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Aug
10
2009
1

VII. Rechtsfreier Raum der Woche

Oh Überraschung! Der Preis geht diese Woche verdientermaßen an die Frau, die dafür gesorgt hat, dass die Phrase überhaupt erst eine solch weitreichende Berühmtheit erlangt hat.


Shit happens by ~serolyx on deviantART

Mit ihren Plänen zur Internetzensur hat sie seit Ende letzten Jahres für erstklassiges Politikschmierentheater gesorgt, und somit auch die Geister vieler vormals politikverdrossener Menschen wirksam für die irrsinnige (Netz-) Politik der Bundesregierung sensibilisiert. Damit hat sie nicht nur viele Menschen auf die durchschnittlich herrschende Kompetenz in Regierung und Bundestag hingewiesen, sondern auch einer relativ neuen Partei, der Piratenpartei, wirksam Wahlhilfe geleistet.

Nach Massenonlinepetitionen und bundesweiten Demonstrationen der Gegner ihrer Politik, und nach eigenen peinlichen Ausrutschern, teilweise mit internationalen Konsequenzen, hat Frau von der Leyen dann aber doch noch nicht genug gehabt, geschweige denn die Anschläge mitbekommen. Sie fabuliert auch weiterhin in der Presse herum, und stellt fest, dass das Internet nicht nur ein rechtsfreier Raum ist, nein, es ist sogar ein rechtsfreier Chaosraum. Huhuhuuhu!! Damit hat sie sich mit Abstand gegen die Mitbewerber dieser Woche durchgesetzt.

Gratulation!

Kommentare zum „rechtsfreien Chaosraum“ finden sich hier:
Ein Zyniker schreibt
oder hier:
lawblog

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Aug
10
2009
--

Aktuell: Blogeintrag der Gegenwart

Das Problem mit Titeln wie dem obigen ist, dass dieser Blogeintrag, selbst wenn er heute noch auf der Höhe der Zeit ist, morgen schon nicht mehr aktuell sein, geschweige denn die Gegnwart beschreiben wird. Allerdings könnte ich aufgrund der Funktionsweise des Internets diesen Artikel ja täglich aktualisieren, und hier reinschreiben, was gerade so aktuell in der Gegenwart passiert.

Bei Büchern aus Papier geht das nicht. Die neigen dazu, schon dann nicht mehr aktuell und gegenwartsbezogen zu sein, wenn man sie das erste Mal im Buchhandel erblickt.

So musste ich dann ein wenig schmunzeln, als mir heute eine alte Ausgabe des „Lexicons der Gegenwart“ in die Hände fiel.

Auf dem Cover sehen wir ein dickes schwarzes Wort „Aktuell“ auf rotem Grund, darunter in etwas kleinerer Schlagzeilenschrift „Lexicon der Gegenwart“, und wieder darunter ein paar Bilder, die offenbar zur Zeit des Layoutens dieses Buches aktuell waren.

Nun kann man von einem Buch nicht wirklich erwarten, dass es stets aktuell bleibt, aber man hätte doch auf den Titel noch den Vermerk „Ausgabe für 1984“ drucken können. Man hat sich aber dagegen entschieden. Es scheint fast so als hätte man entweder gedacht, dass die Gegenwart, auf die man sich bezieht, noch lange dauern würde. Tut sie aber nicht. Wenn wir über die Gegenwart reden, ist sie schon vorbei. Die Gegenwart ist nämlich nur der theoretische Zeitpunkt zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, der so kurz ist, dass Hirnforscher sich bis heute noch nicht einmal sicher sind, ob wir schnell genug denken, um ihn zu erfassen.

Aber was steht so in dem Lexicon der Gegenwart? Das besagte Exemplar gibt uns ein paar nette Einblicke in die Realität des Jahres 1984. In dem Lexicon werden Dinge behandelt, die es noch gibt, die es nicht mehr gibt und es werden auch Dinge nicht behandelt, die es zwar gibt, man aber nicht für wichtig hält.

Was gibt es denn heute noch, was in diesem Lexicon steht?

Datenschutz zum Beispiel, den es ja auch heute noch gibt, obwohl die Regierung ihn ja gerade wieder abschafft. Wie ich früher schon schrieb ist unser gegenwärtiger Innenminister Wolfgang Schäuble ja der Meinung, dass Datenschutz hauptsächlich gut ist, um Firmen wie Google oder die Telekom davon abzuhalten, an unsere sensiblen Daten zu kommen, und diese zu mißbrauchen. Was sagt das „Lexikon der Gegenwart“ darüber?

Das Lexicon der Gegenwart betitelt den Artikel zum Datenschutz mit den Worten: „Schutz der Bürger vor dem Überwachungsstaat.“

Diese Bedeutung ist unserem Innenminister scheinbar nicht mehr geläufig, denn der ist ja allen ernstes der Meinung, dass der Staat ja nie nicht irgendwelche Daten mißbrauchen würde.

Seltsam, wie sich die Einstellung zum Datenschutz bei unseren Regierenden seit dem Orwell-Jahr 1984 verändert hat, oder?

Was finden wir zum Thema „Internet“? Nichts. Obwohl es das 1984 schon gab. Wenn ich mich nicht irre sogar unter diesem Namen. Statt dessen finden wir aber den Begriff „Bildschirmtext“. Das war damals so eine Art staatliches, von der deutschen Post gesteuertes Internet, auch unter dem Namen „Datenfeldweg“ bekannt. Das war wohl damals noch relevanter als das Internet. Aber na ja, was erwarte ich eigentlich…

Ansonsten nette Informationen zur damaligen Zeit. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass bei der Wahl zum Europaparlament 1984 die Grünen in der BRD doppelt so viele Stimmen wie die FDP, aber immer noch weniger als bei der 2009 bekommen haben. Damals konnte FDP wirklich noch für „Fast drei Prozent“ stehen. Allerdings hatte dafür die CDU auch 56%, wäre das also keine Europa- sondern eine Bundestagswahl gewesen, hätten die alleine regieren können.

Oh, nein, Entschuldigung: 56% war die Wahlbeteiligung, haha. Die Union kam doch nur auf 46%, was aber immer noch 10% mehr sind als heutzutage bei Europawahlen.

Ebenso kann man dem Lexicon die Information entnehmen, dass 1984 bereits jeder 20. Haushalt einen Heimcomputer hatte. Heute werden es ein paar mehr sein…

Nettes Lexicon im Großen und Ganzen, aber ein anderer Titel wäre ratsam gewesen. Das Ding ist weder „Aktuell“ noch beschreibt es die Gegenwart und der Zeitraum in dem beides zutraf war sehr sehr kurz.

Written by Heiko C. in: Bücher,Politisches | Schlagwörter: ,

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Mit ihren Plänen zur Internetzensur hat sie seit Ende letzten Jahres für erstklassiges Politikschmierentheater gesorgt, und somit auch die Geister vieler vormals politikverdrossener Menschen wirksam für die irrsinnige (Netz-) Politik der Bundesregierung sensibilisiert. Damit hat sie nicht nur viele Menschen auf die durchschnittlich herrschende Kompetenz in Regierung und Bundestag hingewiesen, sondern auch einer relativ neuen Partei, der Piratenpartei, wirksam Wahlhilfe geleistet.

Nach Massenonlinepetitionen und bundesweiten Demonstrationen der Gegner ihrer Politik, und nach eigenen peinlichen Ausrutschern, teilweise mit internationalen Konsequenzen, hat Frau von der Leyen dann aber doch noch nicht genug gehabt, geschweige denn die Anschläge mitbekommen. Sie fabuliert auch weiterhin in der Presse herum, und stellt fest, dass das Internet nicht nur ein rechtsfreier Raum ist, nein, es ist sogar ein rechtsfreier Chaosraum. Huhuhuuhu!! Damit hat sie sich mit Abstand gegen die Mitbewerber dieser Woche durchgesetzt.

Gratulation!

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Aktuell: Blogeintrag der Gegenwart

Das Problem mit Titeln wie dem obigen ist, dass dieser Blogeintrag, selbst wenn er heute noch auf der Höhe der Zeit ist, morgen schon nicht mehr aktuell sein, geschweige denn die Gegnwart beschreiben wird. Allerdings könnte ich aufgrund der Funktionsweise des Internets diesen Artikel ja täglich aktualisieren, und hier reinschreiben, was gerade so aktuell in der Gegenwart passiert.

Bei Büchern aus Papier geht das nicht. Die neigen dazu, schon dann nicht mehr aktuell und gegenwartsbezogen zu sein, wenn man sie das erste Mal im Buchhandel erblickt.

So musste ich dann ein wenig schmunzeln, als mir heute eine alte Ausgabe des „Lexicons der Gegenwart“ in die Hände fiel.

Auf dem Cover sehen wir ein dickes schwarzes Wort „Aktuell“ auf rotem Grund, darunter in etwas kleinerer Schlagzeilenschrift „Lexicon der Gegenwart“, und wieder darunter ein paar Bilder, die offenbar zur Zeit des Layoutens dieses Buches aktuell waren.

Nun kann man von einem Buch nicht wirklich erwarten, dass es stets aktuell bleibt, aber man hätte doch auf den Titel noch den Vermerk „Ausgabe für 1984“ drucken können. Man hat sich aber dagegen entschieden. Es scheint fast so als hätte man entweder gedacht, dass die Gegenwart, auf die man sich bezieht, noch lange dauern würde. Tut sie aber nicht. Wenn wir über die Gegenwart reden, ist sie schon vorbei. Die Gegenwart ist nämlich nur der theoretische Zeitpunkt zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, der so kurz ist, dass Hirnforscher sich bis heute noch nicht einmal sicher sind, ob wir schnell genug denken, um ihn zu erfassen.

Aber was steht so in dem Lexicon der Gegenwart? Das besagte Exemplar gibt uns ein paar nette Einblicke in die Realität des Jahres 1984. In dem Lexicon werden Dinge behandelt, die es noch gibt, die es nicht mehr gibt und es werden auch Dinge nicht behandelt, die es zwar gibt, man aber nicht für wichtig hält.

Was gibt es denn heute noch, was in diesem Lexicon steht?

Datenschutz zum Beispiel, den es ja auch heute noch gibt, obwohl die Regierung ihn ja gerade wieder abschafft. Wie ich früher schon schrieb ist unser gegenwärtiger Innenminister Wolfgang Schäuble ja der Meinung, dass Datenschutz hauptsächlich gut ist, um Firmen wie Google oder die Telekom davon abzuhalten, an unsere sensiblen Daten zu kommen, und diese zu mißbrauchen. Was sagt das „Lexikon der Gegenwart“ darüber?

Das Lexicon der Gegenwart betitelt den Artikel zum Datenschutz mit den Worten: „Schutz der Bürger vor dem Überwachungsstaat.“

Diese Bedeutung ist unserem Innenminister scheinbar nicht mehr geläufig, denn der ist ja allen ernstes der Meinung, dass der Staat ja nie nicht irgendwelche Daten mißbrauchen würde.

Seltsam, wie sich die Einstellung zum Datenschutz bei unseren Regierenden seit dem Orwell-Jahr 1984 verändert hat, oder?

Was finden wir zum Thema „Internet“? Nichts. Obwohl es das 1984 schon gab. Wenn ich mich nicht irre sogar unter diesem Namen. Statt dessen finden wir aber den Begriff „Bildschirmtext“. Das war damals so eine Art staatliches, von der deutschen Post gesteuertes Internet, auch unter dem Namen „Datenfeldweg“ bekannt. Das war wohl damals noch relevanter als das Internet. Aber na ja, was erwarte ich eigentlich…

Ansonsten nette Informationen zur damaligen Zeit. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass bei der Wahl zum Europaparlament 1984 die Grünen in der BRD doppelt so viele Stimmen wie die FDP, aber immer noch weniger als bei der 2009 bekommen haben. Damals konnte FDP wirklich noch für „Fast drei Prozent“ stehen. Allerdings hatte dafür die CDU auch 56%, wäre das also keine Europa- sondern eine Bundestagswahl gewesen, hätten die alleine regieren können.

Oh, nein, Entschuldigung: 56% war die Wahlbeteiligung, haha. Die Union kam doch nur auf 46%, was aber immer noch 10% mehr sind als heutzutage bei Europawahlen.

Ebenso kann man dem Lexicon die Information entnehmen, dass 1984 bereits jeder 20. Haushalt einen Heimcomputer hatte. Heute werden es ein paar mehr sein…

Nettes Lexicon im Großen und Ganzen, aber ein anderer Titel wäre ratsam gewesen. Das Ding ist weder „Aktuell“ noch beschreibt es die Gegenwart und der Zeitraum in dem beides zutraf war sehr sehr kurz.

Written by Heiko C. in: Bücher,Politisches | Schlagwörter: ,