Impactsuspect » 2009 » Juli
Jul
18
2009
0

Am Rande rechtsfrei II. – Sprache ist kein grammatikfreier Raum

Folgendes Fundstück bekommt keine Nominierung für den RRW, weil es sich um eine Pressemitteilung handelt, die schon etwas älter ist. Genau genommen handelt es sich um eine Mitteilung aus dem Februar 2007, womit ein aktueller Bezug nicht mehr wirklich gegeben ist, obwohl diese vermaledeite Phrase drin vorkommt, und zwar mehrmals.

Das ganze ist dann aber wirklich zu dämlich, um es nicht hier festzuhalten.

Die CDU profiliert sich ja nun schon seit einigen Jahren recht erfolgreich als Anti-Internetpartei, und die Spitze der SPD lässt sich ja auch lieber mit Reiseschreibmaschinen fotografieren anstatt mal was interessantes online zu schreiben. Dass aber offenbar die Grünen sich ganz offiziell als drittplatzierte Internetausdruckerpartei profiliert haben, und das schon 2007, finde ich enttäuschend, und kaum zu glauben.


Fantastic Typewriter by ~BlueBirdie on deviantART

Die Rede ist von besagter Pressemitteilung, die ich oben schon erwähnt habe. Sie stammt genau gesagt vom 05.02.2007, ist immer noch online, und inhaltlich eigentlich kaum zu beanstanden. Die Grünen erklären, dass sie die geheime Onlinedurchsuchung, den Bundestrojaner und den Eingriff in Private Daten für falsch und für einen Angriff auf die Grundrechte halten. Soweit stimme ich zu. Aber die Schreiberin des Artikels muss sich ja dem jahrelangen Trend anschließen und diese Phrase benutzen um das zu formulieren:

Mit seiner heute bekannt gegebenen Entscheidung unterstreicht der Bundesgerichtshof: Der private Computer und das Internet sind keine rechtsfreien Räume für die Ermittlungsbehörden.

Da schüttelts einen doch, oder? Auch wenn die Phrase hier mal ein wenig anders benutzt wird. Das ganze hätte man doch anders formulieren können, oder? Jetzt klingts schrecklich.
Das schlimmste aber ist die Überschrift:

Computer ist kein rechtsfreier Raum

Was ist denn das bitte für ein Deutsch? „Computer“ das ist keine Person und schon gar kein „Raum“, sondern ein Nomen. Ein Nomen in solch einem Satz braucht entweder einen Artikel oder ein Pronomen. Sonst klingt der Satz wie etwas, was vielleicht Stefan und Erkan sagen würden, nicht aber ein halbwegs ernstzunehmender Pressesprecher, bzw. eine halbwegs ernstzunehmende Pressesprecherin.

Folgendes wäre statt dieser unvollständigen Überschrift möglich:

  • Ein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der Computer ist kein rechtsfreier Raum

Ohne Artikel geht’s übrigens in der Mehrzahl. Dann muss es aber heißen:

  • Computer sind kein rechtsfreier Raum.

Ebenfalls ginge:

  • Mein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Dein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Sein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Ihr Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Unser Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Deren Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder etwas spezifischer:

  • Claudia Roths Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Cem Özdemirs Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Joschka Fischers Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder vielleicht eher im Sinne der Verfasserin:

  • Der deutsche Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der private Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Des Bürgers Computer ist kein rechtsfreier Raum

oder, oder, oder… So viele Möglichkeiten. Statt dessen aber heißt es dort: „Computer ist kein rechtsfreier Raum“
Vielleicht soll die Überschrift ja so schmissiger klingen, aber in Wirklichkeit klingt sie einfach nur dämlich.
Traurig.

P.S: Sicher habe ich selbst zahlreiche Komma-, Grammatik- und Rechtschreibfehler in diesen Text eingebaut. Ich habe allerdings eine Entschuldigung: Ich habe im Gegensatz zu den Grünen weder eine Sekretärin, eine Pressestelle noch habe ich einen Lektor.

Jul
17
2009
0

Nominierungen für den 4. Rechtsfreien Raum der Woche

I. Tja, und da dachte ich schon diese Woche gäb’s keine. Ich hatte mich schon gefreut, denn ich habe ja vor den Preis für diese Phrase zu verleihen, bis ich sie nicht mehr hören, lesen oder sonst irgendwo finden muss. Nun hat aber scheinbar jemand das Youtube Passwort der Jungen Union erraten, und all deren Videos gelöscht, was die Junge Union zum Anlass nahm eine Pressemitteilung herauszugeben. Ganz zum Schluß ist dort zu lesen:

Das Internet ist kein moral- oder rechtsfreier Raum. Deshalb fordert die Junge Union einen fairen Internetwahlkampf und tritt gerade in Wahlkampfzeiten für einen offenen und freien Meinungsaustausch im Netz ein.

Sicher ist es falsch einfach mal so in den Youtube-Account des politischen Gegners hineinzumarschieren und alles zu löschen. Aber wenn es stimmt, was bei Netzpolitik angenommen wird, dass das Passwort wohl zu leicht zu erraten war, dann gilt auch, dass wer die Tür offen lässt, sich nicht wundern muss, wenn Gäste kommen.
Ein Appell sich an die Regeln zu halten ist nur verständlich, und sicher legitim. Muss aber diese Phrase wieder drin vorkommen?

II. Aus akutem Mangel an negativen Beispielen für die Verwendung dieser Phrase in dieser Woche geht die zweite Nominierung an einen kritischen Beitrag.
Beim Chaosradio Express findet sich diese Woche ein schöner Podcast in dem Udo Vetter vom Lawblog zusammen mit Moderator Tim Pritlove diese Phrase und ihren Sinn näher betrachten.
Das ganze heißt: Globales Dorf – Rechtsfreier Raum?
Unter anderem wird dort darüber geredet ob das Internet jemals ein rechtsfreier Raum war, oder nicht.

Nachtrag:
Als kleines Fundstück am Rande, das aber nicht für eine Nominierung reicht sei dieser Artikel bei newsclick.de empfohlen. Aber ein „Ich will nicht sagen, dass der Campingplatz ein rechtsfreier Raum ist, aber beim Umgangston geht es dort sicher rauer zur Sache“ reicht nicht für eine Nominierung. Das ist einfach zu wischi-waschi.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Jul
17
2009
4

Zensurgegner schalten Werbung von Zensurbefürwortern

Dann sag ich halt auch mal was dazu.

Wie vielleicht schon allen bekannt ist, haben sich viele der Internetprovider bis zuletzt gegen die ehedem „freiwilligen“ Verträge zur Einführung von Sperrlisten für Internetseiten gewehrt. 1&1 zum Beispiel hatte schon angekündigt gegen diese Verträge zu klagen. Nun haben wir statt dessen ein Gesetz, und alle müssen erst mal mitmachen, es sei denn der Bundespräsident oder das Bundesverfassungsgericht haben ein Einsehen.

Was vielleicht auch bekannt ist, ist dass Vodafone die Idee Webseiten zu Sperren von Anfang an ganz toll fand, und als erster Provider auch freiwillig bei den Verträgen mitmachte, was wiederum Frau von der Leyen half die anderen Provider unter Druck zu setzen. Das berichtet – in etwa jedenfalls – Bundespirat Jörg Tauss.

Nun haben ja viele der besonders viel frequentierten Blogger von Anfang an gegen diese drohende Internetzensur gekämpft, gebloggt und gewettert. Scheinbar allen voran Sascha Lobo, der mit seinem roten Irokesenschnitt sowas wie eine Ikone im Netz ist. Immerhin ist er der einzige Blogger, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist, und daher offline wohl der bekannteste.

Dieser Sascha Lobo hat sogar – aus Protest über die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Zensursulagesetz – mit dem halben Onlinebeirat der SPD, in dem er Mitglied ist, seine Arbeit dort niedergelegt.
Stark oder? Na ja, wir werden sehen.

Wenig später macht dann nämlich genau dieser Sascha Lobo für Vodafone Werbung. Er spielt in einem Werbespot von denen mit, schaltet Werbung von denen auf seinem Blog und so fort.
Die Vodafonewerbung ist auch in anderen Blogs aufgetaucht.

Irgendwie seltsam, oder? Sascha Lobo erklärt das Ganze in einem Selbstinterview auf seiner Seite so:

Sascha Lobo:
Ein anderer Punkt der Kritik sind die Netzsperren und Vodafones Rolle dabei.

Sascha Lobo:
Ja. Ich glaube, ich selbst habe keine Gelegenheit ausgelassen, meine Position deutlich zu machen, ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung. Das grundsätzliche Thema ist allerdings ein politisches – das auch politisch angegangen werden muss. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass hier mit dem derzeitigen Gesetz auf einmal alles vorbei sei. Vielmehr ist Netzpolitik – Politik generell – ein ständiger, diskussionsintensiver Prozess. Ich werde mich weiter inhaltlich einbringen und freue mich deshalb, dass Vodafone mich nicht nur als Testimonial, sondern auch als strategischen Berater an Bord geholt hat. Abgesehen davon ist seit den ersten Schritten bezogen auf die Netzsperren eine ganze Menge passiert. Unter anderem ist vielen überhaupt erst klargeworden, wie wichtig der gesamten Netzgemeinschaft dieses Thema ist. Ich will mithelfen, dass in einem Dialog zwischen den Beteiligten dabei die richtigen Schlüsse gezogen werden. Verhärtete Fronten ganz ohne Gespräche verschlechtern mit Sicherheit alle Ergebnisse der Zukunft.

Einbringen will er sich also, diskutieren, Gespräche führen, damit alles besser wird. Ein hehres Ziel. Aber das Gesetz ist nun da, das Kind ist in den Brunnen gefallen, Vodafone kann nichts daran ändern, dass es Seiten sperren MUSS, und spielte trotz aller heutigen Weichspülerei eine nicht unerhebliche Rolle bei der Einführung der Zensurinfrastruktur im Deutschen Netz.
Was sollen Gespräche mit Vodafone jetzt noch bringen?

Und wie erfolgreich Lobos Versuch ist, die Fronten von einer Verhärtung abzuhalten, kann man auf dem Vodafoneblog nachlesen:

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Erledigt! Bumms, da war’s für Vodafone erledigt. Da ist die Diskussion ja gar nicht verhärtet. Nö. Die Sperren helfen nichts, sind leicht zu umgehen, warnen die Täter, sind verfassungsrechtlich höchst bedenklich, werden von allen IT-, Strafrechts- und Grundrechtsexperten einhellig als ganz dumme Idee abgelehnt, Vodafone war scheinbar von Anfang an dafür und will nun das Themengebiet „Kinderpornografie“ ausklammern, obwohl das doch der zentrale Punkt überhaupt ist, den sich unsere Familienministerin ausgesucht hat, um uns in Sachen Netzzensur noch vor der Bundestagswahl vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Dass alle anderen Lobbyisten schon in den Startlöchern stehen, um in Zukunft JEDEN SCHEISS sperren zu dürfen, mit einer Infrastruktur, der Vodafone half den Weg zu ebnen, wie soll das denn bitte mit denen ausgerechnet diskutiert werden? Wenn’s doch für die erledigt ist? Und warum? Ihren Anteil haben die Leute bei Vodafone, die die betreffenden Entscheidungen getroffen haben nun doch schon geleistet?! Zurücknehmen können sie den nicht. SHIT IS ALREADY VERY MUCH HAPPENED, YOU CAN’T PRESS IT BACK AGAIN!

Und alle Sperrbefürworter wollen immer die Diskussion „versachlichen“. Sagen sie zumindest. Was sie machen spricht eine andere Sprache: Sie werfen mit falschen Zahlen um sich, benutzen Totschlagargumente und spielen Rechtsfreier-Raum-Bullshit-Bingo. Nebenbei wird dann mal Indien oder Kasachstan beleidigt. Is ja weit weg. Kann ja keiner nachprüfen, wenn man sich da was ausdenkt. Pustekuchen!
Verhärtet sind die Fronten schon. An einer Versachlichung der Debatte ist denen nicht gelegen. Dass man im Vorfeld einer Bundestagswahl nicht ständig Zensur vorgeworfen bekommen will versteh ich ja, aber warum fangen die dann nicht mal an ihre Zahlen zu prüfen? Die Diskussion wäre viel einfacher, wenn sie sachlich wäre. Dann wäre nämlich offensichtlich, dass die Sperren-Gegner recht haben.

Und im Lichte dieses ganzen Mollochs an unerfreulichen Dingen (Kraftausdruck nachträglich ersetzt), soll man es okay finden, wenn einer der Zensurgegner für eine Sperrenbefürworterfirma wirbt? Sascha Lobo scheint sich ja tatsächlich über die Aufregung darüber zu wundern. Sicher, Schnaps ist Schnaps, und Bier ist Bier. Und jeder muss sein Geld verdienen, ich hab ja leicht reden, ich bin ja Freizeitblogger.
Mit der Bannerwerbung mag man auch vielleicht noch leben können, aber sein Gesicht auf deren Plakate drucken lassen? In deren Werbespots rumlaufen?
Alle Achtung: Ich könnte das nicht. Aber ich kann auch sowieso nicht in der Werbung arbeiten. Vielleicht ist ja das eine zu können, die Voraussetzung für das andere.

Es geht aber auch anders. Wenn ich mich recht erinnere hat Blur mal ein Angebot der Royal Air Force abgelehnt. Die wollten „Song 2“ bei einer Präsentation für ein neues Kampfflugzeug spielen, und Blur dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.
Sie haben abgelehnt.

So einfach kann es sein.

P.S.: Um es nochmal klar zu sagen: Ich wünsche Sascha Lobo alles Gute. Nachvollziehen kann ich seine Entscheidung, zu einem Gesicht der Vodafonekampagne zu werden, jedoch nicht. Selbst nachdem ich sein Selbstinterview gelesen habe. Aber vermutlich weil ich die Perspektive eines Menschen, der in der Werbung arbeitet, so gar nicht verstehe.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
15
2009
0

Die IDEE: Die Krümmelasse

Forscher forschen doch immer an allem, und Gentechniker setzten doch immer neue Tierarten und so zusammen. War nicht mal von Algen oder so die Rede, die Ölteppiche aus dem Meer fressen, oder von Milben, die sich von Kunststoff ernähren? In der heutigen Zeit, wo AKW Krümmel alle zwei Wochen für Zwei Jahre abgeschaltet werden muss, und wo radioaktive Lauge aus der Asse austritt, warum erfinden die da nicht mal einen Käfer, der sich von Radioaktivität ernährt, und – mal sagen … – Orangenlimonade ausscheidet? Das wär doch mal was. Man könnte als Rohmaterial vielleicht eine Kellerassel und eine Küchenschabe nehmen. Letztere sollen ja hohe Dosen von Radioaktivität aushalten können.
Dem ganzen manipuliert man dann so ein wenig am Erbgut herum, und fertig ist die Krümmelasse. Die Viecher setzt man dann einfach überall da frei, wo die Energiewirtschaft mal wieder Mist gebaut hat, und freut sich an den hellen Strömen gesundheitlich unbedenklicher Orangenlimo.


homesweethome by =moonspit on deviantART

Aber selbst wenn das nichts wird, könnte man die aus Asse ausgetretene radioaktive Lauge ja auch als neuen Zusatz in Waschmitteln benutzen. Der Slogan „Ihre Wäsche wird strahlen wie noch nie“ liegt ja nun auf der Hand. Ich fänd die Krümmelasse aber noch toller. Ich mag Orangenlimonade.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Technisches | Schlagwörter: ,
Jul
15
2009
4

Undiplomatische Verwicklungen

Es ist doch alles einfach nicht mehr zu fassen:

Wie bei Netzpolitik zu lesen ist, hat Ursula von der Leyen in einem Interview bei Radio Sputnik Indien als Beispiel für einen dieser Schurkenstaaten genannt, der Kinderpornografie nicht ächte. Das das nicht stimmt, kann man im selben Artikel nachlesen. Es müssen hunderte (über unser Familienministerium) erboste Bürger emails und Briefe an die Indische Botschaft geschrieben haben, unter anderem hat sich auch der Bundespirat Jörg Tauss in einer Pressemitteilung für unsere Ursula bei Indien entschuldigt.


Zensursula by ~netardet on deviantART

Mittlerweile hat auch die Indische Botschaft in betont deutlicher Sprache die Vorwürfe, dass die uralte Kulturnation Kinderpornografie nicht ächte, und dass man solche von Servern in Indien nicht löschen könnte, zurückgewiesen.

Unter anderem liest man im Text dort:

Das indische Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung von 1973 beinhalten mehrere Bestimmungen zur Bestrafung von Kindesmißbrauch, zum Beispiel den Abschnitt 354 über Verstösse gegen den Anstand gegenüber Frauen, Abschnitt 375 über die Straftat der Vergewaltigung (jeglicher Akt, geschehen in gegenseitigem Einvernehmen oder Anders, mit einer minderjährigen Person wird als Vergewaltigung betrachtet), Abschnitt 377 über unnatürliche Handlungen und Straftaten. Diese Abschnitte decken auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch ab. […] Das Informationstechnologiegesetz in geänderter Form von 2008 wurde am 05. Februar 2009 erlassen, um sich mit den Fällen der Kinderpornographie in elektronischer Form zu befassen. Nach Abschnitt 67 Unterabsätze B (a) und (b) dieses Gesetzes ist es in Indien ein krimineller Akt, Material, welches Kinder in öbszöner, unanständiger oder sexuell expliziter Weise darstellt, in jeglicher elektronischen Form zu veröffentlichen, zu übertragen, zu sammeln, zu erschaffen, zu suchen, zu fördern, zu bewerben, auszutauschen oder zu vertreiben. Die Begehung solcher Straftaten kann mit Haftstrafen in Höhe bis zu sieben Jahren und Geldstrafen bis zu einer Million Rupien (ungefähr 15000 Euro) bestraft werden. Es ist ebenfalls eine Straftat in Indien, solches Material I’m Internet zu betrachten oder herunterzuladen und der Strafrahmen dafür ist derselbe wie oben.

Mittlerweile hat sich unsere ach so kompetente Oberfamilienministerin entschuldigt, nun zumindest sowas wie. In ihrer Stellungnahme lässt sie unter anderem verlautbaren:

„Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist“, ließ die CDU-Politikerin durch einen Sprecher gegenüber heise online nun ausrichten. Die Aussagen zu Indien seien einer Übersicht des International Center for Missing and Exploited Children (ICMEC) von 2006 entnommen worden. Es sei „sehr bedauerlich“, dass die „jüngste Entwicklung in Indien“ in der Quelle noch nicht erfasst gewesen sei.

Sicher wird die Darstellung von Kindesmißbrauch in elektronischen Medien explizit erst seit 2008/2009 verboten, aber die Gesetze von 1973 kann man doch auch sowieso so auslegen, dass sowas verboten ist. Selbst wenn der eigentliche Mißbrauch eines Kindes schon länger her ist, mißbraucht man es doch in dem Moment erneut, wenn man Bilder von dem Mißbrauch irgendwo ins Internet stellt. Und da die oben genannten indischen Gesetze „auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch abdecken“, dann reicht das auch als rechtliche Handhabe gegen Kinderpornografie im Netz. Oder irre ich mich da?

Nachtrag: Scheinbar ist es noch eindeutiger: In Indien gelten schon seit 1973 alle sexuellen Handlungen an Menschen unter 18 als Vergewaltigung, und sind somit strafbar. Ebenso ist die Darstellung solcher Handlungen auch schon seit 1973 strafbar. Mittlerweile tut auch Spiegel online so, als wäre Kinderpornographie erst seit Januar in Indien strafbar. Kann man da wirklich noch von einer freien Presse reden? Und seit wann redet der Spiegel CDU-Politikerinnen nach dem Mund? Bei der Augsburger Allgemeinen bekommt man seine Fakten mittlerweile wenigstens online auch besser hin als beim Spiegel. Siehe hier.

Wie soll man denn dann die „Entschuldigung“ von Frau von der Leyen deuten? Ist alles, was seit 1973 passiert ist, für die CDU eine „jüngste Entwicklung“? Das erklärt zumindest deren Netz-, Umwelt- und Überwachungspolitik.
War nicht in Deutschland ’73 noch die RAF unterwegs? Wenn die CDU seit dem keine Tagesschau mehr schaut, dann ist es kein Wunder, dass Schäuble überall Kameras aufhängen lässt. Und 1973 waren Atomkraftwerke wie Krümmel wohl tatsächlich noch „die modernsten der Welt“.

Ab heute wundert mich offiziell gar nichts mehr. Wenn mich ab heute noch was wundert, dann nur noch privat.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Jul
14
2009
0

Zensur und die Wirtschaft ankurbeln! DIE Idee!

So, nun muss nur noch der Herr Köhler seinen Horst drunter setzen, und dann ist es amtlich: Das Deutschnetz wird zensiert! Naürlich eigentlich nur Seiten mit dokumentiertem Kindesmißbrauch, oder wie der Volksmund sagt „Kinderpornos“, doch wenn man sich anschaut was anderswo so passiert…

Großbritannien hat zum Beispiel auch schon mal Wikipedia auf der Sperrliste gehabt, China wollte Google sperren – was draus geworden ist, weiß ich nicht – und auch in Deutschland stehen eifrige Lobbyisten schon in den Startlöchern um Hassseiten, Killerspiele, Tauschbörsen, Magersuchtseiten, Selbstmordseiten, Gewaltseiten, Google Books und etliches Mehr auf die Sperrlisten zu setzen, und damit den Status Quo des durch politikhörige Journalisten verdummten Volkes zu erhalten.

Wenn man all solche Seiten weltweit zusammenzählt, kommt man vielleicht sogar auf 1000 Seiten pro Tag, die unsere Familienministerin in Zukunft ja neu auf die Sperrliste setzen will.

Das Internet wird also in Zukunft – zumindest von Deutschland aus betrachtet – nur noch aus Stoppschildern bestehen. Alle gleich, alles ein wenig langweilig.

Meine Idee ist jetzt folgende: Warum soll ein Teil des Platzes eines Stoppschildes nicht dazu benutzt werden, um Anzeigen darauf zu schalten? Die vielen Tausend Stoppschilder, durch die man sich täglich klicken müsste wären nicht so langweilig, und vielleicht kurbelt so eine Aktion auch die krankende Wirtschaft in unserem Land an.
Rein farblich wären Anzeigen von Coca-Cola oder Vodafone denkbar. „Diese Zensur wird Ihnen präsentiert von: Coke! -the real thing!“, oder so. Man könnte auch ganz clever sein, und bei den Magersuchtseiten zum Beispiel dann Werbung für McDonalds schalten. Vielleicht geht die Betroffene dann was essen, anstatt sich online neue Wege zum Hungern zu suchen?! Das wären dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe!


McDonalds kills canines. by ~totallyunacceptable on deviantART

Oder warum leitet man die Leute nicht einfach auf ein Videoportal der CDU um, wo dann den ganzen Tag Wahlwerbespots laufen? Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt! Das daran noch keiner gedacht hat, wundert mich ehrlich!

Ach ja, Bundesregierung: Wenn ihr das wirklich macht, will ich Prozente!

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
14
2009
0

Wortwolken

Bei www.wordle.net kann man sich seine eigenen Wortwolken machen. Ich hab gleich mal diesen Blog als Quelle eingegeben, und folgende Wortwolke bekommen: Klick mich!

Aus meinen häufigsten Tags habe ich das hier gebastelt:
impactsuspectwolke

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter:
Jul
14
2009
0

Der CDU-Generalsekretär und der Stabreim

Ich habe gerade auf den Onlineseiten der Berliner Zeitung diesen Artikel über Krümmel und den Atomausstiegsausstieg der CDU gelesen, als mir folgende Passage auffiel:

Einerseits propagiert man weiter die Renaissance der Kernenergie. Andererseits setzt man sich geradezu demonstrativ vom Krümmel-Betreiber Vattenfall ab, um dieses politische Ziel nicht zu verspielen. Vattenfall habe sich „nicht mit Ruhm bekleckert“, polterte gestern CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nach der Sitzung der Parteigremien in Berlin.

(Hervorhebung von mir)


Portrait Of A Politician by =EPAF on deviantART

Fällt euch was auf? Pofalla poltert. Ein staunenswerter Stabreim. Geradezu eine alternativlose Alliteration. Und eine die – ehrlich gesagt – schon ziemlich naheliegend ist, allein was den Klang des Namens von Herrn Pofalla angeht.

Ich wollte mal sehen wie naheliegend sie ist, daher habe ich einfach mal Herrn Google gefragt, wie oft „poltern“ im Zusammenhang mit „Pofalla“ im Netz zu finden ist.
Das Ergebnis: Herr Google hat etwa 338 Ergebnisse.
Das gesamte Spektrum der netzpräsenten Printmedien ist vertreten.
Bei Spiegel Online poltert Pofalla gegen Oettinger und gegen die SPD beim Betreuungsgeld,

„Jeder muss sich entscheiden, ob er die gemeinsame Linie des Regierungsprogramms von CDU und CSU vertreten oder seine persönliche Meinung in Zeitungsinterviews verbreiten will“, polterte Pofalla.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla polterte: Die Familien müssten herhalten für die parteipolitischen Sandkastenspiele der SPD. Das werde die Union nicht zulassen.

bei der Süddeutschen poltert Pofalla (polemisch) wegen des mickrigen Wahlergebnisses der SPD,

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla polterte dagegen gleich noch am Wahlabend los, mit ihren „nicht mal 22 Prozent“ könnten die Sozialdemokraten keinen Anspruch auf einen EU-Kommissar erheben.

Bei Vodafone Live – gut, das ist jetzt keine Zeitung – „poltert“ Pofalla sogar „was das Zeug hält“:

Wer so viel poltert, der bekommt aber auch … zurückgepoltert, wie es scheint.

So ist bei newsclick.de zu lesen:

So polterte etwa SPD-Fraktionschef Peter Struck über CDU-General Ronald Pofalla: „Das nehme ich sowieso nie ernst, was Herr Pofalla sagt“.

Aber wer so viel poltert, weiß auch wie man dem Gepolter von anderen begegnet, wie bei web.de zu lesen ist:

„Die Union hat bis heute kein Programm, nicht einmal einen Entwurf“, polterte Frank-Walter Steinmeier noch am Sonntagmittag – und die Genossen im Berliner Hotel Estrel johlten.

Die großen Streitpunkte seien ausgeräumt, ließen die Generalsekretäre von CDU und CSU, Ronald Pofalla und Alexander Dobrindt, am Montag fast wortgleich verlauten.

Bleibt die Frage ob Ronald Pofalla wirklich immer brachialrhetorisch daherpoltert, oder ob er nur das Opfer eines ungünstigen Familiennamens und der Phantasielosigkeit diverser Journalisten geworden ist. Um das näher zu beleuchten, schauen wir uns doch einmal an was Herr Pofalla so auf Abgeordnetenwatch sagt:

Sehr geehrter Herr , ____________

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 25.05.2009 über abgeordnetenwatch.de.

Gerne bin ich bereit, an mich persönlich gerichtete Anfragen zu beantworten.

Bitte nutzen Sie hierzu meine E-Mail-Adresse: ronald.pofalla@bundestag.de
oder schreiben Sie mir unter folgender Postanschrift:
Ronald Pofalla MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik
11011 Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ronald Pofalla MdB

Und das ist die Antwort auf alle durch Herrn Pofalla „beantworteten“ Fragen dort. Hier finden wir also kein Gepolter. Vielleicht hat sich Herr Pofalla aber dazu entschieden nur noch im privaten zu poltern? Das kann ich nicht entscheiden, aber es wirkt zumindest unwahrscheinlich, wo ihn doch so viele Journalisten immer beim Poltern erwischen…

Auf seiner Homepage kann man zwar auch vorbeischauen, aber das ist letztlich auch wenig hilfreich…

Bleibt nur zu hoffen, dass Pofalla bald mal wieder poltert…

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
13
2009
1

Zahlenspiele der Zensursula

Man hat ein wenig den Eindruck, dass unsere liebe (noch) Familienministerin ihre Interviews gerne mal improvisiert. Besonders gern scheint sie, in öffentlichen Anfragen jedweder Art, Statistiken aus dem Stand einfach zu erfinden.


„Humor“ in Binary: Detail by =rebootmaster2001 on deviantART

Beispiele wären unter anderem die widerlegten Zahlen die angeblich einen Anstieg von Kinderpornografie im Netz belegen sollten, die über 90 Länder, die keine Gesetze gegen Kinderpornografie haben, 20% der Internetnutzer seien „teilweise schwer pädokriminell“ und jetzt das neueste:

Frau von der Leyen geht davon aus, dass täglich 1000 (!!!) Webseiten neu auf die Zensurliste kommen! Nachzulesen unter anderem hier. Nochmal in Worten: Eintausend!

Genausogut hätte sie sagen können: „Jeden Tag kommen da MILLIONENMILLIARDEN dräckelige Dreckseiten auf die Sperrliste!! Döh! Von wegen weil die 17 Quantistiliarden Länder auf allen 17.000 Erden, die der CDU bekannt sind, keine Vergesetzgebung gegen Kinderpornografie haben! Jö! Wo 705% sind.  Käsescheiblette!!!“
Hätte sie sowas gesagt, wäre das wohl auch nicht wesentlich alberner gewesen.

Wenn das bei ihr nicht langsam aufhören würde zu funktionieren, könnte man es ebenso versuchen.

„Täglich finden 17 Milliarden Deutsche weltweit Frau von der Leyen inkompetent.“, könnte ich behaupten, „Das sind 8034% der CDU Wähler im Saarland!“

Aber auf das Niveau will ich mich dann doch nicht herablassen.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
12
2009
431

Indianische Legenden – kalte Wesen – Vampire!!!!

Jeden Tag verirrt sich zumindest eine Person auf meinen Blog, die im Zusammenhang mit diesem unsäglichen Vampirbüchern von Susanne Meier Stephenie Meyer oder deren Verfilmung nach „kalte Wesen“, „indianische Legenden kalte wesen“, „vampir das kalte wesen“, „kalte wesen vampire“ oder, oder, oder sucht.
Da alle diese Sucher in der Wüste – die zu einem hohen Prozentsatz aus Niedersachsen kommen – hier tatsächlich nur meine Verrisse zweier dieser Twilight-Bücher finden, und daher wahrscheinlich enttäuscht sind, schreibe ich diesen Artikel als Friedensangebot.

Nachtrag1: Hier findet ihr vielleicht eher, was ihr sucht, ich hab mal ein wenig in indianischen Legenden nachgeforscht: LINK

Vampire sind ja nun auch cool. Unheimlich cool. Sogar unheimlich und cool. Und meinetwegen auch „schön und/aber gefährlich“, wie Susanne Meier Stephanie Meyer in ihren Büchern nicht müde wird zu wiederholen. Aber nicht wenn sie glitzern. Wenn die sich schon von unserem Blut ernähren müssen, dann sollen die doch wenigstens den Anstand besitzen und im Sonnenlicht dann auch zu Staub zerfallen. Alles andere ist albern und doof und überhaupt nicht cool.

Aber wie gesagt, ein Friedensangebot. Hier noch ein paar Bilder von Vampiren:

Nachtrag2: Tjö, die Bilder sind mittlerweile scheinbar alle von Deviantart verschwunden. Vielleicht ja, weil dieser Artikel für zuviel Traffic gesorgt hat, wer weiß. Dann mal ich halt selber welche, kann aber einen moment dauern.

Nachtrag3: Hier mein erstes eigenes Vampirbild:


skating nosferatu

Nachtrag4: Und noch eins:

fröhlicher emo-vampir

Nachtrag3: Vielleicht kann man euch hier auch weiterhelfen: www.kaltewesen.de 😉

Nachtrag4: Noch ein kleiner Tipp: Da sowohl das Buch, als auch der Film in englischer Sprache sind, findet ihr wohl am ehesten die gesuchten Webseiten – wenn sie denn existieren sollten – wenn ihr nach „cold ones native american legends“ oder „cold ones indian legends“ sucht.
Ich hoffe das hilft weiter. Sollte jemand irgendwas finden, was den gesuchten Webseiten irgendwie ähnlich sieht, wäre ich entzückt, wenn er (oder sie) mir einen Kommentar hinterlassen würde, wo die zu finden sind. Danke.

Written by Heiko C. in: Bücher,Gruseliges | Schlagwörter: , , ,

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Jul
18
2009
0

Am Rande rechtsfrei II. – Sprache ist kein grammatikfreier Raum

Folgendes Fundstück bekommt keine Nominierung für den RRW, weil es sich um eine Pressemitteilung handelt, die schon etwas älter ist. Genau genommen handelt es sich um eine Mitteilung aus dem Februar 2007, womit ein aktueller Bezug nicht mehr wirklich gegeben ist, obwohl diese vermaledeite Phrase drin vorkommt, und zwar mehrmals.

Das ganze ist dann aber wirklich zu dämlich, um es nicht hier festzuhalten.

Die CDU profiliert sich ja nun schon seit einigen Jahren recht erfolgreich als Anti-Internetpartei, und die Spitze der SPD lässt sich ja auch lieber mit Reiseschreibmaschinen fotografieren anstatt mal was interessantes online zu schreiben. Dass aber offenbar die Grünen sich ganz offiziell als drittplatzierte Internetausdruckerpartei profiliert haben, und das schon 2007, finde ich enttäuschend, und kaum zu glauben.


Fantastic Typewriter by ~BlueBirdie on deviantART

Die Rede ist von besagter Pressemitteilung, die ich oben schon erwähnt habe. Sie stammt genau gesagt vom 05.02.2007, ist immer noch online, und inhaltlich eigentlich kaum zu beanstanden. Die Grünen erklären, dass sie die geheime Onlinedurchsuchung, den Bundestrojaner und den Eingriff in Private Daten für falsch und für einen Angriff auf die Grundrechte halten. Soweit stimme ich zu. Aber die Schreiberin des Artikels muss sich ja dem jahrelangen Trend anschließen und diese Phrase benutzen um das zu formulieren:

Mit seiner heute bekannt gegebenen Entscheidung unterstreicht der Bundesgerichtshof: Der private Computer und das Internet sind keine rechtsfreien Räume für die Ermittlungsbehörden.

Da schüttelts einen doch, oder? Auch wenn die Phrase hier mal ein wenig anders benutzt wird. Das ganze hätte man doch anders formulieren können, oder? Jetzt klingts schrecklich.
Das schlimmste aber ist die Überschrift:

Computer ist kein rechtsfreier Raum

Was ist denn das bitte für ein Deutsch? „Computer“ das ist keine Person und schon gar kein „Raum“, sondern ein Nomen. Ein Nomen in solch einem Satz braucht entweder einen Artikel oder ein Pronomen. Sonst klingt der Satz wie etwas, was vielleicht Stefan und Erkan sagen würden, nicht aber ein halbwegs ernstzunehmender Pressesprecher, bzw. eine halbwegs ernstzunehmende Pressesprecherin.

Folgendes wäre statt dieser unvollständigen Überschrift möglich:

  • Ein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der Computer ist kein rechtsfreier Raum

Ohne Artikel geht’s übrigens in der Mehrzahl. Dann muss es aber heißen:

  • Computer sind kein rechtsfreier Raum.

Ebenfalls ginge:

  • Mein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Dein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Sein Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Ihr Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Unser Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Deren Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder etwas spezifischer:

  • Claudia Roths Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Cem Özdemirs Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Joschka Fischers Computer ist kein rechtsfreier Raum

Oder vielleicht eher im Sinne der Verfasserin:

  • Der deutsche Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Der private Computer ist kein rechtsfreier Raum
  • Des Bürgers Computer ist kein rechtsfreier Raum

oder, oder, oder… So viele Möglichkeiten. Statt dessen aber heißt es dort: „Computer ist kein rechtsfreier Raum“
Vielleicht soll die Überschrift ja so schmissiger klingen, aber in Wirklichkeit klingt sie einfach nur dämlich.
Traurig.

P.S: Sicher habe ich selbst zahlreiche Komma-, Grammatik- und Rechtschreibfehler in diesen Text eingebaut. Ich habe allerdings eine Entschuldigung: Ich habe im Gegensatz zu den Grünen weder eine Sekretärin, eine Pressestelle noch habe ich einen Lektor.

Jul
17
2009
0

Nominierungen für den 4. Rechtsfreien Raum der Woche

I. Tja, und da dachte ich schon diese Woche gäb’s keine. Ich hatte mich schon gefreut, denn ich habe ja vor den Preis für diese Phrase zu verleihen, bis ich sie nicht mehr hören, lesen oder sonst irgendwo finden muss. Nun hat aber scheinbar jemand das Youtube Passwort der Jungen Union erraten, und all deren Videos gelöscht, was die Junge Union zum Anlass nahm eine Pressemitteilung herauszugeben. Ganz zum Schluß ist dort zu lesen:

Das Internet ist kein moral- oder rechtsfreier Raum. Deshalb fordert die Junge Union einen fairen Internetwahlkampf und tritt gerade in Wahlkampfzeiten für einen offenen und freien Meinungsaustausch im Netz ein.

Sicher ist es falsch einfach mal so in den Youtube-Account des politischen Gegners hineinzumarschieren und alles zu löschen. Aber wenn es stimmt, was bei Netzpolitik angenommen wird, dass das Passwort wohl zu leicht zu erraten war, dann gilt auch, dass wer die Tür offen lässt, sich nicht wundern muss, wenn Gäste kommen.
Ein Appell sich an die Regeln zu halten ist nur verständlich, und sicher legitim. Muss aber diese Phrase wieder drin vorkommen?

II. Aus akutem Mangel an negativen Beispielen für die Verwendung dieser Phrase in dieser Woche geht die zweite Nominierung an einen kritischen Beitrag.
Beim Chaosradio Express findet sich diese Woche ein schöner Podcast in dem Udo Vetter vom Lawblog zusammen mit Moderator Tim Pritlove diese Phrase und ihren Sinn näher betrachten.
Das ganze heißt: Globales Dorf – Rechtsfreier Raum?
Unter anderem wird dort darüber geredet ob das Internet jemals ein rechtsfreier Raum war, oder nicht.

Nachtrag:
Als kleines Fundstück am Rande, das aber nicht für eine Nominierung reicht sei dieser Artikel bei newsclick.de empfohlen. Aber ein „Ich will nicht sagen, dass der Campingplatz ein rechtsfreier Raum ist, aber beim Umgangston geht es dort sicher rauer zur Sache“ reicht nicht für eine Nominierung. Das ist einfach zu wischi-waschi.

Written by Heiko C. in: Rechtsfreier Raum der Woche | Schlagwörter:
Jul
17
2009
4

Zensurgegner schalten Werbung von Zensurbefürwortern

Dann sag ich halt auch mal was dazu.

Wie vielleicht schon allen bekannt ist, haben sich viele der Internetprovider bis zuletzt gegen die ehedem „freiwilligen“ Verträge zur Einführung von Sperrlisten für Internetseiten gewehrt. 1&1 zum Beispiel hatte schon angekündigt gegen diese Verträge zu klagen. Nun haben wir statt dessen ein Gesetz, und alle müssen erst mal mitmachen, es sei denn der Bundespräsident oder das Bundesverfassungsgericht haben ein Einsehen.

Was vielleicht auch bekannt ist, ist dass Vodafone die Idee Webseiten zu Sperren von Anfang an ganz toll fand, und als erster Provider auch freiwillig bei den Verträgen mitmachte, was wiederum Frau von der Leyen half die anderen Provider unter Druck zu setzen. Das berichtet – in etwa jedenfalls – Bundespirat Jörg Tauss.

Nun haben ja viele der besonders viel frequentierten Blogger von Anfang an gegen diese drohende Internetzensur gekämpft, gebloggt und gewettert. Scheinbar allen voran Sascha Lobo, der mit seinem roten Irokesenschnitt sowas wie eine Ikone im Netz ist. Immerhin ist er der einzige Blogger, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist, und daher offline wohl der bekannteste.

Dieser Sascha Lobo hat sogar – aus Protest über die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Zensursulagesetz – mit dem halben Onlinebeirat der SPD, in dem er Mitglied ist, seine Arbeit dort niedergelegt.
Stark oder? Na ja, wir werden sehen.

Wenig später macht dann nämlich genau dieser Sascha Lobo für Vodafone Werbung. Er spielt in einem Werbespot von denen mit, schaltet Werbung von denen auf seinem Blog und so fort.
Die Vodafonewerbung ist auch in anderen Blogs aufgetaucht.

Irgendwie seltsam, oder? Sascha Lobo erklärt das Ganze in einem Selbstinterview auf seiner Seite so:

Sascha Lobo:
Ein anderer Punkt der Kritik sind die Netzsperren und Vodafones Rolle dabei.

Sascha Lobo:
Ja. Ich glaube, ich selbst habe keine Gelegenheit ausgelassen, meine Position deutlich zu machen, ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung. Das grundsätzliche Thema ist allerdings ein politisches – das auch politisch angegangen werden muss. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass hier mit dem derzeitigen Gesetz auf einmal alles vorbei sei. Vielmehr ist Netzpolitik – Politik generell – ein ständiger, diskussionsintensiver Prozess. Ich werde mich weiter inhaltlich einbringen und freue mich deshalb, dass Vodafone mich nicht nur als Testimonial, sondern auch als strategischen Berater an Bord geholt hat. Abgesehen davon ist seit den ersten Schritten bezogen auf die Netzsperren eine ganze Menge passiert. Unter anderem ist vielen überhaupt erst klargeworden, wie wichtig der gesamten Netzgemeinschaft dieses Thema ist. Ich will mithelfen, dass in einem Dialog zwischen den Beteiligten dabei die richtigen Schlüsse gezogen werden. Verhärtete Fronten ganz ohne Gespräche verschlechtern mit Sicherheit alle Ergebnisse der Zukunft.

Einbringen will er sich also, diskutieren, Gespräche führen, damit alles besser wird. Ein hehres Ziel. Aber das Gesetz ist nun da, das Kind ist in den Brunnen gefallen, Vodafone kann nichts daran ändern, dass es Seiten sperren MUSS, und spielte trotz aller heutigen Weichspülerei eine nicht unerhebliche Rolle bei der Einführung der Zensurinfrastruktur im Deutschen Netz.
Was sollen Gespräche mit Vodafone jetzt noch bringen?

Und wie erfolgreich Lobos Versuch ist, die Fronten von einer Verhärtung abzuhalten, kann man auf dem Vodafoneblog nachlesen:

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Erledigt! Bumms, da war’s für Vodafone erledigt. Da ist die Diskussion ja gar nicht verhärtet. Nö. Die Sperren helfen nichts, sind leicht zu umgehen, warnen die Täter, sind verfassungsrechtlich höchst bedenklich, werden von allen IT-, Strafrechts- und Grundrechtsexperten einhellig als ganz dumme Idee abgelehnt, Vodafone war scheinbar von Anfang an dafür und will nun das Themengebiet „Kinderpornografie“ ausklammern, obwohl das doch der zentrale Punkt überhaupt ist, den sich unsere Familienministerin ausgesucht hat, um uns in Sachen Netzzensur noch vor der Bundestagswahl vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Dass alle anderen Lobbyisten schon in den Startlöchern stehen, um in Zukunft JEDEN SCHEISS sperren zu dürfen, mit einer Infrastruktur, der Vodafone half den Weg zu ebnen, wie soll das denn bitte mit denen ausgerechnet diskutiert werden? Wenn’s doch für die erledigt ist? Und warum? Ihren Anteil haben die Leute bei Vodafone, die die betreffenden Entscheidungen getroffen haben nun doch schon geleistet?! Zurücknehmen können sie den nicht. SHIT IS ALREADY VERY MUCH HAPPENED, YOU CAN’T PRESS IT BACK AGAIN!

Und alle Sperrbefürworter wollen immer die Diskussion „versachlichen“. Sagen sie zumindest. Was sie machen spricht eine andere Sprache: Sie werfen mit falschen Zahlen um sich, benutzen Totschlagargumente und spielen Rechtsfreier-Raum-Bullshit-Bingo. Nebenbei wird dann mal Indien oder Kasachstan beleidigt. Is ja weit weg. Kann ja keiner nachprüfen, wenn man sich da was ausdenkt. Pustekuchen!
Verhärtet sind die Fronten schon. An einer Versachlichung der Debatte ist denen nicht gelegen. Dass man im Vorfeld einer Bundestagswahl nicht ständig Zensur vorgeworfen bekommen will versteh ich ja, aber warum fangen die dann nicht mal an ihre Zahlen zu prüfen? Die Diskussion wäre viel einfacher, wenn sie sachlich wäre. Dann wäre nämlich offensichtlich, dass die Sperren-Gegner recht haben.

Und im Lichte dieses ganzen Mollochs an unerfreulichen Dingen (Kraftausdruck nachträglich ersetzt), soll man es okay finden, wenn einer der Zensurgegner für eine Sperrenbefürworterfirma wirbt? Sascha Lobo scheint sich ja tatsächlich über die Aufregung darüber zu wundern. Sicher, Schnaps ist Schnaps, und Bier ist Bier. Und jeder muss sein Geld verdienen, ich hab ja leicht reden, ich bin ja Freizeitblogger.
Mit der Bannerwerbung mag man auch vielleicht noch leben können, aber sein Gesicht auf deren Plakate drucken lassen? In deren Werbespots rumlaufen?
Alle Achtung: Ich könnte das nicht. Aber ich kann auch sowieso nicht in der Werbung arbeiten. Vielleicht ist ja das eine zu können, die Voraussetzung für das andere.

Es geht aber auch anders. Wenn ich mich recht erinnere hat Blur mal ein Angebot der Royal Air Force abgelehnt. Die wollten „Song 2“ bei einer Präsentation für ein neues Kampfflugzeug spielen, und Blur dafür einen sechsstelligen Betrag zahlen.
Sie haben abgelehnt.

So einfach kann es sein.

P.S.: Um es nochmal klar zu sagen: Ich wünsche Sascha Lobo alles Gute. Nachvollziehen kann ich seine Entscheidung, zu einem Gesicht der Vodafonekampagne zu werden, jedoch nicht. Selbst nachdem ich sein Selbstinterview gelesen habe. Aber vermutlich weil ich die Perspektive eines Menschen, der in der Werbung arbeitet, so gar nicht verstehe.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
15
2009
0

Die IDEE: Die Krümmelasse

Forscher forschen doch immer an allem, und Gentechniker setzten doch immer neue Tierarten und so zusammen. War nicht mal von Algen oder so die Rede, die Ölteppiche aus dem Meer fressen, oder von Milben, die sich von Kunststoff ernähren? In der heutigen Zeit, wo AKW Krümmel alle zwei Wochen für Zwei Jahre abgeschaltet werden muss, und wo radioaktive Lauge aus der Asse austritt, warum erfinden die da nicht mal einen Käfer, der sich von Radioaktivität ernährt, und – mal sagen … – Orangenlimonade ausscheidet? Das wär doch mal was. Man könnte als Rohmaterial vielleicht eine Kellerassel und eine Küchenschabe nehmen. Letztere sollen ja hohe Dosen von Radioaktivität aushalten können.
Dem ganzen manipuliert man dann so ein wenig am Erbgut herum, und fertig ist die Krümmelasse. Die Viecher setzt man dann einfach überall da frei, wo die Energiewirtschaft mal wieder Mist gebaut hat, und freut sich an den hellen Strömen gesundheitlich unbedenklicher Orangenlimo.


homesweethome by =moonspit on deviantART

Aber selbst wenn das nichts wird, könnte man die aus Asse ausgetretene radioaktive Lauge ja auch als neuen Zusatz in Waschmitteln benutzen. Der Slogan „Ihre Wäsche wird strahlen wie noch nie“ liegt ja nun auf der Hand. Ich fänd die Krümmelasse aber noch toller. Ich mag Orangenlimonade.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Technisches | Schlagwörter: ,
Jul
15
2009
4

Undiplomatische Verwicklungen

Es ist doch alles einfach nicht mehr zu fassen:

Wie bei Netzpolitik zu lesen ist, hat Ursula von der Leyen in einem Interview bei Radio Sputnik Indien als Beispiel für einen dieser Schurkenstaaten genannt, der Kinderpornografie nicht ächte. Das das nicht stimmt, kann man im selben Artikel nachlesen. Es müssen hunderte (über unser Familienministerium) erboste Bürger emails und Briefe an die Indische Botschaft geschrieben haben, unter anderem hat sich auch der Bundespirat Jörg Tauss in einer Pressemitteilung für unsere Ursula bei Indien entschuldigt.


Zensursula by ~netardet on deviantART

Mittlerweile hat auch die Indische Botschaft in betont deutlicher Sprache die Vorwürfe, dass die uralte Kulturnation Kinderpornografie nicht ächte, und dass man solche von Servern in Indien nicht löschen könnte, zurückgewiesen.

Unter anderem liest man im Text dort:

Das indische Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung von 1973 beinhalten mehrere Bestimmungen zur Bestrafung von Kindesmißbrauch, zum Beispiel den Abschnitt 354 über Verstösse gegen den Anstand gegenüber Frauen, Abschnitt 375 über die Straftat der Vergewaltigung (jeglicher Akt, geschehen in gegenseitigem Einvernehmen oder Anders, mit einer minderjährigen Person wird als Vergewaltigung betrachtet), Abschnitt 377 über unnatürliche Handlungen und Straftaten. Diese Abschnitte decken auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch ab. […] Das Informationstechnologiegesetz in geänderter Form von 2008 wurde am 05. Februar 2009 erlassen, um sich mit den Fällen der Kinderpornographie in elektronischer Form zu befassen. Nach Abschnitt 67 Unterabsätze B (a) und (b) dieses Gesetzes ist es in Indien ein krimineller Akt, Material, welches Kinder in öbszöner, unanständiger oder sexuell expliziter Weise darstellt, in jeglicher elektronischen Form zu veröffentlichen, zu übertragen, zu sammeln, zu erschaffen, zu suchen, zu fördern, zu bewerben, auszutauschen oder zu vertreiben. Die Begehung solcher Straftaten kann mit Haftstrafen in Höhe bis zu sieben Jahren und Geldstrafen bis zu einer Million Rupien (ungefähr 15000 Euro) bestraft werden. Es ist ebenfalls eine Straftat in Indien, solches Material I’m Internet zu betrachten oder herunterzuladen und der Strafrahmen dafür ist derselbe wie oben.

Mittlerweile hat sich unsere ach so kompetente Oberfamilienministerin entschuldigt, nun zumindest sowas wie. In ihrer Stellungnahme lässt sie unter anderem verlautbaren:

„Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist“, ließ die CDU-Politikerin durch einen Sprecher gegenüber heise online nun ausrichten. Die Aussagen zu Indien seien einer Übersicht des International Center for Missing and Exploited Children (ICMEC) von 2006 entnommen worden. Es sei „sehr bedauerlich“, dass die „jüngste Entwicklung in Indien“ in der Quelle noch nicht erfasst gewesen sei.

Sicher wird die Darstellung von Kindesmißbrauch in elektronischen Medien explizit erst seit 2008/2009 verboten, aber die Gesetze von 1973 kann man doch auch sowieso so auslegen, dass sowas verboten ist. Selbst wenn der eigentliche Mißbrauch eines Kindes schon länger her ist, mißbraucht man es doch in dem Moment erneut, wenn man Bilder von dem Mißbrauch irgendwo ins Internet stellt. Und da die oben genannten indischen Gesetze „auf umfassende Weise die Verbrechen in Bezug auf Kindesmißbrauch abdecken“, dann reicht das auch als rechtliche Handhabe gegen Kinderpornografie im Netz. Oder irre ich mich da?

Nachtrag: Scheinbar ist es noch eindeutiger: In Indien gelten schon seit 1973 alle sexuellen Handlungen an Menschen unter 18 als Vergewaltigung, und sind somit strafbar. Ebenso ist die Darstellung solcher Handlungen auch schon seit 1973 strafbar. Mittlerweile tut auch Spiegel online so, als wäre Kinderpornographie erst seit Januar in Indien strafbar. Kann man da wirklich noch von einer freien Presse reden? Und seit wann redet der Spiegel CDU-Politikerinnen nach dem Mund? Bei der Augsburger Allgemeinen bekommt man seine Fakten mittlerweile wenigstens online auch besser hin als beim Spiegel. Siehe hier.

Wie soll man denn dann die „Entschuldigung“ von Frau von der Leyen deuten? Ist alles, was seit 1973 passiert ist, für die CDU eine „jüngste Entwicklung“? Das erklärt zumindest deren Netz-, Umwelt- und Überwachungspolitik.
War nicht in Deutschland ’73 noch die RAF unterwegs? Wenn die CDU seit dem keine Tagesschau mehr schaut, dann ist es kein Wunder, dass Schäuble überall Kameras aufhängen lässt. Und 1973 waren Atomkraftwerke wie Krümmel wohl tatsächlich noch „die modernsten der Welt“.

Ab heute wundert mich offiziell gar nichts mehr. Wenn mich ab heute noch was wundert, dann nur noch privat.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: , , ,
Jul
14
2009
0

Zensur und die Wirtschaft ankurbeln! DIE Idee!

So, nun muss nur noch der Herr Köhler seinen Horst drunter setzen, und dann ist es amtlich: Das Deutschnetz wird zensiert! Naürlich eigentlich nur Seiten mit dokumentiertem Kindesmißbrauch, oder wie der Volksmund sagt „Kinderpornos“, doch wenn man sich anschaut was anderswo so passiert…

Großbritannien hat zum Beispiel auch schon mal Wikipedia auf der Sperrliste gehabt, China wollte Google sperren – was draus geworden ist, weiß ich nicht – und auch in Deutschland stehen eifrige Lobbyisten schon in den Startlöchern um Hassseiten, Killerspiele, Tauschbörsen, Magersuchtseiten, Selbstmordseiten, Gewaltseiten, Google Books und etliches Mehr auf die Sperrlisten zu setzen, und damit den Status Quo des durch politikhörige Journalisten verdummten Volkes zu erhalten.

Wenn man all solche Seiten weltweit zusammenzählt, kommt man vielleicht sogar auf 1000 Seiten pro Tag, die unsere Familienministerin in Zukunft ja neu auf die Sperrliste setzen will.

Das Internet wird also in Zukunft – zumindest von Deutschland aus betrachtet – nur noch aus Stoppschildern bestehen. Alle gleich, alles ein wenig langweilig.

Meine Idee ist jetzt folgende: Warum soll ein Teil des Platzes eines Stoppschildes nicht dazu benutzt werden, um Anzeigen darauf zu schalten? Die vielen Tausend Stoppschilder, durch die man sich täglich klicken müsste wären nicht so langweilig, und vielleicht kurbelt so eine Aktion auch die krankende Wirtschaft in unserem Land an.
Rein farblich wären Anzeigen von Coca-Cola oder Vodafone denkbar. „Diese Zensur wird Ihnen präsentiert von: Coke! -the real thing!“, oder so. Man könnte auch ganz clever sein, und bei den Magersuchtseiten zum Beispiel dann Werbung für McDonalds schalten. Vielleicht geht die Betroffene dann was essen, anstatt sich online neue Wege zum Hungern zu suchen?! Das wären dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe!


McDonalds kills canines. by ~totallyunacceptable on deviantART

Oder warum leitet man die Leute nicht einfach auf ein Videoportal der CDU um, wo dann den ganzen Tag Wahlwerbespots laufen? Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt! Das daran noch keiner gedacht hat, wundert mich ehrlich!

Ach ja, Bundesregierung: Wenn ihr das wirklich macht, will ich Prozente!

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
14
2009
0

Wortwolken

Bei www.wordle.net kann man sich seine eigenen Wortwolken machen. Ich hab gleich mal diesen Blog als Quelle eingegeben, und folgende Wortwolke bekommen: Klick mich!

Aus meinen häufigsten Tags habe ich das hier gebastelt:
impactsuspectwolke

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter:
Jul
14
2009
0

Der CDU-Generalsekretär und der Stabreim

Ich habe gerade auf den Onlineseiten der Berliner Zeitung diesen Artikel über Krümmel und den Atomausstiegsausstieg der CDU gelesen, als mir folgende Passage auffiel:

Einerseits propagiert man weiter die Renaissance der Kernenergie. Andererseits setzt man sich geradezu demonstrativ vom Krümmel-Betreiber Vattenfall ab, um dieses politische Ziel nicht zu verspielen. Vattenfall habe sich „nicht mit Ruhm bekleckert“, polterte gestern CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nach der Sitzung der Parteigremien in Berlin.

(Hervorhebung von mir)


Portrait Of A Politician by =EPAF on deviantART

Fällt euch was auf? Pofalla poltert. Ein staunenswerter Stabreim. Geradezu eine alternativlose Alliteration. Und eine die – ehrlich gesagt – schon ziemlich naheliegend ist, allein was den Klang des Namens von Herrn Pofalla angeht.

Ich wollte mal sehen wie naheliegend sie ist, daher habe ich einfach mal Herrn Google gefragt, wie oft „poltern“ im Zusammenhang mit „Pofalla“ im Netz zu finden ist.
Das Ergebnis: Herr Google hat etwa 338 Ergebnisse.
Das gesamte Spektrum der netzpräsenten Printmedien ist vertreten.
Bei Spiegel Online poltert Pofalla gegen Oettinger und gegen die SPD beim Betreuungsgeld,

„Jeder muss sich entscheiden, ob er die gemeinsame Linie des Regierungsprogramms von CDU und CSU vertreten oder seine persönliche Meinung in Zeitungsinterviews verbreiten will“, polterte Pofalla.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla polterte: Die Familien müssten herhalten für die parteipolitischen Sandkastenspiele der SPD. Das werde die Union nicht zulassen.

bei der Süddeutschen poltert Pofalla (polemisch) wegen des mickrigen Wahlergebnisses der SPD,

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla polterte dagegen gleich noch am Wahlabend los, mit ihren „nicht mal 22 Prozent“ könnten die Sozialdemokraten keinen Anspruch auf einen EU-Kommissar erheben.

Bei Vodafone Live – gut, das ist jetzt keine Zeitung – „poltert“ Pofalla sogar „was das Zeug hält“:

Wer so viel poltert, der bekommt aber auch … zurückgepoltert, wie es scheint.

So ist bei newsclick.de zu lesen:

So polterte etwa SPD-Fraktionschef Peter Struck über CDU-General Ronald Pofalla: „Das nehme ich sowieso nie ernst, was Herr Pofalla sagt“.

Aber wer so viel poltert, weiß auch wie man dem Gepolter von anderen begegnet, wie bei web.de zu lesen ist:

„Die Union hat bis heute kein Programm, nicht einmal einen Entwurf“, polterte Frank-Walter Steinmeier noch am Sonntagmittag – und die Genossen im Berliner Hotel Estrel johlten.

Die großen Streitpunkte seien ausgeräumt, ließen die Generalsekretäre von CDU und CSU, Ronald Pofalla und Alexander Dobrindt, am Montag fast wortgleich verlauten.

Bleibt die Frage ob Ronald Pofalla wirklich immer brachialrhetorisch daherpoltert, oder ob er nur das Opfer eines ungünstigen Familiennamens und der Phantasielosigkeit diverser Journalisten geworden ist. Um das näher zu beleuchten, schauen wir uns doch einmal an was Herr Pofalla so auf Abgeordnetenwatch sagt:

Sehr geehrter Herr , ____________

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 25.05.2009 über abgeordnetenwatch.de.

Gerne bin ich bereit, an mich persönlich gerichtete Anfragen zu beantworten.

Bitte nutzen Sie hierzu meine E-Mail-Adresse: ronald.pofalla@bundestag.de
oder schreiben Sie mir unter folgender Postanschrift:
Ronald Pofalla MdB
Deutscher Bundestag
Platz der Republik
11011 Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ronald Pofalla MdB

Und das ist die Antwort auf alle durch Herrn Pofalla „beantworteten“ Fragen dort. Hier finden wir also kein Gepolter. Vielleicht hat sich Herr Pofalla aber dazu entschieden nur noch im privaten zu poltern? Das kann ich nicht entscheiden, aber es wirkt zumindest unwahrscheinlich, wo ihn doch so viele Journalisten immer beim Poltern erwischen…

Auf seiner Homepage kann man zwar auch vorbeischauen, aber das ist letztlich auch wenig hilfreich…

Bleibt nur zu hoffen, dass Pofalla bald mal wieder poltert…

Written by Heiko C. in: Linguistisches,Politisches | Schlagwörter: , ,
Jul
13
2009
1

Zahlenspiele der Zensursula

Man hat ein wenig den Eindruck, dass unsere liebe (noch) Familienministerin ihre Interviews gerne mal improvisiert. Besonders gern scheint sie, in öffentlichen Anfragen jedweder Art, Statistiken aus dem Stand einfach zu erfinden.


„Humor“ in Binary: Detail by =rebootmaster2001 on deviantART

Beispiele wären unter anderem die widerlegten Zahlen die angeblich einen Anstieg von Kinderpornografie im Netz belegen sollten, die über 90 Länder, die keine Gesetze gegen Kinderpornografie haben, 20% der Internetnutzer seien „teilweise schwer pädokriminell“ und jetzt das neueste:

Frau von der Leyen geht davon aus, dass täglich 1000 (!!!) Webseiten neu auf die Zensurliste kommen! Nachzulesen unter anderem hier. Nochmal in Worten: Eintausend!

Genausogut hätte sie sagen können: „Jeden Tag kommen da MILLIONENMILLIARDEN dräckelige Dreckseiten auf die Sperrliste!! Döh! Von wegen weil die 17 Quantistiliarden Länder auf allen 17.000 Erden, die der CDU bekannt sind, keine Vergesetzgebung gegen Kinderpornografie haben! Jö! Wo 705% sind.  Käsescheiblette!!!“
Hätte sie sowas gesagt, wäre das wohl auch nicht wesentlich alberner gewesen.

Wenn das bei ihr nicht langsam aufhören würde zu funktionieren, könnte man es ebenso versuchen.

„Täglich finden 17 Milliarden Deutsche weltweit Frau von der Leyen inkompetent.“, könnte ich behaupten, „Das sind 8034% der CDU Wähler im Saarland!“

Aber auf das Niveau will ich mich dann doch nicht herablassen.

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Dreistigkeiten,Politisches | Schlagwörter: ,
Jul
12
2009
431

Indianische Legenden – kalte Wesen – Vampire!!!!

Jeden Tag verirrt sich zumindest eine Person auf meinen Blog, die im Zusammenhang mit diesem unsäglichen Vampirbüchern von Susanne Meier Stephenie Meyer oder deren Verfilmung nach „kalte Wesen“, „indianische Legenden kalte wesen“, „vampir das kalte wesen“, „kalte wesen vampire“ oder, oder, oder sucht.
Da alle diese Sucher in der Wüste – die zu einem hohen Prozentsatz aus Niedersachsen kommen – hier tatsächlich nur meine Verrisse zweier dieser Twilight-Bücher finden, und daher wahrscheinlich enttäuscht sind, schreibe ich diesen Artikel als Friedensangebot.

Nachtrag1: Hier findet ihr vielleicht eher, was ihr sucht, ich hab mal ein wenig in indianischen Legenden nachgeforscht: LINK

Vampire sind ja nun auch cool. Unheimlich cool. Sogar unheimlich und cool. Und meinetwegen auch „schön und/aber gefährlich“, wie Susanne Meier Stephanie Meyer in ihren Büchern nicht müde wird zu wiederholen. Aber nicht wenn sie glitzern. Wenn die sich schon von unserem Blut ernähren müssen, dann sollen die doch wenigstens den Anstand besitzen und im Sonnenlicht dann auch zu Staub zerfallen. Alles andere ist albern und doof und überhaupt nicht cool.

Aber wie gesagt, ein Friedensangebot. Hier noch ein paar Bilder von Vampiren:

Nachtrag2: Tjö, die Bilder sind mittlerweile scheinbar alle von Deviantart verschwunden. Vielleicht ja, weil dieser Artikel für zuviel Traffic gesorgt hat, wer weiß. Dann mal ich halt selber welche, kann aber einen moment dauern.

Nachtrag3: Hier mein erstes eigenes Vampirbild:


skating nosferatu

Nachtrag4: Und noch eins:

fröhlicher emo-vampir

Nachtrag3: Vielleicht kann man euch hier auch weiterhelfen: www.kaltewesen.de 😉

Nachtrag4: Noch ein kleiner Tipp: Da sowohl das Buch, als auch der Film in englischer Sprache sind, findet ihr wohl am ehesten die gesuchten Webseiten – wenn sie denn existieren sollten – wenn ihr nach „cold ones native american legends“ oder „cold ones indian legends“ sucht.
Ich hoffe das hilft weiter. Sollte jemand irgendwas finden, was den gesuchten Webseiten irgendwie ähnlich sieht, wäre ich entzückt, wenn er (oder sie) mir einen Kommentar hinterlassen würde, wo die zu finden sind. Danke.

Written by Heiko C. in: Bücher,Gruseliges | Schlagwörter: , , ,