Impactsuspect » 2010 » März » 30
Mrz
30
2010
14

Netzsperren – Das Europerium schlägt zurück

Eigentlich bin ich viel zu müde um drüber zu schreiben, aber ich muss wohl trotzdem. Allein der Vollständigkeit halber.
Nachdem keine Partei im Bundestag mehr die Netzsperren möchte – außer vielleicht die CDU, die sich je nach Tagesform entscheidet, sollen uns die Internetsperren nun, wie auch schon die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung, durch die EU trotzdem serviert werden.

Eine angehende EU-Innen-Komissarin namens Cecilia Malmström hat dies mit ganz ähnlichen Scheinargumenten und polemischen Tiefschlägen gegen Bürgerrechtler gefordert.
Wieder mit den gleichen erwiesenermaßen falschen Tatsachenbehauptungen, oder zumindest ähnlichen.

Die Presse in Deutschland scheint ebenso alle Diskussionen des letzten Jahres über die Netzsperren vergessen zu haben, ebenso ist der Presse irgendwie abhanden gekommen, dass all der Bullshit, den Frau von der Leyen letztes Jahr verzapft hat bereits widerlegt ist.

Beim CDU-dominierten ZDF schreibt man schon wieder Jubelperserkommentare auf die Netzsperren, wie man hier bei Kennzeichen Digital nachlesen kann.
Bemerkenswert die Flut überwiegend sachlicher Kommentare, die haarklein den Text dort auseinandernehmen. Noch im letzten Jahr wären das nicht so viele gewesen.

Aber auch die ARD ist nicht besser, wenn man sich diesen Text hier bei WDR 2 ansieht.
Während die eine oder andere Zeitung tatsächlich reflektiert und im Angesicht der im letzten Jahr gesammelten Erfahrungen berichtet, wie hier die Süddeutsche oder hier die Taz, verzichtet der Öffentlich Rechtliche Rundfunkt darauf. Es scheint ganz so, als hätte die Politik hier mittlerweile nachhaltig für eine kritikfreie Hofberichterstattung gesorgt.

Ein kleiner Lichtblick der Öffentlich Rechtlichen ist nur der Beitrag von Mario Sixtus, ebenfalls erschienen auf dem ZDF-Blog.

Ich glaube ja immer noch, dass die meisten Politiker und Journalisten schlicht keine Ahnung haben, weil sie merkbefreit und Ober-Daus sind, aber es stimmt auch, dass es nicht das erste Mal ist, dass Sicherheitsgesetze, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass Bürgerrechtler ihre nationale Umsetzung verhindern, das zweite Mal von Brüssel aus umgesetzt werden sollen.

Es ist einfach nur zum Kotzen. Und alle die die FDP als Bürgerrechtspartei gewählt haben, sehen ja nun, was sie davon haben.

Mrz
30
2010
9

Der Bechdel-Test, und warum einfach manchmal eben zu einfach ist.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schreibe. Und gerne auch viel. Zwar ist noch keiner meiner Texte über das Internet hinaus veröffentlicht worden – die Schülerzeitung damals mal außen vor gelassen – aber ich hab nicht nur die Festplatte voller moosbewachsener Romananfänge, ich hab auch schon zwei Romane und eine Kurzgeschichte zuende geschrieben.
Den besseren der beiden Romane sogar innerhalb eines Monats zum NaNoWriMo, was mich immer noch überrascht.
Ich bin auch immer offen für Tipps, Konzepte und Anregungen, um meine Geschichten besser oder interessanter zu machen. So fand ich diesen Leitfaden (squidoo.com) zur Verwendung von homosexuellen Charakteren in Geschichten echt nützlich, bin dankbar, dass ich die klischeehaften Stereotypen nun kenne, die es zu vermeiden gilt, und werde bei meinem nächsten größeren Projekt auch einige der Anregungen umsetzen.
Ich bin mir zwar nicht sicher, wie gut das gelingen wird, aber Versuch macht klug, wie man so sagt.

Nun hab ich gestern vom Bechdel-Test erfahren. (Sorry, aber es gibt keinen Eintrag in der Deutschen Wikipedia, aber ich hab’s auch auf diesem Blog hier gelesen: Drop the thought)

Der Test stammt aus einem Comic-Strip. Eine weibliche Person in diesem Comic stellt folgende Regeln auf, um zu testen, ob sie sich einen Film überhaupt erst anschaut:

1. Es kommen mindestens zwei Frauen in ihm vor

2. Die beiden reden miteinander…

3. …und zwar über etwas anderes als einen Mann.

Durchaus verständliche Sichtweise, denn ich schau mir ja auch nur Filme an, in denen nur Frauen tragende Rollen spielen, wenn ich dazu genötigt werde. Mit „Grüne Tomaten“ und den Ya-Ya-Schwestern kann man mich jagen. Allerdings stellen sich mir da ein paar spitzfindige Fragen:

– Was, wenn in dem Film die zwei einzigen Frauen Lesben sind, die sich genau 1 x unterhalten, und es in dem Gespräch um eine Frau geht, wie es bei heterosexuellen Frauen um einen Mann gehen würde?

– Was ist, wenn der einzige Akteur in dem Film eine Frau ist? (gegebenenfalls vielleicht umgeben von Robotern oder geschlechtslosen Ausserirdischen)

– Was ist mit Teenie-Filmen, in denen zwar genug junge Frauen mitspielen, sich auch unterhalten, auch nicht nur über Männer, aber sich konstant nur anzicken?

Irgendwie ist die Regel zu einfach gefasst. An beiden Enden hat man Graubereiche, positiv wie negativ.

Ich will den Rahmen mal von Filmen auf Filme und Serien erweitern, weil ich mich bei recht vielen Filmen ehrlich gesagt nicht erinnern kann, ob die Voraussetzungen für ein Bestehen des Bechdel-Tests gegeben sind.

Positivbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Bechdeltest bestehen, aber irgendwie trotzdem panne sind:

Positivbeispiel #1: Xena
In Xena gibt es nicht nur zwei Frauen, sondern die sind auch noch die Hauptfiguren. Und die unterhalten sich stets und ständig. Auch über andere Dinge als Männer. Ist die vornehmliche Zielgruppe für Xena weiblich? Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben, noch halte ich die Serie insgesamt für besonders feministisch. Eher im Gegenteil. Wer eine andere Meinung hat, ich lasse mich gern eines besseren belehren.


xena lol by ~rosemaryjayne on deviantART

Positivbeispiel #2: Cleopatra 2525
Es handelt sich hierbei um eine kurzlebige Serie von Sam Raimi, dem wir auch schon Xena zu verdanken haben. Sie ist meines Wissens nie im deutschen Fernsehen gelaufen, es gibt sie aber auf DVD zu kaufen, und zwar für echt günstig. Mit anderen Worten: die Serie wird nicht nur bei Amazon verramscht.
Die Serie ist echt trashig, und kaum auszuhalten, wenn sie nicht so absurd wäre. Ich selbst hab sie geschaut, nachdem mir die Weisheitszähne gezogen wurden, und ich mit Kieferschmerzen halb betäubt zuhause im Bett lag.
Worum es bei Cleopatra 2525 geht: Eine Stripperin aus dem LA der 90er Jahre will sich die Brüste vergrößern lassen, doch etwas geht schief, und sie wird cryogenisch eingefroren. Im Jahr 2525 entdecken sie zufällig zwei Widerstandskämpferrinnen, die auf der postapokalyptischen Erde gegen böse Maschinen kämpfen. Sie tauen die Stripperin (Cleopatra) auf, und nehmen sie in ihr Team auf. Dann erleben die drei fantastische Abenteuer, und kämpfen im Laufe von zwei Staffeln gegen die bösen Maschinen. Die drei Hauptfiguren laufen in der ganzen Serie in nichts anderem rum als einer Art futuristischem Bikini-Outfit, die Sprüche sind hart an der Schmerzgrenze – oder darüber hinaus, wie manche meinen würden, und Cleopatra lässt keine Gelegenheit aus, für die gute Sache auch ihre Strippertalente zu verwenden.
Hier gibt es jede Menge Frauen, die über alles MÖGLICHE reden, auch über Männer, aber eben nicht nur. Klarer Fall, dass Cleopatra 2525 den Bechdel-Test besteht.
Für Frauen? Echt? Ich als Mann fass‘ mir da ja schon vier Mal pro Sekunde beim Kucken an den Kopf und ich bin Kummer gewohnt, was bewegte Bilder – speziell Serien – angeht.


Cleopatra 2525 by *Slayer730 on deviantART

Positivbeispiel #3: Showgirls
Jede Menge Frauen drin, die sich nicht nur über Männer unterhalten, sondern auch über Brüste und wie man richtig strippt. Die haben allesamt noch weniger an, als der weibliche Cast von Xena oder Cleopatra 2525. Ich muss gestehen, dass ich diesen Film aufgrund seiner schon sprichwörtlichen Grottigkeit nie gesehen habe, aber der erste Teil einer grandiosen Videoreview findet sich bei ThatGuywiththeGlasses.com.

Negativbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Test nicht bestehen, aber irgendwie doch ziemlich gut sind.
Ursprünglich wollte ich hier auch „Star Wars“ und „Indiana Jones“ anbringen, aber wenn ich’s recht überlege, kann ich verstehen, dass Frauen sich für sowas nicht interessieren, auch wenn ich es schade finde. Ebenso fallen ja auch Meilensteine der Filmgeschichte wie „2001 – Odysee im Weltraum“ und „Zwei glorreiche Halunken“ ganz raus, weil man die Frauen in diesen Filmen nun wirklich mit der Lupe suchen muss.
Aber ein Beispiel hab ich doch, wo es schade ist, dass der Film gemieden wird, nur weil er den Bechdel-Test nicht besteht:

Negativbeispiel #1: Chasing Amy
Meiner Meinung nach immer noch der beste Kevin Smith Film. Obwohl Ben Afflec mitspielt. Ein Film über einen Mann, der sich in eine Lesbe verliebt, die sein bester Freund nicht ausstehen kann, und der dann mit ihrer Vergangenheit nicht klarkommt.
Ein unglaublich emotionaler, doch trotzdem lustiger Film, der an manchen Stellen auch schon mal auf die Tränendrüse drückt. Ein Film, den ich in meiner privaten Kategorisierung als „Frauenfilm“ bezeichnen würde, der „sich trotzdem anzusehen lohnt“. In diesem Film reden zwar Frauen miteinander, aber die Frauen, die man mit Namen kennt, reden ausschließlich über Männer, wenn ich mich recht erinnere. Fällt also klar aus dem Raster. Oder handelt es sich hier um ein „Beziehungsdrama für den modernen Mann“? ich bin verwirrt.

Wenn wir die zu testende Fiktion weiter spannen, und auch literarische Werke mit einbezieht, fällt noch mehr unter den Tisch: „Die Schatzinsel“ und „Moby Dick“ kann die bechdeltestende Frau von Welt schon mal ganz vergessen. Ebenso „Frankenstein“, wenn ich mich nicht irre, obwohl das sogar von ’ner Frau geschrieben wurde. Bram Stokers im Kontext seiner Zeit pornographischer Roman „Dracula“ besteht den Test jedoch. Was ist mit Jane Austen? Da sind zwar jede Menge Frauen drin – sogar bekleidet – aber reden die nicht ständig über irgendwelche Männer da?
Und je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger kann frau lesen. Im Niebelungenlied zicken sich – soweit ich mich nur erinnere – Brunhild und Krimhild nur ständig wegen Siegfried an, und im ältesten erhaltenen literarischen Werk der Menschheit, dem knapp 5000 Jahre alten Gilgamesh Epos, muss man auch wieder lange suchen, bis man vielleicht eine vereinzelte Frau findet.

Der Test selbst ist also in vielen Einzelfällen zu einfach gestrickt, auch wenn er gut dazu dienen mag, über den Daumen zu peilen, was für Frauen möglicherweise interessant ist. Die Abwesenheit von Frauen in Geschichten generell zieht sich jedoch tatsächlich als roter Faden durch die gesamte Literaturgeschichte. Oft gibt es unter den Hauptfiguren einer beliebigen Handlung nur eine Frau – quasi die Quotenfrau. Das wird ebenfalls von der bezaubernden Lindsay Ellis, die auch schon Showgirls auseinandergenommen hat, in einem Video namens „The Smufette Principle“ erklärt.

Warum ist das so? Ich hab keine Ahnung. Ich finde es erstaunlich, wie einem sowas als Mann gar nicht auffällt, bis man mit der Nase drauf gestoßen wird. Ich werde in meiner nächsten größeren Geschichte aber auf jeden Fall auch zwei Frauen einbauen, die sich über irgendwas anderes als einen Mann unterhalten.
…vielleicht über Fußball. Ich weiß noch nicht.

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Gesellschaftliches | Schlagwörter: ,

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Netzsperren – Das Europerium schlägt zurück

Eigentlich bin ich viel zu müde um drüber zu schreiben, aber ich muss wohl trotzdem. Allein der Vollständigkeit halber.
Nachdem keine Partei im Bundestag mehr die Netzsperren möchte – außer vielleicht die CDU, die sich je nach Tagesform entscheidet, sollen uns die Internetsperren nun, wie auch schon die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung, durch die EU trotzdem serviert werden.

Eine angehende EU-Innen-Komissarin namens Cecilia Malmström hat dies mit ganz ähnlichen Scheinargumenten und polemischen Tiefschlägen gegen Bürgerrechtler gefordert.
Wieder mit den gleichen erwiesenermaßen falschen Tatsachenbehauptungen, oder zumindest ähnlichen.

Die Presse in Deutschland scheint ebenso alle Diskussionen des letzten Jahres über die Netzsperren vergessen zu haben, ebenso ist der Presse irgendwie abhanden gekommen, dass all der Bullshit, den Frau von der Leyen letztes Jahr verzapft hat bereits widerlegt ist.

Beim CDU-dominierten ZDF schreibt man schon wieder Jubelperserkommentare auf die Netzsperren, wie man hier bei Kennzeichen Digital nachlesen kann.
Bemerkenswert die Flut überwiegend sachlicher Kommentare, die haarklein den Text dort auseinandernehmen. Noch im letzten Jahr wären das nicht so viele gewesen.

Aber auch die ARD ist nicht besser, wenn man sich diesen Text hier bei WDR 2 ansieht.
Während die eine oder andere Zeitung tatsächlich reflektiert und im Angesicht der im letzten Jahr gesammelten Erfahrungen berichtet, wie hier die Süddeutsche oder hier die Taz, verzichtet der Öffentlich Rechtliche Rundfunkt darauf. Es scheint ganz so, als hätte die Politik hier mittlerweile nachhaltig für eine kritikfreie Hofberichterstattung gesorgt.

Ein kleiner Lichtblick der Öffentlich Rechtlichen ist nur der Beitrag von Mario Sixtus, ebenfalls erschienen auf dem ZDF-Blog.

Ich glaube ja immer noch, dass die meisten Politiker und Journalisten schlicht keine Ahnung haben, weil sie merkbefreit und Ober-Daus sind, aber es stimmt auch, dass es nicht das erste Mal ist, dass Sicherheitsgesetze, die so weit über das Ziel hinausschießen, dass Bürgerrechtler ihre nationale Umsetzung verhindern, das zweite Mal von Brüssel aus umgesetzt werden sollen.

Es ist einfach nur zum Kotzen. Und alle die die FDP als Bürgerrechtspartei gewählt haben, sehen ja nun, was sie davon haben.

Mrz
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2010
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Der Bechdel-Test, und warum einfach manchmal eben zu einfach ist.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schreibe. Und gerne auch viel. Zwar ist noch keiner meiner Texte über das Internet hinaus veröffentlicht worden – die Schülerzeitung damals mal außen vor gelassen – aber ich hab nicht nur die Festplatte voller moosbewachsener Romananfänge, ich hab auch schon zwei Romane und eine Kurzgeschichte zuende geschrieben.
Den besseren der beiden Romane sogar innerhalb eines Monats zum NaNoWriMo, was mich immer noch überrascht.
Ich bin auch immer offen für Tipps, Konzepte und Anregungen, um meine Geschichten besser oder interessanter zu machen. So fand ich diesen Leitfaden (squidoo.com) zur Verwendung von homosexuellen Charakteren in Geschichten echt nützlich, bin dankbar, dass ich die klischeehaften Stereotypen nun kenne, die es zu vermeiden gilt, und werde bei meinem nächsten größeren Projekt auch einige der Anregungen umsetzen.
Ich bin mir zwar nicht sicher, wie gut das gelingen wird, aber Versuch macht klug, wie man so sagt.

Nun hab ich gestern vom Bechdel-Test erfahren. (Sorry, aber es gibt keinen Eintrag in der Deutschen Wikipedia, aber ich hab’s auch auf diesem Blog hier gelesen: Drop the thought)

Der Test stammt aus einem Comic-Strip. Eine weibliche Person in diesem Comic stellt folgende Regeln auf, um zu testen, ob sie sich einen Film überhaupt erst anschaut:

1. Es kommen mindestens zwei Frauen in ihm vor

2. Die beiden reden miteinander…

3. …und zwar über etwas anderes als einen Mann.

Durchaus verständliche Sichtweise, denn ich schau mir ja auch nur Filme an, in denen nur Frauen tragende Rollen spielen, wenn ich dazu genötigt werde. Mit „Grüne Tomaten“ und den Ya-Ya-Schwestern kann man mich jagen. Allerdings stellen sich mir da ein paar spitzfindige Fragen:

– Was, wenn in dem Film die zwei einzigen Frauen Lesben sind, die sich genau 1 x unterhalten, und es in dem Gespräch um eine Frau geht, wie es bei heterosexuellen Frauen um einen Mann gehen würde?

– Was ist, wenn der einzige Akteur in dem Film eine Frau ist? (gegebenenfalls vielleicht umgeben von Robotern oder geschlechtslosen Ausserirdischen)

– Was ist mit Teenie-Filmen, in denen zwar genug junge Frauen mitspielen, sich auch unterhalten, auch nicht nur über Männer, aber sich konstant nur anzicken?

Irgendwie ist die Regel zu einfach gefasst. An beiden Enden hat man Graubereiche, positiv wie negativ.

Ich will den Rahmen mal von Filmen auf Filme und Serien erweitern, weil ich mich bei recht vielen Filmen ehrlich gesagt nicht erinnern kann, ob die Voraussetzungen für ein Bestehen des Bechdel-Tests gegeben sind.

Positivbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Bechdeltest bestehen, aber irgendwie trotzdem panne sind:

Positivbeispiel #1: Xena
In Xena gibt es nicht nur zwei Frauen, sondern die sind auch noch die Hauptfiguren. Und die unterhalten sich stets und ständig. Auch über andere Dinge als Männer. Ist die vornehmliche Zielgruppe für Xena weiblich? Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben, noch halte ich die Serie insgesamt für besonders feministisch. Eher im Gegenteil. Wer eine andere Meinung hat, ich lasse mich gern eines besseren belehren.


xena lol by ~rosemaryjayne on deviantART

Positivbeispiel #2: Cleopatra 2525
Es handelt sich hierbei um eine kurzlebige Serie von Sam Raimi, dem wir auch schon Xena zu verdanken haben. Sie ist meines Wissens nie im deutschen Fernsehen gelaufen, es gibt sie aber auf DVD zu kaufen, und zwar für echt günstig. Mit anderen Worten: die Serie wird nicht nur bei Amazon verramscht.
Die Serie ist echt trashig, und kaum auszuhalten, wenn sie nicht so absurd wäre. Ich selbst hab sie geschaut, nachdem mir die Weisheitszähne gezogen wurden, und ich mit Kieferschmerzen halb betäubt zuhause im Bett lag.
Worum es bei Cleopatra 2525 geht: Eine Stripperin aus dem LA der 90er Jahre will sich die Brüste vergrößern lassen, doch etwas geht schief, und sie wird cryogenisch eingefroren. Im Jahr 2525 entdecken sie zufällig zwei Widerstandskämpferrinnen, die auf der postapokalyptischen Erde gegen böse Maschinen kämpfen. Sie tauen die Stripperin (Cleopatra) auf, und nehmen sie in ihr Team auf. Dann erleben die drei fantastische Abenteuer, und kämpfen im Laufe von zwei Staffeln gegen die bösen Maschinen. Die drei Hauptfiguren laufen in der ganzen Serie in nichts anderem rum als einer Art futuristischem Bikini-Outfit, die Sprüche sind hart an der Schmerzgrenze – oder darüber hinaus, wie manche meinen würden, und Cleopatra lässt keine Gelegenheit aus, für die gute Sache auch ihre Strippertalente zu verwenden.
Hier gibt es jede Menge Frauen, die über alles MÖGLICHE reden, auch über Männer, aber eben nicht nur. Klarer Fall, dass Cleopatra 2525 den Bechdel-Test besteht.
Für Frauen? Echt? Ich als Mann fass‘ mir da ja schon vier Mal pro Sekunde beim Kucken an den Kopf und ich bin Kummer gewohnt, was bewegte Bilder – speziell Serien – angeht.


Cleopatra 2525 by *Slayer730 on deviantART

Positivbeispiel #3: Showgirls
Jede Menge Frauen drin, die sich nicht nur über Männer unterhalten, sondern auch über Brüste und wie man richtig strippt. Die haben allesamt noch weniger an, als der weibliche Cast von Xena oder Cleopatra 2525. Ich muss gestehen, dass ich diesen Film aufgrund seiner schon sprichwörtlichen Grottigkeit nie gesehen habe, aber der erste Teil einer grandiosen Videoreview findet sich bei ThatGuywiththeGlasses.com.

Negativbeispiele:
Bewegte Bilder, die den Test nicht bestehen, aber irgendwie doch ziemlich gut sind.
Ursprünglich wollte ich hier auch „Star Wars“ und „Indiana Jones“ anbringen, aber wenn ich’s recht überlege, kann ich verstehen, dass Frauen sich für sowas nicht interessieren, auch wenn ich es schade finde. Ebenso fallen ja auch Meilensteine der Filmgeschichte wie „2001 – Odysee im Weltraum“ und „Zwei glorreiche Halunken“ ganz raus, weil man die Frauen in diesen Filmen nun wirklich mit der Lupe suchen muss.
Aber ein Beispiel hab ich doch, wo es schade ist, dass der Film gemieden wird, nur weil er den Bechdel-Test nicht besteht:

Negativbeispiel #1: Chasing Amy
Meiner Meinung nach immer noch der beste Kevin Smith Film. Obwohl Ben Afflec mitspielt. Ein Film über einen Mann, der sich in eine Lesbe verliebt, die sein bester Freund nicht ausstehen kann, und der dann mit ihrer Vergangenheit nicht klarkommt.
Ein unglaublich emotionaler, doch trotzdem lustiger Film, der an manchen Stellen auch schon mal auf die Tränendrüse drückt. Ein Film, den ich in meiner privaten Kategorisierung als „Frauenfilm“ bezeichnen würde, der „sich trotzdem anzusehen lohnt“. In diesem Film reden zwar Frauen miteinander, aber die Frauen, die man mit Namen kennt, reden ausschließlich über Männer, wenn ich mich recht erinnere. Fällt also klar aus dem Raster. Oder handelt es sich hier um ein „Beziehungsdrama für den modernen Mann“? ich bin verwirrt.

Wenn wir die zu testende Fiktion weiter spannen, und auch literarische Werke mit einbezieht, fällt noch mehr unter den Tisch: „Die Schatzinsel“ und „Moby Dick“ kann die bechdeltestende Frau von Welt schon mal ganz vergessen. Ebenso „Frankenstein“, wenn ich mich nicht irre, obwohl das sogar von ’ner Frau geschrieben wurde. Bram Stokers im Kontext seiner Zeit pornographischer Roman „Dracula“ besteht den Test jedoch. Was ist mit Jane Austen? Da sind zwar jede Menge Frauen drin – sogar bekleidet – aber reden die nicht ständig über irgendwelche Männer da?
Und je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger kann frau lesen. Im Niebelungenlied zicken sich – soweit ich mich nur erinnere – Brunhild und Krimhild nur ständig wegen Siegfried an, und im ältesten erhaltenen literarischen Werk der Menschheit, dem knapp 5000 Jahre alten Gilgamesh Epos, muss man auch wieder lange suchen, bis man vielleicht eine vereinzelte Frau findet.

Der Test selbst ist also in vielen Einzelfällen zu einfach gestrickt, auch wenn er gut dazu dienen mag, über den Daumen zu peilen, was für Frauen möglicherweise interessant ist. Die Abwesenheit von Frauen in Geschichten generell zieht sich jedoch tatsächlich als roter Faden durch die gesamte Literaturgeschichte. Oft gibt es unter den Hauptfiguren einer beliebigen Handlung nur eine Frau – quasi die Quotenfrau. Das wird ebenfalls von der bezaubernden Lindsay Ellis, die auch schon Showgirls auseinandergenommen hat, in einem Video namens „The Smufette Principle“ erklärt.

Warum ist das so? Ich hab keine Ahnung. Ich finde es erstaunlich, wie einem sowas als Mann gar nicht auffällt, bis man mit der Nase drauf gestoßen wird. Ich werde in meiner nächsten größeren Geschichte aber auf jeden Fall auch zwei Frauen einbauen, die sich über irgendwas anderes als einen Mann unterhalten.
…vielleicht über Fußball. Ich weiß noch nicht.

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