Impactsuspect » 2010 » März » 23
Mrz
23
2010
6

Mal so Mal so XVI: Doppelbindungsschilder

Um die Begrifflichkeiten erst einmal aus dem Weg zu räumen, hier eine kleine Erklärung des Wortes „Doppelbindungstheorie“ aus der gleichnamigen Wikipediaseite:

Die Doppelbindungstheorie (engl. double-bind theory, franz. double-contrainte) ist eine kommunikationstheoretische Vorstellung zur Entstehung schizophrener Erkrankungen. […] Die Doppelbindungstheorie beschreibt die lähmende, weil doppelte, Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale und deren Auswirkungen. Die Signale können den Inhalt der gesprochenen Worte betreffen, oder Tonfall, Gesten und Handlungen sein.

Sich gegenseitig widersprechende Botschaften, die den Empfänger der Botschaft lähmen, und in einigen Fällen als die Ursache für schizophrene Erkrankungen gelten.
Nachdem ich heute mal auf Sylt wieder ein paar Fotos gemacht habe, wundert es mich gar nicht, dass man in Deutschland immer öfter beknackte Leute findet.
Theorie: Schuld ist der Schilderwald in Deutschland, der zwei oder mehr Sachen voneinander verlangt, die einander ausschließen.

Zur Untermauerung meiner Theorie folgende Fallbeispiele:

Beispiel 1:

Sie sind in Rantum als Tourist mit dem Fahrrad unterwegs, und wollen ein wenig über den Deich fahren.
Sie kommen an diese Stelle, wo man den Deich betreten könnte. Es sind zwei Schilder zu sehen, die Ihnen das erlaubte und verbotene Verhalten auf dem Deich klarmachen sollen:

Als sie Schild Nummer 1 lesen, sind Sie enttäuscht:

Befahren verboten. Das scheint eindeutig. Da man duch die kleine Pforte ja nun auch mit einem Smart nicht durchkommt, muss hier mit „Befahren“ das Befahren mit Fahrrädern gemeint sein.
Sie versuchen sich innerlich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Sie Ihr Fahrrad schieben müssen, und schreiten zu der kleinen Pforte, als ihnen Schild Nummer 2 ins Auge fällt:

Hier ist plötzlich auch das Radfahren auf eigene Gefahr erlaubt, denn wenn es verboten wäre, wäre der Hinweis, dass Radfahren auf eigene Gefahr geschiet mehr als überflüssig.
Dürfen Sie nun Radfahren, oder nicht? Dass es zwei verschiedene Ämter zu sein scheinen, die Ihnen da Sachen verbieten und erlauben, macht die Entscheidung nicht einfacher. (es handelt sich übrigens nur um ein Amt, das seinen Namen aber öfter ändert als Prince Love Symbol Symbol Tafkap Prince.)

Nachdem Sie zur Sicherheit doch zu Fuß gelaufen sind, nach einiger Zeit keine Lust mehr hatten, und den selben Weg zurückgehen, sehen Sie, dass auf dem Rücken des einen Schilds folgender Spruch angebracht ist:

Sie lachen nicht

Beispiel 2:

Diesmal haben Sie den Drahtesel zur Sicherheit zu hause gelassen, und fahren mit ihrem Auto nach Hörnum. Sie sehen, dass ein riesiger Stau die Ortseinfahrt verhindert. Offenbar werden dort Strassenarbeiten erledigt, und so ist nur eine Spur befahrbar.

Sie wollen nicht warten, sondern endlich was sehen, kehren um, und fahren auf den nächsten Parkplatz in den Dünen. Von hier aus gibt es sicher einen Zugang zum Strand, denken Sie sich, und nehmen ihren Fotoapparat mit.

Ein paar Fotos vom Meer machen sich sicher gut, wenn sie erst einmal wieder zu hause in Mettmann sind, und ihre Freunde und Bekannten mit einer ausgedehnten Diashow ärgern.

Sie kommen an eine Weggabelung. Links geht es einen gepflasterten Weg hoch zu etwas, was dem Laien nach einer Radaranlage aussieht, geradeaus geht es scheinbar zum Strand.

Auch hier sind wieder zwei Schilder angebracht:

Sie entscheiden sich zuerst für den linken Weg, und lesen das Schild, an dem sie vorbeikommen aufmerksam.
Wenn hier Militär ist, dann liest man sich besser vorher ganz genau durch, was man machen darf. Darf man betreten? Betreten müsste man eigentlich dürfen, denn an Ihnen sind schon etliche Urlauber vorbeigekommen. Darf man fotografieren? Wenn nicht, wäre es schade, aber bevor man sich erschießen lässt… Liegen hier Landminen oder Blindgänger? Man weiß ja nie. Auf dem Schild lesen sie folgendes:

Wieder alles auf eigene Gefahr, aber da es weder eisglatt noch nass ist, beschließen Sie es zu wagen, und da die Fotografie hier auch nicht verboten ist, freuen Sie sich auf ein paar nette Fotos von dem Radarstand runter auf’s Meer.
Übungszeiten scheinen nicht zu sein, denn es sind keine Soldaten zu sehen, und auf dem Parkplatz stehen auch keine Bundeswehrfahrzeuge.

Sie laufen also den gepflasterten Weg rauf, und machen ein paar Fotos vom Meer. Einen hübschen Ausblick hat man ja von hier, denken Sie sich, denn die Insel ist hier sehr schmal, und man kann auf beiden Seiten die Nordsee sehen.

Nun gehen Sie wieder herunter, und beschließen an den Strand zu gehen, den anderen Weg entlang also. Menschen kommen Ihnen vom Strand entgegen, als sie dann auf Schild Nummer 2 stoßen:

„Oben auf das Radarding darf man rauf, aber der Strand ist ein militärischer Sicherheitsbereich? Und es wird geschossen?“, denken Sie verblüfft, während ihnen weiter Urlauber vom Todesstrand entgegen kommen. Von oben aus haben sie auch welche am Strand sehen können. Ob die wussten, dass sie sich in einem militärischem Sicherheitsbereich aufhalten?
Wie verhalten Sie sich? Riskieren Sie es an den Strand zu gehen, obwohl der eine Standortälteste es ihnen verboten hat? Oder berufen Sie sich auf das erste Schild, auf dem derselbe Standortälteste das Betreten nur verbietet, wenn Manöverübung oder so ist?

Sie entscheiden sich hurtigst zu Ihrem Auto zu rennen, und schnell wieder in Ihre Ferienwohnung zu flüchten.

Meine Frage zu solchem Schilderirrsinn:
Werden einfach immer nur neue Schilder aufgestellt? Kontrolliert keiner mal, ob diese Schilder sich widersprechende Botschaften enthalten?

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Mal so Mal so XVI: Doppelbindungsschilder

Um die Begrifflichkeiten erst einmal aus dem Weg zu räumen, hier eine kleine Erklärung des Wortes „Doppelbindungstheorie“ aus der gleichnamigen Wikipediaseite:

Die Doppelbindungstheorie (engl. double-bind theory, franz. double-contrainte) ist eine kommunikationstheoretische Vorstellung zur Entstehung schizophrener Erkrankungen. […] Die Doppelbindungstheorie beschreibt die lähmende, weil doppelte, Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale und deren Auswirkungen. Die Signale können den Inhalt der gesprochenen Worte betreffen, oder Tonfall, Gesten und Handlungen sein.

Sich gegenseitig widersprechende Botschaften, die den Empfänger der Botschaft lähmen, und in einigen Fällen als die Ursache für schizophrene Erkrankungen gelten.
Nachdem ich heute mal auf Sylt wieder ein paar Fotos gemacht habe, wundert es mich gar nicht, dass man in Deutschland immer öfter beknackte Leute findet.
Theorie: Schuld ist der Schilderwald in Deutschland, der zwei oder mehr Sachen voneinander verlangt, die einander ausschließen.

Zur Untermauerung meiner Theorie folgende Fallbeispiele:

Beispiel 1:

Sie sind in Rantum als Tourist mit dem Fahrrad unterwegs, und wollen ein wenig über den Deich fahren.
Sie kommen an diese Stelle, wo man den Deich betreten könnte. Es sind zwei Schilder zu sehen, die Ihnen das erlaubte und verbotene Verhalten auf dem Deich klarmachen sollen:

Als sie Schild Nummer 1 lesen, sind Sie enttäuscht:

Befahren verboten. Das scheint eindeutig. Da man duch die kleine Pforte ja nun auch mit einem Smart nicht durchkommt, muss hier mit „Befahren“ das Befahren mit Fahrrädern gemeint sein.
Sie versuchen sich innerlich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Sie Ihr Fahrrad schieben müssen, und schreiten zu der kleinen Pforte, als ihnen Schild Nummer 2 ins Auge fällt:

Hier ist plötzlich auch das Radfahren auf eigene Gefahr erlaubt, denn wenn es verboten wäre, wäre der Hinweis, dass Radfahren auf eigene Gefahr geschiet mehr als überflüssig.
Dürfen Sie nun Radfahren, oder nicht? Dass es zwei verschiedene Ämter zu sein scheinen, die Ihnen da Sachen verbieten und erlauben, macht die Entscheidung nicht einfacher. (es handelt sich übrigens nur um ein Amt, das seinen Namen aber öfter ändert als Prince Love Symbol Symbol Tafkap Prince.)

Nachdem Sie zur Sicherheit doch zu Fuß gelaufen sind, nach einiger Zeit keine Lust mehr hatten, und den selben Weg zurückgehen, sehen Sie, dass auf dem Rücken des einen Schilds folgender Spruch angebracht ist:

Sie lachen nicht

Beispiel 2:

Diesmal haben Sie den Drahtesel zur Sicherheit zu hause gelassen, und fahren mit ihrem Auto nach Hörnum. Sie sehen, dass ein riesiger Stau die Ortseinfahrt verhindert. Offenbar werden dort Strassenarbeiten erledigt, und so ist nur eine Spur befahrbar.

Sie wollen nicht warten, sondern endlich was sehen, kehren um, und fahren auf den nächsten Parkplatz in den Dünen. Von hier aus gibt es sicher einen Zugang zum Strand, denken Sie sich, und nehmen ihren Fotoapparat mit.

Ein paar Fotos vom Meer machen sich sicher gut, wenn sie erst einmal wieder zu hause in Mettmann sind, und ihre Freunde und Bekannten mit einer ausgedehnten Diashow ärgern.

Sie kommen an eine Weggabelung. Links geht es einen gepflasterten Weg hoch zu etwas, was dem Laien nach einer Radaranlage aussieht, geradeaus geht es scheinbar zum Strand.

Auch hier sind wieder zwei Schilder angebracht:

Sie entscheiden sich zuerst für den linken Weg, und lesen das Schild, an dem sie vorbeikommen aufmerksam.
Wenn hier Militär ist, dann liest man sich besser vorher ganz genau durch, was man machen darf. Darf man betreten? Betreten müsste man eigentlich dürfen, denn an Ihnen sind schon etliche Urlauber vorbeigekommen. Darf man fotografieren? Wenn nicht, wäre es schade, aber bevor man sich erschießen lässt… Liegen hier Landminen oder Blindgänger? Man weiß ja nie. Auf dem Schild lesen sie folgendes:

Wieder alles auf eigene Gefahr, aber da es weder eisglatt noch nass ist, beschließen Sie es zu wagen, und da die Fotografie hier auch nicht verboten ist, freuen Sie sich auf ein paar nette Fotos von dem Radarstand runter auf’s Meer.
Übungszeiten scheinen nicht zu sein, denn es sind keine Soldaten zu sehen, und auf dem Parkplatz stehen auch keine Bundeswehrfahrzeuge.

Sie laufen also den gepflasterten Weg rauf, und machen ein paar Fotos vom Meer. Einen hübschen Ausblick hat man ja von hier, denken Sie sich, denn die Insel ist hier sehr schmal, und man kann auf beiden Seiten die Nordsee sehen.

Nun gehen Sie wieder herunter, und beschließen an den Strand zu gehen, den anderen Weg entlang also. Menschen kommen Ihnen vom Strand entgegen, als sie dann auf Schild Nummer 2 stoßen:

„Oben auf das Radarding darf man rauf, aber der Strand ist ein militärischer Sicherheitsbereich? Und es wird geschossen?“, denken Sie verblüfft, während ihnen weiter Urlauber vom Todesstrand entgegen kommen. Von oben aus haben sie auch welche am Strand sehen können. Ob die wussten, dass sie sich in einem militärischem Sicherheitsbereich aufhalten?
Wie verhalten Sie sich? Riskieren Sie es an den Strand zu gehen, obwohl der eine Standortälteste es ihnen verboten hat? Oder berufen Sie sich auf das erste Schild, auf dem derselbe Standortälteste das Betreten nur verbietet, wenn Manöverübung oder so ist?

Sie entscheiden sich hurtigst zu Ihrem Auto zu rennen, und schnell wieder in Ihre Ferienwohnung zu flüchten.

Meine Frage zu solchem Schilderirrsinn:
Werden einfach immer nur neue Schilder aufgestellt? Kontrolliert keiner mal, ob diese Schilder sich widersprechende Botschaften enthalten?