Impactsuspect » Raumstationen-SF im Vergleich:
Mai
22
2010

Raumstationen-SF im Vergleich:

1993, ungefähr gleichzeitig, starteten zwei neue tolle Science-Fiction-Serien. Star Trek „The Next Generation“ gab den Föderationsstaffelstab an „Deep Space Nine“ weiter, und auf der anderen Seite der Studiolandschaft hat Joseph Michael Straczynski die Serie „Spacecenter Babylon 5“ buchstäblich aus dem nichts gestampft.
Die beiden Serien haben recht viele Parallelen: Beide spielen auf einer Raumstation, beide beschreiben Kriege gegen mysteriöse und übermächtige Gegner und weiteres mehr. Selbst viele der Einzelheiten findet man in beiden Serien.
Da Straczynski die Idee zu Babylon 5 wohl deutlich vor der geistigen Geburt von Deep Space Nine hatte, und seine Serie Paramount angeboten hatte, dem Studio also, dass alle Star Trek Serien produziert, gibt es im Internet kontrovers geführte Plagiatstheorien.
Darum soll es aber hier nicht gehen, sondern darum, welche insgesamt Serie die Nase vorn hat. Ich – als Jury – werde die beiden Serien in verschiedenen Einzelkategorien begründet bewerten, und das Endergebnis zeigt dann genau, welche Serie ich besser finde, und warum.

I. Die Raumstationen

In beiden Serien ist der stumme Hauptcharakter die Raumstation, auf der die Serie spielt. Erst sie sorgt für den geeigneten Rahmen, für all das Drama und die politischen Intrigen.
Babylon 5 ist eine lange, zylindrische Metallkonstruktion, die in ihrer Gesamtheit eher an das Hubbleteleskop erinnert, als an etwas aus der Science Fiction.


Babylon 5 by ~Davide-sd on deviantART

Deep Space Nine ist eine Raumstation, die von den Machern der Serie als „cardassianisch“ entworfen wurde. Deep Space Nine ähnelt im Aufbau zwei Kronen, die jemand aufeinander gelegt hat. Die Zacken dieser Kronen, an denen Raumschiffe andocken können, sind in einem quasi-gotischen Stil gehalten, genau wie auch der Rest der Station.


Star Trek: Deep Space Nine by ~shintetsuya on deviantART

Obwohl Babylon 5 konzeptuell und technisch die glaubwürdigere Station ist, sieht Deep Space Nine einfach schick aus. Das Cardassianische Design ist außerdem mal so etwas ganz anderes, als das, was man sonst so in Star-Trek oder anderen SF-Serien als Hauptschauplatz der Handlung aufgetischt bekommt.
Babylon 5 hingegen vermittelt ein Gefühl von echter Größe, gerade bei Innenaufnahmen. Während das Innere der Station bei Deep Space Nine wirkt wie das, was es ist, nämlich einige, wenig zahlreiche Sets, auf denen gedreht wird, glaubt man bei Babylon 5, dass es Bereiche der Station gibt,von denen nicht einmal der Captain einen Plan hat.

Bewertung also: Unentschieden. Deep Space Nine ist Eyecandy, Babylon 5 sieht nicht so beeindruckend aus, ist aber glaubwürdiger und vermittelt echte Größe. Beide Serien bekommen einen Punkt.

II. Die Schauspieler der Serien allgemein

In beiden Serien machen die Schauspieler einen tollen Job. In so mancher Serie sticht der eine oder andere Schauspieler mit mangelndem Talent hervor, wie eine nervende Feder aus einem kaputtgesessenen Sofa. Sowas ist in diesen beiden Serien aber durchweg nicht zu finden.
Bei Deep Space Nine tummeln sich geradezu die prominenten Gastdarsteller, während Babylon 5 seine besseren Schauspieler gerne mal in anderer Maske recykelt. So mancher Statist von Babylon 5 scheint direkt von der Strasse zu kommen.

Bewertung: Mit einer Träne im Auge, geht dieser Punkt an Deep Space Nine

III. Die Aliens

Deep Space Nine bietet in diesem Punkt das, was man typischerweise von Star Trek gewohnt ist: Leute in Latexmasken. Das ist im Star-Trek-Universum eben so und hat den Vorteil, dass die ganzen Gastdarsteller meist noch irgendwie zu erkennen sind.

Es ist aber auch stinklangweilig.
Die Bajoraner haben eine geriffelte Nase, die Ferengi haben Riesenglatzen und große Ohren und die Trill haben Punkte ums Gesicht.
Die einzige wiederkehrende Alienrasse, die hiervon abweicht, sind die „Wechselbälger“. Diese sind in ihrer natürlichen Form eine orangefarbene CGI-Suppe. Treten die Wechselbälger aber in Kontakt mit den anderen Rassen, sind es einfach nur Menschen in Latexmasken.


Outsiders – Odo by ~Palone-Omi on deviantART

Babylon 5 hat hier mehr zu bieten. Alleine die Vorlonen machen schon mehr her als alles, was man von Star Trek gewohnt ist. Die Vorlonen tragen zwar ständig ihre Druckanzüge, aber schon das ist eine willkommene Abwechslung zu Menschen in Latexmasken, die auch bei Babylon 5 sehr zahlreich vertreten sind.
In Babylon 5 gibt es noch andere Nicht-Latexmasken-Rassen, die hin und wieder mal auftauchen. Man findet hier alles von Puppenspiel über Animatronik bis zu den rein aus CGI bestehenden Schatten. Babylon 5 wirkt zuweilen wie die Cantina aus Star Wars.


Kosh by ~gustorak on deviantART

Bewertung: Dieser Punkt geht klar an Babylon 5. Alleine schon wegen Kosh. Kosh ist klasse.

IV. Die Raumschiffe

Star Trek benutzt seit „Raumschiff Enterprise – Die nächste Generation“ für die Darstellung von Raumschiffen durch CGI aufgemöbelte Modelle. So wird es auch bei Deep Space Nine gehandhabt.


First Contact by ~enterprisedavid on deviantART

In Babylon 5 kommen die Raumschiffe direkt aus dem Computer. Das sieht man leider.
Obwohl sich in Babylon 5 nach der im Piloten verwendeten „Wing-Commander-Grafik“ noch einiges zum besseren entwickelt hat, sind Modelle einfach nicht zu schlagen. Man sieht einfach, dass da was ist, während reine CGI-Raumschiffe immer irgendwie wie Fremdkörper wirken.
Zur Ehrenrettung  – insbesondere der irdischen Raumschiffe – sei gesagt, dass in B5 die Schiffe der Erde auch wieder sehr viel glaubwürdiger konzipiert sind, als die Warp-Schiffe der Föderation mit ihrer künstlichen Gravitation.

Bewertung: Ganz knapp geht der Punkt trotzdem an Depp Space Nine.

V. Raumschiffaction:

Kämpfen in Deep Space Nine Raumschiffe gegeneinander, handelt es sich zumeist um relativ wenige Schiffe, die einander gegenseitig bedrohen. Wie in Star Trek üblich, kann man Massenschlachten zwischen Raumschiffen hier zwar durchaus finden, allzu häufig sind sie jedoch nicht.
In Babylon 5 ist alle paar Folgen mal der Teufel los im All. Ob es die Jäger der Raumstation gegen die „Raiders“ sind, die Narn gegen die Centauri, die Schatten gegen alle anderen, oder die Erde gegen wen auch immer, hier bekommt man jede Menge Fratzengeballer für sein Geld.

Bewertung: Mit einigem Vorsprung geht dieser Punkt an Babylon 5.

VI. Genderkram und allgemeine politische Korrektheit

Beide Serien bestehen den Bechdeltest. Die Frauenquote bei den Führungsoffizieren auf Deep Space Nine ist den 50% nahe, in beiden Serien ist second-in-command der Raumstation eine Frau.
Babylon 5 scheint hier hinterherzuhinken, bis man die Botschafter der verschiedenen Völker und die Telepathin, die streng genommen nicht zur Kommandocrew gehört, in die Rechnung mit einbezieht.
Während es in Deep Space Nine die eine oder andere Story gibt, die sich mit feministischen Themen beschäftigt, scheint Feminismus in Babylon 5 überhaupt gar nicht mehr nötig – oder einfach gar kein sehr wichtiges Thema mehr – zu sein.
Frauen tauchen in allen Ämtern und Funktionen auf, und keiner kommentiert das irgendwie. Im Babylon 5 Universum ist dies ganz normal.
Beide Serien haben eine ausgesprochen frauenfeindliche und patriarchalische Spezies. Bei Deep Space Nine sind es die Ferengi, bei Babylon 5 die Centauri.
Die Hauptrollen beider Serien sind – soweit bekannt – fast ausschließlich heterosexuell. Bei Deep Space Nine scheint Dax „thrillbedingt“ bisexuell zu sein, bei Babylon 5 verliebt sich Lt. Susan Ivanova unglücklich in eine Frau.
In beiden Serien scheint die Hautfarbe ausschlaggebender dafür zu sein, wer sich in wen verliebt, als es die Unterschiede der Latexmasken sind. Mischpaarungen zwischen verschiedenen Spezies kommen in beiden Serien vor, Babylon 5 hat darüber hinaus auch noch Trans-spezies-konvertiten. (Nennt man die „Transspezielle“?)
Update: Dax von Deep Space Nine könnte man – mit etwas gutem Willen – als „transgender“ bezeichnen, obwohl die Bezeichnung ein wenig hinkt. Der Symbiont hat ja sein Geschlecht, sofern vorhanden, behalten, und lediglich den Wirt gewechselt. Weder Wirt noch Symbiont ändern also ihr Geschlecht. Oder seh‘ ich das falsch?

Bewertung: Hier geht der Punkt knapp an Babylon 5, alleine schon, weil Deep Space Nine oft sehr verkrampft wirkt, wenn solche Stories aufs Tablett kommen. Babylon 5 beschäftigt sich natürlicher mit alledem.

VII. Die Crew

Hier scheiden sich dann endgültig die Geister und eine objektive Beurteilung ist ganz und gar unmöglich. Welche der beiden Crews man besser findet, ist einfach Geschmacksache. Ich werde trotzdem versuchen meine Entscheidung zu begründen.
Ich ziehe die Crew von Babylon 5 vor. Bei Babylon 5 gibt es eine stetige Charakterentwicklung bei so gut wie allen Hauptpersonen. Bei Deep Space Nine entwickeln sich viele Charaktere gar nicht, und wenn das vereinzelt doch passiert, wirkt es auch mich forciert und unnatürlich.
Bei Babylon 5 sind die Charaktere auch in sich glaubwürdiger. Bei Star Trek kann man Charakterfehler oft mit der Lupe suchen, alle Babylon-Fünfler tragen ein realistisch-geschüttelt Maß davon herum. Sinclair ist der Mann mit dem Loch in seinerm Gedächtnis, Garibaldi Alkoholiker, Ivanova kommt mit ihrem Vater nicht zurecht und hasst Telepathen, weil sie selbst einer ist… Die Liste könnte man fortsetzen, während die Deep Space Nine Besatzung immer das beste will und meist auch tut.
Außerdem widmet Deep Space Nine der Charakterentwicklung und -beleuchtung ganze Folgen, in denen sonst kaum etwas passiert, während Babylon 5 das so nebenbei macht.

Bewertung: Hier geht der Punkt klar an Babylon 5

VIII. Zu guter letzt: Story is King

Beide Handlungsfäden sind episch. Beide Handlungsfäden führen dazu, dass sich im Laufe der Handlung viel ändert, auf der Erde und in der Galaxie. Beide Handlungen ziehen sich durch mehrere Staffeln und beide Handlungen kommen zu ihrem befriedigenden Ende.
Gerade auf letzteren Punkt kann man nicht zu oft hinweisen. Oft genug finden Serien mit vielversprechendem Anfang ein jähes Ende, noch bevor alle Plotfäden ganz aufgelöst wurden.
Wo wir gerade bei Plotfäden sind:
Sieht man die erste Staffel von Babylon 5 ohne den Rest zu kennen, denkt man sich, dass hier unheimlich viel angedeutet wird. Man vermutet, dass kaum etwas davon aufgelöst wird, wie man es von anderen Serien, gerne auch von Star Trek, gewohnt ist.
Spätestens am Ende der vierten Staffel muss man jedoch erkennen, dass so gut wie jeder brennende Handlungsfaden zu einem befriedigenden Ende geführt wurde. Die noch offenen Handlungsfäden deuten zwar an, dass nach dem Ende der Serie nicht Friede-Freude-Eierkuchen herrscht, aber man kann mit denen sehr gut leben, die aufgelöst wurden.
Babylon 5 neigt dazu, in jeder Staffel mindestens einen Handlungsfaden aufzulösen. Meist kommt die Auflösung gerade dann, wenn man sich fragt, ob die Auflösung jemals kommt. Das ist ein Kunststück, dass ich bei Fernsehserien generell nur selten erlebt habe.
Bei Deep Space Nine wird einiges erhellt und einiges bleibt im Dunkeln. Es gibt hier aber so gut wie keine „Zwischenauflösung“ von Plotpunkten. Deep Space Nine dümpelt manchmal über ganze Staffeln so vor sich hin, bis es am Ende dann geradezu hektische Aktivität mit der Plotauflösung entfaltet.
Während bei Babylon 5 Zeitreisen ein Kernstück der Handlung sind, werden selbige bei Deep Space Nine ausschließlich als Plot-Gimmick benutzt. Das Erstaunliche hierbei ist, dass Babylon 5 es schafft, selbst eine ganz anständige Zeitreiselogik hinzulegen. Vergleichbares sucht man in allen Serien und Filmen des Star-Trek-Franchise vergebens.

Bewertung: Klarer Fall. Schatten sind cool. Dominion ist meh. Dieser Punkt geht an Babylon 5.

Der Sieger insgesamt ist also aus meiner Sicht Babylon 5. Aber das ist nur meine Meinung.

Written by Heiko C. in: Kurzrezensionen,Serien | Schlagwörter: ,

2 Comments »

  • Wow, höchst interessante Abhandlung. Babylon ist größtenteils an mir vorbeigegangen. Aber das ist jetzt doch mal ein Anlass, genauer hinzuschauen.

    Bei DS9 fand ich die Art der „Kundenbindung“ noch ganz nett, indem Charaktere aus TNG teilweise übernommen wurden oder Gastauftritte hatten. Worf und Chief OBrien sorgen irgendwie für Kontinuität und sogar Cpt. Picard durfte noch mal die Nase in die Kamera halten. Ohne diesen nahtlosen Übergang wäre es zumindest mir schwer gefallen, in die Serie hineinzukommen.

    Deine Neologismen mag ich ja immer wieder gern:
    „Depp Space Nine“
    „thrillbedingt“
    😉

    Comment | 23. Mai 2010
  • Heiko C.

    Oh… „Depp Space Nine“ war keine Absicht… :/ Und „Trill“ schreibt sich auch ohne H… Herrje. Da hat der innere Lektor wohl wieder mal schon geschlafen…

    Comment | 23. Mai 2010

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  • Wow, höchst interessante Abhandlung. Babylon ist größtenteils an mir vorbeigegangen. Aber das ist jetzt doch mal ein Anlass, genauer hinzuschauen.

    Bei DS9 fand ich die Art der „Kundenbindung“ noch ganz nett, indem Charaktere aus TNG teilweise übernommen wurden oder Gastauftritte hatten. Worf und Chief OBrien sorgen irgendwie für Kontinuität und sogar Cpt. Picard durfte noch mal die Nase in die Kamera halten. Ohne diesen nahtlosen Übergang wäre es zumindest mir schwer gefallen, in die Serie hineinzukommen.

    Deine Neologismen mag ich ja immer wieder gern:
    „Depp Space Nine“
    „thrillbedingt“
    😉

    Comment | 23. Mai 2010
  • Heiko C.

    Oh… „Depp Space Nine“ war keine Absicht… :/ Und „Trill“ schreibt sich auch ohne H… Herrje. Da hat der innere Lektor wohl wieder mal schon geschlafen…

    Comment | 23. Mai 2010

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Mai
22
2010

Raumstationen-SF im Vergleich:

1993, ungefähr gleichzeitig, starteten zwei neue tolle Science-Fiction-Serien. Star Trek „The Next Generation“ gab den Föderationsstaffelstab an „Deep Space Nine“ weiter, und auf der anderen Seite der Studiolandschaft hat Joseph Michael Straczynski die Serie „Spacecenter Babylon 5“ buchstäblich aus dem nichts gestampft.
Die beiden Serien haben recht viele Parallelen: Beide spielen auf einer Raumstation, beide beschreiben Kriege gegen mysteriöse und übermächtige Gegner und weiteres mehr. Selbst viele der Einzelheiten findet man in beiden Serien.
Da Straczynski die Idee zu Babylon 5 wohl deutlich vor der geistigen Geburt von Deep Space Nine hatte, und seine Serie Paramount angeboten hatte, dem Studio also, dass alle Star Trek Serien produziert, gibt es im Internet kontrovers geführte Plagiatstheorien.
Darum soll es aber hier nicht gehen, sondern darum, welche insgesamt Serie die Nase vorn hat. Ich – als Jury – werde die beiden Serien in verschiedenen Einzelkategorien begründet bewerten, und das Endergebnis zeigt dann genau, welche Serie ich besser finde, und warum.

I. Die Raumstationen

In beiden Serien ist der stumme Hauptcharakter die Raumstation, auf der die Serie spielt. Erst sie sorgt für den geeigneten Rahmen, für all das Drama und die politischen Intrigen.
Babylon 5 ist eine lange, zylindrische Metallkonstruktion, die in ihrer Gesamtheit eher an das Hubbleteleskop erinnert, als an etwas aus der Science Fiction.


Babylon 5 by ~Davide-sd on deviantART

Deep Space Nine ist eine Raumstation, die von den Machern der Serie als „cardassianisch“ entworfen wurde. Deep Space Nine ähnelt im Aufbau zwei Kronen, die jemand aufeinander gelegt hat. Die Zacken dieser Kronen, an denen Raumschiffe andocken können, sind in einem quasi-gotischen Stil gehalten, genau wie auch der Rest der Station.


Star Trek: Deep Space Nine by ~shintetsuya on deviantART

Obwohl Babylon 5 konzeptuell und technisch die glaubwürdigere Station ist, sieht Deep Space Nine einfach schick aus. Das Cardassianische Design ist außerdem mal so etwas ganz anderes, als das, was man sonst so in Star-Trek oder anderen SF-Serien als Hauptschauplatz der Handlung aufgetischt bekommt.
Babylon 5 hingegen vermittelt ein Gefühl von echter Größe, gerade bei Innenaufnahmen. Während das Innere der Station bei Deep Space Nine wirkt wie das, was es ist, nämlich einige, wenig zahlreiche Sets, auf denen gedreht wird, glaubt man bei Babylon 5, dass es Bereiche der Station gibt,von denen nicht einmal der Captain einen Plan hat.

Bewertung also: Unentschieden. Deep Space Nine ist Eyecandy, Babylon 5 sieht nicht so beeindruckend aus, ist aber glaubwürdiger und vermittelt echte Größe. Beide Serien bekommen einen Punkt.

II. Die Schauspieler der Serien allgemein

In beiden Serien machen die Schauspieler einen tollen Job. In so mancher Serie sticht der eine oder andere Schauspieler mit mangelndem Talent hervor, wie eine nervende Feder aus einem kaputtgesessenen Sofa. Sowas ist in diesen beiden Serien aber durchweg nicht zu finden.
Bei Deep Space Nine tummeln sich geradezu die prominenten Gastdarsteller, während Babylon 5 seine besseren Schauspieler gerne mal in anderer Maske recykelt. So mancher Statist von Babylon 5 scheint direkt von der Strasse zu kommen.

Bewertung: Mit einer Träne im Auge, geht dieser Punkt an Deep Space Nine

III. Die Aliens

Deep Space Nine bietet in diesem Punkt das, was man typischerweise von Star Trek gewohnt ist: Leute in Latexmasken. Das ist im Star-Trek-Universum eben so und hat den Vorteil, dass die ganzen Gastdarsteller meist noch irgendwie zu erkennen sind.

Es ist aber auch stinklangweilig.
Die Bajoraner haben eine geriffelte Nase, die Ferengi haben Riesenglatzen und große Ohren und die Trill haben Punkte ums Gesicht.
Die einzige wiederkehrende Alienrasse, die hiervon abweicht, sind die „Wechselbälger“. Diese sind in ihrer natürlichen Form eine orangefarbene CGI-Suppe. Treten die Wechselbälger aber in Kontakt mit den anderen Rassen, sind es einfach nur Menschen in Latexmasken.


Outsiders – Odo by ~Palone-Omi on deviantART

Babylon 5 hat hier mehr zu bieten. Alleine die Vorlonen machen schon mehr her als alles, was man von Star Trek gewohnt ist. Die Vorlonen tragen zwar ständig ihre Druckanzüge, aber schon das ist eine willkommene Abwechslung zu Menschen in Latexmasken, die auch bei Babylon 5 sehr zahlreich vertreten sind.
In Babylon 5 gibt es noch andere Nicht-Latexmasken-Rassen, die hin und wieder mal auftauchen. Man findet hier alles von Puppenspiel über Animatronik bis zu den rein aus CGI bestehenden Schatten. Babylon 5 wirkt zuweilen wie die Cantina aus Star Wars.


Kosh by ~gustorak on deviantART

Bewertung: Dieser Punkt geht klar an Babylon 5. Alleine schon wegen Kosh. Kosh ist klasse.

IV. Die Raumschiffe

Star Trek benutzt seit „Raumschiff Enterprise – Die nächste Generation“ für die Darstellung von Raumschiffen durch CGI aufgemöbelte Modelle. So wird es auch bei Deep Space Nine gehandhabt.


First Contact by ~enterprisedavid on deviantART

In Babylon 5 kommen die Raumschiffe direkt aus dem Computer. Das sieht man leider.
Obwohl sich in Babylon 5 nach der im Piloten verwendeten „Wing-Commander-Grafik“ noch einiges zum besseren entwickelt hat, sind Modelle einfach nicht zu schlagen. Man sieht einfach, dass da was ist, während reine CGI-Raumschiffe immer irgendwie wie Fremdkörper wirken.
Zur Ehrenrettung  – insbesondere der irdischen Raumschiffe – sei gesagt, dass in B5 die Schiffe der Erde auch wieder sehr viel glaubwürdiger konzipiert sind, als die Warp-Schiffe der Föderation mit ihrer künstlichen Gravitation.

Bewertung: Ganz knapp geht der Punkt trotzdem an Depp Space Nine.

V. Raumschiffaction:

Kämpfen in Deep Space Nine Raumschiffe gegeneinander, handelt es sich zumeist um relativ wenige Schiffe, die einander gegenseitig bedrohen. Wie in Star Trek üblich, kann man Massenschlachten zwischen Raumschiffen hier zwar durchaus finden, allzu häufig sind sie jedoch nicht.
In Babylon 5 ist alle paar Folgen mal der Teufel los im All. Ob es die Jäger der Raumstation gegen die „Raiders“ sind, die Narn gegen die Centauri, die Schatten gegen alle anderen, oder die Erde gegen wen auch immer, hier bekommt man jede Menge Fratzengeballer für sein Geld.

Bewertung: Mit einigem Vorsprung geht dieser Punkt an Babylon 5.

VI. Genderkram und allgemeine politische Korrektheit

Beide Serien bestehen den Bechdeltest. Die Frauenquote bei den Führungsoffizieren auf Deep Space Nine ist den 50% nahe, in beiden Serien ist second-in-command der Raumstation eine Frau.
Babylon 5 scheint hier hinterherzuhinken, bis man die Botschafter der verschiedenen Völker und die Telepathin, die streng genommen nicht zur Kommandocrew gehört, in die Rechnung mit einbezieht.
Während es in Deep Space Nine die eine oder andere Story gibt, die sich mit feministischen Themen beschäftigt, scheint Feminismus in Babylon 5 überhaupt gar nicht mehr nötig – oder einfach gar kein sehr wichtiges Thema mehr – zu sein.
Frauen tauchen in allen Ämtern und Funktionen auf, und keiner kommentiert das irgendwie. Im Babylon 5 Universum ist dies ganz normal.
Beide Serien haben eine ausgesprochen frauenfeindliche und patriarchalische Spezies. Bei Deep Space Nine sind es die Ferengi, bei Babylon 5 die Centauri.
Die Hauptrollen beider Serien sind – soweit bekannt – fast ausschließlich heterosexuell. Bei Deep Space Nine scheint Dax „thrillbedingt“ bisexuell zu sein, bei Babylon 5 verliebt sich Lt. Susan Ivanova unglücklich in eine Frau.
In beiden Serien scheint die Hautfarbe ausschlaggebender dafür zu sein, wer sich in wen verliebt, als es die Unterschiede der Latexmasken sind. Mischpaarungen zwischen verschiedenen Spezies kommen in beiden Serien vor, Babylon 5 hat darüber hinaus auch noch Trans-spezies-konvertiten. (Nennt man die „Transspezielle“?)
Update: Dax von Deep Space Nine könnte man – mit etwas gutem Willen – als „transgender“ bezeichnen, obwohl die Bezeichnung ein wenig hinkt. Der Symbiont hat ja sein Geschlecht, sofern vorhanden, behalten, und lediglich den Wirt gewechselt. Weder Wirt noch Symbiont ändern also ihr Geschlecht. Oder seh‘ ich das falsch?

Bewertung: Hier geht der Punkt knapp an Babylon 5, alleine schon, weil Deep Space Nine oft sehr verkrampft wirkt, wenn solche Stories aufs Tablett kommen. Babylon 5 beschäftigt sich natürlicher mit alledem.

VII. Die Crew

Hier scheiden sich dann endgültig die Geister und eine objektive Beurteilung ist ganz und gar unmöglich. Welche der beiden Crews man besser findet, ist einfach Geschmacksache. Ich werde trotzdem versuchen meine Entscheidung zu begründen.
Ich ziehe die Crew von Babylon 5 vor. Bei Babylon 5 gibt es eine stetige Charakterentwicklung bei so gut wie allen Hauptpersonen. Bei Deep Space Nine entwickeln sich viele Charaktere gar nicht, und wenn das vereinzelt doch passiert, wirkt es auch mich forciert und unnatürlich.
Bei Babylon 5 sind die Charaktere auch in sich glaubwürdiger. Bei Star Trek kann man Charakterfehler oft mit der Lupe suchen, alle Babylon-Fünfler tragen ein realistisch-geschüttelt Maß davon herum. Sinclair ist der Mann mit dem Loch in seinerm Gedächtnis, Garibaldi Alkoholiker, Ivanova kommt mit ihrem Vater nicht zurecht und hasst Telepathen, weil sie selbst einer ist… Die Liste könnte man fortsetzen, während die Deep Space Nine Besatzung immer das beste will und meist auch tut.
Außerdem widmet Deep Space Nine der Charakterentwicklung und -beleuchtung ganze Folgen, in denen sonst kaum etwas passiert, während Babylon 5 das so nebenbei macht.

Bewertung: Hier geht der Punkt klar an Babylon 5

VIII. Zu guter letzt: Story is King

Beide Handlungsfäden sind episch. Beide Handlungsfäden führen dazu, dass sich im Laufe der Handlung viel ändert, auf der Erde und in der Galaxie. Beide Handlungen ziehen sich durch mehrere Staffeln und beide Handlungen kommen zu ihrem befriedigenden Ende.
Gerade auf letzteren Punkt kann man nicht zu oft hinweisen. Oft genug finden Serien mit vielversprechendem Anfang ein jähes Ende, noch bevor alle Plotfäden ganz aufgelöst wurden.
Wo wir gerade bei Plotfäden sind:
Sieht man die erste Staffel von Babylon 5 ohne den Rest zu kennen, denkt man sich, dass hier unheimlich viel angedeutet wird. Man vermutet, dass kaum etwas davon aufgelöst wird, wie man es von anderen Serien, gerne auch von Star Trek, gewohnt ist.
Spätestens am Ende der vierten Staffel muss man jedoch erkennen, dass so gut wie jeder brennende Handlungsfaden zu einem befriedigenden Ende geführt wurde. Die noch offenen Handlungsfäden deuten zwar an, dass nach dem Ende der Serie nicht Friede-Freude-Eierkuchen herrscht, aber man kann mit denen sehr gut leben, die aufgelöst wurden.
Babylon 5 neigt dazu, in jeder Staffel mindestens einen Handlungsfaden aufzulösen. Meist kommt die Auflösung gerade dann, wenn man sich fragt, ob die Auflösung jemals kommt. Das ist ein Kunststück, dass ich bei Fernsehserien generell nur selten erlebt habe.
Bei Deep Space Nine wird einiges erhellt und einiges bleibt im Dunkeln. Es gibt hier aber so gut wie keine „Zwischenauflösung“ von Plotpunkten. Deep Space Nine dümpelt manchmal über ganze Staffeln so vor sich hin, bis es am Ende dann geradezu hektische Aktivität mit der Plotauflösung entfaltet.
Während bei Babylon 5 Zeitreisen ein Kernstück der Handlung sind, werden selbige bei Deep Space Nine ausschließlich als Plot-Gimmick benutzt. Das Erstaunliche hierbei ist, dass Babylon 5 es schafft, selbst eine ganz anständige Zeitreiselogik hinzulegen. Vergleichbares sucht man in allen Serien und Filmen des Star-Trek-Franchise vergebens.

Bewertung: Klarer Fall. Schatten sind cool. Dominion ist meh. Dieser Punkt geht an Babylon 5.

Der Sieger insgesamt ist also aus meiner Sicht Babylon 5. Aber das ist nur meine Meinung.

Written by Heiko C. in: Kurzrezensionen,Serien | Schlagwörter: ,

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