Jul
31
2009

Neudeutsches Denunziantentum

Ich habs heute in unserer regionalen Monopolzeitung „Nordfriesland Tageblatt“ gelesen, aber ein sehr ähnlicher Artikel findet sich auch hier bei der Süddeutschen Zeitung.
Ein Müllmann hat scheinbar „vor den Augen seiner Kollegen“ ein Kinderreisebett aus dem Müll gefischt, und es mit nachhause genommen, weil es wohl noch in Ordnung war, und er Kinder hat, für die er das Bett gut gebrauchen kann.
Daraufhin kündigt ihm der Arbeitgeber. Zu unrecht, wie nun entschieden wurde.


Orange Garbage by ~childeofdarkness on deviantART

Wie hat der Arbeitgeber davon überhaupt erfahren? War es – und der Artikel liest sich ja so – einer seiner Kollegen, der ihn da angeschwärzt hat? Wenn ja, dann stellt sich mir die Frage, welche neidzerfressene, miese, kleine, hinterhältige, kollegenschweinige Existenz ihn da verpetzt hat. Ich meine geht’s noch? Wer rennt sofort zum Arbeitgeber und sagt: „Der M. der hat aber heute Müll geklaut!“
Zumal, wie es SZ berichtet, der fragliche Müllmann einfach nur hätte fragen zu brauchen, und das Bett dann sowieso hätte mitnehmen können. Wo leben wir denn? Da bekommen Manager, die ihren Job eben nicht richtig gemacht haben, und ganze Firmenimperien gegen die Wand gefahren haben noch Millionenabfindungen, Ministerinnen und Kanzelerinnen benutzen Dienstfahrzeuge für Privatfahrten und ein hartarbeitender Müllmann soll wegen Mülldiebstahls entlassen werden? Es ist ja doch immerhin nicht so, dass er tonnenweise Altglas geklaut hätte, um damit irgendeine Glasbläserfirma zu gründen, nein, der hat nur ein Kinderbett aus dem Müll gefischt, welches sowieso nicht recyclebar gewesen wäre!
Ist das Deutschland 2009? Na dann gute Nacht!

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Wahnhaftes,Zwischenmenschliches | Schlagwörter:

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