Feb
22
2012

Wiedermal das Ende der Anonymität im Netz…

Auf 33 Bits of Data findet sich ein neuer Zwischenstand in der Forschung um Entanonymisierung von Texten.

Es geht, kurz gesagt, um die Frage ob der Schreibtil ausreicht, um einen anonym verfassten Text mit anderen, nicht anonymen abzugleichen, und somit den Urheber festzustellen.
Die Antowort ist: Jein.
Es klappt in vielen Fällen – im moment trainiert man an Beiträgen aus den selben Blogs, die für die Versuchsanordung anonymiesiert wurden.
Hier gelang die korrekte Zuordnung des korrekten Autors in 20% der Fälle, in 35% der Fälle handelte es sich um einen der 20 als wahrscheinlichsten ausgegebenen Urheber.
Der Autor von 33 Bits weist darauf hin, dass bei echten Ermittlungen nach dem Urheber noch andere Informationsquellen bei der Identifizierung des Autors helfem, wie zum Beispiel ein eventuell lokales Thema des anonymen Textes, oder abgefragte Login-Daten.
Vermutlich werden bei echten Ermittlungen die Erfolgsraten viel höher sein.

Die Methode zur Stilidentifizierung funktioniert wohl auch über verschiedene Kontexte hinweg, wenn man also unter seinem Namen nur über südschlesische, antike Gartenlauben bloggt, können irgendwelche revolutionären Schriften einem trotzdem noch zu 12% zugeordnet werden, wenn der Stil sich nicht ändert.

Das sind alles eher unschöne Nachrichten für Autoren die aus irgendwelchen Gründen anonym bleiben müssen, und da gibt es ja bekanntlich auch in einer freien demokratischen Gesellschaft genug.

Allerdings gibt es Möglichkeiten sich besser zu schützen, wie 33 Bits auch ausführt:

The good news for authors who would like to protect themselves against deanonymization, it appears that manually changing one’s style is enough to throw off these attacks. Developing fully automated methods to hide traces of one’s writing style remains a challenge. For now, few people are aware of the existence of these attacks and defenses; all the sensitive text that has already been anonymously written is also at risk of deanonymization.

Manuell seinen Schreibstil zu ändern ist also eine Möglichkeit, die sicherlich einfacher klingt, als sie ist.
Man könnte also in seinen kritischen Schriften gegen ein unterdrückerisches Regime bewusst nur in Hauptsätzen schreiben, während man in seinem Gartenblog, dass nicht anonym veröffentlich wurde und mit dem man vielleicht sogar eine überregionale Berühmtheit erlangt hat, zu einem Schreibstil neigt, der eher in unerträgliche Bandwurmsätze – wie eben diesen hier – ausartet.
Oder man macht es anders herum.

Eine weitere Möglichkeit, die ich mir so überlegt habe, wäre seinen eigenen Text in eine der kostenlosen Übersetzungsanwendungen wie babelfish zu geben, und ihr durch verschiedene Sprachen zu prügeln, bevor man ihn wieder in seine Wunschsprache übersetzt.
Aus einem Absatz über die Artikel des Grundgesetzes würde aus:

Entscheidende Frage dabei ist, wieweit die staatliche Schutzpflicht aus dem objektiven Gehalt der Grundrechte den Staat dazu ermächtigt, in Grundrechte Beteiligter einzugreifen. Diese „Schutz-durch-Eingriff“-Problematik wird am Beispiel des Urteils zum Schwangerschaftsabbruch deutlich. In der vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenen Verpflichtung des Staates zugunsten des ungeborenen Lebens liegt zugleich ein Eingriff in die Rechte der Schwangeren, der einer Rechtfertigung bedarf. Ob hierfür die objektive Seite der Grundrechte herangezogen werden kann, ist in hohem Maße umstritten und ungeklärt.

durch den Umweg über Englisch, Französisch, Englisch:

Die entscheidende Frage ist daher, inwieweit l‘ nationale Verpflichtung des Schutzes des objektiven Inhalts der Grundrechte erlaubt l‘ Stand, um in den Grundrechten der Teilnehmer zu intervenieren. Dieser Schutz „ durch das d’“; Interferenz – das Problem wird deutlich durch l‘ Beispiel des l’urteils; Abtreibung. In l‘ Verpflichtung des l‘ Stand zugunsten des kommenden Lebens, ausgedrückt durch den föderalen Verfassungsgerichtshof, gleichzeitig befindet sich eine Interferenz in den Rechten schwangere Frauen, die eine Rechtfertigung erfordert. Wenn für dies die objektive Seite der Grundrechte befragt werden kann, in einem umstrittenen und erschütterten beträchtlichen Grad ist.

Naja, da müsste man sicher noch einmal mit der Hand bei, um das Ergebnis wieder lesbar zu machen, aber schon am ersten Halbsatz sieht man, wie eine maschinelle „Verstilung“ aussehen könnte.

Ein weiterer Weg, der mir spontan einfiel, wäre auch die Gewohnheit auf gewissen Imageboards, in einer Art künstlich vereinfachter Subsprache zu kommunizieren, in der jeder die gleichen festgelegten Phrasen benutzt. Allerdings sind hier die Textschnipsel vermutlich so klein, dass bisher sowieso noch keine Zuordnung möglich ist.

Leuten, die auch mal längere Texte schreiben, und dies auch anonym tun wollen, bliebe nur auf eine funktionierende Entstilungssoftware zu warten, die sicher irgendwo irgendjemand entwickelt.
Wenn das nicht der Fall ist: hint, hint!

1 Kommentar »

  • Was lassen die sich eigentlich noch einfallen? Quatschkram, sowas!

    Comment | 22. Februar 2012

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes

Better Tag Cloud