolgreich Lobos Versuch ist, die Fronten von einer Verhärtung abzuhalten, kann man auf dem Vodafoneblog nachlesen:

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Erledigt! Bumms, da war’s für Vodafone erledigt. Da ist die Diskussion ja gar nicht verhärtet. Nö. Die Sperren helfen nichts, sind leicht zu umgehen, warnen die Täter, sind verfassungsrechtlich höchst bedenklich, werden von allen IT-, Strafrechts- und Grundrechtsexperten einhellig als ganz dumme Idee abgelehnt, Vodafone war scheinbar von Anfang an dafür und will nun das Themengebiet „Kinderpornografie“ ausklammern, obwohl das doch der zentrale Punkt überhaupt ist, den sich unsere Familienministerin ausgesucht hat, um uns in Sachen Netzzensur noch vor der Bundestagswahl vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Dass alle anderen Lobbyisten schon in den Startlöchern stehen, um in Zukunft JEDEN SCHEISS sperren zu dürfen, mit einer Infrastruktur, der Vodafone half den Weg zu ebnen, wie soll das denn bitte mit denen ausgerechnet diskutiert werden? Wenn’s doch für die erledigt ist? Und warum? Ihren Anteil haben die Leute bei Vodafone, die die betreffenden Entscheidungen getroffen haben nun doch schon geleistet?! Zurücknehmen können sie den nicht. SHIT IS ALREADY VERY MUCH HAPPENED, YOU CAN’T PRESS IT BACK AGAIN!

Und alle Sperrbefürworter wollen immer die Diskussion „versachlichen“. Sagen sie zumindest. Was sie machen spricht eine andere Sprache: Sie werfen mit falschen Zahlen um sich, benutzen Totschlagargumente und spielen Rechtsfreier-Raum-Bullshit-Bingo. Nebenbei wird dann mal Indien oder Kasachstan beleidigt. Is ja weit weg. Kann ja keiner nachprüfen, wenn man sich da was ausdenkt. Pustekuchen!
Verhärtet sind die Fronten schon. An einer Versachlichung der Debatte ist denen nicht gelegen. Dass man im Vorfeld einer Bundestagswahl nicht ständig Zensur vorgeworfen bekommen will versteh ich ja, aber warum fangen die dann nicht mal an ihre Zahlen zu prüfen? Die Diskussion wäre viel einfacher, wenn sie sachlich wäre. Dann wäre nämlich offensichtlich, dass die Sperren-Gegner recht haben.

Und im Lichte dieses ganzen Mollochs an unerfreulichen Dingen (Kraftausdruck nachträglich ersetzt), soll man es okay finden, wenn einer der Zensurgegner für eine Sperrenbefürworterfirma wirbt? Sascha Lobo scheint sich ja tatsächlich über die Aufregung darüber zu wundern. Sicher, Schnaps ist Schnaps, und Bier ist Bier. Und jeder muss sein Geld verdienen, ich hab ja leicht reden, ich bin ja Freizeitblogger.
Mit der Bannerwerbung mag man auch vielleicht noch leben können, aber sein Gesicht auf deren Plakate drucken lassen? In deren Werbespots rumlaufen?
Alle Achtung: Ich könnte das nicht. Aber ich kann auch sowieso nicht in der Werbung arbeiten. Vielleicht ist ja das eine zu können, die Voraussetzung für das andere.

Es geht aber auch anders. Wenn ich mich recht erinnere hat Blur mal ein Angebot der Royal Air Force abgelehnt. Die wollten „Song 2“ bei einer Präsentation für ein neues Kampfflugzeug spielen, und Blur dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.
Sie haben abgelehnt.

So einfach kann es sein.

P.S.: Um es nochmal klar zu sagen: Ich wünsche Sascha Lobo alles Gute. Nachvollziehen kann ich seine Entscheidung, zu einem Gesicht der Vodafonekampagne zu werden, jedoch nicht. Selbst nachdem ich sein Selbstinterview gelesen habe. Aber vermutlich weil ich die Perspektive eines Menschen, der in der Werbung arbeitet, so gar nicht verstehe.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
15
2009
--

Die IDEE: Die Krümmelasse

Forscher forschen doch immer an allem, und Gentechniker setzten doch immer neue Tierarten und so zusammen. War nicht mal von Algen oder so die Rede, die Ölteppiche aus dem Meer fressen, oder von Milben, die sich von Kunststoff ernähren? In der heutigen Zeit, wo AKW Krümmel alle zwei Wochen für Zwei Jahre abgeschaltet werden muss, und wo radioaktive Lauge aus der Asse austritt, warum erfinden die da nicht mal einen Käfer, der sich von Radioaktivität ernährt, und – mal sagen … – Orangenlimonade ausscheidet? Das wär doch mal was. Man könnte als Rohmaterial vielleicht eine Kellerassel und eine Küchenschabe nehmen. Letztere sollen ja hohe Dosen von Radioaktivität aushalten können.
Dem ganzen manipuliert man dann so ein wenig am Erbgut herum, und fertig ist die Krümmelasse. Die Viecher setzt man dann einfach überall da frei, wo die Energiewirtschaft mal wieder Mist gebaut hat, und freut sich an den hellen Strömen gesundheitlich unbedenklicher Orangenlimo.


homesweethome by =moonspit on deviantART

Aber selbst wenn das nichts wird, könnte man die aus Asse ausgetretene radioaktive Lauge ja auch als neuen Zusatz in Waschmitteln benutzen. Der Slogan „Ihre Wäsche wird strahlen wie noch nie“ liegt ja nun auf der Hand. Ich fänd die Krümmelasse aber noch toller. Ich mag Orangenlimonade.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Technisches | Schlagwörter: ,
Jul
15
2009
4

Undiplomatische Verwicklungen

Es ist doch alles einfach nicht mehr zu fassen:

Wie bei Netzpolitik zu lesen ist, hat Ursula von der Leyen in einem Interview bei Radio Sputnik Indien als Beispiel für einen dieser Schurkenstaaten genannt, der Kinderpornografie nicht ächte. Das das nicht stimmt, kann man im selben Artikel nachlesen. Es müssen hunderte (über unser Familienministerium) erboste Bürger emails und Briefe an die Indische Botschaft geschrieben haben, unter anderem hat sich auch der Bundespirat Jörg Tauss in einer Pressemitteilung für unsere Ursula bei Indien entschuldigt.


Zensursula by ~netardet on deviantART

Mittlerweile hat auch die Indische Botschaft in betont deutlicher Sprache die Vorwürfe, dass die uralte Kulturnation Kinderpornografie nicht ächte, und dass man solche von Servern in Indien nicht löschen könnte, zurückgewiesen.

Unter anderem liest man im Text dort:

Das indische Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung von 1973 beinhalten mehrere Bestimmungen zur Bestrafung von Kindesmißbrauch, zum Beispiel den Abschnitt 354 über Verstösse gegen den Anstand gegenüber Frauen, Abschnitt 375 über die Straftat der Vergewaltigung (jeglicher Akt, geschehen in gegenseitigem Einvernehmen oder Anders, mit einer minderjährigen Person wird als Vergewaltigung betrachtet), Abschnitt 377 über unnatürliche Handlungen und Straftaten. Diese Abschnitte decken auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch ab. […] Das Informationstechnologiegesetz in geänderter Form von 2008 wurde am 05. Februar 2009 erlassen, um sich mit den Fällen der Kinderpornographie in elektronischer Form zu befassen. Nach Abschnitt 67 Unterabsätze B (a) und (b) dieses Gesetzes ist es in Indien ein krimineller Akt, Material, welches Kinder in öbszöner, unanständiger oder sexuell expliziter Weise darstellt, in jeglicher elektronischen Form zu veröffentlichen, zu übertragen, zu sammeln, zu erschaffen, zu suchen, zu fördern, zu bewerben, auszutauschen oder zu vertreiben. Die Begehung solcher Straftaten kann mit Haftstrafen in Höhe bis zu sieben Jahren und Geldstrafen bis zu einer Million Rupien (ungefähr 15000 Euro) bestraft werden. Es ist ebenfalls eine Straftat in Indien, solches Material I’m Internet zu betrachten oder herunterzuladen und der Strafrahmen dafür ist derselbe wie oben.

Mittlerweile hat sich unsere ach so kompetente Oberfamilienministerin entschuldigt, nun zumindest sowas wie. In ihrer Stellungnahme lässt sie unter anderem verlautbaren:

„Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist“, ließ die CDU-Politikerin durch einen Sprecher gegenüber heise online nun ausrichten. Die Aussagen zu Indien seien einer Übersicht des International Center for Missing and Exploited Children (ICMEC) von 2006 entnommen worden. Es sei „sehr bedauerlich“, dass die „jüngste Entwicklung in Indien“ in der Quelle noch nicht erfasst gewesen sei.

Sicher wird die Darstellung von Kindesmißbrauch in elektronischen Medien explizit erst seit 2008/2009 verboten, aber die Gesetze von 1973 kann man doch auch sowieso so auslegen, dass sowas verboten ist. Selbst wenn der eigentliche Mißbrauch eines Kindes schon länger her ist, mißbraucht man es doch in dem Moment erneut, wenn man Bilder von dem Mißbrauch irgendwo ins Internet stellt. Und da die oben genannten indischen Gesetze „auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch abdecken“, dann reicht das auch als rechtliche Handhabe gegen Kinderpornografie im Netz. Oder irre ich mich da?

Nachtrag: Scheinbar ist es noch eindeutiger: In Indien gelten schon seit 1973 alle sexuellen Handlungen an Menschen unter 18 als Vergewaltigung, und sind somit strafbar. Ebenso ist die Darstellung solcher Handlungen auch schon seit 1973 strafbar. Mittlerweile tut auch Spiegel online so, als wäre Kinderpornographie erst seit Januar in Indien strafbar. Kann man da wirklich noch von einer freien Presse reden? Und seit wann redet der Spiegel CDU-Politikerinnen nach dem Mund? Bei der Augsburger Allgemeinen bekommt man seine Fakten mittlerweile wenigstens online auch besser hin als beim Spiegel. Siehe hier.

Wie soll man denn dann die „Entschuldigung“ von Frau von der Leyen deuten? Ist alles, was seit 1973 passiert ist, für die CDU eine „jüngste Entwicklung“? Das erklärt zumindest deren Netz-, Umwelt- und Überwachungspolitik.
War nicht in Deutschland ’73 noch die RAF unterwegs? Wenn die CDU seit dem keine Tagesschau mehr schaut, dann ist es kein Wunder, dass Schäuble überall Kameras aufhängen lässt. Und 1973 waren Atomkraftwerke wie Krümmel wohl tatsächlich noch „die modernsten der Welt“.

Ab heute wundert mich offiziell gar nichts mehr. Wenn mich ab heute noch was wundert, dann nur noch privat.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , , ,