Impactsuspect » Kleine Linksammlung zu älteren Herren, die sich über’s Internet äußern
Mai
06
2010

Kleine Linksammlung zu älteren Herren, die sich über’s Internet äußern

Vorweg gesagt: Diese eine unerträgliche Phrase kommt hier nicht vor. Aber man kann sich ja auch ohne den „rechtsfreien Raum Internet“ auf Wefingniveau begeben.

Sprachpapst Wolf Schneider (85) findet, dass die meisten Blogs Geschwätz sind. (Tagesspiegel) Immerhin einem Viertel aller Blogeinträge gesteht er zu, dass es sich dabei nicht um trauriges Geschwätz handelt und auf Twitter hat er sogar einen Tweet gefunden, der sich wie ein Aphorismus liest.
Das Internet druckt ihm seine Frau regelmäßig, sogar täglich, aus.
Twitter hält er im übrigen für ein unglaublich interessantes Medium, dass Chancen bietet.
Obwohl er der älteste der hier velinkten Herren ist, ist seine Meinung eigentlich recht vertretbar: Sicher sind Blogs auch gerne mal Geschwätz. Darum geht es doch gerade beim Bloggen. Ich zum Beispiel will hier gar keinen Journalismus machen. Ich will meine Meinung zu bestimmten Themen aufschreiben und wen es interessiert, der soll es lesen.

Bei Innovativ-in.de hat Wolfgang Grupp (68) der Chef von Trigema, seine Meinung über das Internet zum besten gegeben. Seine Meinung: Twitter ist blöd, Onlineshops machen die Geschäfte kaputt, weil Leute die Preise vergleichen und alles in allem wäre es besser, wenn es das Internet nicht gäbe, denn früher haben die Leute Bücher gelesen und sich unterhalten.

Richtig schräg wird es aber, wenn Kulturwissenschaftler über das Internet reden:
Bazon Brock (73) hält das Internet für etwas schlimmes, weil alle nur noch schreiben und keiner das lesen will. (FAZ) Außerdem kann man im Netz niemandem vertrauen, wenn man ihn nicht auch privat kennt. Früher hat er das Netz mit dem Gulag verglichen, heute vergleicht er es lieber mit den Konzentrationslagern faschistischer Diktaturen. Darüber hinaus findet er es doof, dass der Papst den Limbus abgeschafft hat, weil der in irgendeiner Weise, die ich selbst nicht recht verstehe, wichtig für seine Arbeit war. Das Internet könnte die Stelle des Limbus einnehmen, aber nur, wenn man „auffährt wie Christus“, was auch immer das bedeuten mag.

Das sind nun drei verschiedene Interviews mit drei sehr verschiedenen Aussagen zum Internet, die von vage optimistischer Kritik über das plumpe Nichtmögen zu Nazivergleichen reichen. Eines haben die drei Texte aber gemeinsam: Sie geben uns einen wichtigen Einblick in das Leben der Menschen, die das Internet nicht nutzen, wie wir es tun bzw. gar nicht nutzen.
Herr Schneider zeigt uns, dass es auch Menschen seiner Generation gibt, die verstehen warum Menschen online sind. Herr Grupp hingegen zeigt uns die typische Abneigung gegen Dinge, die anders sind als früher. Was Herr Brock uns zeigt, dass weiß ich gar nicht so genau.
Vielleicht zeigt er uns einfach nur, dass es Menschen gibt, die so eine seltsame Erfahrungswelt haben, dass man einen Atlas brauchen würde, um sie zu verstehen. Vielleicht sagt er ja das gleiche wie Herr Grupp, bloss kryptischer, ich hab keine Ahnung.

Nachtrag:
Scheinbar hatte die FAZ die Aussagen des Herrn Brock schon ein wenig gestreamlined, damit sie nicht ganz so abstrus klingen. Ursprünglich waren wohl auch Hitler und Stalin selbst Teil des Nazivergleichs: http://sixtus.cc/wenn-hitler-plotzlich-verschwindet

Noch’n Nachtrag:
Der Herr Grupp von Trigema hat dann doch noch einmal erklärt, was er eigentlich gemeint hat, daß er niemanden beleidigen wollte und er hat angemerkt, dass das Interview stark gekürzt war: Offener Brief an die Social Media Gemeinde (Vorsicht! Link führt zu Facebook!)

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches | Schlagwörter: , ,

6 Comments »

  • Maschinist

    Mein „Tweed“ von vor Kurzem: Kluge, alte Männer warnen vor den Gefahren des #Internet. Wie schon die Ur-Großväter vor der #Eisenbahn (zu schnell, zu neu). #FAZ #CDU #BKA

    Herr Grupp darf das. 1.: Er hat einen Darf-Schein. 2.: Es ist nicht seine Welt. 3.: Er übergibt seinen Laden demnächst an seine Kinder, die sehen das bestimmt anders. 4.: Seine Oldie-Mentalität hat den Laden (als einzigen!) überleben lassen.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Heiko C.

    Ja, soll er doch. ^^ Trotzdem ist auch sein Interview ein schöner Einblick in die Gedankenwelt von Internetausdruckern.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Sehr fein.
    Brock ist der typische Vertreter derer, die das Internet zwar zur Hölle erklären, sich darin aber besonders gerne tummeln (und nicht nur in den Außenbereichen). Heuchler.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Heiko C.

    Ich kannte den vorher gar nicht. Nachdem ich nun das eine Interview mit ihm gelesen habe, kenne ich ihn immer noch nicht, weil ich keine Ahnung habe, was dieses ganze Vorhölle- und KZ-Gerede überhaupt bedeuten soll. :-/

    Comment | 6. Mai 2010
  • Im Fall Grupp stimme ich mit Maschinist überein. Der Mann ist ein „Cleverle“, ein schlauer Schwabe, extrem konservativ in allem, da war nichts anderes zu erwarten. Den Mann bewerte ich eher nach seinem Erfolg als nach seiner Meinung zu modernen Medien. Wäre er nicht zu dem Thema befragt worden, hätte er vermutlich nichts dazu gesagt. Aber als ziemlich ehrlicher und direkter Mensch sagt er eben auch das was er darüber denkt.

    Trotzdem bin ich gespannt, wie er reagiert, wenn man ihm erzählt, dass seine Firma bei Twitter vertreten ist 😉

    Den Rest der alten Männer halte ich dagegen einfach nur für Wichtigtuer, die meinen, anderen Leuten die Welt erklären zu müssen. Eine relevante Meinung sehe ich darin aber nicht.

    Comment | 6. Mai 2010
  • […] C. Günther Kleine Linksammlung zu älteren Herren, die sich über’s Internet äußern Über Beinahe-Altersgenossen und ihre […]

    Pingback | 7. Mai 2010

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  • Maschinist

    Mein „Tweed“ von vor Kurzem: Kluge, alte Männer warnen vor den Gefahren des #Internet. Wie schon die Ur-Großväter vor der #Eisenbahn (zu schnell, zu neu). #FAZ #CDU #BKA

    Herr Grupp darf das. 1.: Er hat einen Darf-Schein. 2.: Es ist nicht seine Welt. 3.: Er übergibt seinen Laden demnächst an seine Kinder, die sehen das bestimmt anders. 4.: Seine Oldie-Mentalität hat den Laden (als einzigen!) überleben lassen.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Heiko C.

    Ja, soll er doch. ^^ Trotzdem ist auch sein Interview ein schöner Einblick in die Gedankenwelt von Internetausdruckern.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Sehr fein.
    Brock ist der typische Vertreter derer, die das Internet zwar zur Hölle erklären, sich darin aber besonders gerne tummeln (und nicht nur in den Außenbereichen). Heuchler.

    Comment | 6. Mai 2010
  • Heiko C.

    Ich kannte den vorher gar nicht. Nachdem ich nun das eine Interview mit ihm gelesen habe, kenne ich ihn immer noch nicht, weil ich keine Ahnung habe, was dieses ganze Vorhölle- und KZ-Gerede überhaupt bedeuten soll. :-/

    Comment | 6. Mai 2010
  • Im Fall Grupp stimme ich mit Maschinist überein. Der Mann ist ein „Cleverle“, ein schlauer Schwabe, extrem konservativ in allem, da war nichts anderes zu erwarten. Den Mann bewerte ich eher nach seinem Erfolg als nach seiner Meinung zu modernen Medien. Wäre er nicht zu dem Thema befragt worden, hätte er vermutlich nichts dazu gesagt. Aber als ziemlich ehrlicher und direkter Mensch sagt er eben auch das was er darüber denkt.

    Trotzdem bin ich gespannt, wie er reagiert, wenn man ihm erzählt, dass seine Firma bei Twitter vertreten ist 😉

    Den Rest der alten Männer halte ich dagegen einfach nur für Wichtigtuer, die meinen, anderen Leuten die Welt erklären zu müssen. Eine relevante Meinung sehe ich darin aber nicht.

    Comment | 6. Mai 2010
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Vorweg gesagt: Diese eine unerträgliche Phrase kommt hier nicht vor. Aber man kann sich ja auch ohne den „rechtsfreien Raum Internet“ auf Wefingniveau begeben.

Sprachpapst Wolf Schneider (85) findet, dass die meisten Blogs Geschwätz sind. (Tagesspiegel) Immerhin einem Viertel aller Blogeinträge gesteht er zu, dass es sich dabei nicht um trauriges Geschwätz handelt und auf Twitter hat er sogar einen Tweet gefunden, der sich wie ein Aphorismus liest.
Das Internet druckt ihm seine Frau regelmäßig, sogar täglich, aus.
Twitter hält er im übrigen für ein unglaublich interessantes Medium, dass Chancen bietet.
Obwohl er der älteste der hier velinkten Herren ist, ist seine Meinung eigentlich recht vertretbar: Sicher sind Blogs auch gerne mal Geschwätz. Darum geht es doch gerade beim Bloggen. Ich zum Beispiel will hier gar keinen Journalismus machen. Ich will meine Meinung zu bestimmten Themen aufschreiben und wen es interessiert, der soll es lesen.

Bei Innovativ-in.de hat Wolfgang Grupp (68) der Chef von Trigema, seine Meinung über das Internet zum besten gegeben. Seine Meinung: Twitter ist blöd, Onlineshops machen die Geschäfte kaputt, weil Leute die Preise vergleichen und alles in allem wäre es besser, wenn es das Internet nicht gäbe, denn früher haben die Leute Bücher gelesen und sich unterhalten.

Richtig schräg wird es aber, wenn Kulturwissenschaftler über das Internet reden:
Bazon Brock (73) hält das Internet für etwas schlimmes, weil alle nur noch schreiben und keiner das lesen will. (FAZ) Außerdem kann man im Netz niemandem vertrauen, wenn man ihn nicht auch privat kennt. Früher hat er das Netz mit dem Gulag verglichen, heute vergleicht er es lieber mit den Konzentrationslagern faschistischer Diktaturen. Darüber hinaus findet er es doof, dass der Papst den Limbus abgeschafft hat, weil der in irgendeiner Weise, die ich selbst nicht recht verstehe, wichtig für seine Arbeit war. Das Internet könnte die Stelle des Limbus einnehmen, aber nur, wenn man „auffährt wie Christus“, was auch immer das bedeuten mag.

Das sind nun drei verschiedene Interviews mit drei sehr verschiedenen Aussagen zum Internet, die von vage optimistischer Kritik über das plumpe Nichtmögen zu Nazivergleichen reichen. Eines haben die drei Texte aber gemeinsam: Sie geben uns einen wichtigen Einblick in das Leben der Menschen, die das Internet nicht nutzen, wie wir es tun bzw. gar nicht nutzen.
Herr Schneider zeigt uns, dass es auch Menschen seiner Generation gibt, die verstehen warum Menschen online sind. Herr Grupp hingegen zeigt uns die typische Abneigung gegen Dinge, die anders sind als früher. Was Herr Brock uns zeigt, dass weiß ich gar nicht so genau.
Vielleicht zeigt er uns einfach nur, dass es Menschen gibt, die so eine seltsame Erfahrungswelt haben, dass man einen Atlas brauchen würde, um sie zu verstehen. Vielleicht sagt er ja das gleiche wie Herr Grupp, bloss kryptischer, ich hab keine Ahnung.

Nachtrag:
Scheinbar hatte die FAZ die Aussagen des Herrn Brock schon ein wenig gestreamlined, damit sie nicht ganz so abstrus klingen. Ursprünglich waren wohl auch Hitler und Stalin selbst Teil des Nazivergleichs: http://sixtus.cc/wenn-hitler-plotzlich-verschwindet

Noch’n Nachtrag:
Der Herr Grupp von Trigema hat dann doch noch einmal erklärt, was er eigentlich gemeint hat, daß er niemanden beleidigen wollte und er hat angemerkt, dass das Interview stark gekürzt war: Offener Brief an die Social Media Gemeinde (Vorsicht! Link führt zu Facebook!)

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