Feb
16
2008

Die Zukunft ist jetzt! (…fast schon vorbei, eigentlich)

Seltsam, wie sich die Welt in den letzten 20 Jahren doch verändert hat. Wenn man die letzten 20 Jahre ständig auf ihr war und einen gewissen Kontakt zum Puls des Geschehens behalten hat, dann fällt einem das nicht so auf.
Wer jedoch schon in den ausgehenden 80ern Science-Fiction-Romane gelesen hat, der merkt, wie die Realität die Fiktion langsam überholt.

Ein Beispiel hierfür ist das Internet. Das gab es zwar auch schon irgendwie in den 1980ern, aber weiß Gott nicht in der heutigen Form, und nicht für jeden verfügbar. Ich erinnere nur mal an den Film „WarGames“ aus den beginnenden 80ern, der ohne weiteres der Science Fiction zuzuordnen war, und heute eher wirkt wie ein altbackener Thriller. Das einzige SF-Element, dass dem Film heute geblieben ist, ist der intelligente Computer, der im Film im War Room der US-Verteidigung steht.
Na ja, ich schweife ab. Mittlerweile geht jedoch einiges, was in WarGames noch Zukunftsmusik war: Es gibt Hacker, die sich in den FBI-Computer einhacken; und das von außerhalb des FBI Gebäudes. Es gibt Computerspiele, die einen den 3. Weltkrieg „nachspielen“ lassen, und ich zweifle auch nicht daran, dass ein Großteil der atomaren Waffen der USA von Computern gesteuert und verwaltet wird.
Auch das Internet ist Realität, wie man es z.B. in Neuromancer schon kennt, nur dass es damals Cyberspace hieß. Auch in anderen Werken der SF kam der „Cyberspace“ oder eben eine dem Internetähnliche elektronische „Datensphäre“ vor, nur dass ich es mir damals anders vorgestellt habe.
Ich denke an dieser Vorstellung ist auch „Neuromancer“ von William Gibson schuld. Als ich das Buch zum erstem Mal las, kam ich nicht umhin mir das Internet wie eine Art virtuellen Raum vorzustellen, in dem geometrische Figuren die Programme und Agenten darstellten. Das ganze hab ich mir in Vektorgrafik vorgestellt, weil diese damals Top-Notch-Technology war.
In Wirklichkeit zeigt sich, dass ich näher an der Wahrheit gewesen wäre, hätte ich mir das Internet (oder den Cyberspace eben) als riesiges Textadventure vorgestellt. Aber hinterher weiß man immer mehr.

In meinen Streifzügen durch die Bücherei in meinem Heimatdorf bin ich auch mal über ein Buch gestolpert, dass verschiedene Vorstellungen von zukünftiger Technologie aus der SF analysiert, und mit der Hilfe von Wissenschaftlern in eine Art realistischer Prognose zu verwandeln versuchte.
Aus diesem Buch – der Titel ist mir leider entfallen – habe ich damals z.B. erfahren, dass Unsichtbarkeit und Zeitreisen unmöglich sind.
Etwas anderes jedoch wurde von diesem Buch schon für die nahe Zukunft vorhergesagt: Armbanduhren mit eingebautem Telefon, rotem Notrufknopf und einem Ortungssystem, das via Sattelit feststellt, wo der Notrufende ist.
Diese Armbaduhren (im Buch „Ardios“ genannt) sahen in den Illustrationen in etwa so aus wie damals 1985 handelsübliche Digitaluhren mit Taschenrechner.
Haben wir die heute? Nein. (Also Digitaluhren mit Taschenrechner schon, aber nicht jeder hat eine Armbanduhr mit Telefon) Aber wir haben Handys. Da ist auch eine Uhr drin, und selbst wenn man kein Geld mehr auf der Prepaidkarte hat, oder der Anschluss gesperrt ist, funktionieren noch immer die Notrufe.
Wie oft passiert es mir, dass ich ein älteres Buch lese (gerne auch ältere Science Fiction) , oder einen älteren Film sehe, wo der Protagonist gerade irgendwo im Wald oder in der Wüste sitzt, und ich mir denke, soll der halt mal sein Handy benutzen, und ein Taxi rufen.
So schnell kanns gehen, und man erinnert sich kaum noch daran, wie es ohne so nützliche technische Spielereien war.

In diesem Sinne: Die Zukunft ist heute, und war gestern auch schon.

Written by Heiko C. in: Esoterisches,Gesellschaftliches,Technisches | Schlagwörter: ,

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