Sep
08
2009

Im Netz muss einer bezahlen!

Immer wenn man gerade denkt, dass es unmöglich noch dreister, seltsamer und hanebüchener werden kann, wird man mit der neuen Mutter allen Unsinns konfrontiert.

Berichtet doch Heise über eine Art Krisensitzung der Medien die, das 20. Jahrhundert beherrscht haben.

Im Umfeld der IFA hat am Montag ein Kongress im Rahmen der Medienwoche Berlin-Brandenburg angefangen, wo sich die Eisheiligen der Holz- und Rundfunkmedien – oder jene, die sich dafür halten – darüber den Kopf zerbrechen, wie man aus dem Netz noch einen Gewinn schlagen kann.

Nun ist das ja schön und gut, und ich gönne es ja Medienproduzenten, dass sie mit ihrem Job Geld verdienen, aber wenn ausgerechnet ein Axel-Springer Manager ein Bezahlmodell dafür vorstellt, dass man die Bild auf’s I-Phone geladen bekommt, und dann im selben Atemzug darüber redet, dass es darum ginge, dass die Menschen bereit gemacht werden sollen „für das gesammelte Wissen im Internet Geld zu bezahlen“, dann frag ich mich, ob das ein dummer Witz ist.

Was hat denn bitteschön die BILD mit Wissen zu tun? Und was hat sie erst mit dem „gesammelten Wissen im Internet“ zu schaffen? Die BILD produziert kein Wissen, sondern höchstens Meinung. Da werben die ja sogar mit. Ich würde sogar soweit gehen, dass die allenfalls Unterhaltung produzieren, was meiner Meinung nach für die gesamte Axel-Springer-Gruppe gilt.
„Das gesammelte Wissen im Internet“ ist Wikipedia. Und die ist umsonst. Und die bleibt auch umsonst. An Wikipedia verdienen die Springerblätter nur, wenn sie da abschreiben.

Fernsehzuschauer beim Konsum von Qualitätsjournalismus

Obwohl es eigentlich nicht mehr viel absonderlicher werden kann, besteht dann die Intendantin Dagmar Reim vom RBB – einem öffentlich rechtlichen Sender – darauf, dass „einer im Internet bezahlen“ müsse.
Erstmal: Bezahlt der Gebührenzahler nicht schon die Onlineinhalte des RBB mit seinen Gebührengeldern? Was will die noch? Soll man doppelt bezahlen? Dann auch bald beim Fernsehen? Gebührenfinanziert und Pay-TV in einem? Ganz dolle Idee. Warum überweisen nicht alle ihr gesamtes Nettoeinkommen an die GEZ? Wäre das genehm? Oder doch besser das Bruttoeinkommen? Immerhin ist der öffentlich rechtliche Rundfunk ja ach so unabhängig von wirtschaftlichen Intressen. Von politischen Interessen ja nicht mehr, den Passus hat man ja mittlerweile gestrichen.
Mann, ist mir schlecht.

Dann noch die Formulierung: „Im Internet muss einer bezahlen.“
Einer? Einer alleine? Und wer sucht den aus? Bekommt irgendwann Bauer Schlozig aus Buxtehude einen Brief vom RBB, in dem steht er habe noch für „die Inhalte“ im Netz zu bezahlen? Und wer teilt dann das Geld von Bauer Schlozig auf unter den Contentanbietern?
Himmel, ist das alles strunzendämlich!

Dann wird noch wieder allseits das 3-Strikes Modell gelobt, und für interessant erachtet. Ja, klar, is ja sooo interessant, wenn mal eben so die Gewaltenteilung aufgehoben wird, und Polizisten einem ohne richterlichen Beschluß oder – Gott bewahre! – einem ordentlichen Prozess das Grundrecht auf Informationsfreiheit einschränken können.

Himmel, das ist ja, als ob die Fahrradindustrie eine Kampagne zur Abschaffung des Kraftwagens anstrengen würde.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Wahnhaftes | Schlagwörter: , ,

1 Kommentar »

  • Ich glaube hier liegt mal wieder ein Generationenkonflikt vor. Die Alteingesessenen sehen ihren Einfluss an die neue Generation gehen und will einfach nicht einsehen, dass sie dagegen nichts tun kann – ausser mitzumachen – aber dafür sind sie ja nicht flexibel genug.

    Comment | 8. September 2009

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