Jan
06
2010

Vampirbücher!!! AAAAHHHH!!!!

Mittlerweile gibt’s auch in den Bahnhofsbuchhandlungen von Niebüll und Westerland, die ich fast täglich frequentiere, fast ein ganzes Regal nur allein für verschiedene Vampirbücher. Sind Vampire in unseren Jahren das, was in den Achzigern die Dinosaurier waren?

Ich mein, es ist ja schön, wenn plötzlich alle jungen Leute lesen, aber es gibt doch auch noch andere Themen als Vampire, oder? Und sind nicht die meisten der erhältlichen Titel im Grunde sehr stark an Twilight angelehnt? Brauchen wir mehr wie Twilight?

Es gab vor einigen Jahren schonmal was ähnliches. Wegen Harry Potter. JK Rowling hat sich mit der Harry Potter Reihe ja von einer Sozialhilfeempfängerin zu einer der reichsten Frauen Englands geschrieben, und da wollten auch schon einige es ihr nachmachen, und haben mal bessere und mal schlechtere Harry-Potter Ripp-Offs geschrieben. Oder vielleicht wurden selbige auch nur lieber von den Verlegern aufgegriffen, um auf der Zauberschul-Welle zu reiten, solange sie anhält? Ich weiß es nicht.
Zwar hat Frau Rowling das Genre des „Zauberschulromans“ sicher nicht erfunden, sowas gibts schon sicher mindestens seit Achtzehnhunderttobak, aber Fakt ist, dass sie das Genre gewissermaßen modernisiert hat, und somit einen neuen Boom für diese Bücher – und Fantasy im Allgemeinen – auslöste.

Was hat das nun mit Vampiren zu tun?
Nun, obwohl Stephenie Meyer auch den „romantischen Vampirroman“ nicht erfunden hat, den gibt es schon seit Bram Stokers Dracula, hat sie ihn für eine gewisse Zielgruppe modern aufbereitet. Obwohl es bestimmt bessere Romane im Tennie-Romantik-Vampir-Genre geben muss (Bitte! Ich will einfach glauben, dass es so ist!), hat sie doch einen Nerv getroffen, und seitdem verkaufen sich ihre Bücher wie blöde.
Also kommen auch wieder irgendwelche Trittbrettfahrer, die mit ihren Romanen ebenfalls von dem Hype profitieren wollen.
Das klingt jetzt negativ, macht aber Kultur aus: Einer macht was, die Leute finden das toll, also macht ein anderer auch sowas, und versucht es besser zu machen.
Gäbe es diesen Mechanismus nicht, würden wir immer noch Mammute an Höhlenwände malen.

Im Regal mit Vampirbüchern fiel mir eines besonders ins Auge. Dieses hier:

Warum es mir ins Auge fiel? Nun, man sieht es auf dem Foto nicht wirklich, aber das Cover ist derart gestaltet, dass man meinen möchte, das Buch sei schon dutzendmal gelesen worden. Das Artwork des Covers sieht absichtlich so aus, als sei die Farbe an den Kanten abgerieben.
Clever, weil es einen zwingt, zweimal hinzusehen. Ich nahm das Buch also in die Hand und las mir den Klappentext durch. Heißt das bei einem Taschenbuch eigentlich Klappentext? Hat ja gar keine Klappen. Na die Zusammenfassung hinten auf dem Buchrücken meine ich. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.
Allein der erste Satz ließ mich schon stutzen.

Rose Hathaway steht vor ihrem Abschluss an der Vampirakademie.

Vampirakademie? Ist Vampir mittlerweile ein Lehrberuf? Gibts da einen akademischen Grad, den man bekommt, wenn man fertig ist? „Dr. vamp dent“, oder so? Ich dachte immer man müsste gebissen werden, ich wusste nicht, dass es da eine Art Ausbildung zum Vampir gibt, die man machen kann. Erstaunlich.

Ich hab den Roman jetzt natürlich nicht gekauft oder gelesen – kann ja sein, dass er ganz gut ist – aber Vampirakademie? Ich kann mir nicht helfen, aber mir kommt das fast so vor, als habe sich die Autorin Richelle Mead sich da beiderseitig von Harry Potter UND Twilight… nun „inspirieren lassen“.
Wow. Ich bin sprachlos. Ich bin beihnahe neugierig, wie das Buch ist. Aber nur beinahe.

Au, ja, bevor ich’s vergesse: Wer das Buch kennt, mag mal bitte seinen Eindruck in die Kommentare schreiben.

Nachtrag: Ich bin übrigens nicht der erste, der über das Vampirbuchphänomen stolpert.

Written by Heiko C. in: Bücher,Kurzrezensionen | Schlagwörter: ,

5 Comments »

  • Naja zumindest ein gutes Buch sehe ich in dem Regal, und wahrscheinlich auch das Einzige, das ich mir kaufen würde: Moores „Lange Zähne“.
    Ansonsten finde ich es genauso guslig, was da abgeht. Vor allem: Sind die Teens wirklich so blöde, dass sie den ganzen Mist konsumieren?

    Comment | 7. Januar 2010
  • Es gibt eine einzige Vampirreihe, die ich tatsächlich empfehlen kann. Das wäre die „Undead“ Reihe von Mary Janice Davidson. Die deutschen Titel kenne ich nicht alle, da ich diese Bücher im Original gelesen habe. Die Stories sind eine flockige, romantische Satire auf dieses derzeit überstrapazierte Genre. Sämtliche Klischees werden überdreht durch den Kakao gezogen. Der Titel des zweiten Bandes „Undead and Unemployed“ wurde leider nicht direkt ins Deutsche übertragen. Dabei fände ich „Untot und Arbeitslos“ sehr witzig für einen satirischen, aber auch romantischen Vampirroman. „Süß wie Blut und teuflisch gut“ klingt einfach nicht so gut sondern ziemlich dämlich, meiner bescheidenen Meinung nach.

    Comment | 17. Januar 2010
  • Dr. Acula

    Der einzige, der den akademischen Titel „Vampir“ tragen kann, wäre meiner Meinung nach Dr. Acula.
    Aber sonst schließe ich mich der Meinung an.

    @MarkusW:
    Ja, tun sie. Das ist Zielgruppenforschung. Vor allem Mädchen zwischen 14 und 20 kaufen alles, was man ihnen vorsetzt.

    Comment | 21. Januar 2010
  • Tatsächlich gibt es diesen Trend schon länger, ist jetzt aber erst in solcher Ausprägung auch in good old Germany angekommen. Vorher waren es doch eher Kurzgeschichten. Ich will das böse Wort „Groschenroman“ nicht in den Mund nehmen, aber die Länge geht doch eher in eben diese Richtung wenn man ehrlich ist…

    Auf der Anderen Seite wird nun alles etwas mehr „verkitscht“, denn man weiss ja was die Frauenwelt äh -Leserschaft- so an Erwartungen stellt um neue Schmöker anziehend zu finden.

    Ich bin auf jeden Fall auch schon länger auf den Trip gekommen und will nicht mutmaßen wie sehr die Cover daran schuld waren *g*

    Comment | 7. Juni 2010
  • Och, es sind nicht nur Mädels als Zielgruppe dabei. War man in den Twilight-Filmen, kommt man natürlich auf die Idee, wenn man 450 Kinobesucherinnen angesichts von Lautner & Pattinson kurz vorm Eisprung erlebte.
    Natürlich steht auch bei mir das Regal voll mit Büchern über die bissigen Typen, schon seit Schulzeiten. Ich tät mich schwer, da die besten zehn herauszufiltern. Als ich mit Freunden in einem Twilight-Kinoabend war, haben wir uns herzlich über die Klischees in den Filmen amüsiert und dachten dann darüber nach, wie es denn wäre, wenn es die Typen mit den alternativen Ernährungsgewohnheiten wirklich gäbe. Was würde die FDP dazu sagen? Würde sie z.B. die MwSt. für Blutkonserven senken?
    Aus der Schnapsidee entstand ein Roman, der einem Verlag gefiel und im Herbst herauskommt.

    Comment | 1. Juli 2012

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