Impactsuspect » Wahl des 15. Rechtsfreien Raumes der Woche
Okt
10
2009

Wahl des 15. Rechtsfreien Raumes der Woche

I. Also. Als ersten Nominierten gibt es da unseren Dauergast Dr. Wolfgang Schäuble. Der scheint irgendwie Gefallen an dieser Phrase gfunden zu haben. Schön für ihn. Jeder sollte ein Hobby haben.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich für eine schärfere Reglementierung des Internets ausgesprochen. «Kultur wie Marktwirtschaft gehen nicht ohne den Schutz geistigen Eigentums», sagte er am Freitag am Rande eines «Wertekongresses» der baden-württembergischen Landtags-CDU zu den Forderungen nach einem gelockerten Urheberrecht. Das Internet könne kein rechtsfreier Raum sein.

II. Als zweiten haben wir Dr. Rene Obermann, einen – wie Wikipedia schreibt – Deutschen Manager und Vorstandsvoritzenden der Deutschen Telekom. Wenn jemand von der immer mal wieder in Datenskandale verwickelten Telekom sich zu Netzthemen äußert, kann es ja nur lustig werden.

Abendblatt:

Wie stehen Sie der Sperrung von Internetseiten gegenüber? Sollte es weitere Sperrungen über Kinderpornoseiten hinaus geben?

Obermann:

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Auch im weltweiten Netz müssen Straftaten verfolgt und geahndet werden können. Die getroffenen Maßnahmen sind technisch sicherlich keine perfekte Lösung, aber ein erster Schritt, um die Nutzung zu erschweren. Der Kampf gegen Kinderpornografie muss ein Anliegen der gesamten Gesellschaft sein.

Das Ganze Elend ist hier nachzulesen.

III: Die Nummero 3 ist heute ist Bodo Hombach, Verlagsmanager und Sozialdemokrat. Letzte Woche hat er sich eine Replik auf das sogenannte Internetmanifest zusammengeschwurbelt, die man sich hier durchlesen kann.

Nominiert wird er wegen dieser Passage:

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wenn dort Verbrechen geplant und durchgeführt werden, wenn skrupellose Drahtzieher das humane Genom der Gesellschaft attackieren, wenn vor allem auch schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Jugendliche den gemeinsten Gewaltphantasien ausgesetzt werden, dann ist die geforderte „unantastbare Freiheit“ purer Zynismus.

Sein Text schwellt und quillt geradezu über von absonderlichen Wortschöpfungsabstrusitäten. Er „schwillt“ geradezu. „Das humane Genom der Gesellschaft“ zum Beispiel. Was soll das sein? Weiß das einer? Ich weiß es nicht. Laufen im Internet Leute herum, die mit radioaktiver Strahlung, Blei oder Contergantabletten irgendwelches Erbgut schädigen? Oder was soll das bedeuten?
Und wer fordert überhaupt „unantastbare Freiheit“? Fordern die Netzsperrenkritiker nicht nur die ihnen von unserem Grundsgesetz zugesicherten Freiheiten auch im Netz? Wenn das GG sagt, eine Freiheit sei unantastbar, hat Herr Hombach dann was dagegen? Gilt er damit als verfassungsfeindlich, und Wiefelspütz sperrt ihm die Internetportale seiner Zeitungen? Fragen über Fragen. Im Großen und Ganzen jedoch ein Text, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt und einem zeigt, dass man am besten gar nicht über sowas nachdenkt, weil es eh keinen Sinn ergibt.

IV: Der Vierte im Bunde ist Anwalt.de. Anwalt.de hat sich der wachsenden Nachfrage nach dieser Phrase angenommen und eine Marktlücke entdeckt. Oder eine Möglichkeit zur Googleoptimierung, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sieht man dort einen Artikel der an Betreiber von Online-Shops gerichtet ist.
Er trägt die Überschrift:

Der Onlineshop – kein rechtsfreier Raum

Zu lesen hier.
Kennt ihr noch Werbeworte wie „Cerealien“ und „Plaque“, und wie sie damals plötzlich in unserem Sprachgebrauch gerieselt sind? Passiert nun das gleiche mit der Phrase vom „rechtsfreien Raum“? Macht demnächst die Allianz Werbung für eine neue Online-Versicherung mit den Worten „Damit Sie sich nicht im rechtsfreien Raum wiederfinden!“
Ich hoffe nicht.

V. Der fünfte Beitrag ist ausnahmsweise mal ein kritischer bei Netzwertig.com. Dort wird, wie anderswo auch schon, diese Phrase und ihr Unsinn näher beleuchtet, und einmal aufs Neue erklärt, warum das Netz bereits stärker reguliert ist als das wahre Leben. Lesenswert.

VI. Der sechste und letzte Kandidat ist Heinz-Peter Labonte. Nie gehört den Namen? Ich bisher auch nicht. Offenbar ist dieser Herr Labonte der Chef – pardon! der geschäftsführende stellvertretende Chef des Fachverbands für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK), und will verschärft onlinepiratigen Pay-TV-Dieb-Streamern auf die Schliche kommen.

Die Politik muss etwas unternehmen, damit Vorschriften auch im Internet eingehalten werden. Das Netz ist schließlich kein rechtsfreier Raum.

VII. Okay, einen siebenten habe ich noch. Von dem ist zwar in letzter Zeit die Phrase nicht gekommen, aber wenn man sich so durchliest, was er so redet, dann ist das nur eine Frage der Zeit.
Diese Nominierung kommt von Edelweiß, dem (oder der?) ich jetzt mal das Wort übergebe:

NEU-Nominierung

Ich möchte Herrn Joachim Herrmann, Innenminster Bayerns für die nächste Wahl vorschlagen:

„Für die Union heißt das erste Bürgerrecht ganz klar die innere Sicherheit“

Damit hat er sich für eine Nominierung qualifiziert. (siehe: [url]http://petitionsforum.de/viewtopic.php?id=2172[/url])

PS: Zwischen den Ohren von Herrn Hermann darf es keinen rechtsfreien Raum geben.

Der Bürger hat also das Recht nicht frei zu sein, oder wie lässt sich das deuten?

Okay, die Abstimmung läuft bis Montag 18:45 etwa. Dann mal los! Entweder hier als Kommentar, oder wie gewohnt im Petitionsforum.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter: , ,

2 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

2 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Okt
10
2009

Wahl des 15. Rechtsfreien Raumes der Woche

I. Also. Als ersten Nominierten gibt es da unseren Dauergast Dr. Wolfgang Schäuble. Der scheint irgendwie Gefallen an dieser Phrase gfunden zu haben. Schön für ihn. Jeder sollte ein Hobby haben.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich für eine schärfere Reglementierung des Internets ausgesprochen. «Kultur wie Marktwirtschaft gehen nicht ohne den Schutz geistigen Eigentums», sagte er am Freitag am Rande eines «Wertekongresses» der baden-württembergischen Landtags-CDU zu den Forderungen nach einem gelockerten Urheberrecht. Das Internet könne kein rechtsfreier Raum sein.

II. Als zweiten haben wir Dr. Rene Obermann, einen – wie Wikipedia schreibt – Deutschen Manager und Vorstandsvoritzenden der Deutschen Telekom. Wenn jemand von der immer mal wieder in Datenskandale verwickelten Telekom sich zu Netzthemen äußert, kann es ja nur lustig werden.

Abendblatt:

Wie stehen Sie der Sperrung von Internetseiten gegenüber? Sollte es weitere Sperrungen über Kinderpornoseiten hinaus geben?

Obermann:

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Auch im weltweiten Netz müssen Straftaten verfolgt und geahndet werden können. Die getroffenen Maßnahmen sind technisch sicherlich keine perfekte Lösung, aber ein erster Schritt, um die Nutzung zu erschweren. Der Kampf gegen Kinderpornografie muss ein Anliegen der gesamten Gesellschaft sein.

Das Ganze Elend ist hier nachzulesen.

III: Die Nummero 3 ist heute ist Bodo Hombach, Verlagsmanager und Sozialdemokrat. Letzte Woche hat er sich eine Replik auf das sogenannte Internetmanifest zusammengeschwurbelt, die man sich hier durchlesen kann.

Nominiert wird er wegen dieser Passage:

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wenn dort Verbrechen geplant und durchgeführt werden, wenn skrupellose Drahtzieher das humane Genom der Gesellschaft attackieren, wenn vor allem auch schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Jugendliche den gemeinsten Gewaltphantasien ausgesetzt werden, dann ist die geforderte „unantastbare Freiheit“ purer Zynismus.

Sein Text schwellt und quillt geradezu über von absonderlichen Wortschöpfungsabstrusitäten. Er „schwillt“ geradezu. „Das humane Genom der Gesellschaft“ zum Beispiel. Was soll das sein? Weiß das einer? Ich weiß es nicht. Laufen im Internet Leute herum, die mit radioaktiver Strahlung, Blei oder Contergantabletten irgendwelches Erbgut schädigen? Oder was soll das bedeuten?
Und wer fordert überhaupt „unantastbare Freiheit“? Fordern die Netzsperrenkritiker nicht nur die ihnen von unserem Grundsgesetz zugesicherten Freiheiten auch im Netz? Wenn das GG sagt, eine Freiheit sei unantastbar, hat Herr Hombach dann was dagegen? Gilt er damit als verfassungsfeindlich, und Wiefelspütz sperrt ihm die Internetportale seiner Zeitungen? Fragen über Fragen. Im Großen und Ganzen jedoch ein Text, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt und einem zeigt, dass man am besten gar nicht über sowas nachdenkt, weil es eh keinen Sinn ergibt.

IV: Der Vierte im Bunde ist Anwalt.de. Anwalt.de hat sich der wachsenden Nachfrage nach dieser Phrase angenommen und eine Marktlücke entdeckt. Oder eine Möglichkeit zur Googleoptimierung, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sieht man dort einen Artikel der an Betreiber von Online-Shops gerichtet ist.
Er trägt die Überschrift:

Der Onlineshop – kein rechtsfreier Raum

Zu lesen hier.
Kennt ihr noch Werbeworte wie „Cerealien“ und „Plaque“, und wie sie damals plötzlich in unserem Sprachgebrauch gerieselt sind? Passiert nun das gleiche mit der Phrase vom „rechtsfreien Raum“? Macht demnächst die Allianz Werbung für eine neue Online-Versicherung mit den Worten „Damit Sie sich nicht im rechtsfreien Raum wiederfinden!“
Ich hoffe nicht.

V. Der fünfte Beitrag ist ausnahmsweise mal ein kritischer bei Netzwertig.com. Dort wird, wie anderswo auch schon, diese Phrase und ihr Unsinn näher beleuchtet, und einmal aufs Neue erklärt, warum das Netz bereits stärker reguliert ist als das wahre Leben. Lesenswert.

VI. Der sechste und letzte Kandidat ist Heinz-Peter Labonte. Nie gehört den Namen? Ich bisher auch nicht. Offenbar ist dieser Herr Labonte der Chef – pardon! der geschäftsführende stellvertretende Chef des Fachverbands für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK), und will verschärft onlinepiratigen Pay-TV-Dieb-Streamern auf die Schliche kommen.

Die Politik muss etwas unternehmen, damit Vorschriften auch im Internet eingehalten werden. Das Netz ist schließlich kein rechtsfreier Raum.

VII. Okay, einen siebenten habe ich noch. Von dem ist zwar in letzter Zeit die Phrase nicht gekommen, aber wenn man sich so durchliest, was er so redet, dann ist das nur eine Frage der Zeit.
Diese Nominierung kommt von Edelweiß, dem (oder der?) ich jetzt mal das Wort übergebe:

NEU-Nominierung

Ich möchte Herrn Joachim Herrmann, Innenminster Bayerns für die nächste Wahl vorschlagen:

„Für die Union heißt das erste Bürgerrecht ganz klar die innere Sicherheit“

Damit hat er sich für eine Nominierung qualifiziert. (siehe: [url]http://petitionsforum.de/viewtopic.php?id=2172[/url])

PS: Zwischen den Ohren von Herrn Hermann darf es keinen rechtsfreien Raum geben.

Der Bürger hat also das Recht nicht frei zu sein, oder wie lässt sich das deuten?

Okay, die Abstimmung läuft bis Montag 18:45 etwa. Dann mal los! Entweder hier als Kommentar, oder wie gewohnt im Petitionsforum.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter: , ,

2 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

2 Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment