Aug
01
2009

Nichtwählen ist auch keine Lösung

Nun liegt es mir fern, in der Art der „Voksparteien“ für das Wählen Werbung zu machen, weil man sonst ja die schlimmen extremistischen Splitterparteien unterstützt.
Sicher macht man das auch, wenn man nicht wählt, aber auch auf die Weise werden die „Volksparteien“ auf absehbare Zeit immer die deutliche Mehrheit haben. Außerdem denke ich nicht dass gleich automatisch extreme Links- oder Rechtsparteien in den Bundestag einziehen würden, selbst wenn nur die Hälfte aller Wähler zur Bundestagswahl ihr Kreuz macht.


Elections by *BenHeine on deviantART

Nein, das Problem beim Nichtwählen ist ein anderes: Wählt man nicht, dann profitieren davon die größten Parteien am meisten. Wenn der Rest der Wähler zu 30% die CDU, zu 20% die SPD, zu 15% die FDP, zu 12% die Grünen usw. wählen, dann bestätigt jede Nichtstimme nur diese prozentuale Aufteilung. Wer nicht wählt, der wählt also zu 30% die CDU, zu 20% die SPD und so weiter. Alleine das bedeutet, dass jeder Nichtwähler im Grunde genommen sagt: „Ihr macht das schon gut so, macht mal ohne mich weiter wie bisher.“
Das dürfte im Sinne der wenigsten Nichtwähler sein. Dann lieber die eigene Stimme irgendeiner Splitterpartei geben, davon gibt es ja auch zu dieser Bundestagswahl genug. Wer die Piraten nicht mag, der soll halt Zentrum wählen oder die Violetten oder Weißichwas.

Ein gerne vorgebrachtes Argument von Nichtwählern aus Überzeugung ist, dass wenn nur wenig genug Leute wählen, der Bundestag seine Legitimation verliert, und ein neues System her muss.
Mag sein, ich kenne mich da nicht so aus, und habe auch ehrlich gesagt keine Lust mich da näher drüber zu informieren, weil auch diese Überlegung in eine Sackgasse führt.
Sagen wir einfach mal, dass Wahlen ab einer Wahlbeteiligung unter 50% ungültig wären, per Gesetz. Spasseshalber.
Der geneigte Nichtwähler glaubt doch nicht im Ernst, dass eben dieses Gesetz noch länger bestand hätte, wenn die Regierungsparteien Wind davon bekämen, dass die Wahlbeteiligung auch nur in der Nähe dieses Wertes wäre. Da würde dann das Wahlgesetz geändert und zwar schneller als man „Verfassungsbruch“ sagen kann.

Durchs Nichtwählen bekommt man die momentanen Regierungsparteien also nicht weg. Nur durch Abwählen. Sicher mag die Wahl des richtigen Einäugigen unter den Blinden schwierig sein, aber sie ist möglich, denn es gibt ja genug Alternativen.

Aber für die, die gerne an ihrer „Mit-Nichtwählen-die-Welt-verändern“-Theorie festhalten möchten: Selbst wenn wir annehmen, dass nach einer Wahl dieselbige für ungültig erklärt wird, wie soll man sich da die Suche nach den Alternativen zur Wahl vorstellen? Ich komme nicht umhin mir da ein einziges Chaos auszumalen, mit einem Putsch nach dem anderen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. So wird mit Sicherheit nichts zum Positiven geändert, so bekommt man allerhöchstens den Polizeistaat noch schneller.
Bleibt also wirklich nur zu wählen. Sicher ist das auch keine perfekte Möglichkeit die Dinge zu ändern, aber es ist immernoch die beste, die ich sehe.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter:

5 Comments »

  • Dinge lassen sich nur ändern, wenn auch eingefleischte „Volkspartei-“ Wähler endlich mal – wenigsten einmal aus akadamischen Interesse sozusagen – eine kleine Splitterpartei wählen. Es braucht ja nicht unbedingt total rechts oder total links zu sein.
    Die erkenntnisresistenten Politiker werden nichts begreifen, ehe sie ihre Stimmen verschwinden sehen. Damit verlieren sie auch das Kopfgeld, welches es für jede Wählerstimme gibt und dort sind sie besonders empfindlich.

    Comment | 2. August 2009
  • krycek

    Es gibt keinen Einäugigen unter den Blinden.

    Nichtwählen ist keine Lösung, Wählen ist keine Lösung. Apropos: Lösung wofür?

    Comment | 2. August 2009
  • Heiko C.

    Lösung für… das Problem, das Scheißpolitik gemacht wird momentan?

    Comment | 3. August 2009
  • Geh!!! Zur!!! Wahl!!!…

    Am 27.  September ist Bundestagswahl. Die Wählerinnen und Wähler sind gefragt. Leider bleiben viele oft die Antwort schuldig: Sie gehen nicht hin. Doch die Nichtwähler spielen vor allem der CDU/CSU in die Hände.
    Unbestritten ist, dass CDU/CSU aus…

    Trackback | 4. August 2009
  • Schön, dass es hier überhaupt eine Diskussion zum Thema Wählen gibt. Irgendwie schweigt sich das Netz zu dieser Frage aus. Dabei wäre das doch eine wichtige strategische Frage, sich darüber zu verständigen, wen man als Netzsperrengegner am 27.September wählt und wen nicht.

    „Wenn der Rest der Wähler zu 30% die CDU, zu 20% die SPD, zu 15% die FDP, zu 12% die Grünen usw. wählen, dann bestätigt jede Nichtstimme nur diese prozentuale Aufteilung. Wer nicht wählt, der wählt also zu 30% die CDU, zu 20% die SPD und so weiter. Alleine das bedeutet, dass jeder Nichtwähler im Grunde genommen sagt: “Ihr macht das schon gut so, macht mal ohne mich weiter wie bisher.”“

    Das kann ich nur unterschreiben. Nichtwählen stützt die Union, es bewirkt, dass alles so bleibt, wie es ist. Deshalb sollte man unbedingt hingehen. Sicher kann man nicht gewaltiges erreichen, aber man könnte dank hoher Wahlbeteiligung die Stimmanteile der Union schmälern (sicher auch die der SPD, wenn man ausschließlich kleine Parteien wählt). Mehr habe ich bei mir drüben dazu gesagt.

    Comment | 4. August 2009

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Better Tag Cloud