Aug
30
2015

Reichskrimi

Für wohl jede Gegend in Deutschland gibt es vermutlich den eigenen Lokalkrimi. Moselromane, Pfalzromane, Rhein-Main-Krimis, Hinterm-Deich-Romane, vor einiger Zeit haben ich mal einen Krimi angefangen, der in einem Dorf bei mir um die Ecke spielt. Dieser wurde verlegt vom Gmeiner-Verlag, der sich scheinbar auf die Kunden von Bahnhofsbuchhandlungen spezialisiert hat, denn woanders habe ich die betreffenden Bücher noch nie gesehen.
Heute morgen habe ich in meiner örtlichen Bahnhofsbuchhandlung jedoch einen neuen, irgendwie beunruhigenden Trend entdeckt: Reichskrimis.

Da gibt es gleich von verschiedenen Autoren Bücher wie „Rassenwahn“, „Führerbefehl“, „Walküre Alarm“, „Endstation Reichskanzlei“ und weitere Kandidaten, die in das gleiche Genre (?) passen.
Mit Blick auf den Klappentext erfahren wir, dass die Romane teilweise in der Nazizeit spielen, teilweise 70 Jahre später oder mehr, aber sich mit Ereignissen der Nazizeit auseinandersetzen.

Und es scheint sich zu verkaufen, denn warum sonst hätte der Gmeiner-Verlag, dessen Deichkrimis in meiner Bahnhofsbuchhandlung hingegen nicht mehr entdecken konnte, sich voll und ganz auf die Reichskrimis verlegt?
Sind Nazis die neuen Glitzervampire? Ist das der neue Trend? Handelt es sich um krude Nazisploitation oder um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem dritten Reich, verpackt in leichte Unterhaltung? Und was ich sowieso die ganze Zeit wissen will: WTF?

In einer Zeit in der täglich Asylunterkünfte brennen, in der bei uns im Ort das griechische Restaurant angezündet wurde und sich Rechtsradiale überall im Internet und im realen Leben breitmachen, stößt mir die Naziinvasion im Bücherregal irgendwie sehr unangenehm auf.

Written by Heiko C. in: Bücher,Gruseliges,Politisches |

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