Impactsuspect » Der Rechtsfreie Raum – Preisträger November 2009
Dez
16
2009

Der Rechtsfreie Raum – Preisträger November 2009

Trotzdem es ein klein wenig ruhig geworden ist, im netzpolitischen Tollhaus von Politik und Medien, ist es immerhin nicht ganz still geworden. Wöchentlich reicht es nicht mehr, um den Rechtsfreien Raum zu verleihen, aber in einem Monat kommt immer noch ein wenig zusammen.
Und was mussten wir uns diesen Sommer nicht alles schon anhören, bzw. durchlesen: Das Internet war unzählige Male ein „rechtsfreier Raum“, dank den Grünen wurde auch vor dem „bürgerrechtsfreien Raum“ gewarnt, und nicht zuletzt auch von der FDP vor dem „urheberrechtsfreien Raum“.

Während die Ex-Familienministerin von der Leyen sehr kreativ mit dieser unserer meistgehassten Phrase umging, und Stilblüten wie „moralfreier Raum“ und „rechtsfreier Chaosraum“ schuf, wähnte sich der Ex-Innenminister Schäuble am sichersten mit dem Bewährten, und baute die originale Phrase vom „rechtsfreien Raum“ in möglichst jede Wahlkampfveranstaltung ein.
Für manche wurde das Internet sogar zur „See der Gesetzlosigkeit“, eine Konstruktion, für deren Schaffung man schon sehr viel Fantasie und Kreativität benötigt.

Auch der neue Preisträger hat diese Phrase ein wenig abgewandelt. Vermutlich damit’s nicht langweilig wird, oder weil allen so langsam der „rechtsfreie Raum“ zu den Ohren herauskommt.
Die Rede ist natürlich von Jörg Ziercke, seines Zeichens Präsident des BKA. Es schuf unlängst, wie bei heise nachzulesen ist, den wunderbaren Phrasenmischling „Das Internet darf kein verfolgungsfreier Raum sein“.

Obwohl Ziercke sich in der Struktur streng an das Original der Phrase hält, fügt er in der Benutzung eine eigene Note hinzu: aus „rechtsfrei“ wird „verfolgungsfrei„.
FDP und Grüne spezifizieren in ihren Phrasenbastarden nur das Recht, dass ihrer Ansicht nach bald im Raum Internet vermisst wird (Bürgerrecht / Urheberrecht). Auch Frau von der Leyen schraubt nur ein wenig an der Bedeutung herum, wenn sie neue Phrasenkinder erschafft. „Rechtsfreier Chaosraum“ ist an sich – in der Gedankenwelt unserer Politiker – ja schon eine Tautologie. Ein Raum ohne Recht ist ein Chaos. Von einem „rechtsfreien Chaosraum“ zu sprechen ist also, als würde man von einem „in der Farbe sehr hellen, weißen, Schimmel“ sprechen.
Auch der „moralfreie Raum“ ist nicht so grundverschieden vom „rechtsfreien Raum„, wie man auf den ersten Blick denken möchte: Was ist „Moral“ denn anderes als ein System von Regeln, ganz ähnlich dem Recht?

Auch die „See der Gesetzlosigkeit“ ist im Grunde genommen das gleiche in seegrün. Eine „See“ ist im Grunde genommen ein Raum – bloss eben mit Wasser. Und die Gesetzlosigkeit ist rechtsfrei. Also auch hier bleibt man semantisch im Grunde beim Alten.

Der „verfolgungsfreie Raum“ des Herrn Ziercke ist allerdings etwas anderes, etwas neues. Als Kopf einer Strafverfolgungsbehörde weiß Herr Ziercke, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Immerhin gelten die Gesetze ja auch im Internet. Sein Problem mit dem Internet ist ein anderes: Wenn da alle sich unterhalten können, ohne dass man wo abhören kann, dann können die ja auch verbotene Sachen planen.
Zugegeben er formuliert es etwas anders, aber genau das ist im Grunde genommen, was er am Internet auszusetzen hat, daher auch die weise Wortwahl: „verfolgungsfreier Raum“.

Applaus Herrn Ziercke! Er hat sich den ersten Rechtsfreien Raum des Monats verdient!

1 Kommentar »

  • Lego

    Demnach ist ja jeder Raum, in dem nicht abgehört wird, also z.B. zu Hause mein Schlafzimmer, ein „verfolgungsfreier Raum“.
    Und nach Zierke darf es so was nicht geben. Big Brother läßt grüßen.

    Comment | 29. März 2010

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  • Lego

    Demnach ist ja jeder Raum, in dem nicht abgehört wird, also z.B. zu Hause mein Schlafzimmer, ein „verfolgungsfreier Raum“.
    Und nach Zierke darf es so was nicht geben. Big Brother läßt grüßen.

    Comment | 29. März 2010

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Dez
16
2009

Der Rechtsfreie Raum – Preisträger November 2009

Trotzdem es ein klein wenig ruhig geworden ist, im netzpolitischen Tollhaus von Politik und Medien, ist es immerhin nicht ganz still geworden. Wöchentlich reicht es nicht mehr, um den Rechtsfreien Raum zu verleihen, aber in einem Monat kommt immer noch ein wenig zusammen.
Und was mussten wir uns diesen Sommer nicht alles schon anhören, bzw. durchlesen: Das Internet war unzählige Male ein „rechtsfreier Raum“, dank den Grünen wurde auch vor dem „bürgerrechtsfreien Raum“ gewarnt, und nicht zuletzt auch von der FDP vor dem „urheberrechtsfreien Raum“.

Während die Ex-Familienministerin von der Leyen sehr kreativ mit dieser unserer meistgehassten Phrase umging, und Stilblüten wie „moralfreier Raum“ und „rechtsfreier Chaosraum“ schuf, wähnte sich der Ex-Innenminister Schäuble am sichersten mit dem Bewährten, und baute die originale Phrase vom „rechtsfreien Raum“ in möglichst jede Wahlkampfveranstaltung ein.
Für manche wurde das Internet sogar zur „See der Gesetzlosigkeit“, eine Konstruktion, für deren Schaffung man schon sehr viel Fantasie und Kreativität benötigt.

Auch der neue Preisträger hat diese Phrase ein wenig abgewandelt. Vermutlich damit’s nicht langweilig wird, oder weil allen so langsam der „rechtsfreie Raum“ zu den Ohren herauskommt.
Die Rede ist natürlich von Jörg Ziercke, seines Zeichens Präsident des BKA. Es schuf unlängst, wie bei heise nachzulesen ist, den wunderbaren Phrasenmischling „Das Internet darf kein verfolgungsfreier Raum sein“.

Obwohl Ziercke sich in der Struktur streng an das Original der Phrase hält, fügt er in der Benutzung eine eigene Note hinzu: aus „rechtsfrei“ wird „verfolgungsfrei„.
FDP und Grüne spezifizieren in ihren Phrasenbastarden nur das Recht, dass ihrer Ansicht nach bald im Raum Internet vermisst wird (Bürgerrecht / Urheberrecht). Auch Frau von der Leyen schraubt nur ein wenig an der Bedeutung herum, wenn sie neue Phrasenkinder erschafft. „Rechtsfreier Chaosraum“ ist an sich – in der Gedankenwelt unserer Politiker – ja schon eine Tautologie. Ein Raum ohne Recht ist ein Chaos. Von einem „rechtsfreien Chaosraum“ zu sprechen ist also, als würde man von einem „in der Farbe sehr hellen, weißen, Schimmel“ sprechen.
Auch der „moralfreie Raum“ ist nicht so grundverschieden vom „rechtsfreien Raum„, wie man auf den ersten Blick denken möchte: Was ist „Moral“ denn anderes als ein System von Regeln, ganz ähnlich dem Recht?

Auch die „See der Gesetzlosigkeit“ ist im Grunde genommen das gleiche in seegrün. Eine „See“ ist im Grunde genommen ein Raum – bloss eben mit Wasser. Und die Gesetzlosigkeit ist rechtsfrei. Also auch hier bleibt man semantisch im Grunde beim Alten.

Der „verfolgungsfreie Raum“ des Herrn Ziercke ist allerdings etwas anderes, etwas neues. Als Kopf einer Strafverfolgungsbehörde weiß Herr Ziercke, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Immerhin gelten die Gesetze ja auch im Internet. Sein Problem mit dem Internet ist ein anderes: Wenn da alle sich unterhalten können, ohne dass man wo abhören kann, dann können die ja auch verbotene Sachen planen.
Zugegeben er formuliert es etwas anders, aber genau das ist im Grunde genommen, was er am Internet auszusetzen hat, daher auch die weise Wortwahl: „verfolgungsfreier Raum“.

Applaus Herrn Ziercke! Er hat sich den ersten Rechtsfreien Raum des Monats verdient!

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