Mai
25
2008

Zeitreisen bei Richter Alexander Hold

…oder schreibt sich der mit „T“ am Ende, na egal…
Auf jeden Fall habe ich jetzt diese Sendung durchschaut, nachdem ich Sie jahrelang unterschätzt habe.
Ich dachte früher immer diese Richtershows wären nur eine Art nachgemachtes „Königlich Bairisches Amtsgericht“, nur ohne Bairisch, König und echte Schauspieler.
Pustekuchen!
„Richter Alexander Hold“ zumindest, ist eine Zeitreisesendung, eine sehr subtile noch dazu. Nur ganz ausgefuchste Intellenzbestien kriegen das mit. Voll krass. Alda.

Neulich wurde da ein Fall behandelt indem irgendein junger Erwachsener, der von Beruf – glaube ich – Laiendarsteller war, verdächtigt wurde, junge Frauen mit einem Korkenzieher zerschnitzt zu haben.
Warum die Frauen nicht wussten, wer sie zerschnitzt hat? Keine Ahnung, so lange hab ich nicht zugesehen.
Na, jedenfalls war die Tatwaffe in einem Fall ein Korkenzieher von einem Getränkemarkt. Und wie es der Zufall so will, hatte der Freund des zweiten Beihnaheopfers auch einen.
Genau so einen, heißt das.

Und da wird die Verhandlung durch eine Werbepause unterbrochen, damit der Kirkidatze, oder wie die Staatsanwälte da immer heißen, den zweiten Korkenzieher zum Vergleich holen kann.

Gesagt getan. Richter Hold/t hält in jeder Hand ein Beweistütchen mit zwei täuschend ähnlichen Korkenziehern (Also einem pro Tütchen). Dann sagt er: „Wie Sie sehen können sind die beiden Korkenzieher identisch.“

Aha.
Sie sind nicht gleich, auch nicht die Selben. Nein, sie sind sogar identisch. Das heißt nach Konrad Ferdinand B. Duden: Es handelt sich bei beiden um ein und denselben Korkenzieher, also im Grunde nur um einen. Und nicht nur im Grunde, sondern auch sonst.
Was bleibt als Erklärung? Einer der beiden Korkenzieher muss die Version des anderen Korkenziehers aus einer anderen Zeit sein. Was für ein perfides Verbrechen: Die Mordwaffe mit einer Zeitmaschine in eine andere Zeit schicken. Zu dumm, dass das Ding dann doch rechtzeitig zur Verhandlung aufgetaucht ist. Und dann auch noch zweimal.
Man sollte sich halt eben immer die Bedienungsanleitung einer Zeitmaschine durchlesen, da man sonst am Ende noch mit sechzehn „identischen“ Schwiegermüttern im Wohnzimmer sitzt, obwohl man erst in drei Jahren seine zukünftige Frau kennenlernt.

Das ist im Grunde schon das Ende meiner Beweisführung.

Jetzt mal im Ernst:
Als obs nicht schon genug wäre, dass nach den neuesten paar Duden das gleiche und das selbe plötzlich das selbe sind: nämlich beide das gleiche, wird nun auch noch der Begriff identisch entwertet.
Sind Zwillinge dann auch identisch, wenn das für gleiche Korkenzieher gilt? Und was bedeutet dann noch das Wort „Identität“, wenn diese nicht mehr einem exklusiv gehört, sondern sie sich mehrere Teilen können?

UND DER MANN IST RICHTER, UND SOWEIT ICH GEHÖRT HABE LEUTNANT DER RESERVE. Da machen sich die Leute über die Jugend und Pisa Gedanken….

Written by Heiko C. in: Beklopptes,Kurzrezensionen,Linguistisches,Lustiges | Schlagwörter: , ,

2 Comments »

  • Gegen deine Beweisführung muß ich Widerspruch einlegen:

    Man kann Identität sowohl auf die Intension als auch die Extension (was du hier tust) beziehen.

    Der gleiche Mensch ist heutzutage 😉 wohl auch immer derselbe, weil man annimmt, daß ein Mensch einzigartig ist.

    Bei Gegenständen bezieht sich Identität aber häufig auf die Intension, sodaß zwei gleiche oder eben identische Korkenzieher nicht notwendigerweise dieselben sein müssen, weil es mehrere Exemplare geben kann.

    Um mal im Genre zu bleiben: Was wären sonst identische Fingerabdrücke?
    Gemeint sind natürlich verschiedene Abbilder des selben Fingers, obwohl die Abbildungen hoffentlich nicht die selben sind (weil man sie sonst nur durch Zeitreisen „vergleichen“ könnte, obwohl man weiß, daß es sich nicht nur um die gleichen, sondern um denselben handelt, weswegen man ihn nicht mit sich selbst vergleichen müßte).

    Comment | 25. Juli 2009
  • Heiko C.

    Ich würde dir zustimmen, wenn es um verschiedene Bilder ein und desselben Korkenziehers ginge. Da wäre der Korkenzieher der jeweils abgebildet ist mit dem anderen „identisch“.
    Wenn es aber um den greifbaren physischen Gegenstand selbst geht, dann kann Identität nur bedeuten, dass es sich um ein und den selben handelt.

    Fingerabdrücke sind – analog zu den Bildern vom Korkenzieher – im übertragenen Sinne identisch, weil sie von identischen Fingern gemacht wurden.

    Wenn ein Richter sagt: „Dieses Auto ist mit dem Tatfahrzeug identisch!“, dann meint er nicht, dass es ein Auto der gleichen Marke und Farbe ist, sondern, dass es sich tatsächlich um das Tatfahrzeug handelt.

    Alles andere wäre – gerade vor Gericht – nur unnötig verwirrend.

    DISCLAIMER: Dieser Kommentar hat natürlich nicht den Charakter einer Rechtsberatung. Wenn Sie juristisch sichere Auskünfte über Korkenzieher und Tatfahrzeuge suchen, wenden Sie sich bitte an einen Anwalt Ihres Vertrauens.

    Comment | 25. Juli 2009

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