Dez
03
2009

Schweizer Basisdemokratie verbietet Minarettbau

In der Schweiz haben sie abgestimmt ob der Minarettbau verboten werden soll. 52% der Wahlberechtigten sind hingegangen, und haben ihre Stimme abgegeben. Davon wiederum 57% stimmten für das Verbot Minarette in der Schweiz zu bauen.

Bald auch in Deutschland? Minarettenverbot in Kneipen

Argumente, die man auch hierzulande gerne von Befürwortern eines solchen Verbotes oder anderen verwirrten Menschen hört, sind unter anderem folgende:

Argument 1: Der Islam ist voll böse. Wir haben ganz doll Angst, wenn da ein Minarett im Dorf lauern tut.

Meine Antwort: Der Islam ist nicht voll böse. Und selbst wenn er das wäre, und man dafür Anhaltspunkte hätte, was nutzt es da Minarette zu verbieten?

Argument 2: In der Schweiz wurde das Verbot von linken Feministinnen angestrengt, die damit gegen die Machoreligion Islam und deren phallusartigen Gebetstürmen protestieren wollen.

Meiine Antwort: Alle Moslems mal eben so als frauenfeindliche Machos abzutun ist genauso intolerant und unreflektiert, als wenn man sage, sie seien alle böse.
Und suuper Protest mal eben so die Gotteshäuser von andersgläubigen baurechtlich zu verstümmeln! Und so zielgerichtet! Sind die Minarette etwa Ursache für die Unterdrückung von Frauen im Islam?

Argument 3: Wenn linke Feministinnen sich sowas ausdenken, dann KANN das ja gar nicht rechts sein. (Hö’ma!)

Meine Antwort: Nur weil sich linke Feministinnen einen Weg ausdenken, wie sie durch das Minarettverbot den Islam symbolisch kastrieren können, ist das noch lange nicht links.
Im Gegenteil. Wenn man eine bestimmte – glücklicherweise veraltete und wenig zahlreiche – Sorte von linken Feministinnenschalten und walten ließe, würden die kastrieren was sie zu packen kriegen können. Manche von diesen angeblich „linksliberalen“ Feministinnen kann man getrost als faschistoid bezeichnen.

Argument 4: Religionen gehören allesamt verboten! Wenn’s nach mir ginge kann man auch gleich anfangen den Kölner Dom abzureißen.

Meine Antwort: Wenn man schon anfängt Religionen zu verbieten, dann darf man nicht mit Minderheitenreligionen beginnen. Hätte man statt den Minaretten den Bau von Synagogen verboten, hätte das jeder auch gleich eingesehen.

Argument 5: Wenn aba doch alle dafür gewesen sind, dann ist das doch wo demokratisch, und dann muss man des auch mach’n!

Meine Antwort: Nur weil alle (also in diesem Fall ein gutes Viertel) Schweizer der Meinung sind dass die Demokratie mal eben selbstverordnet von der Brücke springen soll, ist das noch lange keine gute Idee.

Argument 6: Die können doch auch ohne ihre Minarette Moscheen bauen!

Meine Antwort: Wenn es in der Türkei oder im Iran die Bauvorschrift gäbe, dass an christlichen Kirchen gut sichbar ein „Wer-hier-reingeht-ist-schwul!“-Schild hängen soll, dann kann man zwar immer noch ’ne Kirche bauen, Gängelei ist es trotzdem, und als solche auch ein Eingriff in die Religionsfreiheit.

Argument 7: Minarette locken hochrangige Islamisten an.

Meine Antwort: Sowas SAUDUMMES hab‘ ich noch nie gehört. Wenn das funktionieren würde, wüsste man dann doch wenigstens wo die hochrangigen Islamisten sich herumtreiben, oder?
Und kann man dann nicht auch eine Brotkrumenspur aus Minaretten legen, und die Islamisten somit in eine Falle locken?

Argument 8 (Nachgetragen): Immer wenn man nur die Wahrheit sagen tut, tun uns die/einige/wenige Linken als Reche beschimpfen!

Meine Antwort: Klar, das ist natürlich nur „die Wahrheit“, dass Islamisten sich von Minaretten angezogen fühlen wie Wespen von ’ner offenen Saftflasche. Und es ist bestimmt auch „die Wahrheit“, dass ein Minarettverbot auch nur IRGENDWAS bringen würde gegen den Islamischen Terror. Ohne Minarette kein Terror. Was ist das für eine Logik?
Interessant auch, dass in rechtskonservativem Beißreflex immer alle links sind, die an so einer Argumentationsweise was auszusetzen haben. „Immer nennen die uns Rechts, die blöden Linken!“ Merk‘ selbst, oder?

Und wer mir jetzt sagt: „Da mitdie Schweiz darfst du überhaupt gar nicht kritisieren, weil wir haben ja in Deutschland noch nichtmal Volksabstimmungen!“ der kann mich mal an die Füße fassen!
Was wir in Deutschland nämlich noch haben ist die Freiheit seine Meinung zu sagen, auch zu solchem Knelz.

5 Comments »

  • […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Heiko C., Andreas Wagner erwähnt. Andreas Wagner sagte: RT @impactsuspect: So, mein Senf zum Minarettverbot in der Schweiz: http://tinyurl.com/ykclla7 #Islam #Minarett #Verbot #Schweiz […]

    Pingback | 3. Dezember 2009
  • Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by impactsuspect: So, mein Senf zum Minarettverbot in der Schweiz: http://tinyurl.com/ykclla7 #Islam #Minarett #Verbot #Schweiz…

    Trackback | 3. Dezember 2009
  • Ja, die Diskussion ist schon saublöd. Aber in Sachen Feminismus muß ich Dir widersprechen, da wirfst Du doch sehr viel in einen Topf und läßt es mit ein paar Vorurteilen köcheln.

    Ob wirklich „linke Feministinnen“ die Abstimmung in der Schweiz entschieden haben, ist zunächst mal fraglich – wer allerdings für dieses Verbot gestimmt hat, ist womöglich eher eine rechte oder zumindest konservative Feministin, zumindest, was die Religionsfrage angeht. Das wäre so ein Punkt, wo man z.B. darauf hinweisen müßte, daß Alice Schwarzer (zumindest inzwischen) sicher eher einen politisch konservativ eingefärbten Feminismus vertritt. „Linke Feministinnen“, die ihrerseits auch wieder sehr unterschiedliche Positionen zum Islam haben, sind sehr oft mit Frau Schwarzer nicht einer Meinung. Aber das nur am Rande.

    Und Du schreibst:

    Wenn man eine bestimmte Sorte von linken Feministinnen schalten und walten ließe, würden die kastrieren was sie zu packen kriegen können. Manche von diesen angeblich “linksliberalen” Feministinnen kann man getrost als faschistoid bezeichnen.

    Das halte ich schlichtweg für Quatsch. Ich bewege mich gerne und viel in feministischen Kontexten und lasse die Damen dort schalten und walten. Mir ist noch nichts geschehen, und Kinder habe ich auch mit so einer linksliberalen Feministin. 😉 Der Kurzschluß von Feminismus zu Faschismus wird ja gerne gemacht, als käme mit dem Feminismus das Ende des Abendlandes herangerast, aber ich habe noch keine überzeugende Argumentation gelesen oder gehört, die das irgendwie über den Akt politischer Paranoia hinaus schlüssig dargelegt hätte.

    Comment | 4. Dezember 2009
  • Heiko C.

    Na ja, ich war’s ja auch nicht, der behauptet hat, dass die ausschlaggebenden Feministinnen „links“ bzw. überhaupt „Feministinnen“ in dem Sinne seien. Das schreibt aber unter anderem die Taz, die m. E. ein paar Kompetenzen auf dem Gebiet „links“ und „Feminismus“ hat.
    Dass besagte linke Feministinnen kaum links sein können, wenn sie einer Religion die Türmchen verbieten wollen, nur weil Anhänger dieser Religion auch mal frauenfeindlich sind, hab ich doch mittelbar geschrieben. Rückblickend hätte es wohl geholfen „linke Feministinnen“ im Text in Gänsefüßchen zu schreiben.

    Und das mit den Kastrationen ist wie im Falle mit den Minaretten eher im übertragenen Sinne gemeint und überspitzt ausgedrückt. Es gibt Feministinnen, die möglichst alle Lebensbereiche entgültig „entmannen“ wollen, und das ist ja im Prinzip nichts anderes als eine Kastration. Alice Schwartzer zum Beispiel, die vom „Krieg der Geschlechter“ redet, impliziert damit, dass es einen Gewinner geben muss, oder besser noch: eine Gewinnerin.
    Dass diese Riege eher eine Minderheit und zudem noch einen Anachronismus unter den Feministinnen darstellen, weiß ich auch, aber dass macht’s nicht weniger penetrant. Nicht umsonst spreche ich ja auch von „einer bestimmten Sorte“ und „manchen“ Feministinnen, aber – du hast recht – ich hätte ida deutlicher differenzieren sollen.

    Comment | 4. Dezember 2009
  • Wenn die Minarette für die Schweiz so gefährlich sind, was war die Gefahr in Nordirland, wo 2 christliche Untergruppen sich aufs Blut bekämpft haben. Hätte man da die Kirchtürme, das Glockengeläut, die Friedhofsanlagen, die Grabsteine verbieten müssen? Irgendwie alles etwas irrational.
    Was mich viel mehr stört ist der Ruf des Muezzins alle Nase lang, ähnlich wie das Gebimmel der Glocken bei jeder unpassenden Gelegenheit.

    Comment | 7. Dezember 2009

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Better Tag Cloud