Sep
24
2009
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Westerwellismen – Das doppelplusAltsprech der F.D.P.

Viele regen sich ja über Anglizismen im allgemeinen Sprachgebrauch auf. Der Vorsitzende der Partei, die der aktuelle Gewinner des Rechtsfreien Raumes der Woche ist, zeigt aber eindrucksvoll, wie sehr man die – an sich sehr anpassungsfähige – Deutsche Sprache auch ohne äußere Einflüsse mißhandeln kann.
Das erste Mal fiel es mir 2005 auf, als nach der vorgezogenen Bundestagswahl aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse, bei den damaligen Volksparteien eine gewisse Ratlosigkeit herrschte.
Die bisherige konstante Lagerbildung, von auf der einen Seite Schwarz-Gelb und auf der anderen Seite Rot-Grün, wollte partout keine regierungsfähige Mehrheit mehr ergeben, wodurch allerlei Szenarien durchgespielt wurden, was denn nun passieren solle.
Irgendjemand kam auf die Idee, dass die Grünen ja mit Schwarz-Gelb koalieren könnten, und nannte das „Schwampel“. Get it? Von wegen „Schwarze Ampel“ oder „Ampel mit Schwarz“. Da Schwampel aber irgendwie recht hirnverbrannt klingt, hat sich statt dessen der Terminus „Jamaika-Koalition“ durchgesetzt. Wer den Namen zuerst brachte, kann ich unmöglich sagen, aber er setzte sich, wie gesagt durch.
Warum Jamaika? Nun, Jamaika hat Schwarz, Gelb und Grün als Flaggenfarben. So weit so gut. Westerwelle, der vorher schon zur „Schwampel“ befragt in etwa gesagt hat, dass er für Ampel und „andere Hampeleien“ nicht zur Verfügung stehe, wurde nun auch zur Jamaika-Koalition befragt.
Seine Antwort war, dass er Unverständnis darüber äußerte, warum man es denn unbedingt „Jamaika-Koalition“ nennen müsse. Immerhin gäbe es ja auch in Deutschland ja so schöne Bundesländer, deren Wappen ebenso die Farben Schwarz-Gelb-Grün enthielten. Er meinte dann, der Name „Sachsen-Koalition“ wäre viel schöner.
Nichts gegen Sachsen, ist schön da, aber „Sachsen-Koalition“ ist aus vielen Gründen eine verwirrende Wahl. Erst einmal denkt man bei Komposita mit „Sachsen-“ irgendwie an einige unangenehme Dinge. Mir fällt da spontan „Sachsen-Paule“ ein. Dieser war eine Art komödiantischer Pornodarsteller, der zur damaligen Zeit durch allerlei Talkshows und Boulevardsendungen tingelte.
Auf der anderen Seite kann man „Sachsen-Koalition“ sehr leicht so verstehen, dass es sich um eine Koalition handele, die entweder gerade in Sachsen regiert, oder dort das erste mal vorgekommen ist. Tut sie nicht, hat sie nicht, ist sie nicht.

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter: , , ,

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