Impactsuspect » 2009 » Mai
Mai
31
2009
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Wolfgang Schäuble: Retter des Datenschutzes

Ich weiß, der Artikel ist schon ein klein wenig älter, aber ich denke in Anbetracht des Superwahljahrs, Vorratsdatenspeicherung und der ganzen Zensurdebatten kann man ihn ruhig mal wieder rauskramen. Gefunden habe ich ihn, als ich auf der Seite des Innenministeriums nach „Datenschutz“ gesucht habe.

Im Internetauftritt des Innenministeriums steht dieser Artikel.

Es geht kurz um folgendes:

Für Peter Schaar ist der Staat eine Gefahr. Deshalb hat er ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Das Ende der Privatsphäre“ und warnt vor dem Weg Deutschlands in eine Überwachungsgesellschaft. Schaar, der nicht nur Autor, sondern als Bundesdatenschutzbeauftragter selbst Staatsbediensteter ist, skizziert eine Bedrohung der Bürger durch eine ständige und maßlose Überwachung der wachsenden Datenflut in der Informationsgesellschaft.

Nun hat der Verlag Herrn Schäuble zu einer Diskussionsrunde geladen, um für ordendlich Zoff in Beverly Hills zu sorgen, wie man so sagt.
Dann aber statt dessen sowas:

Doch das Kalkül ging nicht auf. Denn der Innenminister ist auch zuständig für den Datenschutz, und er nimmt diese Aufgabe durchaus ernst. In der Tat berge die rasante technologische Entwicklung manche Gefahr für den Datenschutz, sagte Schäuble. Deshalb begrüßte er das Buch Schaars als wichtigen Beitrag, diese Gefahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Nun könnte man sagen – wenn man böswillig wäre – dass sich Schäuble als amtierender Innenminister ja nicht offen gegen das GG stellen darf und deswegen sowas sagt.
Aber nein, es gibt eine logische Erklärung, die uns auch fürderhin von der Lauterkeit seiner Motive zu überzeugen weiß:

Allerdings zieht er andere Schlussfolgerungen als der Autor. Nicht der Staat sei die Gefahr für den Bürger, sondern deren Umgang mit den neuen Technologien. Viele Bürger gäben ihre Daten zum Beispiel beim Interneteinkauf freiwillig preis und gewährten Dritten auch andernorts ohne Not Einblick in ihre Privatsphäre. „Viele beklagen sich über die Verletzung von Datenschutzbestimmungen, telefonieren aber gleichzeitig in Gegenwart Fremder hemmungslos übers Handy“, sagte Schäuble. Deshalb gehe es ihm darum, das Bewusstsein für die daraus entstehenden Missbrauchsmöglichkeiten zu schärfen und eine neue Sensibilität für das Leben in der virtuellen Gesellschaft zu wecken.

Hervorhebung von mir.

Also darum das alles. Voratsdatenspeicherung, Terrordatei und Internetzensur… Das alles nur, damit wir nicht jedem Hansel unsere Daten geben und unsere Sinne für Datenschutz schärfen. Eigentlich ganz logisch, wenn man so drüber nachdenkt…

Danke Herr Schäuble! Man kann wohl mittlerweile sagen: Mission erfüllt! Danke für alles.

Ach ja: Sie können jetzt damit aufhören unsere Sinne zu schärfen.

Nachtrag 24. Juli 2009: Mittlerweile gibt es noch absurdere Aussagen und Rechtfertigungsversuche von Wolfgang Schäuble. Bei Netzpolitik werden sie angemessen kommentiert.

Mai
31
2009
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Internetzensur fordert erste Opfer

Die geplanten Netzsperren sind ja nur gegen Seiten mit Kinderpornographischen Inhalten geplant. Alle die der Bundesregierung den Wunsch nach baldiger Ausweitung der Sperrliste und den Wunsch der Zensur unterstellen, werden von Sprechern derselben Bundesregierung gerne „Verschwörungstheoretiker“ genannt.
Wenn ich jemandem 50 Cent schulde und er deswegen von mir einen unterschriebenen Blankoscheck fordert, bin ich dann ein Verschwörungstheoretiker, wenn ich seinen Motiven misstraue?
Dass die Bundesregierung gerne auch Satire vom Netz nehmen will, die sich gegen sie selbst richtet, dafür hat das Innenministerium in den letzten Tagen eindrückliche Hinweise geliefert.

Ich kann mir das so richtig vorstellen: Der Provider bekommt einen Brief vom Innenministerium, mit der „dringenden Bitte“ eine gewisse Seite sofort zu entfernen und dem Inhaber der Domain fristlos zu kündigen. Das ganze ohne richterlichen Beschluss, oder so. Einfach ganz informell, wie es scheint.

Auf einem juristischen Blog zeigt man sich auch ratlos.

Sicher der Bundesadler war auf einer der Seiten an prominenter Stelle zu sehen und für jemanden ohne jeglichen Sinn für Ironie und ohne Internetkenntnisse hätte die Seite wie die echte Seite des Innenministeriums wirken können. Aber schreibt man dem Inhaber der Seite dann nicht erst mal selbst und macht ihn darauf aufmerksam, dass er das Wappenrecht, oder sonst was, verletzt?

Und wenn die jetzt schon OHNE gesetzlichen Freibrief, alles klammheimlich sperren zu können, zu solchen Mitteln greifen, gibt es dann einen Grund der Bundesregierung beim Schutz unserer Grundrechte weiter zu trauen als man das Reichstagsgebäude werfen kann?

Mittlerweile ist die Seite wieder online, wohl eher weil die Ganze Sache sonst Wasser auf die Mühlen der Sperrengegner wäre. Hätte sich Schäuble früher überlegen können.
Der Betreiber der Seite hat nun auch einen blinkenden Disclaimer oben drauf gesetzt, damit kein Satire- und Internetignorant die Seite noch mal irrtümlich für die des Innenministeriums hält.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches,Technisches | Schlagwörter: , , ,
Mai
23
2009
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Wie RWE die Geest vollfurzen will.

Ich kann es immer noch nicht fassen, und alles was ich drüber lese ist nur geeignet einen weiter zu alarmieren. Die Geschichte mit dem See in Afrika ist eines, aber dann ist da auch immer noch die Gefahr, dass sich das CO2 im Grundwasser löst, und es für immer ungenießbar macht. Das gute Dreihardenwasser, eines der besten in ganz Deutschland, eines von den Leitunsgwässern mit Mineralwasserqualität, wäre dann nur noch eine ungenießbare Brühe.
Es ist für mich unfassbar, dass ausgerechnet eine Landesregierung unter Peter Harry, der ja immerhin gebürtiger Nordfriese ist, so ein unglaubliches Verbrechen an der Natur und den Menschen hier zulassen, und sogar über den Bund legalisieren will. Bzw. haben die ja schon. Schon ist von Enteignungen die Rede, von kurzen Fristen und all dem, wie man es aus dem Bergnbaurecht her kennt.
Alles soll ganz schnell passieren, damit der Widerstand keine Zeit hat sich rechtzeitig zu formieren. Aber so nicht! Leistet Widerstand gegen die Kohlelobby und ihre willigen Helfer in der Politik! In Dänemark hat es auch funktioniert.

Ich habe überdies bereits Peter Harry eine Email geschrieben, um ihn zu fragen was der Unsinn soll. Und bei RWE hab ich auch angefragt, was die sich eigentlich dabei denken. Bisher ist keine Antwort gekommen, obwohl ich sowieso nur mit einer standardisierten Antwort rechne.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches,Politisches | Schlagwörter: ,
Mai
22
2009
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Gott schuf das Land, der Friese die Küste. Wird sie nun vergiftet?

Ich hab gestern davon gehört, und finde das eine bodenlose Frechheit. Von Energiekonzernen erwartet man ja, dass sie ihren Mist einfach in die Landschaft pumpen wollen, aber dass die Bundes- und Landesregierung da mitmacht, ist ein starkes Stück. Immerhin sollte spätestens seit den 80ern der Umweltschutz in die Politik Einzug gehalten haben, selbst beim kompetenzbefreit wirkenden Verein, der unsere momentane Kanzlerin stellt. War sie nicht selbst mal Umweltministerin?
Aber ich schimpfe schon wieder wie ein Droschkenkutscher, ohne dass ihr Leser wisst, worum es eigentlich geht.
RWE will dieses Jahr noch Probebohungen bei mir um die Ecke in Nordfriesland machen, und dann im nächsten Jahr schon damit beginnen, den Dreck der aus Kohlekraftwerken kommt in unserer Gegend zu entsorgen. Einfach unterirdisch in die Landschaft pumpen, und das ganze nennt sich dann Endlager, wie es aussieht. Die ganze Technik, die dahinter steckt ist nicht nur umstritten, sie ist sogar noch nicht einmal erfunden, wie es scheint. Also erst mal das Gebiet „besetzen“, dass man auf Jahrhunderte verseuchen will, und dann schauen, wie genau man den Mist in die Marsch pumpt, was? Und die Politiker machen da mit? Obwohl keiner hier dieses Endlager haben will?
Was wird das? Ein neues Gorleben, oder was? Ein neues Asse? Bei uns vor der Haustüre?

Am tollsten find ich das noch:

Zitat jungewelt:
Vor allem zwei Gefahren gehen von den Pipelines und den Lagerstätten aus: Das Gas könnte doch noch in die Atmosphäre gelangt und dort das Klima verändert. Und es kann in höheren Konzentrationen Mensch und Tier ersticken. So etwas passiert allerdings nur, wenn die Quelle in einer Senke liegt und Windstille herrscht. Dann kann dort CO2, das schwerer als Luft ist, den lebenswichtigen Sauerstoff verdrängen.

Derlei Unfälle sind bereits bekannt. In Mönchengladbach hat sich 2008 ein entsprechender Unfall ereignet, bei dem es zum Glück keine Toten gab. In einer Fabrik waren größere Mengen Kohlendioxid aus einer Löschanlage ausgetreten. In der Nachbarschaft wurden daraufhin mehrere Anwohner ohnmächtig. Ein Rettungssanitäter mußte auf der Intensivstation behandelt werden. Weniger glimpflich kamen über tausend Menschen in Kamerun davon, als dort 1986 ein Vulkansee nach einem kleinen Erdbeben größere Mengen des Gases freisetzte.

Na super! Will man diese Gefahr einfach in Kauf nehmen? Ganz Nordfriesland ist eine einzige große Senke! Ist klar, dass man sich Nordfriesland aussucht: Immerhin wohnt hier kaum jemand. An den Rest Deutschlands kann RWE dann immer noch weiter schmutzige Kohle-Energie verkaufen, wenn wir alle von den Kölner Braunkohle Abgasen erstickt sind. Dass sie hier dann hier vielleicht eine in der Welt einmalige, weil selbstgemachte Kulturlandschaft und vermutlich auch noch den Nationalpark Wattenmeer verpesten, ist da wohl zweitrangig.

Sollen die ihren CO2 Scheiß doch in Köln lassen! Die können ihr CO2 doch einfach in die Kölner Kanalisation leiten. Ist doch schwerer als Luft, ist doch alles ganz sicher dann! Ähnlich wird ja auch von RWE für den Standort Nordfriesland argumentiert.

Nachtrag: Ein weiterer Link. Nicht nur der SSW hat nun protestiert, auch die Niebüller SPD. In Dänemark ist ein ähnliches Projekt aufgrund von großen Protesten nicht verwirklicht worden. Ich hoffe bei uns kommen sie auch noch zur Vernunft!

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,
Mai
20
2009
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Johannes Paul II. hat ja auch gerappt…

Argh! Was musste man sich in den letzten Tagen nicht für Schwachsinn anhören?! Painball-Verbot, Internetzensur, Umfrage-Angriff durch fundamentalreligiöse Lobbyorganisationen…

Und was muss ich heute lesen?
Benedikt XVI. ruft zur Missionierung des „digitalen Kontinents“ auf

Erst war das Netz ein Raum, dann wieder war es mit Printmedien vergleichbar und jetzt ist es plötzlich ein Kontinent… Was kommt als nächstes? Ich ahne schon zukünftige Kommentare wie „Das Internet wird keine chronische Krankheit bleiben!“ von irgendwelchen Hanseln aus der CDU. …oder aus der SPD. Frau Zypries weiß ja noch nicht mal was ein Browser ist. Ob sie wohl weiß mit welchem Betriebssystem ihr Computer läuft? Hm, na egal. Ich schweife ab.

In obig verlinktem Artikel jedenfalls, wird der Papst wie folgt zitiert:

Die neuen Techniken kommen dem Bedürfnis entgegen, miteinander in Kontakt zu treten; die Veränderungen seien bei den jungen Menschen der „digitalen Generation“ besonders deutlich, die „sich in einer digitalen Welt zu Hause fühlen“, während diese den Erwachsenen oft noch fremd erscheine.

Na ja. Im Falle, dass ich als „junger Mensch“ gelte, und mein Bruder auch… sowie mein 69 Jahre alter Vater…. stimmt das wohl irgendwie. Aber sich in „der digitalen Welt zu Hause fühlen“ ist nicht unbedingt eine Sache des Alters, eher eine des Interesses.

Na ja, dann redet der Papst darüber wie toll die neuen Medien sind, und äußert sich freundlich gegenüber sozialen Netzwerken, wenn ich das richtig verstehe.

Nun wird’s aber grenzwertig:

Wer für Produktion und Verbreitung von Inhalten in den neuen Medien verantwortlich sei, müsse „dem Respekt vor der Würde und dem Wert des Menschen verpflichtet“ sein.

Eines vorweg: Respekt vor der Würde und dem Wert des Menschen ist nie verkehrt. Aber ist nicht jeder der auch nur eine Homepage, einen Myspaceaccount oder sonst irgendwas im Netz hat, jemand der „für Produktion und Verbreitung von Inhalten“ verantwortlich ist? Ich meine, im Grunde genommen sind das alle, oder? Der Papst scheint nicht so richtig verstanden zu haben wie das Internet funktioniert. Jeder darf da veröffentlichen. Und die meisten tun es auch. Und selbst wenn man nur surft, sorgt man dank der wunderbaren Vorratsdatenspeicherung auch so für Inhalte, die sich dann die Provider und die freundlichen Herren von unseren verschiedenen Inlandsgeheimdiensten ansehen. Also jeder macht Inhalt.
Trotzdem ist die Forderung des Papstes nach Respekt vor Wert und Würde legitim.

Die jungen Katholiken ruft Benedikt XVI. auf, im Internet zu missionieren.

Nee, ne? AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH !!!!!

Da „die Verkündigung Christi in der Welt der neuen Technologien deren vertiefte Kenntnis für einen entsprechenden angemessenen Gebrauch“ voraussetze, komme diese Aufgabe für allen der „digitalen Generation“ zu: „Euch jungen Menschen, die ihr euch fast spontan im Einklang mit diesen neuen Mitteln der Kommunikation befindet, kommt in besonderer Weise die Aufgabe der Evangelisierung dieses ‚digitalen Kontinents‘ zu. Seid bereit, euch mit Begeisterung die Verkündigung des Evangeliums bei euren Altergenossen zur Aufgabe zu machen!“

Okay. Erst einmal glaube ich, dass mir schlecht wird. Aber ich reagiere nun mal so auf Missionare. Und plötzlich wirken die Worte des Papstes auch nicht mehr wirklich so modern und nachvollziehbar, wie noch im ersten Absatz. Er scheint zu denken, das Internet wäre eine Art „unentdecktes Land“, dass es zu bändigen und dessen Eingeborene es zu missionieren gelte.
In Anbetracht dessen was die letzten paar Male passiert ist, als die katholische Kirche die Eingeborenen von neuen Kontinenten zu missionieren versucht hat, halte ich diese vom Papst gebrauchte Metapher für gruselig.

Mai
20
2009
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Mai
19
2009
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Internetnutzer in Deutschland eine Minderheit? Nicht wahlrelevant?

Nicht nur der Chef der deutschen Kinderhilfe scheint das zu glauben. Auch die CDU/CSU, wie es scheint.

Und wie sehen die Zahlen aus?
82 Millionen Einwohner.

Etwa 60 Millionen potentielle Wähler.

Etwas über 40 Millionen Internetuser. (Zahlen von 2006. Ich denke heute werden es eher mehr sein.)

Eine Minderheit?
Ich weiß nicht, aber die Wähler der CDU werden wohl noch erheblich weniger zahlreich sein. Immer diese Minderheitenparteien.

Mai
19
2009
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Mann-O-meter, und da soll man jetzt den Überblick behalten…

Frau Familienministerin Ursula von der Leyen will dem BKA die Vollmacht geben im Netz zu sperren, was das BKA sperren will, ohne das wer kontrollieren kann, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Ist zwar gut gemeint, gegen Kinderpornos und so, bloss bringts nichts. Immerhin kann man jetzt schon solche Seiten löschen lassen, da die so gut wie überall verboten sind, und man ja offenbar weiß, wo die sind. Also nur eine Luftnummer, die allerdings eine bedenkliche Zensurstruktur im Internet vorbereiten könnte. Vielleicht auch nur ein Wahlkampfmanöver.

F. Heine startet eine Onlinepetiton gegen diese geplante undurchsichtige Sperrung.

Sehr schnell unterschreiben sehr viele diese Petition gegen Sperrung, und die Politik will erstmal nicht wahr haben, dass sie sich eigentlich nun ernsthaft mit dem Thema beschäftigen muss.

Frau Familienministerin Ursula von der Leyen und Herr zu Guttenberg sagen ein paar grob mißverständliche Sachen, und alle regen sich auf. Speziell weil von ihr alle Internetnutzer, und von ihm alle Mitzeichner der Petition irhetorisch n die Nähe der Kinderpornographen gerückt werden. Mittlerweile geht es etwas langsamer mit den Petitionsunterschriften voran, aber es geht stetig weiter.

Kinderhilfe will in Stadien Unterschriften für Frau von der Leyen ihr Gesetz sammeln, und drückt sich noch mißverständlicher und ärgerlicher aus.

Eltern in der IT-Branche unterstützen die Petition gegen das neue Gesetz, ebenso Menschen, die selbst mal missbraucht worden sind. Letztere werfen Frau von der Leyen vor, sie zu instrumentalisieren.

Kinderhilfe Wikipediaartikel wird von irgendjemandem „geschönt“. Grob vereinfacht wird alle Kritik an der Kinderhilfe entfernt, und statt dessen jede Menge Bla eingefügt.
Diese Änderung wird jedoch schnell erkannt, und rückgängig gemacht.

Kinderhilfe scheint vor einiger Zeit schon aus dem Spendenrat ausgeschlossen worden zu sein, und generell scheinen sie und ihre Motive umstritten zu sein. Die versuchte Änderung des Wikieintrags macht das noch mal so richtig bekannt.

Kinderhilfe behauptet Gegner der des Sperrengesetzes seien „gegen eine Sperrung von kinderpornographischen Inhalten“- das die Gegner des Gesetzes sogar für die Löschung solcher Inhalte ist, wird verschwiegen.

Kinderhilfe wird gehackt.

Kinderhilfe ist nun wieder da, und beschwert sich über eine Schmutzkampagne gegen sie. Ausserdem kommt sie mit einer Umfrage an, nach der 92 % der Deutschen für diese Internetsperren sind.
Die Unterstützer der Onlinepetition seien eine „gut organisierte Lobby, die nicht die Mehrheit der Bundesbürger wiederspiegelt“.

Blah!

Ich frage mich wie viele Leute die in der Umfrage befragt haben? Waren es mehr als 86296? So viele Mitzeichner hat die Petition nämlich gerade. Und fragen ob und wie suggestiv die Fragestellung war, darf man ja wohl auch, oder?

Trotzdem wird sich die Politik mit der Petition befassen müssen, immerhin haben diese nun schon fast zwei Mal so viele Leute unterschrieben, wie dafür nötig ist.

Und eine Petition ist noch was anderes als eine Umfrage. In der Umfrage wurden 100 bis eventuell 4000 Leute nach ihrer Meinung befragt, die aus Ja oder Nein bestehen kann. Im vorliegenden Fall waren es 1000 Leute, die an zwei Tagen per Telefon befragt wurden. Sie konnten für „Dafür“ oder „Dagegen“ stimmen.
In der Onlinepetition haben nun mehr als 1% aller Deutschen mit Namen und Adresse für ein Thema (bzw. gegen ein Gesetz) unterschrieben, das war ihnen sogar so wichtig aus dem Sessel und in die Puschen zu kommen.
Trotzdem wird mit allen populistischen Winkelzügen versucht bei der Masse diese Sperren beliebt zu machen. Anstatt mal die Seiten zu löschen. Man bekommt wirklich den Eindruck, es gehe gar nicht um die Kinder in dem Gesetzesvorschlag.

Dann nennt die Kinderhilfe die Unterstützer der Petition „Internetliebhaber“! Hallo! Das Internet ist bereits heute für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur in Deutschland unverzichtbar!
Vielleicht hätte es in den ausgehenden 80ern noch einen gewissen Sinn gehabt, aber das Wort „Internetliebhaber“ ist heute ungefähr genauso absurd wie „Strassenliebhaber“ oder „Telefonliebhaber“.

Nochmal zur Dimap Umfrage: Ich habe sie jetzt gefunden bei Dimap selbst, und wie nicht anders zu erwarten, ist sie so formuliert, dass sie in Hinblick auf die Petition kaum aussagekräftig ist.

So lautet die erste Frage, die 92 % mit „Dafür.“ beantworten:
„Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornographischen Inhalten. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme im Kampf gegen die Verbreitung solcher Bilder sind.“

Kritiker befürchten und zweifeln. Befürworter betonen. Weil die Befürworter wissen, dass sie recht haben? Wer keine Ahnung von der Materie hat, wie die meisten wohl, wird hier eindeutig subtil beeinflusst.
Das beste kommt aber noch:
„Sind sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten im Internet, oder dagegen?“

Wenn die Frage so gestellt wird, bin sogar ich dafür. Für EIN Gesetz, meinetwegen. Aber eben nicht für dieses. Diese Umfrage behandelt also gar nicht das aktuelle Gesetz der Frau von der Leyen mit seinen verfassungsrechtlichen Luftlöchern, sondern fragt hypothetisch, ob so ein Gesetz – irgendso ein Gesetz – zur Sperrung von Kinderpornographie her soll.
Irgendwie ist hier das Thema verfehlt, oder? Mich als Auftraggeber für die Umfrage würde das ja ärgern.

Okay, der zweite Teil der Umfrage lautet:
„Was für ein Internet bevorzugen Sie? Eines das völlig frei ist von staatlicher Kontrolle – und damit zum Beispiel kinderpornographische Darstellungen enthält – oder eines, in dem vom Staat bestimmte strafbare Inhalte auch kontrolliert und gesperrt werden können?“

Hier wird entgegen den Tatsachen suggeriert, denn strafbare Inhalte können nämlich bereits kontrolliert und sogar gelöscht werden. Allem anderen voran die Kinderpornographie, da die so gut wie überall verboten ist, zumindest jedoch in den Staaten wo die ganzen Server stehen. Die Frage gibt also die Alternative „So wie jetzt, also staatlich kontrolliert.“ oder „Jeder darf reinstellen was er will.“ Auch da wäre ich mit der Mehrheit, da ich ja gerade will, dass das Netz so bleibt wie es ist.
Ist diese merkwürdige Fragestellung, die so subtil am Thema vorbeigeht Absicht? Ein Schelm der böses dabei denkt.

Bessere Fragestellungen, die mehr Licht in die Angelegenheit gebracht hätten wären gewesen:
„Soll die Sperrung von internetseiten nur mit richterlichem Beschluss erfolgen können?“
„Soll der Zugang zu kinderpornographischen Inhalten nur ein wenig erschwert werden, oder sollen diese Inhalte gelöscht und deren Urheber strafrechtlich belangt werden?“

Oder wenn man so manipulativ fragt wie andere:

„Soll in Deutschland eine Zensur eingeführt werden, bei der niemand die Zensoren kontrolliert?“

Schön ist auch, dass in den Dimap Umfragen jeweils nur zwei Antworten vorgegeben zu seien scheinen. WIllkommen in Black&White-Land, wo man noch klar zwischen gut und böse unterscheiden kann. Einer pluralistischen Gesellschaft Rechnung tragen ist aber was anderes.
Ach ja, wenn einer von euch 1000 Öcken einem guten Zweck zukommen lassen kann, dann kann er ja eine der Alternativfragen bei Forsa in Auftrag geben. Die bieten relativ preiswert Umfragen an wie die von Dimap.

Nachtrag: Natürlich sind 80.000 nicht mehr als 1% der Deutschen. Vielmehr sind es mehr als 1 Promille. Aber, im Gegensatz zu manchen Politikern, hab ich kein Problem damit, Fehler einzugestehen. Auch nicht in einem Wahljahr.
Wir haben 82.099.232 Einwohner. (Quelle Wikipedia. Und das, obwohl ich dachte es wären nur noch 60 Millionen. Da hab ich wohl die Auswirkungen der Familienpolitik von Frau von der Leyen überschätzt) Die Petition haben jetzt 87.028 Leute unterschrieben. Das sind 1,06 Promille.
Aber, wenn mir das Gleichnis erlaubt ist, mit 1,06 Promille sollte man auch nicht mehr fahren. Schon gar nicht, wenn alle Experten davon abraten.

Noch ein Nachtrag (20.5.09): Wie ich jetzt gelesen habe, bin ich wohl nicht als einziger auf die Idee gekommen, dass man ja eine Gegenumfrage machen könnte. Heise Online zufolge hat Christian Bahls vom Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGIS) ebenfalls eine Umfrage bei dimap in Auftrag gegeben, bei der genau das Gegenteil herauskam. ^^

Mai
15
2009
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Von den Internetsperren von der Frau von der Leyen von der Bundesregierung…

Hier ein paar interessante Links:

http://www.heise.de/newsticker/Kinderschuetzer-fuer-schaerfere-Internetsperren–/meldung/137908

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,623125,00.html

http://www.gulli.com/news/internetsperren-tauss-greift-2009-05-14/

http://www.gulli.com/news/deutsche-kinderhilfe-motor-der-2009-05-15/

http://www.zeit.de/online/2009/08/internetsperren-leyen?page=1

Zitat Spiegel.de:

Man muss das übersetzen: Von der Leyen hält 20 Prozent der Nutzer des Internet für mögliche Pädokriminelle. Geht man davon aus, dass auch nur 50 Prozent der Bevölkerung Web-aktiv sind, redet man über mindestens 10 Prozent der Bundesbürger. Kein Wunder, dass von der Leyen einen „Massenmarkt“ für Bilder vergewaltigter Kinder und Babys im Web entdeckt.

Der Hammer! Schäuble, Zypries, zu Guttenberg und Frau von der Leyen. Haben die irgendeine Ahnung? Von Computern? Von Grundrechten? Vom Grundgesetz? Und das mit den 10 Prozent der Bundesbürger… ist das ernst gemeint? Oder hat der Dadaismus in die Politik Einzug gehalten?

Und von Publikumsbeleidigung hab ich schon gehört, aber Wählerbeleidigung? Hilft das in Wahlkampfzeiten? Immerhin mal eine frische neue Idee.
Was kommt als nächstes? Organisiert die Union demnächst große öffentliche Grundgesetzverbrennungen?

In Erwartung solcher oder ähnlicher Ereignisse hier spontan ein Merzgedicht an Frau von der Leyen. Die Dadaistin in ihr wird es zu schätzen wissen:

An Zensursula (frei nach Kurt Schwitters)

Oh Du, Gewählte von 35,2%, ich mag Dir nicht!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- Schäuble?
Das gehört beiläufig nicht hierher!
Wer bist Du, vollbegrinstes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen, wie du nicht weißt.
Du wickelst das Gesetz in einen Fisch und und trittst nach.
Um dich rum trittst Du.
Halloh, Deine schwarzen Kleider, in weiße Schnipsel zersägt,
Schwarz wundert sich Zensursula, Schwarz mag sie keiner.
Zu, Zeiner, Zich Zir, ich Zir, Zu mir, —– zu Guttenberg?
Das gehört beiläufig in die Wählergunst!
Zensursula, schwarze Zensursula, wie sagen die Leute?
Preisfrage:
1. Zensursula hat einen Problem,
2. Zensursula ist schwarz.
3. Welche Farbe hat der Problem?
Blau ist die Farbe Deines gelben Koalitionspartners in spe,
Purpurrot ist die Farbe Deiner grünen Opposition.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir… NICHT!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- Adenauer!
Das gehört beiläufig in die —- Glutenkiste.
Zensursula, Ursel, C—-D—-S—-U!
Ich schneide Deinen Namen.
Dein Name riecht wie Eisbein mit Sauerkraut.
Weißt Du es Zensursula, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten sehen.
Und Du, Du resistenteste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
Eindimensional.
Eisbeingeruch lässt mich aufstoßen.
Zensursula,
Du tropfes Tier,
Hinweg —- von —- hier!

Mai
14
2009
1

Statt der pluralistischen Gesellschaft eine gesellschaftliche Singularität

Paintball soll verboten werden. Beim Fechten und Schützensport redet niemand von einem Verbot. Beim Jagdsport auch nicht. In fremde Herren Länder zu gehen, und in echt und Farbe andere Menschen tot zu schießen ist auch nicht „sittenwidrig“. Alles klar.
Heute ist die Bundesregierung beim geplanten Paintballverbot zwar wieder zurückgerudert, aber nur „vorerst“, wie es hieß.

Computerspiele sollen verboten werden (nicht alle, aber die spannenden), im Fernsehen oder Kino beschwert sich niemand so sehr über „virtuelle Gewalt“, dass er ernsthaft ein Verbot fordern würde. Sicher, es gibt auch verbotene Filme, aber niemand würde Krimis oder Kriegsfilme ohne ansehen pauschal verbieten wollen. Bei Computerspielen reicht scheinbar ein Blick auf’s Cover: Da sind Soldaten drauf. Verbieten! Handlung ist egal. Überhaupt, haben solche Spiele mittlerweile eine Handlung? Ich kenn nur Pong. Nee, schon klar.

Hm. Was soll sonst noch alles verboten werden?
Tauschbörsen im Netz. Gut, ich weiß nicht, wie aktuell das ist, dass aber die Lobby der Musik- und Filmindustrie auf jeden Fall noch drauf schielt, ist klar.
Früher haben wir den aus dem Radio auf Kasette aufgenommenen Sampler doch auch Freunden kopiert. War das auch schon verboten? Und wenn man eine alte aufgenommene Kasette auf dem Flohmarkt gegen ein Matchboxauto getauscht hat, war das verboten? Und wenn nicht, was ist an Tauschbörsen so anders? Verdient da einer was dran?

Mir scheint es so, als wollen unsere Politiker, vornehmlich die der CDU/CSU und SPD, und wahrscheinlich auch die rechts von den beiden, einfach alles verbieten, was sie nicht kennen, und was ihnen suspekt vorkommt. Das war ja auch schon immer so.
Comics? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Fernsehen? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Metal? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Fantasy Rollenspiel? Kenn ich nicht, ist aber mit Teufeln. Verbieten!
Live Action Role Play? ERST RECHT VERBIETEN!
Paintball? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Die Herren Wiefelspütz und Bosbach müssen entweder eine tolle Kindheit und Jugend gehabt haben – ohne Handy, Paintball oder Internet – so dass sie diese auch anderen Menschen ermöglichen wollen, oder eine so miserable, dass sie anderen keine bessere gönnen. In keinem Fall ist es die Aufgabe der Politik nach eigenem Gutdünken harmlose Freizeitbeschäftigungen zu verbieten.

Vielleicht soll bloss auch wieder eine verbindliche „Leitkultur“ geschaffen werden. Alle Menschen sollen gleich werden, damit die Politik nur noch auf eine Zielgruppe Rücksicht nehmen muss. Von dieser genormten Freizeit der Menschen würde dann natürlich auch die Industrie profitieren. Wenn alle gleich sind, braucht man auch nicht mehr so viele Produkte herstellen, und kann die, die alle wollen entsprechend teurer machen.
Da fällt mir ein: Vorgestern habe ich Kledage eingekauft. Ich hab mir beim örtlichen Discounter zwei Hosen zum Kauf gewählt, und dann nach T-Shirts gesucht. Promt hatte ich auch welche gefunden. Hübsch in rot, und mit schwarzem Aufdruck. Eigentlich nicht so teuer mit 2.99 aber ich hab mir dann doch keins gekauft.
Warum? Ich hatte das sogenannte Volks-T-Shirt in der Hand, Produkt einer gemeinsamen Werbeaktion mit >>einem deutschen Boulevardblatt<<. Nee, das muss nicht sein. Da hab ich lieber ein teureres T-Shirt ohne Springerkontakte gekauft. Ich trag ja auch schließlich keine Springerstiefel.
Aber das nur am Rande.

Wenn die CDU weiter am Ruder bleibt, schreibt sie uns vielleicht sowieso irgendwann die T-Shirts vor, die wir tragen. Paintballer sollen auf jeden Fall in Zukunft an Kleidungsvorschriften gebunden sein. Wahrscheinlich um den Sport möglichst teuer zu machen.
Wer braucht schon Freiheit, wenn er Sicherheit hat. Die Sicherheit, dass einen die Regierung zu Dumpingpreisen an die Industrie verkauft.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,

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Mai
31
2009
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Wolfgang Schäuble: Retter des Datenschutzes

Ich weiß, der Artikel ist schon ein klein wenig älter, aber ich denke in Anbetracht des Superwahljahrs, Vorratsdatenspeicherung und der ganzen Zensurdebatten kann man ihn ruhig mal wieder rauskramen. Gefunden habe ich ihn, als ich auf der Seite des Innenministeriums nach „Datenschutz“ gesucht habe.

Im Internetauftritt des Innenministeriums steht dieser Artikel.

Es geht kurz um folgendes:

Für Peter Schaar ist der Staat eine Gefahr. Deshalb hat er ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Das Ende der Privatsphäre“ und warnt vor dem Weg Deutschlands in eine Überwachungsgesellschaft. Schaar, der nicht nur Autor, sondern als Bundesdatenschutzbeauftragter selbst Staatsbediensteter ist, skizziert eine Bedrohung der Bürger durch eine ständige und maßlose Überwachung der wachsenden Datenflut in der Informationsgesellschaft.

Nun hat der Verlag Herrn Schäuble zu einer Diskussionsrunde geladen, um für ordendlich Zoff in Beverly Hills zu sorgen, wie man so sagt.
Dann aber statt dessen sowas:

Doch das Kalkül ging nicht auf. Denn der Innenminister ist auch zuständig für den Datenschutz, und er nimmt diese Aufgabe durchaus ernst. In der Tat berge die rasante technologische Entwicklung manche Gefahr für den Datenschutz, sagte Schäuble. Deshalb begrüßte er das Buch Schaars als wichtigen Beitrag, diese Gefahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Nun könnte man sagen – wenn man böswillig wäre – dass sich Schäuble als amtierender Innenminister ja nicht offen gegen das GG stellen darf und deswegen sowas sagt.
Aber nein, es gibt eine logische Erklärung, die uns auch fürderhin von der Lauterkeit seiner Motive zu überzeugen weiß:

Allerdings zieht er andere Schlussfolgerungen als der Autor. Nicht der Staat sei die Gefahr für den Bürger, sondern deren Umgang mit den neuen Technologien. Viele Bürger gäben ihre Daten zum Beispiel beim Interneteinkauf freiwillig preis und gewährten Dritten auch andernorts ohne Not Einblick in ihre Privatsphäre. „Viele beklagen sich über die Verletzung von Datenschutzbestimmungen, telefonieren aber gleichzeitig in Gegenwart Fremder hemmungslos übers Handy“, sagte Schäuble. Deshalb gehe es ihm darum, das Bewusstsein für die daraus entstehenden Missbrauchsmöglichkeiten zu schärfen und eine neue Sensibilität für das Leben in der virtuellen Gesellschaft zu wecken.

Hervorhebung von mir.

Also darum das alles. Voratsdatenspeicherung, Terrordatei und Internetzensur… Das alles nur, damit wir nicht jedem Hansel unsere Daten geben und unsere Sinne für Datenschutz schärfen. Eigentlich ganz logisch, wenn man so drüber nachdenkt…

Danke Herr Schäuble! Man kann wohl mittlerweile sagen: Mission erfüllt! Danke für alles.

Ach ja: Sie können jetzt damit aufhören unsere Sinne zu schärfen.

Nachtrag 24. Juli 2009: Mittlerweile gibt es noch absurdere Aussagen und Rechtfertigungsversuche von Wolfgang Schäuble. Bei Netzpolitik werden sie angemessen kommentiert.

Mai
31
2009
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Internetzensur fordert erste Opfer

Die geplanten Netzsperren sind ja nur gegen Seiten mit Kinderpornographischen Inhalten geplant. Alle die der Bundesregierung den Wunsch nach baldiger Ausweitung der Sperrliste und den Wunsch der Zensur unterstellen, werden von Sprechern derselben Bundesregierung gerne „Verschwörungstheoretiker“ genannt.
Wenn ich jemandem 50 Cent schulde und er deswegen von mir einen unterschriebenen Blankoscheck fordert, bin ich dann ein Verschwörungstheoretiker, wenn ich seinen Motiven misstraue?
Dass die Bundesregierung gerne auch Satire vom Netz nehmen will, die sich gegen sie selbst richtet, dafür hat das Innenministerium in den letzten Tagen eindrückliche Hinweise geliefert.

Ich kann mir das so richtig vorstellen: Der Provider bekommt einen Brief vom Innenministerium, mit der „dringenden Bitte“ eine gewisse Seite sofort zu entfernen und dem Inhaber der Domain fristlos zu kündigen. Das ganze ohne richterlichen Beschluss, oder so. Einfach ganz informell, wie es scheint.

Auf einem juristischen Blog zeigt man sich auch ratlos.

Sicher der Bundesadler war auf einer der Seiten an prominenter Stelle zu sehen und für jemanden ohne jeglichen Sinn für Ironie und ohne Internetkenntnisse hätte die Seite wie die echte Seite des Innenministeriums wirken können. Aber schreibt man dem Inhaber der Seite dann nicht erst mal selbst und macht ihn darauf aufmerksam, dass er das Wappenrecht, oder sonst was, verletzt?

Und wenn die jetzt schon OHNE gesetzlichen Freibrief, alles klammheimlich sperren zu können, zu solchen Mitteln greifen, gibt es dann einen Grund der Bundesregierung beim Schutz unserer Grundrechte weiter zu trauen als man das Reichstagsgebäude werfen kann?

Mittlerweile ist die Seite wieder online, wohl eher weil die Ganze Sache sonst Wasser auf die Mühlen der Sperrengegner wäre. Hätte sich Schäuble früher überlegen können.
Der Betreiber der Seite hat nun auch einen blinkenden Disclaimer oben drauf gesetzt, damit kein Satire- und Internetignorant die Seite noch mal irrtümlich für die des Innenministeriums hält.

Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches,Politisches,Technisches | Schlagwörter: , , ,
Mai
23
2009
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Wie RWE die Geest vollfurzen will.

Ich kann es immer noch nicht fassen, und alles was ich drüber lese ist nur geeignet einen weiter zu alarmieren. Die Geschichte mit dem See in Afrika ist eines, aber dann ist da auch immer noch die Gefahr, dass sich das CO2 im Grundwasser löst, und es für immer ungenießbar macht. Das gute Dreihardenwasser, eines der besten in ganz Deutschland, eines von den Leitunsgwässern mit Mineralwasserqualität, wäre dann nur noch eine ungenießbare Brühe.
Es ist für mich unfassbar, dass ausgerechnet eine Landesregierung unter Peter Harry, der ja immerhin gebürtiger Nordfriese ist, so ein unglaubliches Verbrechen an der Natur und den Menschen hier zulassen, und sogar über den Bund legalisieren will. Bzw. haben die ja schon. Schon ist von Enteignungen die Rede, von kurzen Fristen und all dem, wie man es aus dem Bergnbaurecht her kennt.
Alles soll ganz schnell passieren, damit der Widerstand keine Zeit hat sich rechtzeitig zu formieren. Aber so nicht! Leistet Widerstand gegen die Kohlelobby und ihre willigen Helfer in der Politik! In Dänemark hat es auch funktioniert.

Ich habe überdies bereits Peter Harry eine Email geschrieben, um ihn zu fragen was der Unsinn soll. Und bei RWE hab ich auch angefragt, was die sich eigentlich dabei denken. Bisher ist keine Antwort gekommen, obwohl ich sowieso nur mit einer standardisierten Antwort rechne.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches,Politisches | Schlagwörter: ,
Mai
22
2009
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Gott schuf das Land, der Friese die Küste. Wird sie nun vergiftet?

Ich hab gestern davon gehört, und finde das eine bodenlose Frechheit. Von Energiekonzernen erwartet man ja, dass sie ihren Mist einfach in die Landschaft pumpen wollen, aber dass die Bundes- und Landesregierung da mitmacht, ist ein starkes Stück. Immerhin sollte spätestens seit den 80ern der Umweltschutz in die Politik Einzug gehalten haben, selbst beim kompetenzbefreit wirkenden Verein, der unsere momentane Kanzlerin stellt. War sie nicht selbst mal Umweltministerin?
Aber ich schimpfe schon wieder wie ein Droschkenkutscher, ohne dass ihr Leser wisst, worum es eigentlich geht.
RWE will dieses Jahr noch Probebohungen bei mir um die Ecke in Nordfriesland machen, und dann im nächsten Jahr schon damit beginnen, den Dreck der aus Kohlekraftwerken kommt in unserer Gegend zu entsorgen. Einfach unterirdisch in die Landschaft pumpen, und das ganze nennt sich dann Endlager, wie es aussieht. Die ganze Technik, die dahinter steckt ist nicht nur umstritten, sie ist sogar noch nicht einmal erfunden, wie es scheint. Also erst mal das Gebiet „besetzen“, dass man auf Jahrhunderte verseuchen will, und dann schauen, wie genau man den Mist in die Marsch pumpt, was? Und die Politiker machen da mit? Obwohl keiner hier dieses Endlager haben will?
Was wird das? Ein neues Gorleben, oder was? Ein neues Asse? Bei uns vor der Haustüre?

Am tollsten find ich das noch:

Zitat jungewelt:
Vor allem zwei Gefahren gehen von den Pipelines und den Lagerstätten aus: Das Gas könnte doch noch in die Atmosphäre gelangt und dort das Klima verändert. Und es kann in höheren Konzentrationen Mensch und Tier ersticken. So etwas passiert allerdings nur, wenn die Quelle in einer Senke liegt und Windstille herrscht. Dann kann dort CO2, das schwerer als Luft ist, den lebenswichtigen Sauerstoff verdrängen.

Derlei Unfälle sind bereits bekannt. In Mönchengladbach hat sich 2008 ein entsprechender Unfall ereignet, bei dem es zum Glück keine Toten gab. In einer Fabrik waren größere Mengen Kohlendioxid aus einer Löschanlage ausgetreten. In der Nachbarschaft wurden daraufhin mehrere Anwohner ohnmächtig. Ein Rettungssanitäter mußte auf der Intensivstation behandelt werden. Weniger glimpflich kamen über tausend Menschen in Kamerun davon, als dort 1986 ein Vulkansee nach einem kleinen Erdbeben größere Mengen des Gases freisetzte.

Na super! Will man diese Gefahr einfach in Kauf nehmen? Ganz Nordfriesland ist eine einzige große Senke! Ist klar, dass man sich Nordfriesland aussucht: Immerhin wohnt hier kaum jemand. An den Rest Deutschlands kann RWE dann immer noch weiter schmutzige Kohle-Energie verkaufen, wenn wir alle von den Kölner Braunkohle Abgasen erstickt sind. Dass sie hier dann hier vielleicht eine in der Welt einmalige, weil selbstgemachte Kulturlandschaft und vermutlich auch noch den Nationalpark Wattenmeer verpesten, ist da wohl zweitrangig.

Sollen die ihren CO2 Scheiß doch in Köln lassen! Die können ihr CO2 doch einfach in die Kölner Kanalisation leiten. Ist doch schwerer als Luft, ist doch alles ganz sicher dann! Ähnlich wird ja auch von RWE für den Standort Nordfriesland argumentiert.

Nachtrag: Ein weiterer Link. Nicht nur der SSW hat nun protestiert, auch die Niebüller SPD. In Dänemark ist ein ähnliches Projekt aufgrund von großen Protesten nicht verwirklicht worden. Ich hoffe bei uns kommen sie auch noch zur Vernunft!

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Friesisches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,
Mai
20
2009
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Johannes Paul II. hat ja auch gerappt…

Argh! Was musste man sich in den letzten Tagen nicht für Schwachsinn anhören?! Painball-Verbot, Internetzensur, Umfrage-Angriff durch fundamentalreligiöse Lobbyorganisationen…

Und was muss ich heute lesen?
Benedikt XVI. ruft zur Missionierung des „digitalen Kontinents“ auf

Erst war das Netz ein Raum, dann wieder war es mit Printmedien vergleichbar und jetzt ist es plötzlich ein Kontinent… Was kommt als nächstes? Ich ahne schon zukünftige Kommentare wie „Das Internet wird keine chronische Krankheit bleiben!“ von irgendwelchen Hanseln aus der CDU. …oder aus der SPD. Frau Zypries weiß ja noch nicht mal was ein Browser ist. Ob sie wohl weiß mit welchem Betriebssystem ihr Computer läuft? Hm, na egal. Ich schweife ab.

In obig verlinktem Artikel jedenfalls, wird der Papst wie folgt zitiert:

Die neuen Techniken kommen dem Bedürfnis entgegen, miteinander in Kontakt zu treten; die Veränderungen seien bei den jungen Menschen der „digitalen Generation“ besonders deutlich, die „sich in einer digitalen Welt zu Hause fühlen“, während diese den Erwachsenen oft noch fremd erscheine.

Na ja. Im Falle, dass ich als „junger Mensch“ gelte, und mein Bruder auch… sowie mein 69 Jahre alter Vater…. stimmt das wohl irgendwie. Aber sich in „der digitalen Welt zu Hause fühlen“ ist nicht unbedingt eine Sache des Alters, eher eine des Interesses.

Na ja, dann redet der Papst darüber wie toll die neuen Medien sind, und äußert sich freundlich gegenüber sozialen Netzwerken, wenn ich das richtig verstehe.

Nun wird’s aber grenzwertig:

Wer für Produktion und Verbreitung von Inhalten in den neuen Medien verantwortlich sei, müsse „dem Respekt vor der Würde und dem Wert des Menschen verpflichtet“ sein.

Eines vorweg: Respekt vor der Würde und dem Wert des Menschen ist nie verkehrt. Aber ist nicht jeder der auch nur eine Homepage, einen Myspaceaccount oder sonst irgendwas im Netz hat, jemand der „für Produktion und Verbreitung von Inhalten“ verantwortlich ist? Ich meine, im Grunde genommen sind das alle, oder? Der Papst scheint nicht so richtig verstanden zu haben wie das Internet funktioniert. Jeder darf da veröffentlichen. Und die meisten tun es auch. Und selbst wenn man nur surft, sorgt man dank der wunderbaren Vorratsdatenspeicherung auch so für Inhalte, die sich dann die Provider und die freundlichen Herren von unseren verschiedenen Inlandsgeheimdiensten ansehen. Also jeder macht Inhalt.
Trotzdem ist die Forderung des Papstes nach Respekt vor Wert und Würde legitim.

Die jungen Katholiken ruft Benedikt XVI. auf, im Internet zu missionieren.

Nee, ne? AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH !!!!!

Da „die Verkündigung Christi in der Welt der neuen Technologien deren vertiefte Kenntnis für einen entsprechenden angemessenen Gebrauch“ voraussetze, komme diese Aufgabe für allen der „digitalen Generation“ zu: „Euch jungen Menschen, die ihr euch fast spontan im Einklang mit diesen neuen Mitteln der Kommunikation befindet, kommt in besonderer Weise die Aufgabe der Evangelisierung dieses ‚digitalen Kontinents‘ zu. Seid bereit, euch mit Begeisterung die Verkündigung des Evangeliums bei euren Altergenossen zur Aufgabe zu machen!“

Okay. Erst einmal glaube ich, dass mir schlecht wird. Aber ich reagiere nun mal so auf Missionare. Und plötzlich wirken die Worte des Papstes auch nicht mehr wirklich so modern und nachvollziehbar, wie noch im ersten Absatz. Er scheint zu denken, das Internet wäre eine Art „unentdecktes Land“, dass es zu bändigen und dessen Eingeborene es zu missionieren gelte.
In Anbetracht dessen was die letzten paar Male passiert ist, als die katholische Kirche die Eingeborenen von neuen Kontinenten zu missionieren versucht hat, halte ich diese vom Papst gebrauchte Metapher für gruselig.

Mai
20
2009
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Protest gegen Internetsperren organisiert?

Kurz hier verlinkt.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Politisches,Technisches | Schlagwörter: , , ,
Mai
19
2009
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Internetnutzer in Deutschland eine Minderheit? Nicht wahlrelevant?

Nicht nur der Chef der deutschen Kinderhilfe scheint das zu glauben. Auch die CDU/CSU, wie es scheint.

Und wie sehen die Zahlen aus?
82 Millionen Einwohner.

Etwa 60 Millionen potentielle Wähler.

Etwas über 40 Millionen Internetuser. (Zahlen von 2006. Ich denke heute werden es eher mehr sein.)

Eine Minderheit?
Ich weiß nicht, aber die Wähler der CDU werden wohl noch erheblich weniger zahlreich sein. Immer diese Minderheitenparteien.

Mai
19
2009
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Mann-O-meter, und da soll man jetzt den Überblick behalten…

Frau Familienministerin Ursula von der Leyen will dem BKA die Vollmacht geben im Netz zu sperren, was das BKA sperren will, ohne das wer kontrollieren kann, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Ist zwar gut gemeint, gegen Kinderpornos und so, bloss bringts nichts. Immerhin kann man jetzt schon solche Seiten löschen lassen, da die so gut wie überall verboten sind, und man ja offenbar weiß, wo die sind. Also nur eine Luftnummer, die allerdings eine bedenkliche Zensurstruktur im Internet vorbereiten könnte. Vielleicht auch nur ein Wahlkampfmanöver.

F. Heine startet eine Onlinepetiton gegen diese geplante undurchsichtige Sperrung.

Sehr schnell unterschreiben sehr viele diese Petition gegen Sperrung, und die Politik will erstmal nicht wahr haben, dass sie sich eigentlich nun ernsthaft mit dem Thema beschäftigen muss.

Frau Familienministerin Ursula von der Leyen und Herr zu Guttenberg sagen ein paar grob mißverständliche Sachen, und alle regen sich auf. Speziell weil von ihr alle Internetnutzer, und von ihm alle Mitzeichner der Petition irhetorisch n die Nähe der Kinderpornographen gerückt werden. Mittlerweile geht es etwas langsamer mit den Petitionsunterschriften voran, aber es geht stetig weiter.

Kinderhilfe will in Stadien Unterschriften für Frau von der Leyen ihr Gesetz sammeln, und drückt sich noch mißverständlicher und ärgerlicher aus.

Eltern in der IT-Branche unterstützen die Petition gegen das neue Gesetz, ebenso Menschen, die selbst mal missbraucht worden sind. Letztere werfen Frau von der Leyen vor, sie zu instrumentalisieren.

Kinderhilfe Wikipediaartikel wird von irgendjemandem „geschönt“. Grob vereinfacht wird alle Kritik an der Kinderhilfe entfernt, und statt dessen jede Menge Bla eingefügt.
Diese Änderung wird jedoch schnell erkannt, und rückgängig gemacht.

Kinderhilfe scheint vor einiger Zeit schon aus dem Spendenrat ausgeschlossen worden zu sein, und generell scheinen sie und ihre Motive umstritten zu sein. Die versuchte Änderung des Wikieintrags macht das noch mal so richtig bekannt.

Kinderhilfe behauptet Gegner der des Sperrengesetzes seien „gegen eine Sperrung von kinderpornographischen Inhalten“- das die Gegner des Gesetzes sogar für die Löschung solcher Inhalte ist, wird verschwiegen.

Kinderhilfe wird gehackt.

Kinderhilfe ist nun wieder da, und beschwert sich über eine Schmutzkampagne gegen sie. Ausserdem kommt sie mit einer Umfrage an, nach der 92 % der Deutschen für diese Internetsperren sind.
Die Unterstützer der Onlinepetition seien eine „gut organisierte Lobby, die nicht die Mehrheit der Bundesbürger wiederspiegelt“.

Blah!

Ich frage mich wie viele Leute die in der Umfrage befragt haben? Waren es mehr als 86296? So viele Mitzeichner hat die Petition nämlich gerade. Und fragen ob und wie suggestiv die Fragestellung war, darf man ja wohl auch, oder?

Trotzdem wird sich die Politik mit der Petition befassen müssen, immerhin haben diese nun schon fast zwei Mal so viele Leute unterschrieben, wie dafür nötig ist.

Und eine Petition ist noch was anderes als eine Umfrage. In der Umfrage wurden 100 bis eventuell 4000 Leute nach ihrer Meinung befragt, die aus Ja oder Nein bestehen kann. Im vorliegenden Fall waren es 1000 Leute, die an zwei Tagen per Telefon befragt wurden. Sie konnten für „Dafür“ oder „Dagegen“ stimmen.
In der Onlinepetition haben nun mehr als 1% aller Deutschen mit Namen und Adresse für ein Thema (bzw. gegen ein Gesetz) unterschrieben, das war ihnen sogar so wichtig aus dem Sessel und in die Puschen zu kommen.
Trotzdem wird mit allen populistischen Winkelzügen versucht bei der Masse diese Sperren beliebt zu machen. Anstatt mal die Seiten zu löschen. Man bekommt wirklich den Eindruck, es gehe gar nicht um die Kinder in dem Gesetzesvorschlag.

Dann nennt die Kinderhilfe die Unterstützer der Petition „Internetliebhaber“! Hallo! Das Internet ist bereits heute für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur in Deutschland unverzichtbar!
Vielleicht hätte es in den ausgehenden 80ern noch einen gewissen Sinn gehabt, aber das Wort „Internetliebhaber“ ist heute ungefähr genauso absurd wie „Strassenliebhaber“ oder „Telefonliebhaber“.

Nochmal zur Dimap Umfrage: Ich habe sie jetzt gefunden bei Dimap selbst, und wie nicht anders zu erwarten, ist sie so formuliert, dass sie in Hinblick auf die Petition kaum aussagekräftig ist.

So lautet die erste Frage, die 92 % mit „Dafür.“ beantworten:
„Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornographischen Inhalten. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme im Kampf gegen die Verbreitung solcher Bilder sind.“

Kritiker befürchten und zweifeln. Befürworter betonen. Weil die Befürworter wissen, dass sie recht haben? Wer keine Ahnung von der Materie hat, wie die meisten wohl, wird hier eindeutig subtil beeinflusst.
Das beste kommt aber noch:
„Sind sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornographischer Seiten im Internet, oder dagegen?“

Wenn die Frage so gestellt wird, bin sogar ich dafür. Für EIN Gesetz, meinetwegen. Aber eben nicht für dieses. Diese Umfrage behandelt also gar nicht das aktuelle Gesetz der Frau von der Leyen mit seinen verfassungsrechtlichen Luftlöchern, sondern fragt hypothetisch, ob so ein Gesetz – irgendso ein Gesetz – zur Sperrung von Kinderpornographie her soll.
Irgendwie ist hier das Thema verfehlt, oder? Mich als Auftraggeber für die Umfrage würde das ja ärgern.

Okay, der zweite Teil der Umfrage lautet:
„Was für ein Internet bevorzugen Sie? Eines das völlig frei ist von staatlicher Kontrolle – und damit zum Beispiel kinderpornographische Darstellungen enthält – oder eines, in dem vom Staat bestimmte strafbare Inhalte auch kontrolliert und gesperrt werden können?“

Hier wird entgegen den Tatsachen suggeriert, denn strafbare Inhalte können nämlich bereits kontrolliert und sogar gelöscht werden. Allem anderen voran die Kinderpornographie, da die so gut wie überall verboten ist, zumindest jedoch in den Staaten wo die ganzen Server stehen. Die Frage gibt also die Alternative „So wie jetzt, also staatlich kontrolliert.“ oder „Jeder darf reinstellen was er will.“ Auch da wäre ich mit der Mehrheit, da ich ja gerade will, dass das Netz so bleibt wie es ist.
Ist diese merkwürdige Fragestellung, die so subtil am Thema vorbeigeht Absicht? Ein Schelm der böses dabei denkt.

Bessere Fragestellungen, die mehr Licht in die Angelegenheit gebracht hätten wären gewesen:
„Soll die Sperrung von internetseiten nur mit richterlichem Beschluss erfolgen können?“
„Soll der Zugang zu kinderpornographischen Inhalten nur ein wenig erschwert werden, oder sollen diese Inhalte gelöscht und deren Urheber strafrechtlich belangt werden?“

Oder wenn man so manipulativ fragt wie andere:

„Soll in Deutschland eine Zensur eingeführt werden, bei der niemand die Zensoren kontrolliert?“

Schön ist auch, dass in den Dimap Umfragen jeweils nur zwei Antworten vorgegeben zu seien scheinen. WIllkommen in Black&White-Land, wo man noch klar zwischen gut und böse unterscheiden kann. Einer pluralistischen Gesellschaft Rechnung tragen ist aber was anderes.
Ach ja, wenn einer von euch 1000 Öcken einem guten Zweck zukommen lassen kann, dann kann er ja eine der Alternativfragen bei Forsa in Auftrag geben. Die bieten relativ preiswert Umfragen an wie die von Dimap.

Nachtrag: Natürlich sind 80.000 nicht mehr als 1% der Deutschen. Vielmehr sind es mehr als 1 Promille. Aber, im Gegensatz zu manchen Politikern, hab ich kein Problem damit, Fehler einzugestehen. Auch nicht in einem Wahljahr.
Wir haben 82.099.232 Einwohner. (Quelle Wikipedia. Und das, obwohl ich dachte es wären nur noch 60 Millionen. Da hab ich wohl die Auswirkungen der Familienpolitik von Frau von der Leyen überschätzt) Die Petition haben jetzt 87.028 Leute unterschrieben. Das sind 1,06 Promille.
Aber, wenn mir das Gleichnis erlaubt ist, mit 1,06 Promille sollte man auch nicht mehr fahren. Schon gar nicht, wenn alle Experten davon abraten.

Noch ein Nachtrag (20.5.09): Wie ich jetzt gelesen habe, bin ich wohl nicht als einziger auf die Idee gekommen, dass man ja eine Gegenumfrage machen könnte. Heise Online zufolge hat Christian Bahls vom Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGIS) ebenfalls eine Umfrage bei dimap in Auftrag gegeben, bei der genau das Gegenteil herauskam. ^^

Mai
15
2009
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Von den Internetsperren von der Frau von der Leyen von der Bundesregierung…

Hier ein paar interessante Links:

http://www.heise.de/newsticker/Kinderschuetzer-fuer-schaerfere-Internetsperren–/meldung/137908

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,623125,00.html

http://www.gulli.com/news/internetsperren-tauss-greift-2009-05-14/

http://www.gulli.com/news/deutsche-kinderhilfe-motor-der-2009-05-15/

http://www.zeit.de/online/2009/08/internetsperren-leyen?page=1

Zitat Spiegel.de:

Man muss das übersetzen: Von der Leyen hält 20 Prozent der Nutzer des Internet für mögliche Pädokriminelle. Geht man davon aus, dass auch nur 50 Prozent der Bevölkerung Web-aktiv sind, redet man über mindestens 10 Prozent der Bundesbürger. Kein Wunder, dass von der Leyen einen „Massenmarkt“ für Bilder vergewaltigter Kinder und Babys im Web entdeckt.

Der Hammer! Schäuble, Zypries, zu Guttenberg und Frau von der Leyen. Haben die irgendeine Ahnung? Von Computern? Von Grundrechten? Vom Grundgesetz? Und das mit den 10 Prozent der Bundesbürger… ist das ernst gemeint? Oder hat der Dadaismus in die Politik Einzug gehalten?

Und von Publikumsbeleidigung hab ich schon gehört, aber Wählerbeleidigung? Hilft das in Wahlkampfzeiten? Immerhin mal eine frische neue Idee.
Was kommt als nächstes? Organisiert die Union demnächst große öffentliche Grundgesetzverbrennungen?

In Erwartung solcher oder ähnlicher Ereignisse hier spontan ein Merzgedicht an Frau von der Leyen. Die Dadaistin in ihr wird es zu schätzen wissen:

An Zensursula (frei nach Kurt Schwitters)

Oh Du, Gewählte von 35,2%, ich mag Dir nicht!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- Schäuble?
Das gehört beiläufig nicht hierher!
Wer bist Du, vollbegrinstes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen, wie du nicht weißt.
Du wickelst das Gesetz in einen Fisch und und trittst nach.
Um dich rum trittst Du.
Halloh, Deine schwarzen Kleider, in weiße Schnipsel zersägt,
Schwarz wundert sich Zensursula, Schwarz mag sie keiner.
Zu, Zeiner, Zich Zir, ich Zir, Zu mir, —– zu Guttenberg?
Das gehört beiläufig in die Wählergunst!
Zensursula, schwarze Zensursula, wie sagen die Leute?
Preisfrage:
1. Zensursula hat einen Problem,
2. Zensursula ist schwarz.
3. Welche Farbe hat der Problem?
Blau ist die Farbe Deines gelben Koalitionspartners in spe,
Purpurrot ist die Farbe Deiner grünen Opposition.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir… NICHT!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- Adenauer!
Das gehört beiläufig in die —- Glutenkiste.
Zensursula, Ursel, C—-D—-S—-U!
Ich schneide Deinen Namen.
Dein Name riecht wie Eisbein mit Sauerkraut.
Weißt Du es Zensursula, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten sehen.
Und Du, Du resistenteste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
Eindimensional.
Eisbeingeruch lässt mich aufstoßen.
Zensursula,
Du tropfes Tier,
Hinweg —- von —- hier!

Mai
14
2009
1

Statt der pluralistischen Gesellschaft eine gesellschaftliche Singularität

Paintball soll verboten werden. Beim Fechten und Schützensport redet niemand von einem Verbot. Beim Jagdsport auch nicht. In fremde Herren Länder zu gehen, und in echt und Farbe andere Menschen tot zu schießen ist auch nicht „sittenwidrig“. Alles klar.
Heute ist die Bundesregierung beim geplanten Paintballverbot zwar wieder zurückgerudert, aber nur „vorerst“, wie es hieß.

Computerspiele sollen verboten werden (nicht alle, aber die spannenden), im Fernsehen oder Kino beschwert sich niemand so sehr über „virtuelle Gewalt“, dass er ernsthaft ein Verbot fordern würde. Sicher, es gibt auch verbotene Filme, aber niemand würde Krimis oder Kriegsfilme ohne ansehen pauschal verbieten wollen. Bei Computerspielen reicht scheinbar ein Blick auf’s Cover: Da sind Soldaten drauf. Verbieten! Handlung ist egal. Überhaupt, haben solche Spiele mittlerweile eine Handlung? Ich kenn nur Pong. Nee, schon klar.

Hm. Was soll sonst noch alles verboten werden?
Tauschbörsen im Netz. Gut, ich weiß nicht, wie aktuell das ist, dass aber die Lobby der Musik- und Filmindustrie auf jeden Fall noch drauf schielt, ist klar.
Früher haben wir den aus dem Radio auf Kasette aufgenommenen Sampler doch auch Freunden kopiert. War das auch schon verboten? Und wenn man eine alte aufgenommene Kasette auf dem Flohmarkt gegen ein Matchboxauto getauscht hat, war das verboten? Und wenn nicht, was ist an Tauschbörsen so anders? Verdient da einer was dran?

Mir scheint es so, als wollen unsere Politiker, vornehmlich die der CDU/CSU und SPD, und wahrscheinlich auch die rechts von den beiden, einfach alles verbieten, was sie nicht kennen, und was ihnen suspekt vorkommt. Das war ja auch schon immer so.
Comics? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Fernsehen? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Metal? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Fantasy Rollenspiel? Kenn ich nicht, ist aber mit Teufeln. Verbieten!
Live Action Role Play? ERST RECHT VERBIETEN!
Paintball? Kenn ich nicht, kann nicht gut sein. Verbieten!
Die Herren Wiefelspütz und Bosbach müssen entweder eine tolle Kindheit und Jugend gehabt haben – ohne Handy, Paintball oder Internet – so dass sie diese auch anderen Menschen ermöglichen wollen, oder eine so miserable, dass sie anderen keine bessere gönnen. In keinem Fall ist es die Aufgabe der Politik nach eigenem Gutdünken harmlose Freizeitbeschäftigungen zu verbieten.

Vielleicht soll bloss auch wieder eine verbindliche „Leitkultur“ geschaffen werden. Alle Menschen sollen gleich werden, damit die Politik nur noch auf eine Zielgruppe Rücksicht nehmen muss. Von dieser genormten Freizeit der Menschen würde dann natürlich auch die Industrie profitieren. Wenn alle gleich sind, braucht man auch nicht mehr so viele Produkte herstellen, und kann die, die alle wollen entsprechend teurer machen.
Da fällt mir ein: Vorgestern habe ich Kledage eingekauft. Ich hab mir beim örtlichen Discounter zwei Hosen zum Kauf gewählt, und dann nach T-Shirts gesucht. Promt hatte ich auch welche gefunden. Hübsch in rot, und mit schwarzem Aufdruck. Eigentlich nicht so teuer mit 2.99 aber ich hab mir dann doch keins gekauft.
Warum? Ich hatte das sogenannte Volks-T-Shirt in der Hand, Produkt einer gemeinsamen Werbeaktion mit >>einem deutschen Boulevardblatt<<. Nee, das muss nicht sein. Da hab ich lieber ein teureres T-Shirt ohne Springerkontakte gekauft. Ich trag ja auch schließlich keine Springerstiefel.
Aber das nur am Rande.

Wenn die CDU weiter am Ruder bleibt, schreibt sie uns vielleicht sowieso irgendwann die T-Shirts vor, die wir tragen. Paintballer sollen auf jeden Fall in Zukunft an Kleidungsvorschriften gebunden sein. Wahrscheinlich um den Sport möglichst teuer zu machen.
Wer braucht schon Freiheit, wenn er Sicherheit hat. Die Sicherheit, dass einen die Regierung zu Dumpingpreisen an die Industrie verkauft.

Written by Heiko C. in: Dreistigkeiten,Gesellschaftliches,Gruseliges,Politisches | Schlagwörter: ,