Impactsuspect » Frauen, Männer und welche Geschichten sie mögen
Mrz
02
2008

Frauen, Männer und welche Geschichten sie mögen

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber es gibt unglaublich wenige Autorinnen, die ich gerne lese, wenn man ihre Zahl mit der männlicher Autoren vergleicht, deren Bücher ich täglich in mich reinstopfe.
Woran liegt das? Vielleicht leide ich ja an normalem gesunden Chauvinismus, aber das glaube ich weniger. Die Betonung in „weiblicher“ Kunst scheint einfach ganz woanders zu liegen, als in männlicher.
Um gleich mal die Ausnahmen zu nennen, Ursula K. LeGuin schreibt wie ich es lesen will, und auch die Harry Potter Reihe hat mich ein wenig unterhalten, wenn auch nur als Hörbuch. Harry Potter ist einfach ideale Kost, wenn man nebenbei was anderes macht.
Mit Rosamunde Pilcher oder Jane Austen kann man mich jagen, obwohl auch diese beiden Autorinnen Millionen Fans beiderlei Geschlechts haben.
Warum ist das also so?

Ich hab vor ein paar Wochen eine interessante Dokumentation über den englischen Comic an sich gesehen, und da stellte sich irgendwann die gleiche Problematik.
Nachdem sich irgendwann (weiß nicht mehr genau 50er? 60er) eine stabile Stammkundschaft für Comicmagazine unter den jungen männlichen Lesern herauskristallisiert hatte, wollten die Produzenten dieser Comichefte auch etwas für die Mädchen entwerfen, um noch mehr abzusetzen.
Man begann Comicreihen zu produzieren, die denen für die Jungens entsprachen, mit dem Unterschied, dass die Helden allesamt Frauen waren. Irgendein Comic mit einer Fliegerheldin, die in jeder Folge beweisen musste, dass sie den männlichen Piloten gleichwertig ist, schwirrt mir dabei im Kopf herum.
Nachdem diese und einige ähnliche Serien floppten, machte man erst einmal eine Leserinnenbefragung, bei der sich herausstellte, dass Mädchen einen Comic gut finden, wenn er sie zum Weinen bringt.
Von da ab litten die Protagonistinnen in Mädchencomics um die Wette. Ein Comic, den sie in der Doku als Beispiel angeführt haben ist mir im Gedächtnis geblieben. Es ging darum um eine Sklavenfarm mit Kriegswaisen.
Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern sei auch, dass Mädchen zufrieden sein, wenn die Protagonistin trotz aller Hindernisse Erfolg im Leben habe, während Jungens auch lesen wollen, wie der Bösewicht vom Protagonisten eins mit dem Baseballschläger über die Omme gezogen bekommt.

Wenn wir uns Harry Potter ansehen, scheint sich dieses Muster auch dort anzufinden.
Von einer Frau geschrieben, verliert unser sowieso schon vom Leben und seinen Verwandten gestrafter kleiner Mann fast alles, was er im Lauf der Zeit zu lieben gelernt hat: Allen voran seine Eltern, seinen Onkel, mehrmals Ron, seine Freundin, seinen guten Ruf usw.usf.
Trotzdem fällt am Ende der Saga seine „Rache“ eher mild aus. Er verfolgt nicht alle seine Peiniger mit einem Katana, und metzelt sie in epischen Duellen zu Geschnetzeltem.
Voldemort ist weg, und dann ist auch gut. Harry selbst heiratet und sitzt fortan fröhlich im Lehnstuhl.
Bei der Lektüre hab ich mir tatsächlich mehrmals gewünscht, dass die, die es verdient haben ordentlich einen auf den Detz bekommen, allen voran Draco Malfoy. Aber nein, der Satansbraten ist ja noch jung, und „es verwächst sich bestimmt noch“.

Kill Bill hingegen ist ein anderes Beispiel und zwar ein extremes. Da geht es dann nur um die Rache an den Peinigern, obwohl die gute … wie hieß sie noch … Die hatte irgendeinen blöden Namen… Na egal. Obwohl jedenfalls die gute Uma Thurman ja auch ein erfolgreiches Leben mit ihrem Kind hätte anfangen können.
Aber nein, statt dessen häckselt sie sich mit bis zum Schluss ungebrochener Zielstrebigkeit durch die B-Riege der amerikanischen Schauspielerinnen, um schließlich auch Kane aus Kung-Fu zu zeigen, dass man sich nicht mit einer schwertfuchtelnden Blondine anlegen sollte.
Ein Film für Männer? Auf jeden Fall.

Männer konsumieren offenbar also auch Fiktion, die von Frauen handelt die Männersachen machen, und Frauen umgekehrt genauso.

Die Bücher aus dem Hain-Zyklus von Ursula K. LeGuin bilden eine interessante Ausnahme. Dort ist der Gegner kein böser texanischer Karateka, und auch kein schattenhafter Magier, der aus 7 Teilen besteht, die man erst einmal zusammensetzen muss, bevor man gegen ihn kämpfen kann.
In ihren Romanen (zumindest in den SF-Romanen, die ich gelesen habe) sind der Feind die Umstände.
An Umständen kann man sich nicht rächen, darum erwartet der Leser auch schon gar nicht, dass so etwas kommen müsse. Trotzdem kann man sie besiegen. Vielleicht ist das der Königsweg der Unisexfiction…

Written by Heiko C. in: Bücher,Filme,Zwischenmenschliches | Schlagwörter:

3 Comments »

  • […] damit ich mich dafür interessiere. Oder wenigstens Raumschiffe. Harry Potter ist auch, wie ich früher schon erwähnte, weibliche Literatur, aber trotzdem für eine Jugendbuchreihe erstaunlich episch. Die Welt, die […]

    Pingback | 8. August 2009
  • Uma heisst zumindest im ersten Film nur „Bride“

    Comment | 9. August 2009
  • Heiko C.

    Das ist nicht ihr Name, so wird sie nur genannt. Im zweiten Teil erfährt man dann ihren Namen.
    Ich glaub mit Nachnamen hieß die „Kiddo“.

    Comment | 9. August 2009

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  • […] damit ich mich dafür interessiere. Oder wenigstens Raumschiffe. Harry Potter ist auch, wie ich früher schon erwähnte, weibliche Literatur, aber trotzdem für eine Jugendbuchreihe erstaunlich episch. Die Welt, die […]

    Pingback | 8. August 2009
  • Uma heisst zumindest im ersten Film nur „Bride“

    Comment | 9. August 2009
  • Heiko C.

    Das ist nicht ihr Name, so wird sie nur genannt. Im zweiten Teil erfährt man dann ihren Namen.
    Ich glaub mit Nachnamen hieß die „Kiddo“.

    Comment | 9. August 2009

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Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber es gibt unglaublich wenige Autorinnen, die ich gerne lese, wenn man ihre Zahl mit der männlicher Autoren vergleicht, deren Bücher ich täglich in mich reinstopfe.
Woran liegt das? Vielleicht leide ich ja an normalem gesunden Chauvinismus, aber das glaube ich weniger. Die Betonung in „weiblicher“ Kunst scheint einfach ganz woanders zu liegen, als in männlicher.
Um gleich mal die Ausnahmen zu nennen, Ursula K. LeGuin schreibt wie ich es lesen will, und auch die Harry Potter Reihe hat mich ein wenig unterhalten, wenn auch nur als Hörbuch. Harry Potter ist einfach ideale Kost, wenn man nebenbei was anderes macht.
Mit Rosamunde Pilcher oder Jane Austen kann man mich jagen, obwohl auch diese beiden Autorinnen Millionen Fans beiderlei Geschlechts haben.
Warum ist das also so?

Ich hab vor ein paar Wochen eine interessante Dokumentation über den englischen Comic an sich gesehen, und da stellte sich irgendwann die gleiche Problematik.
Nachdem sich irgendwann (weiß nicht mehr genau 50er? 60er) eine stabile Stammkundschaft für Comicmagazine unter den jungen männlichen Lesern herauskristallisiert hatte, wollten die Produzenten dieser Comichefte auch etwas für die Mädchen entwerfen, um noch mehr abzusetzen.
Man begann Comicreihen zu produzieren, die denen für die Jungens entsprachen, mit dem Unterschied, dass die Helden allesamt Frauen waren. Irgendein Comic mit einer Fliegerheldin, die in jeder Folge beweisen musste, dass sie den männlichen Piloten gleichwertig ist, schwirrt mir dabei im Kopf herum.
Nachdem diese und einige ähnliche Serien floppten, machte man erst einmal eine Leserinnenbefragung, bei der sich herausstellte, dass Mädchen einen Comic gut finden, wenn er sie zum Weinen bringt.
Von da ab litten die Protagonistinnen in Mädchencomics um die Wette. Ein Comic, den sie in der Doku als Beispiel angeführt haben ist mir im Gedächtnis geblieben. Es ging darum um eine Sklavenfarm mit Kriegswaisen.
Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern sei auch, dass Mädchen zufrieden sein, wenn die Protagonistin trotz aller Hindernisse Erfolg im Leben habe, während Jungens auch lesen wollen, wie der Bösewicht vom Protagonisten eins mit dem Baseballschläger über die Omme gezogen bekommt.

Wenn wir uns Harry Potter ansehen, scheint sich dieses Muster auch dort anzufinden.
Von einer Frau geschrieben, verliert unser sowieso schon vom Leben und seinen Verwandten gestrafter kleiner Mann fast alles, was er im Lauf der Zeit zu lieben gelernt hat: Allen voran seine Eltern, seinen Onkel, mehrmals Ron, seine Freundin, seinen guten Ruf usw.usf.
Trotzdem fällt am Ende der Saga seine „Rache“ eher mild aus. Er verfolgt nicht alle seine Peiniger mit einem Katana, und metzelt sie in epischen Duellen zu Geschnetzeltem.
Voldemort ist weg, und dann ist auch gut. Harry selbst heiratet und sitzt fortan fröhlich im Lehnstuhl.
Bei der Lektüre hab ich mir tatsächlich mehrmals gewünscht, dass die, die es verdient haben ordentlich einen auf den Detz bekommen, allen voran Draco Malfoy. Aber nein, der Satansbraten ist ja noch jung, und „es verwächst sich bestimmt noch“.

Kill Bill hingegen ist ein anderes Beispiel und zwar ein extremes. Da geht es dann nur um die Rache an den Peinigern, obwohl die gute … wie hieß sie noch … Die hatte irgendeinen blöden Namen… Na egal. Obwohl jedenfalls die gute Uma Thurman ja auch ein erfolgreiches Leben mit ihrem Kind hätte anfangen können.
Aber nein, statt dessen häckselt sie sich mit bis zum Schluss ungebrochener Zielstrebigkeit durch die B-Riege der amerikanischen Schauspielerinnen, um schließlich auch Kane aus Kung-Fu zu zeigen, dass man sich nicht mit einer schwertfuchtelnden Blondine anlegen sollte.
Ein Film für Männer? Auf jeden Fall.

Männer konsumieren offenbar also auch Fiktion, die von Frauen handelt die Männersachen machen, und Frauen umgekehrt genauso.

Die Bücher aus dem Hain-Zyklus von Ursula K. LeGuin bilden eine interessante Ausnahme. Dort ist der Gegner kein böser texanischer Karateka, und auch kein schattenhafter Magier, der aus 7 Teilen besteht, die man erst einmal zusammensetzen muss, bevor man gegen ihn kämpfen kann.
In ihren Romanen (zumindest in den SF-Romanen, die ich gelesen habe) sind der Feind die Umstände.
An Umständen kann man sich nicht rächen, darum erwartet der Leser auch schon gar nicht, dass so etwas kommen müsse. Trotzdem kann man sie besiegen. Vielleicht ist das der Königsweg der Unisexfiction…

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