Impactsuspect » 2010 » September
Sep
22
2010
5

Krähen warten auf den Zug

Jetzt wo es langsam auf den Herbst zugeht, sieht man immer öfter Krähen auf den Bahnsteigen herumlungern. Fast wirkt es, als wollten sie auf den Zug warten.

Hier streift in Westerland eine Rabenkrähe über den Bahnsteig:

Hier gesellt sich eine zweite dazu:

Doch nicht nur auf Sylt gibt es Krähen am Bahnhof. Auf dem Festland in Niebüll, lungern ganze Heerscharen herum.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie warten auf einen Zug, der sie zu den Dreharbeiten einer Neuauflage von „Die Vögel“ bringt.

Written by Heiko C. in: Friesisches | Schlagwörter: ,
Sep
09
2010
6

Rekursiver Inzest und das kleine Problem mit der Münze aus dem Nichts

Ich hab heute bei einem Videoabend in kleiner Gruppe mal wieder einen Zeitreisefilm gesehen, und danach kam dann noch das Gespräch auf das generelle Genre des Zeitreisefilms.
Mir ist unter anderem aufgefallen, dass kaum ein guter Zeitreisefilm ohne Liebesgeschichte – und wenn es im Subplot ist – auskommt. Die einzige Ausnahme, die mir da spontan einfällt ist „Time Bandits“.
Aber das ist jetzt nicht das Thema, obwohl dieses enge Band zwischen Zeitreisestory und Liebesgeschichte sicher selbst einen Artikel wert ist.

Die Rede kam vielmehr auch wieder auf den Film „Time Rider“, eine Perle des Zeitreisefilms aus den 80ern, den man leider nur noch auf VHS findet. Wann kommt da bitte endlich die DVD? Der Film ist klasse!
In „Time Rider“ geht es um einen Cross-Biker namens Lyle Swann, der sich bei einer Ralley irgendwo in der Wüste von Texas oder New Mexico verfährt und ohne es zu merken, mitten in ein geheimes Zeitreiseexperiment der Regierung hineinfährt.
Noch immer ohne etwas zu ahnen, landet er im wilden Westen, und gerät an Banditen, Dorfbewohner und Gesetzeshüter. Die Banditen wollen das Dorf ausplündern und Lyle Swanns Motorrad stehlen, der Gesetzeshüter will den Oberbanditen zur Rechenschaft ziehen und eine Frau bei den Dorfbewohnern flirtet auf eine sehr agressive Weise mit Lyle.
Eine Besonderheit dieses Films ist, dass Lyle den ganzen Film über annimmt, er sei immer noch in der Gegenwart, und die Leute seien halt nur irgendwelche Hinterwäldler oder Sektenmitglieder. Das finde ich gut, denn nichts ist peinlicher in einem Zeitreisefilm, als ein Typ, der in abgerissenen Klamotten durch die Stadt läuft, und nach dem Jahr fragt.
Wer fragt schon nach dem Jahr? Ich würde nicht nach dem Jahr fragen. Nur Irre fragen nach dem Jahr. Geistig gesunde Menschen würden erst einmal gar nicht auf den Gedanken kommen, dass sie eventuell in der Zeit gereist sind, und wenn sich die Beweise für ebendies zu verdichten begönnen, es vehement anzweifeln. Wenn geistig gesunde Menschen sich tatsächlich mit dem Gedanken anzufreunden begönnen, sie seien in der Zeit gereist, würden sie immer noch nicht nach dem Jahr fragen, sondern in eine Zeitung schauen, oder in die Bibliothek gehen.
Niemand fragt nach dem Jahr.

Aber auch das ist nicht das Thema.
Die junge Frau mit der agressiven Ader, mit der Lyle Swann anbändelt und später sogar schläft, stellt sich im Laufe der Handlung des Filmes als seine eigene Großmutter heraus und Lyle Swann ist somit sein eigener Großvater. Außerdem gibt er in der Vergangenheit der Frau eine Glücksmünze, die er von seiner Oma bekommen hat, welche diese von Lyles Großvater in der Vergangenheit bekam.
Können noch alle folgen?
19Keks gibt also Lyles Oma ihm eine Silbermünze von Lyles Opa. Später reist Lyle nach 18keks zurück, mit eben dieser Münze.Dort wird er zu seinem eigenen Großvater, und gibt seiner Oma die Münze.

Wo genau kommt die Münze her? In der Weltsicht von einer unveränderlichen Zeitlinie ist die Münze in dieser Zeitschleife einfach vorhanden. Sie reist ständig von 19keks nach 18keks, und altert dann wieder ganz normal, bis sie wieder in 19keks angekommen ist, und von dort wieder zurückreisen kann.
Die Münze wird nirgendwo geprägt, noch wird sie je ausgegeben, weil sie vor und nach der Zeitschleife nicht existiert, sondern in ihr ständig im Kreis reist.
Das große Problem an der Sache ist jedoch nicht, wo und wann die Münze hergestellt wurde. Viel gravierender ist, dass sie sich eigentlich – der Entropie folgend – in der Zeitschleife ständig abnutzen müsste, bis sie irgendwann so abgegriffen ist, dass sie einfach verschwindet.
Das ist aber wieder nicht mit der Theorie einer unveränderlichen Zeitline vereinbar, denn in ihr muss auch die Münze unveränderlich sein, denn sonst ist die Zeitschleife nicht unveränderlich, noch ist es die Zeitlinie.
Die Geschichte um die Münze kann in einem Zeitreisemodell mit einer unveränderlichen Zeitlinie also nicht funktionieren. Bleibt mein persönlicher Favorit, die „viele-Welten-Theorie“.
In dieser Theorie sorgt jeder Eingriff in die Vergangenheit für eine etwas andere Zeitlinie, und schafft somit eine Parallelwelt mit einer, möglicherweise nur subtil unterschiedlichen, aber eben etwas anderen Zukunft.

Wie sieht die Reise der Münze hier aus?
In einer alternativen Parallelwelt, die vom Film direkt nicht abgebildet wird, reist ein alternativer Lyle Swann, der noch einen ganz anderen Großvater als sich selbst hat, als erster von allen Lyle Swanns im Multiversum in die Vergangenheit, trifft die Frau ( seine Großmutter ) in der Vergangenheit, schläft anstatt seines ursprünglichen Großvaters mit ihr, und sorgt so für eine Parallelwelt, in der ein Lyle Swann geboren wird, dessen Großvater er ist. Dieser Frau gibt er zum Andenken die Silbermünze, die in seiner subjektiven Vergangenheit noch ganz normal hergestellt wurde. Seine Großmutter bewahrt die Münze als Souvenir an den seltsamen Bettgefährten auf, der so schnell in ihr Leben kam, und so schnell wieder daraus verschwand. Sie macht aus der Münze einen Anhänger für eine Kette, und schenkt diesen dann später ihrem Enkelsohn. Dieser reist in die Vergangenheit zurück, und von dort an befinden wir uns in einer Zeitspirale, die sich seitwärts durch die Zeit bewegt. Die Kette mit der Münze wandert durch unzählige Parallelwelten, bis sie völlig abgenutzt ist.
In diesem Modell vertragen sich Entropie und Zeitreiselogik.

Aber was ist mit der Sache, dass Lyle Swann sein eigener Großvater ist?
In dem Modell mit den Parallelwelten ist es bei jeder neuen Schlaufe der Zeitspirale ein genetisch etwas anderer Lyle Swann, der in die Vergangenheit reist, und jedes mal mit seiner in allen Parallelwelten genetisch gleichen Großmutter schläft, um schließlich eine genetisch etwas andere Version von sich selbst zu erzeugen.
Der ursprüngliche genetische Code von Lyle Swann wird also immer weiter verwässert, bis vom Großvater aus der ursprünglichen Welt, in der die Zeitschleife startete, kein genetisches Material mehr in ihm enthalten ist, und Lyle Swann so mit seiner Großmutter genetisch identisch werden muss.
In der Theorie mit den vielen Welten ist es also schier unmöglich, sein eigener Großvater zu sein.

In dem Modell mit der unveränderlichen Zeitlinie ist dies jedoch wiederum kein Problem: Lyle reist zurück, zeugt einen Nachkommen mit einem Teil seines genetischen Materials, der wiederum ihn zeugt – oder zur Welt bringt. Das beide Lyle Swanns genetisch identisch sind, ist zwar immer noch ein Zufall, aber eben nur ein Zufall, der nur einmal passieren muss, und nicht immer wieder, wie es in einer Zeitspirale wäre.

Münze geht also nur in „viele Welten“, eigener Großvater geht nur in „unveränderliche Zeitlinie“.

Ich bin verwirrt.

Written by Heiko C. in: Filme,Wahnhaftes | Schlagwörter:

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Sep
22
2010
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Krähen warten auf den Zug

Jetzt wo es langsam auf den Herbst zugeht, sieht man immer öfter Krähen auf den Bahnsteigen herumlungern. Fast wirkt es, als wollten sie auf den Zug warten.

Hier streift in Westerland eine Rabenkrähe über den Bahnsteig:

Hier gesellt sich eine zweite dazu:

Doch nicht nur auf Sylt gibt es Krähen am Bahnhof. Auf dem Festland in Niebüll, lungern ganze Heerscharen herum.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, sie warten auf einen Zug, der sie zu den Dreharbeiten einer Neuauflage von „Die Vögel“ bringt.

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09
2010
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Rekursiver Inzest und das kleine Problem mit der Münze aus dem Nichts

Ich hab heute bei einem Videoabend in kleiner Gruppe mal wieder einen Zeitreisefilm gesehen, und danach kam dann noch das Gespräch auf das generelle Genre des Zeitreisefilms.
Mir ist unter anderem aufgefallen, dass kaum ein guter Zeitreisefilm ohne Liebesgeschichte – und wenn es im Subplot ist – auskommt. Die einzige Ausnahme, die mir da spontan einfällt ist „Time Bandits“.
Aber das ist jetzt nicht das Thema, obwohl dieses enge Band zwischen Zeitreisestory und Liebesgeschichte sicher selbst einen Artikel wert ist.

Die Rede kam vielmehr auch wieder auf den Film „Time Rider“, eine Perle des Zeitreisefilms aus den 80ern, den man leider nur noch auf VHS findet. Wann kommt da bitte endlich die DVD? Der Film ist klasse!
In „Time Rider“ geht es um einen Cross-Biker namens Lyle Swann, der sich bei einer Ralley irgendwo in der Wüste von Texas oder New Mexico verfährt und ohne es zu merken, mitten in ein geheimes Zeitreiseexperiment der Regierung hineinfährt.
Noch immer ohne etwas zu ahnen, landet er im wilden Westen, und gerät an Banditen, Dorfbewohner und Gesetzeshüter. Die Banditen wollen das Dorf ausplündern und Lyle Swanns Motorrad stehlen, der Gesetzeshüter will den Oberbanditen zur Rechenschaft ziehen und eine Frau bei den Dorfbewohnern flirtet auf eine sehr agressive Weise mit Lyle.
Eine Besonderheit dieses Films ist, dass Lyle den ganzen Film über annimmt, er sei immer noch in der Gegenwart, und die Leute seien halt nur irgendwelche Hinterwäldler oder Sektenmitglieder. Das finde ich gut, denn nichts ist peinlicher in einem Zeitreisefilm, als ein Typ, der in abgerissenen Klamotten durch die Stadt läuft, und nach dem Jahr fragt.
Wer fragt schon nach dem Jahr? Ich würde nicht nach dem Jahr fragen. Nur Irre fragen nach dem Jahr. Geistig gesunde Menschen würden erst einmal gar nicht auf den Gedanken kommen, dass sie eventuell in der Zeit gereist sind, und wenn sich die Beweise für ebendies zu verdichten begönnen, es vehement anzweifeln. Wenn geistig gesunde Menschen sich tatsächlich mit dem Gedanken anzufreunden begönnen, sie seien in der Zeit gereist, würden sie immer noch nicht nach dem Jahr fragen, sondern in eine Zeitung schauen, oder in die Bibliothek gehen.
Niemand fragt nach dem Jahr.

Aber auch das ist nicht das Thema.
Die junge Frau mit der agressiven Ader, mit der Lyle Swann anbändelt und später sogar schläft, stellt sich im Laufe der Handlung des Filmes als seine eigene Großmutter heraus und Lyle Swann ist somit sein eigener Großvater. Außerdem gibt er in der Vergangenheit der Frau eine Glücksmünze, die er von seiner Oma bekommen hat, welche diese von Lyles Großvater in der Vergangenheit bekam.
Können noch alle folgen?
19Keks gibt also Lyles Oma ihm eine Silbermünze von Lyles Opa. Später reist Lyle nach 18keks zurück, mit eben dieser Münze.Dort wird er zu seinem eigenen Großvater, und gibt seiner Oma die Münze.

Wo genau kommt die Münze her? In der Weltsicht von einer unveränderlichen Zeitlinie ist die Münze in dieser Zeitschleife einfach vorhanden. Sie reist ständig von 19keks nach 18keks, und altert dann wieder ganz normal, bis sie wieder in 19keks angekommen ist, und von dort wieder zurückreisen kann.
Die Münze wird nirgendwo geprägt, noch wird sie je ausgegeben, weil sie vor und nach der Zeitschleife nicht existiert, sondern in ihr ständig im Kreis reist.
Das große Problem an der Sache ist jedoch nicht, wo und wann die Münze hergestellt wurde. Viel gravierender ist, dass sie sich eigentlich – der Entropie folgend – in der Zeitschleife ständig abnutzen müsste, bis sie irgendwann so abgegriffen ist, dass sie einfach verschwindet.
Das ist aber wieder nicht mit der Theorie einer unveränderlichen Zeitline vereinbar, denn in ihr muss auch die Münze unveränderlich sein, denn sonst ist die Zeitschleife nicht unveränderlich, noch ist es die Zeitlinie.
Die Geschichte um die Münze kann in einem Zeitreisemodell mit einer unveränderlichen Zeitlinie also nicht funktionieren. Bleibt mein persönlicher Favorit, die „viele-Welten-Theorie“.
In dieser Theorie sorgt jeder Eingriff in die Vergangenheit für eine etwas andere Zeitlinie, und schafft somit eine Parallelwelt mit einer, möglicherweise nur subtil unterschiedlichen, aber eben etwas anderen Zukunft.

Wie sieht die Reise der Münze hier aus?
In einer alternativen Parallelwelt, die vom Film direkt nicht abgebildet wird, reist ein alternativer Lyle Swann, der noch einen ganz anderen Großvater als sich selbst hat, als erster von allen Lyle Swanns im Multiversum in die Vergangenheit, trifft die Frau ( seine Großmutter ) in der Vergangenheit, schläft anstatt seines ursprünglichen Großvaters mit ihr, und sorgt so für eine Parallelwelt, in der ein Lyle Swann geboren wird, dessen Großvater er ist. Dieser Frau gibt er zum Andenken die Silbermünze, die in seiner subjektiven Vergangenheit noch ganz normal hergestellt wurde. Seine Großmutter bewahrt die Münze als Souvenir an den seltsamen Bettgefährten auf, der so schnell in ihr Leben kam, und so schnell wieder daraus verschwand. Sie macht aus der Münze einen Anhänger für eine Kette, und schenkt diesen dann später ihrem Enkelsohn. Dieser reist in die Vergangenheit zurück, und von dort an befinden wir uns in einer Zeitspirale, die sich seitwärts durch die Zeit bewegt. Die Kette mit der Münze wandert durch unzählige Parallelwelten, bis sie völlig abgenutzt ist.
In diesem Modell vertragen sich Entropie und Zeitreiselogik.

Aber was ist mit der Sache, dass Lyle Swann sein eigener Großvater ist?
In dem Modell mit den Parallelwelten ist es bei jeder neuen Schlaufe der Zeitspirale ein genetisch etwas anderer Lyle Swann, der in die Vergangenheit reist, und jedes mal mit seiner in allen Parallelwelten genetisch gleichen Großmutter schläft, um schließlich eine genetisch etwas andere Version von sich selbst zu erzeugen.
Der ursprüngliche genetische Code von Lyle Swann wird also immer weiter verwässert, bis vom Großvater aus der ursprünglichen Welt, in der die Zeitschleife startete, kein genetisches Material mehr in ihm enthalten ist, und Lyle Swann so mit seiner Großmutter genetisch identisch werden muss.
In der Theorie mit den vielen Welten ist es also schier unmöglich, sein eigener Großvater zu sein.

In dem Modell mit der unveränderlichen Zeitlinie ist dies jedoch wiederum kein Problem: Lyle reist zurück, zeugt einen Nachkommen mit einem Teil seines genetischen Materials, der wiederum ihn zeugt – oder zur Welt bringt. Das beide Lyle Swanns genetisch identisch sind, ist zwar immer noch ein Zufall, aber eben nur ein Zufall, der nur einmal passieren muss, und nicht immer wieder, wie es in einer Zeitspirale wäre.

Münze geht also nur in „viele Welten“, eigener Großvater geht nur in „unveränderliche Zeitlinie“.

Ich bin verwirrt.

Written by Heiko C. in: Filme,Wahnhaftes | Schlagwörter: