Impactsuspect » Schlumpfkatzhontas
Jan
20
2010

Schlumpfkatzhontas

Kaum ein Film hat die Öffentlichkeit schon im Vorfeld so polarisiert, wie James Camerons Science-Fiction-Öko-Drama „Avatar“. Und auch jetzt, nachdem ihn wohl schon jeder im Kino gesehen hat, der ihn im Kino sehen wollte,  gehen die Diskussionen noch weiter.  Die einen können sich noch nicht entscheiden, ob sie die tolle neue 3D-Technologie nun gut finden, und die anderen werfen dem Film – nicht ganz unbegründet – vor, dass es sich nur um einen Abklatsch von „Pocahontas“, „Ferngully“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ handelt.
Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

Written by Heiko C. in: Filme,Kurzrezensionen,Politisches | Schlagwörter:

9 Comments »

  • Also ich fand die Story grottig und mir hat das den Film fast vermiest. Die Optik konnte mich auch nicht weghauen, dafür war einfach der rest nicht stimmig genug. Aber auf meinem Blog ist dazu ja auch ein Beitrag…

    Comment | 20. Januar 2010
  • Heiko C.

    Hm. Geschmackssache. Vielleicht liegts daran, dass ich mir die Story sehr viel schlimmer vorgestellt hatte, oder dass ich noch im Eindruck der gesammelten Blödsinnigkeit von 2012 stand. Ich finde die Story mittelmäßig. Sie funktioniert als Story, der Plot ist allerdings wirklich sehr leicht vorhersehbar, und den Konflikt zwischen den großen bösen Industrieschergen und den netten Low-Tech-Eingeborenen hat in der Tat so einen Bart.
    Das wusste ich jedoch auch schon bevor ich ins Kino ging. Sicher nicht der beste Film 2009, das würde ich nie behaupten, aber auch nicht der schlechteste. Mein Tipp für den schlechtesten wären „2012“ und „New Moon“.

    Comment | 20. Januar 2010
  • order_by_rand

    Hey, schön, du hast ja doch noch was drüber geschrieben.

    Die schwebenden Wasserfälle gibts aber auch ganz in echt:
    http://www.gerryfoto.de/pixelpost/images/20080930201341_wasserh%C3%A4hne.jpg

    Comment | 21. Januar 2010
  • Heiko C.

    Na, wenn der Film schon zum internationalen Politikum wird, dann kann ich mich wohl auch nicht mehr davor drücken. :-/ Auch wenn ich lieber einen Totalverriss geschrieben hätte.

    Comment | 21. Januar 2010
  • Hab den Film kurz nach Weihnachten gesehen. Hatte überlegt, drüber zu bloggen, aber meine Meinung lässt sich viel zu unspannend und kurz abgeben: Visuell atemberaubend, inhaltlich klischeetriefender Hollywoodkäse mit ganz schön großen Logiklöchern. Insgesamt also ein Riesenspaß und eine Empfehlung, ins Kino zu gehen, ne große Packung Popcorn zu ordern und sich köstlich zu amüsieren.

    Comment | 21. Januar 2010
  • Heiko C.

    „Unspannend“ ist in diesem Zusammenhang genau das richtige Wort.

    Comment | 21. Januar 2010
  • REGEN erklärt die schwebenden Wasserfallberge vielleicht! Aber nur vielleicht…

    Comment | 23. Januar 2010
  • Heiko C.

    Dann muss es aber sehr oft, und punktgenau regnen.;-)

    Comment | 23. Januar 2010
  • Ich verstehe nicht, warum nicht alles weg fliegt, wenn schon ganze Berge weg fliegen. Das mit dem Wasser könnte man auch mit hoher Luftfeuchtigkeit erklären (Wolken?). Dieses Wasser kann nicht versickern und läuft einfach vom Berg herunter. Ich fand verschiedene Dinge schön: Wie die Eingeborenen aussahen und ihre Kultur, besonders die Drachen (hat mich an wow erinnert), wie sie fauchen, dass Jemand mit einer Behinderung im Mittelpunkt stand, das Netzwerk des Planeten, was Heiko so albern fand, die schwebenden Quellentiere und die schimmernden Eidechsen. Den moralischen Zeigefinger im Film fand ich auch gut. Etwas unglaubwürdig fand ich, dass die Hauptperson so schnell mitmachen durfte (okay wurde mit Kosten des Avatars erklärt) und auch, dass sie den Kampf am Ende gewinnen und die restlichen Soldaten sich dann einfach nach Hause schicken lassen. Aber ohne Happy End wäre der Film ja auch sch…

    Comment | 21. Juni 2010

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  • Also ich fand die Story grottig und mir hat das den Film fast vermiest. Die Optik konnte mich auch nicht weghauen, dafür war einfach der rest nicht stimmig genug. Aber auf meinem Blog ist dazu ja auch ein Beitrag…

    Comment | 20. Januar 2010
  • Heiko C.

    Hm. Geschmackssache. Vielleicht liegts daran, dass ich mir die Story sehr viel schlimmer vorgestellt hatte, oder dass ich noch im Eindruck der gesammelten Blödsinnigkeit von 2012 stand. Ich finde die Story mittelmäßig. Sie funktioniert als Story, der Plot ist allerdings wirklich sehr leicht vorhersehbar, und den Konflikt zwischen den großen bösen Industrieschergen und den netten Low-Tech-Eingeborenen hat in der Tat so einen Bart.
    Das wusste ich jedoch auch schon bevor ich ins Kino ging. Sicher nicht der beste Film 2009, das würde ich nie behaupten, aber auch nicht der schlechteste. Mein Tipp für den schlechtesten wären „2012“ und „New Moon“.

    Comment | 20. Januar 2010
  • order_by_rand

    Hey, schön, du hast ja doch noch was drüber geschrieben.

    Die schwebenden Wasserfälle gibts aber auch ganz in echt:
    http://www.gerryfoto.de/pixelpost/images/20080930201341_wasserh%C3%A4hne.jpg

    Comment | 21. Januar 2010
  • Heiko C.

    Na, wenn der Film schon zum internationalen Politikum wird, dann kann ich mich wohl auch nicht mehr davor drücken. :-/ Auch wenn ich lieber einen Totalverriss geschrieben hätte.

    Comment | 21. Januar 2010
  • Hab den Film kurz nach Weihnachten gesehen. Hatte überlegt, drüber zu bloggen, aber meine Meinung lässt sich viel zu unspannend und kurz abgeben: Visuell atemberaubend, inhaltlich klischeetriefender Hollywoodkäse mit ganz schön großen Logiklöchern. Insgesamt also ein Riesenspaß und eine Empfehlung, ins Kino zu gehen, ne große Packung Popcorn zu ordern und sich köstlich zu amüsieren.

    Comment | 21. Januar 2010
  • Heiko C.

    „Unspannend“ ist in diesem Zusammenhang genau das richtige Wort.

    Comment | 21. Januar 2010
  • REGEN erklärt die schwebenden Wasserfallberge vielleicht! Aber nur vielleicht…

    Comment | 23. Januar 2010
  • Heiko C.

    Dann muss es aber sehr oft, und punktgenau regnen.;-)

    Comment | 23. Januar 2010
  • Ich verstehe nicht, warum nicht alles weg fliegt, wenn schon ganze Berge weg fliegen. Das mit dem Wasser könnte man auch mit hoher Luftfeuchtigkeit erklären (Wolken?). Dieses Wasser kann nicht versickern und läuft einfach vom Berg herunter. Ich fand verschiedene Dinge schön: Wie die Eingeborenen aussahen und ihre Kultur, besonders die Drachen (hat mich an wow erinnert), wie sie fauchen, dass Jemand mit einer Behinderung im Mittelpunkt stand, das Netzwerk des Planeten, was Heiko so albern fand, die schwebenden Quellentiere und die schimmernden Eidechsen. Den moralischen Zeigefinger im Film fand ich auch gut. Etwas unglaubwürdig fand ich, dass die Hauptperson so schnell mitmachen durfte (okay wurde mit Kosten des Avatars erklärt) und auch, dass sie den Kampf am Ende gewinnen und die restlichen Soldaten sich dann einfach nach Hause schicken lassen. Aber ohne Happy End wäre der Film ja auch sch…

    Comment | 21. Juni 2010

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Ich hab den Film mittlerweile in 3D gesehen, die Optik war tatsächlich atemberaubend, und die Handlung war okay, wenn auch schon nicht so besonders neu.
Den Film in eine Schublade mit dem unterirdisch schlechten „Ferngully“ zu stecken ist meines Erachtens nach eine Beleidigung, im Grunde genommen ist der Film was Handlung und Schauspielerei angeht auch nicht wirklich schlechter als Kevin Costners Indianerepos.

Was man allerdings tun muss, wenn man diesen Film genießen will, ist sich dazu zu zwingen über die ganz groben logischen Fehler erst einmal hinwegzusehen.
Darüber, dass die Tier und Pflanzenwelt Pandoras scheinbar samt und sonders mit einer Art organischem USB-Anschlüssen ausgestattet sind, die es den Pandoranern erlauben sich – mittels passendem Stecker in deren Haaren – mit scheinbar beliebigen Tieren oder Pflanzen zu verbinden, um diese dann in einer Art symbiotischer Verbindung zu steuern…

Gut, ich zweifle daran, auch nach längerem Überlegen auf ein evolutionsbiologisches Szenario zu kommen, dass es sinnvoll machen würde so etwas zu entwickeln, aber na ja. „Suspension of Disbelief“ – zu deutsch „Außerkraftsetzung des Unglaubens“ – nennt man die bei Science-Fiction angemessene Reaktion auf sowas wohl.

Besonders störend fand ich jedoch die schwebenden Berge, die es auf dem Planeten Pandora gibt. Gut, schwebende Berge ließen sich wohl noch irgendwie mit Magneto-Dingenskirchenstrahlen erklären, die unter den Bergen ein Kraftfelddingsie erzeugen, und sie somit anheben, doch das erklärt nicht, wie diese schwebenden Berge Wasserfälle haben können.
Ich meine, irgendwoher muss das Wasser doch kommen, oder? Muss ja irgendwann alle sein, wenn der Felsen, auf dem die Quelle entspringt, nicht besonders groß ist, und keine Verbindung zum Erdboden hat, oder?

Ich meine, als surreale Kunst von Renè Magritte lass ich mir sowas ja gefallen, wenn es sein muss, auch als kitschiges Fantasy-Poster oder -T-Shirt, aber in einem Science Fiction Film, der sich ansonsten alle Mühe gibt, dass man ihn ernst nimmt? Nee, das war ein wenig zu viel des Guten.
Sicher könnte man sich da auch eine abstruse Erklärung einfallen lassen, wie das in der Logikwelt des Filmes funktioniert. Würde man mich zwingen, das wegzureden, dann würde ich mit Pflanzen anfangen, die Wasser aus der Luft sammeln, das dann unten abfließt – aber das müssten dann schon echt produktive Pflanzen sein.

Ansonsten habe ich erstaunlich wenig zu meckern, auch wenn ich mich darauf gefreut habe meckern zu können. Leider ist der Film nicht ein Zehntel so schlecht, wie 2012 war.
Das SF-Setting ist – von Ausreißern wie den Schwebebergen mal abgesehen – recht solide, ebenso die Handlung, und die Zeichnung der Charaktere. Hier erreicht der Film mit der Schulnote 3 wohl grad noch so die Absicht, die James Cameron bei der Produktion im Kopf hatte.
Wirklich außergewöhnlich wird der Film jedoch nur durch seine Effekte, speziell das 3D.
Ich erinnere mich daran, wie in den 80ern irgendwann mal im Fernsehen einige 3D Sendungen liefen. Die waren in schwarz-weiß, und die spärlich verteilten 3D Elemente waren rot-grün, zu betrachten durch eine Brille mit rotem und grünem Glas. Ich schreibe hier „Glas“ obwohl es sich streng genommen um billige Plastikfolie gehandelt hat.
Der 3D Effekt damals war eher so mau bis gar nicht, und von dem Rot-Grün bekam ich ziemlich schnell Kopfschmerzen.

Ich hab Avatar in einer Version gesehen, bei der man den 3D Effekt durch das Tragen einer Brille mit polarisierenden Gläsern sichbar macht.
Die Szenen mit den menschlichen Schauspielern waren räumlich, allerdings hatten die eher was von einem Diorama, als von echtem 3D, doch als der Film dann nur noch computeranimiert war, war er so 3D, wie ich nur fähig bin 3D zu sehen, und durch die grelle Buntheit des Filmes wirkte das echter als echt. Alle Achtung! Langsam glaube ich an die Prognose, dass wir das reguläre 3D-Fernsehen spätestens 2014 haben werden.

Ach ja, durch die polarisierenden Gläser war alles ganz normal in Farbe, und Kopfschmerzen hatte ich trotz der 160 Minuten langen Kinositzung auch nicht.

Das bemerkenswerte an dem Film sind neben den Effekten dann natürlich auch die Kontroversen die er ausgelöst hat.
In China beispielsweise darf „Avatar“ nur noch in 3D Kinos gezeigt werden, weil sich die Chinesen aufgrund der Enteignungspolitik in China sonst eventuell zu sehr mit den eingeborenen blauen Schlumpfkatzen-Aliens im Film identifizieren. Bei heise gibt es dazu mehr. Ein chinesischer Blogger fragte sich sogar angesichts Avatars, ob James Cameron mal heimlich in China gelebt habe, weil die Handlung des Filmes so zu den Zwangsräumungen passe, die in China wohl an der Tagesordnung zu sein scheinen.

Auch in Russland hat man Probleme mit dem Film. Wie die Welt berichtet, hat die Kommunistische Partei in Russland Camerons Verhaftung gefordert, weil er Elemente seines Filmes aus einem Roman des russischen SF-Schriftstellers Strugazki „übernommen“ hat.
Strugazki selbst sieht das mit dem „Übernehmen“ ähnlich, will aber keine Anzeige erstatten.
Das wäre allerdings auch nicht das erste mal, selbst wenn er Cameron anzeigen würde. E.A. van Vogt hat auch damals das Studio verklagt, dass „Alien“ gedreht hat, weil die ganze Prämisse des Films auf einer seiner Kurzgeschichten beruht. Van Vogt hat übrigens damals recht bekommen.

Beim Narren auf dem Hügel gibt’s zu dem Film noch ne zweite Meinung: LINK! Und eine dritte gibt es im Magdeblog: LINK!

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