Jan
14
2010

Kampf der Titanen: China gegen Google

Es ist ja mittlerweile durch die Rundfunk- und Holzmedien gegangen, und jeder zweite Blog schreibt sowieso drüber, aber ich muss das Thema trotzdem nochmal aufgreifen:

Google stellt bei seinem Chinadienst die politische Inhaltsfilterung aus.
Das hört sich ja erst einmal gut an, wenn man mal davon absieht, dass Google bei den Suchmaschinen in China eher die dritte Geige (oder den dritten Kontrabass, wenn man so will) spielt.
In den Holzmedien, wie hier bei SpOn ist von 30% Marktanteil zu lesen an guten Tagen liegt der aber wohl eher bei 20 – 24%. (Fragt mich nicht, wo ich das gelesen hab, weißnichtmehr) Trotzdem googelte bis vor kurzem immerhin noch etwa ein Fünftel aller Online-Chinesen.

Was ist nun passiert?
Nun, es kam wohl zu Hackingangriffen auf Google, für die Google scheinbar die chinesische Regierung – zumindest mittelbar – verantwortlich macht. Es soll nicht nur versucht worden sein die Gmailkonten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten zu hacken, nein, Gerüchte besagen, dass die Chinesen jetzt auch irgendwelche Protokolle haben, die Google eigentlich für die Antiterrorabteilung der US-Regierung führt. Sowas wie unsere Vorratsdatenspeicherung, glaube ich.

Google hat sich dann erst mal mit der US-Regierung abgesprochen, und dann China den Cyberkrieg erklärt, wenn man es so nennen will.
Wenn China trotz Googles Zugeständnissen an die Netzzensur im Reich der Mitte trotzdem noch versucht Google zu hacken, dann macht halt Google ab sofort keine Zugeständnisse mehr.
Das hieße wohl, dass Google in China zugemacht wird, aber Googles „humanitäres Programm“ ist in China ja sowieso nicht aufgegangen. Eigentlich war ja der Plan sich in China unentbehrlich zu machen – wie im Rest der Welt – um dann Menschenrechts- und Antizensurforderungen stellen zu können.
Da hat Google bei den Chinesen aber wohl auf einen besonders harten Granitkeks gebissen.

Pessimistische Unken mögen mosern: „Google und China! Das sind doch beides Datenkraken, wo ist denn da eigentlich der Unterschied? Mir doch egal, wenn die sich streiten!“

Trotz aller Skepsis, die ich der Datensammelwut Googles gegenüber für angebracht halte, sehe ich das jedoch ein wenig anders.
Allein die Ziele der beiden Giganten sind ganz andere: Während Google eine Firma ist, die im Grunde genommen nur ihr Produkt verkaufen will, ist China ein Staat, der gerne weiterhin die absolute Macht über seine Untertanen ausüben will.
Denken wir die Ideologien der beiden bis zum pessimistischten Ende durch, so geht China in Richtung Orwells „1984„, während sich Google eher in Richtung „Schöne neue Welt“ von Huxley bewegt.
Ich gebe zu, dass das nur eine Annäherung an die Wahrheit sein kann, denn Google will ja schließlich weder ein Kastensystem, noch dass Menschen in Massenklonung hergestellt werden, aber so in etwa, finde ich, haut es hin.

Im schlimmsten Fall will Google die Masse quasi „kontrollieren“ indem es ihr die richtige Information oder Werbung zur richtigen Zeit präsentiert. Google will die Menschen zufrieden machen.
Dass Google so viele Daten sammelt… – hey, das passiert doch nur, damit Google seine Kunden noch zufriedener machen kann!
Natürlich kann man diese Daten auch mißbrauchen, natürlich kann auch Google Zensur ausüben. Die machen das sogar schon. Auch in Deutschland werden Suchergebnisse ausgefiltert, die in Deutschland gegen Gesetze verstoßen.
Google weist aber darauf hin, dass es ausfiltert.
Dass mir Google Werbung schickt, die auf meinen Suchanfragen basiert, oder dem, was ich in meinen Emails schreibe? Sehr, sehr nervig, aber es gibt dann doch schlimmeres.

China hingegen: China will am liebsten die Geschichte täglich umschreiben, und solche Ereignisse wie das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens ganz aus der Vergangenheit streichen.
Ganz so wie potentiell gefährliche oder aufrüherrische Worte einen chinesischen Computer, der mit der Green-Damm-Software läuft, zum Absturz bringen.
Um ein Haar wäre diese Software ja Pflicht für alle chinesischen Computer geworden.
Sowas ist nichts anderes als Aussiebung von „Verbrechendenk“ durch eine elektronische „Gedankenpolizei“.

Da ziehe ich Huxleys Welt jeden Tag vor, wenn ich die Wahl zwischen dieser und der von Orwell habe.
Viele Chinesen sehen das scheinbar ähnlich, wie ein weiterer SpOn-Artikel schreibt.
Herrje, bei Huxleys „Schöne neue Welt“ sind sich ja noch nicht einmal die Literaturexperten einig, ob das wirklch eine Dysutopie sein soll.

Es gibt auch chronische Miesmacher, die sagen: „Alles nur ein gelungener PR-Gag von Google! Nur möglich, weil deren Geschäft in China sowieso nicht die Erwartungen erfüllt!“

Denen möchte ich einen Tweet vom elektrischen Reporter ans Herz legen:

Und wisst Ihr was? Mir ist lieber, Unternehmen tun aus PR-Gründen das Richtige, als dass sie es nicht tun. #googlecn

Seh‘ ich genauso!

Nachtrag: Eine Zusammenstellung von Beiträgen zu dem Thema findet sich noch bei Netzpolitik.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , , ,

7 Comments »

  • Moin.

    Naja, es mag schlimmeres geben, als wenn Google aus den Inhalten meiner mails mir Werbung schickt, aber rechtfertigt es dies? Niemals!!! Das finde ich schon ein Stück weit pervers. Wenn man dann mal bedenkt, daß man sich in Deutschland darüber aufregt, daß Internetseiten gesperrt werden sollen, was hier ja auch schon thematisiert wurde, ist diese Einstellung doch etwas … paradox, oder?

    Daß die chinesische Regierung nicht die … menschenfreundlichste ist, mag sein, aber deswegen darf Google nicht alles machen, was die wollen.

    Mit lieben Gruß
    Birger

    Comment | 14. Januar 2010
  • Heiko C.

    Na, man braucht ja nun kein Gmail-Konto zu haben, und wenn man eins hat, dann stimmt man dem ja nun zu.

    Comment | 14. Januar 2010
  • Ja, das stimmt wohl, aber ich finde es schon etwas hart … hm … bist du nicht eigentlich dagegen, daß man die Inhalte der mails liest?

    Comment | 14. Januar 2010
  • Heiko C.

    Schön finde ich das natürlich nicht, auch wenn Google die Mails wohl eher nicht alle liest, sondern sie von Suchalgorythmen nach Schlüsselwörtern durchsuchen lässt, nach denen sich dann die Anzeigen entscheiden, die du angezeigt bekommst. Wenn ich GMail (egal als Absender oder Empfänger) nutze, achte ich aber im Allgemeinen darauf, was ich schreibe. Sollte jeder machen.
    Ebenso sollte man schauen, was man bei Google sucht, weil alles in Verbindung mit deriner IP-Adresse gespeichert wird, was du da als Suchanfrage eingibst.

    Comment | 14. Januar 2010
  • order_by_rand

    Klar, es ist relativ leicht dem Datensaugstrudel von Google einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der handelsübliche chinesische Volksbürger hat diese Wahl nicht – wenn solche Vergleiche schon sein müssen.

    Übrigens hast du wieder ein hübsches neues Wort erfunden: „aufrüherrische“ – hat was 😉

    So, Feierabend, gleich ist die Nacht rum.

    *sing* Aufrüherr zu Berge – wir ziehn fallera …

    Comment | 15. Januar 2010
  • […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Thomas Calloran und Heiko C., Heiko C. erwähnt. Heiko C. sagte: Im Blog: Warum #google trotz Datenkrakerei immer noch besser ist als #china http://tinyurl.com/ybberwm Mit #cartoon […]

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