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Aug
09
2008
--

Deine Zwiebeln im Schrank, die ich gestern noch fand…

…hat die Reinigungsfachkraft mitgenommen. Turaluralulei.

Wenn in einem Appartement, dass unsere Putzfrauen reinigen etwas liegen bleibt, so gebe ich es normalerweise beim Vermieter ab, damit er es nachschickt.
Das gilt jedoch nicht für leicht verderbliche Waren, die die Putzfrauen dann unter sich aufteilen können.
Was mir schon seit Jahren auffällt ist, daß in so gut wie jedem zweiten Appartement ein Netz Küchenzwiebeln liegen bleibt.

Üblicherweise noch nicht einmal angebrochen. Wie kommt es dazu?
Was treibt junge, wohlbetuchte Sylt-Urlauber (oder nicht mehr ganz so junge, je nachdem) dazu, als erstes ein Netz Küchenzwiebeln zu kaufen, wenn sie auf der Insel anreisen.
Endlich angekommen nach 18 Stunden Autofahrt, und etwa einer Stunde auf dem Autozug. Koffer ins Appartement, kurz verschnaufen… und dann? Zwiebeln kaufen. Warum?
Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ehemann: Endlich da. Mann, die fahren hier ja echt seltsam… Und die ganzen Baustellen hier… (Setzt sich hin, legt die Füße hoch) Puh!

Ehefrau: Schatzi?

Ehemann: Ja?

Ehefrau:
Gehst du noch schnell Zwiebeln kaufen?

Ehemann: Was??

Ehefrau: Küchenzwiebeln. Die brauch ich ganz dringend. Ein Netz sollte reichen.

Ehemann:
Muss das jetzt sein?

Ehefrau:
Ach bitte. Ich will mir eine Tütensuppe machen.

Ehemann:
Und da brauchst du Zwiebeln?

Ehefrau:
Ja.

Ehemann:
Warum?

Ehefrau:
Sie geben mir einfach ein sicheres Gefühl wenn ich koche.

Ehemann:
Hättest du die dann nicht mitnehmen können von zuhause?

Ehefrau: Zwiebeln den ganzen Weg über im Auto lassen? Spinnst du?

Ich stell mir das wenigstens so, oder so ähnlich, vor.
Manchmal hat man jedoch auch mehr Glück, und etwas nützlicheres bleibt liegen. Etwas zumindest, was nützlicher ist als all die Zwiebeln, für deren Lagerung so manche Reinigungsfrau schon einen Extra Raum zuhause hat.
Tütensuppen bleiben gerne liegen, auch Senf oder ähnliches. Gerne auch ein Johgurt, dieser jedoch meist schon abgelaufen, und manchmal sind sogar ein paar Eis am Stiel im Eisfach.
Neulich fand ich in einem Appartement, dass ich ausnahmsweise mal alleine machte, die Überreste eines mehrtägigen Saufgelages. Es fanden sich 10 leere Flaschen Gin, eine Kiste Tonicwater voll leerer Flaschen, und ein Kühlschrank voller voller Bierflaschen. Nach dem ersten Ärger, dass es hier doch mal wieder länger dauert, packte ich den Krempel ins Auto, und fing an die Küche aufzuräumen.
Auf dem Herd stand noch ein Topf mit Würstchen, im Kühlschrank fanden sich hinter dem Bier noch eine halb leere Packung Hot-Dog-Brötchen, Senf, Remouladensoße und Ketchup. Im Bad(!) standen zwei Packungen Röstzwiebeln. Eine davon noch originalverschweißt.
Nachdem ich die Würstchen entsorgt hatte, und mich noch darüber wunderte, dass kein leeres Glas Gewürzgurken zu finden war – die gehören nämlich zu einem Hotdog – begann ich mich nicht minder darüber zu wundern, wer wohl hier Urlaub gemacht hatte, und vor allem: wie.
Wie muß man sich den Dialog vorstellen, der zu diesem Schlachtfeld geführt hatte?

Freund1:
Hey, weißt, was mir mal wieder mach’n sollt’n?

Freund2:
Nö.

Freund1:
Nach Sylt fahren!

Freund2:
Und dann?

Freund1:
Mach’n wir uns ein paar schöne Tag‘ mit Hot Dogs und Gin Tonic!

Freund2:
Cool!

Vielleicht verpass ich da ja was, aber ich sehe nicht ein, warum man für eine Gin tonic Sauftour mit Hot Dogs sich unbedingt Sylt aussuchen sollte?!?! Ein neuer Trend?
Vielleicht. In einem vierteljahr gibt es wahrscheinlich einen Schlager über eben diesen:

Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
So frei hab ich mich nie wieder gefühlt.
Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
haben meinen Magen gefüllt.

Der Sylter Strand
ist wohlbekannt
doch nur die Weisen wissen
vom Sylter Land
und seinem Sand
werd nur Hot Dogs und Gin Tonic ich vermissen

Oder so ähnlich. Über andere Sylter Trends gibt es schon ähnlich kunstvolle Schlager.
Das Leben ist manchmal sehr rätselhaft.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches,Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,

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Aug
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Deine Zwiebeln im Schrank, die ich gestern noch fand…

…hat die Reinigungsfachkraft mitgenommen. Turaluralulei.

Wenn in einem Appartement, dass unsere Putzfrauen reinigen etwas liegen bleibt, so gebe ich es normalerweise beim Vermieter ab, damit er es nachschickt.
Das gilt jedoch nicht für leicht verderbliche Waren, die die Putzfrauen dann unter sich aufteilen können.
Was mir schon seit Jahren auffällt ist, daß in so gut wie jedem zweiten Appartement ein Netz Küchenzwiebeln liegen bleibt.

Üblicherweise noch nicht einmal angebrochen. Wie kommt es dazu?
Was treibt junge, wohlbetuchte Sylt-Urlauber (oder nicht mehr ganz so junge, je nachdem) dazu, als erstes ein Netz Küchenzwiebeln zu kaufen, wenn sie auf der Insel anreisen.
Endlich angekommen nach 18 Stunden Autofahrt, und etwa einer Stunde auf dem Autozug. Koffer ins Appartement, kurz verschnaufen… und dann? Zwiebeln kaufen. Warum?
Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ehemann: Endlich da. Mann, die fahren hier ja echt seltsam… Und die ganzen Baustellen hier… (Setzt sich hin, legt die Füße hoch) Puh!

Ehefrau: Schatzi?

Ehemann: Ja?

Ehefrau:
Gehst du noch schnell Zwiebeln kaufen?

Ehemann: Was??

Ehefrau: Küchenzwiebeln. Die brauch ich ganz dringend. Ein Netz sollte reichen.

Ehemann:
Muss das jetzt sein?

Ehefrau:
Ach bitte. Ich will mir eine Tütensuppe machen.

Ehemann:
Und da brauchst du Zwiebeln?

Ehefrau:
Ja.

Ehemann:
Warum?

Ehefrau:
Sie geben mir einfach ein sicheres Gefühl wenn ich koche.

Ehemann:
Hättest du die dann nicht mitnehmen können von zuhause?

Ehefrau: Zwiebeln den ganzen Weg über im Auto lassen? Spinnst du?

Ich stell mir das wenigstens so, oder so ähnlich, vor.
Manchmal hat man jedoch auch mehr Glück, und etwas nützlicheres bleibt liegen. Etwas zumindest, was nützlicher ist als all die Zwiebeln, für deren Lagerung so manche Reinigungsfrau schon einen Extra Raum zuhause hat.
Tütensuppen bleiben gerne liegen, auch Senf oder ähnliches. Gerne auch ein Johgurt, dieser jedoch meist schon abgelaufen, und manchmal sind sogar ein paar Eis am Stiel im Eisfach.
Neulich fand ich in einem Appartement, dass ich ausnahmsweise mal alleine machte, die Überreste eines mehrtägigen Saufgelages. Es fanden sich 10 leere Flaschen Gin, eine Kiste Tonicwater voll leerer Flaschen, und ein Kühlschrank voller voller Bierflaschen. Nach dem ersten Ärger, dass es hier doch mal wieder länger dauert, packte ich den Krempel ins Auto, und fing an die Küche aufzuräumen.
Auf dem Herd stand noch ein Topf mit Würstchen, im Kühlschrank fanden sich hinter dem Bier noch eine halb leere Packung Hot-Dog-Brötchen, Senf, Remouladensoße und Ketchup. Im Bad(!) standen zwei Packungen Röstzwiebeln. Eine davon noch originalverschweißt.
Nachdem ich die Würstchen entsorgt hatte, und mich noch darüber wunderte, dass kein leeres Glas Gewürzgurken zu finden war – die gehören nämlich zu einem Hotdog – begann ich mich nicht minder darüber zu wundern, wer wohl hier Urlaub gemacht hatte, und vor allem: wie.
Wie muß man sich den Dialog vorstellen, der zu diesem Schlachtfeld geführt hatte?

Freund1:
Hey, weißt, was mir mal wieder mach’n sollt’n?

Freund2:
Nö.

Freund1:
Nach Sylt fahren!

Freund2:
Und dann?

Freund1:
Mach’n wir uns ein paar schöne Tag‘ mit Hot Dogs und Gin Tonic!

Freund2:
Cool!

Vielleicht verpass ich da ja was, aber ich sehe nicht ein, warum man für eine Gin tonic Sauftour mit Hot Dogs sich unbedingt Sylt aussuchen sollte?!?! Ein neuer Trend?
Vielleicht. In einem vierteljahr gibt es wahrscheinlich einen Schlager über eben diesen:

Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
So frei hab ich mich nie wieder gefühlt.
Gin Tonic und Hot Dogs auf Sylt,
haben meinen Magen gefüllt.

Der Sylter Strand
ist wohlbekannt
doch nur die Weisen wissen
vom Sylter Land
und seinem Sand
werd nur Hot Dogs und Gin Tonic ich vermissen

Oder so ähnlich. Über andere Sylter Trends gibt es schon ähnlich kunstvolle Schlager.
Das Leben ist manchmal sehr rätselhaft.

Written by Heiko C. in: Friesisches,Psychologisches,Zwischenmenschliches | Schlagwörter: ,