Impactsuspect » Maskulistische Science Fiction
Mai
15
2010

Maskulistische Science Fiction

Ich meine es gibt ja feministische Science Fiction. Pamela Sargents „Das Ufer der Frauen“ zum Beispiel. Ein wirklich schlimmes Buch, in dem die Frauen in hochtechnisierten Städten wohnen, und über die Fortpflanzung hinaus kaum Kontakt zu den Männern haben, die als Banden von Wilden die Wildnis durchstreifen müssen, weil sie ja nun wirklich an allem schuld sind: Krieg, Hunger, Tod, schlechtes Fernsehprogramm, usw…

In diesem Buch gibt es spezielle Tempel in der Wildnis, in denen den Männern unter Vorspiegelung illusorischer Geschlechtsakte der Samen entnommen wird, wenn ich mich recht erinnere. Ich fand das Buch enorm unplausibel und schmerzhaft zu lesen, hab es aber tatsächlich bis zum Ende geschafft.

Dann sei noch, als anderes Extrem, Ursula K. LeGuin zu nennen, die jede Menge klasse Science-Fictionromane geschrieben hat. Als Beispiel für feministische Science Fiction fällt da besonders „Winterplanet“ ins Auge. In diesem Buch reist ein menschlicher Raumfahrer auf einen kalten Planeten, auf dem die fast ebenso menschlichen Einwohner monatlich spontan doch ungesteuert das Geschlecht zu ändern in der Lage sind. Einer der Einheimischen verliebt sich in den irdischen Sternenfahrer, und wird im Laufe des Buches zur Frau. Das Buch kann ich weiterempfehlen, da es einige sehr interessante Fragen aufwirft, und zu beantworten versucht.

Zwischen diesen beiden Extremen finden sich viele andere Science-Fictionromane, die versuchen feministische Fragen zu Ende zu denken oder einfach nur ganz andere Familienmodelle zu präsentieren.
In Mary Gentles Roman „Goldenes Hexenvolk“ zum Beispiel, wird eine Alienrasse beschrieben, deren Kinder geschlechtslos sind, bis sie in die Pubertät eintreten. Auch hier wird man mit ganz anderen Familienmodellen konfrontiert. Dieses Buch – und dessen Fortsetzungen – sind zwar nicht ganz die Butter für die Augen, welche die Schreibe von Ursula K. LeGuin ist, aber trotzdem nett zu lesen. Auch hier also eine glatte Leseempfehlung.

Der urtypischte Vertreter der feministischen Science Fiction wird aber für mich immer eine Kurzgeschichte bleiben, die ich mal in irgendeinem Jubiläumsband von irgendwas gelesen habe. Diesen Band habe ich leider nie wiedergefunden, daher weiß ich nicht von wem die Geschichte ist, oder wie sie heißt, ich werde sie aber knapp zusammenfassen, soweit ich mich noch erinnere:

In einer menschlichen Kolonie auf einem Planeten sind alle Männer irgendwann einmal durch eine große Katastrophe gestorben. Seitdem pflanzen sich die Frauen im Labor fort, und die Kolonie ist rein weiblich. Seit Jahrhunderten hat man hier keinen Mann mehr gesehen, bis irgendwann ein Raumschiff von der Erde auftaucht, mit einem männlichen Raumfahrer. Dieser ist geschickt worden, um mal nach dem rechten zu sehen; ob es die Kolonie überhaupt noch gibt, und so.
Die einheimischen Frauen auf diesem Planeten finden ihn sehr befremdlich. Wie es weitergeht, weiß ich aber leider nicht mehr.
Diese Geschichte ist meine erste bewusste Begegnung mit feministischer SF, und ich finde die geschilderte rein weibliche Gesellschaft auch sehr prägnant, was den Feminismus angeht.
(Wer weiß, um welche Geschichte es sich handelt, und wo ich sie finden kann, mag dies gerne in die Kommentare schreiben.)

Was ist nun aber mit den Maskulisten? Sicher, es gibt Science Fiction, die in einem extremen Patriarchat spielt, oder auf Welten, die wahrgewordene Männerträume zu sein scheinen, aber eine rein männliche Gesellschaft, von einem männlichen Autor? Ein romangewordenes Wir-brauchen-keine-Frauen-nicht? Fehlanzeige!
Warum gibt es sowas nicht? Oder habe ich die entsprechenden literarischen Ergüsse nur bisher übersehen? Ich würd‘ sowas gerne mal lesen!

Man stelle sich die namenlose Kurzgeschichte mal andersherum vor:
Irgendeine Katastrophe tötet alle Frauen auf einem Kolonieplaneten, und die Männer pflanzen sich fortan nur noch im Labor fort. Die Gesellschaft wäre rein männlich. Wie würde das aussehen?
Da es sich um die Geschichte eines Maskulisten handeln würde, dürfte es hier auch keine Schwulen geben, weil Schwule schon zu „genderig“ wären. Was machen die Männer dann überhaupt? Wird der Sexualtrieb aberzogen, und man kümmert sich nur noch um Fußball? Werden findige Genetiker gar „Bierbäume“ züchten? Gibt es auf diesem Planeten nur Allrad-Sportwagen? Jetzt im Ernst mal: Ich hab mich durch „Das Ufer der Frauen“ gequält, also würde ich auch so eine abstruse Geschichte gerne lesen.

Und was würde passieren, wenn auf dieser durch und durch männlichen Welt plötzlich ein Raumschiff von der Erde landen würde und heraus käme: Eine Frau!!1elf
Was ist da los? Wird sie auf der Stelle aus altem Urinstinkt in die Küche geschickt? Schwingt sie sich zur bösen Matriarchin auf? Ich sehe da ungeahnte storytechnische Möglichkeiten!

Los, Maskulisten! Schreibt mir so ein Buch! Ich lese es dann auch! Ich lese ja schließlich jeden Schwachsinn, wenn Raumschiffe drin sind!
Oder sind Maskulisten etwa nicht so kreativ wie Feministinnen? Lachhaft!
Haltet euch ran, oder ich schreibe es selbst. „Fussbiertopia“ ist doch ein toller Titel, oder?

Written by Heiko C. in: Bücher,Gesellschaftliches,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,

11 Comments »

  • Leider weiß ich auch nicht, was das für eine Kurzgeschichte ist. Die Story scheint mir aber eine Art Remake von Charlotte Perkin Gilmans „Herland“ zu sein, oder?

    Comment | 15. Mai 2010
  • Heiko C.

    Kann sein, das kenn ich gar nicht. Muss ich mir bei Gelegenheit mal durchlesen. Vielleicht war es in diesem komischen Jubiläumsband gar keine Kurzgeschichte, sondern nur der Teaser zu „Herland“? Möglich ist alles, ist schließlich lange her.
    Danke für den Hinweis jedenfalls schonmal. 🙂

    Comment | 15. Mai 2010
  • Heiko C.

    Hm. Nachdem ich mir die Rezension zu Herland durchgelesen habe, scheint es sich bei der Geschichte, die ich meine, tatsächlich eher um ein Remake zu handeln… Kommt trotzdem auf die Leseliste.

    Comment | 15. Mai 2010
  • Irgendwie kommt mir die Geschichte auch rescht bekannt vor. Sowas in der Art gabs auch schon als schlechten Film aus den 60ern oder 70ern… NDR3 Sci-Fi Nächte lassen grüßen…

    Comment | 16. Mai 2010
  • Björn

    ja gibts da nicht so einen film…. mit ner deutschen schauspielerin, vlt sogar deutscher film *nachdenk*

    hier
    http://www.amazon.de/Sumuru-Alexandra-Kamp/dp/B0001IOZL6

    Sumuru – Schiffbruch auf dem Planet der Frauen….

    Comment | 16. Mai 2010
  • Björn

    Kann ich übrigens nen anderen Avatar haben? Die Dickbacke gefällt mir nicht, und ne Brille trag ich nicht.

    Comment | 16. Mai 2010
  • Heiko C.

    Sumuru kenn‘ ich schon. Der war nun vom künstlerischen Standpunkt noch viel schlechter als „Das Ufer der Frauen“. Ob Sumuru sich nun unbedingt als feministische Science Fiction klassifizieren lässt, finde ich fraglich.

    Mit dem Avatar: Die werden zufällig ausgewählt. Kann ich nicht ändern, leider. Aber du kannst dich mit der Email, mit der du hier kommentierst bei Gravatar anmelden, dann kannst du dir dein Bild sogar aussuchen, oder ein eigenes hochladen. Bei vielen Blogs – so auch bei diesem – ist der Gravatar-Avatar vorrangig. Hier würde die bebrillte Dickbacke nachträglich in allen deinen Kommentaren ersetzt werden. 😉

    Comment | 16. Mai 2010
  • In der HR-LateLounge lief mal die Serie „Planet der Frauen“; die war allerdings alles andere als feministisch, sondern läßt sich am besten so zusammenfassen, wie der HR es getan hat: „Wirre Handlung – Billige Tricks – Hautenge Fummel“. 🙂 Trash vom Feinsten!

    Ein interessantes Beispiel für – offenbar unbewßte, was die Sache aber nicht besser macht – maskulistische SF bietet übrigens ausgerechnet der große Stanislaw Lem. Frauen existieren in den meisten Geschichten überhaut nicht, und wenn, dann nur am Rande. Bin ich eigentlich die einzige, der das aufgefallen ist?

    Comment | 17. Mai 2010
  • Heiko C.

    Hm. Ist mir bei Lem wirklich nie aufgefallen. Aber ich hab‘ auch nicht wirklich viel gelesen von ihm. Und ich weiß nicht ob das ignorante „Drumrumschreiben“ sich schon als maskulistisch qualifiziert. Man soll ja schreiben über was man kennt, und vielleicht kannte er nur einfach wenig Frauen. :-/

    Mit „maskulistische Science Fiction“ meine ich ja SF die sich bewusst mit geschlechterpolitischen Themen auseinandersetzt. Bisher kam es mir nihct so vor, als hätte Lem das gemacht, auch wenn er den Bechdel-Test oft nicht besteht.

    Comment | 17. Mai 2010
  • Au ja, schreib den Roman, den will ich auch lesen.

    Es gibt übrigens wirkich etwas vergleichbares. Ohne Raumschiff allerdings. Und ein schwuler Charakter kommt auch darin vor.
    Das muss einer der ersten Filme mit Senta Berger gewesen sein und er ist so schlecht dass sie nur ungern darauf angesprochen werden möchte.
    Auf einer Insel in der Steinzeit leben nur Männer. Die wurden glaube ich als Kinder dort ausgesetzt und haben nie eine Frau zu Gesicht bekommen.
    Irgendwann taucht dann eine Frau in Gestalt besagter Senta Berger auf und der Rest der Handlung ist kaum erwähnenswert. Der Titel des Films war glaube ich „Als die Frauen noch Schwänze hatten“.
    Und ich habe den nicht freiwillig angeschaut, ganz ehrlich, war vor über 20 Jahren, da lief der zufällig bei einem Kumpel. Echt jetzt!

    Comment | 17. Mai 2010
  • Heiko C.

    Von dem Film hab ich gehört. Spielte da nicht Jürgen Drews mit? Ich hab’s bisher aber immer bewusst vermieden mir den anzusehen. ^^ War nicht so schwer zu vermeiden. Es bis jetzt zu vermeiden „Titanic“ zu sehen, war viel anstrengender.;O)

    Comment | 17. Mai 2010

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

11 Comments »

  • Leider weiß ich auch nicht, was das für eine Kurzgeschichte ist. Die Story scheint mir aber eine Art Remake von Charlotte Perkin Gilmans „Herland“ zu sein, oder?

    Comment | 15. Mai 2010
  • Heiko C.

    Kann sein, das kenn ich gar nicht. Muss ich mir bei Gelegenheit mal durchlesen. Vielleicht war es in diesem komischen Jubiläumsband gar keine Kurzgeschichte, sondern nur der Teaser zu „Herland“? Möglich ist alles, ist schließlich lange her.
    Danke für den Hinweis jedenfalls schonmal. 🙂

    Comment | 15. Mai 2010
  • Heiko C.

    Hm. Nachdem ich mir die Rezension zu Herland durchgelesen habe, scheint es sich bei der Geschichte, die ich meine, tatsächlich eher um ein Remake zu handeln… Kommt trotzdem auf die Leseliste.

    Comment | 15. Mai 2010
  • Irgendwie kommt mir die Geschichte auch rescht bekannt vor. Sowas in der Art gabs auch schon als schlechten Film aus den 60ern oder 70ern… NDR3 Sci-Fi Nächte lassen grüßen…

    Comment | 16. Mai 2010
  • Björn

    ja gibts da nicht so einen film…. mit ner deutschen schauspielerin, vlt sogar deutscher film *nachdenk*

    hier
    http://www.amazon.de/Sumuru-Alexandra-Kamp/dp/B0001IOZL6

    Sumuru – Schiffbruch auf dem Planet der Frauen….

    Comment | 16. Mai 2010
  • Björn

    Kann ich übrigens nen anderen Avatar haben? Die Dickbacke gefällt mir nicht, und ne Brille trag ich nicht.

    Comment | 16. Mai 2010
  • Heiko C.

    Sumuru kenn‘ ich schon. Der war nun vom künstlerischen Standpunkt noch viel schlechter als „Das Ufer der Frauen“. Ob Sumuru sich nun unbedingt als feministische Science Fiction klassifizieren lässt, finde ich fraglich.

    Mit dem Avatar: Die werden zufällig ausgewählt. Kann ich nicht ändern, leider. Aber du kannst dich mit der Email, mit der du hier kommentierst bei Gravatar anmelden, dann kannst du dir dein Bild sogar aussuchen, oder ein eigenes hochladen. Bei vielen Blogs – so auch bei diesem – ist der Gravatar-Avatar vorrangig. Hier würde die bebrillte Dickbacke nachträglich in allen deinen Kommentaren ersetzt werden. 😉

    Comment | 16. Mai 2010
  • In der HR-LateLounge lief mal die Serie „Planet der Frauen“; die war allerdings alles andere als feministisch, sondern läßt sich am besten so zusammenfassen, wie der HR es getan hat: „Wirre Handlung – Billige Tricks – Hautenge Fummel“. 🙂 Trash vom Feinsten!

    Ein interessantes Beispiel für – offenbar unbewßte, was die Sache aber nicht besser macht – maskulistische SF bietet übrigens ausgerechnet der große Stanislaw Lem. Frauen existieren in den meisten Geschichten überhaut nicht, und wenn, dann nur am Rande. Bin ich eigentlich die einzige, der das aufgefallen ist?

    Comment | 17. Mai 2010
  • Heiko C.

    Hm. Ist mir bei Lem wirklich nie aufgefallen. Aber ich hab‘ auch nicht wirklich viel gelesen von ihm. Und ich weiß nicht ob das ignorante „Drumrumschreiben“ sich schon als maskulistisch qualifiziert. Man soll ja schreiben über was man kennt, und vielleicht kannte er nur einfach wenig Frauen. :-/

    Mit „maskulistische Science Fiction“ meine ich ja SF die sich bewusst mit geschlechterpolitischen Themen auseinandersetzt. Bisher kam es mir nihct so vor, als hätte Lem das gemacht, auch wenn er den Bechdel-Test oft nicht besteht.

    Comment | 17. Mai 2010
  • Au ja, schreib den Roman, den will ich auch lesen.

    Es gibt übrigens wirkich etwas vergleichbares. Ohne Raumschiff allerdings. Und ein schwuler Charakter kommt auch darin vor.
    Das muss einer der ersten Filme mit Senta Berger gewesen sein und er ist so schlecht dass sie nur ungern darauf angesprochen werden möchte.
    Auf einer Insel in der Steinzeit leben nur Männer. Die wurden glaube ich als Kinder dort ausgesetzt und haben nie eine Frau zu Gesicht bekommen.
    Irgendwann taucht dann eine Frau in Gestalt besagter Senta Berger auf und der Rest der Handlung ist kaum erwähnenswert. Der Titel des Films war glaube ich „Als die Frauen noch Schwänze hatten“.
    Und ich habe den nicht freiwillig angeschaut, ganz ehrlich, war vor über 20 Jahren, da lief der zufällig bei einem Kumpel. Echt jetzt!

    Comment | 17. Mai 2010
  • Heiko C.

    Von dem Film hab ich gehört. Spielte da nicht Jürgen Drews mit? Ich hab’s bisher aber immer bewusst vermieden mir den anzusehen. ^^ War nicht so schwer zu vermeiden. Es bis jetzt zu vermeiden „Titanic“ zu sehen, war viel anstrengender.;O)

    Comment | 17. Mai 2010

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Mai
15
2010

Maskulistische Science Fiction

Ich meine es gibt ja feministische Science Fiction. Pamela Sargents „Das Ufer der Frauen“ zum Beispiel. Ein wirklich schlimmes Buch, in dem die Frauen in hochtechnisierten Städten wohnen, und über die Fortpflanzung hinaus kaum Kontakt zu den Männern haben, die als Banden von Wilden die Wildnis durchstreifen müssen, weil sie ja nun wirklich an allem schuld sind: Krieg, Hunger, Tod, schlechtes Fernsehprogramm, usw…

In diesem Buch gibt es spezielle Tempel in der Wildnis, in denen den Männern unter Vorspiegelung illusorischer Geschlechtsakte der Samen entnommen wird, wenn ich mich recht erinnere. Ich fand das Buch enorm unplausibel und schmerzhaft zu lesen, hab es aber tatsächlich bis zum Ende geschafft.

Dann sei noch, als anderes Extrem, Ursula K. LeGuin zu nennen, die jede Menge klasse Science-Fictionromane geschrieben hat. Als Beispiel für feministische Science Fiction fällt da besonders „Winterplanet“ ins Auge. In diesem Buch reist ein menschlicher Raumfahrer auf einen kalten Planeten, auf dem die fast ebenso menschlichen Einwohner monatlich spontan doch ungesteuert das Geschlecht zu ändern in der Lage sind. Einer der Einheimischen verliebt sich in den irdischen Sternenfahrer, und wird im Laufe des Buches zur Frau. Das Buch kann ich weiterempfehlen, da es einige sehr interessante Fragen aufwirft, und zu beantworten versucht.

Zwischen diesen beiden Extremen finden sich viele andere Science-Fictionromane, die versuchen feministische Fragen zu Ende zu denken oder einfach nur ganz andere Familienmodelle zu präsentieren.
In Mary Gentles Roman „Goldenes Hexenvolk“ zum Beispiel, wird eine Alienrasse beschrieben, deren Kinder geschlechtslos sind, bis sie in die Pubertät eintreten. Auch hier wird man mit ganz anderen Familienmodellen konfrontiert. Dieses Buch – und dessen Fortsetzungen – sind zwar nicht ganz die Butter für die Augen, welche die Schreibe von Ursula K. LeGuin ist, aber trotzdem nett zu lesen. Auch hier also eine glatte Leseempfehlung.

Der urtypischte Vertreter der feministischen Science Fiction wird aber für mich immer eine Kurzgeschichte bleiben, die ich mal in irgendeinem Jubiläumsband von irgendwas gelesen habe. Diesen Band habe ich leider nie wiedergefunden, daher weiß ich nicht von wem die Geschichte ist, oder wie sie heißt, ich werde sie aber knapp zusammenfassen, soweit ich mich noch erinnere:

In einer menschlichen Kolonie auf einem Planeten sind alle Männer irgendwann einmal durch eine große Katastrophe gestorben. Seitdem pflanzen sich die Frauen im Labor fort, und die Kolonie ist rein weiblich. Seit Jahrhunderten hat man hier keinen Mann mehr gesehen, bis irgendwann ein Raumschiff von der Erde auftaucht, mit einem männlichen Raumfahrer. Dieser ist geschickt worden, um mal nach dem rechten zu sehen; ob es die Kolonie überhaupt noch gibt, und so.
Die einheimischen Frauen auf diesem Planeten finden ihn sehr befremdlich. Wie es weitergeht, weiß ich aber leider nicht mehr.
Diese Geschichte ist meine erste bewusste Begegnung mit feministischer SF, und ich finde die geschilderte rein weibliche Gesellschaft auch sehr prägnant, was den Feminismus angeht.
(Wer weiß, um welche Geschichte es sich handelt, und wo ich sie finden kann, mag dies gerne in die Kommentare schreiben.)

Was ist nun aber mit den Maskulisten? Sicher, es gibt Science Fiction, die in einem extremen Patriarchat spielt, oder auf Welten, die wahrgewordene Männerträume zu sein scheinen, aber eine rein männliche Gesellschaft, von einem männlichen Autor? Ein romangewordenes Wir-brauchen-keine-Frauen-nicht? Fehlanzeige!
Warum gibt es sowas nicht? Oder habe ich die entsprechenden literarischen Ergüsse nur bisher übersehen? Ich würd‘ sowas gerne mal lesen!

Man stelle sich die namenlose Kurzgeschichte mal andersherum vor:
Irgendeine Katastrophe tötet alle Frauen auf einem Kolonieplaneten, und die Männer pflanzen sich fortan nur noch im Labor fort. Die Gesellschaft wäre rein männlich. Wie würde das aussehen?
Da es sich um die Geschichte eines Maskulisten handeln würde, dürfte es hier auch keine Schwulen geben, weil Schwule schon zu „genderig“ wären. Was machen die Männer dann überhaupt? Wird der Sexualtrieb aberzogen, und man kümmert sich nur noch um Fußball? Werden findige Genetiker gar „Bierbäume“ züchten? Gibt es auf diesem Planeten nur Allrad-Sportwagen? Jetzt im Ernst mal: Ich hab mich durch „Das Ufer der Frauen“ gequält, also würde ich auch so eine abstruse Geschichte gerne lesen.

Und was würde passieren, wenn auf dieser durch und durch männlichen Welt plötzlich ein Raumschiff von der Erde landen würde und heraus käme: Eine Frau!!1elf
Was ist da los? Wird sie auf der Stelle aus altem Urinstinkt in die Küche geschickt? Schwingt sie sich zur bösen Matriarchin auf? Ich sehe da ungeahnte storytechnische Möglichkeiten!

Los, Maskulisten! Schreibt mir so ein Buch! Ich lese es dann auch! Ich lese ja schließlich jeden Schwachsinn, wenn Raumschiffe drin sind!
Oder sind Maskulisten etwa nicht so kreativ wie Feministinnen? Lachhaft!
Haltet euch ran, oder ich schreibe es selbst. „Fussbiertopia“ ist doch ein toller Titel, oder?

Written by Heiko C. in: Bücher,Gesellschaftliches,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , , ,

11 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

11 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment