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Jul
12
2010
--

Immer die Fahrradfahrer…

In Bezug auf die Fahrradfahrer habe ich bereits schon die „Roboterkiller“ vorgestellt, die konstatieren, dass Vernünftige nicht Fahrrad fahren, und es allen anderen verbieten. Im Schilderwald sind diese exotischen Vertreter allerdings nur die Spitze des Eisbergs, gerade wenn es um Schilder mit Ver- und Geboten rund um den geliebten Drahtesel geht.

Als erstes ein gutes Beispiel. Ein Schild, dass alles richtig macht. Es bleibt höflich – wenn auch nicht gerade poetisch, wie die Höflichkeitsschilder – und appeliert an unseren Anstand, ohne zu schlaumeiern, wie etwa die Roboterkiller es tun.

Wir werden nicht nur höflich gebeten, keine Fahrräder abzustellen, wir erfahren auch, wer uns bittet. „Die Verwaltung“ in diesem Fall. Gut, das ist jetzt nicht sehr spezifisch, aber es ist anzunehmen, dass „die Verwaltung“ eben auch die Wände verwaltet, an denen keine Fahrräder abgestellt werden sollen. Durch solch ein Schild fühlt man sich weder bevormundet noch gegängelt, und schon gar nicht verarscht.

Dem nächsten Schild sieht man das hohe Alter schon an. So hat man es also früher gemacht:

Dieses Schild befiehlt uns – mehr oder weniger zackig – vom Fahrrad abzusteigen. Es sagt uns nicht warum und wozu, und das Ausrufezeichen fehlt. Erstaunlich, denn Schildermacher gehen mit diesem ja sonst nicht gerade sparsam um. Hier hätte es einmal gepasst, obwohl es das Schild natürlich auch nicht höflicher, noch die Botschaft nachvollziehbarer,  gemacht hätte.
Immerhin erfahren wir, wer uns befiehlt: Der Bürgermeister. Wenigstens weiß man nun, wo man sich über den rüden Ton beschweren kann.

Die Regel sind leider immer noch die nominalphrasierten Schilder. Sie sind unpersönlich und versuchen trotzdem Autorität zu vermitteln. Wie das geschieht, kann man an folgendem Schild sehen:

Dieses Schild teilt keine Befehle aus, und es bittet auch nicht. Es präsentiert einen Satz mit dem Verb „ist“ wie ein Faktum. „Das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt“ stellt es uns als Wahrheit hin. Rosen sind rot, Veilchen sind blau und das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt.
In zweifacher Hinsicht schummelt das Schild:

1.) Das Schild scheint uns nichts vorzuschreiben, noch enthält es eine Botschaft von jemandem. Es scheint einfach nur eine Wahrheit des Universums preiszugeben. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Schild hat ja immerhin jemand aufgehängt. Wer das ist, erfahren wir nicht. Der Verfasser bleibt anonym.

2.) Statt ein Verbot zu enthalten, beschreibt uns das Schild den Zustand des „Nicht-erlaubt-seins“. Man kann also nicht fragen, wer das Verbot ausspricht, weil es ja gar keines gibt. Es gibt nur eben keine Erlaubnis. Hier arbeitet das Schild mit ähnlichen Tricks wie auch viele Politiker.

Jetzt noch ein sehr merkwürdiges Beispiel:

Das Schild beginnt vielversprechend: Es spricht einen persönlich, vertraulich an und es sagt uns, wo wir unsere Fahrräder abstellen können. Ein Verbot spricht es nicht aus, auch kein negatives Gebot. Statt dessen droht es allen, die ihre Fahrräder hier abstellen ohne Umschweife.
Durch den rüden Ton im letzten Satz und die Hervorhebung durch Unterstreichung bekommt die freundlich vertrauliche Begrüßung des Schildes einen ganz üblen Beigeschmack.
Auch die Wortwahl ist interessant: „Beseitigt“ werden die Fahrräder. Was soll das heißen? Wenn in Krimis jemand von „Beseitigen“ spricht, so ist dies meist ein Euphemismus für die sprichwörtlichen „Betonschuhe“ mit anschließendem „Bad“ im Fluß. Und dann auch noch kostenpflichtig, man soll den Beton also auch noch selbst bezahlen?!
Wenn man ein wenig über das Schild grübelt, fallen einem alternative, ähnlich absurde, letzte Sätze ein:

  • „Es wäre doch schade, wenn Ihr Fahrrad einen bedauerlichen Unfall erleidet.“
  • „Wenn Sie Ihr Fahrrad hier abstellen, werden wir uns um Ihr Fahrrad kümmern.
  • „Hier abgestellte Fahrräder betreten eine Welt des Schmerzes.“

Die Stellplätze auf dem Bahnhofsvorplatz sind vermutlich also als „ein Angebot“ gemeint, „dass man als Fahrradfahrer nicht ablehnen kann“.

Wer denkt sich sowas aus?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: ,

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Immer die Fahrradfahrer…

In Bezug auf die Fahrradfahrer habe ich bereits schon die „Roboterkiller“ vorgestellt, die konstatieren, dass Vernünftige nicht Fahrrad fahren, und es allen anderen verbieten. Im Schilderwald sind diese exotischen Vertreter allerdings nur die Spitze des Eisbergs, gerade wenn es um Schilder mit Ver- und Geboten rund um den geliebten Drahtesel geht.

Als erstes ein gutes Beispiel. Ein Schild, dass alles richtig macht. Es bleibt höflich – wenn auch nicht gerade poetisch, wie die Höflichkeitsschilder – und appeliert an unseren Anstand, ohne zu schlaumeiern, wie etwa die Roboterkiller es tun.

Wir werden nicht nur höflich gebeten, keine Fahrräder abzustellen, wir erfahren auch, wer uns bittet. „Die Verwaltung“ in diesem Fall. Gut, das ist jetzt nicht sehr spezifisch, aber es ist anzunehmen, dass „die Verwaltung“ eben auch die Wände verwaltet, an denen keine Fahrräder abgestellt werden sollen. Durch solch ein Schild fühlt man sich weder bevormundet noch gegängelt, und schon gar nicht verarscht.

Dem nächsten Schild sieht man das hohe Alter schon an. So hat man es also früher gemacht:

Dieses Schild befiehlt uns – mehr oder weniger zackig – vom Fahrrad abzusteigen. Es sagt uns nicht warum und wozu, und das Ausrufezeichen fehlt. Erstaunlich, denn Schildermacher gehen mit diesem ja sonst nicht gerade sparsam um. Hier hätte es einmal gepasst, obwohl es das Schild natürlich auch nicht höflicher, noch die Botschaft nachvollziehbarer,  gemacht hätte.
Immerhin erfahren wir, wer uns befiehlt: Der Bürgermeister. Wenigstens weiß man nun, wo man sich über den rüden Ton beschweren kann.

Die Regel sind leider immer noch die nominalphrasierten Schilder. Sie sind unpersönlich und versuchen trotzdem Autorität zu vermitteln. Wie das geschieht, kann man an folgendem Schild sehen:

Dieses Schild teilt keine Befehle aus, und es bittet auch nicht. Es präsentiert einen Satz mit dem Verb „ist“ wie ein Faktum. „Das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt“ stellt es uns als Wahrheit hin. Rosen sind rot, Veilchen sind blau und das Abstellen von Fahrrädern ist hier nicht erlaubt.
In zweifacher Hinsicht schummelt das Schild:

1.) Das Schild scheint uns nichts vorzuschreiben, noch enthält es eine Botschaft von jemandem. Es scheint einfach nur eine Wahrheit des Universums preiszugeben. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Schild hat ja immerhin jemand aufgehängt. Wer das ist, erfahren wir nicht. Der Verfasser bleibt anonym.

2.) Statt ein Verbot zu enthalten, beschreibt uns das Schild den Zustand des „Nicht-erlaubt-seins“. Man kann also nicht fragen, wer das Verbot ausspricht, weil es ja gar keines gibt. Es gibt nur eben keine Erlaubnis. Hier arbeitet das Schild mit ähnlichen Tricks wie auch viele Politiker.

Jetzt noch ein sehr merkwürdiges Beispiel:

Das Schild beginnt vielversprechend: Es spricht einen persönlich, vertraulich an und es sagt uns, wo wir unsere Fahrräder abstellen können. Ein Verbot spricht es nicht aus, auch kein negatives Gebot. Statt dessen droht es allen, die ihre Fahrräder hier abstellen ohne Umschweife.
Durch den rüden Ton im letzten Satz und die Hervorhebung durch Unterstreichung bekommt die freundlich vertrauliche Begrüßung des Schildes einen ganz üblen Beigeschmack.
Auch die Wortwahl ist interessant: „Beseitigt“ werden die Fahrräder. Was soll das heißen? Wenn in Krimis jemand von „Beseitigen“ spricht, so ist dies meist ein Euphemismus für die sprichwörtlichen „Betonschuhe“ mit anschließendem „Bad“ im Fluß. Und dann auch noch kostenpflichtig, man soll den Beton also auch noch selbst bezahlen?!
Wenn man ein wenig über das Schild grübelt, fallen einem alternative, ähnlich absurde, letzte Sätze ein:

  • „Es wäre doch schade, wenn Ihr Fahrrad einen bedauerlichen Unfall erleidet.“
  • „Wenn Sie Ihr Fahrrad hier abstellen, werden wir uns um Ihr Fahrrad kümmern.
  • „Hier abgestellte Fahrräder betreten eine Welt des Schmerzes.“

Die Stellplätze auf dem Bahnhofsvorplatz sind vermutlich also als „ein Angebot“ gemeint, „dass man als Fahrradfahrer nicht ablehnen kann“.

Wer denkt sich sowas aus?

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: ,