Impactsuspect » 2009 » Juli » 26
Jul
26
2009
2

Warum der Rundumschlag der Verleger gegen Google irgendwie Quatsch ist

Die Verleger haben ja so einiges gegen Google.  All dies kann man einfach so zusammenfassen: Google würde mit deren Inhalten ja Geld verdienen und denen nichts von dem Geld abgeben. Worum geht es im einzelnen?

Zwei ganz verschiedene Vorwürfe, die aber immer gerne wieder in einen Topf geworfen werden. Man bekommt so leicht den Eindruck, dass die Verleger das Internet nicht verstehen. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie nicht zu neuen auf das Netz zugeschnittenen Finanzierungsmöglichkeiten finden. Also wollen sie jetzt Geld von Google.

Was ist eine Suchmaschine? Eine Suchmaschine ist eigentlich nichts anderes als ein Navigationssystem für’s Internet. Google vorzuwerfen mit bspw. Focus-Artikeln allein durch deren Verlinkung Geld zu machen ist hanebüchen.

Nach der Logik müssten die Hersteller von Navigationsgeräten ja auch den Betreibern von Sehenswürdigkeiten,  Restaurants oder anderem Geld dafür bezahlen, damit diese die Adressen derselben schon ins Navi einbauen dürfen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Unternehmer von Tankstellen, Supermärkten oder Restaurants bezahlen dafür, dass man sie leichter finden kann. Das umgekehrt zu wollen ist ungflaublich dämlich. Das führt dann im Zweifelsfall nur dazu, dass das eigene Restaurant dann eben nicht mehr im Navi ist und daher sehr viel weniger Gäste bekommt.

Google hätte also mehr recht von Burda, Springer und co. Geld für die Verlinkung zu verlangen als umgekehrt. Google hat aber anders reagiert. Die sagen ganz einfach, dass man ja nicht bei Góogle auftauchen muss, und erklären den Verlagen, wie man verhindert, dass Google einen zur Kenntnis nimmt.

Wie absurd der zweite Punkt ist, sieht man, wenn man sich mal klar macht, was das Internet eigentlich ist.

Einerseits ist das Internet ein weitreichendes Kommunikationsnetz, andererseits bildet es dadurch, dass kaum etwas endgültig löschbar ist das, was dem manifestierten Wissen der Menschheit am bisher nächsten kommt. Google Book Search gleicht in vielerlei Hinsicht der Bibliothek von Alexandria, bloss dass es besser ist.
In der Bibliothek von Alexandria konnte man sich die Schriftrollen nur vor Ort durchlesen, während man sie bei Google Books direkt auf den Tisch bekommt.
Was Verleger dagegen haben, dass gemeinfreie Bücher ins Netz gestellt werden ist nicht sehr rätselhaft: Sie verdienen ja nichts dran.
Was Autoren von vergriffenen Büchern, die nie wieder aufgelegt werden würden dagegen haben ist schon ein wenig rätselhaft.
Im Grunde genommen bedeutet „Ich will aber vielleicht gar nicht, dass mein Buch ins Internet kommt!“, dass man nicht will, dass das Buch endgültig ins Wissen der Menschheit aufgenommen wird. Wer fordert, dass ein Buch nie digitalisiert und für die Zukunft bewahrt wird, auch wenn es momentan keiner liest, der kann ebenso fordern, dass alle Exemplare dieses Buches verbrannt werden. Im Grunde genommen ist beides das gleiche, auch wenn letzteres schneller geht.

Man stelle sich vor die Autoren von Schriftrollen hätten sich damals bei den Betreibern der Bibliothek von Alexandria darüber beschwert, das ihnen das Original ihrer Schrift abgenommen, und durch eine Kopie ersetzt wird, damit das Original in der Bibliothek verfügbar sein kann. Vielleicht haben sich damals sogar Autoren darüber beschwert, aber wohl eher halbherzig und mit wenig elan, weil die Autoren von damals wussten, dass sie nicht ohne Google die Bibliothek von Alexandria auskommen können.

Warum macht eigentlich der Staat nicht schon längst das, was Google alles macht? Das würde doch echt in deren Aufgabenbereich fallen. Warum muss da erst ein Privatunternehmen kommen?

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gesellschaftliches | Schlagwörter:

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Jul
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2009
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Warum der Rundumschlag der Verleger gegen Google irgendwie Quatsch ist

Die Verleger haben ja so einiges gegen Google.  All dies kann man einfach so zusammenfassen: Google würde mit deren Inhalten ja Geld verdienen und denen nichts von dem Geld abgeben. Worum geht es im einzelnen?

Zwei ganz verschiedene Vorwürfe, die aber immer gerne wieder in einen Topf geworfen werden. Man bekommt so leicht den Eindruck, dass die Verleger das Internet nicht verstehen. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie nicht zu neuen auf das Netz zugeschnittenen Finanzierungsmöglichkeiten finden. Also wollen sie jetzt Geld von Google.

Was ist eine Suchmaschine? Eine Suchmaschine ist eigentlich nichts anderes als ein Navigationssystem für’s Internet. Google vorzuwerfen mit bspw. Focus-Artikeln allein durch deren Verlinkung Geld zu machen ist hanebüchen.

Nach der Logik müssten die Hersteller von Navigationsgeräten ja auch den Betreibern von Sehenswürdigkeiten,  Restaurants oder anderem Geld dafür bezahlen, damit diese die Adressen derselben schon ins Navi einbauen dürfen. Das Gegenteil ist der Fall: Viele Unternehmer von Tankstellen, Supermärkten oder Restaurants bezahlen dafür, dass man sie leichter finden kann. Das umgekehrt zu wollen ist ungflaublich dämlich. Das führt dann im Zweifelsfall nur dazu, dass das eigene Restaurant dann eben nicht mehr im Navi ist und daher sehr viel weniger Gäste bekommt.

Google hätte also mehr recht von Burda, Springer und co. Geld für die Verlinkung zu verlangen als umgekehrt. Google hat aber anders reagiert. Die sagen ganz einfach, dass man ja nicht bei Góogle auftauchen muss, und erklären den Verlagen, wie man verhindert, dass Google einen zur Kenntnis nimmt.

Wie absurd der zweite Punkt ist, sieht man, wenn man sich mal klar macht, was das Internet eigentlich ist.

Einerseits ist das Internet ein weitreichendes Kommunikationsnetz, andererseits bildet es dadurch, dass kaum etwas endgültig löschbar ist das, was dem manifestierten Wissen der Menschheit am bisher nächsten kommt. Google Book Search gleicht in vielerlei Hinsicht der Bibliothek von Alexandria, bloss dass es besser ist.
In der Bibliothek von Alexandria konnte man sich die Schriftrollen nur vor Ort durchlesen, während man sie bei Google Books direkt auf den Tisch bekommt.
Was Verleger dagegen haben, dass gemeinfreie Bücher ins Netz gestellt werden ist nicht sehr rätselhaft: Sie verdienen ja nichts dran.
Was Autoren von vergriffenen Büchern, die nie wieder aufgelegt werden würden dagegen haben ist schon ein wenig rätselhaft.
Im Grunde genommen bedeutet „Ich will aber vielleicht gar nicht, dass mein Buch ins Internet kommt!“, dass man nicht will, dass das Buch endgültig ins Wissen der Menschheit aufgenommen wird. Wer fordert, dass ein Buch nie digitalisiert und für die Zukunft bewahrt wird, auch wenn es momentan keiner liest, der kann ebenso fordern, dass alle Exemplare dieses Buches verbrannt werden. Im Grunde genommen ist beides das gleiche, auch wenn letzteres schneller geht.

Man stelle sich vor die Autoren von Schriftrollen hätten sich damals bei den Betreibern der Bibliothek von Alexandria darüber beschwert, das ihnen das Original ihrer Schrift abgenommen, und durch eine Kopie ersetzt wird, damit das Original in der Bibliothek verfügbar sein kann. Vielleicht haben sich damals sogar Autoren darüber beschwert, aber wohl eher halbherzig und mit wenig elan, weil die Autoren von damals wussten, dass sie nicht ohne Google die Bibliothek von Alexandria auskommen können.

Warum macht eigentlich der Staat nicht schon längst das, was Google alles macht? Das würde doch echt in deren Aufgabenbereich fallen. Warum muss da erst ein Privatunternehmen kommen?

Written by Heiko C. in: Bücher,Beklopptes,Gesellschaftliches | Schlagwörter: