Impactsuspect » Epsilons, immer nur Epsilons!
Sep
22
2009

Epsilons, immer nur Epsilons!

Es ist ja schon ein paar Tage her, und wir leben in einer schnelllebigen Zeit, aber vielleicht erinnern sich noch einige an meine bisher 2 mißlungenen Versuche einen Artikel über antike oberschlesische Gartenlauben on zu stellen. Wenn nicht, schaut hier und hier.

Okay, mittlerweile hatte ich ein Backup gemacht von dem Artikel über die antiken oberschlesischen Gartenlauben. Und die Bilder, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre, hab ich auch noch mal eingescannt.
Das hat eine Weile gedauert mit dem Einscannen, alleine schon, weil ich all die Schwarzweißfotos von Gartenlauben noch per Hand am Rechner nachbearbeiten musste. Dann hab ich sie also eingebunden in den Artikel, und das ganze – wie gesagt – in einer Textdatei gesichert.
Will ich’s heute Nachmittag in den Blog laden, und was seh ich?

Der Artikel wurde durch einen anderen aus einer Parallelwelt ausgetauscht. SCHON WIEDER. Hängt der Riss im Raum-Zeit-Kontinuum etwa irgendwie mit dem Sem der „antiken oberschlesischen Gartenlauben“ zusammen? Ist die häufige Erwähnung dieser Lauben etwa der Schlüssel für eine Geheimtür zwischen den Realitäten?

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Ich will einfach nur den blöden Artikel veröffentlichen.
Ich hätte es ja schon aufgeben, und einfach über etwas anderes schreiben können, aber mittlerweile habe ich mir so viel Mühe mit dem Artikel gemacht, dass ich mir blöd vorkommen würde ich jetzt aufzuhören.

Na ja, nach dem Gezeter will ich euch das neue multidimensionale Fundstück nicht vorenthalten. Es wurde scheinbar von einem parallelen Ich geschrieben, das ich nicht sehr sympathisch finde, um ehrlich zu sein. …alleine schon weil der sehr viel dünner ist als ich.

Epsilons, immer nur Epsilons!

Gna! Da ist mir doch, wie ich neulich schon geschrieben habe, vor einer Woche diese blöde Duftorgel kaputtgegangen. Ich hab natürlich sofort eine neue bestellt, musste jetzt aber eine Woche ohne einen Duft rumlaufen. Das ist wirklich das letzte. Gerade gestern hatte ich eine Verabredung, und ständig das Gefühl diese würde immer die Nase rümpfen, wenn ich mal nicht hinsah. Die Verabredung hieß übrigens Karlina. Eine sehr hübsche kleine aus der Tierfutterfertigung. Eine Gamma, okay, aber nett, und schön anzusehen.
Na ja, fragt da der geneigte Leser, warum kauf ich mir nicht gleich ne neue (Duftorgel nicht Gamma) und lass sie installieren? Ganz einfach: Es wäre nochmal die gleiche. Meine kaputte Zetron-XV war ja schon zwei Tage alt, aber ein neues Modell ist eben erst heute verfügbar gewesen. Also hätte ich letzte Woche ein komplett veraltetes Modell nachkaufen müssen.
Ich weiß ja:“Konsum ist erste Bürgerpflicht“, aber man muss ja auch nicht irgendwelchen veralteten Scheiß kaufen, der schon beim ersten Mal nicht richtig funktioniert hat, oder?
Na ja, genug davon. Gestern habe ich Karlina dann mit nachhause genommen, und wir hatten 4 Stunden entspannenden Sex. Ich warf mir gerade die Tablette Soma danach ein, als Karlina mal kurz ins Badezimmer verschwand.
Ich hab mich fast verschluckt, als ich bemerkt habe, dass sie versuchte meine Duftorgel zu benutzen.
Nackt sprang ich kerzengerade aus dem Bett und keuchte noch, – ich hatte das Soma in den falschen Hals bekommen – als ich schon Karlinas Hilfeschreie hörte.
„Beim Ford, was ist das? Mein Fuß hängt fest!“, schrie sie schrill. Hätte ich gewusst, dass sie so schrill schreien würde, noch bevor ich mein Abendsoma eingenommen hatte, hätte ich mich wohl nicht mit ihr eingelassen.
„Kein Panik!“, versuchte ich sie zu beruhigen, „Bleib ruhig, und egal was du machst, drück keine Knöpfe, und beweg dich nicht!“
Doch zu spät! Ich hörte ein unangenehm schrammelndes Geräusch, gefolgt von einem weiteren, noch spitzeren Schrei.
Ich warf mir meinen neuen Bademantel über, und hastete ins Badezimmer.
Karlinas Fuß hatte sich unglücklich in der Duftausgabe verkeilt, als sie versucht hatte, wieder aus der Zerstäuberkabine zu steigen. Dann war sie mit dem Ellenbogen wohl gegen den Knopf der Automatik gekommen, und die Kabinentür hatte sich wieder geschlossen. Oder zumindest hatte die Kabinentür das versucht, denn Karlinas Fuß war ja im Weg.
Ich nahm etwa zehn Tabletten Soma aus der Tasche meines Bademantels, und zwang Karlina sie zu schlucken, indem ich ihr Mund und Nase zuhielt. Dann verlor sie das Bewusstsein, und hörte somit – endlich – auch zu schreien auf.

Eine halbe Stunde später hatte ich mir meinen Overall angezogen und mit der Wartungsfirma telefoniert. Karlina schlummerte noch immer zufrieden, allerdings hatte ich gesehen, dass ihr Bein stark blutete.
Die Installateure beklagten sich zuerst wie spät es wäre, und dass sie niemanden erübrigen könnten. Als ich ihnen dann aber meine Bürgernummer nannte, und sie sahen, dass ich ein Beta+ war, versprachen sie, das bald jemand kommen würde. Auch der Austausch gegen eine neue Duftorgel wurde mir höflich zugesichert, obwohl man sowas nachts eigentlich nicht machen könne.
Tja, dann rief ich den Notarzt an. Ich weiß ja nicht ob sich Karlina viel getan hatte, aber Blut ist immer ein schlechtes Zeichen. Das bedeutet, dass jemand verletzt ist, und Verletzungen sollten ja eigentlich nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden – wenn überhaupt.
Der Arzt war ebenso mürrisch drauf wie die Installateure zu Anfang, wurde dann aber auch kooperativer, als ich ihm Bürgernummer und Sachverhalt nannte.

Dann, eine Stunde später kamen die „Installateure“. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es sich nicht um kompetente Fachkräfte handelte, sondern um verdammte Epsilon-Hilfsarbeiter. Es waren drei an der Zahl, und so wie es aussah, entstammten sie alle der gleichen Bukanowsky-Gruppe. Jedenfalls konnte ich keinen äußerlichen Unterschied zwischen den dreien feststellen.
Grußlos stolperten die drei schwarz gekleideten Zwerge in mein Wohnzimmer, und einer von diesen Kretins riß dabei eine Vase um, die ich erst am Vortag gekauft hatte, und die noch immer der letzte Schrei war. Keine Frage: Das würde ich dem Installationsunternehmen in Rechnung stellen!

Nachdem die drei widerlichen Gnome eine Weile an der Duftorgel herumgeschraubt hatten, war dann Karlinas Fuß endlich frei. Ich schleifte sie neben die Badewanne, und holte ihr ein Kopfkissen aus dem Schlafzimmer. Der Arzt würde ja bald kommen, der würde schon wissen was zu tun sei.
Die Epsilons jedoch machten irgendwas, dass es knackte, und plötzlich irgendwo aus einem Rohr jede Menge Wasser schoß. Die drei Hilfsarbeiter liefen panisch durcheinander, bis einer sich ein Herz fasste, und das Rohr irgendwie wieder verschloss. Mittlerweile war der ganze Fußboden jedoch naß, und Karlina lag jetzt in einer riesigen Pfütze. Auch das Kissen war naß geworden.

Aufgebracht lief ich wieder ins Wohnzimmer. Duftorgel kaputt, Vase kaputt, Wasserschaden im Badezimmer… auch ein neues Kissen musste ich mir morgen kaufen. Und dann noch eine verletzte Gamma im Somaschlaf in meinem Badezimmer. Wo blieb eigentlich der Artzt?
Wo hatte ich das Soma hingelegt? Erschrocken suchte ich etwa eine Viertelstunde, bis mir einfiel, dass es ja im Bademantel war. Hatte ich jetzt schon eine Abendtablette genommen oder nicht? Ich wusste es nicht mehr, warf aber sicherheitshalber gleich noch zwei ein. Ruhige Gelassenheit erfasste mich wieder. Ich schüttelte lächelnd den Kopf; sowas musste ja auch wieder mir passieren!
Ich setzte mich in meinen Massagesessel, und schaltete das Holo ein. Natürlich war Nacht, da kamen nur Wiederholungen. Ich zappte, bis ich bei einem Holodrama hängenblieb, das ich geschrieben hatte.
Hatte ich das eigentlich schon erwähnt? Meine Aufgabe als Beta+ besteht darin, Holodramas für Kino und Rundfunk zu schreiben. Gut, nichts „künstlerisches“, sondern eher so Sachen aus der Sparte „Wahre Liebe“ und „Unglücklich verliebt in einen Wilden“. Ich weiß, Lovesploitationholos werden immer belächelt, aber zumindest alle vom Gamma an abwärts schauen sowas gerne. Und einmal habe ich sogar Lob von einem Alpha bekommen, der eine Story besonders mochte.

Es klingelte an der Türe. Ich riss mich aus meinen Gedanken, stand auf, und drückte den Türschalter. Die Tür öffnete sich und ich war erleichtert festzustellen, dass wenigstens der Doktor kein Epsilon war. Es handelte sich natürlich um einen Alpha-, schon etwas älter, wie man an seinen ersten grauen Haaren erkennen konnte.
„Guten Tag, Herr…“, er blickte auf sein Klemmbrett, „… Beta+?“ Er sah mich ungläubig an.
„Ein Künstlername! Kommen Sie doch herein!“
Er kam durch die Tür, uns sah sich um: „Hier gibt es einen medizinischen Notfall?“
„Im Badezimmer“, sagte ich, und wies ihm den Weg.
Die Epsilons schraubten noch immer im Nass herum.
„Freud noch mal!“, schimpfte der Doktor. „Bei Ihnen machen Epsilons die Installationen?“
Ich schaute peinlich berührt zu Boden, wahrscheinlich bin ich sogar rot geworden.
„Nachtschlafende Zeit, wissen Sie.“, erklärte ich, und fügte entrüstst hinzu: „Ich hab mit Sicherheit keine Epsilons bestellt!“
„Hmpf. Na, dann wollen wir mal sehen, was wir hier haben.“, sagte der Doktor unwirsch, beugte sich zu Karlina herunter, und schaute sich ihr Bein an.
„Haben Sie ihr Soma gegeben?“, fragte er nach einer Weile.
„Natürlich. Acht Tabletten.“
„Gute Auffassungsgabe. Bist du verdrossen, flugs Soma genossen!“, dozierte er.
Danach fügte er mit ernsterem Blick hinzu:“Nun, das Bein scheint gebrochen zu sein.“
„Ist das eine schlimme Verletzung? Ich fände es zutiefst peinlich, wenn einer Bekannten bei mir so etwas zustoßen würde.“, druckste ich.
Am Ende sprach sich noch unter den Frauen herum, dass man besser nicht zu mir nach Hause käme, weil meine Gerätschaften alt und unsicher sind.
„Nun, ihre Bekannte ist eine Beta?“, fragte der Arzt auf sein Klemmbrett blickend.
„Nein, sie ist eine Gamma.“, sagte ich,“ Gamma+, glaube ich.“
„Ahh. Und ihre Funktion?“
„Sie arbeitet irgendwo in der Fertigung.“
„Tja, dann denke ich, dass es das beste ist, wenn wir sie ins Sterbehospital bringen, und in den Somahalbschlaf versetzen.“
Mir fiel die Kinnlade runter: „So schlimm ist es?“
„Nun, ein gebrochenes Bein ist eine schwere körperliche Behinderung, und in der Fertigung kann sie damit nicht arbeiten. Es dauert Wochen bis so etwas verheilt ist.“, dozierte der Doktor. „Sie selbst würde mit einem gebrochenen Bein nicht leben wollen.“

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Jetzt würde sich herumsprechen, wie gefährlich mein Haushalt war, und das obwohl die fragliche Duftorgel ja gerade ausgetauscht wurde.
„Kann man diesen Vorfall irgendwie vertuschen?“, fragte ich. „Ich meine, sonst kommen hier bald keine Mädchen mehr her, weil die Angst vor meinem Bad haben!“
Der Doktor schmunzelte. „Nun, da lässt sich schon was machen. Ich schreibe einfach einen Unfall im Strassenverkehr auf.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Der Doktor holte dann ein paar Delta-Sanitäter herauf in meine Wohnung, und zusammen transportierten sie die arme Karlina ab. Aber das war ja nun mal der Kreislauf des Lebens.
Die Duftorgel haben die Epsilons in der Nacht übrigens nicht mehr ausgetauscht. Ich habe sie rausgeworfen, nachdem der Doktor gegangen war, und heute Morgen dann gleich als erstes ein paar Deltas bestellt, die das richten.

Der geneigte Leser mag fragen, warum ich die Geschichte hier aufschreibe, wenn sie mir so peinlich ist.
Nun, im Internet wird sie schon keine Gamma lesen, und ich denke, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, dass es doch eine ganz witzige Anekdote ist.

2 Comments »

  • bloodymedia

    Grandios!
    … auch wenn ich die Gartenlaubenbilder sehr vermisse …

    Comment | 25. September 2009
  • Heiko C.

    Ah, Danke. Liest also doch jemand, diese Textungetüme. 🙂 Den Artikel mit den Gartenlauben werd‘ ich wohl irgendwann nachreichen… Wie viele Parallelwelten kann es schon geben?

    Comment | 25. September 2009

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  • bloodymedia

    Grandios!
    … auch wenn ich die Gartenlaubenbilder sehr vermisse …

    Comment | 25. September 2009
  • Heiko C.

    Ah, Danke. Liest also doch jemand, diese Textungetüme. 🙂 Den Artikel mit den Gartenlauben werd‘ ich wohl irgendwann nachreichen… Wie viele Parallelwelten kann es schon geben?

    Comment | 25. September 2009

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Sep
22
2009

Epsilons, immer nur Epsilons!

Es ist ja schon ein paar Tage her, und wir leben in einer schnelllebigen Zeit, aber vielleicht erinnern sich noch einige an meine bisher 2 mißlungenen Versuche einen Artikel über antike oberschlesische Gartenlauben on zu stellen. Wenn nicht, schaut hier und hier.

Okay, mittlerweile hatte ich ein Backup gemacht von dem Artikel über die antiken oberschlesischen Gartenlauben. Und die Bilder, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre, hab ich auch noch mal eingescannt.
Das hat eine Weile gedauert mit dem Einscannen, alleine schon, weil ich all die Schwarzweißfotos von Gartenlauben noch per Hand am Rechner nachbearbeiten musste. Dann hab ich sie also eingebunden in den Artikel, und das ganze – wie gesagt – in einer Textdatei gesichert.
Will ich’s heute Nachmittag in den Blog laden, und was seh ich?

Der Artikel wurde durch einen anderen aus einer Parallelwelt ausgetauscht. SCHON WIEDER. Hängt der Riss im Raum-Zeit-Kontinuum etwa irgendwie mit dem Sem der „antiken oberschlesischen Gartenlauben“ zusammen? Ist die häufige Erwähnung dieser Lauben etwa der Schlüssel für eine Geheimtür zwischen den Realitäten?

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Ich will einfach nur den blöden Artikel veröffentlichen.
Ich hätte es ja schon aufgeben, und einfach über etwas anderes schreiben können, aber mittlerweile habe ich mir so viel Mühe mit dem Artikel gemacht, dass ich mir blöd vorkommen würde ich jetzt aufzuhören.

Na ja, nach dem Gezeter will ich euch das neue multidimensionale Fundstück nicht vorenthalten. Es wurde scheinbar von einem parallelen Ich geschrieben, das ich nicht sehr sympathisch finde, um ehrlich zu sein. …alleine schon weil der sehr viel dünner ist als ich.

Epsilons, immer nur Epsilons!

Gna! Da ist mir doch, wie ich neulich schon geschrieben habe, vor einer Woche diese blöde Duftorgel kaputtgegangen. Ich hab natürlich sofort eine neue bestellt, musste jetzt aber eine Woche ohne einen Duft rumlaufen. Das ist wirklich das letzte. Gerade gestern hatte ich eine Verabredung, und ständig das Gefühl diese würde immer die Nase rümpfen, wenn ich mal nicht hinsah. Die Verabredung hieß übrigens Karlina. Eine sehr hübsche kleine aus der Tierfutterfertigung. Eine Gamma, okay, aber nett, und schön anzusehen.
Na ja, fragt da der geneigte Leser, warum kauf ich mir nicht gleich ne neue (Duftorgel nicht Gamma) und lass sie installieren? Ganz einfach: Es wäre nochmal die gleiche. Meine kaputte Zetron-XV war ja schon zwei Tage alt, aber ein neues Modell ist eben erst heute verfügbar gewesen. Also hätte ich letzte Woche ein komplett veraltetes Modell nachkaufen müssen.
Ich weiß ja:“Konsum ist erste Bürgerpflicht“, aber man muss ja auch nicht irgendwelchen veralteten Scheiß kaufen, der schon beim ersten Mal nicht richtig funktioniert hat, oder?
Na ja, genug davon. Gestern habe ich Karlina dann mit nachhause genommen, und wir hatten 4 Stunden entspannenden Sex. Ich warf mir gerade die Tablette Soma danach ein, als Karlina mal kurz ins Badezimmer verschwand.
Ich hab mich fast verschluckt, als ich bemerkt habe, dass sie versuchte meine Duftorgel zu benutzen.
Nackt sprang ich kerzengerade aus dem Bett und keuchte noch, – ich hatte das Soma in den falschen Hals bekommen – als ich schon Karlinas Hilfeschreie hörte.
„Beim Ford, was ist das? Mein Fuß hängt fest!“, schrie sie schrill. Hätte ich gewusst, dass sie so schrill schreien würde, noch bevor ich mein Abendsoma eingenommen hatte, hätte ich mich wohl nicht mit ihr eingelassen.
„Kein Panik!“, versuchte ich sie zu beruhigen, „Bleib ruhig, und egal was du machst, drück keine Knöpfe, und beweg dich nicht!“
Doch zu spät! Ich hörte ein unangenehm schrammelndes Geräusch, gefolgt von einem weiteren, noch spitzeren Schrei.
Ich warf mir meinen neuen Bademantel über, und hastete ins Badezimmer.
Karlinas Fuß hatte sich unglücklich in der Duftausgabe verkeilt, als sie versucht hatte, wieder aus der Zerstäuberkabine zu steigen. Dann war sie mit dem Ellenbogen wohl gegen den Knopf der Automatik gekommen, und die Kabinentür hatte sich wieder geschlossen. Oder zumindest hatte die Kabinentür das versucht, denn Karlinas Fuß war ja im Weg.
Ich nahm etwa zehn Tabletten Soma aus der Tasche meines Bademantels, und zwang Karlina sie zu schlucken, indem ich ihr Mund und Nase zuhielt. Dann verlor sie das Bewusstsein, und hörte somit – endlich – auch zu schreien auf.

Eine halbe Stunde später hatte ich mir meinen Overall angezogen und mit der Wartungsfirma telefoniert. Karlina schlummerte noch immer zufrieden, allerdings hatte ich gesehen, dass ihr Bein stark blutete.
Die Installateure beklagten sich zuerst wie spät es wäre, und dass sie niemanden erübrigen könnten. Als ich ihnen dann aber meine Bürgernummer nannte, und sie sahen, dass ich ein Beta+ war, versprachen sie, das bald jemand kommen würde. Auch der Austausch gegen eine neue Duftorgel wurde mir höflich zugesichert, obwohl man sowas nachts eigentlich nicht machen könne.
Tja, dann rief ich den Notarzt an. Ich weiß ja nicht ob sich Karlina viel getan hatte, aber Blut ist immer ein schlechtes Zeichen. Das bedeutet, dass jemand verletzt ist, und Verletzungen sollten ja eigentlich nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden – wenn überhaupt.
Der Arzt war ebenso mürrisch drauf wie die Installateure zu Anfang, wurde dann aber auch kooperativer, als ich ihm Bürgernummer und Sachverhalt nannte.

Dann, eine Stunde später kamen die „Installateure“. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es sich nicht um kompetente Fachkräfte handelte, sondern um verdammte Epsilon-Hilfsarbeiter. Es waren drei an der Zahl, und so wie es aussah, entstammten sie alle der gleichen Bukanowsky-Gruppe. Jedenfalls konnte ich keinen äußerlichen Unterschied zwischen den dreien feststellen.
Grußlos stolperten die drei schwarz gekleideten Zwerge in mein Wohnzimmer, und einer von diesen Kretins riß dabei eine Vase um, die ich erst am Vortag gekauft hatte, und die noch immer der letzte Schrei war. Keine Frage: Das würde ich dem Installationsunternehmen in Rechnung stellen!

Nachdem die drei widerlichen Gnome eine Weile an der Duftorgel herumgeschraubt hatten, war dann Karlinas Fuß endlich frei. Ich schleifte sie neben die Badewanne, und holte ihr ein Kopfkissen aus dem Schlafzimmer. Der Arzt würde ja bald kommen, der würde schon wissen was zu tun sei.
Die Epsilons jedoch machten irgendwas, dass es knackte, und plötzlich irgendwo aus einem Rohr jede Menge Wasser schoß. Die drei Hilfsarbeiter liefen panisch durcheinander, bis einer sich ein Herz fasste, und das Rohr irgendwie wieder verschloss. Mittlerweile war der ganze Fußboden jedoch naß, und Karlina lag jetzt in einer riesigen Pfütze. Auch das Kissen war naß geworden.

Aufgebracht lief ich wieder ins Wohnzimmer. Duftorgel kaputt, Vase kaputt, Wasserschaden im Badezimmer… auch ein neues Kissen musste ich mir morgen kaufen. Und dann noch eine verletzte Gamma im Somaschlaf in meinem Badezimmer. Wo blieb eigentlich der Artzt?
Wo hatte ich das Soma hingelegt? Erschrocken suchte ich etwa eine Viertelstunde, bis mir einfiel, dass es ja im Bademantel war. Hatte ich jetzt schon eine Abendtablette genommen oder nicht? Ich wusste es nicht mehr, warf aber sicherheitshalber gleich noch zwei ein. Ruhige Gelassenheit erfasste mich wieder. Ich schüttelte lächelnd den Kopf; sowas musste ja auch wieder mir passieren!
Ich setzte mich in meinen Massagesessel, und schaltete das Holo ein. Natürlich war Nacht, da kamen nur Wiederholungen. Ich zappte, bis ich bei einem Holodrama hängenblieb, das ich geschrieben hatte.
Hatte ich das eigentlich schon erwähnt? Meine Aufgabe als Beta+ besteht darin, Holodramas für Kino und Rundfunk zu schreiben. Gut, nichts „künstlerisches“, sondern eher so Sachen aus der Sparte „Wahre Liebe“ und „Unglücklich verliebt in einen Wilden“. Ich weiß, Lovesploitationholos werden immer belächelt, aber zumindest alle vom Gamma an abwärts schauen sowas gerne. Und einmal habe ich sogar Lob von einem Alpha bekommen, der eine Story besonders mochte.

Es klingelte an der Türe. Ich riss mich aus meinen Gedanken, stand auf, und drückte den Türschalter. Die Tür öffnete sich und ich war erleichtert festzustellen, dass wenigstens der Doktor kein Epsilon war. Es handelte sich natürlich um einen Alpha-, schon etwas älter, wie man an seinen ersten grauen Haaren erkennen konnte.
„Guten Tag, Herr…“, er blickte auf sein Klemmbrett, „… Beta+?“ Er sah mich ungläubig an.
„Ein Künstlername! Kommen Sie doch herein!“
Er kam durch die Tür, uns sah sich um: „Hier gibt es einen medizinischen Notfall?“
„Im Badezimmer“, sagte ich, und wies ihm den Weg.
Die Epsilons schraubten noch immer im Nass herum.
„Freud noch mal!“, schimpfte der Doktor. „Bei Ihnen machen Epsilons die Installationen?“
Ich schaute peinlich berührt zu Boden, wahrscheinlich bin ich sogar rot geworden.
„Nachtschlafende Zeit, wissen Sie.“, erklärte ich, und fügte entrüstst hinzu: „Ich hab mit Sicherheit keine Epsilons bestellt!“
„Hmpf. Na, dann wollen wir mal sehen, was wir hier haben.“, sagte der Doktor unwirsch, beugte sich zu Karlina herunter, und schaute sich ihr Bein an.
„Haben Sie ihr Soma gegeben?“, fragte er nach einer Weile.
„Natürlich. Acht Tabletten.“
„Gute Auffassungsgabe. Bist du verdrossen, flugs Soma genossen!“, dozierte er.
Danach fügte er mit ernsterem Blick hinzu:“Nun, das Bein scheint gebrochen zu sein.“
„Ist das eine schlimme Verletzung? Ich fände es zutiefst peinlich, wenn einer Bekannten bei mir so etwas zustoßen würde.“, druckste ich.
Am Ende sprach sich noch unter den Frauen herum, dass man besser nicht zu mir nach Hause käme, weil meine Gerätschaften alt und unsicher sind.
„Nun, ihre Bekannte ist eine Beta?“, fragte der Arzt auf sein Klemmbrett blickend.
„Nein, sie ist eine Gamma.“, sagte ich,“ Gamma+, glaube ich.“
„Ahh. Und ihre Funktion?“
„Sie arbeitet irgendwo in der Fertigung.“
„Tja, dann denke ich, dass es das beste ist, wenn wir sie ins Sterbehospital bringen, und in den Somahalbschlaf versetzen.“
Mir fiel die Kinnlade runter: „So schlimm ist es?“
„Nun, ein gebrochenes Bein ist eine schwere körperliche Behinderung, und in der Fertigung kann sie damit nicht arbeiten. Es dauert Wochen bis so etwas verheilt ist.“, dozierte der Doktor. „Sie selbst würde mit einem gebrochenen Bein nicht leben wollen.“

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Jetzt würde sich herumsprechen, wie gefährlich mein Haushalt war, und das obwohl die fragliche Duftorgel ja gerade ausgetauscht wurde.
„Kann man diesen Vorfall irgendwie vertuschen?“, fragte ich. „Ich meine, sonst kommen hier bald keine Mädchen mehr her, weil die Angst vor meinem Bad haben!“
Der Doktor schmunzelte. „Nun, da lässt sich schon was machen. Ich schreibe einfach einen Unfall im Strassenverkehr auf.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Der Doktor holte dann ein paar Delta-Sanitäter herauf in meine Wohnung, und zusammen transportierten sie die arme Karlina ab. Aber das war ja nun mal der Kreislauf des Lebens.
Die Duftorgel haben die Epsilons in der Nacht übrigens nicht mehr ausgetauscht. Ich habe sie rausgeworfen, nachdem der Doktor gegangen war, und heute Morgen dann gleich als erstes ein paar Deltas bestellt, die das richten.

Der geneigte Leser mag fragen, warum ich die Geschichte hier aufschreibe, wenn sie mir so peinlich ist.
Nun, im Internet wird sie schon keine Gamma lesen, und ich denke, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, dass es doch eine ganz witzige Anekdote ist.

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