Impactsuspect » 2009 » September
Sep
29
2009
1

Was erlaube SPD?

Eigentlich hat man es der Führungsriege der SPD recht einfach gemacht. Bei so ziemlich jedem Interview nach der Wahl wurden Steinmeier oder Münte – wer von beiden auch immer grad sein Gesicht in die Kameras hielt – immer auf die Agenda 2010 angesprochen, und die Rente mit 67, und ob diese beiden Dinge nicht eventuell mit der Halbierung der SPD-Wählerschaft über die letzten 10 Jahre zusammenhängen könnten.
Anstatt einfach zu sagen: „Ja, daran liegt es wohl… Als Anwalt des kleinen Mannes werden wir wohl nicht mehr wahrgenommen!“, wird da entrüstet geschnaubt und mit der Aussage gekontert, dass absolut nichts falsch an Agenda 2010 und Rente mit 67 wäre, und das man alles nochmal genau so machen würde. War halt nötig.
Ich meine, es wissen ja nicht nur die Wähler und die Reporter, woran es lag. Sogar die eigene Basis und der linke Flügel der Partei (sofern nicht schon in der Linkspartei) könnten die hohen Herren drüber informieren, dass Agenda 2010 und Rente mit 67 (neben anderen Dingen wie den Netzsperren und der Vorratsdatenspeicherung) wohl schuld an dem Wahldebakel sind.
Aber die Herren Münte und Steinmeier wollen trotzdem weiter machen wie bisher, anstatt die SPD wieder zu einer Alternative zur CDU zu machen.
Momentan ist sie nämlich keine. Momentan ist sie ein rot angemalter Zwilling.

Jetzt den (persönlich zweifellos sehr sympathischen) Steinmeier, der alles personifiziert, was die Wähler von der SPD vertrieb, mit großer Mehrheit zum Chef zu machen, ist ein wenig, als würde ein Totkranker, der gerade von der Chemotherapie kommt, seinen Tumor bitten, den Wagen nach hause zu lenken.
Ich versteh es nicht.

Und Leute die von „Wiedervereinigung“ von SPD und Linkspartei reden… ist das daraus entstehende Konstrukt nicht für große Teile der Stammwählerschaft beider Einzelparteien unwählbar? Ich halte das nicht für eine Lösung.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches | Schlagwörter: ,
Sep
28
2009
1

Der Tag nach dem Sturm aus Scheiße

Tja, so sieht es also aus.

Aber ich persönlich kenn auch keinen, der SPD gewählt hat. Warum auch? Wer dröge-bürokratische Unionspolitik will, der wählt Union, wer soziale Gerechtigkeit und ein soziales Netz will, der wählt Linke (in der vagen Hoffnung, dass die ihre Versprechen halten), wer für Umwelt und so ist, der wählt die Grünen, und wer für Bürgerrechte ist, der wählt leider immer noch irrtümlich sehr oft FDP, oder die Grünen, oder neuerdings auch die Piraten.

Wofür steht die SPD? Für penetrante Am-Sitz-Kleberei, wie sie der abgestrafte Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier gestern bewies? Für … Bla?

Ich weiß es nicht. Also warum den Scheiß wählen?

Und das sagt einer, der eigentlich aus einer traditionellen SPD-Familie kommt, von denen aber KEINER mehr SPD wählen mag.

Nachtrag:
Jetzt redet Münte grad. Es hört sich an wie „Andere sind auch schuld!“, „Unser Programm war gut, bloss der Wähler zu blöd das zu merken!“ ….
Dazu noch Parolen ala „Is doch nicht so schlimm!“

Einfach nur noch peinlich.

Written by Heiko C. in: Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
25
2009
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Brötchen und Apfel

Tja, da bin ich heute morgen doch, wie so oft, zum Niebüller Bahnhof gefahren, um den 7 Uhr 31 Zug nach Westerland zu nehmen. Ich bin etwa gegen 20 nach sieben am Bahnhof in Niebüll angekommen, und sah am rechten Eingang eine ältere Dame mit mehreren Bäckereistiegen stehen.

„Nicht schon wieder was zu verkaufen…“, dachte ich mir, und machte mich schon auf irgendeinen Verbalspam gefasst. Statt dessen fragte die Frau freundlich, ob sie mir eine Tüte mit Brötchen geben dürfe. Ich sagte: „Klar.“ und sie drückte mir die Tüte in die Hand. Als meine Hand sich noch um die Brötchentüte schloss, kam ein junger Mann an, und drückte mir noch einen Flyer in die Hand. Der Flyer stammte von den Grünen. Ebenso wie der Junge Mann. Es handelte sich, wie ich glaube, um Valentin Seehausen, den sympathischen Abiturienten, der dieses Jahr als Direktkandidat für die Grünen antritt. Für den Bundestag.

„Brötchen von den Grünen…“, dachte ich mir. „Das ist ja mal nett.“

Als ich mich dann hinsetzte, und die Tüte öffnete, kamen ausser einem Brötchen und einem Apfel noch mehrere Prospekte von der CDU zum Vorschein. Aha! Also war das Brötchen von der CDU, ebenso wie der Apfel, und jede Mege Altpapier, der andere Flyer aber von den Grünen.

Seltsam. Grund genug sich das nochmal genauer anzusehen.

Ich sah, dass an beiden Eingängen Leute standen. Dort, wo ich reinkam die alte Brötchendame, auf der anderen Seite standen auch welche, unter denen ich Astrid Damerow zu erkennen glaubte, die wohl im Kreistag sitzt, und für den Landtag kandidiert. (Was sie ist, und wofür sie kandidiert, da bin ich nicht sicher. Es stehen ja so viele CDU-Plakate draussen, sie ist auf einigen von denen.) Den Valentin Seehausen konnte ich gerade nicht sehen. Vielleicht lief der immer von einer Türe zur anderen Seite, überlegte ich. So je nachdem, wo mehr Leute waren…

Stehen also CDU und Grüne einträchtig am Freitag morgens vorm Bahnhof, und verteilen Flugblätter. Die CDU mit Brötchen garniert.

Nun finde ich es ja nett, dass die CDU bei uns jedem ein Brötchen und einen Apfel schenkt, und es liegt mir fern, undankbar erscheinen zu wollen, aber für 4 Jahre ist das doch ein bisschen wenig, um sie zu wählen, oder?

Aber wahrscheinlich waren Brötchen und Apfel nur als Köder dabei, damit man sich die Flugblätter andrehen lässt.

Interessant wäre zu wissen, ob die CDU da freiwillig mit den Grünen kooperiert, oder ob der Herr Seehausen sich dazwischendrängelt, um noch von der Köderwirkung von Brötchen und Apfel zu profitieren, wenn er sein Flugblatt verteilt.

Und wenn die kooperieren, steht dann nach der Landtagswahl Schwarz-Grün an?

Fragen über Fragen.
Schon auf dem Bahnsteig begann ich im Geiste abzuwägen: Auf der einen Seite Überwachungsstaat… Aber auf der anderen Seite: Brötchen und Apfel. Hm. Atomenergie – Brötchen und Apfel… Zensursula – Brötchen und Apfel…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Sep
24
2009
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Westerwellismen – Das doppelplusAltsprech der F.D.P.

Viele regen sich ja über Anglizismen im allgemeinen Sprachgebrauch auf. Der Vorsitzende der Partei, die der aktuelle Gewinner des Rechtsfreien Raumes der Woche ist, zeigt aber eindrucksvoll, wie sehr man die – an sich sehr anpassungsfähige – Deutsche Sprache auch ohne äußere Einflüsse mißhandeln kann.
Das erste Mal fiel es mir 2005 auf, als nach der vorgezogenen Bundestagswahl aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse, bei den damaligen Volksparteien eine gewisse Ratlosigkeit herrschte.
Die bisherige konstante Lagerbildung, von auf der einen Seite Schwarz-Gelb und auf der anderen Seite Rot-Grün, wollte partout keine regierungsfähige Mehrheit mehr ergeben, wodurch allerlei Szenarien durchgespielt wurden, was denn nun passieren solle.
Irgendjemand kam auf die Idee, dass die Grünen ja mit Schwarz-Gelb koalieren könnten, und nannte das „Schwampel“. Get it? Von wegen „Schwarze Ampel“ oder „Ampel mit Schwarz“. Da Schwampel aber irgendwie recht hirnverbrannt klingt, hat sich statt dessen der Terminus „Jamaika-Koalition“ durchgesetzt. Wer den Namen zuerst brachte, kann ich unmöglich sagen, aber er setzte sich, wie gesagt durch.
Warum Jamaika? Nun, Jamaika hat Schwarz, Gelb und Grün als Flaggenfarben. So weit so gut. Westerwelle, der vorher schon zur „Schwampel“ befragt in etwa gesagt hat, dass er für Ampel und „andere Hampeleien“ nicht zur Verfügung stehe, wurde nun auch zur Jamaika-Koalition befragt.
Seine Antwort war, dass er Unverständnis darüber äußerte, warum man es denn unbedingt „Jamaika-Koalition“ nennen müsse. Immerhin gäbe es ja auch in Deutschland ja so schöne Bundesländer, deren Wappen ebenso die Farben Schwarz-Gelb-Grün enthielten. Er meinte dann, der Name „Sachsen-Koalition“ wäre viel schöner.
Nichts gegen Sachsen, ist schön da, aber „Sachsen-Koalition“ ist aus vielen Gründen eine verwirrende Wahl. Erst einmal denkt man bei Komposita mit „Sachsen-“ irgendwie an einige unangenehme Dinge. Mir fällt da spontan „Sachsen-Paule“ ein. Dieser war eine Art komödiantischer Pornodarsteller, der zur damaligen Zeit durch allerlei Talkshows und Boulevardsendungen tingelte.
Auf der anderen Seite kann man „Sachsen-Koalition“ sehr leicht so verstehen, dass es sich um eine Koalition handele, die entweder gerade in Sachsen regiert, oder dort das erste mal vorgekommen ist. Tut sie nicht, hat sie nicht, ist sie nicht.

Zumindest diese Konfusion kann man leicht vermeiden, indem man einfach den Term „Jamaika-Koalition“ benutzt.
Außerdem bin ich im Zeitalter der Globalisierung der Meinung, dass nicht alles Deutsch sein muss.
Keine Frage, dass es trotz der irgendwie seltsam anmutenden Bemühungen eines Herrn Westerwelle heute immer noch Jamaika-Koalition heißt, oder eben Schwampel.

Nun muss ich zugeben, dass ich dem Herrn Westerwelle kaum zuhöre, wenn der redet. Das hab ich schon zu Möllemanns Zeiten aufgegeben. Wenn Westerwelle redet höre ich gewöhnlich nur „Blah blah blah Linksruck in der CDU Blah blah“. Wenn mein Ohr aber zufällig mal aufnahmebereit ist, fällt Herr Westerwelle durch immer absonderliche Verbalausrutscher aus. Mal bezeichnet er sich als Deutschlands Freiheitsstatue, mal erfindet er fleißig Worte wie „Wolkenkuckuckszahlen“.

Aber um nochmal zurück zur Ampel zu kommen: Warum sagt Herr Westerwelle nicht gleich „Lichtzeichenanlagen-Koalition“? Mein Fahrlehrer zumindest sagte immer, dass man in einer Ampel Blumen aufhängt. Oder wenn man es gar komplett eingedeutscht wünscht, warum nicht: „Lichtzeichenanlagen-Zusammenbündnis“?
Die Antwort ist meiner bescheidenen Meinung nach, dass Herr Westerwelle seine Brachialeindeutschungen eher nach Gefühl vornimmt. Zumindest würde das auch folgenden Fall erklären.

Am 18. September haben Atomkraftgegner den Herrn Westerwelle mit einem Flashmob überrascht. Nun mehr oder weniger überrascht. Könnt ihr hier anschauen. Das Interessante passiert ab Minute 8:40. Da fängt nämlich Guido Westerwelle an, den Flashmobbern zu sagen, sie sollen langsam zum Ende kommen. Statt dem eigentlich schon geläufigen Wort „Flashmob“ benutzt er „Internetverabredung“. Ich frage mich langsam ernsthaft, ob Herr Westerwelle sich sowas selbst ausdenkt, oder einen bezahlt, der das für ihn macht.
Wenn ja, würd ich den an seiner Stelle rauswerfen, wenn nein, würd ich einen suchen und einstellen.
Ich mein, wenn die Tagesthemen wie gestern „Flashmob – zu deutsch: Blitzauflauf“ sagen, dann ist das ja immerhin mal einigermaßen wörtlich übersetzt. Ich meine zwar, dass man spätestens seit den Frankensteinfilmen mit Boris Karloff auch in Deutschland weiß, was ein Mob ist, aber Bltzmob oder Blitzauflauf, hey, da will ich nicht kleinlich sein.
Aber „Internetverabredung“? Erstmal ist eine Verabredung doch eine feste Vereinbarung von zwei oder mehr Personen sich an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit zu treffen, und gerade das sit ein Flashmob eben nicht. Ein Flashmob ist eher eine Ansammlung von Leuten, die mehr oder weniger spontan, aber keinesfalls verbindlich, dem Aufruf eines einzelnen gefolgt sind. Da ist nix verabredet.
Und Internet… Wenn Westerwelle sich schon „Mob“ einzudeutschen genötigt sieht, warum verwendet er dann „Internet“? Dass er nicht „Weltnetzverabredung“ sagt, kann ich ja verstehen, aber warum nicht „Blitzverabredung“? Will er partout Dingen, die aus seiner Sicht neu sind, neue Bezeichnungen verpassen, damit dann irgendwann im Lexikon (oder bei Wikipedia) zu lesen steht: „Das erste Mal benutzte dieses Wort Deutschlands Freiheitsstatue G. Westerwelle“?
Oder ist er der Meinung, dass „Mob“ nicht deutsch genug ist, „Internet“ aber schon?
Wie man es dreht und wendet, es ergibt keinen Sinn.

…oder vielleicht doch.

Ob Herr Westerwelle ein klein wenig mit der Englischen Sprache auf Kriegsfuss steht und daher vielleicht allzu schwierige Worte mit Migrationshintergrund lieber selbstbezeichnet, darüber kann man sich hier ein Bild machen:

Erinnert sich noch einer an Außenminister wie Genscher und Fischer? Tja, wenn’s schwarz-gelb gibt, ist der da oben der neue Außenminister.  Na, dann Prost!

Nachtrag: Worauf wir uns bei einem Aussenminister Westerwelle in einer Schwarz-Gelben Koalition einstellen können, kann man als Vorgeschmack hier nachlesen.

Nachtrag 2: Oder hier ansehen:

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter: , , ,
Sep
23
2009
1

Mangelnde Distanz zum rechten Rand

Also mir ist es ja lieber, wenn man klar sagt, dass man nicht mit rechten Parteien koalieren wird, wo die Anhänger solcher Parteien es vermutlich lesen, als wenn man so tut als gäbe es gar keine rechten Parteien und deren Anhänger.
Aber das kann natürlich jeder anders sehen.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
22
2009
2

Epsilons, immer nur Epsilons!

Es ist ja schon ein paar Tage her, und wir leben in einer schnelllebigen Zeit, aber vielleicht erinnern sich noch einige an meine bisher 2 mißlungenen Versuche einen Artikel über antike oberschlesische Gartenlauben on zu stellen. Wenn nicht, schaut hier und hier.

Okay, mittlerweile hatte ich ein Backup gemacht von dem Artikel über die antiken oberschlesischen Gartenlauben. Und die Bilder, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre, hab ich auch noch mal eingescannt.
Das hat eine Weile gedauert mit dem Einscannen, alleine schon, weil ich all die Schwarzweißfotos von Gartenlauben noch per Hand am Rechner nachbearbeiten musste. Dann hab ich sie also eingebunden in den Artikel, und das ganze – wie gesagt – in einer Textdatei gesichert.
Will ich’s heute Nachmittag in den Blog laden, und was seh ich?

Der Artikel wurde durch einen anderen aus einer Parallelwelt ausgetauscht. SCHON WIEDER. Hängt der Riss im Raum-Zeit-Kontinuum etwa irgendwie mit dem Sem der „antiken oberschlesischen Gartenlauben“ zusammen? Ist die häufige Erwähnung dieser Lauben etwa der Schlüssel für eine Geheimtür zwischen den Realitäten?

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Ich will einfach nur den blöden Artikel veröffentlichen.
Ich hätte es ja schon aufgeben, und einfach über etwas anderes schreiben können, aber mittlerweile habe ich mir so viel Mühe mit dem Artikel gemacht, dass ich mir blöd vorkommen würde ich jetzt aufzuhören.

Na ja, nach dem Gezeter will ich euch das neue multidimensionale Fundstück nicht vorenthalten. Es wurde scheinbar von einem parallelen Ich geschrieben, das ich nicht sehr sympathisch finde, um ehrlich zu sein. …alleine schon weil der sehr viel dünner ist als ich.

Epsilons, immer nur Epsilons!

Gna! Da ist mir doch, wie ich neulich schon geschrieben habe, vor einer Woche diese blöde Duftorgel kaputtgegangen. Ich hab natürlich sofort eine neue bestellt, musste jetzt aber eine Woche ohne einen Duft rumlaufen. Das ist wirklich das letzte. Gerade gestern hatte ich eine Verabredung, und ständig das Gefühl diese würde immer die Nase rümpfen, wenn ich mal nicht hinsah. Die Verabredung hieß übrigens Karlina. Eine sehr hübsche kleine aus der Tierfutterfertigung. Eine Gamma, okay, aber nett, und schön anzusehen.
Na ja, fragt da der geneigte Leser, warum kauf ich mir nicht gleich ne neue (Duftorgel nicht Gamma) und lass sie installieren? Ganz einfach: Es wäre nochmal die gleiche. Meine kaputte Zetron-XV war ja schon zwei Tage alt, aber ein neues Modell ist eben erst heute verfügbar gewesen. Also hätte ich letzte Woche ein komplett veraltetes Modell nachkaufen müssen.
Ich weiß ja:“Konsum ist erste Bürgerpflicht“, aber man muss ja auch nicht irgendwelchen veralteten Scheiß kaufen, der schon beim ersten Mal nicht richtig funktioniert hat, oder?
Na ja, genug davon. Gestern habe ich Karlina dann mit nachhause genommen, und wir hatten 4 Stunden entspannenden Sex. Ich warf mir gerade die Tablette Soma danach ein, als Karlina mal kurz ins Badezimmer verschwand.
Ich hab mich fast verschluckt, als ich bemerkt habe, dass sie versuchte meine Duftorgel zu benutzen.
Nackt sprang ich kerzengerade aus dem Bett und keuchte noch, – ich hatte das Soma in den falschen Hals bekommen – als ich schon Karlinas Hilfeschreie hörte.
„Beim Ford, was ist das? Mein Fuß hängt fest!“, schrie sie schrill. Hätte ich gewusst, dass sie so schrill schreien würde, noch bevor ich mein Abendsoma eingenommen hatte, hätte ich mich wohl nicht mit ihr eingelassen.
„Kein Panik!“, versuchte ich sie zu beruhigen, „Bleib ruhig, und egal was du machst, drück keine Knöpfe, und beweg dich nicht!“
Doch zu spät! Ich hörte ein unangenehm schrammelndes Geräusch, gefolgt von einem weiteren, noch spitzeren Schrei.
Ich warf mir meinen neuen Bademantel über, und hastete ins Badezimmer.
Karlinas Fuß hatte sich unglücklich in der Duftausgabe verkeilt, als sie versucht hatte, wieder aus der Zerstäuberkabine zu steigen. Dann war sie mit dem Ellenbogen wohl gegen den Knopf der Automatik gekommen, und die Kabinentür hatte sich wieder geschlossen. Oder zumindest hatte die Kabinentür das versucht, denn Karlinas Fuß war ja im Weg.
Ich nahm etwa zehn Tabletten Soma aus der Tasche meines Bademantels, und zwang Karlina sie zu schlucken, indem ich ihr Mund und Nase zuhielt. Dann verlor sie das Bewusstsein, und hörte somit – endlich – auch zu schreien auf.

Eine halbe Stunde später hatte ich mir meinen Overall angezogen und mit der Wartungsfirma telefoniert. Karlina schlummerte noch immer zufrieden, allerdings hatte ich gesehen, dass ihr Bein stark blutete.
Die Installateure beklagten sich zuerst wie spät es wäre, und dass sie niemanden erübrigen könnten. Als ich ihnen dann aber meine Bürgernummer nannte, und sie sahen, dass ich ein Beta+ war, versprachen sie, das bald jemand kommen würde. Auch der Austausch gegen eine neue Duftorgel wurde mir höflich zugesichert, obwohl man sowas nachts eigentlich nicht machen könne.
Tja, dann rief ich den Notarzt an. Ich weiß ja nicht ob sich Karlina viel getan hatte, aber Blut ist immer ein schlechtes Zeichen. Das bedeutet, dass jemand verletzt ist, und Verletzungen sollten ja eigentlich nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden – wenn überhaupt.
Der Arzt war ebenso mürrisch drauf wie die Installateure zu Anfang, wurde dann aber auch kooperativer, als ich ihm Bürgernummer und Sachverhalt nannte.

Dann, eine Stunde später kamen die „Installateure“. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es sich nicht um kompetente Fachkräfte handelte, sondern um verdammte Epsilon-Hilfsarbeiter. Es waren drei an der Zahl, und so wie es aussah, entstammten sie alle der gleichen Bukanowsky-Gruppe. Jedenfalls konnte ich keinen äußerlichen Unterschied zwischen den dreien feststellen.
Grußlos stolperten die drei schwarz gekleideten Zwerge in mein Wohnzimmer, und einer von diesen Kretins riß dabei eine Vase um, die ich erst am Vortag gekauft hatte, und die noch immer der letzte Schrei war. Keine Frage: Das würde ich dem Installationsunternehmen in Rechnung stellen!

Nachdem die drei widerlichen Gnome eine Weile an der Duftorgel herumgeschraubt hatten, war dann Karlinas Fuß endlich frei. Ich schleifte sie neben die Badewanne, und holte ihr ein Kopfkissen aus dem Schlafzimmer. Der Arzt würde ja bald kommen, der würde schon wissen was zu tun sei.
Die Epsilons jedoch machten irgendwas, dass es knackte, und plötzlich irgendwo aus einem Rohr jede Menge Wasser schoß. Die drei Hilfsarbeiter liefen panisch durcheinander, bis einer sich ein Herz fasste, und das Rohr irgendwie wieder verschloss. Mittlerweile war der ganze Fußboden jedoch naß, und Karlina lag jetzt in einer riesigen Pfütze. Auch das Kissen war naß geworden.

Aufgebracht lief ich wieder ins Wohnzimmer. Duftorgel kaputt, Vase kaputt, Wasserschaden im Badezimmer… auch ein neues Kissen musste ich mir morgen kaufen. Und dann noch eine verletzte Gamma im Somaschlaf in meinem Badezimmer. Wo blieb eigentlich der Artzt?
Wo hatte ich das Soma hingelegt? Erschrocken suchte ich etwa eine Viertelstunde, bis mir einfiel, dass es ja im Bademantel war. Hatte ich jetzt schon eine Abendtablette genommen oder nicht? Ich wusste es nicht mehr, warf aber sicherheitshalber gleich noch zwei ein. Ruhige Gelassenheit erfasste mich wieder. Ich schüttelte lächelnd den Kopf; sowas musste ja auch wieder mir passieren!
Ich setzte mich in meinen Massagesessel, und schaltete das Holo ein. Natürlich war Nacht, da kamen nur Wiederholungen. Ich zappte, bis ich bei einem Holodrama hängenblieb, das ich geschrieben hatte.
Hatte ich das eigentlich schon erwähnt? Meine Aufgabe als Beta+ besteht darin, Holodramas für Kino und Rundfunk zu schreiben. Gut, nichts „künstlerisches“, sondern eher so Sachen aus der Sparte „Wahre Liebe“ und „Unglücklich verliebt in einen Wilden“. Ich weiß, Lovesploitationholos werden immer belächelt, aber zumindest alle vom Gamma an abwärts schauen sowas gerne. Und einmal habe ich sogar Lob von einem Alpha bekommen, der eine Story besonders mochte.

Es klingelte an der Türe. Ich riss mich aus meinen Gedanken, stand auf, und drückte den Türschalter. Die Tür öffnete sich und ich war erleichtert festzustellen, dass wenigstens der Doktor kein Epsilon war. Es handelte sich natürlich um einen Alpha-, schon etwas älter, wie man an seinen ersten grauen Haaren erkennen konnte.
„Guten Tag, Herr…“, er blickte auf sein Klemmbrett, „… Beta+?“ Er sah mich ungläubig an.
„Ein Künstlername! Kommen Sie doch herein!“
Er kam durch die Tür, uns sah sich um: „Hier gibt es einen medizinischen Notfall?“
„Im Badezimmer“, sagte ich, und wies ihm den Weg.
Die Epsilons schraubten noch immer im Nass herum.
„Freud noch mal!“, schimpfte der Doktor. „Bei Ihnen machen Epsilons die Installationen?“
Ich schaute peinlich berührt zu Boden, wahrscheinlich bin ich sogar rot geworden.
„Nachtschlafende Zeit, wissen Sie.“, erklärte ich, und fügte entrüstst hinzu: „Ich hab mit Sicherheit keine Epsilons bestellt!“
„Hmpf. Na, dann wollen wir mal sehen, was wir hier haben.“, sagte der Doktor unwirsch, beugte sich zu Karlina herunter, und schaute sich ihr Bein an.
„Haben Sie ihr Soma gegeben?“, fragte er nach einer Weile.
„Natürlich. Acht Tabletten.“
„Gute Auffassungsgabe. Bist du verdrossen, flugs Soma genossen!“, dozierte er.
Danach fügte er mit ernsterem Blick hinzu:“Nun, das Bein scheint gebrochen zu sein.“
„Ist das eine schlimme Verletzung? Ich fände es zutiefst peinlich, wenn einer Bekannten bei mir so etwas zustoßen würde.“, druckste ich.
Am Ende sprach sich noch unter den Frauen herum, dass man besser nicht zu mir nach Hause käme, weil meine Gerätschaften alt und unsicher sind.
„Nun, ihre Bekannte ist eine Beta?“, fragte der Arzt auf sein Klemmbrett blickend.
„Nein, sie ist eine Gamma.“, sagte ich,“ Gamma+, glaube ich.“
„Ahh. Und ihre Funktion?“
„Sie arbeitet irgendwo in der Fertigung.“
„Tja, dann denke ich, dass es das beste ist, wenn wir sie ins Sterbehospital bringen, und in den Somahalbschlaf versetzen.“
Mir fiel die Kinnlade runter: „So schlimm ist es?“
„Nun, ein gebrochenes Bein ist eine schwere körperliche Behinderung, und in der Fertigung kann sie damit nicht arbeiten. Es dauert Wochen bis so etwas verheilt ist.“, dozierte der Doktor. „Sie selbst würde mit einem gebrochenen Bein nicht leben wollen.“

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Jetzt würde sich herumsprechen, wie gefährlich mein Haushalt war, und das obwohl die fragliche Duftorgel ja gerade ausgetauscht wurde.
„Kann man diesen Vorfall irgendwie vertuschen?“, fragte ich. „Ich meine, sonst kommen hier bald keine Mädchen mehr her, weil die Angst vor meinem Bad haben!“
Der Doktor schmunzelte. „Nun, da lässt sich schon was machen. Ich schreibe einfach einen Unfall im Strassenverkehr auf.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Der Doktor holte dann ein paar Delta-Sanitäter herauf in meine Wohnung, und zusammen transportierten sie die arme Karlina ab. Aber das war ja nun mal der Kreislauf des Lebens.
Die Duftorgel haben die Epsilons in der Nacht übrigens nicht mehr ausgetauscht. Ich habe sie rausgeworfen, nachdem der Doktor gegangen war, und heute Morgen dann gleich als erstes ein paar Deltas bestellt, die das richten.

Der geneigte Leser mag fragen, warum ich die Geschichte hier aufschreibe, wenn sie mir so peinlich ist.
Nun, im Internet wird sie schon keine Gamma lesen, und ich denke, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, dass es doch eine ganz witzige Anekdote ist.

Sep
21
2009
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XIII. Verleihung des Rechtsfreien Raumes der Woche

Was mussten wir uns nicht schon alles anhören:

„Das Internet ist kein/ein rechtsfreier Raum“

seit mindestens zehn Jahren gehört diese Phrase schon zum rhetorischen Grundrüstzeug aller Menschen in Politik und Medien. Da hilft es dem gebeutelten Wähler oder Zuhörer auch nicht, dass diese Phrase weitgehend „sinnfrei“ ist. Wie schon unzählige Male an unzähligen Orten erwähnt, ist das Internet noch nie rechtsfrei gewesen, noch besteht die Gefahr, dass es in allzu naher Zeit rechtsfrei wird, da im Internet seit jeher auch die gleichen Gesetze gelten wie außerhalb des Internets.
Mehr noch, das Internet ist deutlich mehr reguliert, als das wirkliche Leben es hoffentlich je ist. Im Internet kann jeder jeden für alles abmahnen, und bekommt vermutlich sogar jede noch so illusorische Summe gezahlt, weil sich eben nur die Reichen in diesem Lande einen vernünftigen Rechtsbeistand leisten können.

„Das Internet darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

Seit nicht allzulanger Zeit kritisieren verschiedene Menschinnen und Menschen aus den Reihen der Grünen die Überregulierung des Internets, und die Zunehmende Überwachung digitaler Netze. Dabei wird sich leider nicht entblödet entweder selbst „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“ zu benutzen, oder auf die alternativ-grüne Bastardform „Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“ zurückzugreifen.
Recht oft findet man beide in Kombination in der Rhetorik der Grünen: „Das Internet soll kein rechtsfreier Raum sein, es darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“ Einige sehr schöne Beispiele finden sich hier im Blog.

„Das Internet verkommt zum rechtsfreien Chaosraum!„, „Das Internet darf kein moralfreier Raum sein!“

Recht kreativ zeigt sich Frau Dr. Ursula von der Leyen, wenn es darum geht ebenso sinnfrei wie schmerzhaft mit der Phrase vom „rechtsfreien Raum“ verbal zu improvisieren.
Da ist das Internet mal ein „moralfreier Raum“ oder ein „rechtsfreier Raum“ oder gar ein „rechtsfreier Chaosraum“. Ihre Kombinationsfähigkeit im Bereich des kreativen Bullshit Bingos scheint schier unbegrenzt. Sollte Frau von der Leyen den Wahlkampf überstehen, und danach wieder eine Position bekleiden, in der man sein Gesicht in die Kameras und Mikrofone halten darf, dann kommt da sicher noch mehr von ihr.
Sollte sie in einer schwarz-gelben Regierung tatsächlich Gesundheitsministerin werden, sehe ich schon Sprüche in der Art von „die Krankenkassen dürfen kein rechtsfreier Raum sein“ oder „privat Versicherte dürfen keine moralfreien Chaosräume sein“ kommen. Aber warten wir erst mal die Bundestagswahl ab.

„Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“

Der Gewinner des 13. rechtsfreien Raumes der Woche ist mit 2/3 der Stimmen jemand neues. Jemand der sich gerne als jung, hipp, internetfit und freiheitsliebend sieht, bzw. als solches erscheinen möchte. Sowohl die Attribute jung als auch hipp und internetfit dürfen alleine aufgrund der Verwendung dieser Phrase wohl gerne mal aberkannt werden.
„Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“ ist in so fern sprachlich noch schlimmer als die freien Phrasenassoziationen einer Frau von der Leyen, weil diese einfach nur ihren gewohnten Bullshit-Bingo-Sermon auseinandernimmt und neu wieder zusammensetzt.
Der heutige Gewinner scheint „Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“ aber scheinbar bewusst konstruiert zu haben, um sich auf die vorhergehenden Formen dieser Phrase „rechtsfrei“ und „bürgerrechtsfrei“ zu beziehen. Scheinbar dachte da jemand, das wäre cool.
Ich weiß kein besseres Wort, um das zu kommentieren als „facepalm“.
Der Satz mit dem „urheberrechtsfreien Raum“ kommt natürlich von der lustigen Spaß- und Guidomobilpartei F.D.P., die so einmal mehr beweist, dass sie Besitz- bzw. Verwertungsansprüche für wichtiger hält als Bürgerrechte. Somit wäre dann auch ein- für alllemal geklärt wie freiheitsliebend sie ist. Ich frage mich was für eine Reaktion auf diesen Bastard der Phrase vom rechtsfreien Raum sich die FDP vorgestellt hat?

CDU&SPD (einstimmig):    „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“

Die Grünen (oberlehrerhaft):    „Das Internet darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

Die FDP (eifrig):  „Ja, aber das Internet darf aber auch kein urheberrechtsfreier Raum sein!“

SPD:  „Da hast du recht, FDP, wie klug du doch bist!“

Die Grünen: „Dass wir das nicht bedacht haben!“

CDU: „Du bist so toll, FDP, ich will ein Kind von dir!“

FDP: „Hehehe!“

Vielleicht sollte es so laufen?

Wie auch immer, liebe FDP: Viel Spass mit dem Preis!

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
20
2009
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Neulich bei Twitter…

Man kann über die Piraten ja denken, was man will. Trotzdem scheinen sie dem objektiven Beobachter doch das einzig spannende an diesem Wahlkampf zu sein.

Hier ein wenig mehr zu dem Thema: Bei ennomane und bei mspro. Und hier noch was, und auch da bei fukami.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Sep
19
2009
1

Die Wahl zum 13. Rechtsfreien Raumes der Woche

Nachdem die Auswahl letzte Woche ein wenig klein war, haben wir diese Woche wieder eine dicke Wundertüte voll mit Nominierten, die teilweise schon lange auf diesen Preis warten (wie ich finde), teilweise alte Bekannte sind und deren Anwesenheit unter den Nominierten einen ehrlich gesagt eher überrascht.
Diese Woche bekommt der Gewinner der letzten beiden Wochen, Wolfgang Schäuble, ernsthafte Konkurrenz durch seine Chefin, eine Spaßpartei deren Name mir im Moment entfallen ist und ein paar liebe Gäste aus dem europäischen Ausland.

Diese Woche wird es ganz besonders spannend!

1.)Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club

Andy Müller-Maguhn, Sprecher des CCC sagte, „Polizeieinsätze dürfen kein rechtsfreier Raum sein, die im Schutz der Anonymität zu Entgleisungen einladen.“

2.)Wolfgang Schäuble
…diesmal on-tour in Quenstedt mit dieser Phrase…

und in Schweinfurt:

3.)Frau Dr. Merkel

«Ich sehe zurzeit keine Notwendigkeit, weitere Inhalte im Internet zu sperren», sagte die CDU-Vorsitzende. «Wir wollen keine Zensur im Internet, auch wenn uns das manche unterstellen.» Allerdings dürfe das Internet «kein rechtsfreier Raum für Straftäter sein».

4.)Die F.D.P.
Mit dem Knaller:

Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein

Nahallermarsch!
Zu finden hier.
Oder hier zusammengefasst.

Und diese Woche ist auch wieder das Ausland dabei, nämlich Frankreich:

5.)Henri Guaino, Berater von Nicolas Sarkozy

Henri Guaino, Berater von Nicolas Sarkozy, meinte auf France Info, daß „das Internet nicht der einzige rechtsfreie, von gesellschaftlicher Moral befreite Raum, nicht der einzige Raum sein könne, wo die üblichen Werte, die ein Zusammenleben ermöglichen, nicht akzeptiert werden.“

6.)Ségolène Royal

Eine Partei ist kein rechtsfreier Raum

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16:00. Abstimmen bitte hier als Kommentar, oder wie gehabt im Petitionsforum.

Noch was: Wenn ihr nicht wollt, dass euer Kommentar sichbar ist, dann schreibt das dazu. Dann zähle ich nur die Stimme, und lösche ihn wieder. (Ich sag das nur sicherheitshalber, weil diese netzaffinen Onlinecommunitybesitzer immer so heikel mit ihren Daten sind.)

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
18
2009
3

Der Beruf des Cthulu

Disclaimer: Nach dem gestrigen Durchbruch eines Blogeintrages aus einer Parallelwelt, der meinen schönen Artikel über die schlesischen Gartenlauben schrotete, hab ich den ganzen letzten Abend damit verbracht, den Artikel neu zu schreiben, und – wie ich glaube – besser.
Gegen 2 Uhr Nachts – und ich bin heute um 6 Uhr aufgestanden – hatte ich dann endlich auch wieder alle Fotos eingebunden.

Natürlich habe ich kein Backup gemacht, warum denn auch? Das sowas wie gestern nochmal passiert und in so kurzer Zeit, konnte ich nun wirklich nicht ahnen.

Tja, als ich den Artikel nun gerade jedoch on stellen wollte, hat sich das Multiversum erneut geräuspert. Statt dem Artikel mit den Lauben wurde plötzlich ein anderer, aus einer weiteren Parallelwelt, wie ich vermute, in meinen Blog gespült.
Ich lasse ihn hier mal stehen, alleine weil alle immer über den derzeitigen Wahlkampf und die Politik schimpfen, und der Blogeintrag eindrucksvoll zeigt, dass es alles auch viel schlimmer sein könnte.

(Ich werde im folgenden auf die Kennzeichnung der Personen und Organisationen verzichten. Der folgende Blogeintrag stammt aus einem anderen Universum, und ist somit in unserem rein fiktiv. Personen oder Organisationen, die in ihm erwähnt werden sind ebenso fiktiv, und wenn sie so ähnlich oder gleich heißen wie Personen oder Organisationen in diesem Universum, dann ist das nichts weiter als ein recht kosmischer Zufall.)

Betrachtungen zum Superwahljahr 2009

Cthulu hat sich im Wahlkampf ganz schön verzettelt. Der neue Slogan „Iä, Iä! Cthulu ftagn!“ klingt in meinen Ohren recht unglaubwürdig, wenn ich mir die Bilanz der letzten 40 Jahre der Politik des Kanzlers Cthulu ansehe: Menschheit versklavt, ständig stirbt irgendeiner weil Cthulu ihn frisst oder drauftritt, alle werden langsam verrückt und zu guter Letzt auch noch die Umweltverschmutzung, gegen die der „große Alte“, wie seine Fans ihn nennen, auch nichts unternimmt.
Nicht allein das, nein, in der nächsten Legislaturperiode sollen allen in Köln 7 (!) neue Kernkraftwerke gebaut werden, weil der Herr und sein Sternengezücht ja so auf Radioaktivität abfahren.
Kleine Meldung an den Herrn Cthulu: Menschen können Radioaktivität nicht besonders gut ab! Merken sie das nicht? Ist es ihnen egal?
Nachdem die Wahl vor 4 Jahren ja so äußerst knapp verlief, und die „Cthulus Dämonische Union“ nicht die erforderliche Mehrheit an Sitzen im Parlament errang, war seine „große Altigkeit“ gezwungen eine Koalition mit Hasturs „Shoggotische Pilger Dämonen“ einzugehen.
Hastur, oder „der Unnennbare“ wie der 3 Meter große drachenechsige Humanoide sich gerne nennen lässt, hat die Shoggotischen Pilger auf ein neues Rekordtief der Umfragewerte manövriert.
Kein Wunder: Wenn auch schon Cthulu keineswegs als der menschlichere Kandidat erscheint – menschlich in einem Satz mit Cthulu zu bringen erscheint mir fast schon zynisch – so ist doch Hastur der, welcher von Cthulu ein ums andere Mal bei politischen Fragen über’s Ohr gehauen wurde.
Desweiteren bringt Hastur keinen geraden Satz raus, bei dem sich der Zuhörer nicht ratlos am Kopf kratzen muss.
Neulich sagte Hastur einem Reporter vom WDR ins Mikrofon: „Es ist nicht tot, was ewig liegt.“
Eine gelungene Beschreibung für den derzeitigen Zustand der Shoggotischen Pilger. Allerdings hatte der Reporter nach der Dienstwagenaffäre der Ministerin für Menschenwesen, Shub-Niggurath gefragt.

Kommt eigentlich irgendwann mal was gescheites aus dem Mund von unseren Politikern, oder reden die nur Schwachsinn? Gut, ich weiß, dass es sich um extraplanetare, außerirdische und mehrdimensionale Entitäten handelt, die damals vor 40 Jahren unseren Planeten mal eben so übernommen haben, aber können die sich nicht ein wenig Mühe geben politische Inhalte so zu formulieren, dass Menschen es verstehen?
Ich kann mich ganz sicher nicht auf deren Diskussionsebene begeben. Ich bin nun mal eben nicht telepathisch, fast allmächtig und so gut wie unsterblich. Da kann man doch von denen erwarten, dass die mal ein wenig Tacheles reden, oder?
Oder gibts im Weltall oder wo kein Tacheles?

Na ja, wen soll man sonst wählen?
Da gibts natürlich die „Freie Dämonische Partei“ unter Yog-Sothoth, die finde ich aber unglaubwürdig. Wenn die so pro „Menschen sollen sich selbst verwalten“ sind, warum haben die dann nicht den Fußfesselerlass von 2003 schon längst rückgängig gemacht? Gut, die waren in der Opposition, aber die hätten wirklich schon mal eine Normenkontrollklage vorm Verfassungsgericht anstrengen können. Haben sie aber nicht.

Dann noch Bündnis „Schlangenwesen“, unter Yig. Die scheinen mir doch ein wenig zu gutmenschlich. Fordern können die ja gerne, dass die Menschen wieder aus der Sklaverei entlassen werden, und die Zahl der täglichen Menschenopfer verringert wird, aber glauben kann ich denen das nicht. Wie will Yig das denn umsetzen? Ich meine, Cthulu kann sich auf eine Höhe von 30 Kilometern aufblähen, wenn er das will und Yig ist halt immer nur knapp 22 Meter hoch.
Sollten die „Schlangenwesen“ mit Yig wirklich gewinnen, dann prophezeihe ich einen Kampf der Titanen, der vielleicht die Erde aus ihrer Bahn wirft.

Die Partei der „Alten Rasse“ halte ich außerdem nicht für wählbar. Ausserdem kann ich nie die Kandidaten, welche die aufstellen, auseinanderhalten. Sehen halt alle irgendwie kegelförmig und tentakelig aus. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, dass die sich als Individuen unterscheiden lassen.

Außerdem wird’s wirklich mal wieder Zeit für neue Spitzenkandidaten, aber die werden wir wohl kaum bekommen, da die derzeitigen ja gerne mal ein paar Milliarden Jahre leben.

Hm.

Ich glaube ich werde wohl wieder Cthulu wählen. Ist einfach sicherer. Nach der letzten Wahl war er über den Stimmenverlust so enttäuscht, dass er Australien zerstört hat. Hoffen wir einfach, dass R’lyeh bald wieder im Meer versinkt und die ganze Dämonenbagage sich wieder für ein paar Millionen Jahre schlafen legt.
Oh, ich muss Schluß machen, die Tür wird gerade eingeschlagen.

Nachtrag: Tja, soweit der Artikel… Dumm nur, dass es bei uns auch schon anfängt: Cthulhumobil. Hab die Seite gerade gefunden, und bin ehrlich gesagt ein wenig baff.(Anm. Da hatte der Björn recht: „Cthulhumobil“ schreibt sich wirklich mit dem zweiten h :-/ )

Nachtrag2: Neil Gaiman hat auf seiner Seite Teile aus Cthulhus Biografie eingestellt. In Englisch. Wer’s lesen mag: „I Cthulhu“

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Wahnhaftes | Schlagwörter: , , ,

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Sep
29
2009
1

Was erlaube SPD?

Eigentlich hat man es der Führungsriege der SPD recht einfach gemacht. Bei so ziemlich jedem Interview nach der Wahl wurden Steinmeier oder Münte – wer von beiden auch immer grad sein Gesicht in die Kameras hielt – immer auf die Agenda 2010 angesprochen, und die Rente mit 67, und ob diese beiden Dinge nicht eventuell mit der Halbierung der SPD-Wählerschaft über die letzten 10 Jahre zusammenhängen könnten.
Anstatt einfach zu sagen: „Ja, daran liegt es wohl… Als Anwalt des kleinen Mannes werden wir wohl nicht mehr wahrgenommen!“, wird da entrüstet geschnaubt und mit der Aussage gekontert, dass absolut nichts falsch an Agenda 2010 und Rente mit 67 wäre, und das man alles nochmal genau so machen würde. War halt nötig.
Ich meine, es wissen ja nicht nur die Wähler und die Reporter, woran es lag. Sogar die eigene Basis und der linke Flügel der Partei (sofern nicht schon in der Linkspartei) könnten die hohen Herren drüber informieren, dass Agenda 2010 und Rente mit 67 (neben anderen Dingen wie den Netzsperren und der Vorratsdatenspeicherung) wohl schuld an dem Wahldebakel sind.
Aber die Herren Münte und Steinmeier wollen trotzdem weiter machen wie bisher, anstatt die SPD wieder zu einer Alternative zur CDU zu machen.
Momentan ist sie nämlich keine. Momentan ist sie ein rot angemalter Zwilling.

Jetzt den (persönlich zweifellos sehr sympathischen) Steinmeier, der alles personifiziert, was die Wähler von der SPD vertrieb, mit großer Mehrheit zum Chef zu machen, ist ein wenig, als würde ein Totkranker, der gerade von der Chemotherapie kommt, seinen Tumor bitten, den Wagen nach hause zu lenken.
Ich versteh es nicht.

Und Leute die von „Wiedervereinigung“ von SPD und Linkspartei reden… ist das daraus entstehende Konstrukt nicht für große Teile der Stammwählerschaft beider Einzelparteien unwählbar? Ich halte das nicht für eine Lösung.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches | Schlagwörter: ,
Sep
28
2009
1

Der Tag nach dem Sturm aus Scheiße

Tja, so sieht es also aus.

Aber ich persönlich kenn auch keinen, der SPD gewählt hat. Warum auch? Wer dröge-bürokratische Unionspolitik will, der wählt Union, wer soziale Gerechtigkeit und ein soziales Netz will, der wählt Linke (in der vagen Hoffnung, dass die ihre Versprechen halten), wer für Umwelt und so ist, der wählt die Grünen, und wer für Bürgerrechte ist, der wählt leider immer noch irrtümlich sehr oft FDP, oder die Grünen, oder neuerdings auch die Piraten.

Wofür steht die SPD? Für penetrante Am-Sitz-Kleberei, wie sie der abgestrafte Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier gestern bewies? Für … Bla?

Ich weiß es nicht. Also warum den Scheiß wählen?

Und das sagt einer, der eigentlich aus einer traditionellen SPD-Familie kommt, von denen aber KEINER mehr SPD wählen mag.

Nachtrag:
Jetzt redet Münte grad. Es hört sich an wie „Andere sind auch schuld!“, „Unser Programm war gut, bloss der Wähler zu blöd das zu merken!“ ….
Dazu noch Parolen ala „Is doch nicht so schlimm!“

Einfach nur noch peinlich.

Written by Heiko C. in: Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
25
2009
--

Brötchen und Apfel

Tja, da bin ich heute morgen doch, wie so oft, zum Niebüller Bahnhof gefahren, um den 7 Uhr 31 Zug nach Westerland zu nehmen. Ich bin etwa gegen 20 nach sieben am Bahnhof in Niebüll angekommen, und sah am rechten Eingang eine ältere Dame mit mehreren Bäckereistiegen stehen.

„Nicht schon wieder was zu verkaufen…“, dachte ich mir, und machte mich schon auf irgendeinen Verbalspam gefasst. Statt dessen fragte die Frau freundlich, ob sie mir eine Tüte mit Brötchen geben dürfe. Ich sagte: „Klar.“ und sie drückte mir die Tüte in die Hand. Als meine Hand sich noch um die Brötchentüte schloss, kam ein junger Mann an, und drückte mir noch einen Flyer in die Hand. Der Flyer stammte von den Grünen. Ebenso wie der Junge Mann. Es handelte sich, wie ich glaube, um Valentin Seehausen, den sympathischen Abiturienten, der dieses Jahr als Direktkandidat für die Grünen antritt. Für den Bundestag.

„Brötchen von den Grünen…“, dachte ich mir. „Das ist ja mal nett.“

Als ich mich dann hinsetzte, und die Tüte öffnete, kamen ausser einem Brötchen und einem Apfel noch mehrere Prospekte von der CDU zum Vorschein. Aha! Also war das Brötchen von der CDU, ebenso wie der Apfel, und jede Mege Altpapier, der andere Flyer aber von den Grünen.

Seltsam. Grund genug sich das nochmal genauer anzusehen.

Ich sah, dass an beiden Eingängen Leute standen. Dort, wo ich reinkam die alte Brötchendame, auf der anderen Seite standen auch welche, unter denen ich Astrid Damerow zu erkennen glaubte, die wohl im Kreistag sitzt, und für den Landtag kandidiert. (Was sie ist, und wofür sie kandidiert, da bin ich nicht sicher. Es stehen ja so viele CDU-Plakate draussen, sie ist auf einigen von denen.) Den Valentin Seehausen konnte ich gerade nicht sehen. Vielleicht lief der immer von einer Türe zur anderen Seite, überlegte ich. So je nachdem, wo mehr Leute waren…

Stehen also CDU und Grüne einträchtig am Freitag morgens vorm Bahnhof, und verteilen Flugblätter. Die CDU mit Brötchen garniert.

Nun finde ich es ja nett, dass die CDU bei uns jedem ein Brötchen und einen Apfel schenkt, und es liegt mir fern, undankbar erscheinen zu wollen, aber für 4 Jahre ist das doch ein bisschen wenig, um sie zu wählen, oder?

Aber wahrscheinlich waren Brötchen und Apfel nur als Köder dabei, damit man sich die Flugblätter andrehen lässt.

Interessant wäre zu wissen, ob die CDU da freiwillig mit den Grünen kooperiert, oder ob der Herr Seehausen sich dazwischendrängelt, um noch von der Köderwirkung von Brötchen und Apfel zu profitieren, wenn er sein Flugblatt verteilt.

Und wenn die kooperieren, steht dann nach der Landtagswahl Schwarz-Grün an?

Fragen über Fragen.
Schon auf dem Bahnsteig begann ich im Geiste abzuwägen: Auf der einen Seite Überwachungsstaat… Aber auf der anderen Seite: Brötchen und Apfel. Hm. Atomenergie – Brötchen und Apfel… Zensursula – Brötchen und Apfel…

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Sep
24
2009
--

Westerwellismen – Das doppelplusAltsprech der F.D.P.

Viele regen sich ja über Anglizismen im allgemeinen Sprachgebrauch auf. Der Vorsitzende der Partei, die der aktuelle Gewinner des Rechtsfreien Raumes der Woche ist, zeigt aber eindrucksvoll, wie sehr man die – an sich sehr anpassungsfähige – Deutsche Sprache auch ohne äußere Einflüsse mißhandeln kann.
Das erste Mal fiel es mir 2005 auf, als nach der vorgezogenen Bundestagswahl aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse, bei den damaligen Volksparteien eine gewisse Ratlosigkeit herrschte.
Die bisherige konstante Lagerbildung, von auf der einen Seite Schwarz-Gelb und auf der anderen Seite Rot-Grün, wollte partout keine regierungsfähige Mehrheit mehr ergeben, wodurch allerlei Szenarien durchgespielt wurden, was denn nun passieren solle.
Irgendjemand kam auf die Idee, dass die Grünen ja mit Schwarz-Gelb koalieren könnten, und nannte das „Schwampel“. Get it? Von wegen „Schwarze Ampel“ oder „Ampel mit Schwarz“. Da Schwampel aber irgendwie recht hirnverbrannt klingt, hat sich statt dessen der Terminus „Jamaika-Koalition“ durchgesetzt. Wer den Namen zuerst brachte, kann ich unmöglich sagen, aber er setzte sich, wie gesagt durch.
Warum Jamaika? Nun, Jamaika hat Schwarz, Gelb und Grün als Flaggenfarben. So weit so gut. Westerwelle, der vorher schon zur „Schwampel“ befragt in etwa gesagt hat, dass er für Ampel und „andere Hampeleien“ nicht zur Verfügung stehe, wurde nun auch zur Jamaika-Koalition befragt.
Seine Antwort war, dass er Unverständnis darüber äußerte, warum man es denn unbedingt „Jamaika-Koalition“ nennen müsse. Immerhin gäbe es ja auch in Deutschland ja so schöne Bundesländer, deren Wappen ebenso die Farben Schwarz-Gelb-Grün enthielten. Er meinte dann, der Name „Sachsen-Koalition“ wäre viel schöner.
Nichts gegen Sachsen, ist schön da, aber „Sachsen-Koalition“ ist aus vielen Gründen eine verwirrende Wahl. Erst einmal denkt man bei Komposita mit „Sachsen-“ irgendwie an einige unangenehme Dinge. Mir fällt da spontan „Sachsen-Paule“ ein. Dieser war eine Art komödiantischer Pornodarsteller, der zur damaligen Zeit durch allerlei Talkshows und Boulevardsendungen tingelte.
Auf der anderen Seite kann man „Sachsen-Koalition“ sehr leicht so verstehen, dass es sich um eine Koalition handele, die entweder gerade in Sachsen regiert, oder dort das erste mal vorgekommen ist. Tut sie nicht, hat sie nicht, ist sie nicht.

Zumindest diese Konfusion kann man leicht vermeiden, indem man einfach den Term „Jamaika-Koalition“ benutzt.
Außerdem bin ich im Zeitalter der Globalisierung der Meinung, dass nicht alles Deutsch sein muss.
Keine Frage, dass es trotz der irgendwie seltsam anmutenden Bemühungen eines Herrn Westerwelle heute immer noch Jamaika-Koalition heißt, oder eben Schwampel.

Nun muss ich zugeben, dass ich dem Herrn Westerwelle kaum zuhöre, wenn der redet. Das hab ich schon zu Möllemanns Zeiten aufgegeben. Wenn Westerwelle redet höre ich gewöhnlich nur „Blah blah blah Linksruck in der CDU Blah blah“. Wenn mein Ohr aber zufällig mal aufnahmebereit ist, fällt Herr Westerwelle durch immer absonderliche Verbalausrutscher aus. Mal bezeichnet er sich als Deutschlands Freiheitsstatue, mal erfindet er fleißig Worte wie „Wolkenkuckuckszahlen“.

Aber um nochmal zurück zur Ampel zu kommen: Warum sagt Herr Westerwelle nicht gleich „Lichtzeichenanlagen-Koalition“? Mein Fahrlehrer zumindest sagte immer, dass man in einer Ampel Blumen aufhängt. Oder wenn man es gar komplett eingedeutscht wünscht, warum nicht: „Lichtzeichenanlagen-Zusammenbündnis“?
Die Antwort ist meiner bescheidenen Meinung nach, dass Herr Westerwelle seine Brachialeindeutschungen eher nach Gefühl vornimmt. Zumindest würde das auch folgenden Fall erklären.

Am 18. September haben Atomkraftgegner den Herrn Westerwelle mit einem Flashmob überrascht. Nun mehr oder weniger überrascht. Könnt ihr hier anschauen. Das Interessante passiert ab Minute 8:40. Da fängt nämlich Guido Westerwelle an, den Flashmobbern zu sagen, sie sollen langsam zum Ende kommen. Statt dem eigentlich schon geläufigen Wort „Flashmob“ benutzt er „Internetverabredung“. Ich frage mich langsam ernsthaft, ob Herr Westerwelle sich sowas selbst ausdenkt, oder einen bezahlt, der das für ihn macht.
Wenn ja, würd ich den an seiner Stelle rauswerfen, wenn nein, würd ich einen suchen und einstellen.
Ich mein, wenn die Tagesthemen wie gestern „Flashmob – zu deutsch: Blitzauflauf“ sagen, dann ist das ja immerhin mal einigermaßen wörtlich übersetzt. Ich meine zwar, dass man spätestens seit den Frankensteinfilmen mit Boris Karloff auch in Deutschland weiß, was ein Mob ist, aber Bltzmob oder Blitzauflauf, hey, da will ich nicht kleinlich sein.
Aber „Internetverabredung“? Erstmal ist eine Verabredung doch eine feste Vereinbarung von zwei oder mehr Personen sich an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit zu treffen, und gerade das sit ein Flashmob eben nicht. Ein Flashmob ist eher eine Ansammlung von Leuten, die mehr oder weniger spontan, aber keinesfalls verbindlich, dem Aufruf eines einzelnen gefolgt sind. Da ist nix verabredet.
Und Internet… Wenn Westerwelle sich schon „Mob“ einzudeutschen genötigt sieht, warum verwendet er dann „Internet“? Dass er nicht „Weltnetzverabredung“ sagt, kann ich ja verstehen, aber warum nicht „Blitzverabredung“? Will er partout Dingen, die aus seiner Sicht neu sind, neue Bezeichnungen verpassen, damit dann irgendwann im Lexikon (oder bei Wikipedia) zu lesen steht: „Das erste Mal benutzte dieses Wort Deutschlands Freiheitsstatue G. Westerwelle“?
Oder ist er der Meinung, dass „Mob“ nicht deutsch genug ist, „Internet“ aber schon?
Wie man es dreht und wendet, es ergibt keinen Sinn.

…oder vielleicht doch.

Ob Herr Westerwelle ein klein wenig mit der Englischen Sprache auf Kriegsfuss steht und daher vielleicht allzu schwierige Worte mit Migrationshintergrund lieber selbstbezeichnet, darüber kann man sich hier ein Bild machen:

Erinnert sich noch einer an Außenminister wie Genscher und Fischer? Tja, wenn’s schwarz-gelb gibt, ist der da oben der neue Außenminister.  Na, dann Prost!

Nachtrag: Worauf wir uns bei einem Aussenminister Westerwelle in einer Schwarz-Gelben Koalition einstellen können, kann man als Vorgeschmack hier nachlesen.

Nachtrag 2: Oder hier ansehen:

Written by Heiko C. in: Linguistisches | Schlagwörter: , , ,
Sep
23
2009
1

Mangelnde Distanz zum rechten Rand

Also mir ist es ja lieber, wenn man klar sagt, dass man nicht mit rechten Parteien koalieren wird, wo die Anhänger solcher Parteien es vermutlich lesen, als wenn man so tut als gäbe es gar keine rechten Parteien und deren Anhänger.
Aber das kann natürlich jeder anders sehen.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: ,
Sep
22
2009
2

Epsilons, immer nur Epsilons!

Es ist ja schon ein paar Tage her, und wir leben in einer schnelllebigen Zeit, aber vielleicht erinnern sich noch einige an meine bisher 2 mißlungenen Versuche einen Artikel über antike oberschlesische Gartenlauben on zu stellen. Wenn nicht, schaut hier und hier.

Okay, mittlerweile hatte ich ein Backup gemacht von dem Artikel über die antiken oberschlesischen Gartenlauben. Und die Bilder, die ich in einem Schuhkarton aufbewahre, hab ich auch noch mal eingescannt.
Das hat eine Weile gedauert mit dem Einscannen, alleine schon, weil ich all die Schwarzweißfotos von Gartenlauben noch per Hand am Rechner nachbearbeiten musste. Dann hab ich sie also eingebunden in den Artikel, und das ganze – wie gesagt – in einer Textdatei gesichert.
Will ich’s heute Nachmittag in den Blog laden, und was seh ich?

Der Artikel wurde durch einen anderen aus einer Parallelwelt ausgetauscht. SCHON WIEDER. Hängt der Riss im Raum-Zeit-Kontinuum etwa irgendwie mit dem Sem der „antiken oberschlesischen Gartenlauben“ zusammen? Ist die häufige Erwähnung dieser Lauben etwa der Schlüssel für eine Geheimtür zwischen den Realitäten?

Ehrlich gesagt ist mir das egal. Ich will einfach nur den blöden Artikel veröffentlichen.
Ich hätte es ja schon aufgeben, und einfach über etwas anderes schreiben können, aber mittlerweile habe ich mir so viel Mühe mit dem Artikel gemacht, dass ich mir blöd vorkommen würde ich jetzt aufzuhören.

Na ja, nach dem Gezeter will ich euch das neue multidimensionale Fundstück nicht vorenthalten. Es wurde scheinbar von einem parallelen Ich geschrieben, das ich nicht sehr sympathisch finde, um ehrlich zu sein. …alleine schon weil der sehr viel dünner ist als ich.

Epsilons, immer nur Epsilons!

Gna! Da ist mir doch, wie ich neulich schon geschrieben habe, vor einer Woche diese blöde Duftorgel kaputtgegangen. Ich hab natürlich sofort eine neue bestellt, musste jetzt aber eine Woche ohne einen Duft rumlaufen. Das ist wirklich das letzte. Gerade gestern hatte ich eine Verabredung, und ständig das Gefühl diese würde immer die Nase rümpfen, wenn ich mal nicht hinsah. Die Verabredung hieß übrigens Karlina. Eine sehr hübsche kleine aus der Tierfutterfertigung. Eine Gamma, okay, aber nett, und schön anzusehen.
Na ja, fragt da der geneigte Leser, warum kauf ich mir nicht gleich ne neue (Duftorgel nicht Gamma) und lass sie installieren? Ganz einfach: Es wäre nochmal die gleiche. Meine kaputte Zetron-XV war ja schon zwei Tage alt, aber ein neues Modell ist eben erst heute verfügbar gewesen. Also hätte ich letzte Woche ein komplett veraltetes Modell nachkaufen müssen.
Ich weiß ja:“Konsum ist erste Bürgerpflicht“, aber man muss ja auch nicht irgendwelchen veralteten Scheiß kaufen, der schon beim ersten Mal nicht richtig funktioniert hat, oder?
Na ja, genug davon. Gestern habe ich Karlina dann mit nachhause genommen, und wir hatten 4 Stunden entspannenden Sex. Ich warf mir gerade die Tablette Soma danach ein, als Karlina mal kurz ins Badezimmer verschwand.
Ich hab mich fast verschluckt, als ich bemerkt habe, dass sie versuchte meine Duftorgel zu benutzen.
Nackt sprang ich kerzengerade aus dem Bett und keuchte noch, – ich hatte das Soma in den falschen Hals bekommen – als ich schon Karlinas Hilfeschreie hörte.
„Beim Ford, was ist das? Mein Fuß hängt fest!“, schrie sie schrill. Hätte ich gewusst, dass sie so schrill schreien würde, noch bevor ich mein Abendsoma eingenommen hatte, hätte ich mich wohl nicht mit ihr eingelassen.
„Kein Panik!“, versuchte ich sie zu beruhigen, „Bleib ruhig, und egal was du machst, drück keine Knöpfe, und beweg dich nicht!“
Doch zu spät! Ich hörte ein unangenehm schrammelndes Geräusch, gefolgt von einem weiteren, noch spitzeren Schrei.
Ich warf mir meinen neuen Bademantel über, und hastete ins Badezimmer.
Karlinas Fuß hatte sich unglücklich in der Duftausgabe verkeilt, als sie versucht hatte, wieder aus der Zerstäuberkabine zu steigen. Dann war sie mit dem Ellenbogen wohl gegen den Knopf der Automatik gekommen, und die Kabinentür hatte sich wieder geschlossen. Oder zumindest hatte die Kabinentür das versucht, denn Karlinas Fuß war ja im Weg.
Ich nahm etwa zehn Tabletten Soma aus der Tasche meines Bademantels, und zwang Karlina sie zu schlucken, indem ich ihr Mund und Nase zuhielt. Dann verlor sie das Bewusstsein, und hörte somit – endlich – auch zu schreien auf.

Eine halbe Stunde später hatte ich mir meinen Overall angezogen und mit der Wartungsfirma telefoniert. Karlina schlummerte noch immer zufrieden, allerdings hatte ich gesehen, dass ihr Bein stark blutete.
Die Installateure beklagten sich zuerst wie spät es wäre, und dass sie niemanden erübrigen könnten. Als ich ihnen dann aber meine Bürgernummer nannte, und sie sahen, dass ich ein Beta+ war, versprachen sie, das bald jemand kommen würde. Auch der Austausch gegen eine neue Duftorgel wurde mir höflich zugesichert, obwohl man sowas nachts eigentlich nicht machen könne.
Tja, dann rief ich den Notarzt an. Ich weiß ja nicht ob sich Karlina viel getan hatte, aber Blut ist immer ein schlechtes Zeichen. Das bedeutet, dass jemand verletzt ist, und Verletzungen sollten ja eigentlich nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden – wenn überhaupt.
Der Arzt war ebenso mürrisch drauf wie die Installateure zu Anfang, wurde dann aber auch kooperativer, als ich ihm Bürgernummer und Sachverhalt nannte.

Dann, eine Stunde später kamen die „Installateure“. Ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es sich nicht um kompetente Fachkräfte handelte, sondern um verdammte Epsilon-Hilfsarbeiter. Es waren drei an der Zahl, und so wie es aussah, entstammten sie alle der gleichen Bukanowsky-Gruppe. Jedenfalls konnte ich keinen äußerlichen Unterschied zwischen den dreien feststellen.
Grußlos stolperten die drei schwarz gekleideten Zwerge in mein Wohnzimmer, und einer von diesen Kretins riß dabei eine Vase um, die ich erst am Vortag gekauft hatte, und die noch immer der letzte Schrei war. Keine Frage: Das würde ich dem Installationsunternehmen in Rechnung stellen!

Nachdem die drei widerlichen Gnome eine Weile an der Duftorgel herumgeschraubt hatten, war dann Karlinas Fuß endlich frei. Ich schleifte sie neben die Badewanne, und holte ihr ein Kopfkissen aus dem Schlafzimmer. Der Arzt würde ja bald kommen, der würde schon wissen was zu tun sei.
Die Epsilons jedoch machten irgendwas, dass es knackte, und plötzlich irgendwo aus einem Rohr jede Menge Wasser schoß. Die drei Hilfsarbeiter liefen panisch durcheinander, bis einer sich ein Herz fasste, und das Rohr irgendwie wieder verschloss. Mittlerweile war der ganze Fußboden jedoch naß, und Karlina lag jetzt in einer riesigen Pfütze. Auch das Kissen war naß geworden.

Aufgebracht lief ich wieder ins Wohnzimmer. Duftorgel kaputt, Vase kaputt, Wasserschaden im Badezimmer… auch ein neues Kissen musste ich mir morgen kaufen. Und dann noch eine verletzte Gamma im Somaschlaf in meinem Badezimmer. Wo blieb eigentlich der Artzt?
Wo hatte ich das Soma hingelegt? Erschrocken suchte ich etwa eine Viertelstunde, bis mir einfiel, dass es ja im Bademantel war. Hatte ich jetzt schon eine Abendtablette genommen oder nicht? Ich wusste es nicht mehr, warf aber sicherheitshalber gleich noch zwei ein. Ruhige Gelassenheit erfasste mich wieder. Ich schüttelte lächelnd den Kopf; sowas musste ja auch wieder mir passieren!
Ich setzte mich in meinen Massagesessel, und schaltete das Holo ein. Natürlich war Nacht, da kamen nur Wiederholungen. Ich zappte, bis ich bei einem Holodrama hängenblieb, das ich geschrieben hatte.
Hatte ich das eigentlich schon erwähnt? Meine Aufgabe als Beta+ besteht darin, Holodramas für Kino und Rundfunk zu schreiben. Gut, nichts „künstlerisches“, sondern eher so Sachen aus der Sparte „Wahre Liebe“ und „Unglücklich verliebt in einen Wilden“. Ich weiß, Lovesploitationholos werden immer belächelt, aber zumindest alle vom Gamma an abwärts schauen sowas gerne. Und einmal habe ich sogar Lob von einem Alpha bekommen, der eine Story besonders mochte.

Es klingelte an der Türe. Ich riss mich aus meinen Gedanken, stand auf, und drückte den Türschalter. Die Tür öffnete sich und ich war erleichtert festzustellen, dass wenigstens der Doktor kein Epsilon war. Es handelte sich natürlich um einen Alpha-, schon etwas älter, wie man an seinen ersten grauen Haaren erkennen konnte.
„Guten Tag, Herr…“, er blickte auf sein Klemmbrett, „… Beta+?“ Er sah mich ungläubig an.
„Ein Künstlername! Kommen Sie doch herein!“
Er kam durch die Tür, uns sah sich um: „Hier gibt es einen medizinischen Notfall?“
„Im Badezimmer“, sagte ich, und wies ihm den Weg.
Die Epsilons schraubten noch immer im Nass herum.
„Freud noch mal!“, schimpfte der Doktor. „Bei Ihnen machen Epsilons die Installationen?“
Ich schaute peinlich berührt zu Boden, wahrscheinlich bin ich sogar rot geworden.
„Nachtschlafende Zeit, wissen Sie.“, erklärte ich, und fügte entrüstst hinzu: „Ich hab mit Sicherheit keine Epsilons bestellt!“
„Hmpf. Na, dann wollen wir mal sehen, was wir hier haben.“, sagte der Doktor unwirsch, beugte sich zu Karlina herunter, und schaute sich ihr Bein an.
„Haben Sie ihr Soma gegeben?“, fragte er nach einer Weile.
„Natürlich. Acht Tabletten.“
„Gute Auffassungsgabe. Bist du verdrossen, flugs Soma genossen!“, dozierte er.
Danach fügte er mit ernsterem Blick hinzu:“Nun, das Bein scheint gebrochen zu sein.“
„Ist das eine schlimme Verletzung? Ich fände es zutiefst peinlich, wenn einer Bekannten bei mir so etwas zustoßen würde.“, druckste ich.
Am Ende sprach sich noch unter den Frauen herum, dass man besser nicht zu mir nach Hause käme, weil meine Gerätschaften alt und unsicher sind.
„Nun, ihre Bekannte ist eine Beta?“, fragte der Arzt auf sein Klemmbrett blickend.
„Nein, sie ist eine Gamma.“, sagte ich,“ Gamma+, glaube ich.“
„Ahh. Und ihre Funktion?“
„Sie arbeitet irgendwo in der Fertigung.“
„Tja, dann denke ich, dass es das beste ist, wenn wir sie ins Sterbehospital bringen, und in den Somahalbschlaf versetzen.“
Mir fiel die Kinnlade runter: „So schlimm ist es?“
„Nun, ein gebrochenes Bein ist eine schwere körperliche Behinderung, und in der Fertigung kann sie damit nicht arbeiten. Es dauert Wochen bis so etwas verheilt ist.“, dozierte der Doktor. „Sie selbst würde mit einem gebrochenen Bein nicht leben wollen.“

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Jetzt würde sich herumsprechen, wie gefährlich mein Haushalt war, und das obwohl die fragliche Duftorgel ja gerade ausgetauscht wurde.
„Kann man diesen Vorfall irgendwie vertuschen?“, fragte ich. „Ich meine, sonst kommen hier bald keine Mädchen mehr her, weil die Angst vor meinem Bad haben!“
Der Doktor schmunzelte. „Nun, da lässt sich schon was machen. Ich schreibe einfach einen Unfall im Strassenverkehr auf.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Der Doktor holte dann ein paar Delta-Sanitäter herauf in meine Wohnung, und zusammen transportierten sie die arme Karlina ab. Aber das war ja nun mal der Kreislauf des Lebens.
Die Duftorgel haben die Epsilons in der Nacht übrigens nicht mehr ausgetauscht. Ich habe sie rausgeworfen, nachdem der Doktor gegangen war, und heute Morgen dann gleich als erstes ein paar Deltas bestellt, die das richten.

Der geneigte Leser mag fragen, warum ich die Geschichte hier aufschreibe, wenn sie mir so peinlich ist.
Nun, im Internet wird sie schon keine Gamma lesen, und ich denke, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, dass es doch eine ganz witzige Anekdote ist.

Sep
21
2009
--

XIII. Verleihung des Rechtsfreien Raumes der Woche

Was mussten wir uns nicht schon alles anhören:

„Das Internet ist kein/ein rechtsfreier Raum“

seit mindestens zehn Jahren gehört diese Phrase schon zum rhetorischen Grundrüstzeug aller Menschen in Politik und Medien. Da hilft es dem gebeutelten Wähler oder Zuhörer auch nicht, dass diese Phrase weitgehend „sinnfrei“ ist. Wie schon unzählige Male an unzähligen Orten erwähnt, ist das Internet noch nie rechtsfrei gewesen, noch besteht die Gefahr, dass es in allzu naher Zeit rechtsfrei wird, da im Internet seit jeher auch die gleichen Gesetze gelten wie außerhalb des Internets.
Mehr noch, das Internet ist deutlich mehr reguliert, als das wirkliche Leben es hoffentlich je ist. Im Internet kann jeder jeden für alles abmahnen, und bekommt vermutlich sogar jede noch so illusorische Summe gezahlt, weil sich eben nur die Reichen in diesem Lande einen vernünftigen Rechtsbeistand leisten können.

„Das Internet darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

Seit nicht allzulanger Zeit kritisieren verschiedene Menschinnen und Menschen aus den Reihen der Grünen die Überregulierung des Internets, und die Zunehmende Überwachung digitaler Netze. Dabei wird sich leider nicht entblödet entweder selbst „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“ zu benutzen, oder auf die alternativ-grüne Bastardform „Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“ zurückzugreifen.
Recht oft findet man beide in Kombination in der Rhetorik der Grünen: „Das Internet soll kein rechtsfreier Raum sein, es darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“ Einige sehr schöne Beispiele finden sich hier im Blog.

„Das Internet verkommt zum rechtsfreien Chaosraum!„, „Das Internet darf kein moralfreier Raum sein!“

Recht kreativ zeigt sich Frau Dr. Ursula von der Leyen, wenn es darum geht ebenso sinnfrei wie schmerzhaft mit der Phrase vom „rechtsfreien Raum“ verbal zu improvisieren.
Da ist das Internet mal ein „moralfreier Raum“ oder ein „rechtsfreier Raum“ oder gar ein „rechtsfreier Chaosraum“. Ihre Kombinationsfähigkeit im Bereich des kreativen Bullshit Bingos scheint schier unbegrenzt. Sollte Frau von der Leyen den Wahlkampf überstehen, und danach wieder eine Position bekleiden, in der man sein Gesicht in die Kameras und Mikrofone halten darf, dann kommt da sicher noch mehr von ihr.
Sollte sie in einer schwarz-gelben Regierung tatsächlich Gesundheitsministerin werden, sehe ich schon Sprüche in der Art von „die Krankenkassen dürfen kein rechtsfreier Raum sein“ oder „privat Versicherte dürfen keine moralfreien Chaosräume sein“ kommen. Aber warten wir erst mal die Bundestagswahl ab.

„Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“

Der Gewinner des 13. rechtsfreien Raumes der Woche ist mit 2/3 der Stimmen jemand neues. Jemand der sich gerne als jung, hipp, internetfit und freiheitsliebend sieht, bzw. als solches erscheinen möchte. Sowohl die Attribute jung als auch hipp und internetfit dürfen alleine aufgrund der Verwendung dieser Phrase wohl gerne mal aberkannt werden.
„Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“ ist in so fern sprachlich noch schlimmer als die freien Phrasenassoziationen einer Frau von der Leyen, weil diese einfach nur ihren gewohnten Bullshit-Bingo-Sermon auseinandernimmt und neu wieder zusammensetzt.
Der heutige Gewinner scheint „Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein“ aber scheinbar bewusst konstruiert zu haben, um sich auf die vorhergehenden Formen dieser Phrase „rechtsfrei“ und „bürgerrechtsfrei“ zu beziehen. Scheinbar dachte da jemand, das wäre cool.
Ich weiß kein besseres Wort, um das zu kommentieren als „facepalm“.
Der Satz mit dem „urheberrechtsfreien Raum“ kommt natürlich von der lustigen Spaß- und Guidomobilpartei F.D.P., die so einmal mehr beweist, dass sie Besitz- bzw. Verwertungsansprüche für wichtiger hält als Bürgerrechte. Somit wäre dann auch ein- für alllemal geklärt wie freiheitsliebend sie ist. Ich frage mich was für eine Reaktion auf diesen Bastard der Phrase vom rechtsfreien Raum sich die FDP vorgestellt hat?

CDU&SPD (einstimmig):    „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“

Die Grünen (oberlehrerhaft):    „Das Internet darf aber auch kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

Die FDP (eifrig):  „Ja, aber das Internet darf aber auch kein urheberrechtsfreier Raum sein!“

SPD:  „Da hast du recht, FDP, wie klug du doch bist!“

Die Grünen: „Dass wir das nicht bedacht haben!“

CDU: „Du bist so toll, FDP, ich will ein Kind von dir!“

FDP: „Hehehe!“

Vielleicht sollte es so laufen?

Wie auch immer, liebe FDP: Viel Spass mit dem Preis!

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
20
2009
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Neulich bei Twitter…

Man kann über die Piraten ja denken, was man will. Trotzdem scheinen sie dem objektiven Beobachter doch das einzig spannende an diesem Wahlkampf zu sein.

Hier ein wenig mehr zu dem Thema: Bei ennomane und bei mspro. Und hier noch was, und auch da bei fukami.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Sep
19
2009
1

Die Wahl zum 13. Rechtsfreien Raumes der Woche

Nachdem die Auswahl letzte Woche ein wenig klein war, haben wir diese Woche wieder eine dicke Wundertüte voll mit Nominierten, die teilweise schon lange auf diesen Preis warten (wie ich finde), teilweise alte Bekannte sind und deren Anwesenheit unter den Nominierten einen ehrlich gesagt eher überrascht.
Diese Woche bekommt der Gewinner der letzten beiden Wochen, Wolfgang Schäuble, ernsthafte Konkurrenz durch seine Chefin, eine Spaßpartei deren Name mir im Moment entfallen ist und ein paar liebe Gäste aus dem europäischen Ausland.

Diese Woche wird es ganz besonders spannend!

1.)Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club

Andy Müller-Maguhn, Sprecher des CCC sagte, „Polizeieinsätze dürfen kein rechtsfreier Raum sein, die im Schutz der Anonymität zu Entgleisungen einladen.“

2.)Wolfgang Schäuble
…diesmal on-tour in Quenstedt mit dieser Phrase…

und in Schweinfurt:

3.)Frau Dr. Merkel

«Ich sehe zurzeit keine Notwendigkeit, weitere Inhalte im Internet zu sperren», sagte die CDU-Vorsitzende. «Wir wollen keine Zensur im Internet, auch wenn uns das manche unterstellen.» Allerdings dürfe das Internet «kein rechtsfreier Raum für Straftäter sein».

4.)Die F.D.P.
Mit dem Knaller:

Das Internet darf kein urheberrechtsfreier Raum sein

Nahallermarsch!
Zu finden hier.
Oder hier zusammengefasst.

Und diese Woche ist auch wieder das Ausland dabei, nämlich Frankreich:

5.)Henri Guaino, Berater von Nicolas Sarkozy

Henri Guaino, Berater von Nicolas Sarkozy, meinte auf France Info, daß „das Internet nicht der einzige rechtsfreie, von gesellschaftlicher Moral befreite Raum, nicht der einzige Raum sein könne, wo die üblichen Werte, die ein Zusammenleben ermöglichen, nicht akzeptiert werden.“

6.)Ségolène Royal

Eine Partei ist kein rechtsfreier Raum

Die Abstimmung läuft diesmal bis Montag 16:00. Abstimmen bitte hier als Kommentar, oder wie gehabt im Petitionsforum.

Noch was: Wenn ihr nicht wollt, dass euer Kommentar sichbar ist, dann schreibt das dazu. Dann zähle ich nur die Stimme, und lösche ihn wieder. (Ich sag das nur sicherheitshalber, weil diese netzaffinen Onlinecommunitybesitzer immer so heikel mit ihren Daten sind.)

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Sep
18
2009
3

Der Beruf des Cthulu

Disclaimer: Nach dem gestrigen Durchbruch eines Blogeintrages aus einer Parallelwelt, der meinen schönen Artikel über die schlesischen Gartenlauben schrotete, hab ich den ganzen letzten Abend damit verbracht, den Artikel neu zu schreiben, und – wie ich glaube – besser.
Gegen 2 Uhr Nachts – und ich bin heute um 6 Uhr aufgestanden – hatte ich dann endlich auch wieder alle Fotos eingebunden.

Natürlich habe ich kein Backup gemacht, warum denn auch? Das sowas wie gestern nochmal passiert und in so kurzer Zeit, konnte ich nun wirklich nicht ahnen.

Tja, als ich den Artikel nun gerade jedoch on stellen wollte, hat sich das Multiversum erneut geräuspert. Statt dem Artikel mit den Lauben wurde plötzlich ein anderer, aus einer weiteren Parallelwelt, wie ich vermute, in meinen Blog gespült.
Ich lasse ihn hier mal stehen, alleine weil alle immer über den derzeitigen Wahlkampf und die Politik schimpfen, und der Blogeintrag eindrucksvoll zeigt, dass es alles auch viel schlimmer sein könnte.

(Ich werde im folgenden auf die Kennzeichnung der Personen und Organisationen verzichten. Der folgende Blogeintrag stammt aus einem anderen Universum, und ist somit in unserem rein fiktiv. Personen oder Organisationen, die in ihm erwähnt werden sind ebenso fiktiv, und wenn sie so ähnlich oder gleich heißen wie Personen oder Organisationen in diesem Universum, dann ist das nichts weiter als ein recht kosmischer Zufall.)

Betrachtungen zum Superwahljahr 2009

Cthulu hat sich im Wahlkampf ganz schön verzettelt. Der neue Slogan „Iä, Iä! Cthulu ftagn!“ klingt in meinen Ohren recht unglaubwürdig, wenn ich mir die Bilanz der letzten 40 Jahre der Politik des Kanzlers Cthulu ansehe: Menschheit versklavt, ständig stirbt irgendeiner weil Cthulu ihn frisst oder drauftritt, alle werden langsam verrückt und zu guter Letzt auch noch die Umweltverschmutzung, gegen die der „große Alte“, wie seine Fans ihn nennen, auch nichts unternimmt.
Nicht allein das, nein, in der nächsten Legislaturperiode sollen allen in Köln 7 (!) neue Kernkraftwerke gebaut werden, weil der Herr und sein Sternengezücht ja so auf Radioaktivität abfahren.
Kleine Meldung an den Herrn Cthulu: Menschen können Radioaktivität nicht besonders gut ab! Merken sie das nicht? Ist es ihnen egal?
Nachdem die Wahl vor 4 Jahren ja so äußerst knapp verlief, und die „Cthulus Dämonische Union“ nicht die erforderliche Mehrheit an Sitzen im Parlament errang, war seine „große Altigkeit“ gezwungen eine Koalition mit Hasturs „Shoggotische Pilger Dämonen“ einzugehen.
Hastur, oder „der Unnennbare“ wie der 3 Meter große drachenechsige Humanoide sich gerne nennen lässt, hat die Shoggotischen Pilger auf ein neues Rekordtief der Umfragewerte manövriert.
Kein Wunder: Wenn auch schon Cthulu keineswegs als der menschlichere Kandidat erscheint – menschlich in einem Satz mit Cthulu zu bringen erscheint mir fast schon zynisch – so ist doch Hastur der, welcher von Cthulu ein ums andere Mal bei politischen Fragen über’s Ohr gehauen wurde.
Desweiteren bringt Hastur keinen geraden Satz raus, bei dem sich der Zuhörer nicht ratlos am Kopf kratzen muss.
Neulich sagte Hastur einem Reporter vom WDR ins Mikrofon: „Es ist nicht tot, was ewig liegt.“
Eine gelungene Beschreibung für den derzeitigen Zustand der Shoggotischen Pilger. Allerdings hatte der Reporter nach der Dienstwagenaffäre der Ministerin für Menschenwesen, Shub-Niggurath gefragt.

Kommt eigentlich irgendwann mal was gescheites aus dem Mund von unseren Politikern, oder reden die nur Schwachsinn? Gut, ich weiß, dass es sich um extraplanetare, außerirdische und mehrdimensionale Entitäten handelt, die damals vor 40 Jahren unseren Planeten mal eben so übernommen haben, aber können die sich nicht ein wenig Mühe geben politische Inhalte so zu formulieren, dass Menschen es verstehen?
Ich kann mich ganz sicher nicht auf deren Diskussionsebene begeben. Ich bin nun mal eben nicht telepathisch, fast allmächtig und so gut wie unsterblich. Da kann man doch von denen erwarten, dass die mal ein wenig Tacheles reden, oder?
Oder gibts im Weltall oder wo kein Tacheles?

Na ja, wen soll man sonst wählen?
Da gibts natürlich die „Freie Dämonische Partei“ unter Yog-Sothoth, die finde ich aber unglaubwürdig. Wenn die so pro „Menschen sollen sich selbst verwalten“ sind, warum haben die dann nicht den Fußfesselerlass von 2003 schon längst rückgängig gemacht? Gut, die waren in der Opposition, aber die hätten wirklich schon mal eine Normenkontrollklage vorm Verfassungsgericht anstrengen können. Haben sie aber nicht.

Dann noch Bündnis „Schlangenwesen“, unter Yig. Die scheinen mir doch ein wenig zu gutmenschlich. Fordern können die ja gerne, dass die Menschen wieder aus der Sklaverei entlassen werden, und die Zahl der täglichen Menschenopfer verringert wird, aber glauben kann ich denen das nicht. Wie will Yig das denn umsetzen? Ich meine, Cthulu kann sich auf eine Höhe von 30 Kilometern aufblähen, wenn er das will und Yig ist halt immer nur knapp 22 Meter hoch.
Sollten die „Schlangenwesen“ mit Yig wirklich gewinnen, dann prophezeihe ich einen Kampf der Titanen, der vielleicht die Erde aus ihrer Bahn wirft.

Die Partei der „Alten Rasse“ halte ich außerdem nicht für wählbar. Ausserdem kann ich nie die Kandidaten, welche die aufstellen, auseinanderhalten. Sehen halt alle irgendwie kegelförmig und tentakelig aus. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, dass die sich als Individuen unterscheiden lassen.

Außerdem wird’s wirklich mal wieder Zeit für neue Spitzenkandidaten, aber die werden wir wohl kaum bekommen, da die derzeitigen ja gerne mal ein paar Milliarden Jahre leben.

Hm.

Ich glaube ich werde wohl wieder Cthulu wählen. Ist einfach sicherer. Nach der letzten Wahl war er über den Stimmenverlust so enttäuscht, dass er Australien zerstört hat. Hoffen wir einfach, dass R’lyeh bald wieder im Meer versinkt und die ganze Dämonenbagage sich wieder für ein paar Millionen Jahre schlafen legt.
Oh, ich muss Schluß machen, die Tür wird gerade eingeschlagen.

Nachtrag: Tja, soweit der Artikel… Dumm nur, dass es bei uns auch schon anfängt: Cthulhumobil. Hab die Seite gerade gefunden, und bin ehrlich gesagt ein wenig baff.(Anm. Da hatte der Björn recht: „Cthulhumobil“ schreibt sich wirklich mit dem zweiten h :-/ )

Nachtrag2: Neil Gaiman hat auf seiner Seite Teile aus Cthulhus Biografie eingestellt. In Englisch. Wer’s lesen mag: „I Cthulhu“

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Wahnhaftes | Schlagwörter: , , ,