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Sep
05
2009
--

Wahl zum 11. Rechtsfreien Raum der Woche

Da letzte Woche ja der SUPER-Rechtsfreie Raum vergeben wurde, kamen die Fundstücke letzter Woche leider nicht zu einer Nominierung. Dies soll diese Woche ausgeglichen werden, indem ich sie zusammen mit den – auch eher spärlichen – Fundstücken dieser Woche präsentiere und zur Abstimmung stelle.

Da hätten wir:
Den Deutschlandfunk, der sich oder den Leser auf seiner Internetseite fragt: „Das Internet – ein rechtsfreier Raum?“
Gleich zu beginn des Artikels werden wir mit Zitaten konfrontiert, die diese Phrase enthalten:

Krogmann: „Und deshalb geht es in dieser kontroversen Debatte nicht nur um die Bekämpfung der Kinderpornografie, sondern es geht auch um eine grundsätzliche Frage. Es geht um die Debatte über die notwendigen Grenzen der Freiheit im Internet.“

Doermann: „Das stellt uns vor die ganz grundsätzliche Frage: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum?“

Vetter: „Der Satz, das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, unterstellt eigentlich etwas falsches, nämlich, dass das Internet derzeit ein rechtsfreier Raum ist.“

Hoeren: „Das Internet von seiner Wurzel her ist ein rechtsfreier Raum.“

Wieland: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das Internet ist aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.“

Alleine die geballte Präsenz von verschiedensten Vertretern dieser Phrase auf so engem Raum treibt mir persönlich die Tränen in die Augen.
Ansonsten versucht der Artikel sich differenziert mit dem Thema zu beschäftigen, bekommt dabei aber dies und das ein wenig durcheinander. Unter anderem ist von dem Internet als Kopiermaschine die Rede. Was gemeint ist, ist gar nicht so falsch, allerdings würde ich eher die Computer für Kopiermaschinen halten, und das Internet – wenn überhaupt – für die Ablage, in der die Kopien landen. Aber na ja, das sind Kleinigkeiten.
Für die nicht satirisch motivierte Verwendung dieser Phrase allerdings – und dann noch in der Überschrift – gibt’s auf jeden Fall eine Nominierung. Für die rechtsfreie Zitatensammlung müsste sogar noch eine zweite folgen, aber eine pro Woche reicht ja glücklicherweise.

Dann haben wir noch unseren lieben guten alten Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäble, über den ich ja auch schon öfter mal was geschrieben habe. Der hat, wie der Südkurier berichtet, vor 300 Leuten in Waldshut geredet, und dabei davor gewart, dass das Internet nicht zum rechtsfreien Raum werden dürfe.
Seltsam, man kommt ja irgendwie nicht umhin zu bemerken, dass man bei der Union nicht wirklich einer Meinung ist. Sind nicht reihenweise Parteigenossen Schäubles der Meinung, dass das Internet bereits ein rechtsfreier Raum sei?
Na ja, dafür jedenfalls eine Nominierung. Wird auch Zeit, dass Schäuble in den illustren Reigen der nominierten Phrasenmissbraucher aufgenommen wird.

Ebenso hat sich die Neue Osnabrücker Zeitung der unter Holzmedienleuten allgemein vorherrschenden Googleparanoia angschlossen, und schreibt einen „Kommentar zu Literatur Internet Urheberrecht“.
Alleine die Überschrift kommt mir schon seltsam vor, und das hauptsächlich wegen des Mangels an Satzzeichen. Was ist jetzt gemeint? „Ein Kommentar zur Literatiur. Abgelegt in Internet-Urheberrecht“ oder eher „Ein Kommentar zum Literatur-Internet- Urheberrecht“ oder etwa „Ein Kommentar. Tangiert die Themen: Literatur, Internet, Urhgeberrecht“.
Ich weiß es nicht, ich tippe aber auf letzteres.
Na ja, jedenfalls spricht der Artikel davon dass auch im Bezug des „Googlebuchklaus“ das Internet ein rechtsfreier Raum sei:

Mit dem Scannen der Bücher läuft eine gigantische Enteignung geistigen Eigentums. Das Internet scheint auch in dieser Hinsicht ein rechtsfreier Raum zu sein.

Also nicht nur beim eigenen Thema kramt die NOZ diese Phrase herausgeholt, nein zwischen den Zeilen wird noch impliziert, dass das Internet ja sowieso schon weitgehend rechtsfrei sei.

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16 Uhr 00. Entweder hier als Kommentar oder im Petitionsforum.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
05
2009
1

Mistundverflucht!

Vor ein paar Tagen saß ich morgens im Zug von Niebüll nach Westerland, und mit mir im Zug war ein Ruhestörer.
Da ich sonst gerne noch eine dreiviertel Stunde im Zug penne, ist mir das besonders aufgefallen. Auch wenn ich sonst ebenfalls gerne mal Probleme mit dem Schlafen habe, weil ich etwa hinter irgendwelchen Frauen sitze, die schon so früh am Morgen eine laut lachende Kaffeegesellschaft feiern, war es diesmal doch um ein Stück bemerkenswerter.

mistund

Es handelte sich um einen Mann etwa Mitte dreißig. Er trug eine Schirmmütze und schob ein Fahrrad. Zuerst wollte er mit seinem Drahtesel in ein normales Abteil, hatte dann jedoch ein Einsehen, und blieb statt dessen zwischen den Abteilen bei der Türe stehen.
Etwa 5 Minuten verhielt er sich ruhig, dann fing er an herumzubrüllen.

„Achtung! Achtung! Alle müssen das Schiff verlassen! -Ach das ist ja gar kein Schiff, ich bin ja nur dämlich. Bin ich dämlich, oder herrlich?“

Alles vorgetragen im Tonfall eines Ausbilders in einem Bootcamp der US-Marines.
Natürlich antwortete keiner, alleine schon wegen der sprichwörtlichen Zurückhaltung der Nordfriesen, und nicht zuletzt, weil sich keiner angesprochen fühlte.
Der Ruhestörer schien sich ähnliche Gedanken zu machen, und brüllte:

„Ja, jetzt reden sie platt, die Fischköppe! Aber ich kann auch bairisch! …Grüß Gott! öhm… Servus!“

Noch immer keine Erwiderung, warum auch? Wer sich von solch ungezielten verbalen Splittergranaten beleidigen lässt, der hat wohl seinen Morgenkaffee nicht vertragen.
Ich dachte mir derweil, dass der Mann bestimmt an dem Tourette-Syndrom leide, und sein Tick ihn dazu zwinge zusammenhangloses Zeug zu brüllen.
Na ja, etwas später ging es dann weiter im Programm:

„Ihr könnt ja noch nichtmal putzen. AAber Geldverdienen wollt ihr!“

Aha. Jetzt wurde mir auch klar, an welche Zielgruppe das Gebrabbel ging. Weiter hinten im Abteil saß nämlich eine Putzkolonne, die sich nett mit einigen Handwerkern unterhielt. Eine ähnliche Kaffeegesellschaft, wie ich sie oben erwähnt habe. Diese ließ sich jedoch auch nicht wirklich stören, sondern redete munter, wenn auch etwas leiser, weiter.

„Den Neandertaler hat’s nie gegeben, aber ihr wohnt ja auch in einer Höhle!“

Da wurde es dann offenbar einem der Handwerker zu dumm. Mit einem leisen „So jetzt reicht’s aber!“ stand er auf.
„Mach keinen Scheiß!“, sagte eine der Putzfrauen. „Nachher ist der krank!“
„Ist mir schnuppe, ob der krank ist!“, erwiderte der Handwerker und schritt aus dem Abteil auf den Radfahrer zu.
„Du hältst jetzt sofort die Klappe, sonst gibt’s was auf’s Maul!“, forderte er den Ruhestörer auf.
Der antwortete ein wenig kleinlaut: „Scheiße, scheiße, Schnauze!“
„Ja, genau! Klappe, sonst Beule!“, bestätigte der Handwerker wieder, und ging wieder an seinen Platz, auf den er sich wütend murmelnd setzte.
Ab dann war Ruhe. Also doch kein Tourettesyndrom. Meines Wissens lässt das den Tick nicht bei Gewaltandrohung verstummen.
Stellt sich die Frage, warum dieser Mann den Drang verspürte früh morgens den Zug zusammenzubrüllen und sinnlos und unzusammenhängend Leute zu beleidigen.
Ging es ihm einfach nur um die Aufmerksamkeit? Hat seine Freundin oder sein Freund ihn verlassen? Ist er am Ende gar von einer Sylter Reinigungskraft verlassen worden? Oder was?
Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Ich hätte den Ruhestörer ja fragen können, aber als ich auf dem Bahnsteig an ihm vorbeikam, unterhielt sich schon ein Polizist mit ihm.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Gesellschaftliches,Psychologisches | Schlagwörter:

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Sep
05
2009
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Da letzte Woche ja der SUPER-Rechtsfreie Raum vergeben wurde, kamen die Fundstücke letzter Woche leider nicht zu einer Nominierung. Dies soll diese Woche ausgeglichen werden, indem ich sie zusammen mit den – auch eher spärlichen – Fundstücken dieser Woche präsentiere und zur Abstimmung stelle.

Da hätten wir:
Den Deutschlandfunk, der sich oder den Leser auf seiner Internetseite fragt: „Das Internet – ein rechtsfreier Raum?“
Gleich zu beginn des Artikels werden wir mit Zitaten konfrontiert, die diese Phrase enthalten:

Krogmann: „Und deshalb geht es in dieser kontroversen Debatte nicht nur um die Bekämpfung der Kinderpornografie, sondern es geht auch um eine grundsätzliche Frage. Es geht um die Debatte über die notwendigen Grenzen der Freiheit im Internet.“

Doermann: „Das stellt uns vor die ganz grundsätzliche Frage: Ist das Internet ein rechtsfreier Raum?“

Vetter: „Der Satz, das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, unterstellt eigentlich etwas falsches, nämlich, dass das Internet derzeit ein rechtsfreier Raum ist.“

Hoeren: „Das Internet von seiner Wurzel her ist ein rechtsfreier Raum.“

Wieland: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das Internet ist aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum.“

Alleine die geballte Präsenz von verschiedensten Vertretern dieser Phrase auf so engem Raum treibt mir persönlich die Tränen in die Augen.
Ansonsten versucht der Artikel sich differenziert mit dem Thema zu beschäftigen, bekommt dabei aber dies und das ein wenig durcheinander. Unter anderem ist von dem Internet als Kopiermaschine die Rede. Was gemeint ist, ist gar nicht so falsch, allerdings würde ich eher die Computer für Kopiermaschinen halten, und das Internet – wenn überhaupt – für die Ablage, in der die Kopien landen. Aber na ja, das sind Kleinigkeiten.
Für die nicht satirisch motivierte Verwendung dieser Phrase allerdings – und dann noch in der Überschrift – gibt’s auf jeden Fall eine Nominierung. Für die rechtsfreie Zitatensammlung müsste sogar noch eine zweite folgen, aber eine pro Woche reicht ja glücklicherweise.

Dann haben wir noch unseren lieben guten alten Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäble, über den ich ja auch schon öfter mal was geschrieben habe. Der hat, wie der Südkurier berichtet, vor 300 Leuten in Waldshut geredet, und dabei davor gewart, dass das Internet nicht zum rechtsfreien Raum werden dürfe.
Seltsam, man kommt ja irgendwie nicht umhin zu bemerken, dass man bei der Union nicht wirklich einer Meinung ist. Sind nicht reihenweise Parteigenossen Schäubles der Meinung, dass das Internet bereits ein rechtsfreier Raum sei?
Na ja, dafür jedenfalls eine Nominierung. Wird auch Zeit, dass Schäuble in den illustren Reigen der nominierten Phrasenmissbraucher aufgenommen wird.

Ebenso hat sich die Neue Osnabrücker Zeitung der unter Holzmedienleuten allgemein vorherrschenden Googleparanoia angschlossen, und schreibt einen „Kommentar zu Literatur Internet Urheberrecht“.
Alleine die Überschrift kommt mir schon seltsam vor, und das hauptsächlich wegen des Mangels an Satzzeichen. Was ist jetzt gemeint? „Ein Kommentar zur Literatiur. Abgelegt in Internet-Urheberrecht“ oder eher „Ein Kommentar zum Literatur-Internet- Urheberrecht“ oder etwa „Ein Kommentar. Tangiert die Themen: Literatur, Internet, Urhgeberrecht“.
Ich weiß es nicht, ich tippe aber auf letzteres.
Na ja, jedenfalls spricht der Artikel davon dass auch im Bezug des „Googlebuchklaus“ das Internet ein rechtsfreier Raum sei:

Mit dem Scannen der Bücher läuft eine gigantische Enteignung geistigen Eigentums. Das Internet scheint auch in dieser Hinsicht ein rechtsfreier Raum zu sein.

Also nicht nur beim eigenen Thema kramt die NOZ diese Phrase herausgeholt, nein zwischen den Zeilen wird noch impliziert, dass das Internet ja sowieso schon weitgehend rechtsfrei sei.

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16 Uhr 00. Entweder hier als Kommentar oder im Petitionsforum.

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Sep
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Mistundverflucht!

Vor ein paar Tagen saß ich morgens im Zug von Niebüll nach Westerland, und mit mir im Zug war ein Ruhestörer.
Da ich sonst gerne noch eine dreiviertel Stunde im Zug penne, ist mir das besonders aufgefallen. Auch wenn ich sonst ebenfalls gerne mal Probleme mit dem Schlafen habe, weil ich etwa hinter irgendwelchen Frauen sitze, die schon so früh am Morgen eine laut lachende Kaffeegesellschaft feiern, war es diesmal doch um ein Stück bemerkenswerter.

mistund

Es handelte sich um einen Mann etwa Mitte dreißig. Er trug eine Schirmmütze und schob ein Fahrrad. Zuerst wollte er mit seinem Drahtesel in ein normales Abteil, hatte dann jedoch ein Einsehen, und blieb statt dessen zwischen den Abteilen bei der Türe stehen.
Etwa 5 Minuten verhielt er sich ruhig, dann fing er an herumzubrüllen.

„Achtung! Achtung! Alle müssen das Schiff verlassen! -Ach das ist ja gar kein Schiff, ich bin ja nur dämlich. Bin ich dämlich, oder herrlich?“

Alles vorgetragen im Tonfall eines Ausbilders in einem Bootcamp der US-Marines.
Natürlich antwortete keiner, alleine schon wegen der sprichwörtlichen Zurückhaltung der Nordfriesen, und nicht zuletzt, weil sich keiner angesprochen fühlte.
Der Ruhestörer schien sich ähnliche Gedanken zu machen, und brüllte:

„Ja, jetzt reden sie platt, die Fischköppe! Aber ich kann auch bairisch! …Grüß Gott! öhm… Servus!“

Noch immer keine Erwiderung, warum auch? Wer sich von solch ungezielten verbalen Splittergranaten beleidigen lässt, der hat wohl seinen Morgenkaffee nicht vertragen.
Ich dachte mir derweil, dass der Mann bestimmt an dem Tourette-Syndrom leide, und sein Tick ihn dazu zwinge zusammenhangloses Zeug zu brüllen.
Na ja, etwas später ging es dann weiter im Programm:

„Ihr könnt ja noch nichtmal putzen. AAber Geldverdienen wollt ihr!“

Aha. Jetzt wurde mir auch klar, an welche Zielgruppe das Gebrabbel ging. Weiter hinten im Abteil saß nämlich eine Putzkolonne, die sich nett mit einigen Handwerkern unterhielt. Eine ähnliche Kaffeegesellschaft, wie ich sie oben erwähnt habe. Diese ließ sich jedoch auch nicht wirklich stören, sondern redete munter, wenn auch etwas leiser, weiter.

„Den Neandertaler hat’s nie gegeben, aber ihr wohnt ja auch in einer Höhle!“

Da wurde es dann offenbar einem der Handwerker zu dumm. Mit einem leisen „So jetzt reicht’s aber!“ stand er auf.
„Mach keinen Scheiß!“, sagte eine der Putzfrauen. „Nachher ist der krank!“
„Ist mir schnuppe, ob der krank ist!“, erwiderte der Handwerker und schritt aus dem Abteil auf den Radfahrer zu.
„Du hältst jetzt sofort die Klappe, sonst gibt’s was auf’s Maul!“, forderte er den Ruhestörer auf.
Der antwortete ein wenig kleinlaut: „Scheiße, scheiße, Schnauze!“
„Ja, genau! Klappe, sonst Beule!“, bestätigte der Handwerker wieder, und ging wieder an seinen Platz, auf den er sich wütend murmelnd setzte.
Ab dann war Ruhe. Also doch kein Tourettesyndrom. Meines Wissens lässt das den Tick nicht bei Gewaltandrohung verstummen.
Stellt sich die Frage, warum dieser Mann den Drang verspürte früh morgens den Zug zusammenzubrüllen und sinnlos und unzusammenhängend Leute zu beleidigen.
Ging es ihm einfach nur um die Aufmerksamkeit? Hat seine Freundin oder sein Freund ihn verlassen? Ist er am Ende gar von einer Sylter Reinigungskraft verlassen worden? Oder was?
Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Ich hätte den Ruhestörer ja fragen können, aber als ich auf dem Bahnsteig an ihm vorbeikam, unterhielt sich schon ein Polizist mit ihm.

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