Impactsuspect » 2010 » Juni » 29
Jun
29
2010
6

Moralische-Zeigefinger-Schilder!

Es ist ja an sich schön, wenn Schilder einen direkt ansprechen, anstatt in gesichtslosen und unpersönlichen Nominalphrasen einfach irgendwelche Verbote zu konstatieren. Nicht ohne Grund habe ich ja schon die Höflichkeitsschilder besonders behandelt.
Ähnlich wie in Romanen, Songtexten und Folgen von Fernsehserien, wirkt aber auch bei Schildern ein übermäßig moralisch erhobener Zeigefinger eher nervig.

Erst einmal spricht uns dieses Schild in unserer Funktion als Bürger an. Bürger von was? Bürger von Leck? Bürger Deutschlands? Bürger der Welt? Das verrät uns das Schild nicht.
Sind nur die Einwohner Lecks an die Weisung des Lecker Bürgermeisters gebunden, oder sollen alle Bürger weltweit den folgenden Anweisungen folgen? Und warum das Ausrufezeichen, welches das komplette Schild wie eine Verballhornung einer Rede Julius Caesars wirken lässt?
Da könnte man ja gleich „Freunde! Lecker! Mitbürger!“ schreiben.
Dann die Information, dass hier Kinder spielen, die zwar als Begründung für die Gebote des Schildes durchaus positiv zu sehen ist, jedoch bei aller Liebe kein Ausrufezeichen benötigt.

Weiter geht es mit dem ersten Gebot, den Platz sauber zu halten. Hier kann man mit dem Ausrufezeichen arbeiten, obwohl es das Gebot wie einen Befehl klingen lässt. Und was genau heißt „Haltet den Platz sauber“ eigentlich? Handelt es sich nur um ein als Gebot getarntes Verbot der Abfallentsorgung, oder sind hier tatsächlich alle Bürger angehalten, stets auf Unrat zu achten, und ihn selbsttätig zu entsorgen?

Zum Schluss dann noch der ebenfalls mit Ausrufezeichen ausgestattete Befehl, jegliche Zuwiderhandler zu dennunzieren. Spätestens diese Aufforderung hinterlässt einen faden Beigeschmack, und beschwört eine finstere deutsche Vergangenheit herauf.

Das ein oder andere „Bitte“ hätte hier Wunder gewirkt, ebenso wie ein „Danke“ am Ende und allgemein ein sparsamerer Umgang mit dem Ausrufezeichen.

Das es den letzteren Punkt betreffend, noch schlimmer geht, sieht man jedoch zum Beispiel an folgendem Schild:

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Psychologisches | Schlagwörter:

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Jun
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Moralische-Zeigefinger-Schilder!

Es ist ja an sich schön, wenn Schilder einen direkt ansprechen, anstatt in gesichtslosen und unpersönlichen Nominalphrasen einfach irgendwelche Verbote zu konstatieren. Nicht ohne Grund habe ich ja schon die Höflichkeitsschilder besonders behandelt.
Ähnlich wie in Romanen, Songtexten und Folgen von Fernsehserien, wirkt aber auch bei Schildern ein übermäßig moralisch erhobener Zeigefinger eher nervig.

Erst einmal spricht uns dieses Schild in unserer Funktion als Bürger an. Bürger von was? Bürger von Leck? Bürger Deutschlands? Bürger der Welt? Das verrät uns das Schild nicht.
Sind nur die Einwohner Lecks an die Weisung des Lecker Bürgermeisters gebunden, oder sollen alle Bürger weltweit den folgenden Anweisungen folgen? Und warum das Ausrufezeichen, welches das komplette Schild wie eine Verballhornung einer Rede Julius Caesars wirken lässt?
Da könnte man ja gleich „Freunde! Lecker! Mitbürger!“ schreiben.
Dann die Information, dass hier Kinder spielen, die zwar als Begründung für die Gebote des Schildes durchaus positiv zu sehen ist, jedoch bei aller Liebe kein Ausrufezeichen benötigt.

Weiter geht es mit dem ersten Gebot, den Platz sauber zu halten. Hier kann man mit dem Ausrufezeichen arbeiten, obwohl es das Gebot wie einen Befehl klingen lässt. Und was genau heißt „Haltet den Platz sauber“ eigentlich? Handelt es sich nur um ein als Gebot getarntes Verbot der Abfallentsorgung, oder sind hier tatsächlich alle Bürger angehalten, stets auf Unrat zu achten, und ihn selbsttätig zu entsorgen?

Zum Schluss dann noch der ebenfalls mit Ausrufezeichen ausgestattete Befehl, jegliche Zuwiderhandler zu dennunzieren. Spätestens diese Aufforderung hinterlässt einen faden Beigeschmack, und beschwört eine finstere deutsche Vergangenheit herauf.

Das ein oder andere „Bitte“ hätte hier Wunder gewirkt, ebenso wie ein „Danke“ am Ende und allgemein ein sparsamerer Umgang mit dem Ausrufezeichen.

Das es den letzteren Punkt betreffend, noch schlimmer geht, sieht man jedoch zum Beispiel an folgendem Schild:

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Psychologisches | Schlagwörter: