Impactsuspect » 2009 » Juni » 24
Jun
24
2009
3

1984 – und warum das heute nicht mehr funktioniert

In George Orwells Roman 1984 wird ein beispielloser Überwachungsstaat geschildert, der wirklich jede Information kontrolliert. Das fängt mit der nahtlosen Zwei-Wege-Videoüberwachung aller Bürger an, und geht bis zu der Neuordnung und Simplifikation der Sprache, damit regimekritische Gedanken am Ende noch nicht einmal mehr gedacht werden können.

Neusprech haben unsere Politiker auch schon ganz gut drauf. Da wird aus verdachtsloser Überwachung der Onlineaktivitäten gerne mal die Vorrats- oder auch Massendatenspeicherung. Klingt ja auch gleich viel knackiger und harmloser. Aus Geheimzensur wird Zugangserschwerung und aus Unschuldigen werden „potentielle Gefährder“.

Auch die Presse haben unsere Volksvertreter ziemlich gut im Griff. Da ist dieser mit jenem bekannt oder verwandt, und kann schnell mal anrufen um einen Gefallen zu erbitten. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist einfach so.

Die rund-um-die-Uhr-Videoüberwachung haben wir zwar noch nicht, aber allein daß in meinem 6000-Seelen-Heimatdorf, wo eigentlich nie irgendwas passiert, mindestens 4 Videokameras öffentliche Plätze überwachen, spricht Bände. Videokameras in Privaträumen, die alles an das Innenministerium senden haben wir zwar noch nicht, aber dafür gibt es die Onlinedurchsuchung. Ist ja so ähnlich.
Eine Sache, die wichtig ist um absolute Kontrolle über das Volk zu haben, wird hier aber nie möglich sein:
Das ändern der Vergangenheit, wie durch die Revision aller Printwerke in 1984.

Das geht mit dem Internet nicht mehr. Selbst wenn man versucht einen kritischen Inhalt wieder aus dem Netz zu entfernen, hat er sich dank Streisand-Effekt schon tausendfach vermehrt. Wenn der Inhalt interessant ist. Und wenn die Zensoren ihn nicht zuerst finden.

Ebenso ist alles im Internet eigentlich unlöschbar. Und wenn man ändern will – sagen wir zum Beispiel indem man seinen Wikipediaartikel ein wenig schönt – dann wird dies bemerkt, und die Änderung kann rückgängig gemacht werden.
Wenn man nicht das Internet komplett abschalten will, was den Banken wohl den Rest geben würde, und den Rest des Landes komplett ins Chaos stürzen würde, kann man höchstens dafür sorgen, dass keiner mehr auf das Internet zugreifen kann. Auch das wäre fatal, denn für viele ist das Internet jetzt schon Pflicht. Die Umsatzsteuer von Betrieben geht zum Beispiel jeden Monat über das Netz raus. Ein Internetzugang ist mittlerweile so obligatorisch wie ein Bankkonto.

Es besteht also Hoffnung. Auch wenn die momentanen Volksvertreter kaum einen Sinn in der Online-Lebensweise sehen, sind doch auch sie auf das Netz angewiesen. Wir werden also weiterhin das Netz haben. Irgendwann wird es jeder so nutzen wie wir, und dann spätestens haben sich die Politiker wie sie heute sind überlebt. Ich hoffe, dass die nächste Generation ehrlicher ist, aber mit den Recherchemöglichkeiten die das Netz bietet, wird ihr kaum etwas anderes übrig bleiben.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches | Schlagwörter: , , , ,
Jun
24
2009
--

Zensurmusik

Tja, so ist es halt im Land der Dichter, und der Denker. Wenn irgendwas im argen liegt, dann wird getextet und komponiert. War schon beim Deutschlandlied nicht anders, und das ist heute unsere Hymne.

Hier Beispiele welche die aktuelle Zensur behandeln:

Zensi, Zensa Zensursula (Vorsicht! Sehr poppig und Ohrwurmgefahr!):

Und ein etwas rockigeres. Zensursula 2.0:

Written by Heiko C. in: Lustiges,Politisches | Schlagwörter:
Jun
24
2009
3

Willkommen im Land, das Verrückte macht…

Da in unserem Lande hauptsächlich Juristen das Sagen haben, muss man sich auch nicht wundern, wenn diese sich dann als Lösung für jedes Problem einfach neue Gesetze ausdenken. Der letzte Freitag hat das eindrucksvoll gezeigt, und spätestens heute hätte ich gedacht, schon alles zu dem Thema hier geschrieben zu haben, was mich so bewegt, aber es kommt immer eben anders als man denkt.
Nachdem ich die Ankündigung aus dem geleakten Programm der CDU gelesen habe, in der Raubkopierern das Internet „gekappt“ werden soll, dachte ich, das müsse nun die häßliche Spitze des Eisberges sein.
Aber nein. Nun fordert irgendjemand von der CDU, von dem vorher noch nie wer gehört hat, dass Internetangebote künftig auch eine Jugendschutzkennzeichnung haben müssen. Wenn „Internetangebote“ etwas so greifbares wären wie beispielsweise DVDs, dann wäre das vielleicht sogar eine gute Idee. Sind sie aber nicht, in so fern ist auch die Idee irgendwie beknackt.
Ich kann zwar mein Blog hier nocheinmal durchschauen, und dann sagen, dass es ab… 12 Jahren wäre, oder so… Aber was soll das bringen? Vor allen Dingen: Wenn jeder seinen Kram selbst einschätzen muss, dann sehe ich schon eine ungeahnte Abmahn- und Klagewelle über das Land rollen, in denen geschäftstüchtige Anwälte einem nachweisen wollen, dass man seine „Angebote“ falsch gekennzeichnet hätte.
Eine Alternative bringt der CDUler auch gleich mit:

«Deshalb ist es längst überfällig, die Anbieter in die Pflicht zu nehmen, ihre Angebote einzuschätzen oder von einer unabhängigen Stelle einschätzen zu lassen», verlangte Laschet.

Man soll also, wenn man seinen Blog oder seine Firmenwebseite online stellen will, zu einer „unabhängigen Stelle“ gehen? Und wer bezahlt deren Gutachten? Zensursula persönlich? Wohl eher nicht. Die Kosten werden am Anbieter hängen bleiben. Aber mit Sicht auf die scheinbar umfassenden Zensurbestrebungen der CDU scheint dies nur logisch: Wenn jemand schon kritisch über die Regierung schreiben will, dann kann die Regierung das dann wenigstens auch wieder teuer machen. Freie Meinungsäußerung vor einem großen Publikum wie hier im Netz ist ja auch viel zu billig heutzutage. Da können sich ja sogar die dummen Bauern in Nordfriesland beschweren, wenn ihre Gegend mit Klimakiller zugemüllt werden soll, schon klar.

Halten wir mal fest, welche Möglichkeiten die CDU sich gerade schaffen will bzw. gerade schafft, die nachher missbraucht werden können, um kritische Stimmen aus dem Internet zum Schweigen zu bringen:

1. Internetsperren unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Kinderpornographie – Das BKA kann im Prinzip alles sperren was es will, nur viermal im Jahr muss eine Stichprobe gemacht werden.
2. Onlinesucht mit Drogensucht gleichsetzen – Auf diesem Wege kann man Betreiber von politischen Blogs und Webseiten einfach so mir nichts dir nichts einweisen lassen.
3. Internetverbot für Raubkopierer – Auch das kann man auf alle anderen ausweiten. Man muss sich ja nur die entsprechenden digitalen Beweise fälschen, und schon bekommt man so jeden vom Netz.
4. Alterskennzeichnungspflicht für Webseiten – Die vermutlich das Betreiben von Internetangeboten insgesamt sehr teuer machen wird, und noch mehr Möglichkeiten bietet, das Netz zu sperren.

Und da soll man jetzt immer noch glauben, dass das alles Zufall ist? Langsam wird es echt gruselig, was die da so alles anstellen wollen.

Ach ja, bevor wieder dieses „Es gibt keine Alternative“ kommt: Die Eltern sollen ganz einfach auf ihre halslosen Ungeheuer besser aufpassen, dann wären plötzlich drei Viertel der heutigen Jugendschutzbestimmungen obsolet. Weder ist das Internet, noch die Regierung ein Babysitter. Was kommt als nächstes? Ein Nachtstillverbot für junge Mütter?

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In George Orwells Roman 1984 wird ein beispielloser Überwachungsstaat geschildert, der wirklich jede Information kontrolliert. Das fängt mit der nahtlosen Zwei-Wege-Videoüberwachung aller Bürger an, und geht bis zu der Neuordnung und Simplifikation der Sprache, damit regimekritische Gedanken am Ende noch nicht einmal mehr gedacht werden können.

Neusprech haben unsere Politiker auch schon ganz gut drauf. Da wird aus verdachtsloser Überwachung der Onlineaktivitäten gerne mal die Vorrats- oder auch Massendatenspeicherung. Klingt ja auch gleich viel knackiger und harmloser. Aus Geheimzensur wird Zugangserschwerung und aus Unschuldigen werden „potentielle Gefährder“.

Auch die Presse haben unsere Volksvertreter ziemlich gut im Griff. Da ist dieser mit jenem bekannt oder verwandt, und kann schnell mal anrufen um einen Gefallen zu erbitten. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist einfach so.

Die rund-um-die-Uhr-Videoüberwachung haben wir zwar noch nicht, aber allein daß in meinem 6000-Seelen-Heimatdorf, wo eigentlich nie irgendwas passiert, mindestens 4 Videokameras öffentliche Plätze überwachen, spricht Bände. Videokameras in Privaträumen, die alles an das Innenministerium senden haben wir zwar noch nicht, aber dafür gibt es die Onlinedurchsuchung. Ist ja so ähnlich.
Eine Sache, die wichtig ist um absolute Kontrolle über das Volk zu haben, wird hier aber nie möglich sein:
Das ändern der Vergangenheit, wie durch die Revision aller Printwerke in 1984.

Das geht mit dem Internet nicht mehr. Selbst wenn man versucht einen kritischen Inhalt wieder aus dem Netz zu entfernen, hat er sich dank Streisand-Effekt schon tausendfach vermehrt. Wenn der Inhalt interessant ist. Und wenn die Zensoren ihn nicht zuerst finden.

Ebenso ist alles im Internet eigentlich unlöschbar. Und wenn man ändern will – sagen wir zum Beispiel indem man seinen Wikipediaartikel ein wenig schönt – dann wird dies bemerkt, und die Änderung kann rückgängig gemacht werden.
Wenn man nicht das Internet komplett abschalten will, was den Banken wohl den Rest geben würde, und den Rest des Landes komplett ins Chaos stürzen würde, kann man höchstens dafür sorgen, dass keiner mehr auf das Internet zugreifen kann. Auch das wäre fatal, denn für viele ist das Internet jetzt schon Pflicht. Die Umsatzsteuer von Betrieben geht zum Beispiel jeden Monat über das Netz raus. Ein Internetzugang ist mittlerweile so obligatorisch wie ein Bankkonto.

Es besteht also Hoffnung. Auch wenn die momentanen Volksvertreter kaum einen Sinn in der Online-Lebensweise sehen, sind doch auch sie auf das Netz angewiesen. Wir werden also weiterhin das Netz haben. Irgendwann wird es jeder so nutzen wie wir, und dann spätestens haben sich die Politiker wie sie heute sind überlebt. Ich hoffe, dass die nächste Generation ehrlicher ist, aber mit den Recherchemöglichkeiten die das Netz bietet, wird ihr kaum etwas anderes übrig bleiben.

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Zensurmusik

Tja, so ist es halt im Land der Dichter, und der Denker. Wenn irgendwas im argen liegt, dann wird getextet und komponiert. War schon beim Deutschlandlied nicht anders, und das ist heute unsere Hymne.

Hier Beispiele welche die aktuelle Zensur behandeln:

Zensi, Zensa Zensursula (Vorsicht! Sehr poppig und Ohrwurmgefahr!):

Und ein etwas rockigeres. Zensursula 2.0:

Written by Heiko C. in: Lustiges,Politisches | Schlagwörter:
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Willkommen im Land, das Verrückte macht…

Da in unserem Lande hauptsächlich Juristen das Sagen haben, muss man sich auch nicht wundern, wenn diese sich dann als Lösung für jedes Problem einfach neue Gesetze ausdenken. Der letzte Freitag hat das eindrucksvoll gezeigt, und spätestens heute hätte ich gedacht, schon alles zu dem Thema hier geschrieben zu haben, was mich so bewegt, aber es kommt immer eben anders als man denkt.
Nachdem ich die Ankündigung aus dem geleakten Programm der CDU gelesen habe, in der Raubkopierern das Internet „gekappt“ werden soll, dachte ich, das müsse nun die häßliche Spitze des Eisberges sein.
Aber nein. Nun fordert irgendjemand von der CDU, von dem vorher noch nie wer gehört hat, dass Internetangebote künftig auch eine Jugendschutzkennzeichnung haben müssen. Wenn „Internetangebote“ etwas so greifbares wären wie beispielsweise DVDs, dann wäre das vielleicht sogar eine gute Idee. Sind sie aber nicht, in so fern ist auch die Idee irgendwie beknackt.
Ich kann zwar mein Blog hier nocheinmal durchschauen, und dann sagen, dass es ab… 12 Jahren wäre, oder so… Aber was soll das bringen? Vor allen Dingen: Wenn jeder seinen Kram selbst einschätzen muss, dann sehe ich schon eine ungeahnte Abmahn- und Klagewelle über das Land rollen, in denen geschäftstüchtige Anwälte einem nachweisen wollen, dass man seine „Angebote“ falsch gekennzeichnet hätte.
Eine Alternative bringt der CDUler auch gleich mit:

«Deshalb ist es längst überfällig, die Anbieter in die Pflicht zu nehmen, ihre Angebote einzuschätzen oder von einer unabhängigen Stelle einschätzen zu lassen», verlangte Laschet.

Man soll also, wenn man seinen Blog oder seine Firmenwebseite online stellen will, zu einer „unabhängigen Stelle“ gehen? Und wer bezahlt deren Gutachten? Zensursula persönlich? Wohl eher nicht. Die Kosten werden am Anbieter hängen bleiben. Aber mit Sicht auf die scheinbar umfassenden Zensurbestrebungen der CDU scheint dies nur logisch: Wenn jemand schon kritisch über die Regierung schreiben will, dann kann die Regierung das dann wenigstens auch wieder teuer machen. Freie Meinungsäußerung vor einem großen Publikum wie hier im Netz ist ja auch viel zu billig heutzutage. Da können sich ja sogar die dummen Bauern in Nordfriesland beschweren, wenn ihre Gegend mit Klimakiller zugemüllt werden soll, schon klar.

Halten wir mal fest, welche Möglichkeiten die CDU sich gerade schaffen will bzw. gerade schafft, die nachher missbraucht werden können, um kritische Stimmen aus dem Internet zum Schweigen zu bringen:

1. Internetsperren unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Kinderpornographie – Das BKA kann im Prinzip alles sperren was es will, nur viermal im Jahr muss eine Stichprobe gemacht werden.
2. Onlinesucht mit Drogensucht gleichsetzen – Auf diesem Wege kann man Betreiber von politischen Blogs und Webseiten einfach so mir nichts dir nichts einweisen lassen.
3. Internetverbot für Raubkopierer – Auch das kann man auf alle anderen ausweiten. Man muss sich ja nur die entsprechenden digitalen Beweise fälschen, und schon bekommt man so jeden vom Netz.
4. Alterskennzeichnungspflicht für Webseiten – Die vermutlich das Betreiben von Internetangeboten insgesamt sehr teuer machen wird, und noch mehr Möglichkeiten bietet, das Netz zu sperren.

Und da soll man jetzt immer noch glauben, dass das alles Zufall ist? Langsam wird es echt gruselig, was die da so alles anstellen wollen.

Ach ja, bevor wieder dieses „Es gibt keine Alternative“ kommt: Die Eltern sollen ganz einfach auf ihre halslosen Ungeheuer besser aufpassen, dann wären plötzlich drei Viertel der heutigen Jugendschutzbestimmungen obsolet. Weder ist das Internet, noch die Regierung ein Babysitter. Was kommt als nächstes? Ein Nachtstillverbot für junge Mütter?