Jan
11
2010

Seltsame Inselvölker

Nein, diesmal geht es nicht um Sylt. Es gibt eine Insel wo sehr viel seltsamere Leute rumlaufen. Wo alteingefahrene Gewohnheiten das Leben diktieren, und man plötzlich so gar nicht mehr klarkommt, wenn sich die Rahmenbedingungen ein wenig ändern.
Was Japan? Pustekuchen! Nein, auch Japan meine ich nicht.

Die Rede ist natürlich von den sympathischen Insulanern im Westen: Den Briten. Kaum schneit es mal ein wenig, kommen sie nicht mehr klar. Kann man ja auch nicht ahnen, dass der Winter kalt wird, und eventuell auch ein wenig gefrorener Niederschlag herunterkommt.
Dass es zu Weihnachten schneit bei unseren britischen Nachbarn, die sich ob ihrer Europhobie ja ach so viel auf ihre Unabhängigkeit vom Kontinent einbilden, passiert ja nun auch eher selten.

Symbolphoto: Ist zwar auf Sylt aufgenommen worden, aber ich hab’s gespiegelt, damit es nach England aussieht, um den Leser an der Nase herumzuführen.

In den Weihnachtsspecials der britischen Science-Fictionserie „Dr. Who“ hat man das traditionell schneefreie Christfest in den letzten Jahren auch schon zum Running-Gag gemacht. Jedesmal schneite es trotz der eher milden Temperaturen, doch mal war es Asche eines abgeschossenen Raumschiffes, mal eine technische Spielerei des außerirdischen, zeitreisenden Serienhelden. Doch echter Schnee war es nie.
Ausgerechnet dieses Jahr hat man sowohl in der Weihnachts- als auch in der Neujahrsfolge der Serie ganz auf den Schnee verzichtet. Ironisch, wo Großbrittanien zwischen den Tagen so aussah, und auch noch immer aussieht.
Als man die Folgen irgendwann im Sommer oder Herbst drehte, ahnte man wohl einfach noch nicht, dass das dicke Wetterende kommen würde. Na ja, das ist auch durchaus verständlich.

Drolliger ist, wie sich die Briten mit dem kalten Wetter auseinandersetzen.
Bei Fefe kann man den Erfahrungsbericht eines in England lebenden Deutschen nachlesen:

Berlin hat mehr Schnee als hier. Aber hier herrscht Ausnamezustand. Normalerweise fahren die bei Schnee einfach das ganze Land runter und warten bis es taut. (Ok, der Norden weis wie man mit Schnee umgeht aber da wohnt auch keiner)
Dumm nur das es eben nicht taut.
Das Konzept Winterreifen ist voellig unbekannt. Es gibt kaum Raeumfahrzeuge, Seitenstrassen sind immer noch nicht frei von Schnee.
Die Muellabfuhr kommt nicht, Post auch nicht.

Okay, man kann ja viel über die Strassen sagen, die teilweise ’ne ganz schön lange Weile dicht bleiben, aber die Post komt bei uns immer noch. Ich denke die kommt auch in Berlin.
Doch zu beißen hat der arme Brite auch nichts mehr:

Zwei fette Gemueseregale, leer bis auf ein paar Kohlkoepfe und Paprika.
Frischfleischregal, leer bis auf ein paar uebriggebliebene Weihnachtsbraten.
Aber der Hammer, keine Eier, keine frische Milch und kein Brot!

Ob das alles etwas überdramatisiert ist? Wer weiß. Doch bei einem Teil des Berichts war es mir möglich den anhand einer „belastbaren Sekundärquelle“ wie Wikipedia sagen würde, zu überprüfen:

Beste Winterstory ist noch das hier kein Schwein den Gehweg raeumt. Angeblich kann man so nicht verklagt werden wenn einer sich hinlegt, denn es sei dann ein ‚Act of God‘. Wenn man was tut war man sich der Gefahr bewusst und hat es nicht richtig getan. Seit dem traut sich keiner oder ist froh ne gute Ausrede zu haben es nicht zuen zu muessen.
Mit so einem absurden Scheiss geben die sich hier zufrieden.

Wie man hier bei Mail-Online nachlesen kann, ist zumindest das wohl ein gesicherter Fakt: Keiner räumt – und es wird sogar vor dem Räumen gewarnt (!) – weil es dann glatt sein könnte:

Householders and businesses have been warned not to clear snowy pavements – as they could be sued if someone slips.

Das tollste ist aber noch, dass junge Partygängerinnen – in der gleichen Onlinezeitung nachzulesen – ohne Mantel oder Pulli auf die Strasse gehen, gekleidet, als wären sie im Mittelmeerurlaub.

Schaut euch mal die Photos da an! Was ist das? Übersprungshandlung, weil in den Köpfen der jungen Frauen einfach nicht vorgesehen ist, dass es mal so ein kaltes Wetter gibt?
Sind die alle so besoffen – das Bingedrinking ist in England ja beihnahe ein Volkssport – dass die gar nicht mehr merken, wie kalt es ist? Was soll das?

Und wie sieht es da drüben aus, wenn in zwei Wochen noch immer Schnee liegt? Liegen dann dort alle erfroren in ihrer Sommerkleidung auf dem Asphalt im Schnee? Oder sind alle verhungert, weil die Supermärkte kein Essen mehr liefern? Oder vereinsamt, weil die Post nicht mehr ausgeliefert wird?

Das schärfste ist aber noch, dass in Britannien schon die Rentner anfangen Enzyklopädien zu verbrennen, um sich nachts warm zu halten, ganz so wie in „The Day after Tomorrow“.

Passiert das alles echt, oder bin ich irgendwann vor Weihnachten eingeschlafen, und träume noch immer?

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter: ,

2 Comments »

  • order_by_rand

    Tja, unfassbar was die Isolation auf so einer Insel aus Menschen macht.
    Selbst unsere Fehmarn-Aborigines stellen sich nicht so doof an, obwohl es dort seit Generationen an frischem Erbmaterial fehlt.

    Die Nummer mit dem gespiegelten Foto ist auf jeden Fall klasse – sogar das passende Auto 😉

    Comment | 11. Januar 2010
  • Heiko C.

    Ja, in der Hinsicht ist Sylt ein dankbarer Ort: Zu jeder Jahreszeit lässt sich fast jedes erdenkliche Auto finden. In der Innenstadt von Westerländ hätte ich vermutlich sogar noch einen Rolls zum Ablichten finden können. ^^

    Comment | 11. Januar 2010

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