Impactsuspect » 2010 » Juni » 20
Jun
20
2010
2

Princess of Mars

So, nun ist es also passiert: Ich habe mir ohne es gleich zu merken, eine Asylum-DVD gekauft. Asylum, für diejenigen, die es nicht kennen, ist das Filmstudio, welches – ich sag mal – Alternativversionen aktueller Kinofilme produziert, und diese dann direkt to Video in die Läden bringt. Ziel ist, dass möglichst viele Leute so ihre Filme kaufen, und denken, es würde sich um die echten Blockbuster handeln.
Diese Art Falschfilm nennt man „Knockbuster“. Von Asylum gibt es zum Beispiel „Doomsday 2012“, „Transmorphers“ oder den gloriosen „I am Omega“.

Na ja, nun bin also auch ich auf den Marketingplot reingefallen, allerdings scheint es sich bei den Film, den ich gekauft habe nicht um die Billigversion eines Blockbusters zu handeln, sondern um eine eigene Filmidee.
Zumindest ist mir der dazu passende Blockbuster nicht bekannt, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

„Princess of Mars“ ist nichts weniger als eine Adaption der Barsoom-Bücher von Edgar Rice Burroughs. In dieser Buchreihe geht es um einen heimkehrenden Bürgerkriegssoldaten der einschläft, und auf dem Mars wieder aufwacht. Auf diesem Mars gibt es vierarmige Aliens, leichtbekleidete Frauen und alles mögliche mehr.
Die Buchvorlage ist also von sich aus schon ziemlich trashige Low-Fantasy. Passt ja irgendwie zu Asylum, möchte man denken.
Wie sieht es also mit der Filmumsetzung aus?

Im Fim wurde aus irgendwelchen Gründen der Soldat aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu einem Special-Ops-Mann, der in Afghanistan (oder im Irak, bin mir nicht sicher) operiert.
Bei irgendeiner seiner speziellen Operationen wird er von einem dieser Einheimischen – man kann ihnen nun einmal nicht trauen – verraten, und schlimm verletzt.
Seine Armee findet ihn und hält ihn für einen hoffnungslosen Fall. Da er irgendwelchen Experimenten zugestimmt hat, entschließt man sich ihn „Atom für Atom“ auf einem „16-GB-Flash-Stick“ (sic!) zu speichern, und ihn mittels Wissenschaft zum Mars zu transportieren. Natürlich nicht zu unserem Mars, sondern zum Mars um Alpha Centauri. Wahrscheinlich denken die Drehbuchschreiber, dass jedes Sternensystem einen Mars braucht. Ich stimme zu. Würde ich in einem Sternensystem wohnen, und es gäbe dort keinen Mars, mir würde etwas fehlen.
Aber zurück zum Film.

Der schwerverletzte Soldat John Carter grüßt seine Vorgesetzten also noch ein letztes Mal mit einem Stinkefinger, als er sich schon in einem Lendenschurz in einer Wüste wiederfindet. Wo der Lendenschurz herkommt erfahren wir nicht, aber wahrscheinlich haben den die amerikanischen Wissenschaftler aus Gründen des Anstands extra ins Teleportationsprogramm geschrieben.
Bewusstlos auf diesem anderen Mars liegend, wird John Carter sofort von der Prinzessin des Mars, Deja Thoris, gefunden, die ihn jedoch im Wüstensand des Mars liegen lässt, um ihn zu verschonen.
Ja, so passiert es, ich habe es auch nicht ganz begriffen. Deja Thosris spricht übrigens Englisch.

Die Prinzessin wird von Traci Lords gespielt, die zu den besseren Thespisjüngern in diesem Film zählt. Den Bechdeltest besteht der Film nicht, da sie die einzige weibliche Rolle im Film ist.
John Carter steht also auf, als die Prinzessin weg ist, und findet heraus, dass er auf diesem Mars unglaublich weit und hoch springen kann. Kurz darauf wird er von Thaks gefangen. Tharks, das sind im Buch drei Meter große, vierarmige und grüne Aliens, hier sind es Menschen in Latexmasken. Aber immerhin in recht aufwändigen Latexmasken.
Diese Tharks reiten im Buch vierbeinige Reittiere. Im Film haben diese Reittiere nur zwei Beine. Irgendwie scheint im Film alles zu wenig Gliedmaßen zu haben.
John Carter versucht sich auf Englisch mit den Tharks zu unterhalten, diese verstehen aber nur Marsgrunz. John Carter versucht es also noch einmal auf italienisch, doch auch das wird nicht verstanden.
Die Tharks haben Carter mittlerweile zu ihrem Lager geschleppt, wo er Johgurt zu essen bekommt, den eine Made abgesondert hat. Dann soll er noch ein paar Insekten essen, was er auch tut, wodurch er plötzlich Marsgrunz versteht.

Im weiteren passieren die Dinge im Film nacheinander. John Carter kämpft gegen Spinnen, John Carter befreit die Prinzessin, John Carter muss in der Arena kämpfen. Nach so etwas wie einer zusammenhängenden Handlung muss man mit der Lupe suchen.
Am Ende lässt es sich darauf komprimieren, dass ein böser Afghnaniraker, der John Carter irgendwie von der Erde gefolgt ist, ein Atemluftkraftwerk auf dem Mars unter seine Kontrolle bringen will, um die Herrschaft an sich zu reißen. Die Rolle der Prinzessin reduziert sich darauf, John Cartes Loveinterest zu sein, hin und wieder etwas über den Mars zu erklären, was keinen Sinn ergibt und ansonsten dekorativ herumzusitzen oder zu stehen und zu schmollen. Aber Traci Lords sieht ja immer so aus, als würde sie schmollen.
Die Begrenztheit der Prinzessinnenrolle ist eigentlich schade und irgendwie auch Etikettenschwindel, wenn man bedenkt, dass der Film nach ihr benannt wurde.

Auf der DVD-Hülle wird der Film angepriesen mit „Die Geschichte, die James Cameron zu Avatar inspirierte“. Nun weiß ich nicht, ob das zutrifft, aber behaupten kann man das ja mal, und viel ausdifferenzierter ist die Handlung von Avatar ja nun auch nicht.
Hinten steht dann noch „Für alle Fans von Avatar, Star Wars und Prince of Persia“. Mit „Star Wars“ muss der ungenannte Werbetexter hier die Prequels meinen, denn da ist „Princess of Mars“ in etwa genauso unlogisch, und hat ebenso flache Charaktere.
Mein Fazit: Kann man kucken. Wenn dann aber besser in großer Runde, um ihn gemeinsam blöd zu finden.

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So, nun ist es also passiert: Ich habe mir ohne es gleich zu merken, eine Asylum-DVD gekauft. Asylum, für diejenigen, die es nicht kennen, ist das Filmstudio, welches – ich sag mal – Alternativversionen aktueller Kinofilme produziert, und diese dann direkt to Video in die Läden bringt. Ziel ist, dass möglichst viele Leute so ihre Filme kaufen, und denken, es würde sich um die echten Blockbuster handeln.
Diese Art Falschfilm nennt man „Knockbuster“. Von Asylum gibt es zum Beispiel „Doomsday 2012“, „Transmorphers“ oder den gloriosen „I am Omega“.

Na ja, nun bin also auch ich auf den Marketingplot reingefallen, allerdings scheint es sich bei den Film, den ich gekauft habe nicht um die Billigversion eines Blockbusters zu handeln, sondern um eine eigene Filmidee.
Zumindest ist mir der dazu passende Blockbuster nicht bekannt, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

„Princess of Mars“ ist nichts weniger als eine Adaption der Barsoom-Bücher von Edgar Rice Burroughs. In dieser Buchreihe geht es um einen heimkehrenden Bürgerkriegssoldaten der einschläft, und auf dem Mars wieder aufwacht. Auf diesem Mars gibt es vierarmige Aliens, leichtbekleidete Frauen und alles mögliche mehr.
Die Buchvorlage ist also von sich aus schon ziemlich trashige Low-Fantasy. Passt ja irgendwie zu Asylum, möchte man denken.
Wie sieht es also mit der Filmumsetzung aus?

Im Fim wurde aus irgendwelchen Gründen der Soldat aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu einem Special-Ops-Mann, der in Afghanistan (oder im Irak, bin mir nicht sicher) operiert.
Bei irgendeiner seiner speziellen Operationen wird er von einem dieser Einheimischen – man kann ihnen nun einmal nicht trauen – verraten, und schlimm verletzt.
Seine Armee findet ihn und hält ihn für einen hoffnungslosen Fall. Da er irgendwelchen Experimenten zugestimmt hat, entschließt man sich ihn „Atom für Atom“ auf einem „16-GB-Flash-Stick“ (sic!) zu speichern, und ihn mittels Wissenschaft zum Mars zu transportieren. Natürlich nicht zu unserem Mars, sondern zum Mars um Alpha Centauri. Wahrscheinlich denken die Drehbuchschreiber, dass jedes Sternensystem einen Mars braucht. Ich stimme zu. Würde ich in einem Sternensystem wohnen, und es gäbe dort keinen Mars, mir würde etwas fehlen.
Aber zurück zum Film.

Der schwerverletzte Soldat John Carter grüßt seine Vorgesetzten also noch ein letztes Mal mit einem Stinkefinger, als er sich schon in einem Lendenschurz in einer Wüste wiederfindet. Wo der Lendenschurz herkommt erfahren wir nicht, aber wahrscheinlich haben den die amerikanischen Wissenschaftler aus Gründen des Anstands extra ins Teleportationsprogramm geschrieben.
Bewusstlos auf diesem anderen Mars liegend, wird John Carter sofort von der Prinzessin des Mars, Deja Thoris, gefunden, die ihn jedoch im Wüstensand des Mars liegen lässt, um ihn zu verschonen.
Ja, so passiert es, ich habe es auch nicht ganz begriffen. Deja Thosris spricht übrigens Englisch.

Die Prinzessin wird von Traci Lords gespielt, die zu den besseren Thespisjüngern in diesem Film zählt. Den Bechdeltest besteht der Film nicht, da sie die einzige weibliche Rolle im Film ist.
John Carter steht also auf, als die Prinzessin weg ist, und findet heraus, dass er auf diesem Mars unglaublich weit und hoch springen kann. Kurz darauf wird er von Thaks gefangen. Tharks, das sind im Buch drei Meter große, vierarmige und grüne Aliens, hier sind es Menschen in Latexmasken. Aber immerhin in recht aufwändigen Latexmasken.
Diese Tharks reiten im Buch vierbeinige Reittiere. Im Film haben diese Reittiere nur zwei Beine. Irgendwie scheint im Film alles zu wenig Gliedmaßen zu haben.
John Carter versucht sich auf Englisch mit den Tharks zu unterhalten, diese verstehen aber nur Marsgrunz. John Carter versucht es also noch einmal auf italienisch, doch auch das wird nicht verstanden.
Die Tharks haben Carter mittlerweile zu ihrem Lager geschleppt, wo er Johgurt zu essen bekommt, den eine Made abgesondert hat. Dann soll er noch ein paar Insekten essen, was er auch tut, wodurch er plötzlich Marsgrunz versteht.

Im weiteren passieren die Dinge im Film nacheinander. John Carter kämpft gegen Spinnen, John Carter befreit die Prinzessin, John Carter muss in der Arena kämpfen. Nach so etwas wie einer zusammenhängenden Handlung muss man mit der Lupe suchen.
Am Ende lässt es sich darauf komprimieren, dass ein böser Afghnaniraker, der John Carter irgendwie von der Erde gefolgt ist, ein Atemluftkraftwerk auf dem Mars unter seine Kontrolle bringen will, um die Herrschaft an sich zu reißen. Die Rolle der Prinzessin reduziert sich darauf, John Cartes Loveinterest zu sein, hin und wieder etwas über den Mars zu erklären, was keinen Sinn ergibt und ansonsten dekorativ herumzusitzen oder zu stehen und zu schmollen. Aber Traci Lords sieht ja immer so aus, als würde sie schmollen.
Die Begrenztheit der Prinzessinnenrolle ist eigentlich schade und irgendwie auch Etikettenschwindel, wenn man bedenkt, dass der Film nach ihr benannt wurde.

Auf der DVD-Hülle wird der Film angepriesen mit „Die Geschichte, die James Cameron zu Avatar inspirierte“. Nun weiß ich nicht, ob das zutrifft, aber behaupten kann man das ja mal, und viel ausdifferenzierter ist die Handlung von Avatar ja nun auch nicht.
Hinten steht dann noch „Für alle Fans von Avatar, Star Wars und Prince of Persia“. Mit „Star Wars“ muss der ungenannte Werbetexter hier die Prequels meinen, denn da ist „Princess of Mars“ in etwa genauso unlogisch, und hat ebenso flache Charaktere.
Mein Fazit: Kann man kucken. Wenn dann aber besser in großer Runde, um ihn gemeinsam blöd zu finden.