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Mai
03
2010
3

Schlaumeier-Schilder

Wir haben also nun bereits seltsam formulierte Verbotsschilder, Doppelbindungsschilder, Schilder mit verschiedenen Graden von Exklusivität und sehr höfliche Schilder kennengelernt.
Neulich ist mir aber eine weitere Sorte Schild aufgefallen: Die Schlaumeierschilder, die in Fachkreisen auch Paradoxienauslöser oder Roboterkiller genannt werden.

Während es sich bei Doppelbindungsschildern um zwei verschiedene Schilder handelt, die einander entgegengesetzte Weisungen enthalten, widerspricht sich ein echter Roboterkiller selbst, oder zumindest in Kombination mit einer allgemeinen Weisung außerhalb des Schildes.

Folgendes Schild markiert z. B. den Eingang zur Westerländer Fußgängerzone:

Dieses Schild enthält folgende Aussagen:

– Vernünftige fahren in diesem Bereich nicht Rad
– Wer hier Radfahren will, oder wer anstalten dazu macht, dem ist es verboten.

Außerdem impliziert das Schild auch noch folgende, weitere Aussagen:

– Wer in diesem Bereich Rad fahren will, oder dazu Anstalten macht ist unvernünftig
– Vernünftigen ist es nicht verboten hier Rad zu fahren. (Es ist ja nur allen anderen verboten)

Steht man nioht unter dem Zwang Rad fahren zu wollen, ist dieses Schild eher harmlos, wenn auch seltsam formuliert.
Dann gilt:

Ich will hier nicht Rad fahren, also bin ich vernünftig. Somit ist es mir zwar nicht verboten Rad zu fahren, aber ich würde es trotzdem nie tun.

Problematisch wird es, wenn man an sich gerne Radfahren möchte, es aber nicht tut, weil man vernünftig ist.
Dann würde gelten:

Ich will hier zwar Rad fahren, mache es aber nicht, weil ich vernünftig bin. Immerhin ist dies eine Fußgängerzone.
Da ich das – vernüftiger Weise – erkannt habe, verliert das Verbot nicht Rad zu fahren für mich an Gültigkeit, weil das Verbot ja nicht für Vernünftige gilt.
Ich will also losradeln, als ich merke, dass allein die Ausführung einer Radfahrhandlung dafür sorgen würde, dass ich in die Gruppe der „Unvernünftigen“ umgestuft werde, womit mir das radfahren wieder verboten ist.

Als Mensch hat man nun drei Optionen:

1.) Ich setze mich über das Verbot hinweg, und stecke weg, dass das Schild mich schon vorauseilend als „unvernünftig“ beschimpft hat, und nun auch noch im Recht ist.

2.) Ich halte mich an das Verbot, weil ich nicht will, dass das schnippische Schild mich für unvernünftig hält.

Oder 3.) Ich setze mich über das Verbot des Schildes alleine schon deswegen hinweg, weil es alle Betrachter quasi als „potentielle Unvernünftige“ bezeichnet, und ich mir als chronischer Querulant von Schildern keine Beleidigungen an den Kopf werfen lasse, und seien sie noch so potentiell!
Das Fahren meines Zweirades nutze ich somit als Weg, dem blasierten Schild zu zeigen, wo der Hammer hängt!! Das hat es nun davon, das blöde Schild!!! Ist in der Schule bestimmt immer verprügelt worden!!!! Viva la Revolucion!!!!!!

Ich weiß ja nicht, wie es dem geneigten Leser geht, aber bei „Fahrad fahren verboten!“ oder „Bitte absteigen!“ hätte ich mir diese Gedanken nicht gemacht.
Dieses Schild kommt aber wie ein Schlaumeier daher, und kategoriesiert seine Betrachter schon im Vorraus. Das macht das Schild höchst unsympathisch, wie ich finde.

Warum aber nennt man diese Schilder auch Roboterkiller?
Ganz einfach: Auch wenn man nicht glaubt, dass es einmal positronische Roboter geben wird, die nach Asimovs drei Gesetzen funktionieren, ist eines klar:
Das zweite Asimovsche Robotergesetz wird auch in der wirklichen Welt für humanoide Roboter gelten. Grob zusammengefasst lautet es:

Ein Roboter soll den Befehlen von Menschen gehorchen.

Ist ja klar, dass das gilt. Auf seine Weise gehorcht schließlich auch ein Toaster oder ein Videorecorder den Befehlen von Menschen, soweit er dazu fähig ist.
Technologie soll ja machen was man ihr sagt. Ansonsten hätte schon längst jemand einen Videorecorder erfunden, der statt der programmierten Sendungen zufällige andere aufnimmt.
Obwohl dies in Einzelfällen vorgekommen sein mag, war dies doch in keinem Fall die Intention der Entwickler des Gerätes.
Macht ein humanoider Roboter also nicht, was man sagt – wozu bräuchte man ihn dann? Eben.

Sie geben ihrer VCP3409-Einheit also folgenden Befehl:

„Bring dieses Päckchen bitte zu der und der Adresse. Fahr mit dem Rad, und bitte auf dem schnellsten Weg, es ist dringend.“

Der Android fährt mit seinem titanverstärkten Drahtesel also los, freudig zu dienen, bis er an obiges Schild kommt.
Das Schild enthält ein Verbot. Ein Verbot ist im Grunde genommen ein negativer Befehl, den der Roboter befolgen muss, weil das Schild von Menschen aufgestellt wurde.
Selbst wenn der Roboter zu dem Schluß käme, dass dieses Verbot nicht von „seinem Menschen“ (sprich Besitzer) ausgesprochen wurde, so ist ihm doch klar, dass es ein offizielles Schild ist, welches auch Menschen beachten müssen. Somit muss er es erst recht beachten.
VCP3409 steigt also ab, und will das Rad schieben. In dem Moment bemerkt er, dass er zu der Gruppe der Vernünftigen gehört, für die das Verbot nicht gilt. Also steigt er wieder auf, fährt einen Zentimeter, bis er merkt, dass er wieder zu den Unvernünftigen gehört, für die das Verbot gilt. Also steigt er wieder ab, merkt, dass er vernünftig ist, und steigt wieder auf, und so weiter…

Da es in dem dringlich vorgebrachten Befehl seines Besitzers keine Einschränkung für Fußgängerzonen gibt, gilt noch immer die Weisung mit dem Rad zum Ort der Ablieferung des Päckchens zu fahren.
Diese Weisung wird immer nur dann ausser Kraft gesetzt, wenn der Roboter tatsächlich Anstalten macht zu radeln. Ist er im Begriff nicht zu radeln, erscheint es ihm aber ohne weiteres möglich zu radeln.

Das Resultat:
Der arme VCP3409, der nur seinem Besitzer dienen wollte, ist in einer unauflöslichen Logikschleife gefangen.
Schon etwa 3 Sekunden, nachdem er den Text des Schildes gelesen hat, wird er aufhören sich für Menschen sichtbar zu bewegen, und nach gut einer dreiviertel Stunde ist sein Positronengehirn hoffnungslos überhitzt. Es kann nicht wieder hergestellt werden.
Je nachdem, um welchen Typ Gehirn es sich handelt, beginnt selbiges nach etwa einer Stunde deutlich sichbar zu schmoren, und wenn sich nach 16 Stunden noch immer niemand um den armen Roboter gekümmert hat, ist es sogar möglich, dass er explodiert. (Wenn seine Fusionsleiter schlecht gearbeitet sind)

Um sich dieses Phänomen zunutze zu machen, haben antipositronische Terrorgruppen solche Schilder schon gezielt eingesetzt, um Anschläge auf Roboter zu verüben.
Dabei wurden gezielt „Roboterkiller“ so formuliert, dass sie noch nichteinmal der vorherigen Aufforderung Rad zu fahren bedürfen:

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Schlaumeier-Schilder

Wir haben also nun bereits seltsam formulierte Verbotsschilder, Doppelbindungsschilder, Schilder mit verschiedenen Graden von Exklusivität und sehr höfliche Schilder kennengelernt.
Neulich ist mir aber eine weitere Sorte Schild aufgefallen: Die Schlaumeierschilder, die in Fachkreisen auch Paradoxienauslöser oder Roboterkiller genannt werden.

Während es sich bei Doppelbindungsschildern um zwei verschiedene Schilder handelt, die einander entgegengesetzte Weisungen enthalten, widerspricht sich ein echter Roboterkiller selbst, oder zumindest in Kombination mit einer allgemeinen Weisung außerhalb des Schildes.

Folgendes Schild markiert z. B. den Eingang zur Westerländer Fußgängerzone:

Dieses Schild enthält folgende Aussagen:

– Vernünftige fahren in diesem Bereich nicht Rad
– Wer hier Radfahren will, oder wer anstalten dazu macht, dem ist es verboten.

Außerdem impliziert das Schild auch noch folgende, weitere Aussagen:

– Wer in diesem Bereich Rad fahren will, oder dazu Anstalten macht ist unvernünftig
– Vernünftigen ist es nicht verboten hier Rad zu fahren. (Es ist ja nur allen anderen verboten)

Steht man nioht unter dem Zwang Rad fahren zu wollen, ist dieses Schild eher harmlos, wenn auch seltsam formuliert.
Dann gilt:

Ich will hier nicht Rad fahren, also bin ich vernünftig. Somit ist es mir zwar nicht verboten Rad zu fahren, aber ich würde es trotzdem nie tun.

Problematisch wird es, wenn man an sich gerne Radfahren möchte, es aber nicht tut, weil man vernünftig ist.
Dann würde gelten:

Ich will hier zwar Rad fahren, mache es aber nicht, weil ich vernünftig bin. Immerhin ist dies eine Fußgängerzone.
Da ich das – vernüftiger Weise – erkannt habe, verliert das Verbot nicht Rad zu fahren für mich an Gültigkeit, weil das Verbot ja nicht für Vernünftige gilt.
Ich will also losradeln, als ich merke, dass allein die Ausführung einer Radfahrhandlung dafür sorgen würde, dass ich in die Gruppe der „Unvernünftigen“ umgestuft werde, womit mir das radfahren wieder verboten ist.

Als Mensch hat man nun drei Optionen:

1.) Ich setze mich über das Verbot hinweg, und stecke weg, dass das Schild mich schon vorauseilend als „unvernünftig“ beschimpft hat, und nun auch noch im Recht ist.

2.) Ich halte mich an das Verbot, weil ich nicht will, dass das schnippische Schild mich für unvernünftig hält.

Oder 3.) Ich setze mich über das Verbot des Schildes alleine schon deswegen hinweg, weil es alle Betrachter quasi als „potentielle Unvernünftige“ bezeichnet, und ich mir als chronischer Querulant von Schildern keine Beleidigungen an den Kopf werfen lasse, und seien sie noch so potentiell!
Das Fahren meines Zweirades nutze ich somit als Weg, dem blasierten Schild zu zeigen, wo der Hammer hängt!! Das hat es nun davon, das blöde Schild!!! Ist in der Schule bestimmt immer verprügelt worden!!!! Viva la Revolucion!!!!!!

Ich weiß ja nicht, wie es dem geneigten Leser geht, aber bei „Fahrad fahren verboten!“ oder „Bitte absteigen!“ hätte ich mir diese Gedanken nicht gemacht.
Dieses Schild kommt aber wie ein Schlaumeier daher, und kategoriesiert seine Betrachter schon im Vorraus. Das macht das Schild höchst unsympathisch, wie ich finde.

Warum aber nennt man diese Schilder auch Roboterkiller?
Ganz einfach: Auch wenn man nicht glaubt, dass es einmal positronische Roboter geben wird, die nach Asimovs drei Gesetzen funktionieren, ist eines klar:
Das zweite Asimovsche Robotergesetz wird auch in der wirklichen Welt für humanoide Roboter gelten. Grob zusammengefasst lautet es:

Ein Roboter soll den Befehlen von Menschen gehorchen.

Ist ja klar, dass das gilt. Auf seine Weise gehorcht schließlich auch ein Toaster oder ein Videorecorder den Befehlen von Menschen, soweit er dazu fähig ist.
Technologie soll ja machen was man ihr sagt. Ansonsten hätte schon längst jemand einen Videorecorder erfunden, der statt der programmierten Sendungen zufällige andere aufnimmt.
Obwohl dies in Einzelfällen vorgekommen sein mag, war dies doch in keinem Fall die Intention der Entwickler des Gerätes.
Macht ein humanoider Roboter also nicht, was man sagt – wozu bräuchte man ihn dann? Eben.

Sie geben ihrer VCP3409-Einheit also folgenden Befehl:

„Bring dieses Päckchen bitte zu der und der Adresse. Fahr mit dem Rad, und bitte auf dem schnellsten Weg, es ist dringend.“

Der Android fährt mit seinem titanverstärkten Drahtesel also los, freudig zu dienen, bis er an obiges Schild kommt.
Das Schild enthält ein Verbot. Ein Verbot ist im Grunde genommen ein negativer Befehl, den der Roboter befolgen muss, weil das Schild von Menschen aufgestellt wurde.
Selbst wenn der Roboter zu dem Schluß käme, dass dieses Verbot nicht von „seinem Menschen“ (sprich Besitzer) ausgesprochen wurde, so ist ihm doch klar, dass es ein offizielles Schild ist, welches auch Menschen beachten müssen. Somit muss er es erst recht beachten.
VCP3409 steigt also ab, und will das Rad schieben. In dem Moment bemerkt er, dass er zu der Gruppe der Vernünftigen gehört, für die das Verbot nicht gilt. Also steigt er wieder auf, fährt einen Zentimeter, bis er merkt, dass er wieder zu den Unvernünftigen gehört, für die das Verbot gilt. Also steigt er wieder ab, merkt, dass er vernünftig ist, und steigt wieder auf, und so weiter…

Da es in dem dringlich vorgebrachten Befehl seines Besitzers keine Einschränkung für Fußgängerzonen gibt, gilt noch immer die Weisung mit dem Rad zum Ort der Ablieferung des Päckchens zu fahren.
Diese Weisung wird immer nur dann ausser Kraft gesetzt, wenn der Roboter tatsächlich Anstalten macht zu radeln. Ist er im Begriff nicht zu radeln, erscheint es ihm aber ohne weiteres möglich zu radeln.

Das Resultat:
Der arme VCP3409, der nur seinem Besitzer dienen wollte, ist in einer unauflöslichen Logikschleife gefangen.
Schon etwa 3 Sekunden, nachdem er den Text des Schildes gelesen hat, wird er aufhören sich für Menschen sichtbar zu bewegen, und nach gut einer dreiviertel Stunde ist sein Positronengehirn hoffnungslos überhitzt. Es kann nicht wieder hergestellt werden.
Je nachdem, um welchen Typ Gehirn es sich handelt, beginnt selbiges nach etwa einer Stunde deutlich sichbar zu schmoren, und wenn sich nach 16 Stunden noch immer niemand um den armen Roboter gekümmert hat, ist es sogar möglich, dass er explodiert. (Wenn seine Fusionsleiter schlecht gearbeitet sind)

Um sich dieses Phänomen zunutze zu machen, haben antipositronische Terrorgruppen solche Schilder schon gezielt eingesetzt, um Anschläge auf Roboter zu verüben.
Dabei wurden gezielt „Roboterkiller“ so formuliert, dass sie noch nichteinmal der vorherigen Aufforderung Rad zu fahren bedürfen: