Impactsuspect » Horrorfilme, Remakes und lesbische Lebensweise
Dez
12
2009

Horrorfilme, Remakes und lesbische Lebensweise

Ich kam mit ein paar Freunden neulich wieder dazu einen Klassiker des Horrorfilm zu schauen. Es handelt sich um „The Haunting“, eine Adaption des Romans „The Haunting of Hill House“ in der Version von Ray Wise aus dem Jahre 1963. Auf Deutsch heißt der Film „Bis das Blut gefriert“.

Das wohl letzte Mal davor hatte ich den Film gesehen, als ich so 14 war, und damals fand ich ihn wirklich gruselig, trotz – oder gerade weil – er sehr sparsam mit visuellen Effekten umgeht. Ähnlich wie „Blairwitch Projekt“ – den man nun mögen kann, oder auch nicht – oder jüngst „Paranormal Activity“ legt auch „The Haunting“ ein größeres Gewicht auf die Glaubwürdigkeit der Charaktere, als auf möglichst grausame Darstellung von Monstren, Spuk oder Verstümmelung. Aus heutiger Sicht mag man den Film daher vielleicht als „zahmen Gruselfilm“ bezeichnen, lässt man sich jedoch auf die grimme Atmosphäre ein, hält er immer noch den einen oder anderen Schrecken für den Betrachter bereit.

Hier eine Kurzzusammenfassung des Plots, wer den Film lieber erst sehen will, der soll mal woanders hinlesen. SPOILERALARM!!!! …sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Irgendwo in Neuengland gibt es eine alte Villa namens „Hill House“. Im Laufe der Jahre sind dort zahlreiche Bewohner ums Leben gekommen, zuletzt die Tochter des Erbauers, die ihr ganzes Leben lang ihr Kinderzimmer nicht verlassen hat, und schließlich als greise Frau in ihrem Bett starb, weil ihre Zugehfrau sich statt aufzupassen auf dem Balkon lieber mit einem Mann vergnügt hat.
Die Zugehfrau erbt ungerechterweise den alten Kasten, und erhängt sich schließlich in der Bibliothek des Hauses. Seitdem heißt es, in dem Haus spuke es.
Ein Parapsychologe (Dr. Markway) will es dann irgendwann genau wissen, und mietet das Haus von der Besitzerin, um die Spukereignisse zu dokumentieren. Die Besitzerin warnt, dass das Haus nur Ärger mache, und schickt ihren dandyhaften Neffen Luke mit, um bei den Experimenten zu helfen.
Als Menschen, die schon mal übersinnliche Erfahrungen gemacht haben werden auch noch die telepathisch begabte Thea und die perspektivlose Eleanore eingeladen.
Alle werden sie von der Haushälterin begrüßt, die ein wenig an Frau Blücher aus Frankenstein Junior erinnert, und mehrmals darauf hinweist, dass sie nachts nicht im Haus ist, und keiner hört, wenn wer schreit. In der ersten Nacht hören Thea und Eleanor ein unheimliches gleichmäßiges Klopfen, dass durch das Haus zu wandern scheint. Zudem ist noch ein seltsames Schnüffeln zu hören.
Beide geraten in Panik, bis das Klopfen abrupt aufhört. Sie öffnen schließlich die Tür um nachzusehen, was los war, und treffen auf Luke und Dr. Markway, die sich im Garten herumgetrieben haben, um einen Hund zu suchen.
Immer mehr merkwürdige Ereignisse finden statt, so findet sich eine merkwürdige Schrift an der Wand, Eleanor hört es des Nachts wieder Klopfen und andere Geräusche, und verliert langsam den Verstand. Am Ende ist sie davon überzeugt, dass das Haus sie selbst will, und ist in geistig derart desolater Verfassung, dass sie das sogar gut findet.
Im ganzen Film finden sich nur wenige wirkliche Ereignisse, die sich nicht auf die Einbildung der schwachen Psyche von Eleanor zurückführen lassen. Einmal die Klopfgeräusche des nachts, die Thea immerhin das erste mal auch hört und später dann eine Tür, die sich nach innen biegt, als wäre sie aus Gummi, ein Ereignis, dass alle 4 sehen. Bis zu letzteren Ereignis könnte man auf die Idee kommen, in dem Haus spuke es garnicht. Auch der Bodycount ist hier für das Genre eher zurückhaltend: In der gesamten Haupthandlung stirbt nur ein Mensch.

1999 kam dann ein Remake, dass ebenfalls „The Haunting“ hieß, diesmal auf Deutsch „Das Geisterschloss“. Als erster Unterschied zum Original fällt auf, dass hier keineswegs mit Effekten und kreativen Todesfällen gespart wurde. Hier sieht man durchsichtige Geister alà Ghostbusters, dort wird Owen Wilson der Kopf abgesäbelt. Auch die Vorgeschichte des Hauses ist um ein gutes geschüttelt Maß spektakulärer als im Original. Wo 1963 der Erbauer des Hauses nur ein wenig exzentrisch war, hat er im Remake im überdimenionalen Kamin des Hauses Kinder verbrannt.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich vom Remake – gelinde gesagt – enttäuscht war, wenn auch nicht überrascht.
Noch etwas, dass mir aufgefallen ist, als ich den Film dann irgendwann auf Video gesehen habe: Die hier von Cathrine Zeta Jones gespielte Thea scheint im Remake lesbisch zu sein. Das spielt im Rest des Filmes kaum eine Rolle, und gerade deshalb hat mich das ein wenig überrascht, … bis ich dann mal wieder das Original sah.

Damals ist es mir nie aufgefallen, denn im Grunde ist es recht subtil gemacht, aber Thea ist auch schon im Original scheinbar lesbisch, und zudem in Eleanor zumindest verknallt. In der ersten Nacht nutzt sie den Moment der Erleichterung nachdem das Geklopfe aufgehört hat, um Eleanor mitzuteilen, dass sie sich „nach Wärme“ sehnt, wenn sie mit solchen Schreckmomenten konfrontiert ist – während die beiden noch Arm in Arm zusammen im Bett liegen. Später reagiert sich mit einem belustigten „Nein!“ auf die Frage, ob sie verheiratet sei, als sei dies die dämlichste Frage, die man ihr überhaupt je gestellt habe, und den ganzen Film über wird sie nicht müde zu betonen, dass Dr. Markway kein Interesse an Eleanor hat, die bis über beide Ohren in ihn verknallt ist.
Außerdem scheint Theas Körpersprache und Verhalten stets und ständig darauf hinzudeuten, dass sie Eleanor aus vollen Rohren anbaggert.
Eleanor merkt zuerst nicht, dass Thea ein romantisches Interesse an ihr hat, und als sie es dann merkt, reagiert sie offen feindselig. Das gipfelt dann schließlich darin, dass sie Thea wutschnaubend vor die Füße wirft, dass sie „widernatürlich“ sei, was Thea zusehends sehr verletzt.

Nun kann man dies alles auch anders deuten. Das „widernatürlich“ könnte ebensogut auf Theas telepathische Begabung zurückzuführen sein, welche allerdings keine allzu große Rolle im Rest des Filmes spielt. All die anderen Anzeichen kann man leicht übersehen, doch ist es in alten Filmen üblich gewesen, Homosexualität nur sehr subtil darzustellen, weil eine von der Kirche aufgezwungene Selbstzensur die Thematisierung selbiger in Hollywoodfilmen strikt verboten hat. Allein die Zweideutigkeit genannter Szenen würde ich also eindeutig nennen, gerade auch wenn man sich das Resümee von Regisseur Robert Wise ansieht. Seine Filme sind gerne mal unter der Oberfläche gesellschaftskritisch, auch wenn sie oberflächlich als Horror- oder Science-Fiction-Filme daherspazieren. Zu nennen sei da nur „Der Tag an dem die Erde stillstand“, ein SF-Film, der im Grunde eine bitterböse Gesellschaftskritik ist, oder „House on Telegraph Hill“, ein Psychothriller, der fast nebenbei das Grauen des Holocaust aufgreift.
Schade, dass im Remake von „The Haunting“ so wenig Gesellschaftskritik übriggeblieben ist. Wieder ein Remake, dass um die tiefere Bedeutung erleichtert wurde, wie so viele von Filmen aus der Zeit.

Written by Heiko C. in: Filme,Gesellschaftliches,Gruseliges,Psychologisches | Schlagwörter: , ,

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Horrorfilme, Remakes und lesbische Lebensweise

Ich kam mit ein paar Freunden neulich wieder dazu einen Klassiker des Horrorfilm zu schauen. Es handelt sich um „The Haunting“, eine Adaption des Romans „The Haunting of Hill House“ in der Version von Ray Wise aus dem Jahre 1963. Auf Deutsch heißt der Film „Bis das Blut gefriert“.

Das wohl letzte Mal davor hatte ich den Film gesehen, als ich so 14 war, und damals fand ich ihn wirklich gruselig, trotz – oder gerade weil – er sehr sparsam mit visuellen Effekten umgeht. Ähnlich wie „Blairwitch Projekt“ – den man nun mögen kann, oder auch nicht – oder jüngst „Paranormal Activity“ legt auch „The Haunting“ ein größeres Gewicht auf die Glaubwürdigkeit der Charaktere, als auf möglichst grausame Darstellung von Monstren, Spuk oder Verstümmelung. Aus heutiger Sicht mag man den Film daher vielleicht als „zahmen Gruselfilm“ bezeichnen, lässt man sich jedoch auf die grimme Atmosphäre ein, hält er immer noch den einen oder anderen Schrecken für den Betrachter bereit.

Hier eine Kurzzusammenfassung des Plots, wer den Film lieber erst sehen will, der soll mal woanders hinlesen. SPOILERALARM!!!! …sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Irgendwo in Neuengland gibt es eine alte Villa namens „Hill House“. Im Laufe der Jahre sind dort zahlreiche Bewohner ums Leben gekommen, zuletzt die Tochter des Erbauers, die ihr ganzes Leben lang ihr Kinderzimmer nicht verlassen hat, und schließlich als greise Frau in ihrem Bett starb, weil ihre Zugehfrau sich statt aufzupassen auf dem Balkon lieber mit einem Mann vergnügt hat.
Die Zugehfrau erbt ungerechterweise den alten Kasten, und erhängt sich schließlich in der Bibliothek des Hauses. Seitdem heißt es, in dem Haus spuke es.
Ein Parapsychologe (Dr. Markway) will es dann irgendwann genau wissen, und mietet das Haus von der Besitzerin, um die Spukereignisse zu dokumentieren. Die Besitzerin warnt, dass das Haus nur Ärger mache, und schickt ihren dandyhaften Neffen Luke mit, um bei den Experimenten zu helfen.
Als Menschen, die schon mal übersinnliche Erfahrungen gemacht haben werden auch noch die telepathisch begabte Thea und die perspektivlose Eleanore eingeladen.
Alle werden sie von der Haushälterin begrüßt, die ein wenig an Frau Blücher aus Frankenstein Junior erinnert, und mehrmals darauf hinweist, dass sie nachts nicht im Haus ist, und keiner hört, wenn wer schreit. In der ersten Nacht hören Thea und Eleanor ein unheimliches gleichmäßiges Klopfen, dass durch das Haus zu wandern scheint. Zudem ist noch ein seltsames Schnüffeln zu hören.
Beide geraten in Panik, bis das Klopfen abrupt aufhört. Sie öffnen schließlich die Tür um nachzusehen, was los war, und treffen auf Luke und Dr. Markway, die sich im Garten herumgetrieben haben, um einen Hund zu suchen.
Immer mehr merkwürdige Ereignisse finden statt, so findet sich eine merkwürdige Schrift an der Wand, Eleanor hört es des Nachts wieder Klopfen und andere Geräusche, und verliert langsam den Verstand. Am Ende ist sie davon überzeugt, dass das Haus sie selbst will, und ist in geistig derart desolater Verfassung, dass sie das sogar gut findet.
Im ganzen Film finden sich nur wenige wirkliche Ereignisse, die sich nicht auf die Einbildung der schwachen Psyche von Eleanor zurückführen lassen. Einmal die Klopfgeräusche des nachts, die Thea immerhin das erste mal auch hört und später dann eine Tür, die sich nach innen biegt, als wäre sie aus Gummi, ein Ereignis, dass alle 4 sehen. Bis zu letzteren Ereignis könnte man auf die Idee kommen, in dem Haus spuke es garnicht. Auch der Bodycount ist hier für das Genre eher zurückhaltend: In der gesamten Haupthandlung stirbt nur ein Mensch.

1999 kam dann ein Remake, dass ebenfalls „The Haunting“ hieß, diesmal auf Deutsch „Das Geisterschloss“. Als erster Unterschied zum Original fällt auf, dass hier keineswegs mit Effekten und kreativen Todesfällen gespart wurde. Hier sieht man durchsichtige Geister alà Ghostbusters, dort wird Owen Wilson der Kopf abgesäbelt. Auch die Vorgeschichte des Hauses ist um ein gutes geschüttelt Maß spektakulärer als im Original. Wo 1963 der Erbauer des Hauses nur ein wenig exzentrisch war, hat er im Remake im überdimenionalen Kamin des Hauses Kinder verbrannt.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich vom Remake – gelinde gesagt – enttäuscht war, wenn auch nicht überrascht.
Noch etwas, dass mir aufgefallen ist, als ich den Film dann irgendwann auf Video gesehen habe: Die hier von Cathrine Zeta Jones gespielte Thea scheint im Remake lesbisch zu sein. Das spielt im Rest des Filmes kaum eine Rolle, und gerade deshalb hat mich das ein wenig überrascht, … bis ich dann mal wieder das Original sah.

Damals ist es mir nie aufgefallen, denn im Grunde ist es recht subtil gemacht, aber Thea ist auch schon im Original scheinbar lesbisch, und zudem in Eleanor zumindest verknallt. In der ersten Nacht nutzt sie den Moment der Erleichterung nachdem das Geklopfe aufgehört hat, um Eleanor mitzuteilen, dass sie sich „nach Wärme“ sehnt, wenn sie mit solchen Schreckmomenten konfrontiert ist – während die beiden noch Arm in Arm zusammen im Bett liegen. Später reagiert sich mit einem belustigten „Nein!“ auf die Frage, ob sie verheiratet sei, als sei dies die dämlichste Frage, die man ihr überhaupt je gestellt habe, und den ganzen Film über wird sie nicht müde zu betonen, dass Dr. Markway kein Interesse an Eleanor hat, die bis über beide Ohren in ihn verknallt ist.
Außerdem scheint Theas Körpersprache und Verhalten stets und ständig darauf hinzudeuten, dass sie Eleanor aus vollen Rohren anbaggert.
Eleanor merkt zuerst nicht, dass Thea ein romantisches Interesse an ihr hat, und als sie es dann merkt, reagiert sie offen feindselig. Das gipfelt dann schließlich darin, dass sie Thea wutschnaubend vor die Füße wirft, dass sie „widernatürlich“ sei, was Thea zusehends sehr verletzt.

Nun kann man dies alles auch anders deuten. Das „widernatürlich“ könnte ebensogut auf Theas telepathische Begabung zurückzuführen sein, welche allerdings keine allzu große Rolle im Rest des Filmes spielt. All die anderen Anzeichen kann man leicht übersehen, doch ist es in alten Filmen üblich gewesen, Homosexualität nur sehr subtil darzustellen, weil eine von der Kirche aufgezwungene Selbstzensur die Thematisierung selbiger in Hollywoodfilmen strikt verboten hat. Allein die Zweideutigkeit genannter Szenen würde ich also eindeutig nennen, gerade auch wenn man sich das Resümee von Regisseur Robert Wise ansieht. Seine Filme sind gerne mal unter der Oberfläche gesellschaftskritisch, auch wenn sie oberflächlich als Horror- oder Science-Fiction-Filme daherspazieren. Zu nennen sei da nur „Der Tag an dem die Erde stillstand“, ein SF-Film, der im Grunde eine bitterböse Gesellschaftskritik ist, oder „House on Telegraph Hill“, ein Psychothriller, der fast nebenbei das Grauen des Holocaust aufgreift.
Schade, dass im Remake von „The Haunting“ so wenig Gesellschaftskritik übriggeblieben ist. Wieder ein Remake, dass um die tiefere Bedeutung erleichtert wurde, wie so viele von Filmen aus der Zeit.

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