Impactsuspect » Oh, wie schön ist Internet…
Aug
10
2010

Oh, wie schön ist Internet…

In ARD und ZDF wird das Internet behandelt, als sei es Ausland. Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen über das Internet – oder Sachen im Internet – berichtet, so mutet dies immer so an, als handele es sich um einen Reisebericht von der Japanreise.
Die Internetseiten werden vor dem Bericht kopiert und gegebenenfalls bearbeitet, genauso wie man seine Urlaubsdias von der Japanreise auch genau auswählen würde.

Links bekommt man auch nicht. Es reicht ja immerhin, wenn die öffentlich-rechtlichen Journalisten im Internet gewesen sind, es hat ja keinen Sinn, den Zuschauer auch noch in Gefahr zu bringen. Außerdem würde man seinem Bekanntenkreis nach einer Japanreise auch nicht die Adresse des schnuckeligen Restaurants in Tokio mitteilen: Die könnten ja gar nichts damit anfangen.

Wichtig ist auch, dass der Bericht über das ferne Land „Internet“ ausgewogen ist, denn zu viele nützliche Informationen verkraftet kein Zuschauer. Darum beginnt man meist mit irgendwelchen „ernsten“ Nachrichten, und arbeitet sich langsam zum erbaulichen Youtubevideo am Ende des Berichtes vor.

Dort haben wir dann eine Spraydosenanimation, einen niesenden Panda, oder irgendetwas anderes, was den Zuseher nach der Schilderung der Gefahren wieder auflockern soll. Auch hier bekommen wir keinen Link, denn immerhin ist das Video ja schon im Fernsehen, das bekanntlich viel mehr Leute erreicht, als das Internet.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: , ,

8 Comments »

  • Internet? Dat bruk wi nich. Dat hätt dat fröher ook nich geven.

    Comment | 10. August 2010
  • Heiko C.

    Aber ehrlich. Die senden Beiträge über’s Internet, die eher geeignet wären das Internet Personen aus dem 18. Jhd. zu erklären. :/

    Comment | 10. August 2010
  • Das muss irgendwas ganz tief sitzendes sein. Da arbeiten ja auch Leute, die über die Hälfte ihres Lebens mit dem Internet verbracht haben. Aber schau mal, sogar Wikipedia – als Internet-Enzyklopädie – nimmt das Internet nicht ernst. Ein Thema, das nicht mindestens in Zeitung, Buch oder Fernsehen in Erscheinung getreten ist, ist schlicht nicht relevant.
    Mich beschäftigt das Thema allerdings auch schon länger, zumal es bei mir genau umgekehrt ist. Was im Internet nicht existiert oder reflektiert wird kommt mir eher weniger relevant vor. Was ich da nicht kaufen kann, das kaufe ich nicht. Außer Tiernahrung – äh – Lebensmittel natürlich.

    Naja, bisher ist für mich die einzige Erklärung, dass bei den ÖR noch sehr alte Strukturen herrschen.

    Comment | 10. August 2010
  • never

    Ich versuche mal einen modernen Kommentar – trotz meines hohen Alters:
    Im Internet stehen nun mal nicht nur durch empirische Daten belegte Wahrheiten. Da bin ich ganz froh, dass erfahrene, seriöse Journalisten mal hinschauen und auch prüfen, soweit es überhaupt möglich ist bei so zahlreichen Informationsquellen.

    Hier mal – ganz modern – ein Link zu einem interessanten Roman, der von Denunziation und Diffamierung erzählt.

    http://www.zeit.de/2010/32/L-B-Vasquez?page=1

    Eine gruselige Vision, die ich jedenfalls nicht verwirklicht sehen möchte, auch das Internet sollte nicht dazu beitragen. Ich fänd’s schön, wenn sich eine menschenfreundliche Netzkultur entwickeln könnte.

    Comment | 10. August 2010
  • Heiko C.

    Auch im Fernsehen sucht man manchmal durch empirische Daten belegte Wahrheiten und seriöse Journalisten vergebens. Die Vorgänge um Andreas Türck und Jörg Kachelmann zeigen anschaulich, dass es kein Internet braucht, um Menschen durch unbelegte Anschuldigungen zu ruinieren. Natürlich ist es wünschenswert, wenn das auch im Internet nicht passieren würde, aber ganz lässt sich sowas wohl nie verhindern. Menschen bleiben Menschen, das verhindert weder ein Presserat, noch fehlerhafte Netzberichterstattung.
    Alleine der Anspruch dem Zuschauer zu vermitteln, „was zur Zeit im Internet los ist“, ist grob realitätsverzerrend, denn im Internet ist zu jeder Zeit ziemlich viel los. Man sollte auch in den klassischen Medien aufhören das Internet als ein programmatisches Medium zu sehen, weil es eben keines ist. Es ist ein Kanal, üben den Menschen sich austauschen.

    Comment | 10. August 2010
  • never

    Die Debatten um Jörg Kachelmann und Andreas Türck sind menschenunwürdig – nichts was in die Öffentlichkeit gehört.

    Die Kommunikation zwischen klassischen Medien und Internet steckt vermutlich noch im Entwicklungsstadium – wie auch immer – ich würde mir wünschen, dass Positives gefördert wird. Wie gehen wir miteinander um, dass es uns Menschen gut geht? Wie gehen mir mit Umwelt und Tier um, dass es auch dort positiv weitergeht? Keine rosarote heile Welt aber auch kein Kriegsszenarium. Aus einem Kommunikationsstreit zwischen Internet und klassischen Medien halte ich mich raus, da ich dies nicht ausreichend verfolgt habe.

    Comment | 11. August 2010
  • Heiko C.

    Das mit dem Entwicklungsstadium mag stimmen, ist aber auch ein Armutszeugnis, da das Internet gerade bei den Generationen unter 40 schon längst im Alltag angekommen ist, in den klassischen Medien aber immer noch wie das magische Königreich Wunderbar behandelt wird. Trotzdem dort Leute arbeiten, die jung genug sind, dass sie als Journalisten eigentlich keine Entschuldigung für solch eine Berichterstattung haben.
    Aber na ja, das ist vielleicht auch nur mein Eindruck. Mehr konstruktive Ansätze in medialer Berichterstattung fände ich jedenfalls auch wünschenswert. 😉

    Comment | 11. August 2010
  • Ulrich

    Gefaellt mir, dass hier trotz des heissen Sommers noch gepostet wird.

    Comment | 16. August 2010

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  • Internet? Dat bruk wi nich. Dat hätt dat fröher ook nich geven.

    Comment | 10. August 2010
  • Heiko C.

    Aber ehrlich. Die senden Beiträge über’s Internet, die eher geeignet wären das Internet Personen aus dem 18. Jhd. zu erklären. :/

    Comment | 10. August 2010
  • Das muss irgendwas ganz tief sitzendes sein. Da arbeiten ja auch Leute, die über die Hälfte ihres Lebens mit dem Internet verbracht haben. Aber schau mal, sogar Wikipedia – als Internet-Enzyklopädie – nimmt das Internet nicht ernst. Ein Thema, das nicht mindestens in Zeitung, Buch oder Fernsehen in Erscheinung getreten ist, ist schlicht nicht relevant.
    Mich beschäftigt das Thema allerdings auch schon länger, zumal es bei mir genau umgekehrt ist. Was im Internet nicht existiert oder reflektiert wird kommt mir eher weniger relevant vor. Was ich da nicht kaufen kann, das kaufe ich nicht. Außer Tiernahrung – äh – Lebensmittel natürlich.

    Naja, bisher ist für mich die einzige Erklärung, dass bei den ÖR noch sehr alte Strukturen herrschen.

    Comment | 10. August 2010
  • never

    Ich versuche mal einen modernen Kommentar – trotz meines hohen Alters:
    Im Internet stehen nun mal nicht nur durch empirische Daten belegte Wahrheiten. Da bin ich ganz froh, dass erfahrene, seriöse Journalisten mal hinschauen und auch prüfen, soweit es überhaupt möglich ist bei so zahlreichen Informationsquellen.

    Hier mal – ganz modern – ein Link zu einem interessanten Roman, der von Denunziation und Diffamierung erzählt.

    http://www.zeit.de/2010/32/L-B-Vasquez?page=1

    Eine gruselige Vision, die ich jedenfalls nicht verwirklicht sehen möchte, auch das Internet sollte nicht dazu beitragen. Ich fänd’s schön, wenn sich eine menschenfreundliche Netzkultur entwickeln könnte.

    Comment | 10. August 2010
  • Heiko C.

    Auch im Fernsehen sucht man manchmal durch empirische Daten belegte Wahrheiten und seriöse Journalisten vergebens. Die Vorgänge um Andreas Türck und Jörg Kachelmann zeigen anschaulich, dass es kein Internet braucht, um Menschen durch unbelegte Anschuldigungen zu ruinieren. Natürlich ist es wünschenswert, wenn das auch im Internet nicht passieren würde, aber ganz lässt sich sowas wohl nie verhindern. Menschen bleiben Menschen, das verhindert weder ein Presserat, noch fehlerhafte Netzberichterstattung.
    Alleine der Anspruch dem Zuschauer zu vermitteln, „was zur Zeit im Internet los ist“, ist grob realitätsverzerrend, denn im Internet ist zu jeder Zeit ziemlich viel los. Man sollte auch in den klassischen Medien aufhören das Internet als ein programmatisches Medium zu sehen, weil es eben keines ist. Es ist ein Kanal, üben den Menschen sich austauschen.

    Comment | 10. August 2010
  • never

    Die Debatten um Jörg Kachelmann und Andreas Türck sind menschenunwürdig – nichts was in die Öffentlichkeit gehört.

    Die Kommunikation zwischen klassischen Medien und Internet steckt vermutlich noch im Entwicklungsstadium – wie auch immer – ich würde mir wünschen, dass Positives gefördert wird. Wie gehen wir miteinander um, dass es uns Menschen gut geht? Wie gehen mir mit Umwelt und Tier um, dass es auch dort positiv weitergeht? Keine rosarote heile Welt aber auch kein Kriegsszenarium. Aus einem Kommunikationsstreit zwischen Internet und klassischen Medien halte ich mich raus, da ich dies nicht ausreichend verfolgt habe.

    Comment | 11. August 2010
  • Heiko C.

    Das mit dem Entwicklungsstadium mag stimmen, ist aber auch ein Armutszeugnis, da das Internet gerade bei den Generationen unter 40 schon längst im Alltag angekommen ist, in den klassischen Medien aber immer noch wie das magische Königreich Wunderbar behandelt wird. Trotzdem dort Leute arbeiten, die jung genug sind, dass sie als Journalisten eigentlich keine Entschuldigung für solch eine Berichterstattung haben.
    Aber na ja, das ist vielleicht auch nur mein Eindruck. Mehr konstruktive Ansätze in medialer Berichterstattung fände ich jedenfalls auch wünschenswert. 😉

    Comment | 11. August 2010
  • Ulrich

    Gefaellt mir, dass hier trotz des heissen Sommers noch gepostet wird.

    Comment | 16. August 2010

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Aug
10
2010

Oh, wie schön ist Internet…

In ARD und ZDF wird das Internet behandelt, als sei es Ausland. Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen über das Internet – oder Sachen im Internet – berichtet, so mutet dies immer so an, als handele es sich um einen Reisebericht von der Japanreise.
Die Internetseiten werden vor dem Bericht kopiert und gegebenenfalls bearbeitet, genauso wie man seine Urlaubsdias von der Japanreise auch genau auswählen würde.

Links bekommt man auch nicht. Es reicht ja immerhin, wenn die öffentlich-rechtlichen Journalisten im Internet gewesen sind, es hat ja keinen Sinn, den Zuschauer auch noch in Gefahr zu bringen. Außerdem würde man seinem Bekanntenkreis nach einer Japanreise auch nicht die Adresse des schnuckeligen Restaurants in Tokio mitteilen: Die könnten ja gar nichts damit anfangen.

Wichtig ist auch, dass der Bericht über das ferne Land „Internet“ ausgewogen ist, denn zu viele nützliche Informationen verkraftet kein Zuschauer. Darum beginnt man meist mit irgendwelchen „ernsten“ Nachrichten, und arbeitet sich langsam zum erbaulichen Youtubevideo am Ende des Berichtes vor.

Dort haben wir dann eine Spraydosenanimation, einen niesenden Panda, oder irgendetwas anderes, was den Zuseher nach der Schilderung der Gefahren wieder auflockern soll. Auch hier bekommen wir keinen Link, denn immerhin ist das Video ja schon im Fernsehen, das bekanntlich viel mehr Leute erreicht, als das Internet.

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