Impactsuspect » Giraffen und Nashörner
Nov
13
2009

Giraffen und Nashörner

Der schlimmste Roland Emmerich aller Zeiten ist immer der gerade neueste.

Mit der Erwartung, dass dies auch bei „2012“ zutrifft, dem neuesten Blockbuster aus der Filmeschmiede des schwäbischen Turnschuhträgers, bin ich dann gestern auch im Kino gewesen.

Möglicherweise das Sequel zu 2012: Planet der Giraffen

Sicher, bisweilen gab es Ausnahmen von der Regel: Zwar war „Godzilla“ schlimmer und blöder als „Independence Day“, dafür schien „The Day after Tomorrow“ aber wieder nicht ganz so schlimm zu sein, wie „Godzilla“. Und bis auf das schmalzige Ende war „Independence Day“ um einiges besser als der vorher erschienene Emmerichfilm „Stargate“.
Aber im Großen und Ganzen ist dennoch erkennbar, dass Emmerich bei seinen Filmen immer mehr Wert auf die Effekte zu legen scheint, und immer weniger Wert darauf, eine anständige Handlung, und glaubwürdige Protagonisten hinzubekommen.
Recht oft greift er auf eben die gleichen Archetypen bei seinen Handlungsträgern zurück. Im Mittelpunkt der Erzählung steht oft ein hellhäutiger Bücherwurm (gerne mit Brille), der Familienprobleme hat, und im Laufe der Handlung immer fast im Alleingang mal die Welt, mal seine Familie oder auch irgendwas anderes rettet.
Die Antagonisten sind meist irgendwelche pragmatischen Real-Politiker, die zynische und menschenverachtende Befehle geben, oder durch ihre Kriegslüsternheit die Kacke erst zum dampfen bringen.

Nun, aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um die anderen Emmerichs hier, sondern um sein neuestes Meisterwerk „2012“, nach dem man schielend aus dem Kino kommt, weil einen der Irrsinn beidseitig von vorn überholt.

SPOILER ALARM — WER DEN FILM NOCH SEHEN WILL, SOLLTE JETZT MAL WOANDERS HINLESEN!!!

Es geht los 2009 in Indien, wo ein Forscher der irgendwie für die US-Regierung arbeitet, einen indischen Kollegen und dessen Familie trifft. Warum ich die Familie erwähne? Eigentlich nur, weil die Frau des Inders klingt, als habe Gülcan sie synchronisiert. Aber die gute sagt Gott sei Dank nur einen Satz.
Na ja, die beiden Forscher gehen dann in ein Bergwerk, wo unten ein riesiger Topf mit Wasser kocht. Das alles habe mit der Sonne und Neutrinos zu tun, erfährt man als Zuseher. Die Neutrinos haben sich einfach ohne Vorwarnung in „neue Elementarteilchen“ verwandelt, die den Erdkern schmelzen. Sowas. Und ich dachte, der Erdkern wäre bereits flüssig. Na ja, bin eben kein Geologe.

Nächster Szene: 2 Wochen später (oder so) kommt der US-Forscher auf irgendeinem Botschaftsempfang (oder so), und erzählt seinem Vorgesetzten (Typ pragmatischer Realpolitiker), was da schlimmes los ist. Was genau, erfahren wir noch nicht, aber der Vorgesetzte setzt sozusagen seine politische Maschinerie in Gang.

Dann kommen etliche Endlose Schnitte durch die ganze Welt, wo zwischen 2009 und 2012 seltsame Sachen passieren. Unter anderem wird die aus dem Louvre heimlich entfernte Mona Lisa in Sicherheit gebracht und in China wird ein Damm gebaut.

An der Stelle begann ich mich schon zu fragen, ob der Film jetzt so bleibt, und die restlichen zweieinhalb Stunden mit ähnlichen Szenen bestückt sein werden, die alle etwa 30 Sekunden lang waren. Aber nein, irgendwann geht die Handlung dann los, wenn man es so nennen kann.

Wir lernen einen recht erfolglosen Schriftsteller kennen (So Typ Bücherwurm), der seine beiden Kinder von seiner Ex-Frau abholt, um mit ihnen im Yellowstone-Nationalpark zu campen. Weil sein eigener Wagen nicht anspringt, und er droht zu spät zu kommen, fährt er in einer Stretchlimosine vor. (einfach nicht drüber nachdenken)

Die drei (Tochter mag Vater, Sohn mag den Vater nicht) fahren also zum Yellowstone Park, wobei sie von hektisch herumfliegenden Militärhubschraubern überholt werden. Keiner denkt sich was dabei. Warum auch? Ebenso wird ignoriert, dass große Teile des Parks anscheinend abgesperrt sind, und statt einem vorher dagewesenen See nur noch eine dampfende Pfütze voller Tierkadaver anzutreffen ist.
Bevor unsere drei Leutchen aber zu sehr ihre Zeit mit Nachdenken oder gar Panik vergeuden, kommt die Armee, sammelt sie ein, und sagt ihnen, dass es nichts zu sehen gäbe, sie aber besser wieder nachhause gingen.
Danach campen die drei noch eine Weile im Park, und fahren dann auf Aufforderung der Mutter zurück nach LA, weil dort ein Erdbeben ist. Die Kinder sind wieder sicher bei der Mutter und ihrem neuen, als Los Angeles (wo die alle sind) ins Meer zu kippen beginnt. Der Limosinenschreiberling holt die ganze Bagage ab, und nach einer nur ABSURD zu nennenden Jagd durch die Stadt, in der die 5 erfolgreich versuchen mit einer Strechlimo Erdspalten davonzufahren, schnappen sie sich ein Flugzeug am Flughafen, und fliegen – fallenden Gebäudeteilen ausweichend – davon.

Man fliegt zurück zum Yellowstone Park, weil da ein Verrückter mit einer Karte lebt. Diese findet man gerade noch rechtzeitig bevor der ganze Nationalpark mit fauchenden Lavabrocken und Pilzwolken in die Luft fliegt. Samt Druckwelle, die der recht nahestehenden Patchworkfamilie nur ein wenig die Haare zerzaust. Was ist aus Duck and Cover geworden?

Nun, man hat die Pläne, und weiß, wo die „Raumschiffe“ gebaut werden, auf denen ausgewählte Exemplare der Menscheit die globale Neutrinokatastrophe überleben sollen. Und zwar: In China. Wenn nämlich einer schnell was großes bauen kann, dann die Chinesen. Siehe auch z.B. Große Mauer.
Man macht noch einen Zwischenstopp irgendwo, um das kleine Flugzeug gegen ein größeres zu tauschen, wobei man in die Gesellschaft eines dicken und skuppellosen reichen Russen, seiner zwei Kinder Lolec und Bolec, seiner Geliebten, deren Hund, und dessen aller Pilot gerät.
Beim Start verliert man das Fahrgestell.
Eigentlich will man in Hawaii einen Zwischenstopp machen (ohne Fahrgestell), aber Hawaii ist mitlerweile ein einzieger großer aktiver Vulkan. Pech.
Während viel zu früh der Sprit ausgeht um China zu erreichen, hat sich China in der Zwischenzeit glücklicherweise in Richtung Flugzeug bewegt, so dass man doch noch irgendwie landen kann, halbwegs sicher, nur der Pilot stirbt. [Nachtrag: Aufgrund einiger Nachfragen hier nochmal erklärt: China, DER KONTINENT (!) bewegt sich in Richtung Flugzeug, nicht irgendwelche chinesischen Rettungsteams.]

Ja… Dann geht’s erst so richtig los, obwohl hier etwa ein Brandloch im Film zu sehen ist, und ich mir schon erleichtert dachte: Zum Glück dauerts jetzt nicht mehr so lange. Ha! Pustekuchen!
Chinesische Grenzpatroullien oder so kommen an, lassen den dicken Russen und seine Blagen passieren, weil der ne Vipkarte für eins der Schiffe hat. Die anderen werden im Schnee stehengelassen, und ärgern sich.

Nun sehen wir zum ersten mal die Schiffe, und wie Michelangelos David, Nashörner und Giraffen in eines von ihnen geladen werden.
Klar, was braucht der postapokalyptische Mensch unbedingt? Giraffen und Nashörner, die Nutztiere der Zukunft – scheinbar. Aber nicht weiter drüber nachdenken. Ich hätte Kühe, Schafe und Schweine mitgenommen, aber das ist wohl nur der Nordfriese in mir. Wie schmecken Giraffen und Nashörner? Sollen die vielleicht gekreutzt werden miteinander?

Eierlegende Wollmilchsäue der Zukunft?

Die Patchworkfamilie samt Russengeliebter treffen eine chinesische oder tibetische Familie, und man beschließt gemeinsam auf eine der Archen zu schleichen. Weil der älteste Sohn da arbeitet, kann der die reinschmuggeln.

Arche drei ist kaputt. Das Schiff, wo der dicke Russe und seine Arschlochkinder ein Ticket für haben. Haha! Die Geliebte zeigt den dreien beim Reinschleichen ins Schiff den Stinkefinger.

Die Türen schließen sich, und das ist auch gut so, weil eine Monstertsunamiwelle in 10 Minuten den Himalaya überschwemmt, und da alle Türen zu sein sollen. Aber nein! Die Leute auf Gleis Drei können ja nicht in ihr Schiff, weil wegen kaputt!

Eine kleine Meuterei später werden die Türen also wieder geöffnet, damit auch der Rest reinkann. Heldenmutig stirbt der dicke Russe, als er seine Kinder nochmal eben in eins der Schiffe wirft.

Dann gibt es noch ein paar Verwicklungen, und dann kommt die Monsterwelle, und dann fahren alle in den Sonnenuntergang. Einen Monat später findet man Afrika, wo die Welle nicht hingekommen ist. Man hätte es sich also getrost sparen können, die blöden Nashörner und Giraffen mitzunehmen. Film Ende.

Soviel dazu.

Was für ein Bullshit. Und ich hab mir noch Mühe gegeben alles ein wenig zusammenzufassen und einfach nur zu schreiben, was da abging in dem Film. Es schaut sich allerdings genauso absurd an, wie sich meine kleine Zusammenfassung liest.
Ach ja, und erstaunlich auch, was mit den Lenkern der Welt passiert:
Recht früh im Film – zumindest kam es mir so vor – wird klargestellt, dass man die Regierungen mitnehmen muss, wenn die Apokalypse kommt. Sonst gäbe es ja Anarchie!! Und Apokalypse ist ja schon schlimm genug ohne Anarchie oder? Die Merkel kommt mit an Bord. Also zumindest die deutsche Kanzlerin. Für die Merkel sieht die zu nett aus, und hat zu lange Haare, aber wer weiß, vielleicht lässt sie sich die ja die nächsten drei Jahre wachsen.

Toll. Noch nicht einmal der Weltuntergang befreit uns von der CDU. Den Schäuble hab ich nicht entdecken können, aber wie ich den Laden kenne, lenkt der eins von den Schiffen.
Wie muss ich mir das im weiteren vorstellen? Bauen die Merkel samt Union im postapokalyptischen Afrika eine neue Zivilisation auf? Patroullieren die Grenzen von „Neudeutschland“ wachende Giraffenreiter der jungen Union? Gekleidet in Nashornleder? Und warum ist eigentlich die CDU noch nicht auf dem Mond?

Merkel im Zenit ihres Schaffens

Der von Danny Glover gespielte Obama kommt übrigens nicht mit. Der bleibt zuhause, genau wie der Papst und auch Berlusconi. Die wollen nah bei ihrem Volk bzw.Schäfchen bleiben. Aber die Queen von England, die rettet sich natürlich.
Was Putin und Chuck Norris derweil machen, erfahren wir nicht. Aber die beiden werden sicher dem Tsunami eigenhändig davonschwimmen, und die Überschwemmung später mit Strohhalmen austrinken.

Die Queen, die Merkel und die Regierungen der Erde (damit es keine Anarchie gibt) sowie haufenweise reiche Leute, die sich für eine Milliarde eine Fahrkarte kaufen konnten, werden also auf den Schiffen mitgenommen. Warum muss ich an die B-Arche von Golgafrincham denken, wo dann nachher Frisöre und Telefondesinfizierer versuchen auf der prähistorischen Erde eine Zivilisation aufzubauen? Mit uns Merkel muss ich da an ähnliche Szenarien denken.

Was gefehlt hat in dem Film:
– Cthulhu natürlich. Da ist mal Weltuntergang, und er wird nicht eingeladen. Menno! Den hätte man doch prima in irgendwelche obskuren Mayalegenden einbauen können. Ne gefiederte Schlange ist er ja nun nicht gerade, aber von den Maya ist so weing erhalten, denen kann man doch im Prinzip alles andichten.

Was ewig liegt, das bestraft das Leben

– Eine Pointe zu dem langen, anstrengend albernen Witz, den 2012 abgibt. Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt. DAS wäre witzig gewesen, und hätte den ganzen Film erträglich gemacht, wenn auch nur im Nachhinein.

Happy End

Würde ich den Film weiterempfehlen?
Ist zwar hübsch bunt und laut, aber empfehlen? Dann doch nicht. Ich hab zwar ein paar Mal gelacht, sogar laut, aber die Gagrate war deutlich zu niedrig für einen Film dieser Länge. Wer sich aber bei „Indiana Jones 4“ immer über den atombombensicheren Kühlschrank ärgert, dem kann ich „2012“ allerdings nur empfehlen. Wer den gesehen hat, hält besagte Kühlschrankaktion für vergleichsweise nicht mal so unrealistisch.

Zum Abschluss:
Dies war ein Rant. Es gibt auch durchaus geistig gesunde Leute, die den Film gut fanden. Wer nach dem Genuss dieses Artikels eine zweite Meinung einholen möchte, kann hier bei Scienceblogs schauen. Florian Freistetter schreibt dort, dass er den Film mag, und warum.
Ich kann nur annehmen, dass er den Film durch die „Hollywood: eh alles Blödsinn“-Brille des Naturwissenschaftlers wahrgenommen hat, und ich durch die „Story is King“-Brille des verkappten Geisteswissenschaftlers. Das erklärt dann auch die Meinungsverschiedenheit. Aber na ja, Geschmack halt.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,

12 Comments

  • „Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt.“

    So etwas gibt es leider nur bei den Simpsons!

    Ansonsten: Ein schöner Emmerich-Verriss. Hat der sich verdient.

    Comment | 13. November 2009
  • Birger

    Moin.

    Oh man … ich glaube, ich habe nichts verpasst! *g* Klingt nahezu so, wie ich ihn mir vorstellte, wobei ich mehr „Weltuntergang“ erwartet hätte.
    Meine Fresse … ich glaube, irgendwann auf DVD schaue ich mir den mal an. *g* Das kostet mich dann nur knapp 2 Stunden meiner Zeit, aber kein Euro. 😉

    Mit lieben Gruß
    Birger

    Comment | 13. November 2009
  • Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by impactsuspect: Warum ich #2012 doof finde. #Emmerich http://tinyurl.com/yjfms2l (Mit Bildern)…

    Trackback | 13. November 2009
  • order_by_rand

    Klasse! Du hast mir einen freien Abend beschert, weil ich mich bei dem Artikel wahrscheinlich mehr amüsiert habe als ich es im Kino getan hätte. Sehr unterhaltsame Rezension.

    Comment | 13. November 2009
  • Heiko C.

    @all: Danke. 🙂 Bin immer froh wenn solche Artikelmonster auch jemand liest.

    Comment | 13. November 2009
  • Super Rezension. Und gar nicht mal so weit weg von meinem Eindruck. Aber ich hab mich ja schon Monate vorher ständig mit dem ganzen 2012 Unsinn rumgeärgert das meine Erwartungen wahrscheinlich so weit unten waren, dass der Film eigentlich nur positiv überraschen konnte 😉

    Comment | 14. November 2009
  • Oh! Mein! Gott! Ich habe schon lange nicht mehr bei einer Filmkritik so gelacht wie hier – genial! Ich hab den Film nicht gesehen, aber ich merke schon, ich habe nicht wirklich etwas verpasst… Danke, das ich mir das Geld fürs Kino sparen konnte!

    Ach ja – klasse Bilder! 😀

    Comment | 15. November 2009
  • Heiko C.

    Danke. Dabei hab ich ja wirklich nicht viel „kritisiert“ in dem Sinne. ^^ Der Film ist ja wirklich so.
    Wahrscheinlich soll dem Zuseher aber bei all den umherfliegenden Lavabrocken und Gebäudeteilen nicht auffallen, wie sehr die Handlung mit der heißen Nadel gestrickt wurde.

    Comment | 15. November 2009
  • Lucomo

    Wunderbare Rezension! Hab mich schlapp gelacht. 🙂

    Comment | 15. November 2009
  • Q

    Großartig. Ich habe unterm Tisch gelegen vor Lachen. Zeige das jetzt allen, die sich den Film angucken wollen.

    Comment | 15. November 2009
  • […] vor allem hochgeradig eklektisch, bizarr und auf hohem Niveau bescheuert. Recht gut bringt das die nacherzählende Kritik von Heiko zum Vorschein (via), in der neben den Giraffen und Nashörnern des Films auch noch andere Figuren […]

    Pingback | 22. November 2009
  • Looool! POPCORN! Mehr!

    Comment | 6. Februar 2011

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  • „Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt.“

    So etwas gibt es leider nur bei den Simpsons!

    Ansonsten: Ein schöner Emmerich-Verriss. Hat der sich verdient.

    Comment | 13. November 2009
  • Birger

    Moin.

    Oh man … ich glaube, ich habe nichts verpasst! *g* Klingt nahezu so, wie ich ihn mir vorstellte, wobei ich mehr „Weltuntergang“ erwartet hätte.
    Meine Fresse … ich glaube, irgendwann auf DVD schaue ich mir den mal an. *g* Das kostet mich dann nur knapp 2 Stunden meiner Zeit, aber kein Euro. 😉

    Mit lieben Gruß
    Birger

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  • Heiko C.

    @all: Danke. 🙂 Bin immer froh wenn solche Artikelmonster auch jemand liest.

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  • Super Rezension. Und gar nicht mal so weit weg von meinem Eindruck. Aber ich hab mich ja schon Monate vorher ständig mit dem ganzen 2012 Unsinn rumgeärgert das meine Erwartungen wahrscheinlich so weit unten waren, dass der Film eigentlich nur positiv überraschen konnte 😉

    Comment | 14. November 2009
  • Oh! Mein! Gott! Ich habe schon lange nicht mehr bei einer Filmkritik so gelacht wie hier – genial! Ich hab den Film nicht gesehen, aber ich merke schon, ich habe nicht wirklich etwas verpasst… Danke, das ich mir das Geld fürs Kino sparen konnte!

    Ach ja – klasse Bilder! 😀

    Comment | 15. November 2009
  • Heiko C.

    Danke. Dabei hab ich ja wirklich nicht viel „kritisiert“ in dem Sinne. ^^ Der Film ist ja wirklich so.
    Wahrscheinlich soll dem Zuseher aber bei all den umherfliegenden Lavabrocken und Gebäudeteilen nicht auffallen, wie sehr die Handlung mit der heißen Nadel gestrickt wurde.

    Comment | 15. November 2009
  • Lucomo

    Wunderbare Rezension! Hab mich schlapp gelacht. 🙂

    Comment | 15. November 2009
  • Q

    Großartig. Ich habe unterm Tisch gelegen vor Lachen. Zeige das jetzt allen, die sich den Film angucken wollen.

    Comment | 15. November 2009
  • […] vor allem hochgeradig eklektisch, bizarr und auf hohem Niveau bescheuert. Recht gut bringt das die nacherzählende Kritik von Heiko zum Vorschein (via), in der neben den Giraffen und Nashörnern des Films auch noch andere Figuren […]

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Giraffen und Nashörner

Der schlimmste Roland Emmerich aller Zeiten ist immer der gerade neueste.

Mit der Erwartung, dass dies auch bei „2012“ zutrifft, dem neuesten Blockbuster aus der Filmeschmiede des schwäbischen Turnschuhträgers, bin ich dann gestern auch im Kino gewesen.

Möglicherweise das Sequel zu 2012: Planet der Giraffen

Sicher, bisweilen gab es Ausnahmen von der Regel: Zwar war „Godzilla“ schlimmer und blöder als „Independence Day“, dafür schien „The Day after Tomorrow“ aber wieder nicht ganz so schlimm zu sein, wie „Godzilla“. Und bis auf das schmalzige Ende war „Independence Day“ um einiges besser als der vorher erschienene Emmerichfilm „Stargate“.
Aber im Großen und Ganzen ist dennoch erkennbar, dass Emmerich bei seinen Filmen immer mehr Wert auf die Effekte zu legen scheint, und immer weniger Wert darauf, eine anständige Handlung, und glaubwürdige Protagonisten hinzubekommen.
Recht oft greift er auf eben die gleichen Archetypen bei seinen Handlungsträgern zurück. Im Mittelpunkt der Erzählung steht oft ein hellhäutiger Bücherwurm (gerne mit Brille), der Familienprobleme hat, und im Laufe der Handlung immer fast im Alleingang mal die Welt, mal seine Familie oder auch irgendwas anderes rettet.
Die Antagonisten sind meist irgendwelche pragmatischen Real-Politiker, die zynische und menschenverachtende Befehle geben, oder durch ihre Kriegslüsternheit die Kacke erst zum dampfen bringen.

Nun, aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um die anderen Emmerichs hier, sondern um sein neuestes Meisterwerk „2012“, nach dem man schielend aus dem Kino kommt, weil einen der Irrsinn beidseitig von vorn überholt.

SPOILER ALARM — WER DEN FILM NOCH SEHEN WILL, SOLLTE JETZT MAL WOANDERS HINLESEN!!!

Es geht los 2009 in Indien, wo ein Forscher der irgendwie für die US-Regierung arbeitet, einen indischen Kollegen und dessen Familie trifft. Warum ich die Familie erwähne? Eigentlich nur, weil die Frau des Inders klingt, als habe Gülcan sie synchronisiert. Aber die gute sagt Gott sei Dank nur einen Satz.
Na ja, die beiden Forscher gehen dann in ein Bergwerk, wo unten ein riesiger Topf mit Wasser kocht. Das alles habe mit der Sonne und Neutrinos zu tun, erfährt man als Zuseher. Die Neutrinos haben sich einfach ohne Vorwarnung in „neue Elementarteilchen“ verwandelt, die den Erdkern schmelzen. Sowas. Und ich dachte, der Erdkern wäre bereits flüssig. Na ja, bin eben kein Geologe.

Nächster Szene: 2 Wochen später (oder so) kommt der US-Forscher auf irgendeinem Botschaftsempfang (oder so), und erzählt seinem Vorgesetzten (Typ pragmatischer Realpolitiker), was da schlimmes los ist. Was genau, erfahren wir noch nicht, aber der Vorgesetzte setzt sozusagen seine politische Maschinerie in Gang.

Dann kommen etliche Endlose Schnitte durch die ganze Welt, wo zwischen 2009 und 2012 seltsame Sachen passieren. Unter anderem wird die aus dem Louvre heimlich entfernte Mona Lisa in Sicherheit gebracht und in China wird ein Damm gebaut.

An der Stelle begann ich mich schon zu fragen, ob der Film jetzt so bleibt, und die restlichen zweieinhalb Stunden mit ähnlichen Szenen bestückt sein werden, die alle etwa 30 Sekunden lang waren. Aber nein, irgendwann geht die Handlung dann los, wenn man es so nennen kann.

Wir lernen einen recht erfolglosen Schriftsteller kennen (So Typ Bücherwurm), der seine beiden Kinder von seiner Ex-Frau abholt, um mit ihnen im Yellowstone-Nationalpark zu campen. Weil sein eigener Wagen nicht anspringt, und er droht zu spät zu kommen, fährt er in einer Stretchlimosine vor. (einfach nicht drüber nachdenken)

Die drei (Tochter mag Vater, Sohn mag den Vater nicht) fahren also zum Yellowstone Park, wobei sie von hektisch herumfliegenden Militärhubschraubern überholt werden. Keiner denkt sich was dabei. Warum auch? Ebenso wird ignoriert, dass große Teile des Parks anscheinend abgesperrt sind, und statt einem vorher dagewesenen See nur noch eine dampfende Pfütze voller Tierkadaver anzutreffen ist.
Bevor unsere drei Leutchen aber zu sehr ihre Zeit mit Nachdenken oder gar Panik vergeuden, kommt die Armee, sammelt sie ein, und sagt ihnen, dass es nichts zu sehen gäbe, sie aber besser wieder nachhause gingen.
Danach campen die drei noch eine Weile im Park, und fahren dann auf Aufforderung der Mutter zurück nach LA, weil dort ein Erdbeben ist. Die Kinder sind wieder sicher bei der Mutter und ihrem neuen, als Los Angeles (wo die alle sind) ins Meer zu kippen beginnt. Der Limosinenschreiberling holt die ganze Bagage ab, und nach einer nur ABSURD zu nennenden Jagd durch die Stadt, in der die 5 erfolgreich versuchen mit einer Strechlimo Erdspalten davonzufahren, schnappen sie sich ein Flugzeug am Flughafen, und fliegen – fallenden Gebäudeteilen ausweichend – davon.

Man fliegt zurück zum Yellowstone Park, weil da ein Verrückter mit einer Karte lebt. Diese findet man gerade noch rechtzeitig bevor der ganze Nationalpark mit fauchenden Lavabrocken und Pilzwolken in die Luft fliegt. Samt Druckwelle, die der recht nahestehenden Patchworkfamilie nur ein wenig die Haare zerzaust. Was ist aus Duck and Cover geworden?

Nun, man hat die Pläne, und weiß, wo die „Raumschiffe“ gebaut werden, auf denen ausgewählte Exemplare der Menscheit die globale Neutrinokatastrophe überleben sollen. Und zwar: In China. Wenn nämlich einer schnell was großes bauen kann, dann die Chinesen. Siehe auch z.B. Große Mauer.
Man macht noch einen Zwischenstopp irgendwo, um das kleine Flugzeug gegen ein größeres zu tauschen, wobei man in die Gesellschaft eines dicken und skuppellosen reichen Russen, seiner zwei Kinder Lolec und Bolec, seiner Geliebten, deren Hund, und dessen aller Pilot gerät.
Beim Start verliert man das Fahrgestell.
Eigentlich will man in Hawaii einen Zwischenstopp machen (ohne Fahrgestell), aber Hawaii ist mitlerweile ein einzieger großer aktiver Vulkan. Pech.
Während viel zu früh der Sprit ausgeht um China zu erreichen, hat sich China in der Zwischenzeit glücklicherweise in Richtung Flugzeug bewegt, so dass man doch noch irgendwie landen kann, halbwegs sicher, nur der Pilot stirbt. [Nachtrag: Aufgrund einiger Nachfragen hier nochmal erklärt: China, DER KONTINENT (!) bewegt sich in Richtung Flugzeug, nicht irgendwelche chinesischen Rettungsteams.]

Ja… Dann geht’s erst so richtig los, obwohl hier etwa ein Brandloch im Film zu sehen ist, und ich mir schon erleichtert dachte: Zum Glück dauerts jetzt nicht mehr so lange. Ha! Pustekuchen!
Chinesische Grenzpatroullien oder so kommen an, lassen den dicken Russen und seine Blagen passieren, weil der ne Vipkarte für eins der Schiffe hat. Die anderen werden im Schnee stehengelassen, und ärgern sich.

Nun sehen wir zum ersten mal die Schiffe, und wie Michelangelos David, Nashörner und Giraffen in eines von ihnen geladen werden.
Klar, was braucht der postapokalyptische Mensch unbedingt? Giraffen und Nashörner, die Nutztiere der Zukunft – scheinbar. Aber nicht weiter drüber nachdenken. Ich hätte Kühe, Schafe und Schweine mitgenommen, aber das ist wohl nur der Nordfriese in mir. Wie schmecken Giraffen und Nashörner? Sollen die vielleicht gekreutzt werden miteinander?

Eierlegende Wollmilchsäue der Zukunft?

Die Patchworkfamilie samt Russengeliebter treffen eine chinesische oder tibetische Familie, und man beschließt gemeinsam auf eine der Archen zu schleichen. Weil der älteste Sohn da arbeitet, kann der die reinschmuggeln.

Arche drei ist kaputt. Das Schiff, wo der dicke Russe und seine Arschlochkinder ein Ticket für haben. Haha! Die Geliebte zeigt den dreien beim Reinschleichen ins Schiff den Stinkefinger.

Die Türen schließen sich, und das ist auch gut so, weil eine Monstertsunamiwelle in 10 Minuten den Himalaya überschwemmt, und da alle Türen zu sein sollen. Aber nein! Die Leute auf Gleis Drei können ja nicht in ihr Schiff, weil wegen kaputt!

Eine kleine Meuterei später werden die Türen also wieder geöffnet, damit auch der Rest reinkann. Heldenmutig stirbt der dicke Russe, als er seine Kinder nochmal eben in eins der Schiffe wirft.

Dann gibt es noch ein paar Verwicklungen, und dann kommt die Monsterwelle, und dann fahren alle in den Sonnenuntergang. Einen Monat später findet man Afrika, wo die Welle nicht hingekommen ist. Man hätte es sich also getrost sparen können, die blöden Nashörner und Giraffen mitzunehmen. Film Ende.

Soviel dazu.

Was für ein Bullshit. Und ich hab mir noch Mühe gegeben alles ein wenig zusammenzufassen und einfach nur zu schreiben, was da abging in dem Film. Es schaut sich allerdings genauso absurd an, wie sich meine kleine Zusammenfassung liest.
Ach ja, und erstaunlich auch, was mit den Lenkern der Welt passiert:
Recht früh im Film – zumindest kam es mir so vor – wird klargestellt, dass man die Regierungen mitnehmen muss, wenn die Apokalypse kommt. Sonst gäbe es ja Anarchie!! Und Apokalypse ist ja schon schlimm genug ohne Anarchie oder? Die Merkel kommt mit an Bord. Also zumindest die deutsche Kanzlerin. Für die Merkel sieht die zu nett aus, und hat zu lange Haare, aber wer weiß, vielleicht lässt sie sich die ja die nächsten drei Jahre wachsen.

Toll. Noch nicht einmal der Weltuntergang befreit uns von der CDU. Den Schäuble hab ich nicht entdecken können, aber wie ich den Laden kenne, lenkt der eins von den Schiffen.
Wie muss ich mir das im weiteren vorstellen? Bauen die Merkel samt Union im postapokalyptischen Afrika eine neue Zivilisation auf? Patroullieren die Grenzen von „Neudeutschland“ wachende Giraffenreiter der jungen Union? Gekleidet in Nashornleder? Und warum ist eigentlich die CDU noch nicht auf dem Mond?

Merkel im Zenit ihres Schaffens

Der von Danny Glover gespielte Obama kommt übrigens nicht mit. Der bleibt zuhause, genau wie der Papst und auch Berlusconi. Die wollen nah bei ihrem Volk bzw.Schäfchen bleiben. Aber die Queen von England, die rettet sich natürlich.
Was Putin und Chuck Norris derweil machen, erfahren wir nicht. Aber die beiden werden sicher dem Tsunami eigenhändig davonschwimmen, und die Überschwemmung später mit Strohhalmen austrinken.

Die Queen, die Merkel und die Regierungen der Erde (damit es keine Anarchie gibt) sowie haufenweise reiche Leute, die sich für eine Milliarde eine Fahrkarte kaufen konnten, werden also auf den Schiffen mitgenommen. Warum muss ich an die B-Arche von Golgafrincham denken, wo dann nachher Frisöre und Telefondesinfizierer versuchen auf der prähistorischen Erde eine Zivilisation aufzubauen? Mit uns Merkel muss ich da an ähnliche Szenarien denken.

Was gefehlt hat in dem Film:
– Cthulhu natürlich. Da ist mal Weltuntergang, und er wird nicht eingeladen. Menno! Den hätte man doch prima in irgendwelche obskuren Mayalegenden einbauen können. Ne gefiederte Schlange ist er ja nun nicht gerade, aber von den Maya ist so weing erhalten, denen kann man doch im Prinzip alles andichten.

Was ewig liegt, das bestraft das Leben

– Eine Pointe zu dem langen, anstrengend albernen Witz, den 2012 abgibt. Mir hätte es schon gereicht, wenn alle in den Sonnenuntergang segeln, denken sie wären in Sicherheit, und dann eine Untertasse alle Archen abschießt. DAS wäre witzig gewesen, und hätte den ganzen Film erträglich gemacht, wenn auch nur im Nachhinein.

Happy End

Würde ich den Film weiterempfehlen?
Ist zwar hübsch bunt und laut, aber empfehlen? Dann doch nicht. Ich hab zwar ein paar Mal gelacht, sogar laut, aber die Gagrate war deutlich zu niedrig für einen Film dieser Länge. Wer sich aber bei „Indiana Jones 4“ immer über den atombombensicheren Kühlschrank ärgert, dem kann ich „2012“ allerdings nur empfehlen. Wer den gesehen hat, hält besagte Kühlschrankaktion für vergleichsweise nicht mal so unrealistisch.

Zum Abschluss:
Dies war ein Rant. Es gibt auch durchaus geistig gesunde Leute, die den Film gut fanden. Wer nach dem Genuss dieses Artikels eine zweite Meinung einholen möchte, kann hier bei Scienceblogs schauen. Florian Freistetter schreibt dort, dass er den Film mag, und warum.
Ich kann nur annehmen, dass er den Film durch die „Hollywood: eh alles Blödsinn“-Brille des Naturwissenschaftlers wahrgenommen hat, und ich durch die „Story is King“-Brille des verkappten Geisteswissenschaftlers. Das erklärt dann auch die Meinungsverschiedenheit. Aber na ja, Geschmack halt.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Filme,Kurzrezensionen | Schlagwörter: , ,

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