Impactsuspect » Ablehnung einfach erklärt
Jul
22
2009

Ablehnung einfach erklärt

Eigentlich haben schon zu viele Leute zu viel über die neue Vodafone-Kampagne geschrieben und über den Fakt, dass diese Kampagne die angepeilte Zielgruppe – genannt Onlinewelt – zwar erreicht, aber eher einen negativen statt eines positiven Effektes zu haben scheint.
Bei WSDV finden sich umfangreiche Linklisten zu dem Thema. In vielen der Stellungnahmen, die den Aufstand gegen Vodafone als deutlich zu heftig und als überdramatisierend empfinden, fehlt ein entscheidender Fakt, oder dieser wird nur am Rande behandelt.
Vodafone war als erster Provider – scheinbar auch noch ohne groß überredet werden zu müssen – für die Errichtung einer generellen Zensurinfrastruktur im deutschen Internet. Diese Zensurinfrastruktur wird aber gerade aufgrund der jetzt schon akuten Gefahr einer beliebigen Ausweitung der gesperrten Seiten durch die Politik von der „Netzgemeinde“ fast einstimmig und oft fanatisch abgelehnt.

Vodafones Zielgruppe für die neue Kampagne ist eben diese „Netzgemeinde“. Dass das irgendwie eine dumme Idee war, sollte jetzt schon offensichtlich sein. Auch die Entrüstung die den Adnation-Bloggern entgegen schlägt, welche zuerst gegen die Netzsperren gewettert haben und nun Anzeigen von Vodafone schalten, schlägt in die gleiche Kerbe.
Wäre es Werbung für – sagen wir – 1&1 gewesen oder etwa die Telekom, hätte es zwar auch reichlich kritische Stimmen gegeben, aber nicht diese Flut an erbosten und boshaften Blogeinträgen und Kommentaren. Die Telekom hat sich ja auch schon im Zentrum einiger Datenskandale wiedergefunden und ist eine Firma, die man kritisch beäugt. Und über 1&1 gab’s mal einen Bericht im Fernsehen in dem es um die einseitige Kündigung von Flaterates ging, wenn der Traffic zu hoch war. Das alles sind im Netz auch wichtige Themen, und nicht nur da. Aber weder Telekom noch 1&1 waren so Pro-Netzsperren wie Vodafone. 1&1 hat sich sogar bis zuletzt gewehrt. (Gibt auch noch ganz viele andere Anbieter: (strato, freenet, wasnichalles…)

Und über Sascha Lobos Werbespot hab ich ja schon geschrieben. Da schreiben auch einige, dass Kritik an ihm nur Neid wäre. Klar, wenn ich einen dicken Werbevertrag angeboten bekommen würde, würde ich mich sicher auch freuen. Vielleicht würde ich sogar vor Freude im Dreieck springen und schon mal ’ne Reise zum Karneval nach Rio buchen. Aber nur, wenn der, der den Vertrag anbietet irgendwie so grade noch in mein Weltbild passt. Vodafone passt da nicht. Die haben verschissen.

Ich meine, wenn ein Bundestagsabgeordneter von den Grünen oder ein Greenpeace Aktivist morgen in einem Werbespot von Vattenfall sowas sagt wie „Krümmel, find ich gut!“ Dann wirkt das doch auch irgendwie… ich sag mal: unglaubwürdig, oder?
Das ist eben genau das, und genau das wird im Netz übel genommen. Wenn Blogger Werbung schalten, habe ich kein Problem damit. Auch nicht, wenn sie in Werbespots auftreten. Es kommt halt nur immer drauf an, um welche Werbung es geht. Man kann in den Kellern von vielen Großkonzernen irgendwelche Skellette finden. Im übertragenen Sinne. Aber „die Blogossphäre“ hat sich ja nunmal in mindestens den letzten 2 Monaten geschlossen und dauerhaft vor allem über die Netzsperren aufgeregt.

Dass Vodafone mit der neuen Kampagne ausgerechnet jetzt überhaupt gezielt versucht „Netzbewohner“ anzusprechen, das ist noch so was:
Entweder irgendwas ist an denen vorbeigegangen, die dachten, das beruhigt sich schon wieder oder die Kampagne war schon geplant, als Vodafone noch dachte, dass niemand es wagen würde sich gegen Internetsperren gegen Kinderpornografie zu stellen. Oder es hat noch andere Gründe. Für Vodafone war dieser Zeitpunkt für eine Kampagne, die unter anderen Umständen vielleicht noch ganz gut angekommen wäre, jedenfalls der denkbar schlechteste. Und nun haben sie den Salat.

— * —

Noch jemand, der nicht so recht zu wissen scheint, warum ihm so viel Ablehnung entgegenweht ist die Bundesregierung und weite Teile des Parlaments. Schäuble, von der Leyen und Konsorten verstehen nicht, warum wir immer mit dem Grundgesetz kommen. Wir hätten eine viel zu omnipotente Vorstellung von Grundrechten wird uns entgegen gehalten. Schäuble sagt, dass kein Grundrecht absolut sei, und dass die Regierung sich beim Beschließen von Gesetzen nicht vom Zwangskorsett des Grundgesetzes einschränken lassen kann. „Der Verfassungsschutz kann nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen“ höre ich im Hinterkopf immer wieder, wenn ich solche Menschen reden höre.

Schäuble soll die Verfassung schützen, trotzdem kommen alle gefühlten zwei Wochen von ihm irgendwelche Vorschläge, wie man es umgehen soll. Bundeswehreinsatz im Innern, Terrordatei, Internierungslager für potentielle Gefährder… was kam da nicht alles von ihm. Einiges von diesen ganzen tollen Vorschlägen konnte schon im Keim abgewehrt werden, trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass es von Schäubles Agenda verschwunden ist. Er hat die Ideen scheinbar nur in eine Schublade gepackt, um sie beizeiten – wenn’s passt – wieder hervorzuholen.
Nach der Bundestagswahl soll nun Zwangsarbeit für HartzIV-Empfänger kommen. Auch die ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Unsere Verfassung heißt GRUNDGESETZ. Das ist Absicht. Die Verfassung ist der Grund, das Fundament auf dem unsere freiheitlich demokratische Grundordnung steht. Der ganze Staat ist darauf aufgebaut. Wenn man das Grundgesetz immer weiter aufweicht, aushöhlt und Grundrechte relativiert, weil man nachts Angst vor Terror hat, oder weil es einem gerade in den Kram passt, dann stürzt die freiheitliche Demokratie irgendwann in sich zusammen. Das sollte jedem klar vor Augen liegen, der ein wenig die Nachrichten verfolgt. Unseren Politikern ist das nicht klar. Die wundern sich. Was will denn das Volk schon wieder?
Was ist das? Betriebsblindheit? Dummheit? Böse Absicht? Was soll das? Ich hab keine Ahnung, und mittlerweile ist es mir auch egal. Diese Politik lehne ich ab, weil sie den Staat und die Freiheit zerstört. So einfach ist das.

Sicher kann man eine Demokratie auch auf Sand aufbauen, und nicht auf einem festen Fundament, wie es das Grundgesetz – aus guten Grund – bietet, aber dann droht sie nicht nur über kurz oder lang auseinanderzufallen oder langsam zu versinken – sie beginnt damit von der ersten Sekunde an.
Weimarer Republik? Schon mal gehört? Da ist das passiert. Und wohin es führte ist genau der Grund, warum wir das Grundgesetz in seiner heutigen Form haben. Schafft man es ab, wartet schon der nächste Diktator um die Ecke auf seine Gelegenheit, den letzten Grundrecht-Jengastein zu ziehen, der das Ding zum Umfallen bringt.
Wer da nicht alarmiert ist, den versteh‘ ich nicht und den wähle ich noch weniger.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: , ,

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Bei WSDV finden sich umfangreiche Linklisten zu dem Thema. In vielen der Stellungnahmen, die den Aufstand gegen Vodafone als deutlich zu heftig und als überdramatisierend empfinden, fehlt ein entscheidender Fakt, oder dieser wird nur am Rande behandelt.
Vodafone war als erster Provider – scheinbar auch noch ohne groß überredet werden zu müssen – für die Errichtung einer generellen Zensurinfrastruktur im deutschen Internet. Diese Zensurinfrastruktur wird aber gerade aufgrund der jetzt schon akuten Gefahr einer beliebigen Ausweitung der gesperrten Seiten durch die Politik von der „Netzgemeinde“ fast einstimmig und oft fanatisch abgelehnt.

Vodafones Zielgruppe für die neue Kampagne ist eben diese „Netzgemeinde“. Dass das irgendwie eine dumme Idee war, sollte jetzt schon offensichtlich sein. Auch die Entrüstung die den Adnation-Bloggern entgegen schlägt, welche zuerst gegen die Netzsperren gewettert haben und nun Anzeigen von Vodafone schalten, schlägt in die gleiche Kerbe.
Wäre es Werbung für – sagen wir – 1&1 gewesen oder etwa die Telekom, hätte es zwar auch reichlich kritische Stimmen gegeben, aber nicht diese Flut an erbosten und boshaften Blogeinträgen und Kommentaren. Die Telekom hat sich ja auch schon im Zentrum einiger Datenskandale wiedergefunden und ist eine Firma, die man kritisch beäugt. Und über 1&1 gab’s mal einen Bericht im Fernsehen in dem es um die einseitige Kündigung von Flaterates ging, wenn der Traffic zu hoch war. Das alles sind im Netz auch wichtige Themen, und nicht nur da. Aber weder Telekom noch 1&1 waren so Pro-Netzsperren wie Vodafone. 1&1 hat sich sogar bis zuletzt gewehrt. (Gibt auch noch ganz viele andere Anbieter: (strato, freenet, wasnichalles…)

Und über Sascha Lobos Werbespot hab ich ja schon geschrieben. Da schreiben auch einige, dass Kritik an ihm nur Neid wäre. Klar, wenn ich einen dicken Werbevertrag angeboten bekommen würde, würde ich mich sicher auch freuen. Vielleicht würde ich sogar vor Freude im Dreieck springen und schon mal ’ne Reise zum Karneval nach Rio buchen. Aber nur, wenn der, der den Vertrag anbietet irgendwie so grade noch in mein Weltbild passt. Vodafone passt da nicht. Die haben verschissen.

Ich meine, wenn ein Bundestagsabgeordneter von den Grünen oder ein Greenpeace Aktivist morgen in einem Werbespot von Vattenfall sowas sagt wie „Krümmel, find ich gut!“ Dann wirkt das doch auch irgendwie… ich sag mal: unglaubwürdig, oder?
Das ist eben genau das, und genau das wird im Netz übel genommen. Wenn Blogger Werbung schalten, habe ich kein Problem damit. Auch nicht, wenn sie in Werbespots auftreten. Es kommt halt nur immer drauf an, um welche Werbung es geht. Man kann in den Kellern von vielen Großkonzernen irgendwelche Skellette finden. Im übertragenen Sinne. Aber „die Blogossphäre“ hat sich ja nunmal in mindestens den letzten 2 Monaten geschlossen und dauerhaft vor allem über die Netzsperren aufgeregt.

Dass Vodafone mit der neuen Kampagne ausgerechnet jetzt überhaupt gezielt versucht „Netzbewohner“ anzusprechen, das ist noch so was:
Entweder irgendwas ist an denen vorbeigegangen, die dachten, das beruhigt sich schon wieder oder die Kampagne war schon geplant, als Vodafone noch dachte, dass niemand es wagen würde sich gegen Internetsperren gegen Kinderpornografie zu stellen. Oder es hat noch andere Gründe. Für Vodafone war dieser Zeitpunkt für eine Kampagne, die unter anderen Umständen vielleicht noch ganz gut angekommen wäre, jedenfalls der denkbar schlechteste. Und nun haben sie den Salat.

— * —

Noch jemand, der nicht so recht zu wissen scheint, warum ihm so viel Ablehnung entgegenweht ist die Bundesregierung und weite Teile des Parlaments. Schäuble, von der Leyen und Konsorten verstehen nicht, warum wir immer mit dem Grundgesetz kommen. Wir hätten eine viel zu omnipotente Vorstellung von Grundrechten wird uns entgegen gehalten. Schäuble sagt, dass kein Grundrecht absolut sei, und dass die Regierung sich beim Beschließen von Gesetzen nicht vom Zwangskorsett des Grundgesetzes einschränken lassen kann. „Der Verfassungsschutz kann nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen“ höre ich im Hinterkopf immer wieder, wenn ich solche Menschen reden höre.

Schäuble soll die Verfassung schützen, trotzdem kommen alle gefühlten zwei Wochen von ihm irgendwelche Vorschläge, wie man es umgehen soll. Bundeswehreinsatz im Innern, Terrordatei, Internierungslager für potentielle Gefährder… was kam da nicht alles von ihm. Einiges von diesen ganzen tollen Vorschlägen konnte schon im Keim abgewehrt werden, trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass es von Schäubles Agenda verschwunden ist. Er hat die Ideen scheinbar nur in eine Schublade gepackt, um sie beizeiten – wenn’s passt – wieder hervorzuholen.
Nach der Bundestagswahl soll nun Zwangsarbeit für HartzIV-Empfänger kommen. Auch die ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Unsere Verfassung heißt GRUNDGESETZ. Das ist Absicht. Die Verfassung ist der Grund, das Fundament auf dem unsere freiheitlich demokratische Grundordnung steht. Der ganze Staat ist darauf aufgebaut. Wenn man das Grundgesetz immer weiter aufweicht, aushöhlt und Grundrechte relativiert, weil man nachts Angst vor Terror hat, oder weil es einem gerade in den Kram passt, dann stürzt die freiheitliche Demokratie irgendwann in sich zusammen. Das sollte jedem klar vor Augen liegen, der ein wenig die Nachrichten verfolgt. Unseren Politikern ist das nicht klar. Die wundern sich. Was will denn das Volk schon wieder?
Was ist das? Betriebsblindheit? Dummheit? Böse Absicht? Was soll das? Ich hab keine Ahnung, und mittlerweile ist es mir auch egal. Diese Politik lehne ich ab, weil sie den Staat und die Freiheit zerstört. So einfach ist das.

Sicher kann man eine Demokratie auch auf Sand aufbauen, und nicht auf einem festen Fundament, wie es das Grundgesetz – aus guten Grund – bietet, aber dann droht sie nicht nur über kurz oder lang auseinanderzufallen oder langsam zu versinken – sie beginnt damit von der ersten Sekunde an.
Weimarer Republik? Schon mal gehört? Da ist das passiert. Und wohin es führte ist genau der Grund, warum wir das Grundgesetz in seiner heutigen Form haben. Schafft man es ab, wartet schon der nächste Diktator um die Ecke auf seine Gelegenheit, den letzten Grundrecht-Jengastein zu ziehen, der das Ding zum Umfallen bringt.
Wer da nicht alarmiert ist, den versteh‘ ich nicht und den wähle ich noch weniger.

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