Nov
23
2010

Ich wünsch‘ ’nen schön‘ Tag mit Apostroph

Das tolle am Internet ist ja, dass fast jeder vorstellbare Blogeintrag schon geschrieben ist, und man sich selbst daher folgerichtig kaum die Mühe machen muss, selbst einen zu schreiben.
Manchmal hat man zu bestehenden Blogartikeln jedoch was hinzuzufügen.

Was mich sprachlich im Internet sehr nervt sind die falsch benutzten Kurzformen für unbestimmte Artikel.
Wie Andis Blog schon vor zwei Jahren feststellte – (LINK) – werden „ein, eine und einen“ im Internet gerne mit „n, ne und nen“ abgekürzt.

Wenn man diese Abkürzungen jeweils falsch benutzt verwendet sieht, kommt es gerne mal zu linguistisch-allergischen Reaktionen.

Schreibt da zum Beispiel jemand „nen Problem“, dann ist die Langform dafür „einen Problem“, was nur in bestimmten regional verbreiteten Mundarten richtig ist. Wenn überhaupt.

Jedoch ist auch „n Problem“ falsch, da das Apostroph fehlt. Wo immer man im Deutschen Buchstaben weglässt, um eine bestimmte Aussprache zu signalisieren, benutzt man den Apostroph als Platzhalter.
In diesem Fall handelt es sich dann noch nicht einmal um einen Deppenapostroph, sondern um einen Schlaue-Leute-Apostroph. [Anm. des Autors: Um wen handelt es sich? Um EINEN Apostroph. Grummel!]
Es muss also “ ’n Problem“, “ ’ne Finanzkrise“ und “ ’nen Präsidenten“ heißen.
Nur dann ist es wirklich wirklich richtig, auch wenn ich die richtige Verwendung der Geni schon klasse fände. Hierbei gilt:

’n als Kurzform für „ein“ bei sächlichen Worten „das Arschgesicht/ ’n Arschgesicht“

’ne als Kurzform für „eine“ bei femininen Worten „die blöde Gans/ ’ne blöde Gans“

und

’nen als Kurzform für „einen“ bei maskulinen Worten „der Armleuchter/ ’nen Armleuchter“

Man beachte, dass „einen“ und ’nen auch nur dann richtig ist, wenn das maskuline Wort im Akkusativ steht.
„Ich kaufe mir ’nen Berg“ ist also richtig “ ’nen Maler hilft mir bei den Wänden“ ist falsch.
Steht das maskuline Wort im Nominativ, wird’s ganz normal mit “ ’n“ abgekürzt.

Am konkreten Beispiel:
„Auf die Reise nach Taka-Tuka begleiteten mich ’ne blöde Gans und ’n Arschgesicht. Außerdem haben wir ’nen weiteren Armleuchter“ mitgenommen.

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter:

2 Comments »

  • Zuerst einmal: Nur weil irgendetwas irgendwo schon geschrieben steht, heisst das nicht, dass ein zweiter Mensch das nicht auch zu schreiben braucht. Dann wäre die Bibel viel kürzer geworden und auch nicht so widersprüchlich. Viele theologische Diskussionen hätten nicht stattgefunden, usw. Da jeder Mensch nciht nur über komplett andere Gene verfügt, sondern auch in einem komplett anderen Umfeld lebt, werden zwei Menschen niemals dasselbe aus demselben Blickwinkel schreiben.
    Außerdem gehen in Blogs solche Artikel ganz schnell wieder unter (Stichwort: zeitlicher Bezug).
    Aber „einen Deppenapostroph“ und „einen Schlaue-Leute-Apostroph“ halte ich für eher fragwürdig. MMn sollte da „ein Apostroph“ stehen, „ein“ als Anzahl der Aufzählung. Es handelt sich um einen Präsidenten, aber nicht um einen Apostroph. Davon müssen hier nicht zwei stehen, sondern nur eins.
    Wwgds (oder nbg) finde ich die deutschen Forenabkürzungen toller, als die englischen imos und btws und ftws. AzS!
    Schönen Tag noch.

    Comment | 23. November 2010
  • Heiko C.

    Hast recht, ich hätte „nen“ schreiben sollen. 😉

    Nee, nach näherer Überlegung MUSS es „einen“ heißen.
    Wenn der eine Apostroph ein Berg, und der andere ein Fußball ist, dann handelt es sich ja auch um einen Berg und einen Fußball, und nicht um ein Berg und ein Fußball.
    „sich um handeln“ erzwingt den Akkusativ, mein lieber.

    Comment | 23. November 2010

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Better Tag Cloud